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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-18 · Heft 1184 (18.5.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1184 (18.5.1922)
Date
1922-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer K 60 Wien: Zuni Abholen in der Expedition, IL.Taborstr. 1-3, sder in einevVerschleisstelle iTrafik) monatlich K 1700 Mit Postversand'für Wien u. Oesterreich monatl. K1700 fschec ho-Slowakei: Mon. K20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 700. Deutschland: Mon. Mark ,l45. Frankreich: Monatlich Frcs. 6 Nr. 1184 rrner SÜien, Donnerstag, 18. Mai 1922 Tscheelio »Sfowskel: tsehach. üCvT t a I i c n:' Monatl. 6. Lire Rumänien: Mon. 40. Lei Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fron. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3*4 9„ ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-^dr.:,Morgenzeitung V Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150,693 4. Jahrgang Dornröschen. - > —y. W i en. 18. Mai. >; An der Wiege der kaum geborenen Haager Konferenz ist ein Streit der Feen entstanden. Die Amerikaner haben die Beteiligung abgesagt,- die Russen sind gegen die Wahl des Konferenzortes, England und^ Italien suchen das Programm von Cannes zu retten. Nur Frankreich zeigt Freude, weil es für seine Bestrebungen der Abschnürung Osteuropäs wieder vier Monate Zeit gewinnt.'Die'Genueser Konferenz .ist rnevitorisch beendigt. Ihr Resultat ist in sachlicher Beziehung der Beschluß, die russische Frage einer Expertenkommission zu übertragen, die erst die Grundlagen für die Konferenz im Haag legen soll. Damit wäre eine.Bedingung, erfüllt, die bei der Vorbereitung der Genueser Aussprache außer-acht gelassen worden war. Sie war ohne, Vorbereitung improvisiert worden und ist deshalb wirkungslos geblieben. Eine Bilanz des Neuter-Bureans stellt fest, daß das Einvernehmen mit Rußland nicht erreicht .worden sei, weil ein ganzer Komplex von Abneigung, Argwohn und Gegensätzen bestehe. Diesen Zustand wird auch, die zu erneuernde Kommission nicht überwinden können, der a.uf Frankreichs Verlangen der schwerfällige diplomatische Apparat des Notenschreibens, gemildert durch, ansehnliche Diätenpauschalien, mit auf den Weg gegeben, wird. Die Diplomatie will nicht abdizieren. Sie hat dieses System der mechanischen, geistlosen Abwicklung der politischen Spule erfunden, bei dem es sich trefflich intrigieren läßt undbei dem man der Oeffentlichkeii das" Empfinden -suggerieren kann, es geschehe irgeH- ^twas. In Wirklichkeit kommen die Dinge nicht vozn Fleck, weil das-Schicksalder Welt innner wieder chon dein- ' foten Buchstaben der.s^cheM^äge^MMA/,gemMt wird. Was; m diesen eisernen.Rahmen. iWt hineulpaß^ diesen Betrieb, als MBeh>andluüg>asi her die. den einladenden Mächtenzugegangen find. Uever olle Proteste, durch die der Schrer gHtärterter^-inden Grundlagen ihres Daseins gesährdetMMenschen dringt, entschied eine einzige Sitzung : Beßarabien, - -Montenegro, Albanien, Georgien, Aserbeidschan, Bulgarien, das Saarbecken — vertagt, Ostgalizien, die mitteleuropäischen Minoritäten ---' vertagt, von Fiume, Zara, den Inseln im Mittelmeer, von dem griechisch-türkischen Streit würde überhaupt nicht gesprochen. Man stritt lediglich um das Petroleum, ru.d hier zeigte sich sogar. Temperament. - - ' st-. ' - Das Dornröschen des WeltaufbäuL hat sich an einer Spindel gestochen und ist in liefe" Schlaf ge- ' stinken. Der Königssohn, der es weckt, muß einedornige Rosenhecke 