Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1188 (22.5.1922)
- Date
- 1922-05-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Men, Montag <.vv; - % .* •’* . . v- . ** ' >. >'^: Wiener Krorgenzeitun- Ip'.-'-'V' 22. Mai 1922 Nr. 1188 Palästina. Der Eigentümer der antisemitischen „Morrrirrg Post" gegen die Aushebung der BaLsour-DeLlaration. Jerusalem, 16. Mai. (I. C. V.) Das arabische Blatt -»M a r a t E l Scherl" veröffentlicht ein Interview mit dem jetzt in Jerusalem weilenden Eigentümer der „Mornin g P o st", L o r d A p s l e y, der sich über die Bälsour- Deklaration wie folgt äußerte: „Tie Balsour-Deklaration ist ein Versprechen, das die britische Negierung unter den: Einfluß gewisser Faktoren dem jüdischen Volke gab. Es' ist v e r g e b l i ch, von der Regierung den Widerruf dieses Versprechens zu verlangen, denn die britische Regierung kann nicht ohne Schaden für ihre äußere Politik ein solches Versprechen widerrufen. Die Einwohner sollen lediglich verlangen, daß die Regierung dieses Versprechen mit Gerechtigkeit und Weisheit durchführe, so daß weder der politische Standard der Regierung noch die Rechte und Interessen der Bevölkerung verletzt werden." ELue palästinensisch -mshammedanLsche Delegation nach Indien. Jerusalem,-16. Mai. (I. C. B.) Der Oberste mohammedanische Rat in Jerusalem hat beschlossen, eine Abordordnung nach Indien zu entsenden, die unter den dortigen Mohammedanern Geldmittel für die Erhaltung der Moscheen sammeln soll. Tie Delegation soll, sich bei dieser Gelegenheit auch aus politischem Gebiete betätigen, uni die Stimmung der dortigen Mohammedaner für die Forderungen nach Erhaltung der Souveränität des Kalifats über die heiligen Stätten dienstbar zu machen. Zarrgwill als Politiker. Seitdem der englische Zeitungskönig Lord Northclisse bemüht ist, der Politik Lloyd Georges auf allen Linien Opposition zu machen. Hai bekanntlich die Northcüsfe- Presse auch in ihrer Haltung zum Zionismus eine deutliche Schwenkung vollzogen. Vor allem sind es die „Tim e S", welche früher geradezu zu den Vorkämpfern der Englischen Palästina-Politik gehörten und seit einiger Zeit einen durchaus entgegengesetzten Standpunkt einnehmen. Sie Haltung Northclisses nach. seiner Palästina-Reise, welche er im ganzen mit einem, 48stündigen Aufenthalt im Lande verbunden hat, ist Erinnerlich, lieber Auftrag Northclisses blieb jedoch der Orientkorrespondent der „Times", Grave, in Palästinawelcher in einer langen Artikelserie das Palästina-Problem behandelt hat, unb, obgleich er sich vielfach zur Anerkennung ' der jüdischen Leistungen genötigt sah, seine Haltung im Sinne seines Auftraggebers orientieren mußte. In seinen: letzte;: Aussatz, ' welcher eine Rekapitulation ferner früheren. Darlegungen enthält, sucht Grave einen „gemäßigten" Zionisums gegen den „extremen" Zionismus auszuspielen und seine Forderung läuft interessanterweise in dem Wunsch nach Unterstützung der von ihn: mißverstandenen Tendenzen eines Achad-Haam aus. Wenngleich Man nun die Wirkung der neuesten Haltung der Northelisse-Presse trotz deren Verbreitung nicht gerade zu überschätzen braucht —^ charakteristisch ist, wie die „Times" gelegentlich ihr Herz für die antizionistische Orthodoxie in Palästina entdeckt haben — so ist es doch notwendig, daß von jüdischer Seite alles vermieden werde, was zu Mißdeutungen Anlaß geben und der antizionistischen Propaganda Argumente liefern könnte. In die Diskussion über die Palästina-Frage, welche in der" letzten Zeit in der englischen Presse einen breiten Raum einnimmt, hat sich auch Israel Zangwill einzugreisen bemüßigt gefühlt. Zangwill ist seit langem, als ein bedeutender Schriftsteller'und ebenso als ein schlechter Politiker bekannt. Schon