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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-21 · Heft 1187 (21.5.1922) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1187 (21.5.1922)
Date
1922-05-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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* >>.'"w?. J tr ■Mt; , w >f*;; •.? , •/. .. ,( ■!.■•., "!S, ' s (. < ,7 | i . Nr. 1187 Wien. Sonntag mtmMwwmw Leitsmarkt bedeutet aber. fürdje Valutaschwa ch en Staaten aufldi.eHaüeraüch keinen Segen. Denn sie müssen die Produkte selbst erzeugen, die sie nach wirtschaftlich gesunden Grundsätzen auf dem Wege des internationalen Güteräüstäuschcs aus dem' Auslands' beziehen sollten. Durch diese volkswirtschaftlich ungesunde Produktion werden' in balutaschwachen .■ Ländern allerdings Millionen von Arbeitskräften - beschäftigt;. allein, dies ist im Grunde genommen Notstandsarbeit, vers<Hleierte Arbeitslosigkeit. Bei fortdauernd fallender Valuta deckt schließlich der Erlös aus der Ausfuhr kaum mehr die. Kosten der Wiedereinfuhr unentbehrlicher Rohstoffe aus valufastarken Staaten. Und damit wird die Möglichkeit der Produktion vermindert, neben der Verelendung der Massen die Gefahr der Erwerbslosigkeit auch für die . valutaschwachen Länder heraufbeschworen. Die Arbeitslosigkeit ist durch den Zerfall der Weltwirtschaft .entstanden;' sie hat die Valütaspannungen hervorgerufen,'welche den internationalen Güteraustausch hemmen, aber auch den Austausch der Arbeitskräfte .beeinträchtigen. Die "Zerreißung der weltwirtschaftlichen Verhältnisse hat viel stärker als alle anderen üblen Nachwirkungen des Krieges das Arbeitselend der Welt verursacht. Alle Versuche, die Arbestslosigkeit mit den Mitteln der Sozialpolitik zu bekämpfen, können deshalb die furchtbaren Schäden nur mildern. Die Wurzel des Uebels beseitigen kann ' nur ein gemeinsames Zusammenwirken aller zivilisierten Völker, indem sie im Wiederaufbau der Weltwirtschaft den freien interna t r o n a l e n A u stau sch v o n W a reu und Arbeitskräfte u ermöglichen und mit der Wiederbelebung der europäischen Kaufkraft die Absatzmärkte der Welt wieder. Herstellen und erweitern. Oesterreich. Kredite und Krise. Die endgültige Suspendierung der österreichischen Reparationen ist nunmehr in nahe Aussicht gerückt. Der große Erfolg der.Sch ob er sch en Politik äußert sich bereits in den Londoner Kreditverhandlungen, die der Vertreter Oesterreichs, Generalrat Dr. R o s e n b e r g, sehr optimistisch beurteilt. Auch der Genueser Sonderberichterstatter des „United Telegraph" meldet, daß die letzten Besprechungen Schobers als großer Erfolg für Oesterreich eingeschäht werden. Die Rückstellung der Generalpfandrechte ist die Voraussetzung für weitere Kredite, auf die nunmehr die beteiligten Regierungen in der nächsten Zeit Vorschüsse erteilen wollen. In französischen Regierungskreisen haben die Mitteilungen von der schweren Krise Oesterreichs starken Eindruck gemacht mrd sie bewogen, nunmehr energisch für eine .Mfeleistung einzutreten und die Freigabe der österreichischen Aktiven bei der Reparationskommission zu beschleunigen.. : ” —W.';o. .7, - , ■■<■..