Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1149 (11.4.1922)
- Date
- 1922-04-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ünselncsnvmer K SO Vien: Zum Abholen In der Expedition, II.,Taborstr. 1—3, «der <n einer Verschleißstelle Trafik) monatlich K 1400. MitPöstversand fürWien und Pesterreich monatlich K1400. fSchecho-SlowakeirMon, troffen 20. Ungaro: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien: Monatl. Dinar 20. Polen: Monatl. Mark 700. Deutschja n d: Monatlich" Mark 39. Frankreich: Monatl. Frcs. 6. lener fscheefiö-SVowBkei ftsch. K 1 Italien: Monatlich Lire 6 Rumänien: Monatl. Lei 4q Schweiz und das übrige Ausland monatlich Francs 3(‘ Redaktion u. Administration Wien II., Taborstrasse l-r-3[ Telephone: 44-0-38, 43-3-lQ ab 6 Uhr abends 17-9-33 T elegrammadresse: „Morgen* zeitung“, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkbnto 130,693' mmam Nr. 1149 Wien, Dienstag, 11. April 1922 4. Jahrgang' Der erste Tag der Konferenz i von Genua. . (Vop unserem Spezialberichterstatter.)! Die Auffassungen über die:Eröffnung der europäischen; Wirtschäftskönferenz in Genua .stimmen irr eiGm optimistischeren Grundton ' überein. Durch die " Lu-/ lassung der deutschen' -' und russischen' Rednertfiat. L l o y d G e o r g e, der mit Frau und Töchter hier ‘ weilt, rweifeUos einen, wenn auch mir1 taktischen' Sieg errungen. Es sieht schon jetzt -fest,- daß ' die von Frank-: reich so,; beharrlich gebaute-" ‘Mauer •' des .Schweigens große Breschen -erhält; Geber die R e p a r ä f i o .n e ri und die A n e r k e h n u ng R u ß l and s Wird gesprochen werden. Formell trägt man dem Prestige Frankreichs dadurch Rechnung, daß man die Debatte Über, diese beiden Fragen in die sachlichen Kommissionen verlegt. - - Geber die Dauer der Konferenz sind naturgemäß, heute -nur Vermutungen möglich. L l ö y d G e Ö r g e hat; privat erklärt, er gedenked r e i Woche n« läng in Genua zu bleiben, und er hoffe fest auf einen er" folgreichen Abschluß * der Beratungen, v, Die Meinungen Moyd Georges sind gerade;jetzt von hoher* Bedeutung. Für ihm jjegt die Sache so' daß - er" eiri&i Erfolg- Srjüelen muß, weil er' sein .politisches Schicksal mit der Konferenz, die. sein ureigenstes,' schyv.^ in Washington vorsichtig vorbereitetes " Werk ist, verbünden hat Die Erwartungen, die man in England in die Konferenz setet, sind .sehr/|iöch. 800 industrielle haben an die Konferenz /ein genieinsänies' Telegrainm. gerichtet, m welchem yie', die' Befreiung 'der 'Weltwirtschüft ' von Hen unerträglichen Yethähfiisse.f verlangen; Auch sönst^lie^t der Korifereriz' ein'?faS^ . unübersehbares Meer.' von Briefen, guten Wünschen Und Vorschlägen' vor.’ .Das Gen e r a l s e k rVt 4 r i a t,* das' det1" frühere Washingtoner Botschafter- Baron .. A v e? z a n o Met, erhält dadurch einen sehr lehrreichen Einblick, in den Zustand Europas* wie ihn die Htiedeiisyerfcfäge erzeugt haben. _, - •.> ' ' " ';.A?OLe^8'EBt-Mtz n ü a. 4aC fMJti^^6tei^wöräig:;.' ^tgespigtf Slfe-hatB^sjt^^jUjdüng-angelegt Und/Von . ■jM ftötefe uyd 'sönstlgeh .'> re^uir^ech.'. Unterkünften gellen’ die. Bahnen der. dort' bstzuästjerten' Länder. ..Es; Mmvelt von Fremden 'unä>Po!izei./Mie^Mkomm'endeh Delegationen wurden yoh einem. ^ezialkomitee;. des ^ÜAtra/es' und von Militär'.empfangen. Besonderen - Eindruck .machte' die Begrüßung <fer' D e u t's csttu h,: die man in Erinnerung an vergangene DreibuUätäge r durch eine Ehrenkompagrtie - mit < Fahne : und Musikeinhole» ließ;- Diu Verb!hdun;g-.des KonfsLenzortes mit' det Weit wird rHrch erneh" riesenhaften < .Postapgarkt c besorgt Die - - telephpniscHen Refätiönen G e not a;—; L o n d en, G e n Ua—-? a.rJ s und G e n u *a—; B e r 1 Hr- . klappen -. ausgezeichnet.