Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1165 (28.4.1922)
- Date
- 1922-04-28
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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petfe 2 Wien, Freitag Brief aus Ldnberg. j Daß Mitglied de® Zionistischen Aktionskomitees Dar. Georg H a 1 ip e r-n, Direktor dier Jüdischen Kiöloniaiibanlk, weilte letzthin iw Lemberg uwd »beniütizte die Gelegenheit, uim mit den hiesigen ziomi-. krischen Kreisern Fühlung zw nehmen. Uöber Einfiadiuwg des Vorsitzenden der Ztiomistoiscflien Exekutive vensoffnimelten sich am 14. d. M. die Vertreter nller zionisitisohen Organisationen wie ansdb eine Anzahl von Vertrauensmännern, vor denen Herr Dr. Haiipenn einen ebenso interessanten als ersdiopfend-en Bericht über die gegenwärtige Läge im Zioisrnus erstattete.r Der Referent besprach die Sviidbttigstem Augenfol ick sprridieme, welche die zionistisdhe Öffentlichkeit beschäftigen, de zeichnete den Stand der Mandatsnwid der Araberfrage als verfiältnAsmäßig günstig, kam dann anif die Schwierigkeiten des Immigrationsprobletmis ZH sprechen und verwies znrni Schluß auf die. dringende Notwendigkeit, die finanziellen M.i 11 e 1 der Organisation nach MögtfntdhSkent. asusgiebigst zu Stänken, da sonst'an die Erfüllung dar großen Aufgaben. die unser hainren, niefru zu denke« sei. Die Ausführungen des geschätzten Gastes fanden hei den Anwesenden leibhaften WidorbadL. . ■* ■ Die Verhältnisse, die sich im Laufe der Kriegszeit inneahai’ib der ehemaligen gialfeiischen Kultusgemeinden harauisgebildert haben, sind mehr a% trostlos. Die meiste« Gemeinidevertretuibgen siind auf gelöst und an ihre Stelle R e g i e «r u « g skommiseare eingesetzt worden, die zumgroßen Teil m willfährigen Hswdiamgewy der Bezirfloshauptteute he-rübgesunken sind. An' eine geordnete Ge: memdeverwaltung oder gar am einen Fortschritt im öffentlichen jüdischen Lebe« ist unter sokhan {VeThäHnissen nicht m den&esn. Auch die hauptstädhi'sdhe Gemeinde L e m b e t g leidest seit Kriegs« 'beginn un£er den Fo%en eines ’ ähnöicfheh Provisoriums. Im Jähere 1914 verließen sämtHöhe Mitglieder der K^tu^reipräsentapz die Stadt, ee verblieb bloß Vorstandsmitglied Der. Di am and, der. jgemeinssain mit dem greisen Kultwsirait/ Jakob Stroh die Agenden der Gemeinde leitete. Doktor' Di 21m and wurde nach der Rückkefhc der ostenreidhisoh-^n Trerp-peai von de« Russen als- Geisel weg- . geführt, worauf d>a<s Steidibpräsidsism Dr. Emil IParn-as rast* den Agende« eines Regientang»* ■ kommissärs betraute. Unmittelbar ~ nach dem ’Ncwembespogirom d-es-Jahres 1918 verließe« 80wohl Dr. Parnas als atsdh sei« Steßhrerfcretrör ihre Posten, worauf dar miMlenveile au*s Rußland ztarückgekehrte D.t. Dtamooid 'zusn Regiernmgsfcamtnissar ernannt «und shm ein w®kür3idh zu- •Eammeagesetzter Beirat. an die Seite gestsWr wuirdc. Dieses Regime wurde die ganze-Zeit über, vrn der jüdische« Oeffenstlicihlkeit ak Oktroy awfA gt ic.di. Ohne de« guten Willen und den Arbeitseifer^ Dr. -Diatnaads in Frage stelle« zu wollen, muß fest? gestellt werden, daß diese provisorische Verwal- : tiriig nicht geeignet war, in die arg zerrütteten Verhältnisse der Gemeinde Ordnung zu bringen. Dies snhen schließlich die leitenden Kreise selbst ei« und bestrebten sich wiederholt, da die Ausschreibung der Wahlen für einen legale« Kiuihntsrät augenblicklich aus politischen Gründen unmöglich war, eine Ergänzung des Beirates herbeizuführen, dabei 'dachten sie in erster Reihe an’die Mitarbeit der natianaljüdischen Elemente als derjenigen, die naturgemäß den größten Einfluß in der jüdische« Gasse besitzen. Die Zionisten