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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-21 · Heft 1187 (21.5.1922) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1187 (21.5.1922)
Date
1922-05-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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SM 6 Rundschau. Vatikan und Zionismus. Aus Rom wird uns geschrieben: DaS Organ des Vatikans, der „O s s e r v a L o r e Roman o", hat seine Haltung gegenüber dem Zionismus bisher wertig geändert. Vor einiges Tagen brachte das Blatt einen Artikel 5er Pariser antisemitischen „Vibre Parole" zum Abdruck, in welchem die Gründe untersucht werden, welche zur Titeländerung des französischen Zioniftenorgans „Peuple Juif" gefirhrt haben, welches wieder seinen alten Namen „Echo sio niste" angenommen hat. Die „Libre Parole" erklärt dies damit, daß viele Juden sich den Bestrebungen der Zionisten widersetzen, die sich bemühen, ihren Forderungen immer mehr einen ausgesprochen . nationalen Charakter zu .geben. - Es sei daher zu einem Kompromiß gekommen, dergestalt, daß.die Juden Palästina als ihr Ursprungsland hättsn, aber andererseits das Bürgerrecht in ihren bisherigen Vaterländern beibehalten sollen. Der „Osservatore" entdeckt hierin das Zeichen neuer jüdischer Bestrebungen, die sich durch die neue Situation in Palästina erklären, welche die gespannten Beziehungen zwischen, orthodoxen und zionistischen Juden ergaben hätten. Das jüdische Lager werde sich in zwei Stroinungen teilen, in eine, welche das ursPrKnAliche Programm beihehalten will, und in eine zweite, die es -.für gefährlich hakt. Das Blatt deutet an, daß die Aufgaben der Mandätarmacht erleichtert würden, wenn sich heransstelkt, daß die zionistischen Ansprüche weder von der Mehrheit der palästinensischen, noch der der übrigen Juden geteilt würden. In einem anderen Artikel bezieht sich das päpstliche Organ auf die Notiz eines — argentinischen Blattes,, wonach Weitznmnn der Konferenz von Cannes einen plötzlichen Besuch abgestattet hatte, weil zwischen der Balfour-Erkkärung und deren zionistischer Interpretation ein Widerspruch bestehe. Der „Osservatore" schreibt: „Palästina zuerst für dre Eingeborenen, Muselmanen und- Christen, dann auch für die eingeborene Wische Minderheit. Nicht aber für die durch Einwanderung NeügeLm» menen, für eine künstlich geschaffene jüdische Mehrheit.". Zu dieses Formel, erklärt das Organ des Vatikans, würden auch die orthodoxen Juden ihre- Züssiümmng geben, welche sich zrr einer „juridischen Orthodoxie" bekennen, für welche zionistischer Staat unerträglich wäre, der sich auf eine durch periodische Zuströme von Einwanderern) geschaffene Mehrheit stützt, gegen alle historischen und juridischen Rechte der eingeborenen Bevölkerung.- ' In jüngster Zeit hat der „Osservatore" eine spezielle Rvörikt „Palästina und Ziomsnms" emgesührt. In einem feiner letzten Artikel sucht er zu beweisen, daß . die Balfour- Deklaration nur mit HM des Militärs durchgeführt werden könne. Das Blatt beruft sich dabei auf die Erklärungen der „A g u d a s I s r o e l" und leitet daxaus den Schluß ab,' daß die Zionistische Organisation glicht das Berirauen des jüdischer Volkes besitze. -Bemerkenswevt ist jedenfalls,, in wie hohem Maße die Treibereien der agudistis ch eu TrennumgSo rthodoxie g eeignet find,' dem VaNkan Argumente gegen den^Zionismus zu liefern! Sttnnes und KnLppel-Kunze. