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Wiener Morgenzeitung · 1922-04-05 · Heft 1143 (5.4.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1143 (5.4.1922)
Date
1922-04-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M I14S_ Wen, Mittwoch _ WTENER MQRGEWZEITcmo_ 5. April 1922 , Seite T Polen. Die Wahlordnung zum Sejm. Warschau, 1. April (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Verfassungskommission hat unter Vorsitz des Abgeordneten Ratai das Gesetzesprojekt über die Wahlordnung zum Sejm in dritter Lösung angenommen. Wie bekannt, bedeutet diese Wahlordnung eine Kürzung der Rechte der Minderheiten, insbesondere der jüdischen Bevölkerung, die trotz ihrer numerischen Stärke nach dieser Wahlgeometrie kaum vier bis fünf Abgeordnetenmandate erhalten kann. Trostlose Lage der jüdischen Heimkehrer. Warschau, 2. April (Tel der „Wiener Morgenjzeitung“.) In der letzten Plenarsitzung des zentralukrainischen Komitees wurden die Berichte über die trostlose Tage der jüdischen Heimkehrer aus Rußland, der Ukraine und Oesterreich erstattet. Es wurde beschlossen, einen Fonds von 20 0 Millionen Mark zwecks Hilfeleistung an diese Heimkehrer zu sammeln. Mit der Durchführung dieser Aufgabe wurde fein spezielles Komitee, welches seine Aktion sofort nach. Peßach beginnen soll, betraut Die Bekämpfung der Teuerung. c Warschau, 4. April. (Tel-Komp.) Finanzminister M i c h a 1 s k i gab in einer Pressekonferenz die von der Regierung zur Bekämpfung der Teuerung getroffenen Maßnahmen bekannt Der Ministerrat habe über seinen Antrag ein generelles Ausfuhrverbot für Lebensmittel aus Polen verfügt, die Zölle auf importierte Lebensmittel wurden zeitweise suspendiert Für die Durchführung der getroffenen Verfügungen soll durch eine Verschärfte Grenzkontrolle gesorgt werden. Ein Abkommen mit Memel. Warschau, 3. April (Tel. der „Wiener Morgen- Zeitung*.) Die Wirtschaftsverhandlungen der Regierung imit den Vertretern von Memel sind in günstigem Sinne beendet worden. In den nächsten Tagen wird die Unterzeichnung einer Konvention zwischen Polen iupd der Freistadt Memel erfolgen, welche Polen den jZutri.tt zum, Meere über Ostpreußen zusichert Ebenso wird den polnischen Staatsbürgern der Erwerb •Von Grund und Boden wie auch von Immobilien in der Hafenstadt Memel ermöglicht Ungarn. Das Budapester Attentat. Budapest, 4. April. Die Katastrophe hat bisher: sechs Todesopfer gefordert. Heute sind der Buchdruckereibesitzer Alfred P e s t i, der Erzeuger chirurgischer Instrumente Alexander Polgar und der Arzt Dr. Eugen Gaspar Ihren schweren Verletzungen erlegen. Die Zahl der Schwerverwundeten beträgt 18. Die liberalen Politiker Paul Bandor, Stephan Barczy, Kar! Rassay und Rudolf Ruppert Sind wie durch ein Wunder dem Verhängnis entronnen. Die Polizei hat im Laufe der Nacht fünf junge Leute Unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet. Bethlen und Banffy gehen nach Genua. Budapest, 4. April. (U. T.-K.-B.) Auf der Konferenz fron Genua wird Ungarn vertreten sein durch den Ministerpräsidenten Grafen Bethlen, den Minister des Aeußerti Grafen Banffy, den ehemaligen Finanzminister Johann |r e 1 e s z k y, durch die Staatssekretäre Valko und Szvijovszky sowie den legätionsrat Grafen Alexander Khuen- Hedervary. Die Abordnung wird am 7. d. M. abreisen. . England und der ungarische Irredentismus. Budapests 3. April (Tel. der „Wiener Morgenfceitung“). In der Titanischen Gesellschaft, dem Happt-, haus des ungarischen Irredentismus, hielt einer der Führer der Bewegung, Dr. Eugen C h o 1 n o k y, anläßlich der Jahresversammlung eine Rede, in welcher ier Mitteilungen über die moralische und j materielle Unterstützung machte, die der