Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1184 (18.5.1922)
- Date
- 1922-05-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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-Seite 4 Wen, Donnerstag . —I—>■»" . — —' - » - ' \ " > -- — tt, daß die Ernüchtcrung noch nicht ctngctreicn sei. Die Juden Siebenbürgens haben ihre alten Fehler rasch erkannt unb jul) .- citf der jüdischnationalen Plattform gesunden und in verhältnismäßig kurzer Zeit politisch sowohl als kulturell vorzügliche Leistung vollbracht. Arad'ist allerdings noch der letzte Winkel, in dem die Assimilation auch unter dem alten ungarischen Regime am nachhaltigsten gewirkt hat. In Arad wurdet z. B. wiederholt unter dem Oberrabbiner Dr. R v s e n b e r g jüdisch-christliche Mischehen in der Synagoge „eingesegnet". Wenn also der Kandidat der Magyaren, ' der in seiner Eigenschaft als Generalsekretär der Handels- Und Gewerbekammer mit den einflußreichen. Juden in ständiger Fühlung steht, zur Ueberzeugung gelangt ist, daß auch, unter den Araber Juden eine Neuorientierung Platzgreift, so wäre das nur zu begrüßen. Finanzbericht der zionistischen Exekutive. Jerusalem, 15. Mai. (I. K. B.) Dem soeben von der palästinensisch-zionistischen Exekutive veröffentlichten Finanzberichte für die Zeit von .Oktober 1921 bis März 1922 zufolge betrugen die Ausgaben in dieser Zeit über 201.337 ä g y p t. P f u n d. Auf Gehälter und Ädininistranonsspesen entfallen nur 5 Prozent dieser Summe. Der jüdische Volksrat an den amerikanischen Senat. Jerusalem, 14. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeiiüng".) Der jüdische Volksrat (Waad Leumi) hat ill einem Tele-' graunn dem amerikanischen Senatden Dank der palästinensischen Judenheii für die Unterstützung der Bestrebungen des Mischen Volkes für die Wiedererrichtung seiner nationalen Heimstätte ausgesprochen.. In der Depesche wird ferner festgestellt, daß die P a l ä st i n e n s is ch e I n d e n h e i t b e r e i t sei, mit ihrer ganzen Energie am Wiederaufbau-des Landes mitzuarbeiten. Die englische Kabinettskrise. London,. 17. Mai., (Reuter.) Halbamtlich wird ge- Meldet, daß das britische Kabinett dringlich unter dem Vorsitze Chamberlains zusammentreten werde, um die nach der gestrigen parlamentarischen Niederlage der Regierung einzunehmende Haltung zu prüfen Das Schicksal der Koalition kann von der Entschließung abhängen, die das Kabinett fassen wird. Die Abwesenheit Lloyd Georges in diesem heiklen Augenblick erhöht noch die Schwierigkeiten, und'gibt Ä7Aß zu den verfnsiedrnätkigsteu Kommentaren. In dem ^«geuMtcf, wo oas Kabinett Zusammentritt, ist noch keme Antwort von Lloyd George eingegangen, der gest.r l durL eir L-l'zramm 2her die Lage unterrichtet worden ist. Der Kampf um die jüdischen Miadertzettsrechte in Litauen. Kowiw, 16. Mai. (I. K. B.) Die jüdischen Proteste gegen den Bruch des Versprechens, in dem die litauische Regierung der Judenschast Litauens die nationale Autonomie zusicherte, ' machten auf die führenden politischen Kreise im Lande einen tiefen Eindruck. Trotz der unfreundlichen Haltung , der litauischen Presse gegenüber den jüdischen Forderungen lud der Staatspräsident den jüdischer Minister Dr. Solowejtschik zu einer . Konferenz ein, in deren Verlauf letzterer ersucht wurde, . von seiner D e m i s s i o n bis zur Rückkehr des Minister- , Präsidenten G a l v a n a u k a s aus Genua abzusehen. Gleichzeitig fand eine Reihe von. Konferenzen zwischen jüdischen und litauischen Führern statt, um Wege und - Mittel zu einer Verständigung zu finden und zu einem Kompromiß zu gelangen. Die Möglichkeit, daß die in der zweiten Lesung übgelehnten Parägraphe der Konstitütion, die sich auf die jüdisch-nationale Autonomie beziehen, in der dritten Lesung angenommen werden, ist nicht ausgeschlossen. - Inzwischen führt Dr. Solowejtfchik die Geschäfte des jüdischen Ministeriums weiter. Man hofft allgemein, zu einem annehmbaren Kompromiß gelangen zu können. Die baltische Konferenz und Finnland. Helsingsors, 14. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) . Die Außenkommrssion des fiimländischen Parlaments hat in ihrer letzten Sitzung die Rattsizierung des in Warschau abgeschlossenen polnisch-baltischen Abkommens bis zur Herbstsession verschoben. Diesem Beschlüsse zufolge hat der Außenminister die De m i s s i o n eingereichi, da die Kommission ihrer Heberzeugung Ausdruck gab, daß der Minister zür Unterzeichnung -dieses Abkommens in Warschau nicht berechtigt war. Die Tätigkeit Wrangels. London, 15. Mai (I. C. B.). Das Unterhausmitglied, Leutnant Commander Kenworthy, lenkte die Aufmerksamkeit des britischen Außenministers auf die in der kontinentalen Presse zirkulierenden.Berichte über die Tätigkeit des Generals Wrangel und seiner Agenten, die unter den jüdischen Flüchtlingen in Jugoslawien, Rumänien und Bulgarien Freiwillige, .werben. . Der Unterstaatssekrstär des Außenamtes. Karl W i^n t e&* tdn, erklärte, von diesen Berichten Kenntnis H Diese 'seien jedoch von den britischen aüsjvWgöy $efk.: .tretern nicht MMlt worden Wiener. Morgenzeitung Eittwanderungsschwierigkeiten in Südafrika.? - Johannesburg, 11. Mai (I. C. B.).Die tit Südafrika ansässigen Juden wandten sich an den dortigen Board of Dcpltties mit einer Beschwerde, daß ihre in den südafrikanischen Häsen emtrefienden Verwandten an der Landung g e h i n d e r 1 werden, obwohl sie alle gesetzlichen Bedingungen erfüllen. Die gesetzliche Bestimmung, die zu dieser Maßnahme der Einwanderungsbehörde die Handhabe liefert, wurde seit ihren: Erscheinen noch nie europäischen Einwanderern gegenüber augewendet. Im Zusammenhang mit diesen Maßnahmen der Behörde hat sich der südafrikanische Jewish Board of De- Puties.gemeinsam mit einer Anzahl jüdischer Institutionen mit einflußreichen Parlamentsmitgliedern, in Verbindung gesetzt, um die Beseitigung der den jüdischen Einwanderern gemachten Schwierigkeiten zu erlangen. Japan und die Juderrfrage. Eine Unterredung mit einem Funktionär der Wiener japanischen Gesandtschaft. Einer unserer Mitarbeiter hatte dieser Tage Gelegenheit, mit Dr. M o r i k a z u I d a, einem hohen Funktionär der japanischen Gesandtschaft in Wien, die Palästmä- und Judenfrage zu erörtern. Der japanische Diplomat erklärte, daß seine Regierung, wiewohl sie an diesem Problem absolut nicht direkt interessiert sei, die Entwicklung der jüdischen Pläne aufmerksam verfolge. In Japan selbst gibt es ja eine Jüdenfrage überhaupt nicht, und was das Problem Palästina anbelangt, so muß sich die . japanische Regierung. gleichfalls als -nicht koinpetent erachten, hier irgendwie Stellung zu nehmen.. Dr. Ida versicherte unserem Gewährsmann jedoch, daß dieses Desinteressement nicht vielleicht als Gegnerschaft aufgefaßt werden dürfe. Im Gegenteil, glaube er sagen zu können, daß seine Regierung, wenn sie jemals in die Lage käme, Einfluß auf diese Fragen zu nehmen, der jüdischen Bewegung nur mit Wohl- ,wollen begegnen'werde. 'Die territoriale Entfernung Japans von Palästina aber sei eine so große, daß kaum atizunehmen sei, daß Japan in absehbarer Zeit sich Werde mit der Palästinafrage beschäftigen nckssen. Lagebericht/ Die Rot der österreichischen Presse. Dienstag nachmittags land im Gebäude des österreichischen Nationalrates unter dem Vorsitze des Präsidenten der „Vereinigung der österreichischen Tageszeitungen", Kommerzialrates 'Bö-sba n er, eine Besprechung statt, zu welcher die Vertreter der Regierung, der Parteien des Nationalrates und aller Organisationen der Zeitungsindustrie erschienen waren. Der Vorsitzende bot zunächst eine kurze Nebersicht über die wirtschaftliche Krise der österreichischen Zeitungen, von