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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-21 · Heft 1187 (21.5.1922) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1187 (21.5.1922)
Date
1922-05-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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f 5lr. UW-" t ■ ' , Weü- Sonntag fU|te -ufgenammMM werden und zu diesem Zwecke der Kon,» iüission direkt naMeisen wollen?' daß 'Fe. ihre Pflicht für das Jahr 1921 erfüÜtt haben. Hierzu notwendige Nachweise Hrtb .mitzuLrmgen. : , Jum Str«tk der Wiener Kultus» beamten. - Die vonden? derzeitigen Führern der Kultusbeamtenschaft grundlos .entfesselte Streikbewegung ist, wievoräuszusehen war, zusammengebrochen. Die Beamtenschaft. hat eine überflüssige moralisch^ Niederlage erlitten. Die Lester dev. Organisation suchten sich nun in der Weise zu entlasten, daß sie in einer Notiz in der „Arbeiterzeitung" die jüdischnationale Minorität »im Kultusvo.rstände Heschuldigien, der Beamtenschaft in den Rücken gefallen zu.sein. Wie hoch eine Beschuldigung von dieser Seite,zü-.werten ist, kann man ermessen, wenn man'das. nachstehend MchMjte Berhcüten dieser „Führex" in Betracht zieht. , - Bei den Verhandlungen, die dev! Streikproklamation voraygingen, haben Me/Berbandsleiter an das Präsidium das Ansinnen gesteM das. Geld. zur Befriedigung der materiellen Ansprüche der Beamten durch S p e r r e d e s Spitals u N d des 'Be r-s o r g u N g s h a u s e s und ' Inanspruchnahme fremder Gelder und der Fonds für Stiftungen zu beschaffen. Sie haben also im Namen der Beamtenschaft nicht-mehr und nicht weniger gefordert, als ..daß man kranke und hilflose Greise aufs Pflaster ' werfe und Witwen und Waisen bestehle. Wackere Inden nnd wackere.Menschen! . .- , . Im Zuge. der Beryandlnägen. hat der Verbandsöbmänn Herr Lehrer PM ein Anbot des Kultus-Vizepräsidenten c^ls „jüdisches" Versprechen bezeichnet und hierbei dos Wort „jüdisch" als Bezeichnung sür Betrüg gebraucht. Das hat sich ein j ü d i sch e r Lehrer und Vertreter einer jüdische u Beamtenorgänisation erlaubt. Die Führer? haben, entgegen jedem, gewerkschaftlichen Branche, die Strestparote ansgegeben, obzwar der Kultusvorstand die Entscheidung des Bundesministermms für soziale .Fürsorge angerufeu hatte und die Vergleichsverhandlungeu, zu deren Beschickung , sich die Beamtensührer bereit erklärt hatten, bereits anberaumt' waren.. Das Faktum bildet eine Illustration der organisatorischen Fähigkeien ‘ und des Ernstes der Herren. ■ Nachdem der Vergleich zwischen dem Kultusvorstände und der Beamtenschaft abgeschlossen und von den Verbands- Leitern und dem Sekretär des Bundes der öffentlichen Angestellten dem sozialdemokratischen Gemeinderate Schneider unterzeichnet war, erschienen die Verbandsleiter P i ck und Kaiser in der'Gemeindekanzlei und ersuchten um Einsichtnahme in den Akt.' Als -der Sekretär ihnen den Akt vd^legte, rissen sie drei Stücke au8 dem Akte an sich, darunter den «von ihnen selbst unterschriebenen Vergleich, und liefen einfach damit'fort, Der herbeigerufene'' Betbandssekre- Lnv Gemeinderat S ch n e i d er erklärte, daß Menschen von solchen Qualitäten unfähig und unwürdig seien, "eine Orgoimsatton zu führen, und daß in Hinkunft mit ihnen nickst allein verhandelt. werden dürfe. Es ist nur bezeichnend, daß die famosest Vertreter der Beamten ihren eigenen Führer, der ihr Interesse aufopferungsvoll versah, der vom Sterbelager seiner Frau