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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-17 · Heft 1183 (17.5.1922) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1183 (17.5.1922)
Date
1922-05-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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SMe t> Lmerr, a/mtnjoaj > ■ ■—----- Einstellung der Süddahnzüge Triest- Wien? Triest, 15. Mai. (Tel.-Komp.) In den: Unterausschuß her beratenden Kommission der Venezia Giulia wurde davon Mitteilung gemacht, daß die Südbahn vom 1. Juni an die täglichen Züge Triest — Wien und' Triest- Prag einstellen werde. Es sei dies auf einen Beschluß der jugoslawischen Direktion zurückzufiihren. Sowohl Italien als auch die Tfchecho-Slowakei haben energischen Pr ot e st erhoben, und auch die genannte Kommission hat den Wunsch ausgesprochen, daß diese Maßregel wieder zurückgezogen werde. PalKstLna-Hochschulkttrse in Prag. Das Zionistische Distriktskonntee für Böhmen eröffnete am 6. d. in Prag Palästinco-Hochschulkurse, in denen verschiedene Fragen, die mit dem Aufbau Palästinas Zusammenhängen, behandelt wurden. So las Dr. Fritz Sternberg über die Araberfrage und legte dar, daß Palästina nur durch jiidische Selbstarbcit aufgebaut werden könne, indem die Juden, durch eine Aenderung des Wirtschaftssystems das Aufblühen des Landes mit dem Fortschritt des arabischen Volkes verknüpfen. Ferner las Dr. Sternberg über „Probleme des sozialen' Aufbaues". Heber landwirtschaftliche Verhältnisse las Agronom S. Dyk. Er besprach die ausgezeichnete Qualität des palästinensischen Bodens, der nur durch die lange Mißwirtschaft aus der Türkcuzeit und die Agrarverfassung so heruntergekommen sei. Eine geeignete Vorbildung des jüdischen Ackerbauers ist für Dyk die wichtigste Vorbedingung für ein Aufblühen de» Kolonisation. Dr. H. Hermann sprach über die politische Entwicklung der zionistischen Arbeit. Der Stoff der Vorlesungen wurde mehrfach in Seminarien' weiterbehandelt. Das nmt amerikanische Sirr-- wanderungsgesetz. Washington, 15. Mai. (I. K. B.) Die jüdische Kon-- Fdeßmänner Siegel und Sabbath wurden der aus Senatoren und Kongreßmitgliedern bestehenden Kommission zugezogen, die ein Einvernehmen über das geplante Einwanderungsgesetz Herstellen soll. Es verlautet, daß der Vorsitzende der Kommission selbst, I o h n s o n, zu gewissen Zugeständnissen bereit ist, namentlich in Bezug auf die den Schiffsgesellschasten auferlegten großen Strafen für den Fall der Mitnahme von Emigranten über die Quote. 2)ie jüdischen Kongreßmänner legen jedoch Gewicht auf die Milderung des Gesetzartikels, der von den Einwanderern aus den benachbarten Ländern, wie Kuba, Mexiko usw. die Erbringung, des Nachwesses, in diesen Ländern fünf Jahre gewohnt zu haben, fordert. In gleicher Wesse bekämpfen diese beiden jüdischen Kongreßmänner die Ausdehnung der Jmmigratipnsbill auch auf das Jahr 192 4. Jüdische KriegsMchMnZe aus GaliZterr, welche in ihre Heimat zulirckkchren wollen, mögen sich mit Personaldoöumenken und Photographien (je zwei Stück pro Person) am 17., 18. und 19. d in der Zeit zwischen 9 und 11 Uhr vormittags im Bureaux des ziomstisiischen Landeskvmitees, ll., Taborsiraße 20 a, Zimmer 8 (Delegation des Jüdischen Nationalrgles für Oftgattzien), melden. Später erfolgende Anmeldungen können keinesfalls berücksichtigt werden. Es wird darauf aufmerksam gemacht, die sich vor dem 11 d. zum Keimkchrtransport angemeidet haben, sich abermals mit Dokumenten, Lichtbildern usw. zu mel.