Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1176 (10.5.1922)
- Date
- 1922-05-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gerte 4 Wien, Mittwöch >---;—— -——-—— litauischen Bevölkerung unpopulär ist. Ihm Persönlich scheine die Form nicht wesentlich zu. sein und wenn die reale kulturelle Autonomie unangetastet bleibt, sehe er keinen Grund, sich auf das nationale Ministerium festzulegen. Jedenfalls wird die'ganze Unterredung sofort dem Präsidenten des litauischen Sejms in Kowno zur Kenntnis gebracht werden. ' Sir Herbert Samuels Konferenzen mit der englischen Regierung. London, 8. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Wie die Londoner „Z e i t" mitteilt, hat Sir Herbert Samuel bereits niit einigen Mitgliedern des englischen Kabinetts konferiert und die Verhandlungen mit . der Rezierung bezüglich einiger palästinensischen Fragen eittgeleitet. Die Verhandlungen werden mehrere Wochen in Anspruch nehmer^ und dürften einen ersprießlichen Erfolg zeitigen. , Der Sudan — ein Teil Aegyptens. Paris, 9. Mai. (Funkspruch.) Der ägyptische Verfassunggebende Ausschuß hat beschlossen, daß der Sudan einen Teil des Königreiches Aegypten'.bilde.- Dieser Beschluß hat große Sensation hervorgerusen, um so mehr, als der britische Hochkommissar Lord Allenby noch vorige Woche den Häuptlingen der Sudänstärnrne erklärt hatte, daß die engen Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Sudan aufrechterhalien bleiben sollen. TagesberichL. Zionistisches LaudeskomiL^ee. Jüdische Kriegsflüchtling e aus Galizien, welche in die Heimat zurückkehren wollen, mögen sich mit Personaldokumenten im Zionistischen Laudeskomitee am 11., 12., 15., 16., 17., 18. und 19. d. in der Zeit zwischen 9 und 12 Uhr vormittags, Zimmer 8, melden. Aus der Wiener KuLtusgemeinde. Die Trennungsorthodoxie will die Gemeinde zertrümmern. Die in der „Aguda" und der „Schissschnl" organifittitn orthodoxen Juden haben seit jeher dem Ziele, zugestrebt, die Wiener Mische Gemeinde zu. zertrümmern. Sie haben durch Denunziationen und verlogene Berichte das; Ansehen aller jüdischen Institutionen Wiens, welche sich nicht ihrem Diktate fügen wollen, herabzusetzen versucht. Nachdem sie aber , auf diese Weise ihr Ziel nicht erreichen konnten, versuchten sie es von innen heraus. Die Duldsamkeit, welche die Gemeinde 'und andere maßgebende Mische .Faktoren ihr^m Torben gegenüber an den Tag legten, hatte sie übermütig gemacht, und sie glaubten schließlich selber an die von ihnen in die Welt gesetzte Lüge, daß ein ansehnlicher Teil der glaubenstreuen Wiener Judenschast hinter der „Aguda" und der „Schissschul" stehe. Sie ließen die bisher um der Erhaltung dieser Lüge willen geübte Vorsicht fallen und beteiligten sich an den letzten Kultuswahlen. Das Resultat war ein niederschmetterndes^ denn es gelang ihnen trotz sirupellosester Lügenkampagne und Aufwendung vieler Millionen nicht, mehr als sieben Prozent der Stimmen zu ergattern Sie griffen also wieder auf die' früher geübte Methode zurück. Ihr Wochenblatt bringt in jeder Nummer Artikel, welche die Juden zum Verlassen der Gemeinde bewegen sollen. Vor kurzem hat bekanntlich das fromme Blatt seinen Anhängern nahegelegt, sich für konsessionslos zu erklären. Und in seiner letzten Nummer deutet es an, daß es mit Hilfe.christlicher politischer Krefie die Gemeinde doch endlich zerschlagen werde. In einem an die „gesetzestreuen" Kultussteuerzahler gerichteten Austuf heißt es: „Die Wiener Kultusgemeinde hat es für richtig befunden, die gesetzestreuen Gemeindemitglieder bei der Besteuerung weitaus stärker heran zuziehen als die übrigen, wohl in der Annahme,daß.sie sich denselben gegenüber alles erlauben könne. Angesichts dieser Tatsache hat sich ein Komitee gebildet, das von der KtätusgemeiuLe fordern wird, im Prinzip zuzugestehen, baß hie