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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-21 · Heft 1187 (21.5.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1187 (21.5.1922)
Date
1922-05-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 MM SMtag - V- V; ,?' ' yj -v V ',’ *' «* * - *^. n-7 -,j[>'fV:V- . .> .... ... -^ «,*x Sl; 3R(«N929ä Nr. »87- y-tv* itesen wäre eine Berechnung noch Pfunden Brotes lieber. Venn auch in Goldrubeln berechnet, bstlbendie- Lebensmittel' »reise in der Ukraine keineswegs stabil, sondern weisen eine Lendenz nach oben ans. Es ist ja nicht nur die allgemeine Ungeklärtheit der politischen und wirtschaftlichen Lage, die hier preistreibend wirkt» sondern vor allem auch.der Hungernder von Süden aus langsam aber stetig nach .Norden vorrückt und bereits über die Halste der Ukraine ersaßt hat. Ich sehe mich ick Zimmer meiner Lehrerin um und mache einen kleinen Ueberschlag, wie sie eigentlich leben soll, auch wenn sie noch so viele Stunden am Tage gibt; denn alle anderen Lebensmittel und gar erst-Schuhe und Kleidung erfordern zur Bezahlung viele Pfunde Brotes. In ihrem Zimmer steht nicht mehr allzu piel, das sich noch in Brot umwandeln ließe. Im übrigen ist es das Uebliche, wie man es hier überall sieht. In der einen Ecke steht das Bett, in der anderen ein kleiner eiserner Ofen, der zum Heizen und Köchen djent. Dies muß auch kleineren Familien genügen. Größeren hat man zwei bis drei Zimmer gelassen. Ich bin in Kijew und Charkow bLi zahlreichen Familien zu Gast gewesen, bei Deutschen, Russen und Juden, bei Kommunisten,' Proletariern und Bourgeois. Die' Wohnnngsverhältisse sind bei allen dieselben. In dieser Hinsicht ist wirklich so etwas wje eine allgemeine Gleichheit erzielt. Im übrigen aber streben dse Lebenshaltungen bereits in stärkster. Weise auseinander. Es wäre jedoch unrichtig, die „neuen Reichen" mit den-Kommunisten und der sogenannten „roten Aristokratie" ohne weiteres zu. identifizieren. Natürlich sind unter ihnen oudt) zahlreiche Sowjcköeamte, die ihre Stellung zur Erlangung persönlicher BorteUd mißbrauchen, allein die letzte große Reinigung der Kommunistischen Partei galt ja gerade diesen Elementen, und andererseits trifft man auch erstaunlich viele Bolschewiken, die mit einem hingehenden Fanatismus.'Ücker Hintansetzung aller persönlichen Interessen sich» für ihre Sache aufopfern. Im allgenreiuen ist das Leben im heutigen Rußland für jedermann hart und schwer, mit Ausnahme jener Klasse gewissenloser Spekulanten, die noch aus jedem Elend und jeder lltot der Menschheit ihren Vorteil zu ziehen wußten in proletarischen, wie in kapitalistischen Ländern. Mit den Spekulanten nicht nur, sondern mit dem menschlichen Erwerbssinn überhaupt, haben ja auch die Bolschewiken ein Kompromiß schließen müssen. Me weitgehend dieses ist, erkennt man, wenn man einmal auf den Charkower Markt geht. Gegen diesen Markt haben die Bolschewiken einen erbitterten Kampf geführt. So oft sie den Markt auch schlossen, sooft lebte er wieder .auf. Da ^griffen sie zu einem Radikalmittel: sie versiegelten die Markthalle Und rissen alle Buden und Verkaufsstände nieder, rasterten dm ganzen riesigen Platz. Heute deckt ihn wieder ein Gemäuer von Bretterhäuschen, Buden und Ständen. Die große Markthalle bildet nur den Mittelpunkt, aber sm faßt noch nicht den zwanzi'gsirn Teil der zum Verkauf gelangenden Warm. Dieser Markt ist eine Welt für sich. Man kann alles nur Erdenkliche auf ihm kaufen. Endlos reihen sich aneinander die Buden mit Fleisch, mit Speck, mit.Würsten, mit Bröt, mit Mehl, Honig, Butter, Eier, Gemüse, Kartoffeln, Fischen. Dann Oel, Spiritus/ Petroleum, Benzin, Holz. Abtt auch Möbel, Hausrat, Decken, Teppiche, Werkzeuge, Eisen-, Holz- und Korbwaren. Zwischen all bm Buden gehen und stehen Leute, die einzelne Gegenstände ihres Besitztums zum Verkauf anbieten. Eine besondere Ecke bildet der Goldmarkt. Der ist verboten und wird von Zeitzu Zeit aufgehoben. 