denen in diesem Jahre mehr als 470 ihr Weitererscheinen einstellen mußten. Wenn jetzt in Deutschland die bisher in Oesterreich getroffenen Schutzmaßnahmen, wie die Papierbewirtschaftung und die Exportsteuer, ebenfalls eingeführt werden, so sei doch festzustellen, daß ohne weitergehende Aktionen die Not der Presse zur K a t a st r o p h e Für die ganze Zeitungsi n d u st r i e führen müsse. Direktor Fliege! schilderte die Uebelstände, die sich bei der Post- und Bahnversendung der Zeitungen ergeben, und forderte auch ein größeres Entgegenkommen des Staates bezüglich Telephon-, Telegraph- und Trcknsportgebühren der Zeitungen.. Direktor Dr. Winkler besprach die Notwendigkeit der Beibehaltung der Papierexportanllage und erklärte, es sei die von der Gemeinde Wien erhobene Jnseratensteuer von 10 Prozent unerträglich. In Deutschland habe man sich bei viel günstigeren wirtschaftlichen Verhältnissen mit ein.er dreiprozentigcn Steuer begnügt. Direktor Weigl w»es auf die ungeheure Verteuerung des Zeitungsdrnckpapieres hin. Von 24 Hellern sei der Preis eines Kilogramms ' jetzt' auf 390 Kronen gestiegen. Zur Stabilisierung der Papierpreise sei eine Regelung des Schleifholzverkehres unerläßlich. Die. Einkaüfszentralo der östereichischen Zeitungen betreibe daher gemeinsam mit der Papierfabriks-G. m. b. H^ Me Errichtung einer Schleisholzstelle, um eine Regelung des Papierholzes für die Notwendigkeitspapiere des Inlandes vorzubereiten. Gehilfenoömann S e st a k erklärte namens des graphischen Kartells, daß sich die gesamte Arbeiterschaft der Zeitungsdruckereien über den Ernst der gegenwärtigen Krise vollständig klar sei. Viele Zehntausende von Arbeitern, und deren Familienangehörige sind in Sorge, da ein Zusamenbruch der Zeitungen auch einen Zusammenbruch ihrer Existenz^ bedeuten würde. Die graphische Arbeiterschaft unterstütze daher mit allem. Nachdruck die Forderungen der Zeitungen. Äse Vorsitzenden Dr. Heger und , Pappenheim begründeten namens des Zentralvereins der Zeitungsunternehmungen, beziehungsweise namens des Vereins der Fachpresse die Notlage her Wochen- und Fachblätter, und' die sich daraus-ergebenden Forderungen zur Abhilfe. Ing. S t r i ck e r, der Herausgeber der „W i e n e r M o r- >genzeitun g" betonte, es sei vor allem Pitte Frage zu beantworten: Ist die östereichische Presse eine Notwendigkeit für den Stadt und die Allgemeinheit? Bejahe - tu an dies«' Frage, dann-müssen auch Negi errang und Parlament den Mut aufbringen, rechtzeitig und mit entsprechenden Mitteln den Zusammenbruch der Zeitungen zu verhindern. 1 '; 'v’ MH DWstWt W^DdürüMstöD irnd ' Schtifistelletveteins „Costcordin" Dtt Wem gras, erklärte naMNs der - Dpastenrc, daß diese mit allem Nachdruck die Besettigüng der : M MiteMchew-n dxz . HsiunLeu bedpohenpen DMM > 18. Mai 1922 Nt. LISj fordern: § Ministerialrat Dr. E h r e n f eld-Popp Mlärte lramens des Handelsministeriums, daß diöses sich in jeder Weise . bemühen wird,'den Forderungen^ dir ZeitungsinduLrie gerecht zu werden. Generaldirektor, Sektionsches/Hoheif»» erörterte hierauf in eingehender Weise die die Postverwaltung betreffenden Fragen. Namens des Bundeskanzlers teilte Negiernngsrat Dr. Kammel mit, daß auch dw Bundeskanzlei sich ernstlich bemühe, den Existenzfragrn der österreichischen Presse gerecht zu werden. Sodann ergriffen noch die Vertreter der politischen Parteien das Wort. Es sprachen die Äbg. Eldersch (Sozialdemokratische Vermnigimg), Dr. Wanek (Großdeutscher Klub) und Fischer (Thristlichsoziale Vereinigung). Alle drei Redner erklärten, die porgebrachten Forderungen ihren Parteien mitzutcilen, und versicherten, daß von Seiten ihrer Partei die Presse der größten Unterstützung sicher fei. Wiener Zionistisches Löktzikomitee» Die Bezirkssektionett und Sonderverbände w-'rden aUfgefordert, den ihnen mit Zirkular vom 11. d. übermittelten Fra g e b o g e n bis längstens 22. d. an das Lokalkonntee, entsprechend ausgesüllt, einzusenden. Nur ein paar BemerKunge«. Einige antisemitische Blatter sollen infolge verschiedener Vorfälle aus jüngster Zeit den Beschluß gefaßt haben, zwar die Aufforderung: „Kauft nur bei Christen!" weiter an der Stirnseite beizubehaltcn, auf der letzten Seite aber zu proklamieren: „Schnorrt nur bei amerikanischen Juden!" . - * . 