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Wiener Morgenzeitung · 1922-05-10 · Heft 1176 (10.5.1922) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1176 (10.5.1922)
Date
1922-05-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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M. 1176 '* Men/ Mittwoch / wird im Sinne der neuen Vorschläge jede Liegenschaft verstanden, deren letzter Erwer^ vor dem 1/ Jäüner 1919 erfolgt ist. Für alle diese Realitäten beträgt die Abgabe zehn Prozent vom ermittelten Wertzuwachs. Eine vollkommene Neuerung ist das Recht der Gemeinde, in den Kaufvertrag cinzutreten.- Macht sie von diesem Recht Gebrauchs so ist sie aus dem Kaufvertrag in gleicher Weise berechtigt und verpflichtet wie der Käufer. Die Gemeinde mutz das ihr zuslehende EintrittZrecht innerhalb dreißig Tage geltend machen. Diese Frist beginnt mit dem Tage der vollständig *uttb ordnungsgemäß erstatteten Anzeige im Sinne des Gesetzes. Bestimmend für die Festsetzung des Eintrittsrechtes der Gemeinde in den Kaufvertrag war der Gedanke, daß lediglich auf diese Weise das vollkommen richtige Einbekenntnis der Kaussmnme erzielt werden kann. Der gemeinderätliche Finanzausschuß wird sich bereits am Montag mit dieser Borlatze beschäftigen. * PerwNalnachrlchrsn» Samstag den 13. Mai d. I. feiert Professor Eduard N a s ch e seinen 70. Geburtstag. — Gestern feierte Kerr Catmi Almuii in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 91. Geburtstag. Aus diesem Anlässe wurden ihm zahlreiche Ehrungen seilens der Milglieder der hiesigen sophardischen Gemeinde zu teil. * Darrksmmug. Die Mensa academica der Verewigung indischer Akademiker» ll.» im Werd, stallet dem Philanthropen Kenn M usv n i s ch n i k für die kostenlose Wtederherst e l l u n g ihres Lokals den wärmsten Dank ab. Durch 'die -kostenlose Adaptierung, dessrtben sind die gesundheitsschädliche n Mängel des Lokals in bester Weise behoben worden. * Gin Wettkongretz -er Es-erantttten in Wien. Gestern abends fand eine von der Verlreterschaft der Wiener Esperantooereinr in der Volks Halle des Neuen Rathauses abgevaliene, massenhaft besuchte Versammlung statt. ES wurre beschlossen im Sommer 1924 einen internationalen Esperantistenkongreß nach Wien einzuberufen. * Namhafte Spende» für -ie ßn Oesterreich ffuöieren-en, rroUei-en-en jüdischen Äochfchitter. Zur Linderung der Not der jlshischen Studenten überwiesen dem Jüdischen Kochschulausschuß, IX.. Zimmermannplatz 8: Israelitischer Kumanitätsverein «Wahrheit" B.-B. 2,250.000 K.; durch Vermittlung des Israelitischen Kumanitälsvereines „Wahrheit" V. B. A n vn y m u s ,.O" 500.000 K. Ueberwiesen durch das Rektorat der Wiener Universität: Alfred Landesüerger L50.O00 K.; Verein „Tikwath I e h u - a" 60.000 K.: Anitta Müller-Cohen 30.000 K. * Feem-enziMmeraLgabe ist Salzburg. Der Salzburger Gemeinderat. hat die Erhöhung der Fremdenzimmerabgabe yon 30 aus 40°/o beschlossen. Während der Monate Juni bis September wird die Abgabe auf 80°/» erhöht. * ÄeiMsühnmg von Krieger!eicherr aus Malten. Die Expedition des Oesterreichischen Schwarzen Kreuzes, welche die Ke mfllhrung von Kriegerleichen aus dem Raume von G ö r z durchführt, reist Ende Mai ad. Die Rücksührungen aus dem ehemaligen Südtirol erfolgen E,nde Juni. Neuanmeldungen könne« nur in beschränkter Zahl noch bis 20. öt beim vefierreichischen Schwarzen Kreuz, l.. Lerrengasse 21. erfolgen. Die Expedltion wird auch -über Wunsch von Kinken dliebenen Photographien einzelner Kriegsgräber»' die auf der Reiseroute liegen, Herstellen lassen. * Kiew — Marschau Lemberg—CzernvWitz. Am 25, Mai ist der erste . direkte Post- und Dersonenzug von Kiew nach Warschau abgegangen. De>i Zug wird jeden Mittwoch und Freitag verkehren. Eine Sonderkommissiön hat sich von Kiew «ach Lemberg begeben, um einen Vertrag dehuss sofortiger Einführung einer direkten Eisenbahnverbindung -Kiew—Lemberg— Czernowitz zu unterzeichnen. - * Die Auswanderung nach. Amerika. Die vsierreichische Auskunstsstelle für Auswandererer, Wien, 1. Bez.» Koder Markt 5, teilt mit: Wie das amerikanische Generalkonsulat dem AuswanderUngsäMt bekannt gibt, wird, obwohl die diesjährige österreichische Einwanderungsquote, d. i. die Zahl der in Oesterreich Gebornerr, die aus Grund der bestehenden Bestimmungen in der Zeit vom 1. Juli 1921 bis zum 30. Juni 1922 zur Einwanderung in die Vereinigten Staaten von Nordamerika zugelassen sind, noch nicht erreicht ist und auch nicht erreicht werden dürste, während der Monale Juli und August laufenden Jahres das amerikanische Einreisevisum in erster Linie an solche Personen erteilt werden» die bis zum 1. Juli. d. Ä. infolge der Erschöpfung der Quote ihrer Geburtsländer nicht in die Vereinigten Staaten emreisen konnten. * Hilfsaktion für die hungernden Juden Rußlands. Aus L e rn v erg schreibt man uns: Gestern, fand hier eine von Gemeindepräses Dr. Di am and, Universitätsprofessor DH^Dcyorr und Präses der zionistischen Exekutive Dr. R eMch einberufene vertrauliche Besprechung statt, die den BesMrß faßte, eine intensive Hilfsaktion für die notleidende jüdische Bevölkerung R u ß l a n d s einzuleiten. Diese Aktion ffoll sich jedoch nicht nur auf Lemberg beschränken, sondern auch auf die übrigen'Städte ausgedehnt werden. Me Redner gaben einhellig der Ansicht Ausdruck, daß es eine heilige Pflicht der galizischen. Judenschast sei, auf diese Weises zum kleinen Teil ihre Dankesschuld an das russische. Judentum für die in. den Kriegsjahren bekundete Opferw.illigkeit abzustatten. ' Die Anwesenden übertrugen -.e Durchführung der Aktion einem ad hoe. gewählten Exekutivkomitee. * Mißlungener Besserungsversuch. Die 23jährrge Contptoiristtn Johanna Arls ch er, die Tochter eines Militärbeamten, hatte sich an fremdem Gelde vergriffen und stand deshalb in landesgerichtlicher Untersuchung. Die gerichtlichen Funktionäre hielten sie für ein Opfer der Not und suchten der Gestrauchelten den Rückweg zur Gesellschaft zu ebnen. Auf ihren Appell an das Publikum regnete es förmlich Stellenangebote für die zu Rettende. Schließlich ging diese als Hausgehilfin zu dem Frauenarzt Doktor Fritz Ehrenteil, Universitätsstraße 11. Aber schon nach wenigen Wochen zeigte sie sich des entgegengÄrachten ^Vertrauens unwürdig und verschwand mit einer Menge ihrem Dienstgeber gehörender wertvoller Dinge.. Am 6. d. wurde sie in Innsbruck verhaftet. Bon dem Erlös der Diebsbeute hatte sie nur noch-23 Kronen bei sich. Sie wird dem hiesigen Gericht eingeliefert werden. Wiener Zionistisches Lokaltzomttee. Keule, V-8 Uhr abends, findet im Bureau des Zionistischen Landeskomiters. II., TaborttrakL S0s. die Sikiwg des Lokallwwtt-es Wiener Morgenzenung Tagesordnung: Besprechung über die Svmmertäiiakeit :und Schekelpropaganda. Die Delegierten werden ausges ordert» -pünktlich zu erscheinen. - . ' * Begräbnisse am heutigen Tage. Zentralr r i e b t> o f:, 9 Ahr Lamvl Marie, 9 Uhr 45 Min. M e d i n a Adele, lö.Ahr 30 Min." Rosmarin Pauline. — N e u e r F r i e d h o f: 9 Uhr 1tp r t-m n i Bernhard, 9 Uhr 30 Min. Weinstein Fosl, 10 Uhr P r e ß l e r Ufreide, 10 Uhr 30 Min. Fellmann Georgette» 11 Uhr S ch ü ck Otto, 11 Uhr 30 Min. Dr. Gries Sigmund, 12 Uhr 30 Min. S u tz m a n n Bertha. * Jüdisches Realgymnasium. Anmeldungen