'Aber bereits am nächsten-Tage findet, er sich wieder zusammen. Zunächst sicht man nur eine Gruppe harmlos auf und ob gehender Menschen. Aber nähert Man sich ihr und ficht man vertrauenerweckend, aus, so. blinkt und . blitzt, es eitzem plötz-? lich von allen Seiten entgegen. Mäntel werden gilrückD schlagen und man sicht von der Brüst lange Reihen von Gh^k^^^.h^Wrhä.ngen. -.Hände offner? sich? Md.f-wondet^Hän^fläch'en schlitze» einem Dütznide »chon .Nach'-' t'nnch; gDöhten Brillantringen entgegen. HaiWschep offnen sich. ikM Hände voll Perlenketten, Broschen Nnd Goldrubeln bieten sich dH? Es ist, als-hätte' man cm „SesaE öffne dich" gesprochen' und eine ganze Schatzkammer täte.. sich' vor..einem auf. Die' PWse all dieser Kostbarkeiten sind M bürppäifchen Ätäßen gemessen gering. Allerdings ist. ja. ihre .Ausfuhr vchbpten. sind in der Ukraine ist Heute'Brät weckööuer' alL-GÄd^Mn(alkßegemein kann man sagen, daß dis Preise für. Nahrungsmittel und die unentbehrlichsten Lebensbedürfnisse von Tag zu Tag, ja fast von Stunde zu Stünde.Wigen, während, bic für alles Entbehrliche fallen. . .. .! Geht män über-den Charkower -Markt, ' so - ist es fast grotesk, zu sehen, welch ungeheure.-Triebfeder der menschliche Erwerbssinn ist. Von Tag zu Tag wachst der Markt, täglich reihen sich neue Buden-aneinander,,ja in .den angrenzenden Straßen wird, wahrhaftig gebaut.' Die ersten Häuser, die 'ich in dar Ukraine im. Bau sah? Man bäut da Steinhäuser, die als -Magazine und Kauflädendienen sollen. Die Triebkraft deS, persönlichen Interesses und Erwerbssinnes sucht die rieste Wßomifche Politik der Sowjets überall in ihren Dienst zü stellen. Der Bauer kann, mit Ausnahme einer Naturalsteuer» frei über seine Ernte verfügen.'Die staatlichen ^abriken fittb^ nüch gemeinschaftlichen Gesichtspunkten geleitet. Es gibt-nM AMMpbeit. Nicht nur die Leiter sind an ihrepMUtäMM interessiert, sondern die gesamte Arbeiterschaft? Jede' Fabrik bekommt ein monatliches Lieseruugsprogramm vorgeschrieben, überschreitet sie es, so . erfolgen Lohnzuschläge, unterschreitet sie es, so werden Abzüge gemacht. Nie darf, man allerdings dergessen, daß man es mit einer niedergebrochenen Wirtschaft zu tun hat, aber ihre Grundlagen sind unangetastet: die fruchtbare Erde, die-in Europa nicht ihresgleichen Hat, und die reichen. Bodenschätze. .Die neue ökonomische Politik gibt dem - aus* ländischen Kapital-die Möglichkeit zu ihrer Hebung. Wer zuerst säet, wird ernten. - . - ...? Die Weltarbeitskriss Eine Denkschrift der deutschen Regierung. . Die deutsche Reichsregierung hat der Genueser Konferenz eine umfangreiche Denkschrift über die Erwerbslosigkeit der Welt überreicht und darin wertvolles Quellenmaterial aus allen Staaten zu einer übersichtlichen Darstellung verarbeitet. Die Schweiz registriert 159.000 gänzlich und teil* weise Arbeitslose, Eng!and f ast zwei Millionen, Deutschlattd 200.000, Belgien, Dänemark und Schweden je 100.000, die Niederlande und Norwegen je 40.000, Italien 800.000. Für Rußland ist mit vier Mil- . lionett Arbeitslosen zu rechnen. Dazu treten, in