-," Die letztere; Must Mer' österteichksche's Gebiet.’ (Die .Verbindung :G e n « a~W Le n klappt / vorläufig; ^:hur •tarifariscli,. -son^'Üt^hayHfnfcht $ed.) - . '; l! , Die £ s t e r reich i s e.h.e, V e r tr eltAiri g wurde am Sonntage früh in v-iV von' der''Bevölkerung sehr - sympathisch:, begrüßt. und mit - Eyyivä empfange^.: Ani Nachmittag fand eme Besprechung zwischen Dr. Schober uh d( dem Minister S c h a ti z e r statt, in welche -später auch ‘ Ministerpräsident de F-a c t a " eingriff. per österreichische Kanzler setzte,' dann seine' Besprechungen mit den Vertretern der'Westmächte fort" und hate auch eine Begegnung mit seinem tschechischen Kollegen Ben Usch. Herr Schober äußert sich sehr befriedigt Über die Resultate seiner Aussprachen. , ' Im Mittelpunkt des Interesses stehen unzweifelhaft Jd i e RUs s e n, die in der Stärke von hundert Mahn /erschienen sind. Man hat sie mit Rücksicht auf die iFreundlichkeiteh der Faszisten zwischen einen Pölizeijkprdon gesteckt, der so gut funktioniert, daß sich Herr jTschitsch er i n bereits beschwerte und" den Delegierten der kleinen Entente, die gleichfalls Beschwerden haben, einen gemeinsamen Schritt :beim ’Generalsekretäriat vqrschlug. Sonntag empfingen de acta und Schanzer die russischen Bevöll- >niächtigten zu einer langea Unterredung, die viel , Aufsehen erregt» und an die sich eine Konferenz zwischen ^den Russen und der kleinen Entente-anschloß. ‘ Hiebei Boll die Anerkennung Rußlands das Thema - des ■Gesprächs gebildet haben. . \ Die wiederholten Vorkonferenzen der einladenden 'Mächte häben bezüglich der technischen Bewältigung des Verhändlungsinaterials zu einer Einigung geführt. Man Kat die fr a n z ö s i s c he und e n g 1 i sch e S p r a c h e als offizielle Kongreßsprachen anerkannt, doch wurde aus Höflichkeit für den gastgebenden Staat auch die i t a 1 i e n i s c h e Sprache zugelassen. Ferner wurden Vereinbarungen getroffen über die Bildung und Besetzung von Kommissionen. Es werden vier Kommissionen gebildet werden: Drei für Transportwesen, Finanzen und Handel ■lyrfiwiimunrti’i» Die Eröffnungssitzung der Konferenz. Genua, 10. April. (Intel.) Am Eröffnungstage der Cönferenz ist das strahlende Wetter ungeschlagen, rofz des Regenwetterssind die Straßen von einer dichten Menschenmenge; erfüllt, die vom allen Seiten herbeiströmt, um der Eröffnung; beizuwohiien. Die Arbeit . im Hafen ruht vollständig; "die Läden sind geschlossen.. Die Jobrrialisten, die zu' der Eröffnungssitzung zugelassen sind, können zu . dem Sitzungssaal nur . auf; einem vprgeschriebeneii. V/ege gelangen. Dle; Sträßen sind abgesperrt, für die Autos der Delegierten .wurde ein Kordon aus Kavallerie und. königlicher Garde gebildet. Um 2 Uhr erschienen. die ersten Delegierten im großen Saale des Palazzo di Giorgio. Als vorletzte Delegation erschien um 3 Uhr die englische niit Lloyd George .an der Spitze. Einige Minuten nach, -dem Erscheinen der englischen Delegation kam die' russische, unter Führung Tschitscheri^s. . . ' ■ V ’ ■ ' Der italienische Ministerprä?ident Facta, eröffnete, die Konferenz durch, eine kurze . Rede und verlas hierauf die an die Konferenz .gerichteten. Begrüßuhgstelegramme,; darunter ein Telegramm des italienischen’ Königs und : de^ französischen Ministerpräsidenten Poincare., In - seinem Telegramm gibt pdihearö. dem Bedauern .Ausdruck, daß es Ihm nicht .' gegönnt;. sei, . der Konferenz ‘ persönlich beizuwohnem doch solle die . französische Delegation . unter Leitung-, Barthöus. ihre ganze Kraft kürdas Geilngender Konferenz ansetzen, pacta teilte dann der -Konferenz mit, daß manzur Wahl eines Vorsitzenden schreiten müsse. LI o y d 6 e o r g e, macht den Vorschlag, F a c t a zum Vorsitz e nd e n; zu wähl .en, welcher Vorschlag von Barthou unterstützt wird F a. c t ä wird hierauf von der Konferenz zum' Vorsitzenden gewählt,' Er erklärt, die . .Wahl anzunehmen, und gibt. dem Wunsche Ausdruck, daß':die . Konferenz ' den Frieden in- Europa herbei-r;fÜliren:‘möge. , ..