verhielten sich diesen Versuchen gegenüber aus prinzipiellen Gründen sehr reserviert. Auf jeden Fall galt es als feststehend, daß eine vorübergehende Zusammenarbeit nur zum Zwecke einer möglichst rasthen Durchführung einer modernen W a-h Iref o r m am Platze wäre, jl« den letzte« Tagen wurde« Gerüchte laut, daß d&r Stadtpräsident einen neuen Beirat ernennen .wolle, wobei die Liste auch mehrere Mitglieder der zionistischen Organisation umfassen sollte. Einige der im Stadtpräsidium tonangebenden Assirailanten hielte« audh diesen Anlaß für geeignet, um durch die Intrigue« dis in dieser Hinsicht unternommenen Schritte zu störe«. Ohne Rücksicht auf diese Kulissenarbeit hat die durch die Mitglieder des Parteirates verstärkte Exekutive der zionistischen Organisation in einer ad hoc einberufenen Sitzung ihre Parteimitglieder aiufgefordert, <uin ter den augenblickliche«. Verhältnissen die ihnen zugedaohteh Mandate für den Beirat .nicht anzumehm e ft. Dieser Beschluß wurde auch einer am selbe« Tage stattgefu-ndenen Versammlung von zionistischen Steuerzahlern zur Kenntnis gebracht. In dieser Versammlung wurden die Mißstäfnde «r der Gemeinde auf religiösem, kulturellem u»nd finanziellem Gebiet wie auch im Arme«wesen gehörig beleuchtet. Die für die nächste Zeit amberaumte Konferenz von zionistischen Kultusräten aus dem ganze « Lände wird gewiß die Möglichkeit finden» das ganze Kiultusgemeindeproblem und die ihm in seiner jetzige« Gestalt anhaftenden Mängel einer ein gehende« Kritik zu unterziehen. Die große Zahl der hier wie auch in den umliegenden Ortschaften befindlichen C h a 1 u z i m, ,vor allem jener, die aus Sowjetrußland geflüchtet sind, hat endlich eine kleine Anzahl von Frauen und Männern veranlaßt, eine Aktion einzuleiten, u<m diesen Jünglingen die Reise nach Erez Israel nach Möglichkeit zu erleichteret. Zu diesem Zwecke hat sich bereits ein Komitee gebildet. Am 8. Peßa-chtage fand zwecks Propaganda dieser Aktion eine;{iehr zahlreich besuchte Volksversammlung unter WIENER «OROENZErnniÖ 28. April 1922 Fft. TTW Einberufung der zionistischen Jahreskonferenz. Eine Mitteilung der Exekutive. Von der Exekutive der zionistischen Organisation wird gemeldet: Die Sitzung des zionistischen Zentralrats (Jahreskonfenz) dürfte wahrscheinlich am 1. September zusammentreten. Der Ort, an welchem die Konferenz stattfinden wird, wird binnen kurzem bestimmt werden. Wahrscheinlich wird als Konferenzort eine Stadt in einem Lande mit niederer Valuta* gewählt werden. v - Der Zentralrat (JahTeskonferenz) ersetzt den Kongreß in jenen Jahren, in welchen kein Kongreß abgehalten wurde. Im Sinne des § 36 des neuen Organisationsstatuts sind die Kompetenzen des Zentralrates identisch1 mit jenen des Kongresses, nur daß der Zentralrat nicht; die Macht hat, das Statut zu ändern oder das ‘Aktionskomitee und die Exekutive zu wählen. Der Zentralrat kann jedoch mit Zweidrittelmajorität der anwesenden Mitglieder die. Exekutive abbeniferi, welcher das Recht der Berufung an einen außerordentlichen Kongreß, der innerhalb zweier Monate nach Etnlangung des Rekurses stattzufinden liatj zusteht In Anbetracht der allgemeinen politischen Lage und mit Rücksicht auf die Verhandlungen über das Palästina-Mandat ist es sehr wahrscheinlich, daß die diesjährige Jahreskonferenz vor den sch wer wiegendsten Entschlüssen stehen wird. Sie wird notwendigerweise die grundlegenden Prinzipien der Politik festzulegen haben, welche die zionistische Organisation nach der Ratifizierung des M a n d a f s zu befolgen haben wird. Die Exekutive hat bereits an. die Förderationen und Sonderverbände die