Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1160 (23.4.1922)
- Date
- 1922-04-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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mim Wien, Sonntag WIENER' MÖRGEKZEITUNCT Oer Kampf in der „jüdischen Industrie“ in Amerika. Tn der KleiderJinduäiH'ie von New Yarik,. wejehe, da sie ziimfcte't van jüdischen Arbeitern und jüdischen Arbeitgebern betrieben wird, als die größte jüdische Industrie der -Welt ahgesehöti. werdeai kanri,- steht abermals ein großer Kampf hevor^- i)^ Vertirag, •der zwisdhen'dar Arbeiter-Uhicni uaid/dem Schiiitz- 'verband der Arbeitgeber am 29. Mai 19x9 abge-;schlossen wurde, läuft am-1; Juni 1922 aib und die trn Zuge 'befindlichem Verhandlungen wegeneines neuem Vertrags lassem, wenig Hoffnung a-uffcommen, 'daß noch vor Ablauf des Termins eine Eiinigung erzielt werden wird.. Die.Bemühungen, eine Korn* .rntssfon^zjustande zu bringen, welche den gegenwärtigen "^tsillÄ der ganaen Kleiderindustrie zu stu- ’dierem uliid auf GiruiVd des Ergebnisses dieses' Stu> Odiums' eine Einigung zu versuchen hätte, sind ,ge- L-dreitsrt. In beiden Lagern, sowohl bei dem Arbeitern als auch - bei dem Arbeitgebern, gibt sich die ..Entschlossenheit kumd, es auf ciin-en K a m ,p f an- 'kommen zu lassen. Der Konflikt dreht sich eigentlich um jenes erste. Abkommen, welches im Jahre 1910 nach einem Lagen, an heftigen Zwischenfällen reichen Streit zwischen Arbeitern und Arbeitgebern geschlossen wurde -und sozusagen die Magna Charta für alle späteren Abmachungen, und Verträge bildete. .In der New Yorker Kleider in dustrie-- sind gegenwärtig weit mefyr.' als h u n «d e r t-t a u s en-d Jüdische Arbeit er beschäftigt. Bis ziim Jahre r.910 gab es in dieser Industrie keine feste ,Arbeits- .und- Lolmordnuhg. ..Damals äciluzten die 'Arbeiter, noch .unter dem berüchtigtem Sweat-Shop- -8ys>tem, -jenem gefürchteten Schwi'üzbudmsysteni, in welchem der Arbeiter ein willenloses; Objekt seines Arbeitgebers w,ar. Der Arbeiter mußte. Tag und Tn acht fast ununterbrodheu aibeiteni^ und sich mit einem lächerlich geringen Lohn zufriedengdbeJü, Im. Jahre 1886. wurde/so Chicago von .einem;, deutschen An archrsten.. ■ August S p i e ß die erste Arbeiter-Union im der Kleiclerindustrie .gegründet^ Die .wirklichen Begründer der amerikanischem! Kleider- Industrie waren deutsche Juden. Sie waren die Unternehmer, während die russischen. Juden «JÜr Vertragsarbei-ter wären. Um jene Zeit (1880) kam der Haupt einwarndenrngsstrom nach Amerika aus . Deutschland und nicht ans Rußland. Unter den : deutschen Einwanderern befanden sich auch viele Juden, welche den Grund zur Bekleidungsindustrie in Amerika legten. Als dann später die jüdische Auswanderung aus Rußland immer größere Dimemskmen -änuahni, blühte die Kleiderindustrie - durch ' die Arbeit der russischen Juden von Jahr zu Jahr i'm-tner mehr auf uimd unter den fleißigen Händen der auch sonst fähigen russischen Juden stieg diese . Industrie zum zweitgrößten und zweitmächtigsten Industriezweig im Staate New York heran. Mit! der Entwi'ckl'umg.def Industrie wuchs auch das. Verlangen' der ' Arbeiter , nach' einer Organisatiom. Anfangs kämen . da und dort segönannte Saisoo-Organisaticne« zustande, die vor jeder Friih- . lingsr- oder