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Wiener Morgenzeitung · 1922-04-28 · Heft 1165 (28.4.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1165 (28.4.1922)
Date
1922-04-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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EtiucmamwcrU SO Wien: Zum Abhole» la dar Expedition, H.,Taborstr. 1—L, oder in einerVer8Chleiftstelte [Trafik) monatlich K 1700. MitPoslversand filrWIen und Oesterreich monatlich K1700, Tsehechö-SlGwafcehMöö. Kronen 20l Ungarn: MonaÖ, Kronen 150. Jugoslawien: Monatl. Dinar, 25. Polen: Monatl. Mark 7üO.Detitsch» land: Monatlich Mark 45. Frankreich: Monatl. Frcs. 6. Nr. -8165 rrner Wten, Freitag. 23. April 1922 Tsthecüo-SIowakel (sch. K 1 Stall en: Monatlich Lire .Ql Rumänien: Monatl. Lei 40i Schweig und das übrigd Ausland monatficli Francs Redaktion «. Administration' Wien IL, Taborstrasse l—\Z. Telephone: 44*0-38, ab 6 Uhr abends 17-9-38. Tetegrämmadresse:»Morgeu* zeitung0, Wien. Oesterreichlsches _ Postsparkassenkonto IMM^ 4. Jahrgang Die Einheitsfront. —y. Wien, 28. April. . Auf dem Wege zur Einheitsfront des Proletariats ist die „Arbeiter-Zeitung®, das .Zentralorgan, der Sozialdemokratie Deutschösterreichs, glücklich bei den I polnischen Juden gelandet, deren Thema sie in der, letzten Zeit beharrlich abwandelt, am fleißigsten in der Gerichtsaalrubrik. Wenn der reichsdeutsche Schlossergehilfe Döderlein eine Jüdin, betrügt, so zeigt dieses Zentralorgan auf die Herkunft der, Betrogenen hin. Wenn unter einer, mit SachdetnobiHsierungsgütern debefaßten Schiebergesellschaffc sich ern Jude vor Gericht zu verantworten hat, so redet dieses Zeniralorgan im Frühblatt von polnischen Juden, -im Abendblatt, von den, Ostjuden. Die. Antithese würde :s in bezug au? die anderen Angeklagten logischerweise. lauten: Oesterreichische Deutsche. . Das Zeniralorgan schreibt „christlichsoziale Mandatare®. Man braucht diesem Zentralorgan nicht“ erst zu sagen, daß das Verbrechen weder anf die Geographie, noch an das Religionsbuch gebunden ist,, 'denn. der Inhalt -des Blattes beweist diestäglich und es. war sogar schon: in der Lage, über die Defraudationen soziaidemokrati-* scher Vertrauensmänner schamhafteMitteilungen zu ipachen.- Das .Zentralorgan. duldet freilich nicht,; daß daraus Schlüsse auf die sozialdemokratische Partei gezogen ‘ werden. Aber‘ es" «irhriit ‘ freudig jede ’ Gelegenheit wahr, den antisemitischen . Insiinlrtpn der Masse zu schmeicheln,ja, wa dies ängeht, sie zu provozieren. Wenn in Ungarn einige Juden Legitimisten sind -«■ was ilv gutes Recht "ist .-r so kann, man sie in der „Arbiter-Zeitung* «als “ Juden: augeprangert pehen. Sind in Oesterreich die'Juden -nicht gewillt, pr Sozialdemokratie zu schwören, so findet die ^Arbeiter- Zeitung“'. dieses Verbrechen“ als-* jüdisch. Kurz,, wo ' sie - die' Juden findet, ’ begibt sie sich - zur ^inheUsfront mit" den “Organen des Kardinals Pifll, ies Orel .oder des .Handeiskammerrates Kandl. Als sich die polnischen Juden : nqch _ als Wahl-,, ptafiage JDr*. .Daszynslh,' un'cj tieb^rniaph gebrauchen ies anging, aber die- Gcogfaphie vü^terdrüdite- -sie. Das jüdische Heim in Palästina. Ein Staatsvertrag zwischen England und Amerika. Kew York, 23. April. (J. C.B.) In einem Gespräch mit einem führenden amerikanischen Zionisten erklärte Senator Lodge, die Vereinigten Staaten von Amerika und England hätten sich über die Frage der offenen Tür in Palästina