Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1147 (9.4.1922)
- Date
- 1922-04-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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, Seite 2 Wien, SoSftte? - r-_-: -- üa ist es eine Frage der wechselnden Strömungen, i Wann der eine oder der andere äirf die Liste der ^iFSzuTOttemden gelangt. Das Verbrechen also, dessen Opfer wir heute tu Grabe geleiten; schreit nicht bloß gen Himmel, ss ruft auch der Staatsgewalt etwas att; und dieses Etwas wird ihr, nicht bloß von denen augerufen,' Üie. von der Wehmut um die Verlorenen unmittelbar getroffen sind, sondern im Wege der staatsbürgerlichen Solidarität auch von der Gesamtheit der Bürger. Was wir-heischen, ist .nicht Rache, sondern die Wiederherstellung der verletzten staatlichen Ordnung durch die Sühne; denn . derartige Verbrechen werden durch ihre Straflosigkeit gezüchtet; diese Straflosigkeit ist es, die. das im Menschen schlummernde wilde Tier hätsdhelt und-weckt und der in gesteigertem Maße auf treten den Kriminalität den wirksamsten Vorschub leistet. Am offenen Grabe dieser Opfer rufe ich die Staatsgewalt nicht an das Bahrgericht wegen ihrer bisherigen Unbsrlassungev, doch verlange i-ah und im Namen von Millionen fordere ioh, daß gleichzeitig mit diesen Gräbern auch •der Abgrund verschüttet werde, der sich uns allen und unserem unglücklichen Vaterland auf tut, wenn nicht mit starker Hand den Umtrieben der verbrecherischem Anarchie, mag sie woher immer kommen und sich gegen wen immer wenden, einfür allemal ein Ende bereitet wird. 'Graf Apiponyf schließt mit dem Wunsche, daß mit den Toten auch der Geist der. Gehässigkeit verschärrt werde. . Keiner der Anwesenden, selbst der persönlich. Erschienene Minister des Innern Graf KI e b e 1 sb e rg verließ den Gottesacker mit der Ueberzeügung,!daß der Wunsch des Grafen Apponyi und der übrigen Leichenredner sobald im Erfüllung gehen werde, daß dieser Mordanschlag seine wirkliche Sühne finden und das letzte Verbrechen in der Serie der chriStlichnätionaTen politischem Anschlägein Ungarn Sein werde. Die Budapest er Polizei befindet sich bereits auf der richtigen Spur und das ist. Gn^nd zur Annahme, daß sie nicht in der Lage sein wird, diese Spur bis zu Ende zu verfolgen und der Getechtigiceit ihren X^uf zu lassen, ’ - j uxi l -r , Eine Konf erenz der zionistischen Opposition.*' Wie dem J. C. B. aus dem Haag gemeldet jhrkd, hat dort 'die von dem opposidfh.e'.len Zi-;«nisten Jacobus Kann vor ekliger Zeit angekündigte Konferenz der Oppositionellen ©tattgefunden, welche als Vorkonferenz für eine demnächst eiinzubmufende Kcjcuferenz gedacht war. Die Ko-nfcrenz .beschäftigte Sich mit allen Fragen , der zionistischen Finanzen, erörterte die Frage von Ersparnissen,, weitestgehenjden Beamtenenitlassungem, wogegen dem notwendigen Bcarhtenstao Xxfisiteuzsi^erang.durch PensionsjEondis geschaffenwerden soll. Karilrollinstäiizeä!lh 1 .