Herbstsaisca in Aktion traten, um sich nach Schluß der Saison wieder aufzulösen.' Erst im Jahre 1890, mit dem Auftreten von Josef B a- .rondee, setzte die eigentliche organisatorische Tätigkeit unter den Arbeiterin der Jvleiderin dustrie ein. Zu jener Zeit blühte noch die sogenannte Stückarbeit. Der Arbeiter batte seine -eigene Nähmaschine, mit der er in einer -sanitätswkl'rigen »Schwitzbude<r( eine gewisse Anzahl von Stücken ‘zur' Ausführung übernahm und nach’ Absolvierung. 'der . Arbeit wieder mit seiner Masrihkie äbzog, -um anderswo Arbeit zu suchen. Der, erste Kampf ging, nun um die Abschaffung der Stückarbeit und Einführung des Wochcnlohns. Diese Forderungen Wurden nicht bewilligt und so kam im Jahre 1.894; der erste große. Streik zustande, und da die Arbeitgeber hartnäckig auf ihrem ablehnenden Statndpunkt verharrten, eudete dieser erste Lohnkampf mit einer Niederlage der Arbeiter. Die Folge davon war, daß auch der . Organisationsgedanlke darunter leiden mußte. Aber die Organisaticnstätigkeit ruhte nicht. Erst id Jahre später, im Jahre 1910, fühlte sich die Union der Arbeiter sc* stark, um einen Generalstreik für die ganze Industrie zu proklamieren. Diese »R^volmtion« währte ' zehn Wochen lang und' erstreckte sich auf etwa 50.000 Arbeiter. Dieser Streik übte auf das gesamte Jüdische öffentliche Leiben Amerikas .einen gewaltigen Eindruck aus, die Blättep -sprachen nur von dem jüdischen Streik, da ja fast ausnahmslos akar jüdische Arbeiter daran beteiligt waren - und die führenden jüdischen Re'rsö-nliohkeiten^. wie zum Hei- ' spiel der verstorbene Jakob H. Schiff, Lewis M a r s h a 11 mxl Richter Brand eTs, hielten es für geboten, die Vermittlung zwischen dem Ar-; heitci'n und Arbeitgebern in die Hand zu nehmen. Dieser Intervention'geläng es auch, den Streik na-ch •zehn 'Wochen durch ein Uesbereirikommen zu be- . enden, welches Brand'eis zum Verfasser hat. iBrandcis machte damals den Arbeitgebern die Konzession/. daß er dieses Ueberei-nkommen nicht als Vertrag oder Konvention, ©cmdenn als Protokolle bczcichhete. Diese Protokolle bilden die Grundlage aller.'Späteren- Lohnvereinba-ruingein, die nur ein .weiterer Ausbau des damaligen Uebereinkommens sitid. Kommt bis 1. Juni d. J. nicht eine neuerliche Verbesserung der »Protokolle« zustande, so dürfte es abermals zu heftigen Kämpfen kommen. ■--- ] Kredite und Generalpfandrecht. Die ö s terreM ui sch e.ti Fragen sollen niuinimcihr gelöst worden.. Die fünfzehn Glaubigerstbafaten, unter ihnen Griechenland cttnid Portnigaü, haben in Genua eine siebengHeddge Kommission gdbd'l'd'et, die über den italienäisch-en Antrag aluif allgemeine Suspendierung des Generallpfainidtectfrtes für zwanzig Jahre beschließen soll. Oesterreich gehört dieser Kommission nicht an. Italien behandelt die' Ange- •legehhedt. ziemlich dringlich und. wünscht auch eine 'Stundung der in d’en Jahrein 191,9, 1920 und 192.1 gewählten Lebensmitteilfaredliite für zwanzig Jafi-re diuirohizusetzen. Minister SchaitiE-ein begründete seine Atii'bräge im Fmianizaiuisstcbuß mit einer Darstellung dier Füiianizgeecihiicihte OesteinreMiis seit) diem Kriegsende, die in’ ilHtrer Trockenheit zu einer Anklage^ .gegen .die Fslktoren/wird., die Oeistenreiidh Hilfe, und Uptür&tÜteung immer