zu den Verhandlungen gekommen war, den.Gememderat Schneider, einen Lügner nannten und des Verrates an der Beamtensache bezichtigten. Tie jüdischnationälen Kultusvorstände befinden sich als-, in eipör der zürnenden „Arbeiterzeitung" befreundeten Gesellsümft und die „Arbeiterzeitung" täte gut, sich die Einsender von Nötigest genauer zu besehen. . , Die jüd.ischnationalen Kultusvorsteher haben seit ihrem Einzug in den Kultusvorstand die gerechten Forderungen der Angestelltenschaft selbst mit Hintansetzung der Parteiinteresseu aufs Nachdrücklichste, und mit Erfolg unterstützt und gefördert. Die.jüdischnationalen Mandatare werden von diesem ihrem Prinzip auch in Hinkunft nichf abgehen, sie lehnen es jedoch für die Zufustst ab, mit der Angestelltenschaft durch Bermitt 'lmE..vo«Hefto«tzN in Verkehr zu treten, die sich ihr als Führer Mfzudrängen wußten und sich, wie hier dargetan wurde, für.eiste Führerschaft jüdischer Beamten unfähig und unwütdig erwiesen haben. Die Angestellten der Wiener Kultus gemeinde hatten bisher die Entschuldigung für sich, daß sie, in Organisationsfragest ungeübt, sich ihren sich vordrängenden derzeüigen Führern' verschrieben haben: Nun Mt auch diese Entschuldigung fort. Beharrt die Angestelltenschaft nach wie vor auf dieser Führerschaft, so begibt sie sich' bewußt auf das moralische Niveau derjenigen, die sie bisher nur immer bloß gestellt und zur Herabsetzung des Ansehens der jüdischen Kultusbeamten geführt hat. Solange die Angestelltenschaft sich ' mit diesen Führern identifiziert, ist ein Verkehr mit ihrer Or ganisation ausgeschlossen. Die Spitalseutlussung der Dina. Wajge«spers. - Unsere Leser-kennen bereits das Schicksal der kleinen Oma Wajgensperg, der im Wiener- Sophienspital ein Bein amputiert werden mußte, und die nach-mehrwöchiger Behandlung auf Befehl des Primarius Doktor Ewald um 9 Uhr abends aus dem Schlafe geweckt und hilflos stuf die Straße geworfen wurde. Gleich uns haben noch mehrere andere Zeitungen dieses Vorgehen des. Arztes sehr befremdend 'gefunden und nur das offizielle Organ der christlichen Charitas, „Die Reichs.poft", hat den traurigen Mllt aufgebracht, für den arischen Hofrät und gegen das polnische Judenkind Stellung zu nehmen. Um so erstaun sicher ist es, daß auch ein „Amt" sich die Methodik der christlichsozialen . Presse ängeeignet hat. Mit welch schlechtem Gewissen es das tat, zeigt das - Bemühen dieses Amtes, inkognito zu bleiben. Es nennt sich nicht und die Polizeikorrespondenz.meldet bloß: / ' ' Wiener Mprgenz'eitstflg _ __ -„Amtlich" wird verlautbart: Zu der in den Tagesblättepn - erörterten. Entlassiing .her Dina Wajgensperg aus der Krankenanstalt „Erzherzogin Sophi^nsPitüls-Stiftung" wurde auf Grund der gepflogenen Erhebungen - festgestellt, daß die Mitteilung, die Patientin sei unter falschen Vorspiegelungen auf die Gasse gelockt worden, den Tätsachen durchaus nicht entspricht. Dina Waj gensperg war nicht mehr spitassbedürftig u nd ihre Entlassung mußte nach den bestehenden Vorschriften er- ' folgen, weil die Kranke trotz mehrmaliger anihreÄngehörigen ergangenen Aufforderung nicht aus den: Spital abgeholt würde und. bereits ein erheblicher Verpflegskostenrückstand entstanden war. Auch am Etttlassungstage wurden die Angehörigen, die nachmittags im Spital erschienen waren, ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß eine weitere Erstreckung der Bewilligung zum Spitalsaufenthalt nicht erfolgen könne, und daß das'Mädchen