U e.b e.r-. s e e 8 r.eHJ is d,i e r Müll i o ü^e n Erwerbslose in den Vereinigten Maaten, MÜ0st in - §Hyda;?tticht Üübed.eu-- iende, Ziffern sind auch-für Ahile„.SÄ>asrika und .Australien auzusührem^ Nach - Heu amtlichen Hublikatipnen' innß auf der ganzen Welt rmt ..m i ndestens zehn M i ll r,o neu Ätbeitslosen gerechnet werden. Ganz niedrig berechnet, wird es auf jeden Axbeitslosei; zwei unterhaltöbe-. vechtigte Angehörige treffen, -.die unter der Verdienstlosig-. fett des Ernährers, zu leiden haben. Insgesamt sind also in Europa Ledige,und Fqmilien Mit zusammen zwölf Millionen Köpfen von der Arbeitslosigkeit ' unmittelbar hdtrofftü, ist der ganM WM H'r^'pMg--M-cklk i-o nHA' Höpfe. Dreißig Millionen Menschen können heute?, ins Mge dev Arbeitslosigkeit kein menschenwürdiges Düseist ' führen; denn keine wie immer geartete Unterstutzüng kann die Arbeit 'und ihre. Segnungen für dasmenschliche Leben s auf die Dauer ersetzen.?? Nach dem vorliegenden Zahlenmaterial stellt-.sich die Unterstützung eines Arbeitslosen mit durchschnittlich zwei «Angehörigen täglich auf drei Goldsranken. Damit ergehen sich in Europa für die Arbeitslosen täglich zwölf Millionen Goldfranken, und. für die ganze' Welt täglich dreißig Millionen GHidfrunk e n Ausgaben.'Die Arbeitslosigkeit verursachte in alle» Landern' Europas 1921' Aufwendungen vön allermindestens vier - Milliarden Goldfranken,- in der ganzen Weld wenigstens zehn Milliarden.' Seit dem Waffenstillstand muß der Aufwand für Arbeitslosenunterstützungen in Europa auf mindestens acht, in allen Ländern' dev Erde auf etwa 25 Milliarden veränschla'gt werden. Bedenklich sind die Verluste für Wohlfahrt und Kul-' tur, die durch das Brachliegen der vielen MAionen Ar* beitSkräste entstehen. Im Durchschnitt mutz man derr Ausfall, an Löhnen 'auf mindestens den zweieinyalbfachen Betrag, der Unterftützungeü anfetzen. Der Lohnausfall für die Arbeitslosen beträgt damit 1921 in Europa allein zehrt Milliarden Goldfranken, in allen Ländern der Erde 28 WMiarden. oder feit dem. Waftenstillstande tn Etrropa rund 26, in der ganzen Welt etwa 00 Milliarden. Gleich bedenklich ist der Ausfall infolge der Nichtausnützung der Produktionsanlagen. Man rechnet im Durchschnitt in der Produktion zwei Drittel Kosten für die Arbeitslöhne und ein Drittel Kosten für Kapital- und Grundrente. Der-Wert der Produkte, die infolge der Arbeitslosigkeit ausfallen, ist deshalb noch um die Hälfte höher als 8er Betrüg des Lbhu-- auSfalles; er muß seit dem Waffenstillstand füt; Europa mit dreißig bis vierzig, für die ganze Welt mit rund 100. Milliarden Godlfränken angenommen werden. (Um sich die Bedeuckng dieser Summen, zu vergegenwärtigen, sei daran erinnert, daß das schweizerische' Nationalvermögen ans etwas über 30 Milliarden geschätzt werdest kann.) .Bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit kann die Ausrichtung von Arbeitslosenunterstützungen nicht als eine Abhilfsmaßnahme betrachtet werden, weil sie die Folgen der Arbeitslosigkeit für die Betroffenen nur mildert, diL' Arbeitslosigkeit selbst aber., nicht beseitigt. D a s.i a n tt nur Arb eit selb st! Üeberall wurde die Arbeitsvernnttliulg ausge'baut. Dabei geht aber die Erweiterung der Arbeitsvermittlung über die Staatsgrenzen hinaus. Auchist der internationale Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsrnarkte noch nicht organisiert. Ue'berall tverden Notstandsarbeiten'. ausgeMrk, wobei Bodenverbefsermlgen und Verkehrsbauten eine besonders wichtige Rolle spielen. In der Schweiz