■; Die Berichte über die Zusagen Rumäniens und Jugoslawiens haben in den Kreisen der politischen und finanziellen Schieber, die bei einer Krise zu verdienen hoffen, überraschend gewirkt., Die Verhetzung der breiten Schichten durch die Presse dieser Kreise war schon so weit erfolgreich, daß die .Panik breite Wellen gezogen' hatte.. Es wird nunmehr notwendig sein, die politische Situation einer Generalrevision zu unterziehen. Die Parteien, deren Treiben nachgerade zum Ekel wird, werden sich die Frage vorlegen müssen, ob nicht eine Fortführung ihrer volkssremden Politik zum Verbrechen an der Logik wird. Die Rückkehr des Kanzlers aus Genua, die heute früh erfolg^ wird den Anlaß zu einer neuerlichen .gründlichen Dürchbesprechung bieten, die möglicherweise zu. anderen Resultaten führen wird, als die Großdeutschen annehmen. Ihnen, hat sich merkwürdigerweise auch das Organ der Regierungspartei,' die „Reichspost" angeschlossen, die wissen will, daß keine Partei ajt .der Regierung -Schober unbedingt sestzu- 'halten entschlossen seir'Dagegen spricht sich die „Arbeiterzeitung"' dafür aus,- daß. Schober im Besitz des Autzenportefenilles bleibe. Zu . den Berichten über die Kandidatur Schoh e r s als ch. r i st l i.ch sozial er Mandatar^ im Burgeuland.ist zu bemerken, daß seine Nominierung ohne seine ZüstirNmung vorgenommen wurde, Es ist verständlich, daß die Bevölkerungdes'Bürgenlandes dem Mann, der sie aus der Sklaverei Horthys erlöst hat, ihr Vertrauen ausdrücken will, und es ist verständlich, das; die Christlichsozialen, die alles gegen, die Heimholung des Bnrgenlandes,getan haben, setzt, die Popularität S bobers für sich benützen möchten. Es ist aber kaum glaublich, daß sich Herr Schober zur Uiüerstützung einer derartigen Ges chm a ck l o s i gk e i t verstehen könnte. Airs seiner Umgebung wird versichert, .daß er dieses, hübsche Spiel n i ch t mitmachen wird.. Wie die Korrespondenz Herwer meldet findet.heute vormittags ein Ministerrat statt, bei dem Bundeskanzler Schober den Bericht über seine Verhandlungen erstatten wird. Nachmittags wird der Kanzler 'Mit erlügen führenden Politikern in Verbindung treten,, darunter auch mit dem Präsidenten des Natiönalrates Dr. W e i s k i r ch n e x, um die Dispositionerr wegen der Berichterstattung au die Parteien zu treffen. Für Dienstag ist eine. Sitzung des. Ausschusses für. ' . ■ , ■ ■■■.■■•■= ff- (■ »'-.-Cr ■ - . -- sRiin«iHaBainDia>iiDa u, b» n ■ ajra a b a qdi ■ ■ a iC. BOJKOl J Wien, 1., Kärntnerstraase 34 (Mayieileig. S) J 5 ’ Vorführung der auserlesensten Original 2 ■ , Pariser und eigenen Modelle in * 8 Kleiflern. Kostfimen, Mänteln, Pelzen jj J in reichster Auswahl täglich . , " ■ von 9 bis x Uhr und,.von 3 bis 6 Uhr 120 ■ ■ ■ ' B Aeußeres in Aussicht genommen, wo die Parleienvertreter das Expose des Bundeskanzlers entgegennehmen werden. Dr. Äirrghofer über die NegierMgsbiLdüyg. / Linz, 80. Mai.. Heute begann der Landesparteitag der Großdeutschen- Bolkspartei mit einer Sitzung der Parteileitung, m der Präsident Dr. Dinghofer einen kurzen Ueberblick über die politische Lage gab. Präsident Är. Dinghofer sagte, dadurch, daß im Parlament die sozialistische Partei ihre Opposition . verstärkt hat, sind die parlamentarischen Verhältnisse unhaltbar geworden. Bisher jedoch find über die künftige Majoritätsbildung keinerlei Verhandlungen geführt worden. Erst'am nächsten Dienstag wird der Obmannder Ehristlichsozialen Partei Dr. Seipel mit ihm. verhandeln. In der letzten Zeit' hätten keinerlei Verhandlungen, über die Regierungsbildung stattgesunden. Am 30. Mai^ tritt der Nationalrat wieder zusammen und dann dürfte auch die Zeit der Verhandlungen da sein, Die ungarischen Viehiiefernngen. Paris, 19. Mai. (HavaS.) Die Reparativ n s-; kom rnissioy hot^ gestern die ungprische Regierung benachrichtigt, daß sie die von Ungarn begangenen Verfehlungen in der Handhabung seiner Verpflichtuttgen hinsichtlich der Viehliesernugeu