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte fand, wie bereits gemeldet, eine interessante Verhandlung statt, in der der bekannte Führer der Berliner Radaucmti- Mnten, R. Kunze, genannt Knüppel-Kunze, als Kläger gegen das „Berliner Tageblatt" auftrat. Diese Zeitung hatte Kunze vorgeworfen ^daß er, der den Juden Drückebergerei und Schiebertum zum Vorwurf macht, sich während des Krieges als Dolmetsch im Gefangenenlager Gardalegen beschäftigervckreß, wo er sich mit EngroS-Hamsterer und Leoensnüttelhandel abgegeben hat. Ferner habe er dort Neckar gepachtet und sie durch russische Gefangene umsonst bestellen lassen. Der Dedakteur des „Berliner Tageblattes" Erich Dombrowski erklärte, für alle Behauptungen den Wahrheitsbeweis antreten zu wollen. Der Vertreter des Angeklagten führte aus, ein Mann, dev mit Gummiknüppeln handelt, mit denen er seine Leute auf die Straße schickt, habe kein Recht, im Namen des Deutschtums zu reden. Knüppel-Punze erwiderte hierauf, er gebrauche die Knüppel bloß ' zur Abwehr jüdischer Angriffe, sonst kämpfe er nur mit „geistigen Waffen". Er bat um Vertagung der Verhandlung. Redakteur Dombrowski behauptete weiter, Kunze habe Geld für deulschnationale Propaganda in die eigene Tasche gesteckt und habe auch an Hugo Stinnes Bettel brrese geschriebey und von diesem 180.000 Mk. erhalten. Das Gericht beschloß die V e r t a g u n g der BerhaMung. Was den Bettelbrief an Stinnes anlängt, der an dessen Vertrauensmann, einen Verlagsdirettor Humänn, gerichtet ist, so hat dieser ihn damit beantwortet, daß er dem Knüppelhelden „seine Uebereinsrimmung in vielen Punkten" erklärte und ihm eine „Unterstützung seiner Bestrebungen" zusicherte, sobald erfolgversprechende „neue Kampfmittel" gefunden .seien. Kunze erklärte bald gegenüber diesen Mitteilungen des „Berliner Tageblattes", er habe per-. sönUch von deni Brief nichts gewußt. Stinnes'schwieg,, bis die Angelegenheit in der Gerichtsverhandlung zur Erörterung gelangte. NUN läßt er in der ihm gehörigen „Teuvchrn Allgemeinen Zeitung" erklären, daß. weder er noch jemand seiner Angestellten Kunze jemals moralische oder materielle Unterstützung gewährt habe. Hierzu bemerkt das .berliner £qaj>frfott"<v SN Mi jfe HM. werden-, Vilich eKliHeMrssäKü dÄ-WächveBhWWlol zst kläreit, P»o.l i t is ch ist die. Höhe des Geldbetrages hedenturigslöS.' Politisch bedeutsam ist, wovon die „§ entsche Allgemeine ' Zeitung" durch ' persönliche ScbmäHungen des Verantwortlichen Red'ckkteurs des „Berliner Tageblattes" obzulenken, versucht, .biö-Spt* fache, daß einem Mann wie Kstüppel-KüNze,' vdn-bdm selbst die DentfchNationalen sich mit Grausen wenden^ der volksparteiliche Abgeordnete jtrfb GroMdnsttleW Hugo Ltrnnes durch einen-, berufenen:Bextreter. seine Uebereinsiimntuttg erklärt^ ihn zur Auffindung wirksamer nötler Kampfmittel ermuntert ttnd frir diesen Fall seine Uuterüützuttg Verspricht." - > Rückkehr der jüdischen Fraktion in LiLmrLsche« GejÄl Mlnistermm- und. ' die Sptachetifrage den litäuff^tt Seuu.denwusirativ Verlässen Hai, ist nunmehr zü den, Schnsitzungeic t u r ü ckgek eh r i. v Der Vertreter, des I C. L-.ersä5rt, die Rückkehr der jüdischen Disputierten sei Las Resultat einer persönlichen Aktion LeF Sejmpräsidenten, der nach der Verfassung gleichzeitig auch Präsweur der InaUischen Republik ist. Frankreichs Äritzerforg in Syrien. London- 19. Mai. (I. C. B.) Wie verlautet, hat die seinerzeit genreldete Ertlärrmg des. Vertreters, der A ng o r a regierung in Paris F e ri d Bei, daß., seine Regierung sich weder den z i o n i ft i s ch e u Bestrebungen in Palästina. noch dem französischen Mandate in Syrien widexsetze, .unter-den.pälästtnensifchenArahern.große Bestürzvmg hervorgerufeu. Die Lage in S YI i.en wird von Tag zu Tag schlimmer. Die syrischen- Nationalisten haben , in Palästina, MesöPotaNtieN und Trcmsjordünien eine' starke, . antifranzösische Propaganda - ausgenommen. Der französische - Oberkvmmissyr für Syrien, General H.p-u->. räud, äußerte sich-in einem Gespräch misein^eMM^ JournälisLen, es sei sowohl für die EugWder die Franzosen