und in Deutschland wird auch die Berufsschulung und die Heranbildung bestinunter -Arten von fehlenden Arbeitern betrieben.. Namentlich in England, Belgien und der Schweiz wurden sodann handelspolitische Maßnahmen getroffendie durch eine.Beschränkung der Einfuhr urid durch eine Förderung des Exportes die Lage auf dem Ärbeitsmarkte zu verbefsern' suchen. Wie, sind sie M beurteilen? .. . Der Arbeitswarkt. eines walutastarLen Landes/ ckanu verschlechtert-werden, ohne dast eine Ueberflutung feines Marktes. mit Produkten aus valntaschwachen Staaten.erfolgt. Denn gegen die übermäßige- Einfuhr kann sich, jedes Land durch Einfuhrverbote 'schützen. Der Arbeitsmarkt eines valutastarkon Staatesgestaltet sich prekärer, weil die Kaufkraft der valutaschwachen Gebiete abstirbt. Deshalb Mist durch E i-u f n h r ö e r b'öt'a, -Z o l l'^r-h öhungen Üsw.^ kc1u,e..We^.se,mt.li»chh WHb.eM-- rnstg des Arbeitsmarkte^ eines- - valM^aLkeu Landes herbeigeführt wsMn. .Wr, AeinM., gsittstiglere Ar?^ kommen bin, wie Sie gleich hören werden. Diese Dame war ein geborues, Fräulein von Brockdorf aus dem Hölsteinfchen und zueH Gesellschaftsdame der Prinzessin von Holstein-Plön, welche sich mit dem Erbprinzen von Braunschweig vermählte. . . Der sächsische Kabinettsminister v. Hohm sah das schöne Fräuleinheiratete sie . Nach mancherlei Kämpfen und Widerwärtigkeiten kant es zur Scheidung, und Frau v. Hoym ward eine. allmächtige Äaitrefse. Lange Zeit beherrschte sie den genußsüchtigen Herrn, aber bf$ Galanterien der französischen Tänzerin Dupare undeiner polnischen Gräfin, Tochter des Großmarschallö BielinZky, mackueu cndüch ihren tölnckv:? .n erbleichen. Man hielt sie eine Zeitlang vom Hofe, entfernt, verfolgte sie dann svgckr. über die Grenzen von Sachsen und Polen hinaus und suchte ihr das Kapitalverbrechen einer Konspiration gegen hen König auf den Hals zu laden. Endlich lebte sie auf dem Landgute ihres Tochtermanns» zwar in Freiheit,.aber sehr eingezogen. Ihre Feinde sprengten aus, sie habe nach Holland gehen und Jüdin werden wollen. Zn diesem Gerüchte hat eben d i e s o n d er bst r e Beschäftigung mit jüdischen und rabbinischen Schriften Veranlassung gegeben, welche mich mit der merkwürdigen Frau t n e i n V e r h ä l t n i s gebracht hat. Wie schon gesagt, erhielt ich einstmals in Uttenreuth einen Brief, von unhekanter Hand, worin mir ein verkappter BorromauS Lobgefang in. Bischofswerda zwanzig Reichstaler zum Geschenk machte und mir auftrug, ihm die P i r k e A b o t h ins Deutsche zu übersetzen. In wenigen. Dagen war ich mir meiner Ausgabe , fertig, schickte sie unter der mir aufgegebenen Adresse ab, und erhielt dafür lebhafte zergung und sechs Dukaten. Es wurden mir uöch mehrere andere heb rätsche und rabbinische Traktate zu gleichem Zweck übersendet, und ich empfing für jeden Tag einen Louisdor Honorar. Diese Uebersetzüngen fanden den Beifall jüdijcher Gelehrter. 8.üx MM Mr arbeitet^ das MM M Mt.M Postmeister in Dresden, an den., ich meine Eiabornte ein sendete, erwiderte auf. meine Frage nur so viel: ein Bote aus Schmiedefeld ho!k^ die Briefe und bringe auch das Geld'; nach weiterem zu forschen, sei nicht ratUch. Noch war ich mit einer Arbeit nicht fertig, da erhielt ich abermals Briefe mst der direkten Einladung nach Dresden, wo ich den mir bekannten Briefsteller und die Entschädigung für meine Reise finden würde. Ich machte mich wi-rklich auf den Weg und fand alles, was Mir versprochen; aber, wie groß war mein Erstaunen, als ich, bei jenem Unbekannten eipgesührt, eine