die Art, wie er nach seiner Loslösung von der zionistischen Organisation einen „Terrrtorialisnnls" zu propagieren unternahm und mit gänzlich unzulänglichen Mitteln in dilletantischer Weise aus die Suche nach einen: Territorium für eine jüdische Massensiedlung ausging, hat dieses letztere Urteil gerechtfertigt, noch mehr Zangwills verschiedene Aeußerungeu und .Seitensprünge in den letzten Jahren. Gegen die „geistige" Auslegung des Zionismus durch Len „Times"-Körrespondenten Grave hat nunmehr Zangwill in den „Times" vom 8. Mai in einem Brief an den Herausgeber Protest erhoben. Aber er tut dies in einer Weise, welche der jüdischen Sache keineswegs zu nützen geeignet ist. Zionismus und Balfour-Deklärqtion —erklärt Zangwill — haben nur einen Sinn, wenn sie die Verwartdlung Palästinas in einen Judenstaat beabsichtigen. ' . „Es. ist wahr, daß in dem Versprechen, Palästina den Juden zu geben, unsere Staatsmänner ebenso rücksichtslos die Existenz' von 600.006 Arabern vernachlässigt haben wie die zionistischen Führer selbst... Nur durch drastische Maßnahmen — wie sie kein jüdischer Gouverneur übernehmen könnte — hätte England die-Aufgabe vollziehen können, dje es mit Annahme -es Mandatsaus M.gMYpmen hat. Aber das Äeußerste, was jetzt durchführbar erscheint, ist die Entstehung einer semitischen Schweiz, wo die Juden einen gleichen Status hatten wie die Araber. So ein Staat wäre ein Weltaktibposten, und noch mehr ein Aktivposten für England, keinesfalls aber ein englisches Defizit. Aber als jüdrschnationaler Aktivposten oder als Lösung der Judensrage wird er verhältnsmäßig wertlos sein." Natürlich mußte sich die Zionistische Exekutive in London beeilen, in einer Züschrist an die ,,T i m e s" zu erklären, daß sic Zangwills Aeußerunger: völlig ferne stehe. In einer Zeit, wo es darauf ankommen muß, den friedlichen Willen des Zionismus zu betonen und jedes Bedenken zu zerstreuen, als ob er Gewaltmittel und eine Verdrängungspolitik im Auge hätte, ist ein Bedauern über die Unterlassung von drastischen Mitteln durch England noch weniger am Platze als sonst. Tagesbericht. SchiffskaLastrsphe. Brest, 31. Mai. (HavasJ Der englische Dampfer „EgyPL", auf der Fahrt nach Indien begriffen, ist infolge eines Zulamm enftotz es mit dem französischen Frachteudampfer ^Seyrie" gesunken. Zahlreiche Passagiere des englischen Dampfers wurden von dem franZöfischen Dampfer gerettet und nach Brest gebracht. Dis Zahl der Opfer betragt wahrscheinlich 96; bisher find etwa 29 Leichen geborgen worden. * Englische Sokomoliven fSr PalWina. Die englische Fabrik Kilson & Cy. in Leeds bat acht dem palästinensischen Etsenbshn'ystem angepatztr Lokomotiven konstruiert und bereis nach Palästina adgelirsert. Die Lokomotiven stellen einen besonders starken Typ dar und sollen für Persooenzüge aus der Lüdd-Ferüsalem-Linie benutzt werden, da diele Strecke über stark ansteigende Gelände führ!. * Sterbefälle. Im Sanatorium Löw ist gestern der Gesellschafter der Firma Nätaniet Rothschild, Baron August Twickel, im 73. Lebensjahrs gesttrben, — Vorgestern ist in seiner Wohnung, 8. Bez.,-Lammgasse ß,'der bekannte Rechtsanwalt Dr. Otto Pelle ch im 60. Lebensjahre verschieden. * Jüdische Hilfsarbeit in der Mraina. Durch die Intervention der Naüsen-Hilfsöraanisaiion in Rußland hat' der Vertreter der s ü d i s ch eu Welthilfsko nfer.enz Doktor Adler von der Sowjetregierung die Erlaubnis erhalten, nach Rußland zu reisen und sich dort an der Hilfsarbeit zu beteiligen. Dr. Adler erhielt von der Nansen-Organisation ein schriftlich fixiertes.Mandat, in welchem er als Gesandter der Weühilsskonserenz bezeichnet wird, der die Hilfsaktion für die jüdischen Flüchtlinge am ukrainischen Ufer des Tnicstr zu organisieren