Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1184 (18.5.1922)
- Date
- 1922-05-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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vw/y - beite 2 '"y.-:»-- ry ' '' - ' " "t i ' '' ' " - ' ", '.. .■>, , '■■ ■ ,a -- , ' / ' ,-_ .,- : ■ •■" ,-. ' '■" ' .", ■ Wien, Donnerstag MM i/M-WnzeitütH ' , Nr. 1184 Vor Abschluß der i auch. der. Gewährung' eines Vorschüffes dyr Wünschen der österreichischenRegierung Rechnung tragen wird.Für morgen ist eine Konferenz mit dem tschecho-slowäkischen Ein getaufter Jude als Vermittler zwischen Sowjetrutzland und dem Vatikan. Genua, 16. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Wie „Mondo" meldet, vermittelte bei den Verhandlungen zwischen dem Vatikan und Tschitscherin der weißrussische Jude K a r m i n i tz r i, der sich vpr kurzem taufen ließ. Genannter ist ein Anhänger des Gedankens der Union der Rechtgläubigen mit der katholischen Kirche. Wir die genannte Zeitung meldet, sollen die polnischen katholischen Geistlichen von der diesbezüglichen Missionstätigkeit in Rußland ausgeschlossen werden. Empfautz der jüdischen Journalisten bei Minister Skirmünt. Genua, 16. Mai (I. C. B.) Der polnische Außenminister Skirmünt hat die jüdischen Preßvertreter zu.sich geladen, um ihnen Auskünfte über die jüdische Lage in Polen zu erteilen. Die Vertreter der jüdischen Presse werden die Gelegenheit benützen, um eine Reihe aktueller Fragen mit dem Führer der polnischen Delegation zu besprechen. Der antizionistische Aufmarsch. F. Wie n, 18. Mai. Das Palästinamandat Englands soll in den nach» - flen Tagen dem in Genf tagenden Völkerbundsrat 'zyr Ratifizierung vorgelegt werden. Wie bereits gemeldet, hak B.alsour gleich bei Beginn der Tagüng den fc trag gestellt, die Krage des Palästinamandats auf die Tagesordnung der Session zu setzen, und' die diesbezügliche Entscheidung soll Samstag gefällt werden. Der Widerstand Amerikas gegen die endgültige Erledigung dssr Mandatsftage, welcher keineswegs' dem^ Palästinamandat als solchem galt, sondern vielmehr aus dem ablehnenden Standpunkt Amerikas gegenüber dem Völ->, kerbnnd hervorging, ist, wie gemeldet wurde, im wesentlichen beseitigt und es steht diesmal zu hoffen, daß die Ratifizierung des Palästinamandats und damit die offizielle Bestätigung der Errichtung des jüdischen nationalen Heims endlich erfolgen wird,; \/ : r Es ist kein Wunder, daß hje. antiizo.nistische,.Preffe aller Schattierungen diesen letzten Augenblick benutzt, um gegen die zionistischen Pläne Sturm, zu laufen und durch die ÄusstreMng falscher und tendenziöser Meldungen die öffentliche Meinung zu verwirren trachtet. So find gestern auch in zwei Wiener Blättern — und man möchte beinahe an ein stilles Einvernehmen zwischen der „R e i ch s p o st" und dem „Neuen Wiens r T a g b l a t t" glauben — Auslastungen erschienen, die dem Zionismus eins am Zeug zu flicken, beziehungsweise ihn als eine ad acta gelegte Angelegenheit darzustellen suchen. Die christlichsoziale „Reichsp o st" debütiert an leitender Stelle mit einem Gespräch mit einem Araber aus Haifa, namens K a m e l W a f a e l D a j a n i, demselben, der vor einiger Zeit sein Mißvergnügen über die aus der Wiener Messe herrschende Teuerung mit antizionistischen Auslastungen und geharnischten Drohungen gegen England in der „Reichs- Post" verbunden hatte. Kamel Wasa ist von London zurückgekehrt/ wohin er sich begeben halte, nachdem seine Versuche, sich auf der Wiener Messe als Käufer zu betätigen, gescheitert waren, und berichtet in der „Reichs- . Post" von den Erfolgen der arabischen Delegation in London. Diese sind nach dem Gewährsmann des Blattes ganz