Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1188 (22.5.1922)
- Date
- 1922-05-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElnitlnommerKSO Wien: Zmh Abholen in der Expedition»II.,Taborljtr.l-3, older in emerYerscbl^i>stel|e (Trafik) mohaliich K 17Ö0 MitPostreraand für Wien u. Oesterreich monatl. K1700 rrnrr TscKech o-$1 owak ei Moä. K20. Ungarn: Mon. Kl5Ö.Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Po Ten: Mon. Mark 700. D.eutachland: Mon. Mark . 45. ,F r.a n kr e ich:' Monatlich Frca. 6 Tsehaeho* Slowakei! ■ .'.jfschecj|b' K 1 talxen: Mohatl,.6. Lin; Rumänien: Moö. 40. Le Sch vr eiz und das .übrigi Ausland monatlich Frcs.3 Re.daktionu. ÄdministratioJ! Wien, II., Taborstrasse 1—* 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr. : .Morgenzeitung', Wien . . Oesterreichisches Postspar* kassen-Konto Nr. 150.693 faam Nr. 1188 Wien.Montag, 22. Mai 1922 4. Jahrgang In Parlamentarischen- Kreisen verlchttet, das; die Zu- . sicherungen, ' die •. der. Bundeskanzler sowohl bezüglich der' Aufhebung der Generalpfandre chttals auch in der Frage, der ofterreichischenKredite, vor allem ab'er bezüglich der s o fo r t i gen B e v o rs ch u ssu n g des' i t a l i e n'i s.ch e n K r e.d i i's und einer Erhöhungdes tschech-o - slowakischen erhalten hach -durchaus persönlicher Natur sind, so daß ein Wechsel ln per Regierung,eine völlig nue Si.tuati.on schaffen müßte.. Eine andere Regienmg müßte die Verhandlungen von An-, fang an/wied.er beginnen. Die Parteien, werden also, bei ihren Entscheidungen, auch auf diese Erchagüngen Rücksicht nehmen müssen,- da es sich vor allein darum handelt, jede weisere Verzögerung $u’ vermeiden. Ans. diesem Grundeglaubt ntam daß in den nächsten Tagen eine Entspannung, der parlamentarischen Situation eirftreten wird. GeueralhypoLhek und Krise. . Bundeskanzler Schober, dev gestern früh aus Genua hierher-zurückgeiehrt ist, erklärte einem. unserer Mitärbeiter, .daß es ihm gelungen sei, in den zwei Tagen seines.letzten Aufenthaltes in Genüg Erfolge zu erzielendie, wenn er sich nicht, entschlossen hätte, die .Reise zu unter- ' nehmen und den Weg diplomatischer Verhandlungen zu betreten, noch lange Wochen auf sich, hätten warten lassen, was natürlich bei, der gegenwärtigen Lage Oesterreichs keineswegs erwünscht gewesen wäre. so 'führte der^BrmveS-' kanzler. tytß, 777mit dem jugoslawischen Minister des .... denten Bratiauu und dcm tschecho-slokalischcn Mi-- nister des Aeußem Dr. B e n e sch zu konferieren, und schon am Nachmittag nach «einer Ankunft in Genua war es klar, daß nunmehr bezüglich der Aufhetnng des Generalpfandrechtes der Weg für Oesterreich znr ReParationskommission frei ist und uns keinerlei Hindernis mehr erwachsen kann. Ich habe ferner von dem italienischen Premier Facta und dem Minister des , Aeußem Schanzer wegen Be vorschufsung des italienischen Kredites günstige Zusicherungen erhalten. Aüch die Aussichten wegen baldiger Erledigung der uns von Frankreich zugesagten Kredite sind im stanzösischen Parlament die günstigsten und. der Leiter der französischen Delegation in Genna Minister Barthou hat mir in Aussicht gestellt, daß ein großer Teil des französischen Kredites noch vor der parlamentarischen Erletzgung zur Auszahlung gelangen wird." Der