-en haben. Die Keren Hajessod-Kampagne in New-Bork. Nach den letzten Drahtmeldungen schreitet der große Keren Hajessod-Drioe im Staate' New-Bortr erfolgreich fort. Ein Leer van freiwilligen Helfern durchlauft die jüdischen Sladroiertel und ermahnt die Bewohner immer wieder an ihre Pflicht gegenüber dem ÄerenHajessod. An allen Untergrundbahnhösen und vielen Slaaisgebäuden find künstlerisch ausgeführte Plakate angebracht, die in gleicher Weife an Juden wie Christen appellieren- Täglich finden zahlreiche öffentliche und private Versammlungen siatt, in denen regelmäßig große Beträge für den Keren, Kajessod gezeichnet und abgeführt wrrden. Am 3. Mai wurden auf den Washington-Höhen, und am 6. Mai in Brooklyn Massenversammlungen abgehaiten. Nach den vorliegenden Berichten haben die Meetings »inen Gesamtbetrag von 40.600 Dollar ergeben. s_. Keren KajemeLH L'Jisrael. Jüdischer Nationalsonds, II. Bezirk. Taborflraße 59. Telephon 40-3-16. — Spendenausweis Nr. 7,4 vom 10. bis 12. Mai 1922 — K. 240.624.43. Sin Jahre 1922 insgesamt K. 9,578.070.43. — Zentrale: Robert Antal 8000, S. Boierla, N. N. je 1000: — I. Bezirk: S. A. V. Mokkabäagarlen 25.000. Div. 105. — IL Bezirk: Erez-Iijrael-Weitzmann Kain: Meilech Alster 100.000; d. Lebensohn: Rothsckild-Spital 970, N. N. a./N. Lebensohn als Dank 1000; Iakvb-Wikler-Garlen: Aaftali Wikler 5000. Max Kamm 2478, Moses Gulbwirth 5921, Fi Prinz 729, K. Teilelbaum 1300, S. Tisch 859, Div. 1400.90. — VII. Bezirk: Hugo Brunner 1200, Div. 100. —IX. Bezirk: d> Mama Adler: Grostrabb. JstaelFr.edmann 3580; d. Ingenieur Schneider: Dr. Vogelbaum 1600, B. Wohlmann 500. M. Freund 663.10, Dlv. 850; d. Kalman: Ernst Schön b. Karl Schön 12.200; d. Katz: Bezirks-Sektion 1134» Lea Schlvmink 700. Div. 111; d. Rosl Weiß: Turnverein Makkabi 1462.90, Rosl Weiß 1168.50, Wette Nuffendaum-Hrrfch 1000; d. S. Schmerler Div. 1134.60; Oderr. Dr. Chajes 817, E. Kahane 522, Div. 966.80; Reiner d. Obstfeld 3000, K. Schwan a./N. - Saul Kirsch 700. Ä. I. Korowitz 2000. Div. '200. — XVI. und XVII. Bezirk: d.L. Friedmann: Fritz Fürst 2000, Div. 2740. — XIX; Bezirk: d. Dr. Werner-Dlv. 360. — XX. Bezirk : Simon Nuhbaum 11.01, N. Blaßband 520, M. May^r 517, 1418,30; Msrackid. Benrüm. Tauber: K. Bgdian 10.0M. Mener Morgsnzeuung - D>v. 400:. d. üsidcr Kurz: Smlg. b. Briih-Milah Lcstf Blrch Sohn d. Twi Blech 6150; Smlg. b. Pidjan-Kaben I,ak Stäpira 20.2000, Div. 185.33. — Mödling: Ortsgruppe für Thorafpendrn: Peßach 7600. * DegrSönisse am hsuttaen Tage. Z e n i r alf r i e d h o f: 10 Uhr 30 Mm. Beer Arnold, 11 Mr L ö w y Margarethe, 11 Uhr 45 Min. B l u m k a Lina. — Neuer Friedhof: 9 Uhr 30 Min. P o l l a k Therese. 10 Uhr Sch i s ch a Hugo, 10 Uhr.30 Min. S i lb 'e r- Knopf Felix, 11 Uhr G r ü n h u t Mathilde. * Kinder für Kinder. Aus Genf wird gemeldet: Auf der Konferenz des Rates der Internationalem Verein i g u n g. f ü r K i n d e r h i l f e, an der Vertreter. des internationalen Noten Kreuzes, der deutschen, englischen, französischen, holländischen, türkischen, schwedischen uno italienischen Kinderhilfsorganisationen sowie der Vertreter der jüdischen Welthilfskonferenz, Herr Abers.on, teilnahmen, wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der die Kinder aller Länder aufgefordert werden, einen Festtag zu veranstalten und den ersparten Betrag dem