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Wiener Morgenzeitung · 1922-04-11 · Heft 1149 (11.4.1922) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1149 (11.4.1922)
Date
1922-04-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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:Serte 2 Wien, Dienstag' ' /TE^ER" MO^GEKZErTOTTG7 TT. MN T922T mnw 'Jintschltsch, an den Ministerpräsidenten? a s c h i t s c h aus Genua ein Telegramm gerichtet habe, in dem er ihn auffordert, persönlich in Genua m erscheinen, um den Besprechungen zwischen Italien und Jugoslawien über den Vertrag von Rapallo beizuwohnen und den Standpunkt der jugoslawischen {Delegation für die internationale Konferenz zu präzisieren. Englische Industrievertreter nach Genua. London» 10. April. (Funkspruch.) Die „Times“ erfahren, Lloyd George habe Sir Artur B e n t, den Präsidenten der Vereinigung britischer Handelskammern, und Oberst Arm stron g, den Vorsitzenden des Bundes der britischen Industrien, eingeladen, sich nach Genua zu begehen. London, 10. April-(Funfcsprüch.) Ein von mehr als 800 hervorragenden britischen Bankiers, Kaufleuten und Industriellen Unterzeichneter Aufruf, in dem der schrittweise Abbau aller Handelsbeschränkungen gefordert wird, wurde an die Konferenz von Genua, gesendet . . '. •' Schanzer über Genua; Genua, 10. April (Tel-Komp.) Der Vertreter des United Telegraph hatte eine Unterredung mit Schanzer, der unter anderem erklärte, daß die Konferenz allen Staaten Gelegenheit geboten we/de, an der Wiederherstellung geordneter Verhältnisse mitzuwirken. Italien wisse die Ehre zu würdigen, daß diese so bedeutende Auseinandersetzung über wirtschaftliche Fragen auf seinem Boden abgehalten werde. Wie immer auch der Ausgang der Konferenz sein mag, wird sie als eine redliche Anstrengung zur befriedigenden Lösung aller schwebenden Fragen und als Wendepunkt und Markstein in der*Wirtschaftsgeschichte Europas und der ganzen Welt gepriesen werden. \ Ein ungarisches Genua-Buch. Budapest, 10. April. (Tel. der „Wiener Morgenieitung“.) Der Pressedienst der u n g a r i s c h e n Delegation für die Konferenz von Genua hat soeben eine Druckschrift in d e u t s c h e r, französischer und e n g 1 i s c h e r Sprache herausgegeben, in der sämtliche Daten über die. ungarische .Wirtschaft und Finanzen zusammengefaßt werden. Der 'Autor ist Dr. Max Fenyö, der Generalsekretär des Industriellen verbandes. Die Gläubiger als Schuldner. F. Wien, U. April Die französische Politik hat alle ihre möglichen Vorsorgen getroffen, daß die Erörterung über die Frieädensveträge von der Konferenz von Genüa ausgeschaltet (bleibe. Die Vorverhandlungen Poahcares mit Lloyd ,(George, die Konferenzen der kleinen Entente und der russischen Randstaaten, . hinter .c(eretr; Arrähgierung gleichfalls Frankreich steht,1 dienten dem Zwecke* viüii (Position der französischen Politik LtiGenua zu ’stärked und ihr unangenehme Prägen vom Konferenztisch (tunlichst fernzuhalten. ‘Trotz allem bleibt es aber fraglich, o-hss möglich sein Wird, die Erörterungen in.Genua jweiterzuführen, ohne dem vU.ebel, auf den Grund, zu ..gehen, und ob namentlich die Vertreter von Sowjetirußlamd geneigt sein ,werden, sich der.ihnen .vorgeschrie- Jbenen Reserve zu fügen. Aber auch von anderer Seite Idroht dieser Taktik Frankreichs eine Stöung. Die gerade itn Zeitpunkt der letzten Vorbereitungen der Konferenz von Genua aufgeflatterte'Meldung, daß England I Sn Angelegenheiten der interalliierten Kriegsschulden I jeine Note an die Westmächte vorbereite,•;deutetvermehmlich darauf hin, daß die Frage der. wirtschaftlichen , {Liquidation des Krieges,, die bisher in einer, Weise behandelt wurde, welche den ökonomischen Niedergang (Europas verursacht hat, zwei Seiten hat. ..Während die Konferenz von Washington mit der {Unterzeichnung ' der Verträge beschäftigt - war,. [welche den Frieden im fernen Osten befestigen Sollen,. 