Steuergelder, die aus gesetzestreuen Kreisen eingchen, ausschließlich für solche Institutionen verwendet werden, welche auch von den orthodoxesten Juden in Anspruch genommen werden körnen- und diesem Komitee die Kontrolle über die Verwendung der Geld er.zu gewähren. Sollte . die Kultusgemeinde darauf nicht eingehen wollen, so wären wir veranlaßt, von der. seitens maßgebender politischer Faktoren in Aussicht gestellten Möglichkeit, eine zweite Kultusgemeinde zu gründen, Gebrauch zu machen. Gefällige Zuschriften biten wir an Herrn Leopold Lederer, .2. Bez., Nestroygasse 11,. zu richten. Wir sind begierig, zu erfahren, was die Leitung der Kultusgemeinde tun wird, um bM?r Verdächtigung und Drohung zu begegnen. Der Vorwurf der vorsätzlichen Fälschung der Einschätzungen zum Nachteil der frommen Juden trifft alle Gemeindemitglieder, welche in den Kommissionen und im Vorstande arbeiten. Es erscheint auch geboten, jene „maßgebenden politischen Faktoren" stellig zu machen, welche der „Schiffschul" ihre Dienste zum Avecke der Zertrümmerung der Judengemeinde angeboten haben. Sind es Regierungsorgane, sind es deutschnationale oder christlichsoziale Antisemiten, sind es bürgerliche Antisemiten oder Sozialdemokraten? Oder handelt es sich wieoer um eine faustdicke Lüge der Pächter der Frömmigkeit?, Klarheit A M .i&e.n.Lall % Wiener Morgerizeltunz ‘im ....- "">» ... 10. Mai 1922 Nr. UÜ6] Die Deuregelung des MftnWgszuMnasverfalm Wir ArichtekW HMils, daß als erster Teil im Wiener WöhttUttgsanrie eine Überprüfung aller mit 1 qualifizierten WohkungssucheMtt vorgenommen wird. Amtsführender Stadträi' W 2 b.e r teiltd gestern in einer Pressekonferenz mit, daß bis einschließlich 4. Mai 1922 bei den Konskriptionsämtern 14.359 niit 1 qualifizierte Wohnungssuchende sich zur UeberprüsünA gemeldet haben. Es laufen aber noch immer Meldungm ein. Nunmehr wird der zweite Teil der Neuregelung des Wohnungswesens durchgeführt, der vor allein eine vollständige Aenderung des Wohmmgszuweisnngsverfahxens bringt. Sobald die mit 1 qualifizierten Wohnungssuchenden, soweit sie sich jetzt bei den KonstriPttoNsämteru gemeldet habenattf ihre Wohnungsbedürfügkeit überprüft worden, sind, werden die Wohnungswerber, dielt) und mehr Punkte aufzüweisen hüben, in die Bezirksliste aufgenommen. Aus dev BeMsliste wird eine Liste der Vordringlichen, die Kontingentliste gebildet, und ihre Einreihung erfolgt in die Köntingentliste durch 21 Bezilkskom- Mlsiionen. Diese habender der Auswahl so borzugehen, daß sie unter Berücksichtigung jener Bedürftigkeitsmomente, die für die besondere Dringlichkeit des Wohttbedarfes sprechen, Wohnungswerbertl mit größerer Punktzahl vor anderen und Lei gleicher Punktzahl jenen Wohnüngswerbern, deren Votmerkrrng Ater ist,'' den Vorzug zu geben. Besondere Dringlichkeitsmomente sind vor allem die nicht selbst verschuldete gerichtliche Kündigung mit unvermeidliche Delogierung, bauamtlich oder amtsärztlich bestätigte Unbewohnbarkeit der Wohnung, amtsärztlich bestätigte bevorstehende Niederkunst, schwere Invalidität. Für das erste Vierteljahr betragt die Kontigentzahl 1000. Es hat daher jeder Wohnungssuchende, der in diese Liste ausgenommen wird, die Gewißheit, daß er in einem Zeitraum von ungefähr drei Monaten zn einer Wohnung kommt. Wichtig ist auch, daß bei der Zuweisung vor allem der -Wunsch nach einer Wohnung in der Nahe des A rbeitso r t e s tunlichst berücksichtigt wird. Jeder Wohnungssuchende, der in die Kontingentliste eingereihtwird,^ erhält vom Wohnungsamt darüber eine Verständigung; er hat sich innerhalb acht Tagen zur neuerlich en U eb erp tusung zu melden, da sich der Wohnbedarf. des - Wohnungsw.irbers inzwischen..verändert haben kann. Für die Zuweisung der Wohnung wird eine neungliedrige Haüptkommission geblldet, die sich in drei Senate Orthodoxe Dennnzianten. Tie