geeinigt Die Balloar - Dek!ara11on soll dem Staatsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten. und England einverleibt werden« Staatssekretär H n g h e s habe bereits seine Zustimmung zu diesem Plane erteilt* Weitzmann in Florenz. Eine Keren-Hajes$od-Konferenz. Aus Flosreii.z wird uns berichtet: Professor Weitzmann ist «ach einem Besuch In Venedig, wo ihm von den dortigen Zionisten ein festlicher'Empfang bereitet wurde, Sonntag in Florenz eingelangt.,Aus.diesem.Anlaß fand eine Keren-Hajessod-Kpnferenz statt, an der auch bedeutende jüdische Persönlichkeiten Italiens teün&hmesi. Hierauf fand ein festlicher Empfang in der ^Synagoge statt. Bei der Keren-Hajessod-Konfferenz trat eine völlige Einigkeit defr Anschauungen zutagej und es wurde einhellig das Maasser-Prinzip angenommen, welches bis zu einem Konflikt innerhalb der Leitung der italienischen Zionisten geführt hatte» Am 24. d. M. hielt Professor Weitzmann im Saale, der Präfektur'in Anwesenheit der zivile« und militärischen Behörden vor einem große«, auch aus Nichtjuden bestehende» Publikuiu einen überaus eindrucksvollen Vortrag über die jüdischen Ideale und Palästina. Der Vor-* tragende wurde dem' Pu&!ik$m vom Senator M a z z o n i vorgestellt. immerhin totschweigen, weil' man Viel bequemer; auf die reiche« Juden de3~Weste?tslosdroscIi, um sich’ den stürmischen Beifall des Demos zu1-erwerben. Jetzt hat »ich die Scheu * ein ■ wenig. verflüchtigt. , Die jenossen ,des . Ostens ' 6indJ in Mißkredit , geraten,! hre' jüdische«...Wähler, mußten l, infolge ..des - Korn? sronfisses, . das; die Sozialdemokratie - hn- Jahre .1914 fit der Krieg^bestie abgeschlossen hatte,; nach . dem Testen fliehen „und sind seither dem Antisemitismus ler liegend oder stehend Getauften und der Konfesr sionstosen-verfallen. Jenseits vo« „Jud® und Böse beobachtet die . Sozialdemokratie , kalt rechnend -die Stimmung der Ihren: sind sie für oder gegen die polnischen ■: Juden?1 Wobei der . Hauptton ■. auf ^em. letzten Wort, liegt, r Es . Abt eine' Menge - wir . . wollen .. jm Jargon > .der .; neuen Einheitsfront bleiben,— polnischer 'Arier, die wiederfit aus Not. oder Beruf . mit den. Gesetzen in ■ kon-. likt geraten. Das Zentralorgan '..hält sich- -nicht bei ^hrer Herkunft auf, , sondern bleibt, wie sich dies gebührt,, . sachlich und ernst. Dank-dem Sever, dem Waber und ähnlicher Größen , des. österreichischen Deutschtums sind diese .polnische« Juden tim die Staatsbürgerschaft .und damit. um das politische Recht geprellt worden. Die Sozialdemokratie hat nichts getan, vm den Rechtßraub zu .verhindern... Also sind die polnischen Juden keine . Wähler, also kommen die für das Zentralorgan lediglich als die Schießscheibe jln . Betracht und von Alphsa ,bis. Omega wetzt jeder Idiot seinen Schnäbel an den \tyehflbsen. Alle sozialistischen Lehren über. den ursächlichen 'Zusdmmenbahg zwischen Not,und Kriminalität, werden vergessen, wenn ein; Zeltenreißer einen Bericht über die., „Poliöchen“ bringt. Alle Juden aus. Frag und Leipnik; sind lioph- . entzückt:: Ha, ein Pöfischer! . Wetth sie im Kotsich, finden, dann verstehen sie sich gleich, die arjschen und die minder arischen Schreibknechte. Es lebe die Einheitsfront! " ' :.. JudenfeiiidSiche Politik In Lettland. Riga, 24. April, (J. C. B.) Der Rigaer Stadtrat, f» den jüngst fünf Juden' .gewähltwurden,' unter ihnen, der Leiter der sanitären Abteilung der Stadtverwaltung* Dr. J afö, hat auf seiner .letzten .