1 ’ Das Plenum des Nationalrates hat im letzten Moment verhindert, daß die schändliche Bestimmung: hungernde jüdische Kinder in Wien von einer Wohltätigkeitsaktion hochherziger amerikanischer Inden auszu- ' schließen, gesetzlich verewigt werde. Aber keine Macht per Welt wird die Schmach aus löschen können, daß^ diese bösartige antisemitische Bestimmung geplant war, ohne daß auch ein einziges der sogenannten „Judenblätter" in Wien dagegen Stellüng' genommen hätte. * 1 Der Budapester Oberrabbiner klagte darüber, das Ab-? kömmlinge jüdischer Eltern für deren Seelenheil nicht das K a d i s ch im Tempel, sondern eine Messe in der Basilikä lesen lassen. Und da wundert man sich darüber, daß es so viele Christen gibt, trie einen wahren Ekel vor — getauften Juden empfinden? * Der Führer der liberalen Opposition Dr. Rassay erklärte, er werde im ungarischen Parlament erbarmungslos - alle Gesetzwidrigkeiten der Regierung und alle an den Inden verübten, ungeahndet gebliebenen Verbrechen.,aufzählen. Doktor Rässäy hat pstenbar die Absicht, die berühmte' vier zehnstündige Dauerrede, die einst Dr. Lecher im österreichischen Parlament hielt,, in Schatten zu stellen. «Ü - . ' Graf Andrassy sagte neulich, der ungarische Minister Bauffy sei der ungeeignetste Mann gewesen, denn man nach Genua als- Vertreter der Regierung 'hätte schicken können. Man habe in ihn nur eines schätzen gelernt: Das Talent zum Karrikaturenzeichnen! Ja, dann wäre doch Graf Vanffy gerade der geeignetste Mann gewesen, diese Karr ikatür einer Regierung, der er angehörl, zu repräsentieren? * In Budapest mehren sich die Versuche, durch Explosionen Häuser und Leben von Inden zu gefährden, so rapid, d a ß s i e kaum mehr besonderes Aussehen erregen. Das entspricht doch einigermaßen den Wünschen der gegenwärtigen ungarischen Regierung, die-bei dem ersten furchtbaren Bomdenattentat, das so vielen das Leben kostete, es bitter beklagte, daß die Geschichte so viel Aufsehen in der Well mache! . * Badenstedt sagte: „Die Politik verdirbt den Chäxakter^. Könnte man nicht auch mit gleichem Recht behaupten: „Die Charakterlosigkeit verdirbt die Politik"? ' * Graf Apponyi hat in seiner Bongliader Wahlrede dem ungarischen Ministerpräsidenten den V o r w u r f g e m a ch t, erhübe nicht .ein. einziges Verbrechen aufgedeckt, nicht einen einzigen Verbrecher sestnehmen lassen, Wohl aber Mörder, die verurteilt worden waren, a m n e st i e r t. Ja, die gegenwärtige ungarische Regierung denkt eben voll Hochherzigkeit: Vesser zehn Schuldige frei zu lassen, als -—.Gott be- ' währe — den Schlummer eines „Erwachenden" zu stören. * ... Dem gegenwärtigen ungarischen Jüstizminister Tomcsanhi wurde nach gewiesen, daß er^. unter Bela K u u fleißig im. Ministerium gearbeitet habe, weil er, wie er sagte, „für Weib uud Ktnder sorgen mttßte", Der Herr Jüstizminister hat aber aus Reue hierüber viel Beamte, die das. Gleiche au§ denselben Gründen taten — wenigstens nachträglich ums Brot gebracht. F r e.i l i ch waren dies I nden. Während die ungarischen Minister in Genua das Märchen verkünden, in Ungarn herrsche „gleiches Recht für alle", wurde in Budapest sämtlichen jüdischen Schauspielern der von: .,.Stqate, yHalttMMeatex gekündigt, vielleicht, könnten die ^ünLarlMT Kow^dianlen, die in Genüct so schlechte Rösten irspkekeiD W-r. hie-in Budapest-.entlassenen Schauspieler er-. setzenS, ' " Nni,