nur zuisagtiep,; ofhne •sich aber zur vollwertigen Tat zu entscMiießen-. Er ’erikilärte, die Sitzung dies Finantzlk-cimäibees sei von jenen affilierten Regierungen ciniberufen worden., -die die größten Gläubiger Oesterreldis seien, und zwar zu dem Zwecke, uim zu einer definitii^n Lösumg der Frage der Rückstellung -der Forderungen für Reparationen und der in den Jahren .1919, 1920 und 1921 für LefeenwmitteT gewährten Kredite auf zwanzig Jalbre zu gelängen-. Indem die Kontere mz 23. AM 1922P . /<&* Seite & Vorschläge, diese Fragen. -zu lösen, uim Oestenreit cbuirch Krediitoperattometri -za se in em sc haf t Hi che -n Wiedlertawflbtaiui zna ivsr helfen, ettfül',e sie mar den Zweck, zu diom sie eil berufen worden, sei. Andererseits sei «dfiie Fra der Rüdkste/liluiig der Fordiemangen am Öesfceatpeiicli seit M-oniaten. gqprüft worden.. Im M 'äriz vorige^ Jaf'ires halbe -der Oberste Rat .diese Frage deal ätlllii orten F-inanizimmiistepn. spun.* Prüfung übergdbertj Damals hoffte man, -daß diese Prüfung eiime diefiü •tive. sein werde. Die Fm-ge htalbealber wegeu e i n. i g e r Schwierigkeiten' seitem’ eimtzdÜm ■i'iiitieresisiiortejr Mächte niklh-t gelö-st worden - ko Jetzt'; seien fast adle interessierten Teile, semol jene,', -die 'Repiattatiiomen zu beauisjpiituiclhierL, ,alte atud^l jene, die Forderuhtgen für Ldbenismiitt-eiteedlte -zm st-elil-on halben, hiier wereinit. Es fdhlien mar diö V' er e-ini gt en S ta.a ten umd Argeintiniery deren generöse PM'fiümg in dieseir Frage bereits bfe-r kannit sei. W-ajs die Vereinigten Staaten -anöteinge,' so sei diese Frage d<oirt betreits piriaiktisdh gelöst. Es wäre gegen dien Geist der Konfer-eniz ©efflbst, wemoi man jetzt, wo fast alle Gläulbiger vferjsamimelt. seiend -niiicht dlitese Gelegenheit denützeh - würden diiesd Frage emidgüHiig ziu 'lösen. Dieisr sei die-' erste Vbr-i be-diingiuing für deti wi-rtsdhiaftilichett- Wicderaltsfbaiül Eurcipsas -und Oestorreiichs selbst, ein- ZM, das aföl iäinisititeben umd dtas Italien: glekto' aakib' Altedbfliuß-iäösi 'Wäff-ensti'lllisjjainidsJvertrages immer mat Mlsn M-itÜdb. - •hedbeiziuifüjh)ren verstBdht hialbe. Am die Rede Sdhfarazers SöliÜioß sMi e!ri& "Debaitte, ih vreflicher ‘die Vertreter all ler imtörosiaiieintienl Staaten dlas Wort ergriffen. Der i-taHiemisdhie Sdhtaibz-, miniister Pean-o legte dem Emtwuirf eimer Verein-, bairuing, betireffemd eine zwatrazigjähni'ge Sdunidumg -der I-Iy/potheken' usnd die-r VeenpfH-dhitanigcin atuis d'eni -FmiedLiisverbrämen, -sowie der Ernäih'rutngsikirediifce viotr. G5'ii'ckstad sMm»mte nialmjems -dar NettZtr^l-esrl zu, vom denen..mutr.der Schweizer Dabois dteri W-uiusdh mach einer Un-tersdTieiidiunig rwitscheri dteri R-epiairationeU' und den . Ern-ähwuinigisjkirefdtten zuati Ausduuck bra-dhie. Der rumänische .Ddegiiertd A n-ton eisern stimmte im P-riinizip m, v-arwiea jedoch auf dien Gasaimtk-oimiptex 'dea- Fragen tmnid auf. die 'Ndfliage, m dter sich aui^dlu' e-utl.igte ’ «dlbt* SSeger-« staiaten befinden-. Die Rü-dks'telilUing dler ösiter-; rei-ßhisähien 'Pfamdredite müsse -an' dliie Bedlwigtüng gefkhüipft wenden, daß eine gleiche Begü-niäöigting!’ bezüglich der B e frei u-n gs'schwd -di en gewälhir-t werde. 