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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-20 · Heft 1186 (20.5.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1186 (20.5.1922)
Date
1922-05-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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^^^-.-7-.^.--.5\r^, v.-.;? . '■ , r^\r, . -.- ' . , ’ ‘< 1 / ■■ 1 - ' * 1' ' * ' 1 y<{J,I Nr^ 1186 Wien, ^am?taq Hörigen Jahres beeinflußt wurd^ sNer größte Teil dieser E'mwanderel: kaHva u f Koste n^dLr' Z i o n i st i s ch e u O r g a tj.i f a t i o n und würde von ihr ausgenommen, Mit Wohnung,) Speise und Trank versorgt,, und die.Zionistische Organisation Witte dabei b.ic Aufgabe, für den größten Teil dieser. Einwanderer ständig Arbeitsgelsgenheiien;u' t. .-JAf'tztztztz Jahre wurden große Käufe von. MdLichew.ünd/siädtMem Bodere^ durchgeführt und der Mische Besitz ay landwirtschaftlichem. Boden dadurch hon 412.000 Duvam im Jahre 1st14 auf 700.000 D. uzH m gebracht.' Aer städtische Boden gibt bie Möglichkeit der. Gründung neuer Stadtviertel,, die wie die bekannte Müsterstabt' T. er.'-/Aw i w zeigen - werden, was. jüdische Kolonisation auf diesem Gebiete leisten kann. Die' dringende Wohnungsnot und die Bedürfnisse einer immer fteU f'enden Jmnri'gration haben im'Palästina eine B a ua.t i g k e i t hervorgerufen, die bei. weitem die in europäischen Ländern überttifft,' Auf den neuerworbenen Ländereien . werden 'Mische Arbeiter ängesiedelt, und in den wenigen Monaten seit dem letzten Zionistenkongreß Jn Karlsbad sind'-fu n f neue derartige Siedlungen in den üeuerworbenen '.Gebieten im Tale Je s r e e l geschaffen Worden. Ueber' ^20.000 Pfund S t e r l i n g hat die Zionistische Organisation Arbeitergenossenschaften aller Ars während dieser Zeit als Vorschuß gegeben und es ist mit Genügtuung festzustellen, daß von diesen Darlehen bereits' über 20.000 Pfund Sterling zurückg'ezahlt werden konnten. Das sanitäre und das Erziehungswerk, das. heute'in Palästina vollbracht wird, kann ruhig als ein vorbildliches bezeichnet werden. Es gibt dem eintvandernden Juden die Gewißheit,, daß er in dieser Beziehung in Palästina ans Bedingungen stößt/ die denen der Länder, die er'verläßt, gleichwertig sind. Wenn man weiß, was „lernen" für Juden aller Zeiten bedeutet hat, so wird man es verstehen, welcher Wert darin liegt, daß der jüdische Einwanderer,-der in bezug auf so-manche Bequemlichkeit undaus.so manches, das ihm in Europa unerläß-- lich dünkt, in Palästina verzichten wird müssen, wenigstens in dieser Beziehung, der Erziehung seiner Kinder, den Sorgen enthoben ist. Ebenso schafft in diesen noch halb wilden, von gefährlichen Krankheiten nicht freien Gegenden das medizinische Werk der Zionistischen Organisation überhaupt erst die-Möglichkeit einer großen Einwanderung. ' .Hier kann und soll nichts von dem Zahlenmaterial gebracht werden, das die kleine Broschüre in so reichem Maße enthält. 'Jeder möge an ihrer Hand selbst feststellen, wieviel im einzelnen geleistet wurde, und er möge an Hand alter/Berichte aus früheren Jahren vergleichen, welch große' Fortschritte erzielt wurden. /Es liegt in der Natur des Menschen, daß er sehr leicht seine eigene kleine Vergangenheit vergißt und daß' er unbefriedigt immer nach Größeren^ und nach ferneren Zielen seinen Blick richtet, statt zurück und in einer gewissen/Weise nach unten zu blicken.