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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-23 · Heft 1189 (23.5.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1189 (23.5.1922)
Date
1922-05-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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EiiizelnuaprK6Q Wien: Zum Ähholen in der Expedition, II.,Tabor str. 1"3, oder in einerVerachleisstelle (Trafik) monatlich IC 1700 ■ Mit Postversahd für Wien u. Oesterreich monat!. K 1700 rener ■' 4' ■ ■ Täf che c h o-S 1 owak e i Mon. IC 20. Ilnxarn: Mon. ICrl50.Znxoslavden: Mon. I)ihar 25. Pol e n: Mon. Mfurk700. Deutschland: Moni Mark 45. Fraukr eich: Monatlich Pres. 6 4 Tschesho » Slowakei r IschecSt. K 1 t a I i.e n : Monatl. 6. Lire Rumänien: Mon. 40. Lei Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3. Redaktion ii. Administration Wien, II., Taborstrasse 1— 3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, > ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: »Morgenzeitung*, Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 9tr. 1189 “ Wie», Dirnstag, 23. Mai 1S22 4. Jahrgang Die Kulissen der Krise. -y. W i e n. 23. Mai. Im Laufe dieser Woche soll die Ordnung der parlamentarischen Verhältnisse Oesterreichs in Angriff genommen werden. Der aus Genua zurückgekehrte Kauz- . ler wird vor dem Ausschuß für Aeuhcres seinen Bericht erstatten und sodann die Verhandlungen mit den Parteien aufnehmen. Die so schön eingefädelte Intrige der Großdeutschen wird damit in ihrer inneren Leere enthüllt werden. Es wird sich aber nicht.'.allein zeigen, daß diese Partei und ihre heimlichen Bundesgenossen vom. ländlich-agrarischen Flügel der Christlichsozialen die tatsächliche Situation falsch aufgefaßt haben, als sieihre eigene Unzuverlässigkeit der Entente unterschieben wollten, sonderndes wird auch über die Frivolität der Krise gesprochen werden, die jetzt -um dritten Male gegen Schober auftritt und der ersten Regierung, die Oesterreichs Interessen würdia. "nd erfolgreich wahrgenommen, ein Messer in den Rücken hat stoßen wollen. Es wird auch notwendig sein, die hinter dieser Krise arbeitenden Kräfte bloßzulegen und zu zeigen, in welchen Händen sich hierzulande die Politik befindet. Wem würde der Sturz Schobers nützen? Diese Frage wird zu stellen sein und ihre Diskussion wird zu beweisen haben, daß die vom Friedensvertrag garantierte-Unabhängigkeit Oesterreichs von innen heraus durchlöchert wird. Der Zeitpunkt dieser Krise vor allem fordert zu einer genauen-Untersuchung heraus. Es kann doch kein ^Zufall sein, daß immer in heiklen Augenblicken der Kreditfrage eine-Konstellation entsteht, die den ver- 4, handelnden Bevollmächtigten die Autorität und die Vollmacht, dem Staat aber die Kreditwürdigkeit beeinträchtigt. Wenn die Vertreter Oesterreichs in schwierigen Auseinandersetzungen, in denen die Grundlagen fiir einen Arbeitskredit gelegt und besprochen werden, ans der Heimat mit einem Mißtrauensvotum bedroht sind, so verlieren alle ihre ArzstMWÜngM-ÄrMert ^rnd jede kommende Regierung muß dann die Verhandlungen auf völlig neuer Basis anfnehmen, deren Voraussetzungen sie zuerst den österreichischen Parteien abkaufen muß. Es gibt immer in solchen Augenblicken neue umfangreiche Gehaltsforderungen einiger von den Großdeutschen vorgeschobenen Beamtenorganisationen, es gibt plötzlich Schwierigkeiten zwischen den scharfmacherischen Gruppen der Industrie und den Arbeitern, Ankündigungen neuer Teuernngsexzesse und Unklarheiten über die Lebensmittelversorgung. Die Meldungen über solche Vorgänge gelangen dann m übertriebener Ausgabe in das Ausland und die Sacke Oesterreichs wird wieder unsicher. Die Faktoren, die daran ein Interesse haben, müssen nicht erst mühsam, gesucht werden. Es ist die nationalistisch gefärbte Stinnes-Industrie, die zunächst in Oesterreich, dein Ort deS geringeren Widerstandes) eilten sozialen Kampf mit der Arbeiterschaftvorn Zaun brechen möchte, und sich hiefür den Boden durch politische Vergiftung der nervösen Bevölkerung vorbereiten wöchte. Ihre Versuche, sich eines Teiles der Presse zu bemächtigen, dienen dein Ziele, Oesterreichs Anstrengungen zu entwerten und an den maßgebenden Stellen des Auslandes^ vor allem aber in dessen Oeffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, als wäre Oesterreich ein bolschewikischer Staat nach russischem Muster. In der Verfolgung dieser Absicht trifft sich diese Gruppe mit den in