Person erblickte, die in voll ent Anzuge eines jüdrfchen Hohenp ri t st e rs a u»S d e m a l t e n T e st am e.n t vor mir st a n d. Sie war mit allem üblichen Schmucke angetan, und trug, genau die Attribute jener hohsupriesterlichen jiidifcheu Würde; Und als ich das Antlitz unter der Mitra scharf betrachtete, war e s d a s e i n e r Dame. Sie empfing mich mit vieler Auszeichnung und suchte, bei öfteren Besuchen v o n mir g e n a u e Äu f s ch i us.s e üb er ina n ch e ra br i n i f ch e D. i U g e, besonders Über Stellen - des Talmud, über die Gebetbücher der polnischen und deutschen Juden usw. zu erhalten. Sie selbst und ihr Schwiegersohn, der damalige Oberkonsistorialpräsidettt Graf. v. H., sprachen von dem Plan,, mir die Stelle eines Stadtpfarrets in Stolpe . zu verschaffen, und man stellie mir in Aussicht, daß ich nach.emigün Jahren eine der einträglichsten Ephorien des Churfürsientums erhalten sollte.. Ja, ehe ich noch eine Antwort erteilte, zeigte mir der Graf .schon die Vocation vom Oberlonsistorium. Ich wollte jedoch nicht ohne Zustimmung rsteines LandeSsursteu, - Markgrafen Friedrich, züsageu, welcher mir befahl, ins Vaterland znrückzükehpeu, uüd.rnich eittsv guten Beförderung versichert zu halten? U n t e rdessen müßte ich fortfahren, Lei der Gräfin. Cosel hebräische und r.aLLini.sche Schriften zu verdolmetschen. Die Dame brachte aber dabei allerlei Dinge aufs Tapet, d i e g e- - öML^eLzLr.e Ehristi .und jeine heiliAtz) P e r s o n g e r -i ch t e t w a r e n, so daß? entrüstet beschloß, mich von ihr zurückzuziehen. Ueoerdi^s frng auch meine gute Frau, der ich das Rätsel Von dem unbekannten Korrespondenten gelöst Hatte, an, eine so gefährliche Person mit eifersüchtigen Augen zu betrachten. Sie fürchtete, daß die Dame auch den Pfarrherrn von Uttenreuth verführen könnte. Und so war ich dettn froh, endlich der vornehmen Hohenpriesterin Valet sagen und, reichlich beschenkt, sti inein stilles Dorf zurückkehrett zu können." So weit die. Erzählung des. Superintendenten Boden» schätz. Derselben fügt der SOjährige Martins die schalthafte Bemerkung hinzu: „Mau denkt sich Wohl, daß ich die Erzählung des würdigen Alten mit großem Interesse vernahm; ich war aber zu jungals daß ich es gewagt hätte, der Frau SuPerintendenLin recht, zu geben." Aus dem Berichte Bodenschatz' geht deutlich hervor, daß die-merkwürdige Frau ihm der damals kein alter Superintendent, sondern ein junger Pfarrer war — nicht nur durch ihre Kenntnisse und Wißbegierde interessant, sondern auch ourch ihre^Fragen und kritischen Bemerkungen unbequem geworden ^war. Aus dem Hinweis auf die eifersüchtigen Regungen per Pfarrerin — die dazumal noch eine jugendliche Frau sein Mochte — ergibt sich aber auch, daß Gräfin Cosel nöch als Sechzigjährige, so alt war sie damals, für gefährlich gellen konnte. Das ist Wohl glaublich, denn als die Gräfin. Cosel am 31. März 1765 nach fast LOjährigem' Aufenthalt in Stolpen im - Alter von. 85 Jahren starb, verriet ihr. Antlitz noch im Lode, wie Augenzeugen versicherten, die deutlichsten Spuren großer Schönheit. ... Gewiß ein.seltener Fall; aber lange noch nicht so selten wie der Umstand, daß eine in dem Sumpfboden höfischer Galanterie wurzelnde Dame sich plötzlich in die Arme der Wissenschaft wirft. Gräfin Cosel hat sogar den Weg bis in diernit hebräischen Folianten gefüllte Studier- : ftubc zurückgolegt. Diese kulturhistorische Merkwürdigkeit verdient sestgehalien zu werden. G. E—mack-.«.

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