-. Gewiß' mag bei einer genaüm Durchsicht der einzelnen 'Ausgaben dem, der nachvier Jahren über das gesamte Material ' urteilt, manches als - überflüssig erscheinen, manch derartige Ausgaben sind auch im Laufe der spateren.'Jahre bereits vermieden worden, und heute noch magMäncher der Meinung sein, daß trotz aller Notwendigkeit das Erziehung und sanitäre Budget gegenüber dem .reiNen. Kolonisationsbudget gekürzt werden müsse. Aher aus Fehlern lernt man. Und eine derartige ungeheure und ungewohnte Unternehmung, wie die unsere, kann nicht yhpe Fehler gemacht werden. Manchmal zwingen einem auch Verhältnisse zu Schritten, die mau sonst vielleicht,nicht getan hätte. Aber das genaue Material, das nun vorliegt, wird es überhaupt ermöglichen, - daß die Diskussion darüber auf sachlicher und vorurteilsfreier Basis geführt w.erde. Denn wenn man auch über einzelne Punktesicher verschiedener Meinung ist. und wenn man auch.manches anders und besser machen möchte (obwohl man, "wenn man dann in'die Lage versetzt ist, es selber machen zu müssen, einsieht, daß es eben nicht anders geht), so eint dych alle das gemeinsame Bestreben, die vorhandenen Geldmittel immer zu v e r grüße r n und mit den vorhandenen , jene Arbeiten in Palästina zu leisten, hie am ehesten,für. uns jene wirtschaftlichen, kulturellen und nationalen Positionen schaffen können, die uns der Verwirklichung unseres Zieles nähern. Nachman Silber st ein. 20. .Mai 1923.. Vor der GesarntdeMiffion. (Bott unserem ParlaMents-erichterftatter.) Die' Aera Schaber gilt iM Parlament bereits als' abgetan. Unmittelbar nach der Rückkehr des Kanzlers aus Genu a, die für Sonntag vormittags angekündigt ist, Wird der Ministerrat aus der Verweigerung des 120-Hilliarden-Kredits, die, Wie tags zuvor im Budgetausschnß, nunnrehr auch gestern im Nationälrät erfolgte, die Folgerungen ableiten u«b die Gesamtdemissiou des Kabinetts beschließen.'Um Zeit für die Pärteissnverhandlungen über' eine neue Regierung-zu gewinnen, werden in der kommenden Woche keine NatWnalratss i tz u n g e n 'stattfinden/ Kanzler Scho b.e r wird wohl noch im Auswärtigen Ausschuß über seine Genueser Besprechungen berichten, doch erwartet Man keinerlei Mitteilungen, die einen Umschwung in' den Anschauungen der Parteien Hervorrufen könnten. Man -denkt daran, nunmehr eine Arbeitsgemeinsch aftder nichtsozüal i st i s ch e n Parteien auszurichten, Die Großdeütschen scheinen bereit, mit den Christlichsozialen und der deutschen Bauernpartei wohl keine förmliche Koalition einzugehen/ aber doch' auf Grund eines vorher bestimmten Programms eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden, die wohl nicht über eine Zlveidrittelmohrheit verfügen würde, aber doch tragfähig genug wäre, ' um 'der Von ihr gewählten Regierung über die nächsten Monate hinwegzuhelsen. Die von christlichsozialer Seite ausgestoßene Drohung mit Neuwahlen wird im-Parlament nich^ ernst genommen, da alle Parteien schon njit Rücksicht auf die in die Millionen gehenden Kosten von Wahlen nichts wissen wollen. In der gestrigen Nationalratssitzung wurde zunächst das Kreditermächtigungsgesetz nach kurzer Debatte, in der die ■ Sprecher aus den verschiedenen Pärtei- . lagern, ihre bereits aus dem Sudgetausschuß bekannten Reden wiederholten, in zweiter und dritter Lesung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen, wobei der Kreditbetrag von 120 aus 41,6 Milliarden gekürzt wurde. Das ‘ Haus ging dann wieder m die Beratung ' tzes gegen den u n lautere n Wettbewerb ein. Abg. A u st e r l i tz fttzte seine in der letzten Sitzung! begonnene Rehe fort. Er meinte, das vorliegende Gesetz würde den Redakteur zwingen, sich mit den Inseraten zu beschäftigen, . denn er werde für unrichtige.Angaben in einem Zeitungsinserat eventuell, mit einem Jahre Kerker. bedroht. Mit der Bestimmung, über die einstweilige Verfügung werde eine wirkliche. Beunruhigung für die Presse entstehen. Erst vor wenigen Tagen hat eine Versammlung stattgefundm, in . der . über die schw e r e N. o t der P r e s s e geklagt wurde. Die Zeitungen sind aus Inserate angewiesen. Nach dem vorliegenden Entwürfe könnte jeder Konkurrent den Zeitungen hie Verpflichtung auferlegeu. e i n b e st i m m t e s I n s e.r a t nicht zu b rin g e n. Die Vorstellung, daß das Gesetz, den anständigen Kaufmann gegen den unanständigen schütze, sei falsche In einer Zeit der sehr zmückgegangenen . moralischen und.Rechtsgefühle sei eher zu-befürchten, baß M solches . Gesetz, ein Werkzeug von Nnanständigen gegen die Anständigen werden wird. Es ist zu befürchten, daß. anständige Zeitungen von unanständigen Leuten matträtiert werden. Abg. Dr.. Ramek (christlichsozial) verteidigte dex Entwurf, der dazu bestimmt sei, die Moral-im wirtschaftlichen Wettbewerb zu heben.