Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1181 (15.5.1922)
- Date
- 1922-05-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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MWk Seite 3 Wien, Montast streichen wird. An hiesigen maßgebenden Stellen legte man deshalb Wert darauf, daß sich Bundeskanzler Schober ehestens nach Genua begibt, da man annahm, daß seine persönliche. Anwesenheit dazu beigetragen hätte, diese Schwierigkeiten zu mildern und die Verhandlungen zu beschleunigen. Doch kann es in Genua bestenfalls in materieller Beziehung zu einer Vereinbarung mit den Staaten der kleinen Entente über die Stundung des G e n e r a l P f a n d r e ch t e S kommen, die dann erst in den entsprechenden parlamentarischen Körperschaften ratifiziert werden muß. Die Zustimmung der Parlamente, vor allem jener von Belgrad und Bukarest, wird dann abhängig sein von der: Konzessionen, die die serbische, beziehungsweise rumänische Negierung bei den Großmächten in der Frage der B e f r e i u n g s s ch u l d e n erreichen. Als Bedingung für eine Stundung der österreichischen Genera^Pfandrechte wird bekanntlich eine Zurückstellung der Zahlung der Liberationstaxe aufden gleichen Zeitraum verlangt. Tie Angelegenheit der Aufhebung des Generalpfandrechtes ist für Oesterreich von um so größerer Bedeutung, als die Besprechungen in Genua in unmittelbaren Zusammenhang mit den Londoner Kreditverhandlungen stehen. SUrigung Mit den Beamten. Der gestrige Ministerrcst bat sich mit der Frage der Veamtensordernngen beschäftigt. Es wurde eine provisorische Einigung erzielt, nach der außer den Indexzahlen, die bisher ans den Novemberbezügen des Jahres 1921 anfgebaut waren, eine einmalige Zuwendung gezahlt wird, wobei besondere Vorkehrungen für Familienväter getroffen werden. Die bezüglichen Gesetzesvorlagen werden dem Nationalrat sofort zugehen. Ueber einzelne Detailfragen wird noch verhandelt. Es darf als ein Erfolg der Regierung betrachtet werden, daß die Ueberstundenzahlungeu von jetzt an unterbleiben. Exkaiserin Zita. Wie der Budapestec Korrespondenz aus Wien telegraphiert wird', sind Professor Dr. Peham und die Hebamme Kral auf telegraphische Aufforderung nach Madrid gereist, wo die Entbindung der Exkaiserin be- Vorsicht. Die Not der Presse. In der gestern vom Vizepräsidenten Dr. Heger geleiteten Generalversammlung des „Zentralvereines der Zeitungsunternehmungen" wurde der vom Schriftführer Karl Junker verlesene Tätigkeitsbericht mit großem Beifall und der vom Schatzmeister Sachs erstattete Kassenbericht genehmigend zur Kenntnis genommen. Großes Interesse erweckten die ausführlichen Referate des Direktors Kutscher« über die I n s er a t e » ft e u e r und des Präsidenten der Vereinigung KommerzfätÄtes B o §* Bauer über die große Not der österreichischen Presse überhaupt. Eine außerordentlich große Anzahl von Zeitungen und- Zeitschriften hat bereits das Erschein nen emstellen müssen, fast ebenso viele Kämpfen Mrklich den letzten. Kampf. Die Generalversammlung nahm Wer auch einstimmig entsprechende Resolutionen an, in denen'einerseits scharf gegen die I n s e r a t e n st en e r Stellung genommen, andererseits eine nachhaltige Unterstützung und Hilfe für die Presse seüens der Regierung gefordert wurde. Tagesbericht. Ein Geisterbeschwörer in Wien. Strafverfahren gegen einen Hypnotiseur und Quacksalber. Die Polizeikorrespondenz berichtet: Gegen den Masseur und früheren Mechaniker Karl Kraus, der schon wiederholt die Behörden beschäftigt hat, und seit Jahren als Telepath, Spiritist und elektromanueller Heilkünstler sein Unwesen treibt, ist jetzt wieder das Strafverfahren eingeleitet worden. Kraus will in seiner Jugend selbst Medium bei einem Dr. Nuchlicke gewesen sein, der dank Nach Amerika auswanderte. Ursprünglich Mechaniker von Beruf, kam er dann auf die Idee, sich selbst mit