'überklettern. Wann er kommt, darüber schweigt-das Märchen, von dem sich bisher nur der erste Teil erfüllt hat. Rings um - den Frieden/ die Versöhnung, . die Arbeit, ist durch die Versailler Verträge ein Stacheldrahtzaun gelegt worden, innerhalb dessen alles in Not und Jammer erstarrt. Man hat in Genua über einen Monat über Dinge gestritten, die einzig und allein den Berufshetzern am Herzen liegen, dje aber überhaupt nichts sind,- gemessen an deb kargen Kümmerlichkelt, in der ganze Völker zU leben verurteilt-sind, die in Genua neben den Großen und ihren Anhängern nicht zum Wort'kommen konnten. DcrA Ende dieser Konferenz tst aas, entsetzlichste' Armutszeugnis, ' das sich die großen Herren äusstellen konnten, in deren -Hände das Geschick der Welt gelegt ist. Sie haben das Unglück des Krieges in eine dauernde Form gebracht,'verstricken sich selbst in die Netze, die sie gelegt, und finden nicht den befreienden Entschluß, sich aus dieser Welt, die sie zerstören, wegzustehlen. Eine Versammlung ungeschickter Vereinsschriftführer hätte solche Verträge, solche Beschlüsse nie zuwegegebracht, weil sie doch immer vor'der Stimme der Unterdrückten und Verzweifelten zurückschent und ihre Verantwortung nicht vor der Geschichte das ist ein, Wort für geschlagene Feldherren'—, sondern vor der Menschheit erkennt. Herr Barth'ou, Herr Jasper,' Herr Tschitscherin und wie sie alle heißen, sind Menschen, die in Iorn kamen, wenn man ihnen etwas gegen ihre eigene Familie zumuten würde, Aber sie reden von Rußland und denken nicht, an die im Hunger sterbenden Millionen in der farmatischen Ebene, sie diskutieren über Reparationen, Sanktionen, sie drohen mit Einmarsch und Revolution und es kommt kcinem das Bewußtsein von dem frechen Zynismus ihres Tuns, das mit jedem Tag neues Unglück, schafft? Sie haben' einen Obersten Rat,, eine Botschafterkonferenz, Missionen und Delegationen,:und sie sind nicht imstande, den Bann des Schlafeslösen: der für Europa, stiin Todcsschlnuuner '. wird... Solange solche AntomatenpaUtik die: Welt nieder-. hälft k teM das LvimMrm WüiLü. Die staagtt Konferenz. Nutzlattd nimmt an. G e n u a, 17. Mai. In der heutigen Sitzung der, politischen Uirterkommission erklärte T s ch itscherin bezüglich der neuen Experteukouzmission, es handle sich um eine neue. Konferenz, die'inan auf diese Art einberufen wolle, aber auf einer ganz anderen Basis a l s j e n e v o n Genua. Trotz aller Bedenken,- die sich insbesondere gegen .die Ausschließung Rußlands und Deutschlands.ergeben, werde Rußland an der vorgeschlagenen .Konferenz t ei ln e h men. Wir sind'nach Genua gekommen, in . 'der Absicht, trotz-der Gegensätze des wirtschaftlichen Regimes zusammenzuarbeiten an der W i e d e r a u f r i ch t u n g Europas, .aber statt dessen haben die übrigen Mächte, es dorgezogen, die Konferenz ln zwei Teile zu spalten, in G l ä ü b i g e r u n d i n Sch u. l d n e r> uüd sie wollen dieses System auch in Zukunft anwenden. Das beyauern wir, aber wir nehmen es als ^vollzogene Tatsache an. Die russische Delegation erhebt Einwand gegen die AusschlietzungD en t s ch l an d s. Es hat sich gezeigt, daß die Teilnahme Deutschlands von großem praktischen Wert ist in der Frage der Kredite, die Rußland gewährt werden sollen, einer Frage, die der Vertrag von Rapall o überhaupt nicht .berührt. Die Angabe, daß der H a a g der Sitz der künftigen Kommission sein soll, betrachtet.dE russische Delegation als einen zur Debatte gestellten VoWlag. Die russische Delegation betrachtet Stockholm oderMiga als einen weitaus ge-: eigneteren Krt, .siewistde abeHauch-zustimmen, daß z. B.. L o n d,o n. .oder .