‘Sitzung, beschlössen,' Dr. Jaf$'die Leitung der. srniit^ren .Abteilung zu . entgehe«. Dieses Vorgehen Dr.JäfA gegenüber!, ist-auf eine Koalition der . letiländischdn;s o z Ta 1 d.e m ök r a 11 s c h e a Partei mit den bürgerlichen Parteien 2nirückzuführen, In der lettländischen. Presse wiederholt sich immer wieder der Refrain: ,,Juden.', dürfen ainf kefnen Fall an die Stadtvcrrvalfuiig hiran»classen Die Konferenz von Genua.;■ Die Antwort der ÄHiiertefi an die Küssen* : Genua, 27. April. Der Entwurf. Lloyd Qeprges für Üa9 Memorandum der Alliierten .über die, russische Frage wifd' von den'Experten.' fiieuje 'weiter - beraten. Es, sdll def russischen Deiegatiön in^der Fr.eitagsltzun^ der politischen ,fUi)terkd'TO&ste^ übergeben werden. *m^beteiJigten^Kreisehrglaubt mah':zu,wissen, daß die Rassen aus Moskau .strenge Weisungen'^rhaiteii hätten und datier die'Gegenvorschläge , der Alliierten kaum annehmen, würden. Diese Gegenvorschläge, in neun Punkte gefaßt,' bijden „da^ Aeußerste der Zugeständnisse der Alliierten. Man‘meint daher, daß den Russen >s i n e F r I S t v ö n ni e h r e r e n Wochen, unter; Umständen vielleicht sogar von m e hreren Mo n ateii' zagebi-Ufgt werden, könnte- und daß die russische Frage einer nach Ablauf dieser> Frist eitizubemfenden neuen Konferenz Vorbehalten werden dürfte. Tschitschcrin erklärt hiezu einem Vertreter der A'gence Havas, der russischen Delegation sei keinerlei offizielle Nachricht über die Haltung zugekoitlmen, die di6 Alliierten einzunehmen gedenken. Die SowjCtregierung wünsche aber durchaus nicht, die Verhandlungen zu sabotieren. Sie müsse nur ihre Souveränität wahreiv sowie das Reziprozitäts- , prinzip .als einzig . mögliche Grundlage für die Gemeinschaft der Völker, und die Wiederaufrichtung der Weltwirtschaft gemäß den Ideen von Cannes. Die Russen, meinen, daß, sie als die einzigen den Beschlüssen von. Cannes treu geblieben seien. Dr* Benesch über den Friedenspakt. Prag, 27. April. Dem Sonderberichterstatter der »Präger Presse“ gegenüber äußerte sich Ministerpräsident Dr. B e n e s c h in Genua wie folgt: Es trifft zu, daß ich gestern und heute Besprechungen mit dem französischen Delegierten Bartbou und dem Premierminister Lloyd George bezüglich des Angriffs^ verbotvertTages hatte, der, wie ich hoffe, aus der Konferenz von Genua hervprgehen wird. Der Entwurf, der Lloyd George .zugeschrieben wird und den gewisse lokale Zeitungen infolge einer Indiskretion veröffentlicht haben, ist mehr eine Skizze als ems Entwurf und darf: niemanden beunruhigen., Die Besprechungen, an denen ich teilgenommen habe, berechtigen:. , glich zu den größten Hoffnungen. ' Beim Zustandekommen einer solchen allgemeinen Verpflichtung werden natürlich die internationalen' Verpflichtungen der Unterzeichneten Mächte zu respektieren sein, wobei der Völkerbund ergänzt und gestärkt vrerden wird. Dieser Vertrag wird "sicherlich eine der besten Garantien des europäischen Friedens sein und wir können in ihm ohne Zweifel das wichtigste positive Ergebnis der . Konferenz von Genua erblicken. » ' Die Tsdiecho-SJowakei und das Generalpfandreeiii« PTa27. April; Der „Cas“ schreibt zur Haltung der tSchecho-slowakischen Delegation in Genua in der Frage des Generalpfandrechtes: Der.. Einspruch der ‘tßchpcho-slowakischen Delegation bedeutet nicht, daß sic Gdi dasegeu stellt, daß Ge &stee&hrsehsa Vci- . treter die günstige Gelegenheit in Genua benützen, um .!in persönlichem. Kontakt mit den einzelnen Delegationen den Boden für den Aufschub des General- Pfandrechtes vorzubereiten. - Oesterreich imd die Genueser Konferenz : Bericht des Ministers Kennet. Der Minister , für Aeußeres u»4‘ - Ackcrb^i-, H e n n et. det gestern aus Genua ifi \Vien änkain; enijn^ - fing die Vertreter '‘der . Presse, unr ihnen Mitieiluagetl^ über flie Konferenz von Gea'ua zu machen.