Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1180 (14.5.1922)
- Date
- 1922-05-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeiiung Laglohn ist viel weniger als 2 Kronen im Frieden waren —, mutz man begreifen, daß die Hilfskraft den Verlust au Zeit, Kraft und Gesundheit, die Abnützung der Kleider und des kostbaren Schuhwerks zu hoch berechnet, um mit dem Gebotenen zufrieden sein zu können. Es ist gewiß nicht Schuld der Hausfrau, wenn sie jetzt keine Haushilfe bekommen kann.?lbcr wir wollen doch so gerecht sein, zuzugestehen, daß es schließlich auch nicht Schuld der Arbeiterinnen ist. Das hauswirtschastliche Problem ist durchaus keine lokale Frage, sondern zumindest eine europäische, wenn keine internationale Schwierigkeit. Die Lösung 5es Einküchenhauses dürste wenigen nur befriedigend erscheinen, ist es doch nicht jedermanns Sache, ein permanentes Hotelleben zu führen, und die sittlichen und Gemütswerte des Lebens im abgeschlossenen Familienkreise können gewiß nicht zu hoch emgeschätzt werden. Auf anderem Wege muß wohl diese Frage erledigt werden. Zwei Maßregeln könnten zum Ziele führen: die Einführung eines rationellen Betriebes in Küche und Haus und die Umwandlung des Haussklaveu in die hauswirtschaftliche Stundenarbeiterin, die nach getaner Arbeit ihres Weges geht und ihr Eigenleben lebt wie jeder andere freie D^ensch, ohne patriarchalische Gesühlspflichten und Hemmungen. Damit diese besteiende Wandlung durchgeführt werden könnte, müßten die Männer endlich einmal begreifen, daß das hauswirtschaftliche Problem vöy heute etwas anderes i ist, als die „Dienstbotengeschichten" von ehedem, sie müßten begreifen, daß es zu den wichtigsten und ernstesten Fragen der Zeit gehört, aber so weit fiub wir noch lange Mt. _ K. M. > * Fürsorgefon-siiir Palästina-Emigranten, II.. Zirkusgafie Nr. 83. Spendenausweis Nr. 2 vom 1. bis 12. Mai 1922. Großindustrieller Kerr Oskar Rosner Thvra- Spende anläßlich Bestach 100.000 ., Dr. Femblwang £00 K.; durch Armenrat Pollak 18.400 Ä.: durcb David Korowitz: M. Berger 1200 Bornstein 800 K. David Korowitz nicht angenvmmene Provision 10.010 K., Äaadam Zioni 7800 Div. 900 K., zusammen 20.000 Ä. durch Konia: „Beth-Zsrael" 2850 K., Frau Au ster 3O00 K. Div. 735 K.. Dr. Bohin skr die Pessachausspeisung miitelloscr Lhaluzim 16.000 K. Zusammen 161.485 K. Mtteilmiqen aus dem Publikum. VÄ8lW8AL0R V.R08MFLLV I., XOttLNARXT 5 KARLSBAD, ALTE WIESE, HAUS D'r. MAYER KOMPLETTE BRAUTAUSSTATTUNGEN VORNEHMSTEN GENRES Prämiiert: PARIS, LONDON 1901 122 TEL. 9307 Anlässlich der Verlobung unserer lieben Tochter, bezw. Schwester Laura mit Herrn Sam, Katz gratulieren wir innigst. Familie Steinhauer. Wien XX. Fräulein Laura Steinhauer gratulieren wir herzüchst anlässl. ihrer Verlobung mit Herrn Sam. Katz Familie Hellner-Katz Wien. 11. Golda Einstoss Sem Keller Rohatyn New York Verlobte 9. Mai 1922 Laura Steinhauer Sam. Katz Wien, XX., derzeit New York Magister der Pharmazie New York Verlobte April 19£2 Spezialist in mMu ttiis Feinste , Herrengarderohe noch Mass. 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Ngch seiner 9iitckke.hr nach Wien verblieb er hter nur kurze Zeit,. wort:,:' er im Jahre 1814 Oesterreich verließ, uut Tine bekannten Tendenzgedichte „Kelch und Schwert" .licranszngeben. Bor den Märzereignissen dos Jahres' 1818 wagte er f-ch sogar tn die Heimat, wo er jedoch Verhaus t c i und in Krinnnaluntersuchung genommen wurde. Erst dank der Revolution im März 1848 wurde er befreit. Cr^ nahm sodann regen Anteil a-u politischen Leben, uno wurde sogar von der Deuts6)en Partei im Wahlbezirk Leitmeritz ins deutsche Parlament in Frankfurt a. Mi kandidiert und ge- ’ wählt. Im Frankfurter Parlament spielte Hartmanu - eine große Nolle. Mit Blum nnd Fröbei kam er iw Jahre- 1818 nach Wien, das er aber nach vor dem verhängnisvollen Ende der Nevolution verließ, nm dann mit dem Rumpfparlament nach Stuttgart zu übersiedeln. Nach dem Zusammenbruch der 18er Nevalulion mußte er in die Schweiz flüchten, von wo er nach England und Irland ging,, uw im Jahre 1860 nach Paris zu gehen. Aus der Verbannung sen-! dete er der „Kölnischen Zeitung" geistreich gehaltene Berichte;1 besonders bekannt sind seine „Briese aus Irland"/ die .' im. „Prntzschen Museum" erschienen sind. Die Jahre 18£0 bis; 1854 verbrachst er zumeist in der Krim und in ' Konstante . nopel, von wo er ausgewiesen wurde. Nach einem kurzen , Aufenthalt, in Paris ließ er sich im Jahre 1860 in Genf nieder, wo er als Lehrer an höheren Bildnngsanstalten tätig War.