spiritistischen telepathischen Versuchen zu befassen. Schoil seit zwanzig Jahren veranstaltete er hypnotische und telepathische Seancen und erhielt auch zeitweilig die Erlaubnis zu Vorträgen. Wiederholt aber hat sein Gebaren bei Behörden und Privaten Anstoß erregt, zumal Gefahr bestand, daß durch die Versuche die körperliche Sicherheit der Teilnehmer gefährdet werden könnte. Jnl Oktober 1919 war er angeklagt, die Uebertretung gegen die körperliche Sicherheit dadurch begangen zu haben, daß er durch Monate hypnotische Vorstellungen veranstaltete und bie Beschwörung von „Geistern" betrieb. Es hieß, daß sein damaliges Medium während der Seancen wiederholt von Uebelkeiten befallen worden ist. Bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht wurd^KNus freigesprocheu, da die Zeuginnen' zu seinen Gunsten aussagten. Noch im Dezember 1919 veranstaltete Kraus wieder hypnotische, suggestive und pathologische Sitzungen und suchte um die Erlaubnis arl, öffentliche Aufführungen abzuhälten; er wurde aber äbgewiesen. In den Jahren 1920 bis 1921 war Fräulein Karoline Steilringer sein Medium. Es ist dies das Medium „Megalis", das jetzt dem Telepathen Dr. Thoma als Medium dient, Kraus behauptet, daß Dr. Thoma ihm „Megalis" weggelockt hat. Er war gezwungen, sich ein neues Medinnt;u suchen, das er in der Schneidermeistersgattin Marie Bollarth farid. Kraus befaßte sich dann daunt, mit Hilfe eines Mediums Allgehörigen von .Personen, die . in Wiener MorgcnzelttinS . Mitteilungen ans dem Publikum. W Beller e. free leep.6reiera.free Wien Bielitz zeigen biemit an, dass die TRAUUNG ihrer Kinder Eriedl m», Ralf Dienstag den 16. Mai 1922, um halb 4 Uhr nachmittags im Pazmanitentempel in Wien, II., Pazmanitengasse, statiiindot und laden alle Freunde und Bekannte aufs heimlichste ein, Wien-Bielitz, im Mai 1922 _ der Kriegsgefangenschaft weilten, durch Hellseherei Mitteilungen über den Aufenthalt und den Zustand der betreffenden Person zu machen. Für alle Klienten war eine Taxe vörgeschrieben. In einer Anzeige gegen Kraus war behauptet, daß er hysterische Personen in somnabulen Zustand versetzte und ihre Traumhälluzinationen als spiritistische Geistermanifestationen erkläre. Seine Medien gaben dann nach Art des pythischen- Orakels Weissagungen von sich. In der letzten Zeit wurde dem Sicherheitsbureau' angezeigt, daß Kraus auch Kurpfuscherei betreibe. Frau Bollarth annoncierte in Zeitungen, daß sie das einzige hellsehende Medium sei und Auskunft und Rat. in allen Lebenslagen gebe, die. Charakter, Ehe, Beruf, Krankheit betreffen. Sie erbot sich, auch Einbrüche und Diebstähle aufzuklären. Die Taxe betrug 250 österr. Kronen. Auf einem Prospekt, der die Stampiglie „El ek trank au u alle Behandlung Karl Kraus" und zwei Hände, von bereu Fingern elektrische Emanationen ausstrahlen, trägt, verspricht Kraus all denen, die verzagt sind und au endgültiger Heilung zweifeln, Gesundung. Sie müßten sich zu dem Zwecke seiner Spezialbehandlung unterziehen, die zu ihrem Segen sein werde. Er hat auch in der letzten Zeit mit seinem neuen Medium durch allerlei Hokuspokus Auskünfte, zumeist in Familienangelegenheiten, erteilt und sich dafür 600 bis 1000 Kronen zahlen lassen. Direktor Reubroch in der AirglobaM. Wie wir erfahren, ify zwischen der Verwaltung der. Anglobank und Kirektot-Ne'ü.broch eine Vereinbarung, erfolgt, Wch'''E'DirektEMlbroch als Direktor in die Le t iTti g der A n gl o b a n k eintritt. An seine Stelle in der Verwaltung tritt. Generaldirektor Egger. Direktor Neubroch wird im Herbst seine neue Stellung antreten. * Todesfall. Gestern ist hier der pensionierte Schulmspektor Hosrat Dr.. Karl R i e g e r im 78. Lebensjahre einem Schlaganfall erlegen. Das Leichenbegängnis sinoet Dienstag nachmittags auf dem Baumgartner Friedhofe statt. * Keine Verstaatlichung des Bades Pystian. Die Korrespondenz Herzog meldet