Hilfsfonds für die hungernden-Kinder in Rußland und der Ukraine zuzuführen. Herr Aberson betonte den unparteiischen und in religiöser Beziehung neutralen Charakter der KinderMchen, die die Welthilsskonferenz iic der Ukraine erhalt. Er' setzte die Konferenz oavon in Kenntnis, daß die jüdischen Komitees in Johannisburg und in Buenos Aires bedeutende Summen beigestenert haben für die Aufrechterhaltnng der Küchen, und daß in Kanada, Belgien und' Holland/umfangreiche Werbungen zugunsten der Hungerleideuden fortgeführt werden. * Miß de Rothschild of Waddesdon. Unter dieser Spitzmarke veröffentlichen englische Blätter die nachstehenden Einzelheiten über das unlängst verstorbene . Freis'-aulein v. Rothschild, die — wie wir schon berichtet haben — ihr Pariser Palais und dessen Kunstschätze zu musealen Zwecken hinterireß: Miß Alne de Rothschild, die auf der Reise von Graste nach London in Paris verstorben ist, gehörte der Wiener Linie des HäüfeS an, war aber schon vor mehr als einem halben Jahrhundert nach England gekommm und hatte hier gemeinsam mir u;vem Bruder Baron Ferdinand v. Rothschild ihr Helm aufgeichlagen. Von diesem Bru-vr hat sie (zu ihrer Ueberraschung) später Waddesdon Manor mit all seinen großen Kunstjihatzen geerbt. Man zerbricht sich den Kopf darüber, wem sie uuu ibrerseits Daddr.sdon Manw vermacht haben mag, denn ihr ursprüngliches Vorhaben, das Schloß einem ihrer Wiener Resten zu yuUerlassen, f.utö er sich in England naturalisieren ließe,, dürfte sse wohl infolge des Krieges, aufgegeben haben. Sie war eine fchr belesene, gebildete und vielwissende Dame, die fünf Sprachen fließend sprach. Mit allen Berühmtheiten der Politik und der Kunst stand sie in Briefwechsel, und Lord Rosebery, G.ladstone, Harcourt und Kitchener gehörten zu ihreu engsten Freundeskressen. Auch mit König Eduard und Königin Alexandra war sie intim befreundet und gehörte zu oen Wenigen, die nach Buckingham Palace geladen waren, um Zeugen der Abfahrt des Königspaäres nach Westminster zur Krönung zu fein. Waddesdon war auch so ziemlich das einzige Haus, daä Königin Viktoria in den späteren Jahren ihrer Herrschaft besuchte. * Zaristische Justiz. Die Gräfin Kleinmichel, die lange Jahre hindurch am. früheren Petersburger Hofe und im gesellschaftlichen Leben der russischen Hauptstadl eine hervorragende Rolle spielte, hat jetzt ihre Lebenserinnerungen medergejchrieben, in denen sie unter anderem folgende für das frühere russische System der Willkür und Rechtlosigkeit bezeichnende kleme Geschichte berichtet; „Unter Alexander 3. stand sein Günstling, General Ticherewin,. mit vollkommen uneingeschränkterl Vollmachten ausgestattet, an der Spitze, der Öchrana, der berüchtigten Geheimpolizei! Eines.Tages wird der General, zu Tisch bei der Gräfin, von einem Freunde hinausgebeten. Von den Schnäpsen animiert, erzählt er hinterher mit der größten Selbstverständlichkeit, der Freund sei zu ihm gekommen, um seine Unterstützung im Prozeß einer befreundeten Dame in Anspruch zu nehmen. Dieser Prozeß wurde von einem jüdischen Anwalt .geführt und wahrscheinlich gegen die Petentin gewonnen. „Ich will mir kein Kopfzerbrechen darüber machen," erklärte der Generäl, „und ich werde diese Schwierige feit ■ auf sehr einfache Weise meistern. Ich werde den verfluchten Juden noch diese Nacht 'als politisch verdächtig verhaften lassen, und ex wirb eine Spazierfahrt nach.Sibirien unternehmen; wenn man hier