außerordentlich, was daraus hervorgehe, daß die Delegation zum erstenmal seit drei Jahren , von Churchill und anderen Politischen Persönlichkeiten ohne eine zionistische Gegendelegation empfangen wurde. Ueber die Forderungen der arabischen Delegation berichtet. Kamel Wasa, daß sie sich auf eine arabische Regierung, unter britischem Protektorat und eine demokratische Volksvertretung erstrecken, wobei das Stimmrechts ans. Palästinenser beschränkt sein soll, die.schon vor-Kriegsausbruch im Lande angesiedelt waren. Diese Forderung wird als Selbstschutz gegen landfremde, „den niedersten Kulturstufen angehörendebolschewikisch-zionistische Emigranten" daraestellt, der Kampf zwischen Arabertum und „Zionistischem Judentum" sei nicht ein Rasten-, sondern ein Klassenkamps, was man auch in England schon begriffen habe,; wo alle konservativen Elemente sich in Abscheu vor dem Bolschewismus begegnen. Herbert Samuels Berufung nach London kommt nach diesen Informationen einer Abberufung gleich und damit werde ein allgemeiner Kurswechsel in der Palästinafrage Von Seiten-der englischen Regierung angekündigt, die auf dem Sprunge ser, die Balsour-Deklaration zurückzuziehen. Es wäre müßig, sich mit diesen Darlegungen auseinanderzufitzen, deren Tendenz in.einem Augenblick, wo die englische Palästinapolitik Balfours aller Erwartung nach vor. ihrer offiziellen Beglaubigung Mht/uM so augenfälliger wird, und auch das OpmierenHit, dem „sozialistischen - Terrdr" und /demangeblichechNdischen AolschMismus. .sind., schon Mestandene PWfin aus dem Schlagwortearsenal des arabischen EfenbigrüPPchens. Charakteristisch ist, daß es der Politiker aus. Haifa hier wieder unternimmt, das sogenannte zionistische Judentum gegen die „alteingesessene konservative,' jüdische .Minderheit" im Lande aüszuspielen, die an der Seite des konservativen Arabertums 'christlichen ' und mohammedanischen Glaubens stehe, ein 'Erfolg, den sich der Klüngel der agudistisch-orthodoxen jüdischen Wählerin Jerusalem beruhigt auf sein Konto schreiben darf. In das gleiche Horn stößt das „N e u e W i e n e r T a gblatt", welches seinen Lesern von den Erfolgen der zionistischen Arbeit kein Sterbenswörtchen zu melden -weiß, hingegen das Bedürfnis empfind"" filmen einen Bericht seines römischen Korrespondenten. über einen auch von uns gemeldeten Börträa des lat-mischen Patriarchen von Jerusalem Vorstlsetzen. den dieser in einer Versammlung kirchlicher Würdenträger in Rom hielt. Dia Quelle für den Korrespondenten ist der amtlichvatikanische „O s ser v ät ore r o m a n o", und man wundert sich nicht, daß das Bild, welches Monsignore Berlassina, einer der enragiertellen Gegner des Zionismus, von 8en''Zuf""'7>-^. '- Palästina eww^st, eine einzige-Entstellung, bildest Gegen alles bessere Wissen wird dem Zionismus die Tendenz zngeschrieben, auch mit Gewaltmitteln die bisherige Bevöllerung zu verdrängen und namentlich die . Araber zum Verlassen des Landes zu zwingen. Jtn Gegensatz zu den eingesessenen Juden förderten die Zionisten Irreligiosität und Unmoral und ein unversöhnlicher Kamps. werde nicht nur gegen Muselmanen und Christen, sondern auch gegen die konserviüven paläsünensischen Juden, geführt, die man aus alle' Weise terrorisiere und mit hohen Mazzoth-Steuern bedränge. Jeder Protest sei gefährlich, denn er könne die Ausweisung nach sich ziehen. Der Korrespondent des „Neuen Wiener Tagblati" tut jedoch ein Üebriges, um seine Leser gewissenhaft über die. zionistische Frage zu informieren. Erstellt fest — in Rom muß man das genau wissen daß die alteingesessenen Palästinajuden wie alle übrjgen Elemente unter der. Neügestalstrng der Verhältnisse leiden und sich nach dev Zeit