Wien an der Aufrichtung der Weltreaktion arbeitenden Emigrantenzirkeln aus der Tschecho-Slowakei, Rußland und Jugoslawien und in weiterer'Folge mit den ungarischen Bestrebungen, die neomagyarische Kultur nach dem, Westen vorzurücken. Jede Schwächung Oesterreichs, jede Verzögerung der Sanierung, ist eine Stärkung der Kreise, diedie Uhr zurückstatten und den Rackekrieg gegen die Sieger, aber auch gegen btc demokratische Entwicklung vorbereiten wollen. Es gibt zwischen der Harthy-Regierüng und den Separatisten in den österreichischen Bundesländern, die unter dem'Kommando landfremder Exilierter stehen, sehr dichte Verbindungen, und die der Republik feindlich gesinnte Großstadtpresse leistet gerne Zwischenträgerdienste. . > ' . Wenn. Herr. Schober, dessen persönliches. Verdienst die Umstimmung der Snkzessionsstaäien zur Zurückstellung des Generalpfandrechtes ist, die iunerpolitische Situation überprüft, so wird es notwendig sein, den. Quellen der Sabotage nachzugehen, die . in Oesterreich betrieben wird/ und im Interesse der wirtschaftlichen und sozialen Reäktion auf dem Staat , ein Schlachtfeld machen möchte: : Es wird festzustellen sein', weshalb. regestnäßg in Augenblicken wichtiger Verhandlungen eine jMe. antisomitische Hetze der SMWyMen ein- / ■ c Das amerikanische Kreditprograitnn für Paris, 22. Mai. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" wird Pierpont Morgan Dienstag abends, von London kommend, in Paris eintreffen. Die erste Sitzung des Morgan-Komitees wird am Mittwoch im Hotel Astoria stattfinden. Das Komitee wird über die drei folgenden Punkte beraten: 1. Die. Grundlage, auf der eine deutsche Reparationsartleihe ausgegeben werden kann, und die Bestimmung des Betrages, auf dessen Rückzahlung in den nächsten Jahren vernünftigerweise gerechnet werden kann. 2. Bestimmung für Sicherheiten für die Gläubiger in der Weise, daß die zukünftigen Interessen der Reparationen keinen Schaden erleiden. 3. Bestimmung der Art und Weise, wie die Garantien, die für die Anleihe festgesetzt wurden, zu kontrollieren und zu verwalten wären. Bestimmung der Beziehungen zwischen der deutschen Regierung, den Gläubigern und der Reparationskommission. Der amerikanische Standpunkt ist der, daß eine Anleihe von mindestens einer Milliarde Dollar für Deutschland aufgebracht tverden kann, wenn der Zinsfuß entsprechend hoch gestellt wird und die Alliierten sich verpflichten, Druischlaud während der Dauer der Anleiherückzahlung mit keiner Invasion zu überziehen, und schließlich, wenn mindestens ein Viertel der Anleihe Deutschland für den Ankauf von Rohstoffen LberlaHy„'ixipd, .A.m die Anssichtiru der Anleihe festzustellen, müßte nätürlich.derMMieckKoMtzlex."Ser.Re- und insbesondere der Gesämtbetiag där/HpäWMLn festgesetzt werden. ' Deik deutsche Mlirn. Paris 22. Mai. (Tel.-Komp.) In der cm Mittwoch stattsindeuden ersten Sitzung der Anleihetommissiou der Reparationskommission wird der deutsche Vertreter, Staatssekretär B.ergmann, den dentschen Plan Liber die Aufbringung einer internationalen Anleihe für Deutschland vorlegen. Dieses Projekt sieht nicht'nur eine Garantieleistung für die Anleihe durch die .Einnahmen. der staatlichen und der in 57eichZheLrieb befiMichen Anlagen vor, sondern auch eine Beteiligung der Industrie. Die Verteilung der Garantielasieu soll nach dem im Reichswirt'schaftsrat angenommenen Plan erfolgen. Die KöNfoLidieMNg der Wirtschaft, Washington, 22. Mai. '(Tel.Komp.) Von Persönrichkeiten, die der Regierung nahe stehen, wird erklärt, daß Amerika Zusammen mit anderen Nationen bereit sek, Plane Zur Wiederherstellung des internationalen w i r t s ch a s t l i ch e n Gleichgewichtes auszuarbeitm, wenn die sich ins Ausland begebenden amerikanischen Bertreter die Neherzeugung haben, daß von den Besprechungen, an denen sie teilnehmen, die Erörterung politischer Fragen ausgeschloffen bleiben. Die Festsetzung der Kriegsschulden setzt, weshaw immer zu solchen Zeiten im Nationalrat und in der Oeffentlichkeit Gerüchte-der dümmsten Art über die wirtschaftliche Situation anftauchen, und auch die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Politikern und der.Börse müßten überprüft werden. Nicht allein das arbeitende, von Schiebern, Wucherern und Bauern geplagte Volk, auch die Negierung hat ein-Recht darauf, vor politischem Menchelmord, vor alldeutscher Brutalität: und vor magyarischen Kulturoffensiven geschützt zu werden. Werträge Mit Rußland. Die