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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-16 · Heft 1182 (16.5.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1182 (16.5.1922)
Date
1922-05-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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BWWWW WMMW MM- Nx. 1182 Dren, Dienstag Rumänien.! Agrarveform in SkrbenbLrgen. . vukaxest, 15. Mar. (Funkspruch.) D're Durchführung oer Agrarreform in Siebenbürgen hat begonnen. Biele Laüdleute sind bereits mit staatlichem Grund beteilt worden. Rundschau. DLe Wahlen zum jüdischen Board of ** Deputies in England. London, 14. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Anläßlich der Wahlen zum jüdischen Board o f Deputierhat die Exekutive der englisch - zionistische n Föderalron '.einen Aufruf erlassen, in dem auf die Wichtigkeit dieser Jnstittttion rrnd die Teilnahme an den Wahlen hingewiesen wird. Es sei dringend notwendig, einen Board of Deputies zu wählen, der mit den Bestrebungen des jüdischen Volkes auf die W i e d e r a u f r i chtung seiner Heimstätten in Palästina sympathisiere. Die Mahler werden aufgefordert, solche Kandidaten in den Board of Deputies zu entsenden, die mit den Grundsätzen des zionistischen Programms übereinstimmen. (Der Board of Deputies ist die Repräsentanz der jüdischen Einzelorganisationen und Synagogengemeinden.) Eiree französische Meldung. Paris, 15. Mai. (Funkspruch.) Blättermeldungen zufolge sei es in der letzten Sitzung des russischen Vollzugsausschusses zu heftigen Auftritten gekommen. Den Anlaß habe der gegen- Trotzki erhobene Vorwurf gegeben, daß er sich ein Vermögen von mehr als 30 Millionen Göldrubel erworben hätte. Die Pogrombrüder in Rrrtzlaud. ■ Moskau, 15. Mai. (Funkspruch.) Aus Irkutsk wird gemeldet: Der Erzbischof von Irkutsk, Anatol, sowie neun andere Personen, sind wegen Zugehörigkeit zur Schwarzen Hundertschaft verhaftet worden. Tagesbericht. Zionisten! Wir stehen vor dem Abschluß der Schekelaktion und fordern alle Gesinnungsgenossen, die bisher den Schekel nicht geleistet hobenauf, ehestens den Schekel zu entrichten. Jeder Jude, der an der Wiedererrichtung unserer nationalen Heimstätte und am Aufbau unserer alten Heimat Interesse hat, leiste sofort seinen Schekel, der die Grundlage der zionistischen Bewegung bildet. Alle Zionisten werden aufgefordert, im Kreise ihrer Bekannten und Freunde eine rege S ch e k e l p r o p a g a n d a zu entfalten. Die gesammelten Schekelgelder sind sofort den zuständigen Bczirkssektionen oder dem Laudeskomitee ab- Das Ziouftische Laudeskomitee. Die BeziMsektioncn, Sonderverbände werden hiermu ausgefordert, ehestens mit dem Landeskomitee den Schekel, die Parteisteuer und den Schulvereinsbeitrag zu verrechnen. Schutz den SportplKtzeu. 'MyRededesDr. Ploschkes im Gemeinderat. In der letzten Sitzung des Gemeinderates, die cun Freitag stattfand, stellte Gcmeindcrat Lo t sch (Sozialdemokrat) den Antrag, daß die Bestauddgucr der Spiel- und Sportplätze, die auf künftigen Plätzen liegen, zehn Jahre, und solcher, die auf künftigen Baugründen liegen,^sechs ^ahre Mmcr Morgenzettuug 16. Mai 1922 Wie Bethlens Versöhnung anssieht. (Von unserem Budapester Korrespondenten. Während die Mitglieder der ungarischen Negierung und die Kandidaten der Regierungseinheitspartei in den einzelnen Wahlbezirken, wo ß sich als notwendig erweist, von Rechtsordnung, die in Ungarn herrsche, von kultureller und gesellschaftlicher Versöhnung, die bereits im Anmarsche sei, sprechen und damit Wählerfang versuchen, wird in Budapest eine Kulturschande nach der andere»! verübt. Man hat offenbar in'den Kreisen der gegenwärtigen Machthaber, die überall ihre Gewaltigen und