Zeit , gehabt haben wird, sich umzüsehen, nun gut, dann.werden wir ihn zurückkehren lassen." Die-Gräfin hatte, das als Niederträchtigkeit bezeichnet und den General angefleht, es bei dem Spaß bewenden zu lassen.. Ergebnis: Der -Anwalt wurde verhaftet, seine Frau, die ein Kind erwartete, starb an den Folgen einer Fehlgeburt infolge der Aufregung dc«iber, und nach drei Monaten konnte der Unglückliche auf Grund seiner durch die Scheinuntersuchung bewiesenen Unschuld in sein verödetes Heim zurückkehren. , * Eine originelle Kundmachung. Der Bürgermeister von Gundelfingen in Bayrisch-Schwaben hat folgende köstliche Bekanntmachung erlassen: „Moralisch haltlose, versoffene Burschen, darunter verheiratete Leute im gesetzten Alter, treiben sich-in-den Wirtshäusern bis 6 Uür morgens und länger umher. Tiefe Lotterbuben versaufen oas Geld, das sie ihrer Familie geben-müßten. Die Familie muß darben und sparen, weil'der Mann das zum Leben Notwendige versäuft. Die versoffenen Schweine können dann am nächsten Tage nicht .arbeiten, infolgedessen Verdienstentgang, dazu. Berufs-- und Geschäftsschädigung./ Geldstrafen gehen nur auf Kosten der Familie. Die Pölizeibeamten haben die Saufiane herauszuwersen, und die geringste Gegenwehr wird als Widerstand gegen die Staatsgewalt behandelt. Der Wirt, welcher duldet, daß bei ihm die Polizeistunde maßlos überschritten wird, wird mit Haft bestraft und bei Wiederholung ihm das Lokal gesperrt." . . * Woja. In der Zeit vom 16. bis inklusive 18. d. gelangen an die Mwglieder im Lokale, 9. Bez., Berggasse 7, Herren- und Damenschuhe in erstklassiger Ausführung zur Ausgabe. Verkaufszeit ausschließlich von 4 bis 6 Ühr. ' * Entfallende Sprechstunde: Donnerstag entfällt die Sprechstunde' beim amtsfuhrenden Stadtrat Prof. Tandler wegen dienstlicher Verhinderung. . * Eröffnung der städtischen Sommerbäder. Das Strandbad Gänsehäufel, das Strombad Kuchelau und die anderen städtischen Sommerbäder werdey Freitag den 19. d. eröffnet. * Die Ernennung der Beisitzer für die Mietsenate. Vor Eingang in die Taaesordnüng der gestrigen Sitzung des S1 a d t s e n a t s leckte Bürgermeister Reumann in der Angelegenheit der Ernennung der Beisitzer für die Mietsenate mit, daß dem-Bürgermeister grundsätzlich im Sinne per. geltenden Bestimmungen unzweifelhäst ausschließlich das Recht züsteht, diese Beisitzer zu. ernennen. Gepflogenheitsgemäß habe er indes bisher-keinen Anstand genommen, auch der Minderheit Gelegenheitzu neben, , chm ihre aus die Zusammensetzung .der Mietsenate bezüglichn-Vorschläge mitzuteilen. Unter. Aufrechterhaltiing des grundsätzlichen Standpunktes.'sehe er aber kein Hindernis, andere Vosschläge e.ntgegenzunehmen und sie näch sreiem Ermessen zu berücksichtigen.. ^Einschreibungen in dle jüdischen Volksschulen.. a) Jückische Volksschule, 2. Bez., Castellezgasse 85: Täglich — mit Ausnahme der Samstage — von 12 bis halb 1 Uhr mittags Auüropme pon Sckülern untz Kchülexinnen in die- Me und 17. »1922 Nr. 1183 zweite Klasse.