notwendig, züsammenzuarbeiteit^^üm der gemeinsamen Gefahr Herr zu werden. ' - , Kkren Hajeskoh-rKampagAe in New-Bork. Aus Ne w Aork wird 'gemeldet: Während der ersten zwei Wochen der Hajessod-Kampagne wurde eine hirl.Le Million Dollar bar und in Zeichnungen eingesammelt. Arckäßlich Ver Annahm dertLodge-ResohutfoH iMHmeykani- ' Am 3iv Mak svll Hier erne besondere Feier stattsinden, für die hohe Regierungspersönlichkeiten erwartet 'werden.' (I C. B.). Adam nrtd Eva. ' Aus W a s h i mg t o n-wird gemeldet: Mr. und. Mrs. S u t t e i begeben sich heute unbekleidet und ohne-Geräte auf sechs Wochen in die Urwälder, von Ataine,, unr den Beweis zu erbringendaß auch das heutige, angeblich entartete Menschengeschlecht die gleiche Lebenskraft habe wie feine Vorfahren in der Urzeit, und auch imstande fei, das harte Leben in der Wildnis zu; ertragen- Kleine Nachrichterr. Londorr» 20. Mai. Wie.dis Matter'meldenist Pierpont M organ in Southampton emgetrosfen.- - Oviedo. 20. Mm. (Wolfs).. Die Bergarbeiter haben den Generalstreik beschlossen. Berlin». 2o. Mai. §n den Staatsforsten in der Mhe von Zehöenicd wurden durch einen Waldbrand etwa 200 Morgen Wald vernichtet. * Kamburg» 20. Mai. Die Q i reikbewe g u n g in drn. Kamburger Güterabsertigungsstellen nirymi einen immer, größeren Umfang an. Offenburg» 20. Mai. Die Vrchandiung gegen den wetzen Beihilfe zum Mord an Srzberger üngektagten früheren Kapitärl- -leutnant Schil li n g e r ist auf den 7.,Suni festgesetzt. * Eln KöNigSfoh« — Kommunist. „F n l r o" meldet, daß sich Prinz Georg P elro v i c, der Sohn - des - Könjgs. A i k i t a von M o n t e n e g r o, den Kommunisten a ngeschlossen hü de. * Eine Bublwefler Maschinenfabrik abgebrannt. Aus Bukarest wird gemeldet: Keute nachts wurde eine der größten Fabriksanlagen, die Maschtnensäbrtk V u l k a n, durch Feuer größtenteils zerstört. Der Schade wird auf z e h n M t l» l i o n e n L e i geschäht. Snfolge! dös Brandes find 600 Arbeiter brotlos geworden. , 'Explosion 1« Canchpid^e. Sm Physikalischen La. boratdrium der Sardard-UniversM in Cambridge (Massachusetts) kam es zu einer Gssexpldston»' wobei' zwei Sludenten getötet und sllnf verletzt wurden. * Degen die TiekMälerei. Der zur-Abstellung der GrüüiMketten bei der TierdresjUr gewählte - Ausscl uß des elMltschxn .Merhauses.hat'iy schnmwvrgejtern vsraeleüten Beuchte dem Kau;e °mplöbün. dis Äonuorung von' Wsnichenaöen ru Ilvitrsiifche SrganisationstStigktzit itt ■ Wien. Aus dem Bericht dcS^Lokalkomitees. Die Bemühungen des seit dem letzten Parteitag ein«, gksetzten Lokalkomitees waren auch in den letztön zwei Monaten seit der Tagung des Parieirates hauptsächlich auf die.straffere Organisieruu'g der Wiener' Ziomstew mü besonderer Berücksichtigung der großen Sondetgrüppen und her Bedeutung der Sektionen gerichtet ' Di^ Bemühungen galten vor allem der Schekel- Parieisteuer und S.chulvdrelnsarbeit, unb. <’#• kunn vorweg konstatiert werden, daß. dartk der nnermüd^ lichen Arbeit der Settitug die Leistungen in diesem Jahre, m diesem gelänge alle jene der Vorjahre ü b e r t r o f f c n haben: Fast alle Gruppen haben bereits Teilzahlungen, darunter eiüige Gruppen sogar ganz beträchtliche, entsichtet. Allerdings muß festgestettt lverden, daß trotz un-> uttieÄr'oHen^r Erttlahnungen eiüige Sektionen und Gruppen i h r e P f l i ch t n c ch t. e r f ü l l haben. Die St u d e u t e n o r g a n i f a t i o u konnte Am Beispiel zur regen Mitarbeit bisher; nicht herangezogen werden doch sind dir Bemühungen nach dieser Richtung bereits im vollen Jugtz . - v Die Sportorganisation und Frauenorgon.isation.dagegen machen dauernde. Fortschritte und versprechen, wertvolle Glieder der Gesamtorgallisatiou zu werden. Dasselbe kann nran auch von einer Anzahl.von Sektionen