letzte ^urmmer des Frankfurter „Israelit", des Zentralorgans der reichsdeutschen Orthodoxie, bietet eine Illustration dafür, ime bedenkenlos die frommen Herren in der Wahl ihrer Mittel)/ sind, wenn es sich um die Verfolgung ihrer „heilen Ziele" handelt. In einem Aufsatz wird mit der neugegründeten „Parten d e u t s ch n a t i o n a l e r Jude n" scharf ins Gericht gegangen. Als Hauptverbrechen wird den deutschnationalen Juden wilde Hetze gegen die Ostjud.en und Denunzierung der Jüdischnationalen als innerlich Landfremde undBerräter zur Last' gelegt. Dieser Moralausbruch wirkt erschütternd, man könnte glauben, daß die Führer der orthodoxen Kampsorganisation „Aguda", welche sonst die ärasiou Hetzer gegen Oftjuden und die schamlosesten Denunzianten gegenüber den Zionisten sind, eine innere Wandlung zur Anständigkeit durchgehatten. Keine Spurt Tie Herren ärgern sich nur, daß andere ihnen ins Handwerk pfuschen. Sie glauben eben nicht nur ein Monopol ans die Religion, sondern auch ein Monopol aufs Verleumden der Jüdischnationaletr zu besitzen und sind ärgerlich, wenn ihnen andere ins Handwerk pfuschen. Mit naiver Unverschämtheit verüben sie in der gleichen Nummer dieselben Lumpereien, um derentwillen sie die deutschnationalen Juden verdonnern. Im Levarrckel über „Goluspolitik" stellt ein Herr Dr. Pinkas Kohn, früher germanisierender Feldrabbiner der preußischen Besatzung in Polen, jetzt Aguda-Sekretär* in Wien, dre These auf, daß jüdischnationale Politik auf landesverräterischen Prinzipien basiert. Er schilt die Iüdischnationalen Verräter, weil sie bei Verteidigung der jüdischen Rechte den Völkerbund anrufen und an die Solidarität der Juden aller Länder appellieren. Er sagt: „Es ist -in Vergehen gegen den Legitimismus, wenn irgendein Jude' in irgendeinem Lande für dieses Ziel von einer anderen Macht als der seines Heimatlandes Hilfe sucht". Ein paar Spalten weiter wird mit Behagen berichtet, daß beim Minister für die Slowakei Meura in Bratislava eine Deputation der orthodoxen Juden unter Führung des Ober-, rabbiners Weber erschienen sei, um im Interesse des gefährdeten Staatsinteresses gegen die Jüdischnationalen zu protesüeren. (Die Sippe Webers beschuldigt.nämlich die Zionisten in der Slowakei des Einverständnisses mit. den magyarischen Jrredentisten, und in Magharien denunzieren sie die Zionisten bei den Horthy-Leuten als Freunde der ‘ Tschecho-Slöwakei.) Man sieh? also, daß die Herren von'der Aguda keinen . Finaex breit vom. MM hex Denummtisn Muweicken gliedert. Außerdem werden 21' Bezirkskommisfiorierk. ank» ■ tieren. Die Hanptkornmisfion, bezw. die'Senate und die,'. Bezirkskommissionen arbeiten unter dem Vorsitze eines Ge-' .' Meinderates. Hauptkomnrission ist für das ganze Ge-- ' meindegebiet zuständig. Sie ist berechtigt, WohnungswerbeL aus der Kontingentliste jenes Bezirkes, in der sie nach ihrer, Anmeldung migereiht wurden, auszureihen und in die Konwntingentliste jenes Bezirkes. einzureihen, in dem sich ihre Arbeitsstätte befindet >und in dem oder in dessen Nachbarschaft ' sie aus diesem Gründe die Wohnung zu erhalten wünschen. Die Senate der Haüptkommission entscheiden bei Anwendung des Punktsystems auch über die Zuweisungen von Wohnungen, in. denen'Untermieter vorhanden sind. Auch die Beschlußfassung über 'die Räumung.angeforderterWohuungen obliegt nunmehr.der Hanptkoinmission. '; Endlich obliegt dieser Hcn Ptkonunission die Zuweisung aller Wohnungen, die wegen des aus welchem Grunde immer erngetreienen Endes der bestehenden Miete angefordert worden sind- oder bei denen das Benutzungsrecht auf einem anderen Rechtsgrund als einem'Mietvertrag beruht, : mit dem Tage, an dem dieses Benutzungsrecht endigt und diese aus diesem Grunde angefordert werden. werden also Wohnungen,. die allgemein angefordert wurden, von diesen Kommissionen