}) Jndssche Volksschule, 20. Bez., DeniZgafle Nr. 83: Täglich — mit Ausnahme der SamStage — von. 12 bis 1 Uhr mittags Ausnahme von Schülern und Schülerinnen in die erste, zweite und dritte Klaffe. * Sympalhielmnögeüimg für Professor Dr. Schorr. Aus Lemberg schreibt man uns: In den letzten Tagen erschienen mehrere Deputationen üer jüdisch-akademischen Vereinigungen bei Universiiüisprofessor Dr. Schorr, um dem verehrten Lehrer und Führ-r unier gleichzeitiger Beglückwünschung zu seiner Berufung auf den R a b b i n e'r p o st e n in Warschau, die dringende Bitte zu unterbreiten, er möge im Hinblicke auf die überaus wichtigen Aufgaben, die feiner sowohl .auf wissenschaftlichem als auch, jüdisch-sozialem Gebiele in der bisherigen W irbungs'phäre harren, seine hiesige Stellung nicht verlassen. Professor Schorr dankte der Jugend für den Beweis der Sympathie und versprach, die ihm vorgelegte Bitte ernst in Erwägung ziehen zu wollen. * Vom Keren Kajessod. Die Hauptoertrauenskommission des Heren Haiessod in Oesterreich, welcher die Aufgabe obliegt, in zweiter Instanz festzustrllen» cd und welche Juden ihre Pflicht gegenüber dem Keren Haiessod erfüllt haben, hat ihre Tätigkeit ausgenommen und wird . D o n n e r s t a g d e n 18. d. von 6 bw 7 Lhr abends und S o n n t a g den Li. d. von 11 bis 12 Uhr vormittags für diejenigen zu sprechen sein, welche Wert darauf legen, d i re kt dieser Kommission nachzuweisen, daß sie ihre Pflicht für das Jahr 1921 erfüllt haben. Hrezu notwendige Nachweise sind mitzubringen. Wettere Sitzungen der genannten Kommission für den Parteienoerkehr werden jeweilig an dieser Sülle bekanntgegebrn werden. * Verhindentng einer Legitimistenversammlung. Eine für gestern abends in die Mariensäle im 15. Bezirke einberufeue Versammlung der Partei der schwarz-gelben Legitimisten, wurde von den Sozialdemokraten, die den Saal schon früher besetzten, vereitelt. * Die New-Norker „Zeit" eingegangen. Die poale-zionistische Tageszeitung „Die Zajt" ist nach zwanzigmonatigem- Erscheinen aus Mangel an Gelduritteln eingestellt worden. * Ein Sieg CapablancaS. Der Weltschachmeister Capablanta hat gestern in Paris 40 Simultanpartien gespielt; hievon hat er 38 gewonnen, eine verloren und eine blieb Remis. , . * Millionenbeuie eines Taschendiebes. Der Marie Solowjewa aus Fischamend ivurde gestern bei der Endstation der Landesbahn Wien—Preßburg im Gedränge eine kleme Damenhandtasche mit 1.150.000 K. Von einem großen Burschen mit schwarzem Schnurrbart, anscheinend einen: Ungar, gestohlen. * Ein Sohn Mieckiewiez* über die Judenfrage. „Nasz Kurier" veröffentlicht ein Interview mit dem Sohne des polnischen Dichters Mickiewicz, dem Literarhistoriker Herrn Wladislaw Mickiewicz, über die Judenfrage in. Polen. Mickiewicz erklärte, daß er öfters für die Gleichberechtigung der Inden, sowohl in der inals auch ausländischen Presse eingetreten sei. Die Verteidigung der' Juden gehörte zu den Hauvtprinziplen der Ideologie seines Vaters. Sein-Vater hübe die Juden im.ner verteidigt, weil er sie schätzte und liebte. Er hatte , viele herzliche Beziehungen, zu jüdischen Rabbinern. Er bevaure lebhaft, daß die Judenfrage in Polen solche Formen angenommen habe. Es genüge nicht, Katholik allein in der Kirche zu sein, man müsse auch dessen eingedenk sein, daß die christliche Lehre die Nächstenliebe auch außerhalb der Kirche pc.dige. * Ein psychoanalytisches Ambnlatorinm in Wien. An: 22. d. wird das psychoanalytische Ambulatorium für Unbemittelte in Wien, 9. Bez., Pelikangasse 18, eröffnet. Die Ambulanzstnnde wird von 6 bis 7 Uhr abgehalten. Die psychoanalytische Vereinigung entsendet aus ihrer Mitte eine Anzahl von Aerzten, die die Behandlung, übernehmen werden; sie werden auch durch Lehrknrse den Aerzten Gelegenheit geben, die Psychoanalyse praktisch und theoretssch zu erlernen. * Selbstmord eines