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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-17 · Heft 1183 (17.5.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1183 (17.5.1922)
Date
1922-05-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Allen, Mittwoch In den weiteren Ausführungen kommt das „Stowo holskie" in seiner gewohnt hinterhältigen Weise auf die Juden frage zurück und ^ieht in den neuesten Vorkommnissen in Genug den ' neuerlichen verhängnisvollen Einfluß der „a n o n Y m e n Mach t", irr erster Reihe des Sekretärs der jüdischen Delegattonen Leo Mozkin. Polen werde es nie zulassen, daß der Versailler Friedensvertrag von den: heute noch allmächtigen Llohd George ytit Füßen getreten werde. Genf, 15. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Petroleumtrust ürNitet auf die Einverleibung der ostgalizischen Naphthaquellen in das russische Raphthamonopol hin. Da zu diesem Zweck dem Trust eine internationale Verwaltung Ostgaliziens genehm wäre, verlangen die maßgebenden Kreise des Trusts die Lösung der ostgalizischen. Frage in diesen! Sinne. Die Llohd George nähestehenden Politiker unterstützten die diesbezüglichen Bestrebungen des Trusts. Die ostgälizische Frage soll nach zuverlässigen Jnforvlationen auf der Tagung des Obersten Rate s, die noch vor dem 1. Juni stattfinden wird, behandelt werden. Die Jude« und der Wahlordnungsentwurf. Warschau, 14. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Mische Nattonalrat hat einen Aufruf erlassen, in denr auf die Benachteiligung der Juden im Wahlordnungsentwurf hingewiesen und die Judenschast aufgefordert wird, gegen die rechtswidrige Kreiseinteilung und Verkürzung der vitalsten Interessen des jüdischen Volkes schärfftens zu protestteren. Es handle sich darum, gegen ein Attentat auf die jüdische Gleichberechtigung anfzutreten. Es sei daher Pflicht des gesamten Volkes, einheitlich für die vollste Erfüllung der Gleichberechtigung mb der Minderheitsrechte einzutreten. Palästina. Bodeusanterung. Jerusalem, 13. Mai. (I. C. B.) Der jüdische Patios « a I f o n d s hat beschlossen, 20.000 Pfund Sterling für die Trockenlegung der Sümpfe in Emek Jesreel zu afsignieren. Die Arbeiten sollen von der Raabanja-Gesellschaft gemeinsam mit der .Arbeitergenossenschaft ausgeführt werden. Der Jerusalemer Patriarch gegen die Jewish Agency. Rom, 15. Mai. (I. C. B.) In einer hier stattgesun- -enen Versammlung wandte sich der r ö m i s ch -k a t h o l ische Patriarch von Jerusalem, Mgr. Barlasina, einer der entschiedensten. Gegner des Zionismus, in einer überaus heftigen Rede gegen die zionistische Bewegung und verlangte, daß der römis chen Kir ch e dieselben Rechte wie der Jewish Agency gegeben werden. ~ ‘ fi Patzwese«. London, 15. Mai. (I. E. B.) In Beantwortung einer Anfrage im Oberhause erklärte.der Minister für Transportwesen, E a r l o f C r a w f o r t, daß im gegenwärttgen Verkehre zwischen Palästina, Syrien und Aegypten kein besonderes Paßsystem bestehe, vielmehr gelten die allgemeinen, in diesen Ländern üblichen Patz- und Vrsavoi> schriften. Mit Rücksicht auf die hohen Gebühren für das französische Visum nach Syrien, sei der englische Botschafter in Paris angewiesen worden, bei der französischen Regierung diesbezügliche Vorstellungen zu machen. * Die Kosten der Landesverteidigung. London, 13. Mai. (I. C. B.) Einer Erklärung des Finanzsekretärs des Staatsschatzes Mr. Hilton I o u n g im Unterhause zufolge, betragen die Kosten der Verteidigung Mesopotamiens durch die britisch-indische Armee 7,370.000 Pfund Sterling, die der Verteidigung Pal ä st i n a s nur 1,742.000 Pfund Sterling im laufenden Jahre. Die Kosten der Z i v i l v e r w a l t u n g deckt Paläjlma aus eigenen Einnahmen. Eine Milderung der EluwauderuugsbeschrSukuugen. Jerusalem, 14. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die Regierung veröffentlichte eine Verordnung, wonach die Jmmigrationsbeschränkungen bezüglich der Ejnivanderung von Verwandten von in Palästina lebenden Juden aufgehoben, werden. Die Einwanderung dieser Kategorie ist von nun an freigegeben. (Wie wir bereits berichtet haben, wurden fett Mitte des vorigen Jahres die Einwanderungsbedingungen bedeutend verschärft. In letzter Zeit wurden hauptsächlich Einwanderer auf Grund von „Aufforderungen" von in Palästina wohnenden Verwandten zugelassen und seit April nur Frauen und Kindern von Palästinensern die Einreise erteilt. Die wiederholten Vorstellungen und Proteste in London und Jerusalem haben nunmehr zu einer Milderung der letzten Bestimmungen geführt. Die.zionistischen Forderungen sind jedoch damit noch keineswegs erfüllt, da die jüngste Verfügung bloß eine Rückkehr zu einem System bedeutet, das von zionistischer Seite seit dessen Einführung.bekämpft wurde. Das Minimum dessen, was die zionistische Organisation fordern muß, ist die Wiedererteilung des Rechtes an diese, im eigenen Wirkungskreise im Einvernehmen mit der Regierung .Einwanderer Zertifikate ausznstelten, wie dies, bis zum Sommer 1921 der Fall ~ Wetter MorgenMttttS 17. Mai 1922 Nr. 1183 Mitteilungen aus dem Publikum. Paula Plaschkes Jakob Plaschkes geb. Lang V er mäh 1 t e Wien, am 16. Mai 1922 6373 KÜR- ,ü. WASSERHEILANSTALT 2 B B B fl B fl ■ fl fl fl " £ LINZ AN HER DONAU Jj am FuSse des Pösttingberges gelegen, mit Warm-und Kaltbehandlung, ■ Sonnenbäder, Elektrotherapie, eigene Schwimmschute 5 Einbettige Zimmer von K 7S3 bis 1C4Ö. Zwcibettige Zimmer von ■ . K 1560 bis 2600. ohne Zusehläge. ■j Bei längerem Aufenthalt 30 Perzent Ermässigung. ® Für Kur Wochenpreis K 7600. 9603 £ Verpflegung ln der eigenen Restauration nach Wunsch. flflflflflflflflflflflflflflSflflflflflflflflflflDvflfl»flflflflflfl fl ■ fl ■ ■ fl fl ■ ■ ■ fl fl fl fl M flfl Die arabische Delegation in Londorr. London, 12. Mai. (I. K. B.) Eine Anzahl von Unter- und Oberhausmitgliedern hielt eine Sitzung ab, um über die Ansprüche der arabischen Delegation zu beraten. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Frage gewidmet, mit welchen Mitteln die Versprechungen Englands an das arabische Volk am besten erfüllt werden könnten. Ferner wurden die Pläne für wettere zukünftige Aktionen besprochen. An dieser Sitzung nahmen mehrere Anhänger der „Morning Post" teil. Gouverneur Storrs in Europa. General Storrs, der Gouverneur von Jerusalem, hat am 25. April Palästina verlassen, um sich nach R o m, Paris und London zu begeben. Storrs wird drei Tage in Rom bleiben, wo er vom Papst in Audienz empfangen werden soll. Seine Vertretung in Palästtna wird für die Dauer seiner Abwesenheit, die auf etwa, vier Monate geschätzt wird, der Untergouverneur Luck übernehmen. (Die Besuche Storrs beim Papst häufen sich in etwas auffälliger Weise!) Rundschau. Amerika und das Palästina-Mandat- London, 14. Mai. (I. C. B.) Ueber die Ursache der mehrmaligen Verschiebung der Ratifizierung des Palästina-Mandats werden nachstehende Einzelhetten bekannt: . * Die Vereinigten Staten stellten gewisse Forderungen l-etreffs der amerikanischen Rechte in Palästina, die unter?, den seinerzeitigen türkischenKaPitulationen bestanden haben. Aus diesem Grunde wurden, zwischen den Vereinigten Staa-i ten und Großbritannien langwierige Verhandlungen über die Wahrung dieser Rechte innerhalb der Mandatsbestrmi mungen geführt. Das amerikanische Staatsdepartement wünschte, daß eine besondere, auf die amerttanischen Rechte ausdrücklich Bezug habende Klausel, ähnlich