für die erste Klasse werden bis Ende Mai täglich (außer Samslaa und Sonntag) zwischen 12 und 1 Ahr in der Direktionskanzlei, Wien, 1. Bezirk, Drahlgasse 4, 4. Stock, entgegengenomaien. -Eine feuchenweie Woche. In der Woche vom 23. bis 29. April wurde jm Volksgesiindheitsamt im Bundesminlsteriunr '-für soziale Verwaltung weder eine Erkrankung an Blattern und Cholera noch an Flecktyphus angezeigt. * Naubanfall im Zuge. Lm München-Berliner v-Zug wurde in der Nacht zum Dienstag in einem Abteil II. Klasse ans einen alleinreisenden Herrn von zw'ei Personen ein Raubüberfall versucht. Die beiden Räuber begaben sich in ein Abteil, dessen Tür verschlossen war. und versuchten den Reisenden zu erwürgen. Durch das Röcheln des Ueberfallenen wurden die Insassen des Nebenabiells aufmerksam. Die Räuber entkamen durch Sprung aus dem fahrenden Zuge. Vereine, Borträge und Versammlungen. Zionistischer akademischer Landesverband. Leute, 8 Ahr abends, Sitzung auf der Jvria-Bude, IX.. Glasergasse 4a. — Toynbee-Kalle, XX., Denisgasse 33. Samstag den 13. Mar. 7 Ahr abends. Vortrag der Katewa. Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kennmisse und meüittnischer Aufklärung unier den Juden. Frau Professor Kelene Jacobi: «Ä nb a u und Pflege von -Zimmerpflanzen". Zweiter Vortrag. Mit Lichtbildern. — Verein sür jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Keule ordentliche Generalversammlung im Lelesaale. II., Ferdinandsiratze 23, 1. Stock. Kierauf L)or!rag Professor Dr. Samuel Krauß über „Klausner's .Leben Je su". Beginn 7 Ahr abends. Gäste willkommen. - — Die u n e n t - geltltlichenKandarbeitskurse derzionitischen Sektion IX finden jeden Montag von l/a6 bis llß Uhr abends und Mittwoch von ff,5 bis */,7 Uhr abends im Sektionslokal statt. Leiterinnen dieser Kurse sind: Frau Jettt L a m nt, IX.» Porzellangasse 54, und Fräulein Berta T a l e n f e l d. IX.. Gussenbauergasse 4. Verein Tikwath Iehuda (früher - jüdische Tischgesellschaft Alsersiraße). Leute 8 Uhr abends im Keim VjU., Bennoplatz 1, Vortrag Robb. Dr. B a u e r: „Biblische Weltanschauung". — JugendvereinAhawathZion, II., Kleine Zufahrtsstraße 160. Keute» 8 Uhr abends. Vortrag des Kerrn Leo S e n d r o w t tz. Thema: „Das Leben Kerzls". Gäste willkommen. — Vereinigte h e b r 8 i s ch e S ch u l e n. Am Monlag den 15. d. findet um 7 Uhr abends m Festsaale der T o y n b e e - K a t l e, XX., Denisgasse 33, eine Lag b'Omer-s' eicr der hebräischen Schulen im XX. Bezirke statt. Das reichhaltige Programm dieser Verai.staltung wird zum Großteile von den Schülern der hebräischen Schulen ausgesührt werden. Karten an der Kasse oder an Nachmittagen bei den Lehrern in den Schullokaten XX., Denisgasse 33 und Othmargasse 46 erhältlich. — Bukowinaer Zentratoerdand. Von heute an» 8 Uhr abends im Eäfs Edison» I.» Franz Josefs- Kai 13, 1. Stock permanent allwöchentlich „B utvo» wina er Lrefftag" nur für gewerdebsrechtigte Verbandslnitgiieder. ' Urania. Keute Mittwoch, 7„3 Uhr (Großer Saal): Schülervortrag: Shackletons Südpol-Expedition. 5 Ubr (Großer Saal): Das Wunder des Schneeschuhs. 'Iß Uhr (Kleiner Saat): Dozent Dx. Franz G e r l a ch: Ueber die Impfungen und dre Jmpsslofsherilellungen. */36 Uhr (Kurssaal): Unio.-Assistent Dr. Karl Mariä S w o d o d a: Millelalteriiche Dome. V,6 Uhr (Klubsaal): Dr, Franz O t t m a n n: Keimatschutz. J/ab Uhr (Großer Saal): Aus der Glanzzeit der helleren Wiener Musik. »^8 Uhr (Kiemer Saat): Nesti Lyro-Wollek-Abend. Ausführende: Erika' Wagner, Wilhelm Klitsch. '/°8Uhr (Kursmai): Priv-Dozent Dr.'Leopold K ob e r: Allgememe Eniwicklungsgeschichte der Erde.'IV. l/ß Uhr, (Klubsall): Univ.