dem Kömmissarjat überstellt werden nmsie,-wenn nicht für ihre weitere Unterbringung Sorge getragen werde. Von'einer unmenschlichen Behandlung der Dina Wajgensperg kann keine Rede sein. Die Ueberstellung des Mädchens auf . das Polizeikorn- ' missariat erfolgte tatsächlich am 20. April um 9 Uhr abends, und zwar deswegen zu so vorgerückter "Stunde, weil von der Entlassenen selbst und ihren Angehörigen die Entlassung unter allen möglichen Vorwänden Absichtlich verzögert wurde, so daß die Spitalsleitung keinerlei Verschuldest daran trifft, daß Dina Wajgensperg auf. dem Polizeikommissariat übernachten mußte. Diese Verlautbarung eines in geheimnisvoller, Anonymität verharrenden „Amtes" ist von A bis Z den. Tatsachen widersprechend. Das Mädchen wnrde unter der falschen Vorspiegelung, daß ein Wagen auf sw tvarte, auf die Gasse gelockt, mußte aber zu Fuß zum Polizeikomnussarrat gehen. Daß man die A n g e h ö r i g e n. des Kindes wiederholt, zuletzt am Entlassungstage, auf ihre'Pflicht, entweder die Spitalskosten zu bezahlen, cder die Kranke zu sich zu nehmen, aufmerksam gemacht" habe, kann schon aus diesem Grunde nicht stimmen, weil das Kind gar keine Angehörigen hier hat. Der Vater war durch die Verstümmelung^ seines Lieblings in eine? Geistesverfassung geraten, die befürchten ließ, er würde bei längerem Verweilen .in Wien best österreichischen Landesirrenanstälten zur Last fallen. Mitleidige Glaubensgenossen , haben ihn deshalb rechtzeitig in seine Heimat befördert. Und diese Philanthropen wären es auch, welche die kleine Dina im Spital besuchten, ihr rituelle Kost und Zuspruch brachten/ Aus diesem humanitären Verhalten kann aber doch keine rechtliche Verpflichtung der fremden Leute abgeleitet werden. Es ist im Kriege wiederholt vorgekommen, daß Damen der Aristokratie die Invaliden in den Spitälern besuchten. Diese Damen hätten kuriose Gesichter gemacht, wenn man ihnen zugemutet hätte, für ihre. „Schützlinge" die. Spitalskosten zu erlegen, oder sie zu sich zu nehmen und. für,'ihxen weiteren? Unt^halt zu sorgen. Daß der Tischler Misi o n s ch nik das schließlich freiwillig getan hat, ist däs.spezifisch Jüdische an dem Falle, für dessen juristische Beurteilung aber belanglos. Und wenn die kleine Dina sich-beharrlich geweigert hat, die Adresse ihres Wohltäters zwecks Eintreibung d"er Spitalskosten bei ihm zu verraten, so hat sie nicht, wie die „Reichspost" durchblicken ließ, in betrügerischer Absicht, sondern nur in klarer Erkenntnis ihrer Rechtslage gehandelt. An dieser Rechtslage können keine noch so „amtlich" üufgeputzten Entstellungen des Falles etwas ändern. Wir wissen ganz gut, wer für diese Entstellungen verantwortlich zn machen ist. Es sind dies dieselben Faktoren, die vor einigen Tagen die kleine Tina zur Zurücknahme ihrer Anklagen gegen ihre ärztlichen Peiniger verleiten wollten. Ahr Versuch ist mißglückt. Das intelligente Kind hält die erste Darstellung, seiner Behandlung, die wir seinerzit gebracht haben, vollinhaltlich äustecht.. Und damit ist auch für uns .die famose „amtliche"'Richtigstellung-erledigt. ■, ©rite 7 dann per Bahn an ihren Bestimmungsort weiter be-; Ein Rundqang durch das Lagerhaus htt Stadt Wie« Ein Rundgang durch W* Lagerhäuser am Handelskai, deren Betrieb für die Lebensmittelversorgung Wiens von der allergrößten Bedeutung ist, bietet eine Fülle interessanter'Eindrücke. Man hat sich unter denk großen Komplex von Unternehmungen, die den gemeinsamen Titel Lagerhaus