Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1180 (14.5.1922)
- Date
- 1922-05-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 1180 Wien, Sonntag_• Wiener Morgenzeitung Letzte Nachrichten. Entspannung in Genna. Englisch-französische Annäherung. Genua, 13. Mai. Die Unterredung Barthous und Lsohd Georges, die um halb 4 Uhr nachmittags begann und bis kurz vor 6 Uhr dauerte, hat eine Entspannung herbeigeführt. Man hofft, daß es gelingen werde, ein volles Uebereinkommen zu erzielen. Insbesondere'.ist hervorzuheben, daß die Behandlung der russischen Krage nicht abgebrochen, sondern in einer Kommission weiterrgeführt wird. Diese Konferenz wird zwar nicht in Genua stattfinden, aber sie wird, wie Barthou in seiner Rede ausführte, doch das Werk Genuas sein. Die Führer der englischen und der französischen Delegation sind dahin «einig geworden, daß erstens eine oder mehrere Kommissionen zur Prüfung der russischen Frage eingesetzt werden sollen, und zweitens dies in Genua geschehen solle. Ungewiß bleibt noch das Datum der Tagung der Kommissionen und der Ort des Zusammentrittes. Darüber wird am Montag entschieden werden. Ferner kann heute schon als sicher angesehen werden, daß die Konferenz auch noch den aus die O st g r e n z e n gegen Rußland beschränkten Friedenspakt zustande bringen wird. Der Vertreter Japans, Jöhil, richtete einen Appell, an die Versammelten, man solle die Arbeiten von Genua nicht aufgeben. Bundesrat M o t t a sagte, die russische Antwortnote sei von einer fanatischen Weltanschauung diktiert. Barthou sprach die Hoffnung aus, daß auch in den noch offenen Punkten volle Uebereinstimmung werde erzielt werden. Int« territorialer Velan ..Renaissance“ (Erdtracht) Jakob Poljeskin Träumer und Kämpfer Stiahym Sakolow , Der neue Jude 6357 Zwei einzigartige palästinensische Volksbücher! I | Verlanget in allen Buchhandlungen! | Das hohe Lied Sa föt vorgetrazen von LM ROSEM JEDilj ©ll mit Orgeln 6366 gesungen von David Jaroslawskij Dienstag den 16. Mai 1922, im Grossen Konzerthaussaal Einzelne Karton an der Konzerthauskasse | 1,464.750 K.. XI. Bezirk: 447.331 §., XII. Bezirk : 968.583 K.. XIII. Bezirk: 1,563.251 XIV. Bezirk: 811.339 K.. XV. Bezirk- 755.675 K.. XVI. Bezirk : 1,369.310 K.. XVII. Bezirk: 898,115 XVIII. Bezirk: 1,041,057 K.i XIX. Bezirk: 1,219.295 K., XX. Bezirk: 855.332 &,\ XXI. Bezirk: 1,318.770 K.. zusammen 26*4 Millionen Kronen.; Lloyd George drückte seine Freude über den erzielten Meinungsausgleich aus. Auf den Antrag Bratianus, daß die Regierungen die Experten ernennen sollen, übergehend, sagte Lloyd George, es sei notwendig, daß 1. sofort der Ort bestimmt werde, wo die Expertenkommission über die russischen Angelegenheiten tagen soll, 2. sei es wichtig, daß alle Mächtr mit Rußland einen Vertrag auf Gegenseitigkeit schließen, und 3. sei ein Uebereinkommen zu tressen, daß die Kommission zwar nicht in Genua ernannt werde, aber doch als von Genua ausgehend zu betrachten sei. Skirmunt erklärte, Polen wolle in der Subkommission vertreten sein, weil es wünschte, daß sein Vertrag mit Rußland in den allgemeinen Vertrag der Mächte mit Rußland übergehe. Ja spar sprach den Wunsch aus, daß das Uebercinkommen über die Expertenkommission zustande komme, nud erklärte, er hoffe, daß niemand in Belgien ein Hindernis für eine erfolgreiche Lösung dieser Frage erblicken werde. S ch a n z e r regte au, die Arbeitsdauer der Expertenkommission mit drei Monaten zu begrenzen. Hierauf unterstützte Professor Unden (Schweden) den Vorschlag Lloyd Georges. , Damit war um 8 Uhr die denkwürdige Sitzung geschlossen. Die anwesenden Journalisten bereiteten Lloyd George bei