-Dozent Dr. Willibald K a m m e t: Wesen und Bedeulung der Schülerbeschreibung. SMKhrung. Der Marktbericht.! Fleisch wieder teurer — Gemüse billiger. Die Steigerung auf dem Lebendviehmarkt in Sankt Marx kamen gestern teilweise bereits in der Großmarkthalle Lei einzelnen Fleischsorten im Großhandel und im ' Klemverkaüs zum Ausdruck. Der montägige Markt in ' St. Marx war um nicht nicht weniger als um 2000» Stück geringer beschickt als in der Vorwoche und auch die Bahnankünfte geschlachteten Fleisches waren gestern gering. Es waren im ganzen zwei Waggonladungen, eine aus Jugoflawien, die andere aus Ungarn erngetroffen, die Schweinefleisch und Kälber brachten, während Rindfleisch gänzlich fehlte. Jm Engtosverkehr verteuerten sich Rindfleisch um 200 K., Schweinefleisch um 100 K.» Schafe unr 150 K./ Schweine um 200 K.» Kitze um 100 K.» Ziegen um 160 K., Speck um 200 K. per Kilogramm. Jm Detail- Handel stiegen die Preise für Rindfleisch um 200 K. und für Schweinefleisch gleichfalls um 200 K. per Kilogramm. Das Geftierfleisch wird nach wie vor von den Fleischhauern n i ch t b e z o g e n, es ist in der Großmarkthalle Nur bei einem einzigen Verkaufsstande zu haben. Trotz der hohen Preise war gestem in der Halle verhältnismäßig lebhafter Vermehr. Etwas günstiger ist das Bild, das die Grünwaren-- ^märkte augenblicklich bieten. Die Beschickung ist infolge des besseren Wetters aus den meisten Gebieten nicht nur aus-», reichend, söndern übersteigt bei manchen Artikeln' die Nachfrage: Die-Folge davon sind Preisnachlässe, die gewährt wcrddn müssen^ um die Ware vor dem Verderben zu bew.-hrett. Julänk-llche Kartoffeln waren in genügenden Mengen vorhoiü'Lr,. Sie stellten sich aus dem Naschmarkt iim Großhandel' auf, 180 bis 190 K., während sich polnische Kartoffeln minderer Qualität aus 145 K. per Kilogramm Wien, Spürat^ xrW em?n neuerlichen Preisdruck rw N 101 Mai 1922 Seite 8 bis 100 K. per Kilogramm. Man erhielt gestern bereits auf dem Naschmarkt im Großhandel Blätterspinat um 100 bis 150 K. und Stengelspinat um 50 bis 60 K. Kilogramm. Auch Neusiedler Salat, der zu Beginn Marktes pro Nagel (30 Stück) 2100 bis 2600 K. kostete^'' sank auf 1800 K? Die reichlichen Zufuhren von SpabW hatten ein Nachgeben der Preise für Spargel zur der sich im Großhandelauf 700 K. per Kilogramm stellW--^ Italienische Frühkartoffeln itnttbeit, gleichfalls billiger, kosten aber iunnerhin noch 700 bis 800 K. per Kilogramm. Zitronen und Orangen sind ausreichend vorrätig, dagegen fehlen Aepfel bereits gänzlich. Eier waren in genügenden Mengen zu haben. Steirische Eier kosteten auf dem Naschmarkt 140 bis 145 K., ungarische 14Q K., polnische 135. Kpro Stück im Kleinhandel. Freie jüdische Volksbühne Gastspiel in der Roland-Bühne 4280. H e t/,8 Uhr Ä, SCHMATES (Abfälle) Bühne rmd Kunst. Theater in der Iofefstadt. ^„Der Tänzer meiner Frau." Schwank von Paul A r^ monts und Jacques M 0 n s q u c t.) Daß die moderne Tanzraserei init all ihren Narrheiten von einem Schwankliteralen einmal aufs Korn genommen werden würde, war eigentlich voranszufeheu.' Daß die Persiflage ein so amüsantes, graziöses, zierliches Stück ergeben würde, war nach den letzten Vaudeville-Erfahrungen keineswegs vorauszusehen. Um so angenehmer ist man überrascht, einmal ein Stück aufführen zu sehen, bei dem man herzhaft lachen kann, ohne sich nachher zu schämem Natürlich keine große Tat, keine epochemachende Neuschöpfung; aber wir sind durch eine Wüste von so furchtbarer Oede geschritten, daß wir das kleine bißchen Grün erfrischenden gallischen Witzes mit Jubel begrüßen. Einmal ein Schwank, in dem der Autor