aus Pysticm:, Die Nachrichten der Prager Blatter, wonach das Bad Pystian verstaatlicht^ werden soll, werden von Seite der hiesigen Kurverwaltung auf das entschiedenst-e bestritten. * Entführung einer Tänzerin. Die Schauspielerin Philomena Weber hat gestern dem Polizeikommissariat Rudolssbeim die Anzeige erstattet, daß ihre Tochter Friederike, eme 16jährige Tänzerin, verschwunden sei und wahrscheinlich ente wurde. Das blutjunge Mädchen hatte die Absicht,^ein gement anzutreten und sich deshalb in die Tschecho-Slowakei zu begeben. Sie hatte sich auch schon einen Reisepaß beschafft. Am 7. d. entfernte sie sich aus der Wohnung der Mutter und kam nicht mehr zurück. Frau Weber glaubt, daß sie von dem Schauspieler Oskar Schmidt aus Prag entführt worden ist. * Großer Einbruch in Pretzburg. Ln Preßburg wurde geltem zwischen öc^i und fünf Uhr nachmittags dis Wohnung des Möbelsabukanlen Loses Müller erdrochen. Gesto!, >i wurde Sd muckt im Gesamtwerte van 40.000 tschechischen Kronen und 60.000 tichechische Kronen, bar. Man vermutet, dich der Täter aus Wien gekommen ist. kreis jüüiseZre Volksbühne Gastspiel ln der Roland*BUhne 4280 Heute il i cnSn Schauspiel in 4 Akten Uhr abends: J vUvlll Svllfl VJvll von David Pins kl Der HtzASarzt. Redigiert tont Dr. Sanel Beer. Der Geruch des Menschen. Der Geruchssinn hat seinen Sitz in einem Teil der die - Nasenhöhlen auskleidenden Schleimhaut, wo sich die Riechzellen befinden. Auch die Nasemnuscheln, die die wagrecht gelegenen Nasengänge bilden, sind an dem Riechakt beteiligt. Zum Zustandekommen der Riechempfindung bedarf es nicht allein einer gesunden Nasenschleimhaut, sondern auch einer entsprechenden Fortleitung durch den Sinnesnerv in das . Gehirn, Es ist somit klar, daß die verschiedenen Er-' krankungen der Nase das Geruchsorgan stark beeist-, trächtigen, ebenso, daß bei nervösen Erkrankungen die Ge-. ruchsempfindung im Hirnteil unterbrochen sein kann. Wenn man von den krankhaften Zuständen äbsieht, so spielt das Geruchsorgan beim Menschen keine so be-. deutende Nolle wie die anderen Sinneswahrnehmungen.. Der Ausfall des Gesichts- oder Gehörsinnes ist von viel weittragender Bedeutung für das Schicksal des Individuums. Der Geruchssinn ist beim Menschen tatsächlich 15. Mai 192? Nr. 1.181 stark vernachlässigt. Und doch wäre dessen Ausbildung und Verfeinerung notwendig, er wäre für viele Menschen ein Warner vor vielerlei Gefahren, wie es beim Tiere ist, deffen Geruchswahrnehmung besonders empfindlich ist. In allen Zeiten hat' eS Menschen gegeben, deren Gernchsempfmdung besonders fein war. Hauptsächlich waren! cS die älteren Aerzte, die den Geruch für ihre Zwecke auszunützen lernten, und für die Stellung der Diagnose der« wendeten. Die neueren und verfeinerten Methoden machtest es ganz überflüssig, daß der Arzt sich auf sein Gernchsorgan verlasse. Daß jeder Mensch seinen eigenartigen Geruch hat, das erweist die Tatsache, daß jeder Hund seinen Herrn riecht. Manche Forscher nehmen ja selbst einen spezifischen Völker- und Rasseneigengeruch an. Bei tiefer stehenden Völkern soll der Geruch besser ausgebildet sein. Durch Hebung kann er verfeinert werden. Hat nun schon ein gesunder Mensch einen eigenen Geruch, so ist doch sehr naheliegend, daß er sich ebenso beim kranken Menschen findet. Tatsächlich war eine Reihe von alten Aerzten besonders darin geübt, an dem vom Kranken ausstrahlendcn Geruch, zwei Tage vor Erscheinen des Ausschlages festzuftellen, ob die bevorstehende Infektionskrankheit Masern, Rötel oder Scharlach werden wird. Die darin geübten Aerzte beschrieben den jeder Krankheit eigenartigen Geruch. ' Bei den Mitteilungen über die verschiedenen Gerüche ist nicht immer klar auseinandergehalten, ob der betreffende Geruch mit oder ohne Schweiß auftritt. Denn zersetzter Schweiß riecht selbst tviderlich. Jeder kennt den in den Achselhöhlen oder