Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1186 (20.5.1922)
- Date
- 1922-05-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ^roß-Praa war die Arbeitsrnhs eiye vollstäudige^ättch ln den KWMtrieöett lvutde §"Ht? geäMitet» Ältfv, Theater, Gast- und Kafseehäusär Md gesttMfs^i. ÄiM die Arbeiter der Gas- und' Elektrizitätswerke.,,. Merten fest vollständig und ließen nur die für die Sicherheit der Betriebe notwendigen Arbeiter zurück. Auch die Straßenbahnan gestellten und die Briefträger nahmen an der Kundgebung teil. DaS Militär hatte strenge Bereitschaft und war. seit gestern abends in den Kasernen konsigmert. Gendarmerie war von auswärts nach Prag zusammengezogen worden, doch zeigte sie sich nicht außerhalb der Kasernen. In den Versammlungen wurde eine Nesolution angenommen,- in welcher gefordert wird, strengste Solidarität aller tschechischen Arbeiter mit den kämpfende^ Metallarbeitern zu wahren und sich Ln keiner Branche Lohnredükiwnen gefall?N zu lassen. Zugoslawle». Das Budget. Belgrad, 19.. Mai. Der Finanzausschuß hat daß Budget für 1922 genehmigt. ES ergibt sich ein. A bgang von 740 Millionen Dinar. Zur Deckung dieses Defizits werden eine fünfzigprozentige Erhöhung her Cisenbahntarife, eine besondere Steuer auf pir Personenfahrkarten der Eisenbahnen und eine Erhöhung des Zolles auf L u x u s w a r t n beantragt. Das jetzt bestehende Verbot der Einfuhr von Luxus- Waren soll aufgehoben werden. Der Wiederaufbau von Belgrad. Preisgekrönt Plätte jüdischer Techniker. Aus Belgrad wird uns berichtet: Hie Stadtgemeinde Belgrad schrieb vor einigen Monaten eine internationale Preiskonkurrenz für die Wiederaufbau- und Regulierungspläne der Stadt Belgrad aus. Den ersten Preis erhielt der vom^Budapester Architekten Dr. Emmerich Forbath gemeinsam mit zwei ande4 reu Budgpester Ingenieuren ausgearbeitete Plan, wahrend der dritte Preis dem vom Budapester Ingenieur Max Mautner und Genossen entworfenen Plane zugefprocheu wurde. Architekt Emmerich For-- beth ist ein Judeaus Neutra, hieß ehemals Uscher und hat auf dem Gebiete des Städtebäuwesens sowohl 'in Ungarn als auch im Ausland, vornehmlich in Deutschland, bereits große Erfolge erzielt. Nach feinem Plane soll der ganze Verkehr Belgrads auf. die Semlin-r Seite der Save verlegt werden. Hier sollen nach dem Wunsche der Stadtgemeinde Belgrad Handels- und I'rdüstriehüfettattlagen mit euremgroßen Nangierbahnhoj errichtet werden. Dreier Rangierbahnhof soll durch eine neue Eisenbahnbrücke nrit Belgrad verbunden werden. Das Zentrum der Stadt, das sich um den alterr königlichen Palast und das Parlament herum gebildet hat. soll einer großzügigen Regulierung üttterwor^n werden, indem hier, kt'mstlerisch gruppiert, alle jene öffentlichen Monumentalbauten und kulturellen Anstalten, welche der Staat zu errichten gedenkt, aufgebrut werden. Der Plan sieht außerdem an der Pecipherie Belgrads große Spitalsanlagen, eine Villenstadt und ein Fabrrksüjertel mit hygienischen Arbeirerhäusern vor. In der Sommerfrische des Königs, in Tüpschider, sollen rin großer Tiergarten, Sportplätze, das Stadion sowie Parkanlagen zur allgemeinen Erholung errichtet werden. MMiMHGjminz öGMar 192S Ne. 1189 / Hngflcu. Der Pfarrer von Orgovany. Aus Budapest Wird uns berichtet: Orgovany hak durch die zahllosen Juden und Arbeiter, M in den uahegelegenen Orgovanher Wald verschleppt