'Minister des Aeußerii S c h an-zer. emjpfahll ijih ' seinem Resümee eine möglichste' BesdhÜ-eiuiniiigunig dle;r Beratung. D-a die Ddbialtte ergeben hiaibe, -daßdlas Prolblem am besten in einem kleinen Komitee zu prüfen sei, -beanttira-ge er -die E inset-ziumg eines Komitees, bestehlend auis je eiiimem Ver-: treter It-al! e ns, E n g l ä r* d-s und Fr iaink-* r e i'c h iS, zwei' Vertretern der neu ‘t ir,-a 1 e ui Staate n und -zwei Vertretern- -der kleinen a-liliterte-ni- Staaten, nämlich dier T s cheo h o - Sl.o w carik e i, S er bien-s , R-ji m äni ens, P o'r.tu-gails1 ,• P 6-lens und Gr i ech e n 1 amd's. Der Anrtrag' wurde angenommen. Bezüglidi dter Vertretung dier kleiner a-iiliLiierten Staaten halben diese vtcsn ibre-ri Regierungen Inisüruktitoinon eingeholt. Aus Pari s, 22. d. M., -m-elldiet die Sü-clsT-ä\viscl^fi Korrösppndeniz: Nach ein-etr Infortrsattliou dier Ag-enco Tieilegraipihique Urnkviensellle wird die Reise desi öste-rrei'dliiisohen Finöinzmimisitens Dir. Gürtler ReienmM K14.900 engl. 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Freilich ist dieser Umstand auf das Kulturhistorische dieses Romans zurückzuführ,en.;Es ist das urwüchsige chassidische Leben, welches i-n : fabelhafter Plastik mit dem Geschick eines Judenjungen FN der Wende von Jahrhunderten verwobeu - wird ünct durch das überlegene Lächeln eines Philosophen aür geschichtlichen Tragik emponvächsfc. Der Cheder. die Klaus, Jcschiwah- und Talmud-Thora — all die Marksteine : d'cs jüdischen . Leidensweges eines jungen Cftassids, erstehen hier , in schillernder-Pracht . ein«; glanzenden.' Epikers und über all das Romanhafte erhebt sich eine bunte, eigenartige Gemeinschaft, die durch eine unendliche Unzulänglichkeit, des allmächtigen ' 'Zaddik zürii Zerrbild jüdischen Geisteslebens' herab- , gedrückt wird;' Novellistische Kleirinlalerei eröffnet‘eine berückende Fülle kulturhistorischer Pro'blemc und; durch . den urwüchsigen Humor einer Künstlerseele zittert: der Entsetzensschrei eines Geschlechtes von Gottcnvähiten, dfie im Morast des Lebens versinken. , . . I)iie.idealisiereiide Art westjüdischcn .Li'te-ratcntmns Verwirrt die Begriffe über dett Chassidismus. Das Poetische überwuchert das Historische und durch einen falsch angebrachten Idealismus, der nur ein Ausdruck schöpferischer Unzulänglichkeit ist, wird die Lehre " .Balschemtows und seiner Jünger ins Abstrakte . ver- *) Kwall-Verlag, Wien 1922, mit einer Vorrede von , 'M.. Süburfi. zerrt, während die. Wirkungen der chassidischen Lehre beinahe ausschließlich dem Alltag galten und im Alltag lediglich zu Blüte und Verfall gelangten. Nicht die chassidische Lehre, sondern das chassidische Leben scheint das Primäre zu sein und nicht eine Lehre schuf dies chassidische Gemeinschaft, sondern überragende Persönlichkeiten, die;mit wuchtiger Kraft , die Menge um sich scharten und jeder Gemeinde einen oft grundverschiedenen Charakter aufdrüc-kten. ' Es sind keineswegs Sektengebildc, die im-, Laufe von Jahrhunderten entstanden, sondern reale Verankerungen gemeinsamer Lebensbedingungen und Anschauungen., rings uin eine zentrale Persönlichkeit, die; aus einer Menge herauswuclisen und d'ann automatisch diese Menge zu einem Eigengebilde mit einem erblichen Zaddik schmiedeten. So gab es Heilige und Charlatane, Seelenfängcr und