Gewalttätigen sitzen haben, offenbar kein großes Vertrauen zu dem Erfolg der von Gömbös geführten Wahlagitation und möchte noch rasch vor dem Zusammentritt der neuen Nationalversammlung die letzten Gewaltakte des christlichen Kurses vollziehen, die Juden und „Destruktiven" arrs allen Kulturstaaten verdrängen und die durch den „christlichen Kurs" in die Höhe gebrachten Kulturnullen und minderwertigen Künstler auch unterbringen. Die letzte Woche kann selbst in der Geschichte der Kulturschändlichkeiten des „christlichen Kurses" als die s ch w a r z e Kultur-Woche bezeichnet werden. Begonnen hat dieses Finish der „schwarzen Amokläufer", wie einer der oppositionellen Kandidaten diese Sippe na»»nte, damit, daß, wie bereits gemeldet, sämtliche jüdischen Kräfte des Stadttheaters und gerade die Lieblinge des Publikums, ohne jede Begründung gekündigt wurden. Das Vorgehen der Regierung in dieser Angelegenheit hat nicht nur in jüdischen Kreisen die hellste Empörung hervorgerufen. Man hat die Vertreibung Oskar Beregis, des besten klassischen Künstlers desungarischen Nationaltheaters, und die Verfügung des gegenwärtig in New Aork so sehr gefeierten jüdischen Barilonisten Rozsa von der Budapester königlichen Oper schon zu stark gebüßt und bereut, als daß man dieses neue Attentat an der ungarischen Bühnenkunst so leicht hiunehmen könnte. Endlich hört man auchvon jüdischer Seite nicht nur einen Aufschrei, sondern auch das vernünftige Wort der Gegenwehr und das jüdische Organ >,Egyen löseg" ventiliert bereits die Frage des B o y k o t t s a l l e r T h e a t e r, in welchen der „christliche Kurs" die Verwaltung beherrscht. In den i^rovinztheatern hat ein solcher Boykott durch die jüdischen Theaterbesucher wunderbar gewirkt und er würde auch in. Budapest seine Wirkung nicht verfehlen. Denn die „Erlvachenden Ungarn" und ihre Auftraggeber erpressen wohl den Juden sehr viel Geld, tragen es aber nicht in die-rTheatörkassen, sondern höchstens zu den Choristinnen dritten Ranges. Die zweite halbasiatische Kulturtat, die sich der neue Kurs in der. Kunst geleistet hat, - ist eine Veranstaltung und Preisverteilung anläßlich des sechzigjährigen Jubiläums des ungarischen Verbandes bildender Künstler. Alles, was jüdisch ist und durch seine Schöpfungen im Auslände der ungarischen Kunstentwicklung Ruhm und Rainen gebracht hat, aber auch alles, was irgendwie als modern, als judenfreundlich bekannt ist, wurde aus der Ausstellung ausgeschaltet und an seine Stelle nur wenig Mittelmäßigkeiten hingegen zum größten Teile soll. Gemeinderat Dr. Plaschkes (Jiomst). wandte sich «ml folgenden scharfen ' Worten gegen den Antrag: Niemarrd, der die jüdischnationalen Bestrebungen auch nur einigermäße.» kennt, wird auuehmen, daß ich mich deshalb als Kontraredner habe eilltragen lassen, weil ich oder meine Partei gegen die Vergebung von Sportplätzen austretcn wollen oder etwa gegen die Verwendung unverbauter oder »mbebauter Flächen zu de»n gemeinnützige»! Zweck der Spiel-, Sport- und Turnplätze zur»» sordernswerten Betriebe von Körperpflege »mb Leibesübungen. Zu häufig habe»! wir in diesem Saale die Förderungen zugunsten der jüdischen Sport- und Turnvereine,- insbesondere aber unsererHaköäh und der verschiedene»! Makkabi-Organiscüionen erhoben» als daß wir noch unsere herzliche Befriedigung darüber ausdrücken mußten, wenn zahlreiche Sportplätze billig unb für lange Zeit vergeben werden. Ergreife ich nunmehr zu dieser Vorlage als Gegner das Wort, so geschieht dies zur Feststellung eurer Tatsache, die bei Beschlüssen des Gemeinderates, in Landesgesetzen, Verordnungen aller Art, immer deutlicher und häufiger in die Erscheinung tritt. Vieles-wird gemackt »rach den» »»rwienerischen Grundsätze: Mir san ruir!" „Es kann uns nix g'scheh'n!". Was andere Körperschaften beschlossen haben, ist'Hckuba. Das bemmpsen »vir entschieden, gegen Uebcrgriffc, wo immer, sie geschehen, erheben, wir unsere ivaruende Stimmer Der vorliegende Antrag ist gesetztvidrig, »veil er gegen "die zwingenden Forschriften des Spielnur Werke unter dem Mittelmaß aufgenommen. Künstler, wie I v a n y i - G r ü n w a l d, R i p p l - R o n a iusw., die bis vor kurze»n noch unbestrittene Konstrukteure ungarischen Kunstsinns, wurden als destruktiv verbannt und nicht mehr tvürdig erachtet, als Repräsentanten ungarischer Kunst zu gelten. Das Schanrloseste an Kulturschande hat sich jedoch du ungarische - A k a d e »n i e der Wissenschaften geleistet. Diese Körperschaft, welche vorgibt, die Summe ungarischer Geistesarbeit darzustellen, hat vor. allen» das Andenken des großen Ignaz Goldziher in unerhörtester Weise geschändet. Der durch den Tod des größten Orientalisten der Neuzeit vakant ge»vordene Sitz in der ungarischen Akademie der Wissenschaften »vurde mit Professor Michael Kmosko, der zun» korrespondierenden Mitglied gewählt »vurde, besetzt. Ein offiziöser Kommentar war bis. vor kurzen» »»och selbst in Ungarn eine lächerliche Figur, in der Gelehrtenivelt. Mit dem Auftauchen des „christlichen Kurses" tarn auch er an die Oberfläche, und z»var dadurch, daß er sich als antifern i t i s ch e r H e tz m e i st e r brutalster Forn» hervortat, und in Wort unb Schrift für den niedrigsten Antisemitisiuus Propaganda »nachte. Im vergangenen Jahre ereig»»ete sich in der urrgarische»» Akademie der Wissenschaften der bischer noch nicht dageweserre Fall, daß Doktor Kmosko anonym zur Wahl in die Akademie kandidiert wurde, wohl deshalb anonyrn, »veil sich offenbar niemand fand, der einen solchen Vorschlag mit seinen» Namen decken »sollte. Und in der Tat ist Kmosko im Vorjahre schmählich durchgefallen. Nun scheint auch die Akademie der Wissenschaften so tief gesunken zu sein, daß sie reif ist, als Sklavindes christlichnationalen Mordkurses zu dienen und Kmosko in ihre Reihen aufzunehmen. Kann es da wundernehrnen, daß in dieser Akademie der Wissenschaften der jüdische Mathematiker Professor Leopold Fejer, eine in ganz Europa anerkar»nte Berühmtheit auf seinem Gebiet, nicht die erforderliche Zwei-- drittelmehrheit im Plenum erlangen konnte, obgleich er von seiner Fachsektion in der Akademie, die seinen Wert und seine Bedeutung kennt, einstim m i g kandidiert wurde? Von.sden 39 abgegebenen Stimmen haben '25 es dem Gelehrten Fejer nicht verzeihen können, das; er ' als Jude Zur Berühmtheit gelangt ist. Es ist wohl, wahr: Die wegen ihres Indenturns ge« maßregelten Schauspieler, Sänger, Künstler und Gelehrten verlieren durch diese Verunglimpfung nichts an Bedeutung und Wert. Die Schauspieler und Sänger haben zum größten Teile bereits lohnende Anbote aus dem A u sla n d e erhalten. Die Werke der bildenden Künstler werden gleichfalls vom kunstsinnigen' Ausland1 gekauft und die Erwachenden -Akademiker haben nur die Akademie unsterblich blamiert, aber ihre neuen Mitglieder nicht unsterblich gemacht. Immerhin muß es dem auf seiner Agitationsreise befindlichen Ministerpräsidenten Grasen Bethlen täglich schwerer fallen, die Lüge vom Rechtsordnung, Versöhnung und Frieden über seine Lippen zu bringen. Plätzegesetzes verstößt, er ist aber nur eines der vielen Beispiele für die gewissenlose Gesetzessabrikation der Mehrheit. Andere Beispiele stehen genug zur Verfügung. Der Bürgermeister als Landeshauptmann ' erläßt eine Hausbesorgerordnung, sie ist verfassungswidrig, der Verfassungsgerichtshof »nutzte sie aufheben, aber gemacht »vurde sie, und die Gemeinde Wien, insbesondre der Stadtsenat,, ist