8rat das Parlament der Vereinigten Staaten das Gesetz. [über die Schulden Europas an Amerika in Verhandlung gezogen, welche die stattliche Höhe von elf Milliarden (Dollar ausmachem. Man hat sich in Europa um die (Frage der Zahlung dieser Schulden bisher auf alle fWeise herumzudrücken gesucht. England ist.'der einzige Staat, welcher stets erklärt hat, diese Schulden anerkennen und bezahlen zu wollen. In Italien dagegen ist wiederholt beteuert worden, daß selbst die Zinsenzahlung Schwierigkeiten bereite, umd in Frankreich hat (man dieser Schuld'den Charakter einer »politischen« zu geben vesucht, welche mit einer einfachen Geste der Dankbarkeit zu begleichen oder aber im anderen Falle stark zu reduzieren seins wird. Die Hinweise Frankreichs, daß die Schuld zu hoch angemessen sei, •weil die Amerikaner für ihre Kriegslieferungen allzu hohe Preise eingesetzt hättenebenso wie die freundliche Empfehlung, sich für diese Schulden einfach durch Deutschland bezahlt zu machen, hat man drüben mit allem Interesse verfolgt, und es ist bekannt, daß die französischen Hoffnungen, die Konferenz von Washington für dne Streichung der französischen Kriegsschulden z>u benützen, einen völligen Mißerfolg erlitten haben und das jüngst beschlossene Gesetz des ameriikanischen Kongresses über die Kriegschulden spricht eine deutliche Sprache. Ursprünglich plante man in ^Amerika, dem Schatzminister in der Frage der Ordnung Vier Schulden mit den Schuldnerstaaten völlig freie Hand zu lassen und das erste diesbezügliche Gesetzezprojekt feah die Ermächtigung an den Schatzkanzicr vor, die Schulden zu reduzieren und sogar streichen zu können. Aber derKongreß hat anders beschlossen. E hat dem [Schatzkanzler eine Kontrollkommission beigegeben und ihm gelassen, unter der nicht unwesentlichen ' gu4g, üaf» er weder Kapital noch Zinsen streichen oder reduzieren könne. Der Senat hat hinzugefügt, daß die Schuld innerhalb .von 25 Jahren getilgt, das Interesse mindestens 4% Prozent1 betragen muß und daß die Schuld des einen Staates auf einen zweiten nicht übertragbar sei. In dieser Form nun ist das Gesetz bei schlossen uhd von Harding bestätigt worden. Es waren nicht allein ideelle Motive;'Welche den amerikanischen ^Kongreß zu seiner Beschlußfassung, veranlaßt haben. Die staatlichen Ausgaben Amerikas in der Nachkriegszeit sind ungeheuer gestiegen, die Spesen fürFlotte und Söldnerheer .erreichen eine gewaltige Höhe und die öffentliche Schuld, welche ein Jahr vor Kriegsausbruch kaum mehr als eine Milliarde betrug, ist auf .über 23 Milliarden Dollar angewachise-n und der amerikanische Steuerträger sieht sich von einer starken Abgabenlast bedrückt. ■ Mächen schon die Ziffern die. Haltung Amerikas in der Frage der Schulden verständlich, so ist diese noch stark beeinflußt worden durch die Vorgänge in Europa und die Entwicklung seiner Politik. Die Stimmung, gegenüber Frankreich ist in Amerika keineswegs freundlich arid die politischen Führer, welche am lautesten auf der vollständigen Zahlung der Schulden bestanden, sänd . nicht müde geworden, darauf hmzuweiren, daß eine Tilgung oder Reduktion der Schulden däs Anwachsen des ohnehin bedrohlich in die Halme geschossenen Militarismus 'namentlich in Frankreich geradezu , begünstigen würde, aus - welchem Grunde dtns Bestehen - auf der Forderung geradezu dne sittliche Plicht sei. Die Frage der Kriegsschulden an Amerika geginnt akut zu werden,und für die ‘Westmächte mit Ausnahme von. England erhebt sich hier ein Problem, dem sie auf die Dauer nicht werden ausweiohen können. Es kann kaum einem Zweifel unterliegen., daß die Erfüllung der amerikanischen Forderungen nur geeignet sein kömttey den Niedergang der europäischen