der Stadt Wien führest, nicht nur Aufbewahrungsstätten für Lebensmittel aller Art vorzustellen, sondern einen mit allen Errungenschaften der modernen Technik ausgestatteten Betrieb, der auch die Erhaltung, Reinigung und Verarbeitung dev erngelagerten Lebensmittel besorgt. Die Lagerhäuser der Stadt Wien, an deren Ausgestalttlng und Verbesserung in den letzten Jahren rastlos gearbeitet wurde, sind in letzter Zeit für die Bedürfnisse unserer Stadt, trotz alledem viel zu klein geworden. In den Kriegsjahren herrschte fteilich in. den weiten Lagerräumen nur allzu häufig gähnende Leere, jetzt aber sind die Speicher fast immer Pis an den Rand geWt und der Raum für nicht weniger als 10.000 Waggons Lebensmittel voll ausgenützt. Der Wert,, den die komplett. geMten Lagerhäuser repräsentieren, beläuft sich auf 3 bis 5 Milli a r d e n K r o n en. ' . Die Arbeit des Lagerhauses der Stadt Wien erstreckt sich inzweifacher^Richtung. Es sorgt vor allem für die Einlagerung und Aufbewahrung großer jöebensmittelmengen, leistet gber auch als Ums.chlagplätz wertvolle Dienste. Warenmengen, die nämlich ans dem Balkan ans dem Wasserweg bis Wien befördert, werden, werden hier ausgeladen. gereinigt und verarbeitet und Die Ausladung der Lebensnnttel .(hauptsächllch Getreide) erfolgt sowohl auf manuellem, als auch maschinellem Wege.? . Die maschinelle Ausladung äus den Schleppern erfolgt mittels der drei sogenannten Elevatoren/ das. sind große Säugpumpen, die in die anlegenden Schlepper eingelassen werden, um die G'etreidekörner,. "den Mais usw. auszusaugen und selbsttätig - in die Ver- -? arbeitungshallen' zu Men. Die maschinelle Ausladung^ bedeutet natürlich eine große Ersparnis, da 'ein Elevator, der von acht Mann bedient werden muß, fünf Waggons Getreidefrucht in der Stunde verladen kann', wogegen 16 Mann notig sind, um einen einzigen Waggon stader gleichen Zeitlöhne Zuhilfestahme des Elevators, zu verleiden. Für das Ausladen eilies Waggons Getreide hat der Lebensmittelhändler , .gegenwärtig .30.000 K. zu bezahlen und auch für die Einlagerung ' von Lebensmittel sind. selbstverständlich entsprechende Gebühren zu entrichten, deren Tarif verschieden berechnet wird. < Die im Lagerhaus beschäftigten Arbeiter, an deren Kraft und Ausdauer allerdings enorme Anforderungen gestellt werden, haben bei achtstündiger Arbeitszeit, die Möglichkeit, 10.000 bis 18.000 K. pro Tag, im Akkordlohn zu verdienen. Die Anstrengungen sind aber derartige, daß die Arbeiter nicht imstande sind, Tag für Tag ihrem Verdienst nachzugehen, sondern häufig Erholungstage einstigen müssen. -Bon den eingangs erwähnten Einrichtungen zur Erhaltung und Reinigung der Waren sei . hier nur die. sogenannte P f l a u m e n e t i vage erwähnt, in der die meist aus. Rumänien, Serbien rrnd Jugoslawien in sehr schlechtem Zustand Herausgebrachterl Dörrpslaumen erst genußfähig gemacht und „aus den Glanz" herge-, richtet werden. Wir hatten Gelegenheit, ein Muster derartiger Pflaumen vor und nach, der Reinigung zu sehen, und waren höchst überrascht, in einer aufs appetitlichste und geschmackvollste hergerichteten Verpackung, die großen, schwarzen Pflaumen als jene w'eder zerkennen, die vordem mit Schmutz bedeckt, . schmerzliche Erinnerungen an Dörrgemüse und anders zweifelhafte Genüsse der Kriegszeit, wachgerufen haben. Im Lagerhaus der Stadt Wien herrscht oben wie unten moderner Geist, Eifer und Ambitton. Dies ist aus den ständigen Verbesserungen und Erneuerungen ersichtlich, für die erst jüngst wieder die Summe von 500 Millionen Kronen ausgeworsett wurde und die das Lagerhaus zu einem Musterbetrieb stempeln. ast. GefangenschafL. - Acch m Friede-'Seiten -hat der Wiener MittelständleH ilicht zum großen Reiscvolk gehört. Selbst wenn. man noch so sl,„k'.I c.tlc. gehörte zn dieser- Füßen doch ein Kopf,. der sehr sorgsam rechnend.mußte, ' um einen kleinen Sommer-,Abstecher" als möglich/erscheinen zu. 