^Er fülirUJ;, aus, die Konferens sei dadurch. cbarakterisioTtj.daß^niie-a: m a n d- <! i e Verantwort u n g auf s i di. me In men w o 11 e, s i e zu, 9 ,p t e n ^'e ä. - ’■ Für Op6ter-i. reich ist es besonders wichtig, einö möglichst' große| Handelsfreiheit: zu erreichen. Oesterreich fst.ein T r ai.-tlacid, das nur, von der Freiheit des Handels eine Heilung’ zu erhoffen hat. In dieser Beziehung. stamd'enj.: wir auf dem. Boden der in Porto rose gefaßtes^ r aber bekanntlich .noch. n i c h fc ratifizierten Beschlüsse« ’ Wir haben gehofft, daß in Genua ein Fortschritt ü«i dieser Richtung erzielt würde, umsomehr, als das Lom doner Exipertenkomitee empfahl, die Beschlüsse ,7.oa* ' Portorose in Kraft zu setzen. Leider •wurden1 -voh Jugoalawiea Bedenken gegen die Durchführung; dieser Beschlüsse erhoben, mit dem Hinweis i darauf; daß sie für Jugoslawien keine besonder.o.Q V;ö.jw teile brächten. ■ . .;; - i Günstiger als in bezug auf des HaiulelsveiicebP l steht die Frage, des T r a'xi 8 p o r't v e rk'eh r«.? Hier istman den Beschlüssen von Porfcoroae' näher-‘gehont* men. Bezüglich der R ü c h s t e 11 u n g d e r ' P f a n 4U re cht e verwies, dej- Minister auf die Scliwierigkeite», die in dieser Hinsicht. durch die Ausschaltung aller Reparationsfragen vom Konferenaprogrämm - cra wuchsen. ■ •* : . ' ' ■ - / . ■ . ‘ Der .Minister erinnerte dann au die Sohwierigkeitö®, die in* der zum Studium dieser Frage eingesetzten Kommission durch die Einwendungen J tngosliM wiens und Rumänietas geschaffen wurden, da di« Vertreter dieser Länder die Frageder Bcfrei-i p n,g 9 s eh u 1 d e u. zur Sprache brachten. Sie erklärten, daß es der’ Bevölkerung ihrer Länder schwer erklärlich gemacht werden könnte, .daß man die Pfandrechte atsS Oesterreich aufgeschoben habe und, dabei- Gefahr laufe, die . von. diesen Landern zu- bezahlenden Befreiung^ schulden! demnächst bezahlen. zu müssen.. Dieses Stek; lüngnahme hat natürlich die Situation sehr' erschwert?« Es ist jedoch zu hoffen, daß es den Bemühungen Eng^- lands. Frankreichs und Italiens, deren Vertreter sich' der Sache außerordentlich anrichmen, gelingt, hiereineni Ausweg zu finden. Auch Dr. Benesch gab die Ztw Sicherung, von seinem Standpunkt aus die rasche Lösung* der Frage zu unterstützen^ , . Im ■ übrigen wurden ununterbrochene :Verhauch« lungen bezüglich weiterer Kredite an Oesterreich geführt, die.jedoch selbstverständlich van der,Lösung der Pfandrechtsfrage abhängig sind und erst nach Erledigung-dieser Frage greifbare Formen annehmeil können. Gleichzeitig finden bekanntlich Besprecfotmgca wegen einer eventuellen Erweiterung der bereits durch einzelne Staate» gewährten oder der parlamentarisches Verhandlung sugeführtca -Kredite für Oesterreich statt» Mitden Vertreter» des Völkerbundes - in Genua, die stets warm für Oesterreich eintreten, wurde ebenfalls ein. ununterbrochener Kontakt aufrechierhalter^ da der Völkerbund gewissermaßen als Treuhänder t.trnstesH £är Aoso Kredit© auf traten sott.

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