hat. Gleichzeitig ist Dr. Adler zun: Hilfsarbeiter des Leiters des Nansen-Komitees in der Ukraina, Kapitän Kißling, ernannt worden. (I. C. B.) * Das Lleben-Denkmal all der Universität. Sonntag mittags fand an der Wiener Universität in feierlicher Weise und im Beisein vieler Festgäste und Vertreter wissenschaftlicher Körperschaften die Enthüllung des für den Chemiker und Professor der Wiener Universität Hostat Tr. Adolf. Lieben in: Arkadenhofe errichteten Denkmals statt. — Hosrat Doktor Adels Lieben wurde am 3. Dezember 1836 in Wien geboren, 1836 an dev Heidelberger Universität zum Doktor der Philosophie habilitiert. Er habilitierte sich 1861 an der Wiener Universität für Chemie. Vier Jahre spater wurde er zum ordentlichen Professor an die Universität Palermo berufen, 1867 erfolgte seine Berufung an die Universität Turin, 1871 an die Prager Universität und 1875 an die Wiener Universität, wo er bis 1806 ln hervorragendster Weise wissenschaftlich tätig war. . Der Hausarzt. < Redigiert von Dr. Sans! Beer. Die Heilung des Krampshustens. , Zu den unangenehmsten Augenbicken in der ärztlichen Praxis gehört es, wenn der Arzt.die Diagnose des Keuchhustens feststellt und sich im Stillen fragen muß, was. soll ich mit dem Kinde machen. Es gibt kaum eine Krankheit, deren Verlaus so.gut gelaunt ist, wie diese, und über deren Behandlung sich die Heilkünstler so wenig im klaren sind. Es bestehen noch heute trotz mnsanareicher Forschertätigkeit in den letzten Dezennien.die -verschiedensten entgegengesetzten Auslegungen über die Entstehung der Kranklieii — und diesen: Umstande sich auch die verschiedensten Methoden der Heilung des Krampfhustens zuzuschreiben. Jeder Praktiker schwört aüf ftin Heilmittel. In Wahrheit dürsten alle Zusammen kaum einen besonderen Einfluß auf das Leiden ausüben, höchstens, daß sie mildernd cmf gewisse unangenehme Zwischenfälle wirkten. Ern einfacher unkomplizierter Keuchhusten dauert sechs bis acht Wochen, es verlausen die verMedenen Falle eben.verfchiedenartjg, je nach der Schwere der Infektion. Denn, daß der Ketschhüsten eine Infektionskrankheit ist, dürste wohl allen klar sein. Durch die direkte Uebertragung erkranken eben fast immer alle Kinder einer Familie und selbst Erwachsene, wenn sie in der JugeiH die Krankheit.nicht mitgemacht haben. Ein- MälW AeberMetz des. Leidens schasst fast sicheren Schutz, Die wenigsten Menschen wissen davon, daß sie Keuchhusten durchmachten. So mancher Erwachsene, der an einem hartnäckigen Hüsten, durch Wochen laboriert, leidet an einem nicht erkannten Krampfhusten, der eben nicht den typischen Keuchhustencharakter aufweist. Ein Husten, der sich an keinen Schnupfen anschließt, trotz Bettruhe, warmer Getränke und Hustenmittel sich nicht bessert, zu nächtlichen Hustenanfällen führt, die den Patienten zum Aufsetzen zwingen und bisweilen mit Erbrechen oder Würgen einhergehen, ist aus Keuchhusten sehr verdächtig. Kommt es einmal zu den typischen staccatoartigen Anfällen, die eine starke Rötung des Gesichtes herbeiführen, dann ist auch der Laie über die Krankheit im klaren, doch handelt es sich um die frühzeitige Erkennung des Leidens, um eine schleunige Isolierung des Kranken zu ermöglichen. Denn es genügt das einmalige Anhusten, um die Krankheit zu übertragen, weshalb mit Recht an Keuchhusten kranke Kinder von anderen strenge fernzuhalten find. Die Gefahren des Keuchhustens bestehen hauptsächlich in der fortschreitenden Entkräftung der Kinder, die infolge der Hustenstöße das Essen erbrechen, und infolge des meist bestehenden Lungenkatarrhs entweder von einer Lungenentzündung heimgesucht werden oder einer späteren Tuberkulose anheimfallen. Die sich viele Monate hinziehenden Krankheitsfälle sind meist