'lassen. Berufs- ' . pflichten hielten'den Karrfmann, den Beamten, den Arzt fest und die Wiener Hausfrau, die imnter ein chißchen fester an ihre Hauswirschaft gebunden war als ihre deutschen, rbmanischen oder nordischen Schwestern, konnte auch nicht gar so leicht^ „Urlaub" bekommen. Aber schließlich gelang es auf irgendeine Weise zuletzt doch immer, für ein paar Wochen in die Fremde zu fliege,!. Mau lüstete seine Lungen> seine'Stimmung, seine? Gedanken aus und selbst der leidenschaftlichste Salzburger Schnürlregen konnte nicht' hindern, daß uns eine Sonne lachte: die Sonne der Freiheit. . Das ist anders geworden, ach! wie gründlich anders Nur für die wenigsten arbeitenden Menschen in . Wien gibt .es . Neisefreuden. Der Jungbrunnen^ der Fremde ist für uns mit Fahrtpreisen, Gasthanskosten, Pässen und Bisen verrammelt. Aber auch der matte Trost, den Urlaub durch kleine Ausflüge genußreich . zu gestalten, wird sich fiir die allermeisten als trügerisch erweisen.' Eine. Fahrt,nach Purkersdors belastet das . Budget einer Familie so , stark, daß solche Extravaganz nuräußerst selten geübt werden kann. Payerbach ist unerreichbar wie der Mond, und sogar häufige Fahrten mit der Straßenbahn. erweisen sich als undurchführbar. Ueberdies hat. niemand wirklichen Urlaub, Urlaub'von den Sorgen,-Was nützt es, , wenn, man sich selbst /einmal'anfraffte und irgendwo im Wienerwald .einen'Sommertag verbringen wollte ^— man r spricht ja nur von. deu Schuhen, die zum Herbst gekauft werden müssen, von Fleischpreiseu, von Anschaffungen fürs HauS und die Familie. Die Sorgen sind die Kerkermeister, die uns . nicht einen Augenblick entschlüpfen lassen. Der Pfad am malerischen Berghang ruft die Angst hervor, das Schuhwerk übermäßig abzunützen, beim Ruhen in, kühlen Wald könnten die Kleider Flecken beko,innen und die gütige Sommersonne setzt sich in die Gedankenreihe: Durst? Gasthaus, Bierpreis mm. Wo immer wir stehen und gehen •— hinter uns rasselt der Kerkermeister mit der Kette.?. ' ' Außerdem gibt cs auch nur für sehr wenige unter den, geistigen Arbeitern — die Handarbeiter sind nach alter , schlechter Sitte von vornherein ausgeschlossen — wirkliche Freizeit. Der Beamte-lebt ja heute in den seltensten Fällen von seinem Gehalt, sondern zum größeren Teile vom Ertrag, der „Nebenbeschäftigung" und kann darum auf diese Ein- 'Nahmsquelle auch nicht vorübergehend vrzichten, die freien _ Berufe dürfen gleichfalls keine Einnahmen, und wären sie noch so gering, außer acht lassen? Der Lehrer muß seine Feriendazu verwenden, Privatlektionenfür den Winter zu sammeln -wie der Hamster die.Vorräte für schlechte Zeiten. Die Frauen dieser Arbeiter aber'sind erst recht festgebannt. Die Last der Hauswirtschaft'ruht jetzt mit ihrer vollen Wucht auf einer Person,'da gibt es keine?A'tüUlpause. Erlaubte ' sich selbst die , emsigste Hausfrau sonst uu Sommer kleine Bequemlichkeiten, ließ sie sich da und dort bec der Arbeit Hilfe leisten, so hat auch

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