und unter unsäglichen Qualen. ermordet wurden, eine internationale Berühmtheit erlangt. Viele dieser Opfer des christlichen Kurses mußten ihr eigenes Grab schaufeln. Orgovüny selbst ist ein kleiner Ort, eine kleine Bäuerngemeiüde, deren geistiger Führer der katholische Pfarrer Ludwig M o ln a r ist. Wes Geistes dieser Sendbote der Religion der christlichen Liebe ist, verrät er tn einem. Aufruf an die Katholiken des Landes, um Spenden für die Erweiterung der katholischen Kirche von Orgovany. Er schreibt unter anderem.' „Das Volk von Orgovany klammert sich «Hi dem natürlichen Jnstitüt des Volkes an seine altväterlichen Traditionen, an seine ihm ins Blut übergegangene Religion, Es ist daher nur zu begreiflich, dätz nach dem Sturze des Kommunismus die bis dahin unterdrückte Bitterkeit aus seiner Seele hetworbrach und in einigen AusschwiNgungen ein Ventil suchte. Das gesunde Blut des Volkes von Orgovany hat die Jnfektions- Üazillen auS sich «usgestoßeri, und es ist charakteristisch, daß es mit der Geste eines Gentlemans die beiden jüdischen Familien, die in Orgovany gewöhnt hatten, aus der Gemeinde entfernte. Deshalb war es nöch nicht notwendig, die Posaunen von Jericho erschallen zu lassen. Orgovany ist in der Seele der Magyaren ein Begriff und für die christliche Und ungarische Rasse sogar ein Symbol, ein . ewiges Rufzeichen gegen die antincitionalö destruktive Bestrebung geworden? Der Pfaröer von Orgovany ist derjenigen würdig, die gerade seine Gemeinde als die Mördergrube des Horthy-Regimes auserlesen haben. Pfarrer Molnar ist Mitwisser aller Schändlichkeiten, die. sich auf seinem Gemeindegebiete zugetragenhaben. WähcM er Gelder sammelt, um die Stätte auszubauew' an welcher -?v ' angeblich die Religion der Nächstenliebe verkündet, -nennt er die Qiito Statt« , B NitteilimMM deck PichliM, Mni Nnlberstsm l)sv>6 May Verl o bte 9050 Jiroslau-teschen, tiff V'somar 5682 UM, Telephon 1S-S-G Telephon W-e-28 'i *•» •8*n^JSTr*ui« .-Äswi £xp0*t nach *)l*n Sth&toh t SüflwtRVslttre. <Zrt«mteemtt>e» Radler stumm!* Hartguxnmtkäfnme sowie slifltllrMe öumfflntlwaren eil falrlki]lralcen . IpKiit i tiOFowltz. II., klriiili'Msf Telephon 47-0-S6 Bor Telephon 47-ö-ta Mordtaten der HejjaS und Pronay „begreifliche Ausschwingungen". DaS wird die „Neue Freie Presse" dennoch nicht hindern, wieder zu behaupten, daß der ungarische Dorfjnde sich des schönsten friedlichen Lebens erfreue. Offene OppssiLisn der LtzütisnülbeMokrattrr. - Warschau, IS. Mur. (Tel. der „Wr. Mo^enzeliung".) In der Fknanzkommission erklärte der Vertreter der Na» tionaldemokratsu, daß fein Klub g e g e u das Budget stimmen wird, Diese Erklärung hat in ParlameuLSlreisen tteberraschung hervorgerufen, da die NatioMöettwkräten züm^ ersten Male' offen eine offene Oppositionsfront ein- Eine Äissubahukorrfersuz irr Lemberg. Lemberg, 16 Mai. (Tel. der „V zertung".) Am 21. d. beginnt in Lemberg eine Kon ferenz zur Erledigung verschiedener Eisenoahntränsitfragen, an der Vertreter' der ' rumänischen, österreichischen iutb tschechischen Eisenbaynntimfterien . teilnehmen werden. Die Opposition gegen den Wahlordnungeentwnrf. Warschau, 19. Mai (Tel. der „Wr. Morgenzeitustü".) In der gestrigen LejmHung uahmAögwr.dllcterFedorowiez im Namen des StädtebundeS gegen den Wahlordnungsentwurf in schärfster Weise Stellung. Cr verlas die Resolution des genannten