Ä,o m gewWt - würdeA, Die.russische: ährigen Mitgliedern der: l^terke^Misiion sh^rstammt und dB -W nicht biekanyt gegeben wWen ist. ^Dw russische Delegation nistrjut mit . Befriedigung Kenntnis von dem Vorschlag einer gegenseitigen V e rpflichtung, einander nicht auz u g r e i fen. Sie erklärt/ daß jeder Angriff gegen eine mit Sowjetrntzland verbündete Republik einem Ang ti f j : g e g e « R u ß l a nd s e lbstgleichkomme und Rußlgnd selbst zur Eröffnung der F e i n d s e l i g leite« zwingey würde.! . ' Sie Macht weiters, darauf aufmerksam, daß' die Verpflichtung einander nicht anzugreifen, von einer Reihe von Maßnahmen ergänzt werden mutz, die gegen die Ban d e n gerichtet find, die gegenwärtig die Sowjetrepublik bedrohen. In Finnland müssen. die! Slyddskar und anderer ähnliche nicht nationale Organisationen, in Polen Müssen die Bataillone der Grenzwache und die Arbeiterbatäillone, die von früheren Soldaten der Weißen Armee gebildet worden sind, aufgelöst werden, und alle diese Soldaten müssen in Gebwte Polens gebracht' werden, die von der Grenze der Sowjetrepublik genügend-weit entfernt sind; ihre Führer müssen das polnische Gebiet verlassen. Aus Rumänien «nd Beßarabie n müssen alle Truppen Petljuras und W ran g e l s entfernt werden, die sich gegenwärtig vörbereiten, die Ukraine zu überfallen. Die Wrangel- Trüppen, die sich in Ingo s law ien befinden, müssen unverzüglich! entfernt und in entlegenere Gebiete gebracht werden. Lloyd George erklärte, man könne nicht verhindern, daß Deutschland an der Wiederaufrichtung Rußlands teilnehme, und.es wäre ’ auch Wä h n s in n) dies zu versuchen; es ist jvLnschensweri, die Mitarbeit eines jeden zu erlangen, per irgend eine Beihilfe leisten kann. Bezüglich des Sitzes der Expertenkommisiion sei zu bemerken: Der H.a a g' ist eine Oertlichkeit internationalen Charakters, wo,in der Vergangenheit große, intenrationäle ' Ftagen besprochen Wörden W ein Ort," der Äe nötige inieiNationale AtMospH8re besitzt. Der. Sitz dei: Zusammenkunft Mutz notwendigerweise ein Ort sein, wo die.Meinungen der Mehrheit zur Geltung kommen sollen. Es handelt sich nicht, um Fragen des Prinzips, sondern: es ist einfach eine Frage der U e b e t e i nk u n f t für .den größeren Teil der Völker, die sich hier der-' sammelt haben. :; :-l ■ ' In Besprechung des Friedensgaranticvertrages erklärtschließlich Lloyd George: Ein Staat, der Nach Abichluß des Friedensgarantievertrages und während dessen Dauer Angriffe gegen' Ziußländ 'unterstützen oder MMel dazu: liefern, würdft würde sich der Verletzung einer .. mternMMe« VerdWcktum» der MLteMluvs. MeL. loyal abgeschlossenen Vertrages schuldig machen. Ich wünsche nicht, daß Rußland andere Staaten angreise, wie ich es auch nicht wünsche, daß andere Staaten Rußland angreifen.' Es wäre eine bedauerliche Sache und ein große« Schaden, wenn verhindert würde, daß Rußland und . die übrigen Staaten zu irgendeinem > europäischen' Uebereinkommen Über den Wiederaufbau dieses unseres allen ruinierten Kontinents gelangen. Deshalb halte »ch so lebhaft an dem Friedensgarantie vertrag fest Ich hoffe, daß nach Abschluß dieser Treuga Dei jetzW von uns sich in Wirklichkeit mit den Angelegenheiten seines eigenen Landes beschäftigen wird. \ Jeder von uns hat in seinem Lande sehr viele Schwierigkeiten. Wenn wir uns.mit den unseren beschäftigen und die anderen Länder