Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1162 (25.4.1922)
- Date
- 1922-04-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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n Seite 2 Wien, Dienstag WIENER >IORGENZEmJIsr(? 25. April W2S ft. |1Ö2 _ - - -- -»-• —n|— .... .... .. ■'f - -- .• — -- .— . .. - --;r~ --- —- /■ •. Montenegros Delegation Genua, 24. April (Tel.-Komp.) Die Abordnung von Montenegro, die eine mehrstündige Unterredung mit der russischen Delegation hatte, macht lebhafte Bemühungen für ihre Zulassung zur Konferenz. Sie ist zu diesem Zwecke beim Konferenzpräsidenten und bei mehreren politischen Persönlichkeiten Vorstellig geworden. Eine ukrainische Protestversammlung In Wie». Ara 20. April fand in Wien unter dem Vorsitze der Herreu Dr. D. Kuropataickyj und Dr. \V. Za 1 oc e c k y j eine Versammlung der ukrainischeil Kolonie und sämtlicher in Oesterreich weilenden ukrainischen Emigranten statt, weWs ln scharfen Worten gegen das Vorgehen der polnischen Okkupationsbehörden in Ostgalizien protestierte. Es wurde eine Resolution beschlossen, in der die Konferenz zu Genua aufgefordert wird, ihre Autorität dafür einzusetzen, daß die seit acht Monaten unter dem fälschen Verdachte der Teilnahme an dem Attentat auf den polnischen Wo j wo den Grabowski verhafteten ukrainischen Studenten, die ohne Verhör trotz der Intervention ihrer Verteidiger in Kerkern in Lemberg schmachten müssen und nun aus Verzweiflung In den Hungerstreik getreten sind, in Freiheit gesetzt werden. Diese Resolution wurde telegraphisch an das Präsidium der Konferenz und an alle Führer der Delegationen der in Genna vertretenen Mächte geleitet. (Westukrainische Presseagentur.) Oesterreich. Das Generalpfandrecht. litt hiesigen unterrijdhtebon Kreisen ward dem iV’Oiiibetelt, den die t s c b e c ih i s c h e Regierung in der Frage der Aufhebung des Gen-eratlpfamdirechts io Genua gemacht bat, keime emifcscheidende Bedeutung beigetnessen. Die tschechische Regierung hat erklärt, daß diese Frage lediglich eine Angelegenheit der Signatare des Friedemsverhrags von Satint-^ Germaim sei und außerhalb des Rahmens der Konferenz von Genna zu behandeln wäre. Ernster wird de-e mnwendumg Rumäniens hmsscthtlkih der Befrtgi ungsschulden genommen, die Möglichkeit njehit auszusd-iließen ist, daß Rumänien Zugeständnisse zu erlangen wün/sdit, efl« leg der RüaksteHutng q‘es GenerallSpfamdredhts zu- Etkrmyt, wodurch die Verhandlungen eine Verzögerung erfahren könnten. Ungarn. Batthyany über Bethlen. Budapest, S?. April. (Tel. der »Wiener Morgenfteitung«.) In einer der jüngsten Nuimmemn des Pariser »Temp s« erschien ein Interview' mit dem?viinisterpräsidenitefn Grafen B e t h 1 en, dessen Inhalt den Führer der Achtusudtvkmdger umibh äugigen K^uth-Pairtei, Grafen B a 11 fo y a n y , veranlaßte, in der letzten Diirektirmssifczwmg düeser Parte: den lAusführungen Graf Bethleras in schärfster Weise en-tgegenizntretein. Graf B-athltm habe seine Regie- Fumg und seime Partei vor der französischen Oeffent- IbMkeiit ©o Ihimgestellt, alis würden sie si-ch dem Geoianken einer Restaiuriemumg der Habsburger offen fwi-dersetzen urid a/ls wollten sie eine fremde Dy* nasfcie auf den Thron erheben. Demgegenüber stellt Graf Ba<1hyamyi fest, daß zoNireiobe Mitglieder de« Regierung und ihrer Partei die Restaurierung der Kahsbusrger amshrdben umd in deren Interesse alles EJiifhieten. Ebenso un.wigj!