ungarischen irreden- Kstischen Bewegung angeblich von englischer Beite zuteil wird. Dr. Cbolnoky sagte u. aus Die {Studentenschaft von Oxford verbreitet, die Brust mit ungarischen Kokarden geschmückt, die Flugschriften Öe§ ungarischen Irredentismus in vielen Tausenden von Exemplaren. Aus England ist uns von seriöser Seite die Kunde geworden, wir sollen auf die Revision des Trianoner Vertrages, die nicht lange auf sich warten lassen könne, vorbereitet sein. Auch in den Übrigen zivilisierten Staaten findet der Irredentismus Anklang. __ Palästina. Das Palästina-Mandat. Eine Petition litt Parlament von Massachusetts. New York, 2. April. (Tel der „Wiener Morgeuztg.“) Aus New York wird berichtet : ln der gesetzgebenden Körperschaft des Staates Massachusetts unterbreitete der Abgeordnete S il b e r t aus Boston eine vom emeritierten Präsidenten der Harword-Universjtät, Professor Charles Eliot, und dem Generalanwalt Weston Alien und Genossen Unterzeichnete Petition, in welcher die Einleitung von Schritten zur Beschleunigung der Ratifi- Im Asyl Horthys. Eine rassische Mörderzentrale in Fünfkirchen, iDiie B'dtgücDdter »'P'oili'tökia* veroffemltHrdhlt seit eamägen Tiagm eme Artitolseriie über die Umitiräe&e dler nuisistscluen Moinawdhiiistitön> in Miiitteloiwcfpai. ln einem diesen* Airtilkefl bringt diais Blalbt iinteiressiaittte EmitfliüiWtünigettii iilbier ei«« amf ufniganisdhiemi Gelbs er c tätig« r oi' © m ö c h e «r e-ira* oris 11 Kr e, 0>r g andsaittio«, die «ist d)ar H^M^-Reglfernimg toohL «nur i« engist-er Fühlkiin-g etdht, sandieinn vcm/Shtr aiu-ch s o b v e äs, ft .i o « i-e r *b witnd, Djör HaiujpitiS'iibz. Öler ruistais'dhm M'aniärdh isitein ist F ü n f k i r c h e «>, wo sich itoe Führer wnimiTiffellbair amch dfer Räuimomg der Stadt durch dliie Sierton •anisianri-m'd'ten •umid) dlutrcli Ziuizug GWdrgesiintiter -visvstäiM, feinie rfege Agiilüati'ou. entfallen , Hier ist auch. dor‘Zontrafe-ite des - »russischen terroristisch-monarchistischen Komitees*, weiidltös Ihiemte bereits milfc dien'' «snigainisciie« Behöoidten m engstem Koutalkt stdhlfc. Zu dien) wiicttutigtätm Mii)bg€eid!öriii des Fütaf- SWSncftitonieir Komitees gdfoörem amteir ainldtorfen' döe Gerneräte K « e <p s e <v ic tund B e r d o, dliie Olbenste« Jessiwetnlko imd' Rem'izo, diöe Häonptfeute■ J e w d e k o w «uind A g a s airao w sowie Fürst S w i a t oip o 1 <k - M ir stk i. Mat diesen ruisisischetn Mtcmiattichiiätförr ipfillegr der ebemafliigfe _ umgariisdhie I<jriiegi3im!i)nlföter utnid gegotuwärüi.gic K o auim a- «n. d121 in» ({! w- © in F ß tu kircöi e n, Genonal KairU Soos, fretinidlsiobaiftjliiidh'eii Verkehr, und seiner. Xiriterreiitticin werdbLiikon' die Koimdteefuii-'tigUed-er die Subvention, die siife von der uingariisdhiem Rcgitirumigfenlilaüitehv firnes 'ibrar Häuipteir, Fünst M i v s ik l «©Hl iübnigens ■ a/U'ch Sj> i o u -ag' e i ernste leisiüeni. D,ais «usisische tsrmoristlisch nic«'a«r'Mftzi>i!5tlh!e Kcmfikfec tot -sdibst:-; veaisitänidlliioh a-moh 'in B‘u«d»a»pes'b -eine Oirgattiiiisiaitaicu-j welcto im'iit dlciii v Berliner und Sofioter Zentralen m, VeÄb'linidl'.mg steht s©l!l aareb «rit gewissen, luinigairüischon .»utm.v e r.a n t wor11 ic.beim ., LL-'c-i m e(htfem«f gemeiinisamie .Saidh© mafcibeu.! I; Jsx& Gnu'pd dfese® ‘vicui dtöpr* »iPoWito«. als dumctoans .we'iiläßHdi ‘beaeidbnioliem Bew eiismi-atertia! s fordietrli: dlais Bl-att von ..dar jfuigasllia'vvii&'clliion; Rfegiiemuinig die eineirgisidiesteai' 'Maßniabmon' gagm diiesc. be- untriuh'iigen’d'eii Umfcrä'dbe -der irws.säiS'ch'öh mMMpdhÄstii •seßuen- T-ar-rcrorgairiisiaiticinieiu'. Es ist ütoigems fceiii Zuf-aHÜ,, daß“ zuir C-ekbsn Zoit sin viielistu Omfcani Bulligiari-ein's