sich mit den ihren befassen wollten, so würden wir viel besser vorwärts kommen. Wenn wir uns gegenseitig nach Maßgabe der Möglichkeit unterstützen würden, so wäre dies für alle ein großer Borlei! Das ist es, was ich mit dem Friedensgarantievertrag beabsichtige. Nach Lloyd George richtet Schanz e r'an die russische Delegation die Bitte, sogleich zur Besprechung der Frage des Sitzes der Expertenkommission überzugehen und die Resolutionen nicht durch ihre Amendements in Gefahr zu bringen. Rußland möge die so mühsamen Verhaudlungeri nicht weiter verschleppen. . ' ~ TsW ts ch ebin erklM, die Ansicht aller TeilnW Wr GitznM IvWe sich vielleicht ändern^ wenn irr - in, - kHzept ' seine' MänderNngsattträge. vaLLräH^Hn^ Artikel - 'dWWr?es 'Ächt'WW'NtznKn^MllMrEnck. 'imb' - Kredite, sondern es solle^ statt-Mülüy^rütsPrüDWKey..' Es soll aber erst der Nachweis erbrächt werden, >daß die Ansprüche der Alliierten gerechtfertigt seien. Beil Artikel- 6, Wo es im Text der Unterkommission heißt: Die Mächte > werden dafür Sorge tragen, daß zu keinem Angriff geschürt .. werde, erklärt Tschitscherin, das Wort „schüren" sei eine allgemeine Formel. Er wünsche, daß statt ,,zu einem Angrisf schüren", „einen Angriff vorbereiieN" siehe. Er meint, wenn es bloß hieße, „zu einem Angriff schüren", dann könnte Albert Thomas, der doch gewiß ein ruhiger und gemäßigter Sozialist sei, auch angeklagt werden, den Artikel 6 zu Verletzen. Schließlich spricht sich Tschitscherin gegen die Wahl vom Haag, als Sitz der Expertenkommission aus. Die Expertenkommisswn werde sich dort vor allem mit den russischen Angelegenheiten, beschäftigen, es sei daher notwendig, daß mit Rußland die besten telephonischen und telegraphischen Verbindungen bestehen. Tschitscherin betont, daß er mit Lloyd Geörge einer Meinung über den Friedensvertrag sei. Er sei auch bereit, . im Namen der Republik des fernen Ostens die Verpflichtung zu übernehmen, daß kein Angriff von diefer Seit» erfolgen werde. Frankreich will an der Sach-- : Verstandigenkonferenz teitnehmen Paris, 17. Mai. (Tel.-C.omp.) Ministerpräsident P o i n» e ar e erklärte Pressevertretern gegenüber, Frankreich werde, die Genehmigung des Parlamentes vorausgesetzt, an den Verhandlungen im Haag teilnehmen. Den Plan der Haager. Kon- 1 ferenz präzisierte er dahin, daß es sich nicht um eine For^' setzüng per Genueser Konferenz handle, sondern um Fach- , beratungen von Sachverständigen. Diplomaten werden an den Verhandlungen nicht oder nur in der Eigenschaft als Sachver-, ständige'teilnehmen: Poincar-'-erklärie schließlich, cs sei wahrscheinlich, daß Amerika diesen Charakter der Konferenz verkannt und geglaubt habe, es handle sich wieder um eine politische Konferenz. Unter diesen Umständen werde es gut sein, die amerikanische Antwort nur als-eine provisorische ru be« - trachten. . Die Wiederarrfnahme der deutschrnsstschen -iplomatischrrn Beziehungen. ' Berlin, 17. Mai.' (Intel.) Als künftiger deutscher Ges sündter in Moskau soll GrastÄrocksdorf-Rantzau, der ehemalige kaiserlich-deutsche Botschafter in Dänemark, in Aussicht genommen sein. Der gegenwärtige Vertreter Deutschlands,'Prof. Wie denseld, wird wahrscheinlich -.als Leiter der Handelsabteilung der deutschen Gesandtschaft in Moskau Generalkousül bleiben. Zum deutschen Generalkonsul in Petersburg,, wird der bishrige Korrefcreitt des ausloärkigru Amtes, K e st l e r» ■ ernannt i werden. Die SowjerregierWs wU üt-kurzem m Hamburg

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