-' Die Verhandlung mußte um halh 5 Uhr abgebrochen werden, weil die Großdeutschen eine dringliche Anfrage wegen der Verzögerung der Auszahlungen nach d e m neue n. P e n s i o n ist eng e s e tz e , eiNgebrachb haben. Der Vertreten des' Finanzministeriums Dr. GrimM sagte die Abstellung der beklagten Unzukömmlichkeiten zu. Nächste Sitzung Dienstag den 30. Mai, 3 Uhr nachmittags. Oesterreich. Die Kmderausspeisllng in Wien. Die Verlegenheit der Sozialdemokraten. In einer, aus dem Rathaus stammenden Mitteilung wird erklärt, daß die Gemeinde Wien das Hilfswerk der amerikaniHM Kinherhilfsaktion, die am 31. d. ihre Tätigkeit.'einstellt/ mit ihren eigenen Kräften fortführt. Bekanntlich^ hät der Nationalrat denselben Beschluß in einem für bas gesanrte Bundesgebiet -bestimmten Gesetz niedergelegt) aus welchem über Einspruch des Präsidenten der zionistischen Organisation, Ingenieurs Stricker, ' Me die Ausschließung bundesfremder Kinder festsetzende Einschränfung entfernt wurde. Es ist nun interessant, daß die Mitteilung-des Rathauses erzählt, die Gemeinde Wien hätte ihre Absicht schon früher Maßt und der Text des Gesetzes sei in einer am 11. Aprilabgehaltenen Beratung im Ministerium für soziale Verwaltung vereinbart worden. Später sei. jedoch der Text in wesentlichen Punkten abgeändert.Wochen, so daß die Autonomie, der „Gebietskörperschasten" — ein Deutscher hätte hier Länder gesagt — nicht mehr zur- Geltung kam. ' Der Zweck dieser an sich recht unbedeutende'«! Erklärung ist wohl nur der, zu vertuschen, daß die sozialdemokratischen Vertreter die im § 2 des Gesetzes eingeschmuggelte antisemitiche Maßregel nicht gemerkt haben. Es ist ihnen peinlich, zugehen zu müssen, daß Ingenieur St r i ck e r durch seine Intervention, deren Wirkung sich nicht allein auf jüdische Kinder beschränkt, den Staat vor unangenehmen auswärtigen Mahnungen' geschützt hat, 'sind daß die Sozialdemokraten die Pflicht her Menschlichkeit versäumt hatten. Aus diesem' Gründe wird die Autonomie der „Gebietskörperschaften" aufs Tapet gebracht. Die VerhanLlrrngen mit UAgarrr. Wir habenbereits berichtet, daß die ungarischen Unterhändler zur Führung' der. Haudelsvertragsverhandlungen mit Oesterreich ernannt sind. Die Verhandlungen werden bereits demnächst in Wien ftattfinben: Sie werden sich vorwiegend mit -.den österreichischen Kompensationen für. die Aushebung der ungarischen Biehausfuhrsperre befassen und in der Hauptsache die Kontingentierung der ungarischen Weina.nsfuhr nach Oesterreich zum Gegenstände haben. * Aus die Dauer ist es ganz abgeschlossen, daß Oesterreich für die Viehbelieserung Ungarn auch eine AusnahmZstellung in der Weinbelieserung; einräumt. Sache der österreichischen Unterhändler wäre' es, für die Vorzugsbehandlung der' ungarischen Weine -' eine V o r z u g s b e h a n' d l u n g Österreichis.cher Luxuspro.dukte zu erwirken. Die Unterlassung, die in dieser Hinsicht von Oesterreich begangen worden ist, müßte jetzt, freilich unter ungünstigeren Verhand- . lnngsbedingungen, korrigiert werden. Man hört aus Budapest, > - daß' ein Einfuhrkontingent von 50.000 Hektoliter Wein monatlich zu bevorzugtem Zolle gefordert wird, - und zwar. unter Berufung auf dem Friedensvertrag, welcher gestattet, daß Oesterreich mit Ungarn fünf Jahre nach Ratifizierung der. Frie'densverträge für die Urprodukte bevorzugte