nicht unaufhörlich mit seinen Gestalten und ihren Worten ringt, einmal ein Schwank ohne blödsinnige Verwechslungen, ein Schwank, in dem die handelnden Personen sich nicht alle wie Idioten * betragen und in dem — 0, Auferstehung! —' nicht jedes kleinste Motivchen, nicht jeder dünne Schatten eines Einfalles bis aufs letzte Fäserchen ausgeschrotet wird. Die Typen des modernen Tanzrummels sind ausgezeichnet beobachtet, der Jargon vortrefflich erfaßt, die Unsinnigkeiten mit Witz und Anmut persifliert. Eine prächtige Gestalt dieser Tänzer, der im Nigger-Gewackel seinen Lebensberuf sieht, und ihn so ernst nimmt, daß er durchaus keine Zeit findet, neben der Betätigung seiner Kunst auch noch ein Mann zu sein. Er bezeichnet das Tanzen nie anders als mit dem Worte „arbeiten", und da er acht Stunden im Tag arbeitet, kann er unmöglich nebenbei auch noch bemerken, daß seine Partnerin eine Frau, vielleicht sogar eine schöne Frau ist. Für ihn ist sie nur Tanzgefährtin, für die er Diät, Turnübungen, Körpergewicht usw. vorschreibt. Erottk, hat, wie der Jüngling mit aller Klarheit ausführt, neben dem Tanz absolut keinen Platz, weshalb alle Ehegatten den Foxtrott als Rückkehr zur untadelhasten Tugend segnen und preiserr sollten. Der Ehemann des Stückes, einer, der natürlich wie alle Vaudeville-EhemannÄe nichts hört, steht und' schon gar nichts versteht, ist wenig erfreut davon, statt einer Frau auf einmal einen „Champion" im Hause zu haben, er lernt, der Eifersucht des Haussteundes Folge gebend, gleichfalls „foxtrotteln" (eine echte- Maran-Szene), schafft sich dann ein kleines Verhältnis an, ist aber sehr glücklich, als seine Frau zum ftöhlichen Beschluß das Tanzen aüfgibt, ihrem Tänzer, der sich mit Händen und Füßen sträubt, ein Liebhaber zu werden, Valet sagt und zur TugeiK» dev Häuslichkeit und des althergebrachten „Verhältnisses" zurückkehrt. So endet das Stück mit dem Ausblick auf stredliches, dreieckiges Eheglück. Garniert ist die Handlung' mit prächtig beobachteten Typen (der englische Tanzprofeffor Robinson aus Lemberg, sprich: Lambersch, der in 22 Salons mit 15 Assistenten diskretest Tanzunterricht erteilt und drei Telephons bedient, das zur Kokotte erhobene Stubenmädchen mit soliden Grundsätzen, das'17jährige Tochterchen: aus gutem Hause, das sogleich „aufs Ganze" geht,und die unglaublichsten Dinge ausspricht, und manche andere Gestalt aus dem modernen Gesellschastsleben, die mit scharfem Griffel eingeritzt ist), entzückenden kleinen Bosheiten und. Prickelnder Menschenkenntnis. Dem Thema entsprechend wird ziemlich viel getanzt, darunter auch ein Shimmy, den Herr Stollberg, der Gast mit viel Gewandtheit, sehr stilgerecht, unter obligatem „Schulterschütteln", Wackeln, Schleifen und Hopsen vorführte. Gespielt wurde die No^ vrtät famos, Herr Stollberg hielt den Todesernst seiner Rolle starr und doch ausdrucksvoll fest, seine Partnerin, Frau Jellina, die Herren Staud und Ritter boten vortreMche Leisttmgen. Die Uebersetzung ist im ganzen gelungen, doch sollten Sprachschnitzer wie: „Befehle!" als zweite Person, Jmperattv, aus einer deuffchen Bühne mt* möglich sein, auch wenn sich die deuffche Bühne zufällig in Wien besindet, K. M, Vorlesung A»to« WUdgmrs. Jm Zeremonienfaal der Hofburg las gestern Antost Wildgaus aus seinen lyrischen Werken, Gedichte aus ver^ schiedenen Zeitabschnitten, die Entwicklung ihres Schöpfers spiegelnd. Die ersten bloß wohlklingend und ehrlich, die letzten reif und tief. Unter den ersten machte die bekenntnisreiche und ,1. b^tere Abrechnung mit dem Neben- und Mitmenschen „Tiefes

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