zwischen anderen Hautfalten infolge Beimengung von Fettsäuren sich bildenden unangenehmen Schweiß. Wenn auch von den heutigen Aerzten die Angaben älterer Heilkünstler über die Riechbarkeit fast aller Krankheiten im allgemeinen bezweifelt werden,. so ist auch der jetzigen Aerztegeneration der eigenartige, an Aepfel inahnende Acetongeruch aus dem Munde der Zuckerkranken oder der fade Geruch der Atemluft bei Magendarmstörnng gut bekannt. Der Geruch aus dem Munde geht entweder von kariösen, faulenden Zähnen oder von den in den Lücken der Mandeln zerfetzten Speiseresten, sogenannten Mandelpsröpfen ans. Die Franzosen nennen die Ozaena (die Stinknase) nach dem vorherrschenden wanzenartigrn Gerüche, Punaise (Wanze). Bei den verschiedensten Zuständen des Weibes, kann das Geruchsorgan dem Arzte zu Hilfe kommen. Ueber eigenartige Ausdünstungen der Haut und ans dem Munde bei Frauen während der Menstruation (monatlichen Blutung) gibt es mannigfache Mitteilungen. Selbst ein wenig geübtes Geruchsorgan vermag ein am Geschlechtsapparat infolge Penettamen Ausflusses krankes Weib zu erkennen! Gut studiert ist von den Aerzten besonders das nach einer Geburt durch mehrere Wochen sich einstellende Lochialsekret. Geradezu ekelerregend kann der Geruch des Sekretes bei fortgeschrittenem Gebärmutierkrebs werden. Man ersieht daraus, daß jeder übelriechende Ausfluß bei einer Frau krankhaft ist und behandelt werden soll. Leider sündigen selbst sehr reinliche Frauen in dieser Hinsicht sehr viel und vernachlässigen oft lange Zeit ihren Zustand'. Der Mensch soll ferner vor dem Hinscheiden einen nicht näher zu beschreibenden Toiengeruch wahrnehmen laffen. Der Farbe und dem Geruch des Harns haben die Laien schon stets besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Aus dem Aussehen des Urins haben die älteren Aerzte, die die chemische Analyse des Harns noch nicht kannten, manche treffliche Diagnose gemacht. Farbe und Geruch des Harns Und des Kotes hängen in erster Linie von den genossenen Speisen ab. Zersetzter Harn hat ammoniakalischen Geruch. Auch medikamentöse Einnahmen beeinflussen den Harngeruch. So riecht der Harn nach Terpentinöl wie Veilchen. Der Geruch des Kotes ist bei langer Verweildauer und hei Fleischgenuß intensiver. Bekamst ist allgemein der Knoblauchgeruch der Atemlust bei Arsengebrauch. In der gerichtlichen Medizin spielt bei Vergiftungen der Geruch des Mageninhaltes eine bederrtende Rolle. Das Gehirn riecht bei Sekstonen nach ^Kampfer, wenn dem Patienten vor dem Tode dieses Medikament injiziert wurde. Dem Geruchssinn kommt somit für die Diagnose von Krankheiten eine große Bedeutung zu, doch ist diese Kunst in letzter Zeit durch andere moderne Hilfsmittel vernachlässigt worden und fast in Vergessenhett geraten. Eine Verfeinerung der Geruchswahrnehmungen wäre aber nicht nur für den Arzt notwendig, sondern alle Kulturmenschen sollten an der Fortbildung der verkümmerten Geruchsempfindungen Mitarbeiten. AerzMcher Fnagekaften. Leosa. 1. Sie müßten angeben,' wo der übermäßig« Haarwuchs sich findet. 2. Das angegebene Mittel ist uns unbekannt. — E. S. Feuermäler lassen sich, wenn sie nicht zu groß sind, entfernen. Ueber die Ursache der Entstehung ist nichts bekannt. — N. L. Lassen Sie sich vom Arzte eine Präzipitat- und Wermutsalbe verschreiben. — Dankbar. Entweder die unter R. 8. angegebene Salbe oder Betupfest mit Wasserstoffsuperoxyd. — Besorgter Leser. Lassen Sie den Dingen, freien Lauf, beobachten Sie sich nicht so intensiv« ~~ Klumpfuß. Es läßt sich diese Mißbildung bis zu einem gewissen Grade durch eine orthopädische Operation korrigieren. — Oeaena. Die neueste Behandlung wird mit äbgetöteten Bakterien durchgeführt. — Kosak. Die Leisteubruchoperation beim Kinde sollte nach dem ersten Lebensjahr vollzogen werden. — Nhachitis. Das beste Mittel dagegen ist Luft, Licht, Lebertran,