Zvllbehandlnng vereinbaren.darf. Es kann sich nur darum handeln, daß Ungarn, bloß den im österreichischen Zollgesetzentwurf in Aussicht genommenen 60 Kronen-Goldzoll ausgeschaltet haben will. Dieser Goldzoll kommt jedoch erst im Herbste zur Verhandlung. Demnach dürften die jetzigen Verhandlungen den derzeitigen Zollzuschlag zur Basis haben. Darüber hinausgehende Forderungen ungarischerseits könnten die kommenden weinwirtschastlichen Beziehungen Leider Länder stören. Den Kompensationsverhändlungen mit Ungarn sind Verhandlungen mit den österreichischen Weinwirtschastsinteressenten nichtvorausgegangen. SLirmvnt und Bratianu in Wien. ' Der polnische Außenminister S k i r nt u n t lvird, wie wir erfahren, auf Einladnngs der österreichische r Regiernng auf der Rückreise von Genua sich am Montag und Dienstag in Wien aufhalten, wo infolge seiner Aufforderung. auch die polnischen Gesandten Ritter v. Strzynski (Bukarest). Okencki (Belgrad),' Graf,Szembek (Buduvest» und P i l tz (Präg) zu einer äktuelle .Fragen der äuß'qren Politik betreffenden Besprechung eintreffen ' werden. Da gleichzeitig auch dev rumänische Ministerpräsihein Bratianu in Wien weilen wird, glaubt man, bcß es sich bei diesen Besprechungen um den Beitritt Polens zur kleinen Entente handelt. Schuster rverst ab. : Das Optionsansuchen des Kanschaannes. . Hans A d l e r. war -vom Bundesministerium. ' für. Inneres. und Unterricht mit der üblichen Begründung -des Mangels eines Nachweises über die Zugehörigkeit zur den-t schen Rasse abgewiesen worden, . Bei der gestexn über die Beschwerde des Optionswerbers vor dem Verwal- .tungsgerichtshofe stattgehabten Verhandlung wies der Beschwerdevertreter Dr. Ren ü.e r darauf hin,' daß das Optionsansuchen' des Vaters und der Geschwister des Beschwerdeführers aufrecht erledigt worden^ seien. Der Verwaltungsgerichtshof (Vorsitzender Präsident Dr. SA u st e r) hat die Beschwerde als unbegründet a b g e w i es e n.'In der Begründung wurde hervor- - gehoben, daß das Religionsbekenntnis in keiner Weise als Indiz für diese Frage in Betracht gezogen wurde. ' Don Nachweis der Zugehörigkeit zu einer besttmmten Rasse — ob nun „Rasse" im anthropologischen Sinne oder als Zugehörigkeit zu einem Volksstamme c^nfgesührt werde — habe der Optant zu erbringen, und dieser Nachweis sei im vorliegenden Falle nicht erbracht w o r d e n. Den Standpunkt, daß der schwerdeführer ' nicht anders, behandelt werden durste als sein Vater und seine Geschwister, könne der Optant im Wege der Wie d e r a ußn ahme des V ersah r e n s zur Geltung bringest. ' - Schober — chrLstlichjozialer WahlkanÄrdat. Die Nachricht von der Kandidatur des B u r. d e & 1 anzlers bei den am 18. Juni im Burgenland statftndenden Wahlen in den Nationalrat wird in parlamentarischen Kreisen bestätigt. Bundeskanzler S ch ober soll angeblich nach einer Vereinbarung zwischen ihm und der christlichsoziolen Partei an zweiter Stelle der christlichsozialen Kandidatenliste stehen, ohne ,edoch offiziell Kandidat der Partei zu sein. - Listenführ'r rer Ehristlichsozialen ist Abgeordneter G c u b e r, der m.t& seiner Wahl im Burgenland sein bisheriges M-rudat im Wiener-Neustädter Bezirk zurücklrgen wir!) An dritter Stelle wird der P5liz»iwlNlNlssär*B i n d i v, in vierter Oberst a. D. S t«|3 c1 u ausgestellt werd n. . Tschecho- Slowakei. 24stündiger Generalstreik in Prag. . Prag, 19. Mai. (Intel.) Heute wurden um 9 Uhr vormittags , an zehn verschiedenen Plätzen Prags Knndgebungeii der Streikenden abgehalten, an denen Alltglieder verschiedener Parteien teilnahnien. Als Redner sprachen Vertreter der Streikleitung. In ganz M ensl. 8tofko» Herrenunä VnmenivL8eve, deinen-unä 81rtekvaren, altes erstklassig und billigst bei II., Taborstraße 48 Telephon 47»!-79 . .En gpos . En sSetafrf

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