zurücksehnen, wo unter türkischer Toleranz jede Religion in'- Jerusalem sichererbetätigen und,/ wieer' malijivs HMMgt^dr^Mönchtz^eltLe^Debßyey.... Nationen ein-' ander Nach Herzenslust und' innerer SüMme die Schädel einfchlagen konnten und dursten.' Auch L o r d C e c i l, bekanntlich einer der unetttwegtesten und einflußreichsten Vorkämpfer der zionistischen Idee, der bei einer denkwürdigen Kundgebung die Balsour-Deklaration neben dem Völkerbund als die einzigen positiven Ergebnisse dieses unheilvollen Krieges gewürdigt hat, dient dem Korrespondenten als- Kronzeuge gegen den Zionismus und der Mann versteift sich-zu der Behauptung, Cecil habe in' der englischen Kanuner . den Zionismus direkt als Quelle des Unfriedens mit der arabischenWelt -bezeichnet. Da wird wohl Herr Sieghart eine Freude haben! EL ist zwecklose Arbeit, aüfilärend zu wirken, wo Tendenz und Böswilligkeit an der Arbeit ist, um'Zerrbilder der Wirklichkeit zu entwerfen. Man kann noch so oft den friedlichen Charakter des Zionismus betonen, der. als Kulturträger in den Orient einzieht, mit absolut loyalen Mitteln arbeitet/ die bestimmt sind, auch den eingesessenen Arabern die größten Vorteile zu bringen, und der, wo er menen Boden erpbert, Vorsorge trägt, daß der arabische. Landbebauer seme Arbeit aus dem Boden fortsetzen könne, die arabische -Efendi-Propaganda und die mit jhr an . einem Strange ziehende „Auftlärungsarbeit" der aniisemittschen katholisch-kleri-. kalen.und alldeutschen. Presse. und der. assimilatorischen Judenpresse wird nicht eher zum Stillstand kommen/ bis ihr. die Wucht der Tatsachen, devkn Schaffung die!. ' Ausgabe der gesamten Judrrcheit ist, alle Möglichkeit be-: nimmt, ihre Unwahrheiten in die Welt'zu fitzen. Oesterreich. Die Kreditfrage. London, 16. Mai. Nach, den..Besprechungen der arm«' rikamschen Finanzgruppe mst ihren englischen Freunden,^ die eine prinzipielle, Geneigtheit zu ' einem ' genremsameu Vorgehen in der österr.eich'ischen Kredi.tfrage/ ergeben haben, wurde heutg wieder mit den. österreichischen, Unterhändlern konferiert. Räch /der für Mittwoch fe nächsten Woche zu erwartenden Ankunft, des Seyjorches^ des Hauses Morgan werden die Verhandlungen förige-E setzt werden. , . Die Verhandlungev des Kanzlers in Genua. Genua, 17. Mai. ByNbeskanM heute früh hier eingettoffin Ist/ hat sogleich seine Bespre- . chuügen 'ausgenommen, Zuerst besuchte er den ijalienijchen /Ministerpräsidenten de Facta und den yAußtznminister Schanzer.' Hieraus hatte er am Nächmittüg eins längere - slnterreditug Mit Lem: wirtschästlichen .' SeftiouSchef .'im sraMsischen PrinisteriuM des Aeußern Sepdoux, der morgen abends nach Paris' abreist-und - dort zugleichsowohl in dtzr Frage der Rückstellung der Pjandreckte als Mrnistexpräsidenten Dr. B e n e s ch und eine Reihe anderer Unterredungen in Aussicht genommen. " , . , /. Skirmruttt kommj: nach Wien. -Warschau,..17. Mai. (Lel.-Co'.np.) Wie püs^Genua geiüefi det wird, dürfte der.polnische, Außenminister/S ti r m um t ’. auf seiner Rückreise mach,-Warschau, der seinerzeitigen Einladung des Bundeskanzlers S.cho.b er , Folge.'leistend,- zwei Tage in W i c n verweilen. Jn^Warschau wird . Skirmünt anfangs nächster Woche ertvartet. Tschecho - SlomaKei. Der Kampf in dep Metallindustrie. Prag, 17. Mai. Für dir nordböhmische Metallindustrie ist am 13. d. in Teplitz-Schönau ein Neuer Kollöktivvertrag bei achtprozentiger Lohnermäßigung und teilweisem Abbau der Teuerungszuschüsse abgeschlossen worden. In der Westböhmischeu Metallindustrie wurden die Vertragsbestimmungen in einem größeren Umfange als bisher vom Jndustriellenverbande' gekündigt. Der Verband verlangt' zwanzigprozentige