- '. v :>• Bs: folgen munntehr Absprachen :der - verschiedenen. Relegationen;?'iiuerst . spricht'' Lloyd GeyrgSj Hierauf Barthou,1 der . belgische und schließlich der japanische Vertreter. Obwohl die Reden nur der Begrüßung dienten; traten in ihhen' dennoch die Verschiedenheiten der Auffassungen klar zutage. Am wirkungsvollsten - war ’ die Rede von Lloyd George. ‘ ‘ V ’ DSfe^^ Redei Lloyd Georges. Er schilderte in großen Zügen die Sehnsucht aller Völker nach wirklichem Frieden. Er wandte sich scharf gegen, die '»kläffenden ' Hunde“, die den Frieden Europas zu stören trachten. Auf der Konferenz gebe es Weder Sieger noch Besiegte; weder Kriegsteilnehmer noch Neutrale,'- sondern seien alle Vertreter der verschiedenen Nationen dort zusammengekommen, um den währen Frieden und den Wiederaufbau Europas in die Wege zu t leiten. Was Europa brauche, sei ein wahrhafter ' Friede. Alle, anderen Fragen seien von untergeordneter Bedeutung und ihre Lösung so lange unmöglich, als der Friede in Europa nicht wiederhergestellt sei. Trotz aller Friedens Verträge sei der jetzige Friede in Europa nur ein Scheinbild. Unter großem Beifall der Konferenz schließt Lloyd George mit folgenden Worten: Genua, jener Ort, von dem der Mann auszog, dar Amerika .entdeckte, wird , vielleicht •jetzt Amerika dazu führen, Europa su; entdecken. Der f r,än zös.i sch e Mi n is‘ter-Barthou erklärte, Frankreich erwarte, daß die Konferenz den Ausgangspunkt zu einer neuen Weltorientierung bilden werde, Baron I s h i i betonte die großen Erwartungen, die: Japan auf die Konferenz setze. Der. belgische Ministerpräsident The u n i s überbrachte die besten Wünsche Belgiens. Nach Reichskanzler Dr. Wirt h, der mit Aufmerksamkeit angehört wurde, ergriff Tschitscherin Prüfungen, die Frankreich durchhalten mußte, haben/ es nie die ewigen Gesetze der europäischen Solidarität aus $lem .Auge verlieren lassen, . und ebenso, wie . es entschlossen ist, den aus den Verträgen sich ergebenden Rechten Achturig. zu verschaffen, ist es' bereit, mit allen seinen , Kräften, und aus ganzem Herzen;an der Wiederaüfrichturig der unglücklichen Völker mitzuarbeiten. Frankreich werde sich nicht nur den zu, diesem Zweck ergriffenen Äh-, regäpgeh anschließen, söridern . der Konferenz auch positive ("praktische Lösungen unterbreiten, die das wirtschaftliche' Wiederäüfleben Europas fördern undf die allgemeine Wohlfahrt wiederherstelleri' sollen,. Frankreich hege ■ den lebhaften Wunsch, daß es der Konferenz, indem sie das auf der Welt lastende Unbehagen belieben helfe, gelinge, den Frieden fruchtbarer zu gestalten und eine jöessere Zukunft für die Menschheit vorzubereiten. Die Oesterreicher In Genua. Nervi, 10. April; Bundeskanzler Schober hat heute vormittags in Begleitung des Bundesministers Dr. G rünb erg er Reichskanzler; Dr.Wi r t h * auf* gesucht und hatte mit ihm eine längere Unterredung; in der die allgemeine politische Situation in sehr de-» friedigender Weise erörtert wurde. Hierauf stattete der Bundeskanzler dem Minister des Aeußern Dr. R a t h e n a u einen Besuch ab. Eine Konferenz Schobbr-Benesch. . Genua, 9. April. , Bundeskanzler S c h o b e r hatte mit dem Ministerpräsidenten Dr. B e n e s c h eine Besprechung, Tn der neben