seiner Abfahrt eine lebhafte Ovation, die er fröhlich winkend cntgegeunahm. Dienstag - Schluß. Man glaubt demnach, daß die feierliche Schlußsitzung schon am Dienstag werde stattfinden können. Die Unterredungen zwischen Lloyd George und Barthou werden morgen vormittags fortgesetzt und die nächste Sitzung der Unterkommission findet dann Montag um halb 11 Uhr vormittags statt. * Jüdische Kriegsflüchtlinge ans Galizien, welche in ihre Heimat znrückkehren wollen, mögen, sich mit Personaldokumente n und Photographien (je zwei Stück pro Person) um 1., 16., 17., 18. und 19. d. in der Zeit Zwischen 9 und 11 Uhr vormittags im Bureau des zionistischen Landeskomitees, 2. Bez., Taborstraße 20 a, Zimmer 8 (Delegatton des Jüidschcn Äati» nalrates für 'Ostgalizien), melden. "Einschreibungen in die jüdischen Volksschulen, n) Iü- , dijche Volksschule, 2. Bez., Castellezgasse 3f>. Täglich — mit Ausnahme der Samstage — von 12 bis halb 1 Uhr mittags Aufnahme von Schülern und Schülerinnen in die erste und zweite Klasse, b) Jüdische Volksschule, 20. Bez., Denisgasse Nr 33. Täglich — mit Ausnahme der Samstage — von Ah dis 1 Uhr mittags Aufnahme von Schülern und" Schülerinnen in die erste, zweite und dritte Klasse. * Der Kommandant des italienischen Torpedobootes 69 im Rathause. Der Kommandant des italienischen Torpedobootes 69, Clav. Rino Matteucci erschien gestern in Begleitung des italienischen Miitärattaches im Rathause, um Bürgermeister Reumann für die Ermöglichung des Anlegens des.Torpedoschiffes im Donaukanal zu danken. Das Torpedoboot kommt vom Schwarzen Meer und wird in einigen Tagen ' von Wien aus seine Reise donanaufwärts nach Regensburg sortsetzen. * „Das neue Europa." Zürich, Wien, Berlin. Chefredakteur Dr. Paul Cohn. Das April-Mai-Heft enthält unter anderem nachfolgende interessante Beiträge: „Kann es wieder besser werden?" von General Moritz Ausfenberg-Komarow, „Amerika, Oesterreich und der Völkerbund" von Dr. C. Th. Dmnba, „Karl von Habsburg" von Leopold Wölfling, „Zur Konferenz von Genua" von Hetta Gräfin Tceuburg nnd „Die große Täuschung" von Panl Hohenau. Auslieferung durck das Zeitungsbureau Hermann Goldschmidt, Wien, 1. Bez., Wollfette 11. * Das Ergebnis -es Sammeltages» Der am 18. Dezember 1921 durchgesührie allgemeine Sammeltag halte folgendes Ergebnis: l. Bezirk: 2.628.737 K.. 11. Bezirk: 2.305.249 K.. Ul. Bezirk: 2.326.703 K., IV. Bezirk: 984.491 K.. V. Bezirk: 1.215.240 K.. VI. Bezirk: 1,009.761 K.. VII. Bezirk: 1.231.619 K.. Vf». QWrfa» 5QSJCU1 lg. Y. 23*ÜtiU. * Brand int Stettiner Freihafen. Gestern abends brach im StetlinerFreihasen ein Brand aus, der das ganze Gebäude erfaßte. Grotzß Mengen von Flachs und Sctmalz sowie andere Gitter sind verbrannt. Der Schade wird auf mehrere Millionen geschützt. * RLuberwesen in Oberschlesien. Aus Antonienh ü t 1 e wird gemeldet: Zn der vergangenen Nacht hauste eine Räuberäande in Neudorf. Eine große Anzahl von Geschäften wurde geplündert und öie Inhaber ihrer Barschaft beraubt. Die Bande besteht aus mindestens 200 Mann und verfügt über große Vorräle an Munition und Kandgranaten. * Einstellung -er Musik in -en Konzerltokaten. Der Verein der Konzertlokaibesiher hat in einer gestern abgehaltenen Versammlung den Beschluß gefaßt, die Abwehraktion gegen die Abgobepflicht mit der Einstellung der Musik in den gesamten Konzertlokalen Wiens vom Montag an einzuleiten. * Erhöhung des Maximattarifes des PlatzfuhrwerkeS. Der Tarif für das Wiener Platzfuhrwerk ist neuerlich erhöht worden. Er beträgt beim Platzfuyrwerk mit Fahrpeisanzerger (Autotaxis und Einspännern) die sechshundertsache Taxe 2, und zwar auch bei Tag, beim Platzfuhrwerk