Aufforderung ergehen lassen, ihre Vertreter für die Jahreskonferenz unverzüglich zu, nominieren, .Die Exekutive legt besonderes Gewicht auf die Feststellung, daß nur jene Schekalim als Grundlage für die Entsendung von rechtsgültigen Delegierten dienen können, welche von den Föderationen bereits eingehoben und bis spätestens 30. Juni 1922 vollständig an die Exekutive äbgeliefert wurden. Um den Föderationen die.Möglichkeit zu bieten, ihre Schekalim bis zu dem. im Statut vorgesehenen Endtermin, als welcher das Ende des Verwaltungsjahres dient, an die Exekutive statutengemäß abzusenden, wird als - letzter Termin der 15. Juli 1922 festgesetzt. Bis zu diesem Tage müssen die Schekelgelder an die Kassa des Jewish Colöniat Trust in London überwiesen sein. S p 21 e r c i n 1 a n g e n d e Sch ek elsendungen können für die Festsetzung' der Zahl der Delegierten der -einzelnen Föderationen - nicht mehr .in- Betracht kommen. dem Vorsitz des Jonst-Delegiertem Dr. Kölker statt, wobei die einzelnen Redner, unter anderen audh der Präsident der Zionistischen. Exekutive Dr. R e i c h, auf die Wichtigkeit einer augenblicklidh in Angriff zu nehmende« intensiven Hilfsaktion für unsere so opferwilligen pJÜästin ens-ische« Pioniere bewiesen. - Oesterreich. Die Jaworina-Frage. Prag, 27. April. Die BrUnner „Lidov-., Kovtny4 belichten hach dem Krakauer „Cas“, iai; de# polnische und der tschechoslowakische Gerate ip Paris namens ihrer Regierungen der '.Bttsöhafter« Konferenz eine gemeinsame Note überreiche Werden^ worin-tim die Verlängerung der Frißt zur der Jaworina-Frage um weitere zwei Monate ers; ■ “?t wifd, Die Fleischverteuerutig* Ungarn versucht eme Erpressung. Beim gestrigen Presseempfang im Ministerium des Aeußern teilte Minister Dr. Nennet mit» daß sich im Laufendes Nachmittags der Min Ist errat mit der Frage der Fleischversorgung befassen werde. Der Minister erwähnte den Zusammenhang dieser Frage mit den Ungarn / auferlegten R ep a r a t iö n sleistungen an4Vieh und erklärte, die Regierung werde alle geeigneten“ Maßnahmen ergreifen, um den berechtigten Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung zu tragen; Mtz. der?. - ungarischen^ Regierung sql bereits iy dieser,. Frage, Fühlung genommen worden. Die Regierung werde > alles - aufbieten* um Ungarn zum. Aufgeben seines. Ausfuhrverbotes zu bewegen, doch könnte möglicherweise damit die Frage von h ä n d e 1 s p o 1 i t i sehen Konzessionen an Ungarn verbunden werden, die für pesterreich von einem anderen Standpunkt aus schwer zu erfüllen-wären. Wie wir erfahren, verlangt Ungarn als Konzession die Herabsetzung der Weinzölle und die Zulassung eines bestimmten Weinkontingents. Diese Forderungen sind bei der allgemeinen Stimmung gegen den Alkoholverbrauch nur gestellt, um der, Regierung Schwierigkeiten zu bereiten. Diese Erpressung wird mit neuerlichen - Verhandlungen Oesterreichs mit Jugos l a w i e n beantwortet werden. Umwandlung des staatlichen Funkdienstes. Die »Wiener Zeitung8 meldet die Protokollierung der österreichischen drahtlosen Verkehrsgesellschaft m. b. H., einer Gründung der Wiener Elekrogroßfirmen Siemens & Schuckeri, Siemens & Halske und der A. E. G. Unioh. Die Gesellschaft beabsichtigt, wie die Korrespondenz Herzog erfährt, die Uebernahme der gegenwärtig mit großem Defizit arbeitenden staatlichen Funkenstationen unddie Aufstellung mehrerer neuzeitlicher Röhrensender auch für den amerikanischen Verkehr, wodurch in den hauptsächlichsten Verkehrsbeziehungen ein stündlicher Rapidverkehr abgewickelt werden kann. Die Gesellschaft beabsichtigt, im Sinne des Antrages der Ersparungskommission