Bundeskanzler strhr dann fort:; „Mit Genugtuung kann ich darauf verweisen, daß ich bei den Ver» tretern aller Staaten verständnisvolles Entgegenkommen gefunden habe, obgleich ich nicht als Bettler aufgetreten bin und auch nicht ein Q u e n t ch e n' unserer W ü r d e v er g e b e n habe. Mein. Standpunkt war ja immer der: Ihr habt aus dem alten Oesterreich-Ungarn ein Stück herausgerissm und zu einem Staat gemacht, der aber nur mit eurer Hilfe lebensfähig werden kann; wenn ihr nun diesen Staat geschaffen habt, dann ist es auch eure Pflicht, ihm die notige Hilfe zu gewähren, denn.fein Zu-, grundegehen würde euer eigenes Werk zertrümmern. Und ich. muß sagen, daß dies alle begriffen haben,, so daß-ich ' nun an eine bessere Zukunft Oesterreichs glauben darf." Am Schluß der Unterredung äußerte sich der Bundeskanzler nochfolgenöermaßen: „Bei meiner Rückkehr aus Genua nach Wien habe ich hier wieder eine Situation vorgefunden, die einen Mann, der sich für das . Schicksal Oesterreichs verantwortlich fühlt, m i t Ile f* st'sier B es örgnis ersüllett mutz. Es ist Wohl ein unglaublicher. Vorgang, daß ein Minister, der unter, wahrhaft, nicht gewöhnlichen Verhältnissen für. seinen* Staat Hilfe zu erreichen sucht, im eigenen Lande solchen Schwierigkeiten begegnet» Ich werde am Mittwoch im Ausschuß für Aeutzeres über Dine Verhandlungen in c:uia- Bericht erstatten und. die bereits heute begonne-;; «t Konkrem« mit denParteisührem jortsetzen," Dr. Michael Mayr geftorheu. Der erste. Bundeskanzler dW Republik.Oesterreich, Dr. Michael M a yr, ist gestern abends in W a l d u e uk i rche n nr Oberösterreich,. wo ersich' zum Besuche von Verwandten aufhielt/einemSchlagänfalle erlegen. - Dr. Mayr war im Jahre 1907 von den Christlichsozialen Tirols in den Reichsrat entsendet worden, wo er während der W a h r m u.n d - A s sta r e hervrtrat. Bei den Wahlen des Jahres1911erlangteer kern Mandat und gehörte darum auch nicht der provisorischen Nationalversammlung int Oktober 1918 ans Ichr 'Jährdl919 wurde er in die konstituierende Nationälversammlung gewählt und trat als Staatssekretär in tzas Kabinett R e uner ein, mit der Aufgabe, , die Versassungs- und- VexwaüttNgsreform vorzubereiten. Nach! dem Sturz her'Koalition wurde er int Juli 1920 M Staatssekretär Leiter des -Proporzkabinetts und nach den Oityberwahlen im November desselben Jahres der erste B n n d e s kn nzl e r. In seine Kanzlerschaft fällt die erste Begegnung mit dem tschecho-slowakifchen Präsidenten Masarhk und der Osterputsch des verstorbenen Exkaisers in Steinamanger. Die Haltung des . Kanzlers in dieser Angelegenheit trüg ihm die offene Gegnerschaft seiner eigenen Partei, ein, die im steirischen Landtag die Vornahme einer Volksabstimmung über den Anschluß an Deutschland beschloß. Zugleich setzten auch die Großdeutschen mit einer neuerlichen heftigen Anschluß- Propaganda ein, die den französischen Gesandten in Wien zu einer Note veranlaße, in der sizit oer Einstellung , der Hilsstäügkeit: gchrpht wurde,- Dies zwang Herrn. M a Y r zum RücktrM Seither ist er yux mehr im Ausschuß--! für '. Die bulgarische RevülutioK — eine /. Schiehererstiid»«g. Die königlich bulgarische Gesandtschaft sendet uns nachfolgendes Dementi: / ' . . Die fälschlich aus A g r a