wie c8 der Fall mit den dein V ö l? e r b u n d e angehörenden Staaten ist, in das Mandat ausgenommen werden solle.. Großbritannien stimmte im Prinzipe zu, daß Amerika auf dem gleichen Fuß, wie die anderen Bölkerbundsmitglieder gestellt werde, schlug jedoch vor, daßan Stelle der in das Mandat auszunehmenden diesbezüglichen Klausel, diese Frage Gegenstand eines zwischen den Vereinigten Staaten und England als Mandatarmacht abzuschließenden V e r t r a g e s bilden soll. Die Vereinigten Staaten erklärten sich daniii einverstanden- und, ivie verlautet, soll der betreffende Vertrag gleich nach Ratifizierung des Palästina- Mandats in der gegenwärtigen Tagung der Völkerbundrates abgeschlossen werden. Aus diesen Gründen scheint der Ratifizierung des Palästina-Mandats nichts mehr im Wege zu stehen. Der jüdische Arbeiterführer i« Amerika gegeudieAnerkeunungSowjetrutzlaubs Samuel G o m p e r s, Präsident der „American Federation of Labour", wendet sich in den heftigsten Ausdrücken gegen eine formelle Anerkennung der Sowjetregierung. Gompers, der. 2 Millionen organisierte Arbeiter vertritt, nennt eine solche Anerkennung einen Verrat an der Zivilisation. Er behauptet, alle Beweise in Händen zu haben, daß die bolschewikischen Propagandafonds in Amerika sich auf Millionen v o n D o l l a r belaufen, und er macht auf eine Gruppe von amerikanisch-englisch-dentschen Bankiers aufmerksam, als auf das „gefährlichste Glied in der Kette pro-bolschewttischer Anstrengungen". — Während die Tatsache, daß es unter den Führern des Bolschewismus etliche Leute Wischer Abkunft gibt, stets in antisemitischem Sinne ausgebeutet wird, meldet sich hier der amerikanische Jude, der drüben als Arbeiterführer - die größte Bedeutung hat, um als antibolschewikischer Scharfmacher aufzutreten. . Dev amerikanisch-jüdische Kougretz. Aus N e w - N o r k wird gemeldet: Die Delegiertenwahlen zum jüdischen Kongreß in Amerika, der am 21. Mai in Philadelphia abgehalten werden soll, haben bereits in ganz Amerika eingesetzt. Die Stadt N e w - U 0 r k ist berechtigt, lOOVertreter zum Kongreß zu entsenden, zu welchem Zwecke New-Zork in 12 Wahldistrikte eingeteilt Wde. MtLL. den. GewähtzMtzeMdenM M s ck, Nathan Strauß, 11 ntermyer, E!kns, zahlreiche Rabbiner) und andere Prominente Persönlichkeiten. .". Die jüdische Auswanderung aus Rußland. Danzig, 15. Mai. (I. C. B.) Wie seinerzeit berichtet wurde, ist es den Vereinigten jüdischenEmigrattonskomiteeS * gelungen, mit der l e t t i s ch e n R e g i e r u n g ein Austvandernngsabkonnnen abzuschließen, welches den jüdischen Flüchtlingen aus Rußland die Durchreise durch Lettland ermöglicht. Die Unterzeichnung des zwischen der lettischen Regierung und den Vertretern . des Vereingten jüdischen Enttgrationskomitees abgeschlossenen Transemigratio.nsabkommens mußte aber auf Einspruch des brittti scheu Gesandten unterbleiben. lieber die Gründe, die zu diesem Einspruch führten, verlautet, daß England befürchtet, die Jnstradierung dev Auswanderungstransporte über Libau würde auf die englische Schisfahrt eine nachteilige Wirkung haberi, da die Auswanderer, denen über Libau eine direkte Route zur Verfügung steht, die englischen Häfen nicht mehr anfsuchen würden. Die lettische Negierung hat daher die Unterzeichnung des Abkommens bis zur Rückkehr der lettischen Delegation aus Genua verschoben. Hungertod der jüdischen BevMkerung irr der Akrnime. London, 15. Mai. (I. C. B.) Einer Mitteilung der American Relief.Administration zufolge befinden sich iu der Ukraine mehr als dreieinhalb Millionen I u lle n am Rande des Hungertodes. Gemeinsam mit denr Joint bemüht sich die American Relief Administration mit allen Kräften um die möglichste Beschleunigung