allgemeinen Fragen politischer und wirtschaftlicher Natur einzelne Punkte des Programms der Konferenz von Genua erörtert wurden. Die Unterhaltung nahm einen jVerauf, der durchaus den ‘ vorzüglichen Beziehungen zwischen der Tschechoslowakei und der österreichischen Republik .entspricht' ■ \ -- ■ - ■ 1 Ditz nisßische Frage. - . Prag, 1.0. April. Wie die „Prager Presse“: aui« Genua' meldet, soll die hauptsächlich mit dem r. u s s is c hen P r oblera zu betrauende erste Kommission die, Absicht haben, eine Unterkommission für die ■politischen Fragen einzusetzen. In dieser würde das ganze Schwergewicht der Konferenz liegen. Politische Fragen würden ausschließlich in dieser Unierkommiißsioü zur Verhandlung! zugelassen werden. Deutschland, Rußland und die kleine Entente mit Polen wiirdlen in -ihr mit, je-einer Stimme vertreten sein. Warschau, 10. April. (Tel. der „Wiener' Morgen* zeitung“.) Die' „Iswestija“, das offizielle Blatt def russischen' Sowjetregierung, schreibt' «in ihrem Leit- . artikel, der der Eröffnung der Konferenz von - Gen ha gewidmet ist, die Sowjetmacht setze“ in die > Konferenz keine großen Erwartungen, sei aber der . Uejberzeugung, daß immer größere Kreise der europäischen Oeffentlichkeit die Annehmbarkeit der von Rußland für die Wiederaufnahme der Beziehungen m i t E u r opa aufgestellten Bedingungen einsehen werden. Falls die internationale Diplomatie, 1 die in Genua zusammenkommt,» nicht schon jetzt . zu dieser Üeberzeugung gelängen sollte, so wird" es, in sechs Monaten der Fall sein. Das Blatt erklärt, wenn das kapitalistische Europa die jetzigen Bedingungen der russischen Regierung als unannehmbar ablehnen. werde; so werde es in einem halben Jahre gezwungen sein, ungünstigere und weitergehende.Bedingungeh Rußlands änzunehmen. Eiise Beraftifig der russischen Delegierten mit den Delegierten, der kleinen Entente. das Wort Er erinnerte an dieErklärung Factas, daß es hier weder Besiegte noch Sieger gäbe. Die russische Regierung sei im Interesse des Friedens und des Wiederaufbaues nach Genua gekommen. Die Zusammenarbeit aller Nationen sei notwendig., Der Wiederaufbau Rußlands sei eine notwendige Voraussetzung für die Rekonstruktion der Welt. Die russische Regierung sei bereit, ihre Grenzen den anderen Nationenzu öffnen. Tschitscherin schloß mit Dankesworten an tiie italienische Regierung und mit den besten Wünschen für einen Erfoig der Konferenz. > Ein Telegramm Poincar6s. Paris, IO. April. (Havas.) Ministerpräsident P o i n c a r 6 richtete an den italienischen Ministerpräsidenten de Facta ein Telegramm, worin er neuerlich sein Bedauern darüber ausspricht, an der Konferenz von Genua nicht teilnehmen zu können, Minister Barthou werde übrigens den innigen Wünschen Frankreichs für Ihren Eifoic Ausdruck verleihen. Die Genua, 10. April. (Tel.-Komp.) Heute vormittags haben zwischen Mitgliedern der russischen Delegation . und mehreren Vertretern der kleinen Entente; zahl? reiche; inoffizielle Besprechungen stattgefunden, in , denen sich die ~ russische Delegation bemühte, den Boden für ihre späteren Anträge zu ebnen. Die Lösung der italienisch-jugoslawischen Gegensätze. Genua, 10. April. (Tel.-Komp.) Der italienische Außenminister Schanzer hat:e gestern mit. dem jugoslawischen Außenminister N i n c i c eine längere Besprechung über die beide Staaten berührenden Fragen, wobei Schanzer darauf hinwies, daß die italienische Regierung alles tun wolle, um die schwebenden Probleme einer beide Teile befriedigenden Lösung zuzuführen. Belgrad, 10. April. (Tel. der „Wiener Morgen« zeitung“.) „Slöbodna Tribuna“ meldet, daß der Vor« sitzende der jugoslawischen Delegation ln Genus