Pcpo'.test^'i'saim milutn gau gege« die D»u»Muinig viotti W r 3i m. g e l - Tr-uippion Glbgetollltiein' wcasdem«, im dteraeni die Kü«id’igium;g des A'syiliredhtos -luinidi die SäulbeatLiinig ■des Baaiidias wem dien Rubeistöräm. geiordeit weiidleuj kation des Palästina-Mandats gefordert wird. Es wird verlangt, daß Amerika, wie schon so oft, auch in diesem Falle sich „zugunsten der Bemühungen einer kleinen Natiön, ihre Heimat wiederzugewiniten, einsefzen möge“. Der neue Kommandant der englischen Truppen. London, I. April (Tel der „Wiener Morgenzeitung*.) Nach einer Meldung des »Manchester Guardian*- wird der gegenwärtige Kommandant der Hilfstruppen In Irland, General T u d o r, demnächst zum Kommandanten der britischen Truppen in Palästina ernannt werden. General Tudor befehligte gegen. Ende des Krieges in Frankreich die neunte schottische Division. Rundschau. Frankreich und der Zionismus. Ein Interview des „Temps“ mit Präsidenten , Dr. Weitzmann. Aus Anlaß des Erhpfäriges Dr. Weitzmanns durch den Präsidenten Millerand und Minister- 1 Präsidenten Poincard. veröffentlicht der „Temps“ fein Interview mit Weitzmann über die Lage und die Aussichten des Zionismus. Dr. Weitzmann weist auf die internationale Anerkennung des Zionismus in SanRemo und auf die zu erwartende baldige Ratifizierung des Palästina-Mandats durch den Völkerbund hin, bespricht die zionistische Kolonisationsarbeit und die Aufgaben des Keren Hajessod und drückt die Erwartung aus, daß die reale jüdische Arbeit zum Wolde aller Schichten des Landes die Mißverständnisse unter den Arabern beseitigen wird. Was die.Stellung zu Frankreich anlange, welches an dem Abkommen von San Remo beteiligt sei, so werde der Zionismus mit seinen Nachbarn im Libanon und in Syrien auf ökonomischem und politischem Gebiete zur Entwicklung des nahen Orients Zusammenarbeiten müssen als ein Element der Ordnung und des Fortschrittes und die französische Regierung glaube an die Aufrichtigkeit der zionistischen Bemühungen, wovon er — Weitzmann — sich bei seinen Unterredungen mit Millerand und Poincare überzeugen konnte. Die Aufnahme, die er bei diesen gefunden habe, werde von den Juden der ganzen Welt in ihrer hohen Bedeutung gewürdigt werden. Die griechisch-katholische Kirche und der Zionismus. Konstantinopel, L April (Tel der „Wiener Morgenzqitung“.) Der „ReveU“ veröffentlicht ein Interview mit Patriarch Meletios, dem Oberhaupt der g r i e c h i s c h - k a t h o 1 i s c h e n K i r.c h e im Orient, worin dieser seinen Standpunkt zur Judenfrage im allgemeinen und zum jüdischen National heim im besonderen zum Ausdruck bringt „Die griechisch-katholische Kirche“, sagt der Patriarch wörtlich, „sieht in der Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina nichts Unbilliges; sie hat vielmehr mit großer Sympathie und Befriedigung von dieser Wiedergutmachung der einstmals am jüdischen Volke begangenen Ungerechtigkeit erfahren. Juden und Griechen haben in der ruhmreichen Vergangenheit immer übereingestimmt und zur Zivilisation der Welt sehr viel beigetragen. Man darf glauben, daß die griechisch-katholische Kirche der jungen zionistischen Bewegung, die auf eine Wiedererrichtung Palästinas abzl?tt, stets mit Sympathie begegnen wird.