Mischinfektioneu mit Grippe. Häufig genug verlieren sich die Anfälle, um etwa bei einem Schnupfen oder einer Kehlkopferkrankung neuerlich typische Krankheitsfälle hervorzubringen. Hiebei muß man entweder an eine zurückgebliebene Bahnung der beim Keuch ynsten abgelcmsenen Nervenwege denken, oder von einer Jmitationsneurose sprechen, als welche manche Autoren die Krankheit aussassen. Diese Aerzte versprechen sich dann bei der-Behandlung der Krankheit viel von der suggestiven Therapie, die aber leider bei den: Säugling versagen muß. Der Arzt ist tatsächlich in größter Verlegenheit, was er bei einem Keuchhusten machen soll. Als oberster Grundsatz muß gelten, dem Kinde möglichst viel frische Luft znzuführen. Es ist also für reichlichen Aufenthalt in: Freien, gute Lüftung der Zimmer zu sorgen. Der Ortswechsel wird im allgemeinen allzu sehr überschätzt. Gewiß chird eine Uebersiedlung aus den: rauhen Norden ans Mittelmeer gut tun, ebenso ein Wechsel der staubigen Großstadtluft mit der reinen Landlust günstig wirken. Sehr geschätzt ist viel Sonne.; Ortswechsel wirkt schon deshalb manchmal Wunder, weil die Kinder aus ihrer gewohnten Umgebung herauskommen, in der ihrem Leiden viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird und wodurch sie durch einen Ansall die Befriedigung ihrer Wünsche zu erreichen hoffen. Die meist nervös belasteten Kinder setzen den Anfällen keine Hemmungen entgegen. So erklären sich die oft wundervollen Erfolge, die einzelne durch energisches Auftreten, Drohungen und Strafen bei älteren Kindern erzielen. So gibt es Verfechter der Anschauung, daß der Kramvflmsten nur mit der Rute zu heilen sei. . Wichtig ist bei Behandlung des Keuchhustens die Erziehung der Eltern, beziehungsweise der Umgebung. .Es soll der Patient nicht so sehr beachtet, eher vernachlässigt, und das Kind zur Unterdrückung der Anfälle angehalten . werden. ' i Bei katarrhalischen Zuständen wird man die üblichen Brusteinwicklungen durchführen, Latschenöl auf das Kopfkissen tropfen, häufige, aber kleinere Mahlzeiten verabreichen, um das Erbrechen, zu verhüten und die Regelung der Verdauung im Auge behalten. Bei schweren, mit Ersticken einhergehenden Zuständen hilft manchmal ein Aderlaß. Neuerdings hat man verschiedene Versuche mit Serum gemacht. Doch läßt sich kein abschließendes Urteil derzeit noch abgeben. Wichtig ist die günstige ' Einwirkung der Kn'hpockenimpfung bei noch nngeimpften, an Keuchhusten eben erkrankten Kindern. Da der Keuchhusten eine schwere Belästigung des Erkrankten darstellteine gewisse Lebensgefahr mit sich bringt, und da es ein spezifisches Heilmittel noch nicht gibt, bleibt die Vorbeugung der Krankheit allein als unsere wichtigste Aufgabe. . : Aerztlicher Frageknsten.! •' Rußland. Sie können es mit den Injektionen versuchen, die Art der Verabreichung müssen Sie schon-dem behandelnden Arzte überlassen. — Besorgte Großeltern. Die Ursache der verspäteten Zammng dürfte trotz guten Aussehens des Kindes, in bestehender Rachitis, ^englischer Krankheit) liegen, weshalb dic Verabreichung von Phosphorlebertran auf ärztliche Verschreibnng chin rätlich ware. — M. B„ Taborstratze. Die Heiserkeit kann ioohl Folge einer-, katarrhalischen Erkrankung des Kehl-- - kopfes sem, doch kann cs sich auch um ein ernsteres Leiden handeln, weshalb die Untersuchung des' Kehlkopfes mit . dem Sviegel zu empfehlen ist. — Diphleuz. .Die 'Behandlune dieser Krankheit mit dem Serum-ist die größte Errungenschaft der neueren Medizin. Es ist ein Verbrechen,-die Serumbchandlung, die ausgezeichnete. Erfolge gibt, abzulehnen. — Ohr Der Furunkel im äußeren 'Gehörgange muß- -wenn er sich aus warme' Umschläge^ nicht öffnet, vom Arztgeöffnet werden * -4 i'^*! 'ifünrti UMMM« •iiK 9695