-ir seien Bethlen« Behaiyiptungen über die Wahlen, dteß die neue Wahlredhibsondtmumg bloß das WeMredM der Frauen verkürzt halbe. Tatsache sÄ, daß 40 bis 50 Prozent der Wähler gestrichen wunden, je nachdem sie oppositionell oder regierumgsfreiüadl ich gesinnt sind. Bethlen sagt in ienem Interview-, er wollte den Kampf gegen Andrassy und die Qtaforisteu aufnehenen. Da fragt nun Graf Battihyamy : Gegen Andtrassy, mit dem er im Oktober, als Legitim ist volillkoimimefn eines Sinne« war umd nur bezüglich Karls oder Ottos differierte, öden* gegen Oe Oßcfcobrislen? Ich warme den Grafen Bethlen diatvor — rief Graf Bahfhyam’v — die Hetze gegen die Okto~- br-isten forteiusetzen. Enmn^ert et/ sich nacht mehrt daran, daß im Aipril 1919 gerade er cs gewesen ist, der im Namen des Wiener Komitees ein Memorandum arusgearlbeitet hat, wonach eine Regierung zu bilden gewesen wäre, die sich nicht ein auf da« allgemeine, gleiche und geheime ,Wahlrecht gestützt hätte., s-orHderii die auch eine Koalitioni'regicrung auf dar Grundlage des Volks» beschlnsses vorn i6. November it>r8 gewesen wäre? Erinnert sich Graf Hethitern daran, daß dai« Memo* irapdtum, des ich, clor Oktcfcrist, Shm ln Wien i n die Feder diktiert .'‘rabe, fast wÖrth'ch mH seinem MemoraindUim identitsch Ist? Ich würde cs bedauern, wenn man mich durch die Fortsetzung der Oktohdstenhetze dazu zwingen. solUite, noch vifeie andere Schleier zu lüften. Zum Schutze der Ehre der ungarischen Nation. Budapest, 24. April. (Intel.) Der Gerichtshof von Raab verurteilte den Journalisten Anton Peretfatlcszu 2V, Jahren Gefängnis. Das Urteil wurde damit begründet, daß Perepatics einer Wiener ungarischen Zeitung Material für einen Artikel geliefert und sich dadurch gegen die l8Ehre der Nation" vergangen habe* , An unsere geehrten Abonnenten! Einem Beschlüsse der »Vereinigung der österreichischen Tageszeitungen zufolge werden ab 1'. Mai die Bezugsgebühren der Wiener Tageszeitungen erhöht Diese Erhöhung ist .notwendig geworden Infolge der Steigerung der Preise aller zur Herstellung einer Zeitung nötigen Materialien, insbesondere der geradezu horrenden Steigerung der , Papierpreise und der Erhöhung der* Postgebühren. Auch die Verwaltung der »Wiener Morgenzeitung* ist durch diesen Beschluß veranlaßt, eine; Erhöhung der Bezugspreise vofzttnehmen. Diese erfolgt nur in dem unbedingt notwendigen Ausmaß und wir geben der Erwartung Ausdruck, daß unsere geehrten Abonnenten uns auch weiterhin ihre Anhänglichkeit bewahren werden« Bezugsbedingungen ab I. Mai: Abonnement für Wien (zum Abholen Im Expedit oder In den Verschlelßstellen) monatlich' . . ..K 1700.— Oesterreich monatlich . . . . . . K 1700.— Tschechoslowakei monatlich . tschech. K 20.— Polen monatlidr* * . . poln. Mark 700.— Jugoslawien monatlich . . . . Dinar 25.— Deutschland monatlich . . » i .Mark 45.— Rumänien monatlich . ... Lei 40.— Holland monatlich ...... bol!« fl. 1.50 Italien monatlich . . . . .. . Lire 6.— Schweiz monatlich. . . Schweiz* Frcs. 3.— Frankreich monatlich.Frcs. 6.— Belgien monatlich .... belg. Frcs. 6.— England monatlich. . . . . . . 8h. 3.— Amerika monatlich.Dollar 0.50 Einzelnummer für Wien.K 60.— Montagsnummer . .K 50.— Zahlstellen: Oesterreichisches Postsparkassenkonto 150.603. Tschecho-slowakisches Postsparkassenkonto (Prag) 59.351. Polnisches Postsparkassenkonto(Warschau) 190.227. Deutsches Postscheckkonto (Berlin W 7) 108.722. Rumänien (Czemowitz): Allgemeine Depositenbank Czemowitz. Jugoslawien: Postsparkassenkonto (Zagreb) 40.085. ' Italien: Societa di credito commerciale Trieste, Via Mazzini 30. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung*1 Wien, U,, Taborstraße 1—3 x Telephon 44.038, 43.319. Zum Ableben Samuel Bakonyis. Der ehemalige ungarische Abgeoudnete Sarmiri Bakon y i, über dessen Tod wir bereits «kirn berichteten, gehörte m dien cnfteressianteiäiben jüdi-soben Typen in Ungarn während der letizten Jad-wwehnte. Er wuindie 1862^ »n, Do^recziin, denn kailfvqrnischein Rom, geboren, wo er ai-dli ntaoh Aibsolvierurag seiner juristischen Studien ali> Reohtsanwalt niederliieß. Er war ein im gamizen I-aride gefeieter Jurist, so daß die Bürgersdiaft von Dobpeozm öhn ich JaÄire 1901 mit dem Ppqgraimm der Uruabhämgiglkeiteipflinttei zu öhrern Aibgecndtneten wäVilte. Er blieb auch 'bis zum Abschluß seiner iptoliti^dh-ort Karriere unrantedbrodhen dier Vertreter dieser Stadt itm tunigarisohtein Parlament, wo er zu den 'henvorragenidöten Kennern der Ans>gleiicbsff<rtageii umd dier Ikonrapltzierten Fragen' der gememl^amen Armee gehörte. Im Parlament und anitah in den Delegaitwuien war er immer in den wiidh tigsten poiHHrdhen Momenten der Siprecher dier Aohtundnii erziger-Pairt ei. Nadh dem Zfnasimm enbrueh zog er sioh allmäSliob vom ipofititschen Leben zurück und der weiße Terror mit seinem öhrisrtll'ichnjarionafon Kurse hat auch die Tätigkeit dieses einst gefeierten Mannes völlig Iahmgelegt. Palästina. Die erste Kolonie jüdischer Legionäre. Jerusalem, ss. April. (J. C. B.) Wie bereits gemeldet, hat die Regierung ihre Zustimmung gegeben, daß den ehemaligen Legionären ein Grundstück T e l - A r a d (bei Hebron) überlassen werde. Die erste Gruppe ist bereits dort eingetroffen, um zunächst einen Brunnen zu graben — den Lebensquell dieser ersten jüdischen Amsiedlumg im Süden Palästinas. Die Siedlef wurden von den arabischen Fellachen mit großer P reude begrüßt. Die Araber kommen täglich zu den Juden, um sich von den Fortschritten der Bohrarbeiten zu überzeugen. Eine historische Gesellschaft in Jerusalem. . Jerusalem, ss. April. (J. C. H.) Auf Anregung David yeU'i.TTs wurde hier eine Gtssellschaft zur Förderung der Forschung auf dem Gebiet der Wissenschaft des Judentums gegründet Die Gesellschaft heißt »J a b n e« und wird sich besonders der Erforschung der hebräischen Sprache und jüdischen Geschichte widmen, Rundschau. Vatikan und Zionismus. Zweiter Empfang Dr. Weitzmanas bei Kardinal GasparrL Rom, ss. April. (J- C. B.) Der Staatssekretär Kardinal G as®» ai empfing gestern zum zweiten Male den P<räsi«d<entem der zionistischen Welt* Organisation Dr. Chaini W e i t zm ann kx Begleitung des itaKenischcn Zianistemführers Dame L a 11 e s ln längerer Audienz. Die Aussprache nahm einen freundlichen Verlauf. Kardinal Gasparri sprach seine Zuversicht dahin sus, daß zwischen den Juden und der Kirche in Palästina ein friedliches Zusammenleben möglich sein wird« Herbert Samuels Londoner Reise. London, sz. April. (J. C. B.) Wie »West* minster Gazette« ®us zuverlässiger Quelle erfährt, entbehren die Gerüchte, die Reise Sir Herbert S s muß 1 s nach London als ■ Auftakt zu ©etrnira Rücktritt anzusehen, jeder Grundlage. General TuMC sei nicht als sein „Nachfolger nach Palästina ge* gangen, «andern als Kom man darrt der in Palästina stationierten Militänaibteilungen und des ncugeschaffenem G-endarmeriekorp«. In der Abwesenheit Sif Herbert Samuels wende der Zivil sekretär Sir Wyndham D e.e d e s die Kontrolle über die Verwaltung ausübem. Sir Samuel werde wahrscheinlich schon anfangs Juni nach Palästina ztkrücldkehren. Das Palästina-Mandat und das amerika« nische Repräsentantenhaus. Washington, 2s. April. (J. C. B.) Im einer besonderen Sitzung nahm das Auswärtige Komitee des Repräsentantenhauses erae Enquete über die vom Kongreßmitglied Hamilton Fish ein gebrachte Resolution für