m datierten, tatsächlich aus. Betgrad stammenden Nachrichten, daß in-Bulgarten eine von den Anhängern der Regierung S t a m b u l i j s k i und den Komraunisten angezettelte Revolntion ausgebrochen, beziehungsweise unterdrückt worden sei, s i n d t e n d e n z i ö s e und plumpe Er ft n d u ng e n, die jeder tatsächlichen Grundlage entbehren. . - Ü-. Der hiesige bulgarische Generalkonsul Georg Lttschew äußerte sich über die gestern hier ausgestreuten Gerüchte von einer Revolution in Bulgarien einem unserer Mitarbeiter gegenüber folgendermaßen: „Die von Belgrad und Agram ausgesprengten Gerüchte, daß in Bulgarien von der Regierung im Vereine mit der Kommunisüschen. Partei eine Rebolntiow veranstaltet worden ist, welche.die. Ausrufung der Republik hätte bezwecken sollen,- waren von vornherein deutlich als frivole Irreführungen der öffentlichen Meinung zu erkennen. In Bulgarien herrscht nach den von dort einlangenden Berichten volle Rühe und Ord-' nung, wenn auch große Besorgnis für die Zukunft des Lasides besteht, weil es durch die Erfiillung der von der Reparationskommission gestellten Forderungen in seiner Souveränität wesentlich eingeschränkt werden soll. ^Aber diese Sachlage, gibt keinen Anlaß dazu, daß U mft u r z p l ä n e gegen den. -allgemein beliebten König entstehen könnten. Die alarmierenden Nachrichten scheinen vielmehr ihren trüben Ursprung in gewissen Kreisen zu haben, die an einem -niedrigen Kursstände - unserer Geldwährung interessiert sind. Es ist sicher ein mehr als zufälliges Zusammentreffen, daß Nachrichten über revolüttonäre Zustände in Bulgarien in der letzten Zeit immer dann aus Agram lanciert wurden, wenn unsere Balu'ta im Steigen begriffen ift. In den letzten Wochen:hdt sich der Kurs des bulgarischen' Leva in Zürich von 3,5 Ee ntft m e s auf 4 C e n t i m e s mit sichtlich höherstreben- ' der. Tendenz gehoben, weil mit dem Auslande sehr große Exporte in,-Tabak und Getrerde abgeschlossen -würden. * . , .Ich erinnere daran, daß genau:, dasselbe- M a ü.ö v e r. erst vyr zwei Monaten ebenfalls von, Agram aus versucht würde, indem man 'damals , eine harmlose- Studentende'monsttationals eine in. Sofia, äusgebrochene Revolution in die Welt hrnaustelegra-, phierte. 'Die Aehnlichkeit der damaligen Sachlage mit ‘ der gegenwärtiger: Situation, ist in die Augen springend.' Es schein^ sich .sichtlich um die Wiederholung des damals Mißglückten Mrsüches M handeln"^ ' - " - - Gestempelte Krone ----- —.6550 Centimes. AusZährung Wien — —.0525 Centimes. In Zürich yolierle die österreichische,Kronr ... .. «^.0525 (—i0525 am 20. Mai) ’ die österr. gestempelte Krone . —.0550 (—.0550 am 20. Moi)- die Ischechijche Krone . . . . 9.97 t 9.97 am 20. Mai)^ die Marlr.. 1.70 ( 1.74 am 20. Mai) Agram . . ... . ... . . 1.85 ( 1.85 am 20. Mai) Bukarest . . . . . . . . . —am. 20. Mail, Budapest . . T-.63 (—.65 am 20. Mi)'. Warichau . . . . . . . . —.13 (—.13 am 20. Mai) r Eine neue Re-e Psinearss. Gegen eine NeutnaListerung des Msnß. Paris,'22:. Wat. .(Tet.