ohne Fahrpreisanzeiger (Fiaker) 720 Kronen für die ersten zehn, 480 Kronen für je weitere begonnene zehn Minuten und 480 Kronen Gepäckzuschlag. Laxüberschreitungen unterliegen den Strafbestimmungen des Preistreibereigesetzes. * Die Wiedereröffnung von Alland. Dienstag den 16. d. wird die Lungenheilstätte Mand wiedereröffnet. * Die Elbemühlblatter sollen, wie der „Abend" meldet, in den Besitz des Legitimisten Veitschberger übergehen, der sich für deren Ankauf interessiere, nachdem sich das Geschäft mit Stinnes zerschlagen hat. * Der Antodiebstabl in der Mahlerstratze aufgeklärt. Nach fünfwöchigen Bemühungen der Wiener Kriminalpolizei ist es gelungen, das Auto, das am 7. April dem Großindustriellen Hans Bauer, als es einen Moment unbewacht vor dem Pureau des Besitzers in der Mahlerstraße stand, gestohlen worden war nnd bas einen Wert von 20 Millionen Kronen repräsentiert, in Jglau stellig zu machen. Als Anstifter des Diebstahls wurde der Chauffeur dS Bestohlenen der 35jährige Emil Henne, entlarvt. Die Ausführung der Tat fällt dem 30jährigen Schlossergehilfen Emil Benda und dem 24jährigen Bankbeamten Radic zur Last. Sie wurden sämtlich verhaftet. Sie hatten von dem Diebstahl statt Gewinn nur Spesen, da sie den Verkauf des gestohlenen Antos noch nicht wagen konnten. * Persvnalnachrichk. Die Vermahlung -es Fräulein Grete Blau aus Proßnitz mit Kerrn Dr. Fritz Leister aus Bielih findet Dienstag den 16. -. um 11 Uhr vormittags in Proßnitz statt. * Delmnnl billig kaufen Sie gute Herren, und Damenslofje. Etamine. Waschvoile, Chistone und Futterworen nur in der Bestenverkaussgesellschaft, VI., Windmühlgasse 2. * AvchhLn-ler Dr. Max Präger, Wien, 1., Fleischmarkt 1, kaust stets Iuüaica und Kebraica, zionistische und Palästina-Literatur, sowohl einzelne Bücher und Broschüren als auch ganze Bibliotheken. 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Bei jeder Tür leicht anzudringen, schützt dasselbe Ihre Wohnung, Bureau oder Magazin gegen Einbruch. Besichtigen Sir dasselbe bri der Allemverkaussstelle für Oeitsrreich, Julius Feßler, Wien, VII.» Neubaugasse 64, Tel. 30.054 (Kermann Pfeiffer). Vereine, Vorträge und Versammlungen. A ch w a h. Donnerstag den 18. d. findet eine VorlefmH der Kerren Schwager. Märgul es und Fräulein Aberbach stall. — Jüdische V o l k s b l L l: o t h e k „Z t o n". Keule um V,3 Uhr nachmittags Ausflug nach' Ealmansdorf. Treffpunkt Schottentor. — KebrÜlscherStudentenveretn „T a r b u 1 h". Cafe Klinik. IX., Lazarelhgaffe. Keule um Vr? Uhr abends lieft der bekannte Palästinenser Schriftsteller Rabbi Binjamin aus seinen bis nun nicht veröffentlichten Schriften. — Jüdische Tischgesellschaft Landt r a ß e. Donnerstag um 6 Uhr abends im Cafe Gartenbau (Souterrain) Vortrag des Prof. A. Freud über „Konfession, Religion und Politik". Gäste willkommen. Urania. Keule Sonntag, * */23 Uhr (Großer Saal) r Wiener Volksmusik. V-3 Uhr (Klemer Saal): Die Kohen Tauern. V»5 Uhr (Kleiner Saals: Op-mkonzerle. XXll. Friedrich Smetana. b Uhr (Großer Saal): Shacdletons Südpol-Expedition. V-6 Uhr (Kurssaal): Dr. Josef Norbert Dörr: Der Kalender. III. 726 Uhr iKlubsaal): Marie F e r s ch e l: Frühtingsfeier. 