zur Kenntnis der alliierten' Regierungen gebrächt Labe, damit diese die erforderlichen. Maßnahme u treffen. Da jedoch der ungarische Gesandte in Paris der Reparationskommission ein Telegrannn der ungarischen Regierung mitgeteilt hat, auf Grund dessen eine Aenderung in der Haltung der ungarischen Regierung zu erwarten ist, hat die Reparätionskomminiort bei den beteiligten Regierungen angeregt, einen weiteren Bericht abzuwärten, bevor sie Sanktionen ergreift,; ’ Der Wiener Besuch des polnischen . AntzenwinistersSkirmunt^ Der polmsche ÄußenminsterSkirmuNt ' hat ' gestern Genua verlassen und begibt sich nach Wien, wo am 23. und 24. eine Besprechung aller in den Nachfolgestaaten akkreditierten polnischen Gesandten stattfinden wird. Ebenso wird eine Zusammenkunft Skirmunts mit Vertretern der kleinen Entente stattfinden. - \ Skirmunt ist seit seinem Amtsantritte pesttebt, die polnische Außenpolitik den realen Verhältniffen anzupafsen.- Im Gegensatz zu seinen Vorgängern bemüht er sich,'der polnischen Außenpolitik ‘ eine gewisse Selbständigkeit zu geben, was die von ihm einberüsene balttsche Konferenz beweist. Wie von polnischer Seite betont wird, hegt Mnister Skirmunt' besondere Sympathien für. Oesterreich, welchen: Gefühle er wiederholt Ausdruck gegeben habe. Sein Wiener Besuch dürste auf den Ausgang der-zu ge- M"-''^nden österreichisch-polmsch'.'u.Verhandlungen nicht ohne Einfluß bleiben. Geoen die Ueberstunde«. Sitzung des Kreisarbeiterrates. Der Kreisarbeiterrat Wien hielt vorgestern eine Versammlung ab, in der die Arbeitslosigkeit,den Gegenstand der Besprechung bildete. Es wurde eins Resolution angenommen, in der u. a. die sofortige Einführung der Produktiven Erwerbslosensürsorge nach reichsdeutschem Vorbild, Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung und Verlängerung ihrer Bezugssrist gefordert wurde. Weiter werde darauf zu sehen seiu, daß technisch nicht unbedingt notwendige Üeberstunden verweigert werden und dafür die Einstellung neuer Arbeitskräfte , gefordert wird. Als Mttel gegen die Geldentwertung wird . der energische Ausbau des Besitzsteuersystems, die Fühtung der Staatsbetriebe nach kaufmännischen Grundsätzen und . gegen die Valutaspekulation schärfste Bankenkontrolle verlangt. Schließlich wird die Solidarität der . gesamten Arbeiterklasse gegenüber den vor Lohnkämpfen stehenden Metallunb Bergarbeitern, Jndustrieangestellten und Textilarbeitern ausgesprochen. Ungar«. Jtattepische Forderungen, Budapest, 20. Mai. (Tel,-Komp.) -Die i t al i eu is ch e Regierung hat in Budapest eine Note überreichen lasten, ln der sie die Rückerstattung von,- ungefähr 100 , ' AI», Mgl 1922 .Delle ■ 6 Eisenbahnwaggons, Mas^inen und Fabrikseinricht-ungen fordert,, die währiesch Mgaxischen Truppe^ in Jtalien beschlagnahmt worden smd. ' ' Äir WühldeMegMg^ Budapest, 20. Mai. (Tel. d. ,,Wr. Morgenzeiinng^) Ministerpräsident Graf Bethlen erklärte auf seiner Agitätionsreise zwischen Donau und Theiß, daß, Ungarn einen neuen Freiheitskämpf führen müsse. Die neue Unabhängigkeitsbewegung bedeute jedoch keinen Krieg. Mit friedlichen Mitteln, mit Arbeit, wolle Ungarn seine Unabhängigkeit erkämpfen. Das Mittel dieses Kampfes ist die Schäftung der nationalen. Einheit auf jedem Gebiet, die Abenteuer- - Politik. müsse endgültig ausgeschlossen werden. In jenen Wahlbezirken, in-welchen die Wahlen am 28. Mai horgenommen werden, ist heute mittags die Fxist für die Einreichung der Kandrdierungen abgelaufen. Diejenigen Kan-. didaten, die nicht bre vörgeschriebene Anzahl von Hnterschriften