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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-15 · Heft 1181 (15.5.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1181 (15.5.1922)
Date
1922-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer sc SO Wien: Zum Abholen in der Expedition, I!.',Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatlich K 1700 Mit Postversand für Wien. u. Oesterreich monatl. K 170U Tisch echo-Slowak ei; Mon. K20. Ungern: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. P o 1 c n: Mon. Mark 700. Deutschland: Mon. Mark 45. Frankreich: Monatlich Frcs. 6 lenrr Tffldhoeh© » Slowakei' LLLkErk?. K H Italien: Monat!. 6. Lire Rumänien; Mon. 40. Lej Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: ,Morgenzeitun«-‘, Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 1181 Wien, Montkg, 15. Mai 1922 4. Jahrgang AG M« — ßssg. Genua, 16. Mar. (Tel.-Komp.) Die Konferenz der europäischen Staaten hat gestern mit den Besprechungen der Ententemächte ihr Ende gefunden. Die Alliierten haben beschlossen, der heutigen Moutagsfitzung der Unterlomrmssion vorzuschlagen, das; die in Genna vertretenen Mächte m i t A u s n a h m e derDeutschen spätestens bis zum 16. Juni ihre Vertreter nach dem Haag entsenden, die sich dort zunächst darüber einigen sollen, welche Mächte an den späteren Verhandlungen mit den Russen teilnehmen sollen. Der Sitz der Konferenz soll der Friedenspal a ft im Haag sein. Zunächst sott o h n e Z U z i e h int g der Russen ein Weg zur Lösung gesucht werden, woraus diese zu einer gemeinsamen Besprechung eingeladen werden sollen. ES ist vorgesehen^ das; die im Haag versammelten Experten drei Uuterkommissionen bilden, und zwar für die Fragen des Eigentums, der Kredite und der Schulden. Die Konferenz vor dem.Ende. Genua, 16. Mai. (Intel.) Tschitscherin hat gestern abends an Schanzer eine Note gerichtet, die auf die Nachrichten Bezug nimmt, wonach eine Kommission eingesetzt werden soll, an der die Vertreter Rußlands zunächst nicht teilnehmen sollen und wonach sich die auf der Konferenz von Genua vertretenen Staaten verpflichten, so lange kein Sonderabkommen mit Rußland zu schließen, bis die Arbeiten der Kommission nicht beendet sind. In der Note wird erklärt, daß diese Beschlüsse für Rußland absolut unannehmbar seien. Diese werden, statt die Verständigung. zu erleichtern, nur dazu führen, die zivischeu den Mächten und Rußland durch die Konferenz angebahnte Anüäheruug wieder aufzuheben und die früheren schädlichen'. Verhältnisse wieder herzustesten. Der , Ausschluß Rußlands von den Arbeiten der Kommission würde ihr jeden objektiven Charakter nehmen, ebenso, jede nwralische Autorität nicht nur in den Augen des russischen Volkes, sondern auch der öffentlichen Meinung Europas. Was den Beschluß betreffe, daß sich die Mächte verpflichten, vorläufig kein Separatabkommen mit Rußland zu treffen, so stelle dieser Beschluß, wenn er auch nur bezüglich der politischen Verträge gelten solle, eure neue maskierte Blockade des russischen Volkes dar, das in diesem Beschluß nur eine neue Art der Feindseligkeit gegen seine politische Existenz und seine Lebensinteressen sehen müßte. Im übrigen stehe dieser Beschluß iy Widerspruch zu dem Punkte des Uebereinkommens, der den Konferenz-- ' möchten jede Art der Feindseligkeit untereinander verbietet, da dieser Beschluß tatsächlich nur die Erneuerung der feindseligen Politik gegen Rußland bedeuten würde. Von dem Gefühl der Achtung für die Konserenz^von Genua durchdrungen, halte es die russische Delegation für ihre Pflicht, die unverzügliche Einberufung der politischen Untcrkommission zu fordern, damit die Delegation dort ihre Vorschläge betreffend die Bildung der gemischten Kommission klarlegeu und..erläutern könnte. Die Einberufung ' dieser Kommission würde allen Mächten die Möglichkeit geben, eine klare Stellung gegenüber dem -russischen Vorschläge einznnehmen. '; Einsetzung mu ExpertLsrkVmmWsrL-ett. Genua, 13 Mai. (Stefani. Offiziell.) Heute um 5 Uhr 30 Min. nachmittags versammelten sich unter dem Vorsitz des Präsidenten Facta neuerlich die Vertreter der einladend e n M ä ch t e, ferner Pole n s,- Rumäniens, Schwedens und der Schweiz, im Palazzo Reale, um die Beratung über die durch die russische Antwort aus das