“ * Diese Aeqßeruug des Oberhauptes der gi^inschkatholischen Kirche im Orient steht in erfreulichem Gegensatz zur Haltung der römischen Kirche, welche sich trotz der seinerzeitigen Erklärungen des früheren Papstes dem Zionismus gegenüber sehr reserviert verhält. Der jüdische Vizekönig von Indien. London, 4. April. (Tel der „Wiener Morgen^ zeitung“.) Die Meldung, daß der Vizekönig. §0N Indien,’ Lord R e a d.i n g, bereits seine Demission gegeben hätte, wird von der ihm befreundeten liberalen Presse eifrig: dementiert. Als Gegenbeweis wird angeführt, daß Lord Reading augenblicklich die nordwestliche Grenze Indiens inspiziert. Die Kreise um Lloyd George er-i klären aber, daß der Sturz Readings nicht aufzuhalten sei,, wenn , er selbst auch Zeit zu gewinnen trachte und seine Londoner Freunde alles, aufwenden, um ihn zii halten. Die Stärkung der Stellung Lloyd Georges ist gleichbedeutend, mit-dem Sturze Readings,, der es unter-j nommen hat, die gegen die Türkei und Frankreich gerichtete Orientpofitik der englischen Regierung zugunsten der Türken zu stören. Die Demission Readings steht unmittelbar bevor. Mit diesem jüdischen Stäara mann wird ein gefährlicher Gegner des Zionismus und der auf die Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina gerichteten englischen Paläsfina-Politm verschwinden. Die deutschen Steuervorlagen angenommen. \ v Berlin, 4. April (Wolff.) Der Reichstag erledigte heute das sogenannte Mantelgesetz zu den Steuer-] Vorlagen, das unter anderem die Z w a n g s a n I e i h fe in sich schließt, in dritter Lesung endgültig gegen die I Stimmen der Deutschnationalen, der Unabhängigen und der Kommunisten. j Nach der Annahme des Gesetzes ergriff außerhalb« der Tagesordnung Reichsfinanzminister Dr, Herme s| das Wort zu folgender Erklärung: Der Reichstag h'at| in langer Arbeit ein Steuerwerk vollendet, das nicht nur in der Geschichte des deutschen Volkes, sondern in der Geschichte der Gesetzgebung aller Länder das Höchstmaß aller Lasten darstellt, die jemals feinem Volke zugemutet worden sind. Riesenbrände in Petersburg. Paris, 4. April. (Funksprucft.) In Petersburg hat eju großer Brand die Elektrizitätswerke «na de« Nikolaus-Bahnhof eingeäschert. Die' „Krasnajj ’ Gazeta“ klagt die Sozialrevolutionäre und die Mensche-' ‘ wiken an, den Brand gelegt zu habe«. Umsturz in Wladiwostok. Moskau, 4. April. (Funkspruch.) Aus Tschi-tai wird gemeldet: In W 1 a d i wosto -k ist -der Umsturz vollzogen. Merkulow hat sich zu den Japanern. ge«s flüchtet. An der Spitze der Tieuen Regierung stelr»! Boldyrej. #• ■ - ., ■;...■■• >. . Das Ergebnis der baltischen Konferenz* Riga, i. April. (Tel. der ^Wiener Morgenzeitungc.)' Die Vertreter der baltischen Staaten haben ein Pro« fokoll .unterfertigt, dessen Bestimmungen große Bedeüv tung für die Fortentwicklung Rußlands und der baltischen Staaten besitzen. Bezüglich-des wirtschaftliche« Wiederaufbaues in Osteuropa haben die Vertreter d?r an der Konferenz beteiligten Staaten ei« gememsamfeä Vorgehen ihrer Vertreter in Genua als wünschenswert erachtet*, Hinsichtlich der Anerkennung der politische« und ökonomischen Souveränität zvjrd die Garantie der Unantastbarkeit der, Friedensvertrage als n ü t z 1 i c h erachtet. Im Zusammenhang damit wird der Meinung; Ausdruck gegeben, daß es aus Rücksichten des ökonomischen Aufbaues - Osteuropas angezeigt wäre, die S o w j e t r e g i e r u n g recht! i c h a n z u e r k c ni n e«. Alle Vertreter erklärten feierlich, daß ihre Staate« den ernsten Wunsch auf Stabilisierung des Friedeuszustands und der guten gegenseitigen Beziehungen hegen und eventuelle Streitigkeiten im friedlichen Wege zu regeln wünsche«. Im Sinne dieses Prinzips soll der Grundsatz der ' Rüs-tungseinschriinkungen in ' allen Staaten wie auch der der Respektierung der gemeinsamen Grenzen festgehalten werden. Schließlich sprachen sich alle Vertreter gegen die Formierung von Banden gegen Regenmäntel Herren« u. Damenwäsche TexfiS« und Sfrickwaren alles erstklassig und billigst im Warenhaus t Schiffmann Wien, l!.Jafaor$iraße48 Telephon 47-1-79 En gros ,074 En detail

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