Wirtschaft, die starke Erschütterungen nicht mehr Verträgt, noch zu steigern und -die herrschende Krise; zu vergrößern. Es bleibt auch fraglich, ob die Kraftanstrengung zahlungsschwacher Schuldner im wirklichen InteresseAmerikas liegt, wo die Arbekskrise bedrohliche. Formen angenommen hat und nur behoben werden kann, wenn in der übrigen Welt auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet der wirkliche Friedenszustand geschaffen sein wird. Aber , die Frage der. Kriegsschulden an Amerika ist geeignet, die -gesamte Erörterung des Poblems der Reparationen und Sanktionen in einschneidender Weise zu beeinflussen: Frankreichs Bemühungen auf Nachsicht seiner Schulden an Amerika haben Schiffbruch gelitten, urid auf dem Wege, die gesamten .Lasten den Besiegten aufzubürden, wird für Frankreich kein Erfolg iri Washington zu erreichen sein. Die amerikanische Regierung hat es abgelehnt, ander Konferenz - in Genua teilzuhehmen, und die Begründung,'mit der sie diesen Beschluß verkündete, enthält eine ganz undiplomatische deutliche Verurteilung der politischen Methoden Europas und in erster Reibe Frankreichs. Wenn die Konferenz von Genua1 den Erfolg hätte, die unvernünftige, die gesamte europäische Wirtschaft zermalmende Politik der Reparationen und Entschädigungen durch vernünftigere und menschlichere Methoden abzulösen, so wäre auf solchem Wege auch die Diskussion. mit Amerika auf neue Grundlagen gesteht. Bei einer wirklich internationalen Brted'igung ''des Gesamtpröbtems der Kriegsschulden würden sicherlich auch[ die Vereinigten Staaten nicjit in iju;ef bisherigen - Isolierung verharren Eibe Fortsetzung--der bisherigen-'Methoden bedeutet weder eine Sanierung Europas ' noch einen Gewinn für die Siegerstaaten,;welche mit der zweiten Hand abgeben müssen: was sie mit der ..einen lierausgepreßt haben und der endgültige Erfolg wäre ein daß seiner weder Europa noch. Amerika froh könnten. ' r solcher, werden Oesterreich. Vizekanzler Breisky. Der Bundespräsident hat den Vizekanzler Doktor Breisky für die Dauer der Abwesenheit der nach Genua delegierten Minister Schober und Grünte e r g ermit deren Vertretung betraut Oie französische Kammerdebatte Über den Kreditvofschuß. [Paris; 8. April (Tel. der „Wiener Morgenztg.“.) In der gestrigen'Debatte über den Vorschuß für Oesterreich bekämpfte der Progresslst Charles Bare s den Entwurf, weil Frankreich keine Vorschüsse gewähren könne, da es kein Geld für die Wiederherstellung der verwüsteten Gebiete habe. Der Radikale G u e r n i e r sagte, Frankreich könne nicht weniger'»tun, als an dem Werke der w i r tsch af tli eben Wi e der auf ri chtu n g 0 e s t e r jr e i e h s mitzuarbeiten. Er erinnerte an die diesbezügliche Haltung der kleinen Entente, insbesondere der Tschecho-Slowakei. Dep Konservative Anibrois Renda, sagte :l; Er werde dep kredit nicht votieren, bevor die österreichische Regierung nicht der Exkaiserin Zita eine entsprechen? 2ivllliste gewährt habe. Der Progressist Ab out sagte, er. werde für den Kredit nicht stimmen. Der radikale Sozialist H e r r io t schloß sich den Worten Rendus an. Nach der Erfüllung der politischen Pflicht bleibe die Menschlichkeitspflicht übrig. Deshalb verlange Redner yine Pension für Zita. Er sei jedoch für die Votieru ng des Vorschusses von 55 Millionen, da es abgemacht sei, daß Garantien gegeben werden, was mit Rücksicht auf den Standpunkt der französischen Finanzen unerläßlich sei. ■ Der Radikale M o I i n i e, der die Vertagung der Debatte verlangte, schloß sich der Huldigung für Zita an. Deputierter Noblemaire erklärte sfeh zu« gunsten Zitas, aber die Regierung verlange nur eines; eine von außen kommende initiative. Er hoffe also, daß die Wünsche Rendus und Herriota erhört werden. Der Progressist Pabureau sagte, er werde für die Kredite nur stimmen, wenn