Memorandum vom 2. Mai geschaffene Lage wieder aufzunehmen. Lloyd George und Bartyou teilten mit, daß sie sich über den Grundsatz der Fortsetzung der Beratungen mit den Russen auf dem Wege einer oder mehrerer Exp ertenkömmissionen geeinigt haben und daß sie die lebhafte Hoffnung hegten, daß man bezüglich des Zeitpunktes des Zusammentrittes und des Sitzes' dieser Kommission sowie bezüglich des Fciedensgarantievertrages zu denselben günstigen Ergebnissen gelangen werde. Die Versammlung sprach sich z u g u n st e n des englischen B o r s ch l a g e s ans, wonach der Zeitpunkt und der Ort des ZustmimentriLies der Experten in Genua bestimmt werden sollen. Hierauf vertagte sich die Versammlung auf Montag 10 Uhr. 30 Min. vormittags. In der Zwischenzeit werden .Lloyd George und Barthou ihre Besprechungen fortsetzen, um zu einem vollständigen Einvernehmen zu gelangen. PoLKisch-italierrischer Handelsvertrag. Genua, 16. Mär. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Gestern wurde in Genua der italienisch-polnische Handelsvertrag abgeschlossen, der auf der Meistbegünstigunasllaüsel beruht.' Morgan koMMt. New Kork, 13. Mai. (Wolfs.) Gestern haben sich Pierpont Morgan und Otto H. K a h a u e auf dem Dampfer „Olympie" nach Frankreich eingeschifft. Der PrLroLerrMkrieg. . Gerrf, 14. Mai. (Wolfs.) Die Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages bezüglich. Oberschlesiens wird morgen im Generalsekratiat des Völkerbundes in öffentlicher Sitzung unter dem Vorsitz Calonders in feierlicher Forn: vollzogen werden. Die Ratifikation durch die Parlamente soll bis zum 27. d. erfolgen, worauf in Oppeln der Austausch der Ratifikationsurkunden stattfinden wird. Paris, 14. Mai. (Wolff.) „Oeuvre" meldet aus Genua, daß gestern zwischen der englisch-holländischen Petroleum-Gesellschaft und den Vertretern der Sowjetregierung ein Abkommen unterzeichnet worden sei, wonach diese Gruppe der russischen Regierung einen ziemlich hohen Vorschuß in Goldrubeln gewähre. Man spricht von 100 Millionen. Stockholm, 14, Mar. (Wolff.) Der Generaldirektor der Nobel-Gesellschaft erklärt, daß die. Pressemeldungen über den angeblichen Verkauf eines Teiles der Aktien derGesellschaft an die Standard Oil C o m p a n y unrichtig seien. Kein Teildiess,^. trotz per' Nationalisierung als ihren rechtmäßigen. Besitz betrachte, sei vertäust worden/ > Der FiuMe-Skandal. Belgrad, 14. Mär. (Avala.) Zanella hat sich an die jugoslawische Regierung mit der Bitte gewendet, ihn bei seiner Demarche zu unterstützen, womit er zur Untersuchung der Fiiuncner Angelegenheit die Entsendung einer internationalen Kommission erbittet. . Die jugoslaWLsche DsLarauleihe. Belgrad, 14. Mai. (Wolfs.) In den Verhandlungen über den Abschluß einer Anleihe sind gewisse Schwierigkeiten aufgetaucht, da die amerikanische Bankengruppe weder in der Frage der Garantien noch in jener der Lieferung ° von Eisenbahnmaterial den von der Regierung ausgestellten Forderungen bisher entgegengekommen ist. Cholera in fcer Ukraine.. Moskau, 14. Mai. (Wolfs.) Der in Tschernigow eingetrosftue Kommissär für Gesundheitswesen Gurew i t s ch teilt mit, daß die Zahl der Choleraerkrankungen in der Ukraine erschreckend sei und außerordentliche Maßnahmen erfordere. Vom 1. Jänner bis 10. April sind j in der Ukraine 1175 Choleraerkrankungen verzeichnet worj den. Die Cholera ist von den nach den brotreichen Gegenden wandernden Hungernden in die Ukraine eingeschleppt worden. . Alldeutscher Fahnearadau. München, 14. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenztg?) Heute nachts haben zwei Akademiker, Hakenkreuzler, die 'aus dem Hauptbahnhof gehißte schwarz-rot-gold. Fahne herabgeholt, in den Kot gezerrt und verbrannt. Hiezu sangen sie „Deutschland, Deutschland über alles". Herbeigeströmte Leute verprügelten die beiden Demonstrauten. EiuigvM zwHÄ-err Veniselss mh - \ " Konstantin - Paris, 15. Mai. T(el.-Komp.) lieber einen eventuellen türkisch-griechischen Friedensschlnß und die Lage in Kleinasien schreibt die „Aetion francaise": Die Griechen sind weit entfernt, Kleinasien zu räumen. Griechische Offiziere haben erklärt,. Griechenland werde niemals S m yrna r änm e n. Es wird das Gerücht verzeichnet, wonach B e n iz e l o s sich mit König Konstantin wieder geeinigt habe, um eine nationale Realpolitik zu treiben. Es scheint, daß größere Geldbeträgedie durch reiche Auslandgriechen zur Verfügung gestellt wurden, sowie Waffen und Material nach Smyrna unterwegs sind.. - Keim Streik der AngestEMerr der Kultusgemeinde Wie«. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Verlautbari: ' ' Ter von den Angestellten der Kultusgemeinde für heute arrgedrohte Streik unterbleib!, da die gestern nachmittags zwischen den Vertretern des Kuliusvorstandes und den Angestellten gepflogenen Verhandlungen zu einer Einigung gcsührt haben. Zum Zwecke der BerichterstMtuug und dringender Beschlußfassungen beruft der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde für heute den 1 6. d., h alb 8 U h x abend sin den Sitzungssaal der Kulinsgemeinde, 1. Bez., Seitensiettengasse 4, eine Vollversammlung sämtlicher Bezirkskommissionen ein, zu welcher mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit besondere Einladungen nicht versendet werden konnten. Nach harten Mühen ist es dem Vorstand nunmehr doch ge* Jungen, . die durch die Streikdrohung der Angestellten entstandene Gefahr für die Kultusgemeinde zu bannen. Es muß jedoch festgestellt werden, daß sich die Vereinbarung einzig und allein ans jene Grundsätze stützt, welche vom Präsidium der Kultusgemeinde den Vertretern der Angestellten bereits vor zehn Tagen bekanntgegebcn wurden. Die Vereinbarung lautet: Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde erklärt sich bereit, ohne diesbezüglich irgendeine rechtliche Verpflichtung auf sich nehmen zu können, die Bezüge der Angestellte'.: der Kultusgemeinde nach Zulässigkeit der hierfür verfügbaren Mittel den Bezügen der Angestellten der Gemeinde Wien gleichzusiellen. Die zu wählende paritätische Kommission wird ermächtigt, die hierfür zweckdienlichen Vorschläge sowie Anträge wegen Regelung der Pensionsbezügo unter Zuziehung eines Mitgliedes der Leitung des Bundes öffentlicher Angestellten - — des letzteren mit beratender Stimme — zu erstatten. . ~ Wien, 14. Mai 19M. “ - Es war sohin ganz, unnötig,, die Gemeiudeangehörigen, die Angestelltenschaft und^^W^Kültusvorstand durch unerfüllbare Forderungen so lange Zeit in Aufregung zu halten und die Gemeinde in eine Situation zu bringen, welche im Zusammenhang mit der finanziellen Lage für sie nur verderblich sein kaun. Nach dem Ergebnis der Verhandlungen kann nicht verschwiegen werden, daß dieses Verhalten den Führern.der Angestelltenschaft zum schweren Vorwurf gereicht. Gestempelte Krone ----- -—.0387 Centimes. Auszahlung Wien — —.0575 Centimes. Sn Zürich notierte die österreichische Krone . . —.0575 (—.0575 am 13. Mai) die öjterr. gerempelte Krone . —.0587 (—.0587 am 13. Mai) die Ischechische Krone . . . . 10.- (10.— am 13. Mai) die Mark.. . 1.81 ( 1.80 am 13. Mai) Agram. 1.87 ( 1.90 am 13. Mai) Bukarest ......... (—.— am 13. Mai) Budapest.. -.67 (-.67 am 13. Mai) Warschau ........ —.13 (-.13 am 13. Mai) Oesterreich mh der VAKerÄrmD. Kein Finanzbeirat. Gens, 13. Mai. (Wolfs.) Der Völkerbundsrat trat heute nachmittags in öffentlicher Sitzung tu die Verhandlung zahlreicher Danziger Angelegenheiten ein und genehmigte die gestern durch Genera! Haking vcrgenommene Inkraftsetzung der D a n z i g e r Berfas s u n a. Danzigs selbständiges Recht zur Ausweisung polnischer Staatsangehöriger wurde anerkannt, wenn die Auszuweisenden dem Staate schädlich sind. Der Rat genehmigte ferner den Bericht des Finanzausschusses von: 18. April über den finanziellen Wiederaufbau Oesterreichs und nahm Kenntnis von der Erklärung der österreichischen Regierung aus der letzten Tagung dieses Ausschusses, wonach sie aus innerpolitischen Gründen. im Augenblick die Ernennung eines Finanzbeirates nicht als geeignet erachtet. Der Rat billigte den Beschluß des Finanzausschusses, unter diesen Umständen-aus die Ernennung eines Finanzbeirates zu verzichten. Die Aufhebung der General-pfandrechte. Die in den letzten Tagen eingetroffenen Meldungen lassen erkennen, daß sich in der Frage der Aushebung der Generalpfandrechte neue Schwierigkeiten formaler Natur ergeben haben unb daß trotz der dem Bundeskanzler bereits mündlich gegebenen Zusagen bis zur endgültigen Erledi- I gung der ganzen Angelegenheit noch geraume Zeit der- I! I! -I .4'

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