blamiert. Der Gemeinderat wäscht seine Hände in Unschuld, er w»»rde ja nicht gefragt. Der Bürgermeister als Landeshauptmann erließ die Wohnungsanforderungsverordnung vom 31. März 1921. Für jeden Juristen, der diese Materie des Wohnungsrechtes nur einigermaßen kennt, war es von vornherein klar, daß die generellen Anforderungen und die Anforderungen der Geschäftslokale unbedingt gesetzwidrig sind und daß es nur einer Beschtverde beim Verfassungsg^richtshos bedarf, um jene generelle Anforderung hinweAnfegen. Aber wer sraqt da viel?! Die Atehrheit tvar da»»»it einverstanden, die Mehrheit hat i»»uner recht, also »vurde die Sache gemacht, und Zehnrausende, darunter zahllose arrr»e .Juden, besonders Kriegsflüchtlinge, si»»d vogelfrei erklärt. Oder ein Beispiel allerjüngsten Dat»»ms! Man hat uns einen Enttvurf der Novelle betreffend die Einhebung einer Wertzuwachsabgabe von Liege»»schaste»r z»»gestellt. Ich WÄ nicht verhehlen, daß der Entw»»rf manche Vorzüge, aufweist, er hat aber auch zahlreiche schwere M ä n g e l, die auf die Ueberhebung der Verfasser »Iber die bestehenden Staats- und PundeZgesetze -znrückgehen. Abgesehe»» von Kleinigkeite»» sei hier nur die ungeheuer »vichtige Frage des Recht es der Gemeinde z u»n Ei ntritt in Kausverträge er»oähnt. Diese Bestnnmung ändert -Vorschriften des allge»»»einen bürgerlichen Gesetzbuches,'des Grundbuchsgesetzes »md mehrere anderer Staatsgesetze und ftM sich so -an, als obnach nnserer Ber- ' fass»tt»g das La»»d Wie»» »virklich »nachen konnte, was es allein wünscht. Landrecht bricht Reichsrecht! Das ist stark! Ich will heute nicht weitläufig sein, behalte unsere Stellungnahme der Verhandlung des Gesetzes vor u»»d sage nur: die Annahme dieses Vorschlages bezüglich des E i»»ft a n d s r e ch t e s der Gemeinde bede»»tet nicht bloß emeu g e »v a l i i g e n E i n g r i f f i n d i e P r.iv a 1 r e ch t s s p h ä r e, eine Verletzung der Eigentrunsverhältnisse, eine Verwirrung des Grundbuchsstandes, eine Gelegenheit,, gerade die ehrlichsten Merrschen von ftdem Kaufe einer Liegerrschaft dauernd abzuschrecken u»»d die Hasardeure zrr begünstigen, sondern ein herrliches Fressen .für den Versassungsgerichtshos, der dieser Neuerung seine Zustnnmung versagen muß, da sie eine glatte Rechtswidrigkeit, eirre gewalttätige Enteigrurng darstellt. Es ließe sich noch mancherlei über den Enttvurf der Wertzu»vachsnovelle und über andere nackte Getvaltakte unserer sozialdemokratischen Rathausherren sagen. Wir begnügen »»ns damit, die krassesten Fälle anzunageln, »veil wir als die von allen Setten Verfolgten gegen jeden Rechtsbruch Protestieren »uüssen. Von diesem Standpunkt beurteilen »vir auch den vorliegenden Antrag: Die Sportvereine erhalten eine. Verlä»!- gerung ihrer Pächtrechte, wenn sie ans die Begünstigung des Spielplatzgesetzes verzichten. Das ist ein Unsinn, der nicht geringer wird, »venu er in ei»»e»n Beschluß dieses.Ge- »»»einderates »»iedergelegt ist. Ich habe schon betont, der. Antrag und der Beschluß sind gesetztvidrig, »veil sie gege»» zsvingende Nor»nen eines Staatsgesetzes, des.Sp.ielplatzanforderungsgesehes, verstoßen. Dieses bedroht — Redner verliest die einschlägigen Bestimmunge»» — jeder »nit sch»vcrer Strafe, der die Bestinrmungen des Gesetzes vereitelt und UPgeht. Selbstverständlich ist auch jede Vereinbarung, »velche der»» Gesetz »viderspricht, wirkungslos, also auch:der? Verzicht auf däs gesetzliche Anforderurigsrecht »mgüttig. Der Herr Referenthat Glück, daß »vir keine DetMuziante»» enFl. 8tokke, Herrennnä vamenvüselre» lleknen-unck 8tricLivaren, alles ersILtässix unä billigst bei!!., Taborstreßa. .48., Teleiihon 47-1-79 En gros Bn detail.

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