und Erweiterung ihrer Hilfstätigkeit. Mit dem 15. Mai d. I. sollen 2 6 0.0 0 0 K i n d e r in ihre Verpflegung über-' gehen. Auf der Strecke zwischen Odessa—Alexandrowsk-- Jekaterinoslaw—Nikolajew—Charkow laufen ununterbrochen Züge mit Lebensmitteln, Sanitätsmaterial, Klei-, dungsstücken und Gerätschaften für die Hungergebiete. Tics Lage ist aber so schrecklich, daß an manchen Tagen dick' Sterblichkeit unter.der Bevölkerung 60 Prozent Auf der Durchreise aus Rußland nach Europa weilte in K o w n o der ehemalige Vorsitzende der „Gesellschaft für Gesundheitspflege unter den Juden" („Ose"), einer der hervorragendsten russischen Aerzte, Dr. M. Grau, der im Auftrag der russischen Negierung ins Ausland geht, um eine Aktion für medizinisch-sanitäre Hilfe zugunsten der Hungernden einzuleiten und auch beauftragt ist, sich im Namen der mohammedanischen und jüdischen . Organisationen an deren Stammesgenossen uni Hilfe zu - wenden. Wie einem Bericht Dr. Grans zu entnehmen, .ist, ist die Lage der jüdischen Bevölkerung in dev Ukraine (Cherson, Nikolajew, Krim) besonders traurig. Die jüdischen Ackerbaukolonien Südrußlands, wo zirka 100.000 Menschen wohnen, gehen unter; jeder Tag bringt H u nderte von Todesfällen. Die Hungerkrankheiten haben auch hier einen vorzüglichen Boden gefunden, aber unter den Juden hat man noch keinen Leichengennß registriert. Die Lage in den Städten, wo die breiten Schichten der Bevölkerung die größte. Not leihen, ist nicht besser. Tie Regierung tut ihr. Möglichstes, aber ihre Mittel reichen nicht ans. Das Jdgeskom (jüdische gesellschaftliche Komitee) in Moskau leistet fast nichts. Früher ivaren in ihm auch die Ueberbleibsel der früheren jüdischen Hilfsgeseüschäften (Ort, Ose, Ekopo u. a.) vertreten. Aber die Politik der jüdischen Kommunisten hat diese zum Rücktritt gezwungen. Alle soziale. Arbeit ist verboten und unterdrückt, und wenn schon die Regierung etwas erlaubt, kommt die jüdische kommunisttsche Sektion und legt ihr Veto ein. Eine ausreichende dringende Nothilfe kann noch die uu-, glücklichen Millionen retten. Die medizinisch-sanitäre Hilfe, sei noch nötiger als die durch Nahrungsmittel. Derurteilung eines Aabbiners in Odessa. Moskau, 16. Mai. (Funkspruch.) Das Odessaer Revolutionstribunal hat den R a b b i n e r G u r o w i c z wegen Beleidigung der Kommission zur Beschlagnahnre der Kirchenkleinodien zu z w e i Jahren Gefängnis, beziehungsweise, zu einer Geldstrafe von 300 Millionen R u b e l verurteilt. Ein privater Orientkougretz. Genua, 16. Mai. Gestern Hai sich der angekündigte Orientkongreß versammelt. Zum Generalsekretär wurde der Emir C h e k i b A r s l a n B e i, der Präsident der. Dklcgatton von Syrisch-Libanon, gewählt. Die Versammlungen des Kongresses werden privat abgehalten. An seinem Schluß wird ein Memorandunr verfaßt werden, worin die p o l.i t i s ch e L a g e i m Q r i e n t und die diesbezüglichen Beschlüsse zusammengefaßt werden sollen. Dieses Memorandum wird der öffentlichen Meinung Europas und Amerikas vorgelegt und auf der Konferenz von Genua mitgetelt werden. Zu diesem Zweck wurde eine Kommisiion "eingesetzt, die alle Fragen, die den Kongreß beschäftigen, Prüfen wird. Der Kongreß wich noch, estrige Tage dauern. Zwischen seinen Teilnehmern, sagt, die offi-. zielte Verlautbarung, herrscht vollste Harmonie. Die OrganisatioN der geistigen Arbeit. Einstein in die Völkerbundkommission berufen. Genf, 15. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitnng".) Der Völkerbund hat aus Anregung der französischen Regierung, ÄU& dem Berichte Lean B LL r g esrs. einm WÄMedrLs. ImH-V'i. / iifii P ■■■ r >' I hiri >irrfc*"nMmi-wnit:ii4ii

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