-Komp.) In der gestrigen Schlußsitzung der französischen Kriegsteilnehmervereinignngen in SlraßbULg hielt P o x n c« x e eine Rede, in dev er ansführte: Niemand von /Ihnen hat Gefühle des Hasses, niemand imperialistische Pläne, wie sie uns eine interessierte Berleumdungskampagne zuschreibt. Niemand von Ihnen wünscht, daß unsere Beziehungen zu Deutschland ewig durch das Andenken an, die blutigen Jahre v e rgiftet bleiben. Aber in unserem Elsaß, an den Ufern des Rheins, sind wir der Grenze zu nahe, um uns Illusionen hmzugeben. Bon der Warte hier bemerken wir noch am Horizont beunruhigende Wolken. Das Elsaß wird die Fabel von einer Entwaffnung Deutschlands me als wahr anerkennen. Das Elsaß erkennt, was sich hinteö der Maske der Polizeiformationen verbirgt und ieS iveiß, daß täglich neue W a f f e n l a g e r im Reiche entdeckt werden. Im Elsaß kann man auch nicht an. eine Moralische Abrüstung Deutschlands glauben, hat doch am 6. Mäi dse Unversität Frankfurt die 596jährige Feier der ' MttyrtffiM StMburgals ob ^iese Mutscht Einrichtüng nicht: längst bütch eine französische ersetzt, wäre. ' Sehen wir . ferner nicht in einer großen Anzahl von Landern, besonders in Amerika, Tag für Tag eine deutsche. Kampagne am Werke für eine Autonomie nnd Ncutrali-- sierung Elsaß" und Lothringens? Wir haben den elsässischen > Boden zürückgewonnen, man wird ihn uns nicht mehr entreißen. Sie müssen darüber wachen, daß Sie. die Schrecken. , eines neuerlichen Krieges nicht bald wieder erleben." Die Wahlen in die französischen Generalrate. Paris, 22. Mai. (Havas.) Nach dem . zweiten Wahl- . gang für die Generalräte,' der sich auf 164 Mandate in .68 Departements erstreckte, stellt sich nunmehr das Ergebnis der Generalratswahlen wie folgt: 155 Konservative/ 634 gemäßigte Republikaner, 581 Radikale und Sozialistisch-Radikale, 90 geeinigte Sozialisten und 31 Kommu-- nisten. Die Konservativen und die gemäßigten Republikaner verlieren 35 Sitze, die sich auf die Radikalen und die . verschiedenen sozialistischer Parteien einschließlich der ° Kommunisten verteilen. Die Zerstörung der Mordwaffen in Deutschland. Berlin, 21.' Mai. (Wolfs.) Das bei der Reichstreuhand« - gesellschast zur Zerstörung gesammelte Kriegsmaterial betrug am 1. März 1922 in runden Ziffern: 5,900.000 Gewehre und Karabiner, 105.000 Maschinengewehre, 29.000 Minen- und Granatenwerfer, 65.000 Geschütze und Geschützrohre, 28.000 Lafetten, 39 Millionen scharfe Artilleriegeschosse und Minen, 16 Millionen scharfe Hand-, : Gewehr- und Wurfgranaten, 60 Millionen scharfe Zünder, - 477. Millionen Handwaffenmunition, 14.000 Flugzerrge -und 28.000 Flugzengmotore. Die Zerstörung dieser Mengen' ist fast ganz dnrchgeführt und wird im Laufe des Sommers fortgesetzt. ReHierrrngskrise in FinyLand. . . Helsingfors, 21. Mai. (Wolfs.) Der Minister des Aeußern H o est i hat wegen des Mißtrauensvotums, des Reichstages anläßlich der' Warschauer Konferenz sein. Rücktrittsgesuch eingereicht. Ministerpräsident Wen tt o l a wurde mit der vorläufigen Leitung des Ministerimns des >! Aeußern betraut. Koalitionsregierung in Irland. Dublin, 20. Mai. (Reuter.) Der Präsident des Daik Eireann hat davon Mitteilung gemacht, daß sich C o lli ns und de Balera dahin verständigt haben, eine i r i s che?K o a li t io n s r eg i er u n g im Verhältnis der Stärke der Parteien des Dail Eireann zu bilden. Die Kandidaten für die Wahlen, die der Dail Eireann für den Juni festgesetzt hat, werden, von den'PaeteiauMüffen bezeichnet werden.^ ' " > - ' ■