erhalten haben, kommen bei den Wahlen nicht in Betracht. Ein führendes Mitglied der Andrassy-Friedrich- Partei Stephan Szomogyi, der in zwei Wahlbezirken ausgetreten ist, konnte die nötige Anzahl von Unterschriften nicht erlangen. So dürfte es noch mehreren, den er-, wachenden Magyaren itahestehenden Kandidaten ergehen. Die neue Nationalversammlung, wird dem Vernehmen nach nach ihrem Zusammentritt bloß die Indemnität D erledigen hohen, sodann einen Urlaub antreten. Die Staats- und Vorkriegsschuldett. Budapest, 20. Mai. (Tel.-Komp.) Staatssekretär Ludwig Volke ist heute uach Paris abgereist, um dort über die Frage der ungarischen Staatsschulden Verhandlungen zu führen. ' ' Der Austausch der Ratisizierurtgsurkunden - des Ueher-.. emkommens über die Vorkrie gs sch ul den zwischen England und Ungarn ist nunmehr' erfolgt. Diesem Uehereinkommen zufolge hat. Ungarn außer den' bisher gezahlten 150.000 Pfund. Sterling, noch weitere 150.000 Pfund Sterling bis zum 30. September dieses Jahres zu entrichten. Im nächsten Jahre werden 800.000 Pfund Sterling fällig sein, die in zwei Raten zu bezahlen sind. Budapest, 20. Mai. (Tel.-Komp.) Die Liquidatoren der österreichisch-ungarifchen Bank sind gestern abends in Budapest eingetroften und haben heute vormittags mit dem Finanzminister Kallah und denc Generaldirektor des Noteninstituts Geheimrat Popovic sowie nrit der Buda-. pefter Wiedergutmachungskommiftion verhandelt. . Ts checho-Slowakei. Verhandlungen in der Metallindustrie. ' Prag, 20. Mai. (Intel.) Dienstag oder Mittwoch werden zwftchen den Metallindustriellen und den Metallarbeitern die Verhandlungen eröffnet weredn.' Die Untc-rnehmer beabsichtigen, einen Kompromiß chlag zu machen, mach welchem zunächst eine provisorische Vereinbarung über die Aufnahme der Arbeit, unter gewissest kurzftsttigen Arbeitsbedingungen beschlossen werden soll.^ Benesch iM Prag. Prag, 20. Mai. Mmsterpräsident Dr. Benasch und Gemahlin sowie eine Anzahl von Mitgliedern der Delegation siüd heute aus Gemta hier eingetrofsen. ' Jugoslawien. AbkomMen mit der Tschecho-Slowaket und ZlalieU. Belgrad, 20. Mai. (Tel. d. „Wr.'Morgenzeltung".) ' Wie verlautet, haben der jugoslawische Außenminister N i n c i c für Jugoflawien und Dr. B e n e s ch sür die ^Tschecho-Slowakei ein Abkommen unterzeichnet, wo-? durch feetbe. Staaten für 20 Iahte eine Allianz eingehen. Auch mit Italien ist rn der Fiumaner Frage eine Verständigung erzielt worden. Es wurde eine , gemischte Kommission eingesetzt, dis die endgültige -Grenze des Staates Fiume festzusetzen haben wird. Die-Angelegenheit des Hafens von Baros wird ebenfalls durch diese Kommission erledigt. Vorläufig steht die Abtretung der dritten Zone Dalmatiens an Italien fest. . Rumänien. ArrttsemMsmüs der Liberale«. Bukarest, 20. Mai. (Tel. der „Wr. Morgen» .zeitung.) Das offiziöse Organ „Virto.rul", welches zur Zeit der Wahlbewegung seine antisemitische Haltung zurückzustellen benmht war, beginnt nunmehr wiederum in die antisemitische Tonart zu verfallen. Das Blatt schreibt u. ä. über „staatsgefährliche Elemente mit Ohrlocken" und'will durch diese Tonart der / antisemitischen Tendenz der Liberalen gerecht werden. Ditz .vor einiger -Zeit erfolgte Einstellung der zionistisch e n Ta ges z ei tu n g ),M a n t u ir e a" bezeichnet der offiziöse „Vntorül" als ein erfreuliches Zeichen dafür, daß in Rumänien eine jüdischnationale Politik nicht notwendig sei. \ Wollcheviot . 5500 K Covercoat. . 8000 K MwfMtQlteiflff 4S00 K

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