Wiens, wie von Heu Bezirken 3, 9- 10 und 11, kl) und 17 und 20. Mitteilen. Die Sektion 2 jedoch-, die eigentlich das Rückgrat der Wiener Organisation sein-sollte, hat rcoch lange nicht das gehalten, was nran erwarten konnte, doch.sind jetzt durch die Schaffung von Sp.renge ln auch in dieser Nichtrrng die Bemühungen aus dein befleck Wege. In die Reihen der organisierten Zionisten sind mmnrehp auch dies p a n i o l i s ch e n Juden getreten^, die eine eigene.Gruppe gebildet haben und' zur Hoffnung Bers chstafsüng geben, daß sie die österreichische Gesamtorganisa- - Deutend detstätken werden. Sie 1 SlkftÄ ^M:Ienrnächst ihren Vertreter in, da§ LokalkönnWMPüden. i Die Jnß.e n dar beit schreitet leider nicht nach deck/Wynfchen der Leitung vorivärts. Nur eirrzelüe Eezirlc^ haben eigene kräfttge Jugendorganisationerr, während eine erkleckliche Anzahl van Sektionen überhaupt keine Jugendgruppe verzeichnen kann-- was sehr zu de» dauern ist. * Die Aktionen für die P ves-s e und die W er k z e u gs a m m l u n g wurden in Fluß erhalten, und das LokalkoMitee hat es nie unterlassen, aüf die große Bedeptungdev Presse und der technischen Hilfe für'PalsistinL.'Hmzuf^ weisest- Es. wurden eigene P r e sse.1 ,e f.e r e Ute st ernanntdie die Verbreitung und Erhaltung des Parteiorgasts zur Aufgabe haben. Für den kommenden Parteirat wurden Ist den■ letzten Tagest allen Grrrppen und Sektionen wieder F r a-g ebogen zugeschickt, die ausgeMt ehestens. züMckeWMet werden, da sie die Grundlage für den TäÜgkeitsbericht zum Parteirat bilden sollen. Die Errichtung von T i s ch g e s e l l.s cha f t e n hat sich, .wie aus den diversen Berichten zu entnehmen war, sehr bewährt, und es ist zu hoffen, daß diese Institution eine allgemeine. und ersprießliche in ganz Wien wird. In diesen Tischgesellschaften wird nicht nur erreicht, daß die Mitglieder in einen engeren Kontakt kommen, sondern durch eine zielbewußte Lestüng werden, die Mitglieder sowohl über alle jüdischen und zionistischen Tagesfragen informiert und .auch allgemeinen jüdischest Themen und Frtzgen der werteste Raum gewährt. Für den Keren Hajessod hat sich das Loiülkomitee immer wieder eingesetzt unb die Mitglieder im Einvernehmerr mit der K. H.-Leitung>ziir Schaffttng. von Schätzungskommissionen ausgefordert. ,Auch die Arbeiten für den Keren K a j e m e t h wurden immer Miedet gefördert, besonders wurde auf die Verpflichtung aufmerksam gemacht, von etwaigen Veranstaltüngsreingewintten die lOprozentige Abgabe cm den K. K. zu leisten. Endlich wurden die Gruppen und Settiv- - neu auf die Verpflichtung der Einhaltung, respektive — mit Rücksicht auf die Geldentwertung <- möglichsten Überschreitung der ihnen vorgeschriebenen Köntingeilte dringlichst aufmerksam gemacht. . Das. Lokalkomitee gibt fallweise Mit teilun gen an i)te Mitglieder zur) Weiterleitung an die Ausschüsie herausm denen Bericht erstattet wird. Das Lokalkomitee, ist auch weiterhin bemüht, seiner Aufgabe, den Kontakt zwischen den Sektionen und Gruppen einerseits und der zionistischen LandeÄeittrng andererseits dauernd lebendig zu erhalten, gerecht zu weäen. Das Lokalkomitee will die klaglose Durchführrmg der vou der Lei. tung Leschlossesten Arbeiten überwachen und Beschwerden Ustd^Inregungen aus den Teilen der Organisationen an die Zrntrale weiterleiten. Dom Keren Hajesssd. Hauptvertrüuenßkommission deS Keren Hajessod ir Oesterreich, welcher, die Ausgabe obliegt, ist zweiter Instanz ftstzlcstellen,. wb und welche. Jnden .dem Keren Hajessod gegestüber ihre PfMt.erfüllt liabon, wird Sostntag deit 2ii d. von i'i bis 12 Uhr vormittags ' für diejenigen zu.sprechen"seist ^Lvelche .darauf Wert lesen, in der. nächsten zu veröffentWender

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