staatliche Funkenbetriebe auf rein wirtschaftlicher Basis als abgesonderten Betrieb zu führen, wodurch das Defizit beseitigt und der Staat überdies einen Anteil bis zu e i n e r M i 11 i a r d e Kronen jährlich erhält Die Neugründung ist besonders für den Presseverkehr wichtig. Die Gesellschaft plant auch die Einführung des Funkdienstes zwischen den Hauptstädten der Bundesländer. Polen. ",Z . '.v . . I _ Machno Interniert. ... - j Wafsctia»; 27., April. (Tel. der „Wiener A'orgen* zeihing“.) Wie seinerzeit berichtet’wurde, ist ,c» durc^ seine Judenmassaioes berüchtigte Ataman M % ch rro nach seiner Niederlage durch die Bolschevi V si auf rumänisches Gebiet geflüchtet In Rumänien mach diesen unerwünschten Gast nicht gerne und ■ cMensj ihm der Boden in Rumänien zu heiß geWord; -• überschritt er vor einigen Tagen mit seinem xznztit Anhang bei -S.n La t y n die rumänisch-polnisch«) 1 wo"% von' den Behörden Iti Empfang '-Mir - ".murs. wurde. Machno wurde mit seiner Familie und i ajit&i Gesinnungsgenossen, etwa zwanzig Personen, h da^ I n t e r n i e r u n g s 1 a g e r von S z c z a 1 \ v v/ 4, überführt ■ .. j j Ungarn. - ’X ■ ... i . ............ . . , Graf Bethlen wurde nicht geficA f Au« Budapest wird tans berichte... allem Jammer, den die gege«wärtigen .Zusüvjrie-id Ungarn hervtor^erufen, g^bt es doch ndch ab ' 3 auch manchen Staatsakt, der zur Erheite-ru; Gemüter beiträgt, So berichtet »M a g y ai; O r* s 2 a g< den felgenden Fall: Eine urtgaribche Unternehmung erw.arb de« über die Teilnehmer ‘ei Kd«ferenz von Genua amgefertigten Film u.nd wollte diese« m den Budapestei Kinotheatep; vor«|- führen lassen. Der Mmis-ter des Ianern r» tr i;* doch den Film und ließ ihn nicht einmal der *?n$r unterbreiten. Der Unternehmer interessiert«? ---ichnun im Mfoisterium des Ininern über den ' dieser ablehnenden Haltung und erfuhr dor.W*da!j die ÄuffühnuAg des Films aus wichtigen S tx. tsinte t e s s e *n nicht gestattet werden könne. Dv? französische Filnvoperateur in 'Genua hielt ea. nämlich nicht für wichtig, auch von Bethlen und der ungarischen Delegation Aüfnahmeh für 'seinen Film zu machen. Die Ungarische Regierung hielt es nua mit den Interesse« des Staates für unvereinbar, d&m imgari-schen Publikum eine« Film über die Genuese?“ Konferenz zu zeigen, auf welchem die ungarische Delegation durch ihre Abwesenheit glänzt. Der ßudapester Unternehmer half sich nun dadurch, daß er eine jüngste Porträtaufnailime von Bethlen dem Film in der Weise einfügt, daß er als stehende Figur .auf dem Film erscheinen ksrm. Es bleibt trotzdem noch immer fraglich, ob Minister des Innern Graf Klebeisberg durch diese findige Korrektur die Interessen des ungarischen Staates hinreichend gewahrt finden wird. Tschecho-Slowakei. Das jüdische Referat in der Slowakei. Aus Bratislava wird uns gemeldet: Die Erledigung der jüdischen konfessionellen Angelegenheiten, insoweit sie bisher von der administrativen Abteilung des bevollmächtigten Ministeriums für die Verwaltung der Slowakei vorgenommen wurde, übergeht in d*e Kompetenz des Referats des Ministeriums für Schulwesen in Bratislava» Die Taufbewegung in Budapest. Aus B u da p.e« t wird uns berichtet: . Vot, einigen Tagen hielt die hiesige evangelische Gemeinde A. B. ihre ordentliche Generalversammlung ab. Dem Jahresbericht ist m entnehmen, daß Im. Verlauf des Berichtsjahres in der HauptfUirehe am Deaikplätz sechzehn Juden getauft und zwölf röhmisch-katholische t?nd fünf griechisch* 1 orientalische Personfn in die Kirche aufgettommeiä wurden. Aus der Kirche ausgetreten sind itißgo samt elf. La den übrigen Kirchen kt das Verhält-