Städtehundes, in der gegen die Vergewaltigung der städtischen Interessen int Wahlordnunßsentwurf schärfstens. Protestert und die Vertreter drr Städte aufgesordert werden, die Beschlußfassung nicht znzulassen. Er verlangt die Vörgrößernng der städtischen Wahlbezirke und deren Vereinigung mit den vorstädtischen Gemeinden in selbständige Wahlkreise, wie auch die Erhöhung der Mandate ans den Neichslisten. Ebenso scharfe Stellung nahm gegen den Hahlordnungsetttwurf, der Führet der Polnischen Sozialdemokratie, Abgeordneter Daszynski. Me SstgresrzemFvtrge. Warschau, 18. Ma!. (Tel. der „Wr. Morgettzettung".) Atißemmnlster S k i r m u n t Hai während seiuclr Anwestuheit in London, Paris uüd Brüssel die polnischen Gesandten' in diesen Staaten bevollmächtigt, sich mit den öetreffenden Legierungen wegen der polnischen Ostgrenzenregelnng zu verständigen. Auf diese Aktion sind hier in den lktzttu. Tagen Antwortnoten von Frankreich, England, und Belgien 7lngetroffen. Frankreich Und England gehest auf den Vorschlag der polnischen Negierung, die G>.'Mzen sobald als .möglich zu regulterett, ein, jedoch entspricht der Tc^t dir Noten nach. ^MMssigen Jnformatimm nicht dem polnischen Staatsinteresse. „Äurjer Pokanny" wendet sich an das Außennnnlstermm mit der Anfrage, Warum der Tezjt dieser Noten^ der breiten Oesfentlichkeii nicht bekanntgegoben wdrde. We bekannt, würdee^ bic Öftötctiicnftaö^ iü Genua von England zur Sprache gebracht, jedoch. alS nicht in die Kompetenz der. Aenuestr Konferenz fallend voll der Tägesorbnuiig äögesetzt.und dent Obersten Rat zur Entscheidung überwiesen.) BtzlkrWütth ttttÄ Ittvenseage. ■; (Vom unserem Korrespondenten.) ’ London, Itz. Mai. Am 15. d. abends fand in der Oueens Hall ein Massen^ Meeting statt, einberufen durch das Londoner Komitee jüdischer Seelsorger, zugunsten der Englischen Union für den Völkerbund. Das große HäuS war bis auf den letzten Platz-besetzt. Den Vorsitz führte der Obcrrabbiner von Eriglänv, Dr. I. Hertz'. In seiner Eröffnungsrede führte er aus, daß in den Jahren 19Ü.» und 1920 ein wahrer Stuptir menschlicher Bosheit über, die drei Millionen Iudert Süvrußlands dahkngerafft sei und sie fast vernichtet Habe. Viele Mischen'Gemeinden in --er ilkraino wlirden buchstäblich vernichtet, 160.000 Meüscheu, ohne Rücksicht auf Älter und Geschlechts durch Feuer und Schwert getötet und vorher namenlosen Qualen ünterworfelr. Gegin neuerliche Ausbrüche menschlicher Bestialität, gegen ne'.re Kriege existiere nur ein Bollwerk oder beginne langsaur in Existenz zu kommen, der Völkerbund. Aber er kam nur wachsen, wenn er von einer ltnierrichteten öffentlichen Rtewung gefordert wird. Ein neues Herz und ein neuer Geist feien nötig und alle moralischen Kräfte müssen Mobilisiert worden, um die Schaffung dieses neuen Herzens und . dieses neuen Geistes zu sichern. Lord Robert Ceeil, der Hauptredner des Abends, führte in einer langen Rede aus, er wundere sich oft beim Leien der Zeitungen, wte schnell die Menschen EurvPaS verwas Krieg wirklich bedeute. Eine Natfon nt. vervollkommne ihre Lnftslotie, die andere erfinde neue giftige Gase mW die dritte forsche nach Geschützverb e s s s e c n n g. Bündltisse und Gegenbündnisse entstehen und die Mettjchen treiben schnell einem neuen Zustanp zu, aus dem es keinen anderen AnSweg gibt als den Krieg. In England ist das Duelkieren durch die öffentliche