die Garantien ernster seien. Der Radikale M a r g a i n e betonte die Notwendigkeit der Votierurig der Kredite. Der Vorschuß wurde schließlich v 01 i e r t. Ungarn. Das Bombenaftenfat. ' Budapest, 10. April Die hiesige Polizeikorre« spondenz meldet: Die Arader Zeitungen vom 19. d. JVL berichten aus Klausenburg, daß die dortige Polizei zwei Individuen verhaftet hat, die verdächtig! werden, das Bombenattentat in Budapest begangen zp haben. Die Verhafteten sind Bäckergehilfen namens Ladislaus L e n g y e 1 und Johann C s e r e p. Beim Verhör -machten sie widersprechende Angaben, ge« 'Stapden jedoch später, daß sie in der Budapester Werkstätte des Oberleutnants Dionysius Bibo gearbeitet haben. Die Blätter fügen hinzu, daß nach den bisherigen Ergebnissen der Untersuchung die bei dem Attentat verwendeten Waffen in der Werkstätte des Bibo an« gefertigt worden sind. Die beiden Verhafteten leugnen jedoch jede Teilnahme an dem Verbrechen. Auf der Budapester Polizei hat man, „ wie der christlichsoziale „A Nep“ meldet, noch k e in e offizielle Kenntnis von den Klausenburger Verhaftungen, Der Leiter der Kriminalsektion der Polizei, Oberpolizei« rat Dr. Horvath, erklärte einem Mitarbeiter des „A Nep“, durch die Untersuchung habe noch nicht genau festgestellt, werden können, wo die Bombers hergestellt worden seien. Jedenfalls werde die Polizei den in den Arader Meldungen genannten Bibo eisvernehmen. ■ ■ ' Die Neuwahlen. Budapest, 10. April . (Tel-Komp.) Die Ausschreibung dCT Neuwahlen wird unmittelbar nach den Osterfeiertagen erfolgen. Der Wahltermin dürfte wahrscheinlich für anfangs Juni festgesetzt sein. Burgfrieden in der Königsfrage, Budapest, 10. April (tel-Komp.) Der ehemalig^ Ministerpräsident Graf Paul Teleki wird während der Osterfeiertage Verhandlungen einleiten, um in de! Königsfrage den B u r g fr i eden zu erzielen. Grai Teleki besitzt zwar kein " formelles Mandat der Regierung, handelt jedoch mit Zustimmung des Grafen Bethlen. _' Polen. Tschechisch-polnische Grenzverhandlungen. Warschau, 10. April. (Tel.-Komp.) Hier Ist elod tschecho-slowäkische Delegation eingetroffen, die mit einet! polnischen Delegation die Bereinigung der strittigen t e r ri* 10 r i a 1 e n Fragen durchführen soll Gestern fand die erste Sitzung dieser tschechisch-polnischen Kommission statt / ' Psi äst in«!. „Wiener Morgen« der Abgeordnete die Grenzen Erweiterung der palästinensischen Grenzen? London, 9. April. (Tel. der zeitung“.) Im Unterhause stellte Q r m s b y - G o r e den Antrag, Palästinas b i s zutn Suezkanal zu erweitern, da diese Maßnahme die Frage des Schutzes der britischen Interessen am Kanal am besten löse. Der Redner verlangte in diesem Zusammenhang die Stationierung der Garnison . auf der asiatischen Seite des Kanals, Deutschland und die Reparationen. Forderung einer äußeren Anleihe. Berlin, 10. April (Wolfl) Heute mittags wurde fti Paris die Antwort der deutschen Regierung auf dte Note der Reparationskommission übergeben. Darin wir<j zunächst auf die außerordentliche Verschlechterung de! Markwertes seitDezember 1921. verwiesen. Die Teue* rung führe zu einer erschreckenden Notlage weitei Kreise. Wenn die zur Beschaffung ausländischen Ge> treides notwendigen Devisen nicht aufgebracht werdet könnten, stehe >. e I n e Hungersnot bevott Die deutsche Regierung sehe der Entwicklung in Sommer mit größter Besorgnis entgegen. Die weiters Geldentwertung äufzühalten und den^ Zusammen^ b r u c h Deutschlands zu verhindern, sei itt Interesse der ganzen Welt Der Kernpunkt dej Frage Hege vor allem in den G o 1 dp Zahlungen. Die ReparationskommissM werde daher ersucht, die Entscheidung vom 21. Märt 1922 gemäß Artikel 234 des Versailler Frieden» Vertrages nachzuprüfen. Es wird ferner als einzif

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