die Gutheißung der Errichtung eines jüdischen Naticmalheimes in Palästina vor. Für die zionistische Orgeqcsation Amerikas wohnte den Verhandlungen Mr. Louis L i p s k i bei. Das Scnatskomitec für auswärtige Angelegenheiten enupfmg eine aus Vertretern der zionistischen Organisation, des amerikanisch-jüdischen Kangreßkomifceea und der jüdischen Orden bestehende Deputation, di© das Komitee um die Annahme der -von seinem Vorsitzenden Senator L 0 d g e eingebrachten Resolu* ticra, betreffend die Errichtung eines jüdischen Nationalheimes im Palästina, bat. Das Senatskomite« für Auswärtiges wird sich im Laufe dieser Woah« mit der Angelegenheit befassen. Der deutsche Gesandte in Polen. Berlin, 24. April. (Tel.-Komp.) Wie m-tga» teilt wird, wird der d<er>zeittge deuiüsdie Gesandte m Warschau Graf Oberndorf seinem Posten m Kürze verlassen. Der neue douitsdhe Gesamdte für Polen, bewoHmädhrtigtcr Mkiriter Ulridh Rauscher, wind demnächsit sein neues Amt übernehmen. Er hat b«retos vor mehrere» Wodhetn dw* Agrement der polmsdhen Regierung erhalten* --- %' Tagesbericht Die Kunst des Errötens. Tn der Autisemitenversammlang, die Soontsa$ mrmittags im Wiener Rathaus stattfand, wurde eine Entschließung angapommen, in der es heißt: Die versammelten arMihvn, Wiener erheben! in schärfster Weise Einspruch gegen die weitere Aufführung der zahlreicäh-eu jüdischem, auf die Vergiftung unserer Volksseele a'bzielendem Schweinereien auf unseren Wiener Sdhaubühnen, »insbesondere gegen die weitere Aufführung "von Sdhnitzlers »Reigen«. Nicht die Befriedigung kümstlerisdher Bedürfnisse, sondem die Ausnützung der leicht ati erregenden exotischen Triebe, die Vormichtumg aller der jüdischen Geistesrichtung entgegensteiheaden einfachem sittlichen Empfindungen ist der Zwedk dieser Aufführungen. Geld- und Machtgier waren immer die Triebkräfte alles jüdischen - Handelns. Unsere/ Geduld ist zu Ende! Viel zu lange haben wir die jüdischen Frechheiten geduldet und damit in der ganzen Welt den Eindruck erwecken lassem, als sei Wien, eine jüdische Stadt, in der die bodenständige deutsche Bevölkerung sich zu beugop hat. Wenn es richtig ist, daß unsere Staatstheater im Mai eine eigene Schnitzler-Woche (Zwisqhenruf: »Ni eder mit dem Schmier ju-de ul«) planen, so wannen wir jetzt schon davor. Keim anständiger Deutscher wird diese Verherrlichung eines jüdischem Dichters mitmachen -— die Staätetheater werden sich mit neuem Defizit belasten. Unser- Staatstheater werden dann zu rein jüdischen Schaubühnen, Judas Ziel und Streben ist erreicht! Mit dem Zuhörern, die diese Resolution ang»* no-mmen haben, wollen wir nicht rechten. Ihr geistiges Niveau ist durch den Zwischenruf, Sdinifczieti seFein.Schmierjude, hinlänglich gekennzeichnet. Es sind dieselben Literaturkenmer, die einmal Tolstoi einen alten Teppen gemannt und ein anderes Mal Anzengruber» »Kreuzelschreiber« als das mißlungene Werk eine« Irrtgeleiteteudclässifi'zierten. Wenn auf irgend jemanden, dann paßt auf diese »Kenner« das Wort eines..großen Juden: »Der Hpr verzeihe ihnen, denn sic wissen nicht, was sie tunt« Uni e$ ist nur drollig, daß sie dem Staatstheäter ein O e» f i z i t prophezeien, weil sie der' Schnitzler-Feie* itn Burgtheater fembleiben wollen, der Geburtstagsfeier jener Dichters, dessen »Liebelei« sogar dem Kriterium des christlidi-germanischea Schönheitsideals der Aera Millenkovich standgehalten hat 1 — Weniger milde ist aber das Verhalten der V«f* sammlungsVeranstalter und ihrer Zutreiber, der antisemitischen Zeitungen, zu beurteilen. \ .Unter den Rednern befand eich auch eise Datnflfc