Löhnherab-. setzung, Revision der Akkordlöhne und Aufgebung der Kamikienzulagen. Der gestern - in Prag tagende Vollzugsausschuß der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei erklärt,- daß der Kampf der Metallarbeiter Sache der ganzen Arbeiterschaft'se\ und daß das deutsche Proletariat sich im -entscheidenden Augenblicke ohne Zögern an die Seite der im heroischen.Kampfe stehenden tschechischen Metallarbeiter stellen werde/ Heute fanden in Prag Versammlungen sämtlicher streikenden Metallarbeiter statt, die vollkommen ruhig verlaufen sind. ’ Ein 24stnndiger Generalstreik inPrag. Prag, 17. Mai. Die Gewerffchastszentralen, und zwar die tschecho-stowalische sozialdemokratische, die ' tsch^choslowakifche nationalistische und der deutsche GewerkschWverband in Reichenberg haben an die arbeitende Bevökkerung Groß-Prag's eine gemeinsame Kundgebung gerichtet," worin -zu einem 24stündigen Gen^ralstrrik um' Freitag bon '19.' L. älstzeichender SölidarM Ünt 'deü streikendM-Äe. tallarbeiterü aüfgefordert wird. Ausgenommen sind hünranitäre Anstalten und im öffentlichen- Interesse ' stehende Betriebe, wie Post und Telegraph. Außerhalb - Groß-Prags wird gearbeitet: Samstag tritt die Arbeiterschaft die Arbeit wieder an und wartet weitere Winke ab. - - ' / /■ Ungarn. ■"" / ' ■ . Das Magyaronentum der „Neuen Freie« Preffe". Die ,,Neue Freie Presse" hat vor kurzem ein politi» sches -Porträt des- Wahldiktators her ungarischen Regierung Julius Göwbös, des Königsvertreibers, des blutrünstigen Antisemiten, der zur Zeit, der großen-Pogrome eine Anzahl Hinrichtungen unschuldiger Menschen selbst kommandierte und heute seine damalige Uebung In Terror in Form Von Wahlterror fruktifizrert, entworfen. In-der gestrigen Nummer der „Neuen Freien Presse" findet sich wieder das politische Porträt des jüdischen Abgeordneten der Budapester Leopoldstadi Paul S a n ö o r.;; Diese Reihenfolge soll wohl den Satz im der Charakteristik? Paul SandM/'daß er in den Tagen der ärgsten Judenhetzen in der Nationalversammlung Arm in Arm mit den Hetzantisemiten durch die Wandelgänge f ch ritt, illustrieren. Das Bild, das von' Paul Sander entworfen wird, ist/ nebenbei gesagt, - völlig nyzutresfend. Paul Sandor, das sott zugegeben werden, «ist ein Mann von Mut und Konsequenz. Er ist assimilierter Magyar, seine Kinder sind getauft oder leben in Mischehen, und seine Liebe für das"Magyarentnm wird nur , von: seinenr Haß gegen die' Ostjuden überboten, die er, so-oft in der Nationalversainmlung die Juden angegriffen wurden, mls Sündenbock den Änüsemiten auslieferte. Unter Berufung ans Paul Sandor wurde - die O st j u d e n h e tz e in U-n- $ a t n in brutalster Weise durchgesührt. Aber nicht um die Richtigstellung . dieses Porträts geht es uns, sondern datum, daß die „Nene Freie Presse" auch bei' diesem Anlasse wieder in frivolster Weise'die Interessen derJudeir in Ungarn und' in den von Ungarn losgetrennten Gebieten der 'Nachfolgestaaten schädigt. Wenn' Paul Sandor im Ungarischen Parlament in einer Abwehrreve auch aus die den -Juden'- äufgedrungene M a g h a r i s i e r u n g sarde^t -hinweift so ist das seine Sache. Aber heute, wo so viele Jüdett in den Nachfolgestaaten diefi Mügyctrisiernngssünde-' für /Ungarn büßen mußten und umer-den Juden diefir Gebiete allmählich,.'die Ernüchterung aus dem MgyarisierNngstraum eingetreten ist, da ist es eine sträsliche Fahrlässigkeit des sogenannten führenden Judeu- WtfiD,/dfise-MägYärisierungsarbei1 der Inden! nls ein Berofinst hinzustellen. Auch! sonst cheist der ÄrtM über Paul Sandor'/Gömbössche. Gedankengänge auf. Cs/ Wißt unter anderem.und? das M Wft Paul.y<Müdot LW i . I’'. .■ ■ ' '• - ‘-1 - - - - >. > vi msarn