Notwendigkeit des Parlamentarismus. Zu dein in Genua behandelten russischen Problem und den dort zum Teil abgeschlossenen, zum -Teil vor dem Abschluß stehenden Verträgen, nrnunt der Herausgeber.der Zeitschrift' „Der Wiederaufbau", Parvus; in emem Ar- ,tikel folgendermaßen Stellung: , . Der Pakt Mit der Sowjetregierung hat nur eine vor- MrgMide' BMutüngi Man mMM M iMU anderen der einzelnen Nationen und der Bedingungen der denk scheu Reparationszahlungen au? einer Grundlage, die -Gewahr gibt, daß Zinsen und Kapital bezahlt werden, sei nach Ansicht der amerikanischen Sachverständigen der SchlöM der Lage. Die Sachverständigen halten auch die Einführung der Goldwährung für unbedingt notwendig. Der -Kampf gegen Me WelLLeaktivn £Tj$& George üben die Gernm-KonserenZ. London, 22. Mai. (Wolfs.) Lloyd George erklärte nach seiner Rückkehr ans Genua in einer Unterredung über die Genueser Konferenz, die Völker hätten eingcsehen, daß es sich um einen Kampf gegen reaktionäre E l e m c«i c handelte «üb" Genua das erste und wichtigste Stadium gewesen sei. Im Kampfe gegen die Reaktion seien Stellungen genommen worden und man werde von Sieg zu Sieg schreiten. Der B u r g f r i e d e n s p a k t sei das Große, was Genua erreicht habe. Die Bolschewiken seien nach ihrer langen Isolierung zur Berührung mit den Westmächten gekommen und wüßten nun, daß ihre Grundsätze den anderen Nationen nicht ausgezwungen werden können und daß der Preis des von ihnen geforderten Kredits die Anerkennung der Grundsätze der internationalen Beziehungen sei. lieber die Ziele der Russen erklärte der Premierminister, er zweifle nicht im geringsten an dem aufrichtigen Willen des russischen Volles zum Frieden. Die Volker Europas, auch das französische Volk, verlangten leidenschaftlich nach Frieden. —--eitzre Gefahr für VMaarrerk. Sofia, 22. Mai. (Intel.) Es ist der Regierung gelungen, «ruem großen Hochverrat ans die Spur zu kommen, der von dem oppositionellen bürgerlichen Block im Verein mit den Wrangel-Offiziere« organisiert wurde. .Die Regierung hat eine Reihe hervorragender Führer der russischen Emigranten, die m der Hochverratsasfäre verwickelt sind, aus Bulgarien ansgewiesen. So wurde der OberbefeMhabsr der Wrangrl-Armee, General Kutepolv, »ach der'Türkei abgci Hoben. Er sollte ursprünglich nach Ungarn ansgewiesen werden. Ferner wurden die Generäle SchaLil'üv, Wjasnetinow, » Popow, Oberst. Pisarew und Oberst Filaljew ebenfalls nach Konstaniinopel abgeschoben. Das bulgarische InnennünisterinM hat im Zusammen» hang mit dem Hochverrat eine Verordnung erlassen, der zufolge sämtliche russische Flüchtlinge, die für die öffentliche Sicherheit und Ordnung des Landes eine Gefahr bilden, sofort anszuweisen sind. Es wird angeordnet, daß die Wrangel-Leuie, die in verschiedenen Kasernen gruppenweise nntergebracht sind, individuell nach anderen Orten des Landes vereinzelt abtransportiert werden sollen und einen ständigen Wohnort bis auf ihre Heimbefördrrung nach Sowj'etrntzland zngewiesen bekommen. Dabei sollen sie keine staatliche Verpflegung und wie immer geartete Unterstützung erhalten. Die bulgarische Regierung hat entsprechende Schritte zur baldigen Ermöglichung ihrer Heimbefördernng nntcrnonlmen. - einstellen, der hinterher kommt — das große Rußland. Man rnus; Rußland so behandeln, wie es diesem Lande nach dessen wirtschaftlicher und politischer Vergangenheit zukömmt. Konstrlargerichte und ähnliche Beschränkungen der russischen Staatssouveränität würden die Beziehungen zu.Rußland nur.stören. Rußland wird seine RechtZorduuug.laiederberstellen, die vor dem Kriege ausreichende Sicherheiten bot. Sicherheiten sind notwendig nicht gegen das russische Voll, sondern gegen das S o wjetregime. Alle Zusagen der Handelsfreiheit, der Verkehrsfreiheit, des Schutzes des Eigentums und der Person usw. bleiben leerer Dunst, solange die Selbstherrlichkeit.und die. Willkür der einzelnen Sowjetorganisationen und Sowjetbcanlterr bestehen bleiben, Hier Wandel zu schassen, ist Aufgabe der Zerttralregierung. Das ist keine Verfassungsfrage, es ist eine M a ch t f r a g e. Viele Provinz- und Ortsgewaltigen werden sich bis zum äußersten wehren und nur mit Gewalt beseitigt werden können. Die Zentralregierung muß mit eiserner Hand durchgreifen und jede Nnbotnräßigkeit schonungslos ausmerzen. Erst wenn sie in der Praxis gezeigt haben wird, daß sie Ordnung in den eigenen Reiherr

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