-Jn seine Heimat konnte er erst im Jahre 1868 zu nickkehren. Zn > den bedeutendsten Schriften Hartmanns gehören sein Roman > „Der Krieg nm den Wald", sein idyllisches Epos „Adam unp i Eva" sowie die poetischen Erzählungen „Schatten", „die Erzählungen eines Unsteten", die Gedichtsammlungen „Zeitlosen"^ sowie mehrere Novellen. Hartmann gehörst unstreitvar zu Yen ’ edelsten Kämpfern um Oesterreichs' und 1 Deutschlands Frei-1 heit im Jahre 1848. ^Von Geburt ein Jude, hat ihn'sein, Lcbenlang das Schicksal seines Volkes so gut wie nicht! interessiert. j * Das Neuest» ist... Das neueste ist nämlich, .daß>.das/ Haarschneideu, beim Hgarkünstlev, von. einfacher..Hasse.^vier- ' hundert Kronen kostet. Än den. Bart barf man gar nicht -den-.s ken, den braucht der Gebildete heute auch viel zu dringend zum: Ausraufen, wenn er sich ein Paar Schuhe kaufen muß.. Männer' mit schütterem Haarwuchs glauben berechnet zu haben,, daß pro Haar, das der Maschinenschere zum.Opfer fallt, K. 1.50 zu zahlen sind. Dafür hätte man in seligen Friedenszeiteu beinahe schon einen Kops kaufen können. Dabei ist das Fatale, daß die Haare um so. rascher, wachsen,. je - radikaler man sie abrasiert. Es nützt also gar nichts, wenn dec verzweifelte Mittelständler den Sitz, seiner unsterbliche Vernunft in eine Villarbkngel verwandeln läßt. Zwei Wochen daraus sieht er wie ftischausgeforsteter Jungwald ans, drei Wochen später /wie - eine Wiese im Juni, nur in der Regel nicht ganz so grün. Spekulative Köpfe erwägen wie in der Maienzeli der Wiener Teuerung den Ankauf, einer Haarschneidemaschine. Wer 241 Teilhaber findet, die int Umkreis zweier Straßen wohnen, Haare in genügender Zahl auf dem Kopse haben, nnd einesattste Gattin besitzen, die bei der Arbeit des Haarestutzcns sich alles das anhört, was das Scheropser sonst dem Haarkünstler an Freundlichkeiten zugedacht hat, für diesen Auserwählten, nnrer den Sterblichen mag sich eine Haarschneidemaschine, als ausgezeichnetes Geschäft erweisen. Die anderen müssen sich damil begnügen, auszurechnen, wie hoch ein gekürztes Haar in Schweizer Franken zu stehen kommt. Das ist ganz einfach. Hundert Kronen sind bekanntlich 0,0636108 Franken, somit eine Krone 0,000636108 Franken, und fünfzig Heller -- ach, lassen Sir mich ungeschoren! \ Kater Murr. * Aus der WeMatt des Films. Die Art und die großen Schwierigkeiten der Filmdärstellung, wie der Filmanfnahnien wird Schriftsteller und.Filmregisseur Friedrich PorgeS am Dienstag den 16. d./ halb 8 Uhr, im großen Saale der Urania schildern nnd an der Hand verschiedener Filmvorführungen (Probeausnahnten) Nachweisen. * Erhöhung der Spitalsgebühren. Von Montag an werden die Verpslegsgebühren in den Wiener Spitälern neuerlich bedeutend erhöht; der Preis für die dritte Klasse wird 2900 K., für die zweite Klasse 6000 K. und für die 1. Klasse 10.000 K.. täglich betragen. * * Eine alte Promotionsformel deutscher tluiversilalen. Bei unserem gestern veröffentlichten Aufsatz unter diesem Lnel ist verselientlich der Name de8 Autors Prof. B. Aptowttze^ weggevlieben. *' Eingestelltes Strafverfahren. Am 24. September v. I. erschien in unterem Blatte eine von der Polizeikorrespondenz ausgegebene Meldung, wonach ein gewisser Lebicdzki auf Grund gefälschter Bestellscheine aus Paris der Firma D. Fleischer und Söhne eine große Quantität von Schirmen herausgelockt und diese an den Regenschirmfabrikanten Jro S ch a chter in Wien verkauft habe. Rechtsanwalt Dr. E. Tauber bittet uns, nüt^uteilen, daß sowohl -gegen Lebiedzki als auch gegen Jro Schächter das Strafverfahren, gegen letzteren in der Richtung des § 166 St.-G.-B., eingestellt wurde, weil keine strafbare Handlung vorlag. VL, Windm(lhl. w gasse Nr. 2