Weltweise, Parasiten und Schöpfer. Je nach'Geschlecht, Individualität und Bedarf- und keineswegs je nach hergebrachter Lehre und Dogma. * Im >Pojüsehen Jingelc erstarrt der blutwarme Alltag einer c-hassidischen Gemeinde zu einem monumentalen GemäMe von bleibendem. Wert. Das chassidische Leben in einem polnisch-russischen Städtchen erblüht hier in tausend Farben und eine leichte, spöttelnde Art umweht dieses, ganze Lebe n-m-it einem Hauch leiser Melancholie. Freilich ist cs eine Gemeinde an der Wende zweier Epochen und zweier Geschlechter, die dem Verfaß entgegengeht. Einerseits ist es die Haskalah, die um die a-cjitzigcr Jahre des vorigen Jahrhunderts, das chassidische Leben zu u-nterwühlcnbegann, andererseits der stolze Rabbinismus, der die Cha-ssidim mit wütendem Haß zu ersticken sucht. Während bisher, die chassichsche Gemeirde eine abgeschlossene Welt für «ich darste’lte, brach durch G o r (1 on, M a n e. und Lebe n s o h ü eine mächtige KuiturWel’c ins jüdische Lcbeu herein, die die U n iv c r s a 1 i t'ä { des jüdischen Geisteslebens wiederherzustcllen und die Tradition von Jahrtausenden mit dem Geist der Neuzeit zu verbinden suchte. Das Geschlecht der Chassidim blieb aut deni Scheidewege stehen. Das Phantom zaddikischer Gott-; ähnlich-keit zerfloß in nichts und die Enge .des, chassi-, dischen• Alltags lastete plötzlich zentnerschwer, auf den Gemütern einer betörten und um die Realität des Lebens; betrogenen Jugend! Die einen rissen sich, gewaltsam los, die anderen fluchten und fügten sich, dem unentrinnbaren-Schicksal. Eine Zeit mächtiger Gärung, die eine auf blühende hebräische Dichtung befruchtete, und! aus -der eine jüdische Volksliteratur beinahe unvermittelt hervor-, ' blühte. Während die erste mit prophetischem Pathos das Ganze des Volkes zu erfassen versuchte, riß die aus den Tiefen der Volksmasse hervorströmende jüdische Literatur alle Schranken der Tradition nieder upd ent-, schieierte rücksichtslos die Fäulnis des", jüdischen! Volkslebens. Schon der erste Roman M e n d e l e s'setzte sich mit kühnem Schwung über die Autorität Indischer Gemeindeführer hinweg und Lin ietzkis -eben-, biirtiges Werk wehte wie ein Sturmhauch über die chassidischen Gau-kelspieler hinweg und entblößte .rück-i sichtslos ein Zerrbild geschichtlicher Verkümmerung. Der riesige Erfolg dieses Romans zeugt von seiner Bedeutung. Er zerschlug unwillkürlich Heiligtümer,, indem er ihr wahres Antlitz aufdecktc. Er zeigte dc-nl Chassid als willenloses Werkzeug eines Zaddi'ks mul zeigte den Zaddik als zehrenden Schmarotzer au der jüdischen Volksseele. Er enthüllte die unerhörte Marter einer Jugend, dio verwüstet und öde nach nettem Leben lechzte, und zer-i pflückte den chassidischen Alltag in Atome voii Genuß-; .sucht, Hohlheit, Laster und Heuchelei. Der zäddilrische Volksführer wird zum drolligen Rattenfänger' und seine aufgeblähte Gottesverniittlerei zum Gaukelspielmensch-i liehen Wahns. . . ' Besaß noch die chassidische Gemeinschaft cfnp .Balschemtow und seiner unmittelbaren Jünger den ■ Schöpfcrdvang einer Erneuerung jüdischen Volkstums, so entartet hier die Einstellung des jüdischen Alltags irt den Bereich göttlicher Inbrunst zu einer lächerlichen und umso gefährlicheren. Tragikotr^ hohler Selbst-; Verherrlichung