(der Form Von KontrhlWllhM de den' die iständige Köntörolle der politischen, finanziellen und prganisatoirischen. Arbeit obliegt, sollen, geschaffen jwerdsn. Die Mitglieder dieser KÖntrolliniStanzen •dürfen keiner anderen; Körperschaft,' insbesondere nicht der Exekutive, die auf drei Personen reduziert' werden solil, angehören. Auch die Frage, ob Beamte, *iie lediglich; ausfühnende Organe, sein dürfen, fefcimmffecht haben sollen, werde erörtert. . . Ferner wurde ein eingehendes Programm für; Ersparnisse in der Venvaltung aufgestellt.' In bezug auf den Keren Hajessod wurde völlige Rekonstnuk- ‘ ifcifin verlangt: Der Aufbaufonds sei hadh Zwecken {zu teilen (Fonds für Schulen, Fonds für sanitäre. {Hilfe usw.). Privatwirtschaft in Palästina Sei;irn “jgröfken Urnfang anzuregen, ab'er nicht von der« Orpaniisatidn' selbst zu führen. Die jüdische Kbfcnialfonk und die P. L. D. C. (Palestine Land Developpment Company) seien unabhängig von allen politisehen^ Fragen zu fühken.; Die materielle Seibstän- 'digmadiung des Jisdbuw sei zu fördern. P.ie Zusammenarbeit mit den großen jüdischen OiMniMiohen, [sowie mit allen irgendwie in Frage /kommenden JNichtzianisten muß gefördert werden. /Mehrere l'eilbebmer an der Konferenz betonten, in der Jewish [Agemcy müsse für alle Juden der Welt Platz sein; ' m politischer Beziehung, sei das Mandat, das keineswegs die Erfüllung der Herrischen Forderungen darstelle,’ auszufbauen. Die. Diaspora-Politik sei in den einzelnen Ländern nach d&i Bedürfnissen der 'Länder zu führen. Von verschiedenen Seiten wurde erwähnt, daß, da in Deutschland eine allgemeine Keren-Hajessod- Qrganisatitcn geschaffen worden ist, die die Gelder zu Einkäufen für Palästina in Deutschland veriwende, dasselbe Recht den Keren-Hajessod-Orgaiiii- .sationen der anderen Länder mit ähnlichen Verhältnissen zugestanden werden müsse. Nach eingehender Auisspraalne ' wurde . ht* (sdhllossen, eine programmatische Zusammenstelihung jder Forderungen einer Rediaiktionskommiissdon au '■ [übergeben. Diese sol*] ein Expose liersteiHl-en, dta»s zur Werbung Gleiiohgesiiinfriter verwendet werden soll. wteneS iiröRGTOZEiTUÄtJ 8. AM 'nur. mrmtr --— . .. ..... ... " ...nrwrW~;'.iNÜm-n i ...«d» Die Ratifizierung des Palästina- Mandats. Aus N e w Y o r k wird mts berichtet: Ihr Korrespondent meldete bereits, daß in-der jüngsten Zeit in Amerika eine Aktion einsetzte, um die amerikanische Regierung zu veranlassen, durch ihren Einfluß die B $- s c h 1 e u n i g u n g H e t R a't f f i z i e r u n g d e s Pa läsfina-Mandats ■ herbeizuführen. Ueber einen einhelligen Beschluß der gesetzgebenden Körperschaft des Staates Mas s a c h u s e 11 s in dieser Richtung würde kürzlich berichtet Zu' den wichtigsten politischen Ereignissen in ■ dieser Beziehung während der letzten Wochen gehört jedoch eine Erklärung, die der Führer der republikanischen Partei und derzeit Präsident der Kommission für auswärtige Angelegenheiten im Senat* Senator Lodge, abgegeben hat. Senator Lodge versicherte der zionistischen Delegation, daß er bereit sei, seinen ganzen Einfluß bei der amerikanischen Regierung aufzuwenden, um die e n d g ü l tige Gestaltung Palästinas zum jüdischen National hei m so rasch als möglich herbeizuführen. Auch andere einflußreiche Männer des öffentlichen politischen Lebens der Ver-‘ einigten Staaten haben ihrer Sympathie für die zionistischen Ziele Ausdruck1 gegeben. Der Vizepräsident der amerikanischen Republik C o o 1 i d g e sprach seine völlige Wertschätzung der zionistischen Aspirationen aus, während der Herausgeber des „Independent“ und Präsident des Wilson-Fonds, H a m i 11 o n Holt, sich dahin Werte» daß die Ratifizierung der Balfour- Deklaratipn und die unverzügliche Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung im Heiligen Lande nicht nur für das jüdische.Volki sondern, für jeden, dem. Ordnung und Gesetzmäßigkeit am Herzen liegt, von allerhöchster Wichtigkeit sei. In ähnlichem Sinne haben sich 5 andere politische] Persönlichkeiten ausgesprochen und die führenden1 amerikanischen Blattet in Leitaufsätzen geschrieben. Nicht unerwähnt set, aaß selbst einer der Führer des amerikanischen Reformjudentums, Rabbi ] o s e 1 S i 1 v e rm a n, der vor noch nicht allzulanger. Zeit ein heftiger Antizionist war, nunmehr öffentlich und auch in seinen Kanzelreden warme Worte für die Erledigung des Palästina-Mandats findet Dieser allgemeinen amerikanischen Stimmung wird die in einer der letzten Konferenzen gefaßte Resolution der z i o n i s t isehen 0 r g a n i s a t i o n von Amerika gerecht; in welcher die rascheste Ratifizierung des Mandats gefordert wird. « Die Konferenz . war schwadh besturcl#. . Außer . iraeihrerem hdlärtdösdhem Zäctnls'tiesn, so Jöioofbuis II. JC a nai iarvd Neten-ia die L ie tn e, warne» .cuinr Dplbtor Afexarader Manm oreic ttpdi Jeap Fi seiheir aus Amtwerpein amves-end, Nöidh dem voriiegeindleffi 'Benchlt «eiitcbniete oidh diese Bespjrejcbuintg niidhif gerade duindh befsoradere Orig-Miafliiität dieir Gets ich tepuinllt'tiee aiuis. ' D<iie Frage der Ersparnisse hat die Iteftzte Si'fezuintg das Aktiianiskomitees besdhäfittgt, welches eiben . auch als -»Kontrolfiusteiniz« der pch^itßchen ttmid orgomiiisiatorisdhen Arbeit zu geltem il“’, während’' autr KomtrM'te der wirtschaftlichem Ätf; gemi,'ie’(aein. diesr zicmiistische .Wirtschaftsrat; -voto -ingreß gesicCiatffen wuirde. Die Frage der Ehspsn. läß-t sich n&'dhit'goat van der Seite des Abbaues der Zaihtl und der primiitiirven Rechte der Scannten amfaisisem^ eibemso wie ai'nte befriedfigemde Finapizieirium-g der Aicmslä-schem Arlbeit tiur. .dUaid? ehie Erhöhung,üh<rer Intensität zw erreiche» ist,’ tür, welche ehern dfie Arfbeit beannteter Mensche» m Betmadhit^Öqo^nim't,.. welchje ihre tangeteüte Krafit der 'zip»|sti®cihien Tätigkeit widinnen. Andh ddie; apidterep Ffwrderimgje» . stellen , .mifchlts Neues dar; : sie simd zwpi. Teil, vom . kein-sr Seite: bestritte», wie «Ufdh 2k»saimim«p»i||j^. Änderen.'wiliichen Orgain.i'satiorlein cd'cr^ Weh der Schaffupg. ailllgemeirne-r Ksrem-IIajsssod-Gr>gaLui>salticmen>, diie im Statut, dieases Femrdlg.-d^rekt; vprg’eisdh'en ist. D>ais Ver- > bangen 'niadh deh Zeüraßtwi^f'" des ungeteilten Keren Haijessiod äber fet -jedmfa'Ke joem'solches, diaß es Angriffe gegen dae Ziicmistiisölhe .Exek'Urtive rechifertigen würde, welche geeignet. er-Me'mer^ dia® V.ertfraiiten i» dieren Tätigkeit jöu tumterginatoenw Oesterreich: Per französische Kreditvorschuß. Paris, 7. April. (Havas.) Der Gesetzentwurf, der die Regierung s?ur Erteilung eines Vorschusses von 55 Millionen Francsan Oesterreich ermächtigt, wurde dem Bureau des Senats übermittelt. Wie. wir erfahren, steht dieser Vorschuß bereits zur Verfügung def österreichischen Regierung. Frankreich hat keine besonderen Bestimmungen für die Verwendung getroffen und dur die gleichen Garantien gefordert wie die Tschecho-Slowakei. Von dem englischen Kreditvorschuß hat Oesterreich bisher noch nichts verbraucht, Bundesrat. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Bundesrats am Mittwoch um 3 Uhr nachmittags befinden sich der Bericht über die dritte Veflmögensabgabenovelle und sämtlicheih den drei letzten Sitzungen des. Nationalrats gefaßten, für den Bundesrat bestimmten' Gesetzesbeschlüsse. , Die A u s s c h ü s s.e sind für Dienstag um 11 Uhr vormittags,' beziehungsweise 12 Uhr mittags einberufen. Tschecho-Slowakei. Industriekrise in Mähren. Brünn, 8. April. (Intel.) Die Situation der •mährischen Textilindustrie ist infolge des Steigens der Krone außerordentlich kritisch geworden. Die meisten Fabriken kündigen für die nächste Zukunft große Betriebseinschränkungen an, einige sogar vollständige Stillegung. Ungarn, Untersuchung gegen die „Erwachenden^ angeordnet. Budapest, 8, April. Der Minister des Innern hat mit .Rücksicht' darauf, daß in verschiedenen Kreisen der Oeffentlichke'it das Attentat in der Tabakgasse mit dem Vereine der erwachenden Magyaren in* Zusammen* hang gebracht wurde, gegen diesen Verein eine U n t er suchuüg eingeleitet. Der Verein hat heute in den Straßen der .Hauptstadt Plakate afffchiert, welche die heftigsten Abgriffe gegen den Minister des Innern enthalten. Die Plakate wurden beschlagnahmt Der Minister des Innern erklärt im »Magyar Hirlap“, die gegen die „Erwachenden* angeordnete Unteiv suchung Stelle die erste Etappe in der Reihe de# Regierungsverfügungen dar, die die Welt davon überzeugen sollen, daß die Regierung entschlossen ist; den Bürgerfrieden wieder .herzustellen. Die Wahlen ln Budapest. Budapest, 8. April. <Te!.-Komp.) Eine soeben er* lassene Regierungsverordnung regelt dfe Listenwahlen iit Budapest, welche nach dem schweizerischen Proportional* System abgehalteh werden sollen. Wlttärisehe ZpIonLKb. Budapest, 8. April. Wie aus M a g y a r o v a f gemeldet wird, haben die dortigen Behörden eine großzügige Spionageorganisation entlarvt, welche, die tschechischen ^Behörden mit militärischen Nachrichten versah. Der Anführer der Gesellschaft war der Kaufmann Stephan Takacs, der Finanzrespizient Stephan Lat z k o, der Gastwirt Heinrich H a h n, der Fleisch* bauer. Karl P o h 1 und der Agent Leonh. Düringer. Latzko, Hahn und Takacs wurden verhaftet, die übrigen sind-geflüchtet. >_ V Polen, Die Wit<)s-Gruppe droht mit scharfer Opposition. Warschau, & April. (Tel. de# „Wiener Morgen* zeitung“.) Den stürmischen Zwischenfällen in der letzten Sejmsitzung zufolge hat Abgeordneter Kieznib, der Vorsitzende, des zentralen Landwirtschaftsamtes, demissionierft Wie in Sej »kreisen -verlautet, beabsichtigt die Witös-Gruppe, aus diesem Grunde, mit einer scharfen .Opposition gegen das Kabinett Ponlkowski einzusetzeni Kein Ministerium für nationale Minder-» heilen. Warschau, 8. April. (Tel. der „Wiener Morgen^ Zeitung“.) Wie „Rzeczpospolita“ meldet, ist die Nach* rieht wegen Schaffung eines Minderheitsministeriums u n z u t r e f f e n d. In den Regierungskreisen sei gegenwärtig nur die Schaffung eines Departements f ü r K u 11 u s a n g e 1 e g e n h e i t e n beim Innenministerium geplant. Im Rahmen dieses Departements soll , auch eine Abteilung für jüdische R e 1 igionsangelegenh eiten gebildet werden; deren Leitung Dr. G n i e w o s z übergeben werden soll Das Abstimmungsgebiet. Warschau, 8. April. (Poln. Tel.-Ag.) Heute fand hier die erste Sitzung der polriisch-tschecho-slowakischeri Kommission für die Fragen des Abstimmungsgebietes statt Gesinnung jgenoften I EEs die Wiener Morgenzeitung