728 Uhr (Großer Saal): Aus der Glanzzeit der heiteren Wiener Musik. Vs8 Uhr (Kleiner Saat): Klassisch-moderner Klavierabend Leo D i r k e n s e l d. l/28 Uhr (Kurssaal): Schiffdaumspektor Ing. Kans Kolbo^w: Kimmeisphotographie mit einfachen Mitteln. Vs8 Uhr (Klubsaal): Schriftsteller Otto Selig: Wiener Schulgeschichten, i Ernährung. Der Marktbericht. In der Großmarkthatte galten gestern im Detailoerkauf folgende Preise für ein Kilogramm: Rindflei ch 1800 bis 3700 K^ Bratenfleisch 2400 dis 3600 K., Kalbfleisch ' 2000 bis 3600 K.. Schlögel und Schnitzel 3600 bis 4200 .K.. SchweinefleisÄ 3200 bis 4200 K.. Geselchtes 2600 bis 4200 K., Schastletsch 1800 bis 2400 K.. Kihfl-isch 1700 bis 2000 K.. Ziegenfleisch 1200 bis 1400 K., Speck 3800 bis 3900 K., Filz 4000 K. und Gesrierrindfleisch 1360 bis 1800. Dis Grünwarenmärkte waren gut beschickt, die Preise zeigten keine steigende Tendenz. Infolge der außerordentlich guten Beschickung des Najchmarkies mit Reusiedlersalat ermäßigten sich diePreise für Käuptelsalat, der im Großhandel bis zu 3000 K. pro Nagel (20 Stück) kostete. Kartoffeln waren aus Polen, Deutschland und aus dem Inland in genügenden Mengen vorrätig. Italienische Frühkartoffeln kosteten aus dem Naschmarkte im, Großhandel 650 bis 700 K., ägyptischer Zwiebel 600 bis 650 K.,' iiaiienische grüne Erbsen 700 K., Spargel 550 bis 700 K. pro Kilogramm. Eier waren aus Niederöslerreich und Steiermark zugeführt worden. Der Stückpreis belief sich im Detailhandel aus 135 dis 145 K. Der Verkehr war "im allgemeinen schwach. Die neuen Brotpreise. Wie wir erfahren, dürft» sich der B r o t p r e i s in der kommenden Woche um 30 K.» der Preis der weißen Wecken um 20 K. unö der des Weißgebäcks um 2 K. pro Stück höher stellen. Das E x t r a b r o t wird pro Kilogramm um 20 K. mehr kosten. Ausgabe der SSnglingsmilchkarLen. Vom 15. bis 20. d. werden ili den Konfkriptionsabieilungen der magistratischen Bezirksämter die neuen Miichkarlen iür Kinder bis zum vollendeten ersten Lebensjahre ausgegeben. Vorzuweisen sind der Alters- Nachweis des Kindes, der polizeiliche Ateldezetiel und ein Ausweisdokument (Geburtsschein, Trauungsschein usw.) des Kaushattungsvorstandes. die bisherige Milchkarle, eventuell der Einkanfsschem iür Mindestbemitietle oder der Zahlungsbogen und die mit dem Kontrollsiempel der vorangegangenen Wochen versehene Karle des zuständigen Arbeilslvsenamtes, beziehungsweise die mit dem Stempel des Arbettslofenamtes und dem Datum der vorangegangenen Woche versehene Vormerkkarte der Stellenvermittlung des zuständigen Ardeitslosenamtes. Freie jüdische Volksbühne Gastspiel in der Roland-Bühne 4283 /.PiÄl: Jedem sein Gott Äi&Äi 1-—..* Bühne und Kunst. Freie jüdische Bolksbühne. (Zum erstenmal: „Jedem sein Gott", Schauspiel in vier Akten von David P i n s k r.) Mit Pinskis „Jeket. der Schmied" hat die Freie jüdische Volksbühne seinerzeit erfolgreich eröffnet, „Eisik Schestel^ Pinskis erstes, wie uns dünkt, bis nun bestes Bnhnenwerk. zählt zu ihren Meisterausführungen, der Einakter „Vom Glück vergessen" zu ihren feinsten Leistungen. Das Schauspiel „Jedem sein Gott" ist ein jüdisches Amerika-Stück, also — man kennt das Thema aus vielen,, allzn vielen Abwandlungen —, die Tragödie des Ankommenden. Es ist natürlich eine neue Variation nnd, wie bei Pinski zu erwarten war, eine ernste. Mer doch nur eine Variation, leider recht langwierig/streckenweise matt, und die Wendung, die zur Katastrophe führt, ist — man kann es nur so bezeichnen — „ansgerissen". Der Held ist ein sonnigertatkräftiger,, fröhlicher Mann, dem 'Pogrom,' .Verlust des Vermögens, wiederholier Zusammenbruch seiner, Existenz nichts anhaben konnten. So kommt er in New-Nork an und geht frisch ans Werk. Sich selbst treu zu bleiben, nichts preiszugeben, was ihm heilig ist, wie etwa die Sabbatrnhe, ist ihm oberste Maxim, Und ein herrlicher Optimismus Hilst ihm über alles Ungei mach hinweg. Als Schneider gehts mit ' fünf Wochentagen nicht? Man kann anck mit dein Sack als Liraßenhändler Brot verdienen. Die junge Frau (der Witwer hat zum zweitenma(' \ Meiratet) A mit M; Zargen Leben .uMlirieden Mb