Arztes. Gestern nachmittags Hai sich im Hietzinger Friedhof am Grabe seines Vaters der bekannte 60jährige Primarius Dr. Norbert Swoboda, 4. Bez., Frankenberggasse 12, durch Zyankali vergiftete Aus einen: Abschiedsbrief geht hervor, daß er die Tat wegen eines Herzleidens begangen hat. * Geplünderte Telephonzellen. Von den Sprechzellen der Telephonautomatengesellschast werden in säst allen Bezirken die messingenen Türklinken von Gaunern entwendet. * Unangenehme Theatergäste. In der. letzten Zeit wurde die Wahrnehmung gemacht, daß :n Theatergebauden die Ratten- und Mäuseplage überhand nimmt. Es ist wiederholt - vorgekommen, daß auchwährend der Vorstellungen, solche. Nagetiere im Zuschauerraum erschienen und namentlich beim weiblichen Publikum.Ärmst hervoraernfen haben. Auf behördliche Anordnung sind alle Maßnahmen getroffen, um der ae durch geeignete Mittel zu begegnen.' Es ist aber doch am Platze, das Publikum zu ermahnen, wenn schon in einem-Theater ein solch ungebetener Gast plötzlich erblickt wird, nicht durch überflüssige Ausrufe des Entsetzens eine Pamk hervorzurufen. * Diebstahl im Spital. Gestern wurden aus einer Spitalsbaracke des Wilhelnnnenspitals von einem gewissenlosen Gauner etwa 60 bis 70 Meter Bleirohre aus Klosettei: und Spülräumen gestohlen. Der Sach sch ade beträgt etwa 100.000 Kronen, noch größer ist der bauliche Schade. Die Wirkungen machen sich sehr empfindlich geltend. * Falsche tschechische Fünskronennoten. Am 13. d. wurde ein bei der Galanteriewarenfirma Herrmann u. Vogel, 2. Bez., Eßlinggasse 12, angestellter Handlungspraktikant in der allgemeinen Verkehrsbank in der Wipplingerstraße gemäß seiner Aufforderung des Valutenkassiers von der Polizei angehalterr, weil er neun falsche tschechische Fünskronennoten Verkäufer: wollte. Er bezeichnete als feinen Auftraggeber einen Kommis der Firma, den 23jährigen Josef Kotieschowec, 14. Bez., Rauchfangkehrergasse 11 wohnhaft, der dann auch angehalten wurde. Die Erhebungen des Sicherheitsbureaus ergaben, düs; Kotieschowec die Noten tags zuvor von seinem Geschäftskollegen, dem 20jährigen Hanoelsangestellten Josef Schneebalg,' Pazmanitengasfe 14 wohnhaft, um 6800 österreichische Kronen gekauft habe. Auch Schneebalg wurde am 13. d. verhaftet und behauptet, die Banknoten am 11.. d., abends,.auf der Ankuuftsseiie des Nordbahnhofes von einem unbekannten Bauern gekauft zu haben. Dieserriberließ ihm 14 Stück zulr: Kurse von 152 österreichischen Kronen. .Nenn Noten hat er seinem Kollegen Kotieschowec verkauft. Wie weiter sestgestellt. wurde, hat Schneebalg schon am 12. d. die restlichen fünf Falsifikate durch den Praktikanten im Bankgeschäft - Fried Ky-, 1. Bez., Fleischmarkt 10, verkauft und hierfür 4000 Kronen'erhalten. Dieser Betrag wurde, zustande gebracht,, ebenso die fünf falschen Noten. Schneebalg und Kotieschowec behaupten, m gutem Glauben gewesen zu sein, daß die Noten echt' seien. Doch sprechen verschieoene Umstände dafür, daß Schneebalg die Falsifikate wissentlich in Verkehr gesetzt und ihre Herkunft >ßenau gekannt habe. Der Praktikant, der an - der Sache - '^unbeteiligt war, wurde nach seiner Einvernahme in Freiheit gesetzt. Schneebalg wurde gestern dem Lanoesgericht eingeliefert und gegen ihn das Verfahren wegen polizeilicher Ab», schäffung aus Oesterreich eingeleitet. Kotieschowev wurde der- 1 .Staatsanwaltschaft angezeigt^

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