Meinung zum Stillstand gekommen und er wundere sich, daß nicht etwas Äehltlrches mit den B Ü l k e r d u e! l en geschehen könne. Die Äuschaunna, Eriropa durch irgendeinen obersten Rat einer bestimmten Gruppe verbündeter Rationen beherrschen zu können, sei falsch und müsse fehlschlagen. So tnüsse, Europa in zwei Gruppelt geteilt werden mit der bekannten Losung des Gleichgewichtes der K r.a f t e, und dieser Wettstreit in Rüstungen mutz zu einem allgemeinen Krieg führen. Dem müsse Müll eine große Bereinigung aller Rationen zum Frieden entgegensetzen. Die furchtbarste Gefahr -für Kriege in Zentral-- und Osteuropa ist die Bedrückung von Rassen- und Religio ns Minoritäten. Gr habe oft sagen gehört, daß man in jeder Revolution Juden finde. Wenn eö aber so sei, müsse er antworten, die Schuld liegö an denen, welche die Juden in diese Lage getrieben tz u b e n. Eines der besten Dinge, die man in Harts getan hat, war die "Unterzeichnung der Minoritätsrechtsv ert r ag es, und vor allem die Bestimmung des Völkerbundes, daß wlr diejenigen, als neue Mitglieder . zugelasstn werden können, die ihre M i n o r i t äi r L ch i 11ch g ü tt st i g st e! 1 e n. Cr kenne die Fähigkeiten der Inden und er wünscht, sie mögen sich in den Dienst der Sache des Völkerbundes stellen. . Lionel de Rothchild brachte eine Resolution ein, daß der Völkerbund das praktischeste Mittel sei,- den Fr tedeil zu sichern und forderte die Anwesenden zu seiner Unterstützung aus. Claude G. Montefiorr, unterstützt von Dotwr Iochelmann, Vorsitzendem der Föderation der ukrainischen Inden, sprach Lord Robert Ceeil den Dank der Versammlung aus. ' - Die neutrale Sone zwischen Polen «nt Litauen. Getif, 19. Mal. (Lel.--Komp.) In der gestrigen Sitzung des Völkerbuttdrates kam die' Frage der neutralen Zone zwischen Wen und Litauen zur Sprache. Der polnische Delegtttte Prof. A s k e n a z h verlangte die sofortige Entsendung einer Kommission des Völkerbundrates zwecks Absteckungeiner Demarkationslinie. Er berief sich darauf, daß in der Frage der Aufhebung der neutralen Zone' schon im Jänner dieses Jahres eitle Entscheidung des Völker« bundratitz gefallen sei. Die Entscheidung wllrde von Polell angenommen, von Litauen jedoch abgelehnt. Der Völkerbundrat beschloß, Hymays (Belgien) mit der fgforticjci Aufnahme von Verhandlungen Ntit beiden Teilen zu beauftragen. Der ÄöLkerbAttvraL und der Hunger in ÄußLand. ksrLler^srtörr^u.OLmeuvLsclre . AuS Genf wird unZ gemeldet: Gleichzeitig mit der- Behandlung des rustischeu Problems in Genua hatte auch der Völkerbündrat Gelegenheitsich mit der russischen Frage 51t befassen.' R a n s en stellte ülS Delegierter Nor» Wegens das Probleur der russischeu Hungersnot alS Wirt«' schaftliche Frage zur Debatte. Norwegen beantragte, der VöllerLundrat möge eineItutersuchnngslommissioll ernennen,'die namens aster Kulturvölker, der Welt-und iltsbesoudere Europas über den Tatbestand der sortfchreitellden russischen Hungersnot, ihre Bedeutung und, ihre wirl-- schaftlichen Folgen für das übrige Europa und die Welt sowie über die nütweuvtgen' materiellen HilfSuckrßttahMet» Erhebungen anstellen solle. In der BegrüNdUltg feines Antrages gab Nansen wie hei seinen früheren Redert ausführliche Einzelheiten über zu dem sie. geführt habe, mnd die trostlosen Aussichten für M«Mi« ( ,ntftiäSilÜM6üA. -:-'^rIääaLm HttMümMUM .... > lüife-