zugewiesen. Weiters weist die Hauptkommission die Wohnungen zu die durch : Neubauten entstehen oder frei werden. Auch die Einzel räume und nicht selbständig benützbaren Wohnungsteile werden von . . der Hauptkommission zugewiesen. Die Hauptkommissiou ist ferner berechtigt, ohne die Kontingerrtliste und die Reihens folge dieser Liste berücksichtigen zu müssen, aus sämtlichen in den 21 Wohnungslisten verzeichneöen Wohnungen Zuweisungen vorzunehmen. Im Wohnungsamt wird eine eigene Zen tralausku n f t s st e l l e errichtet, in der täglich' während der AlNtsstunden -in allen Wohnungsangelegenheiten Zluskunst erteilt wird. - Stadtrat Weber meinte zum Schlüsse, daß diese Re-, form wohl nicht die Wohnungsnot beseitigen werde, aber doch eine bedeutende Besserung des gegenwärtigen Zustandes bewirken wird. Ohne die Wohnungszuweisung zu mechanisieren und die persönliche Behandlung'des einzelnen Falles auszuschließen, wird die Zuweisung durch die Haupt- und BezirkskomMissiotteü derart, ersolgen,'.daß-'die Parteien nicht in persönliche Verbindung, mit den-Ko)nmissionsmitgliedern treten müssen, was im Gegensatz zur heutigen Praxis die Arbeit wesentlich erleichtert. gedenken. Nur wollen sie nick;/ dulden, daß ihnen irgend^ wer bei dem sauberen Geschäfte Konkurrenz'macht. Sie. haben nicht, nur das Frommsein, sondern auch das De-, nunzieren gepachtet! » . Ford und Fox. Wir hatten uns wiederholt mit'dem amerikanischen Auto» mobilkönig Henry Ford zu befassen, der seine Ehre dareist setzte, nicht nur Automobilkönig, sondern auch der König der " Antisemiten zu werden. Unter den vielen Verleumdungen, die Ford durch seine Blätter in die Welt setzte, war auch der Angriff gegen die beiden führenden Persönlichkeiten der amerikanischen Kinoinduftrie.Zucker und Fox enthalten, daß diese auch den Film in den Dienst der Juden gestellt chatten und. daß man in ihren großen Ateliers keine andere Sorge kenne^ als die jüdische Propaganda so. volkstümlich als möglich zu machen. Wie alle übrigen Angriffe mit antisemitischem End-- ziel, war auch der Angriff gegey Fox in dem antisemitischen! Organ Fords täglich in den verschiedensten Variationen zu lesen. Aber die Angriffe gegen Fox waren von kurzer Daner^ Sie währten nicht länger als eine Woche. Denn Fox'ch'at bald radikale Hilfe geschaffen. Nahezu in sämtlichen amerikanischen Kinos werden wöchentlich einmal die sogenannten „Foxnews" vorgefi'chrt, welche im Wege des FilmZ über die wichtigsten Ereignisse der - abgelaufenen Woche berichten und sich großer Volkstümlichkeit erfreuen. Nach dem Erscheinen des ersten Angriffsartikels gab' Fox seinem Sekretär den Auftrag, ein Rundtelegramm über das ganze Gebiet der Vereinigten Staaten Susznsen^en mit dem Auftrag, daß von jedenr Unglück eines Ford-Automobils' - sofort eine Filmaufnahme öürchznführen sei, die in der Wochenschau der „Foxnews" enthalten sein muß. Noch nie las und hörte man so viele Autounfälle mit Ford-Wagen als von diesem Tage an. In ganz Amerika besprach man die Mängel der Ford-Wagen. Das hat gewirkt. Henry Ford hat seine Angriffe gegen Fox eingestellt und diese Radikalkur zur Kenntnis genommen. Er schlägt bereits versöhnlichere Töne an, denn dev Antisemitismus mag ja ein recht schöner nobler Spleen sein< aber wichtiger noch als der Antisemitismus ist auch dem Antisemiten das Geschäft, * Herabsetzung der Wertzuwachsabgabe. Gestern gelangte an die Mitglieder des Wiener Landtages eine No-- velle zur Wertzuwachsqbgabe zur Wrse^düng. Es wird' damit einem wiederholt ausgesprochenen Wunsch Rechnung getragen, die Abgabe, die durch die Entwicklung der Verhältnisse in immer stärkerem Maße einer Besteuerung dev! Kronenentwertung gleichkam, zeitgemäß umzugestalten. ES geschieht dies durch eine sehr einschneidende Herabsetzung . dex. Zlniätze, .insbesondere Gr hm atteg PM, Darunlev