Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1140 (2.4.1922)
- Date
- 1922-04-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 1140 Mett, 8orm*sZ WIENER MZMMMrrVNT' 2. April 1922 Der Beschwerdeführer Dr. R a t s.p r e eher, gm Rechtsa-nwaltsanwi^ter,. verwies darauf, daß er das Maturitätszteugnii eitles deu«i'sc'hen Gymnasiums und das Daktordiptom der damals noch zu Oesterreich gehörenden Universität' Gzern>owitz'. beigebracht habe. Der Verwaltungsgerkht'shof fand sich nicht veranlaßt.-von seiner bisherigen Judikatur in der Optionsfrage abzugehen und wies die Beschwerde als unbegründet ab, Der Nationalrat. In dieser Woche wird der Naitionalra.t seine I/Vintersession beendige n. Er wird am Mittwoüh,"Dormerstiag? und Freitag Sitiziumgem a'blhaikien und dann in die Osterferien gehen. Am Mittwoch ivird der H auptausschuß die Hrnäufnurhenerung' der Telegraphen- und Telepbongebühren. vormehmenw Die übrigen Ausschüsse treten am Dienstag zusammen. Der Verfassüngaiuisschnß, soll noch vor .Ostern die, Landesordnung und Band tags Wahlordnung, für. das Bu rg.e n l an d erledigen. Im Finanzausschuß wird die Generaldebatte über das Sß eam t e n ab b a u.g es e t, z fortgesetzt werden. In der. Frage der W o,h n baust euer und der von. der Regierung •vorgesdihgenen Novelher’ihg des Mieter sch gesetzes ist .kerne Änderung eingetreten. Es werden , auch vorläufig in dieser Angelegenheit keine' Venhandlumgen mehr geführt. In parlamentarischen Kreisey verlautet,, daß nicht die Absicht besteht, in der nächsten Zeit neue Steuer- und Finämizvodagen in Verhandlung zu riehen, da die in der letzten Zeit beschlossenen Gesetze so ungünstige Wirkungen gezeigt haben, d. ß eine gewisse Atempause unter allen Umständen notwendig erscheint. Es wird deshalb auch nicht mög- , lieh sein,; die ursprünglich noch für die vorösterliche Session zur" Erledigung vorbereiteten Gesetze restlos zu verabschieden.' Bundespräsident und Bundeskanzler im Burgenland. Sauerbrunn, i.‘ Apriä Ihflidesipräsi’idient Doktor H a i nis c h und B.uimdvsikain.zl'er Schober haben heute früh von Edikte, wo sich ihnen Lemdesverwalter Dr. R a u s n i t z, aasid’.'.tbß, die Fahrt in-den südlichen Teil dos Burgen! andres a-n getreten. Die Gemeinidevertre^iuinigctn und dieT Bevölkerung begrüßten 'dein B'iinidiesipträstid'an.ten und den ' Buindes- Ssan«'lvr.aiuf däis freudigste.V UeberaiM wurde, <fcb , «Gelöbnis ur.ive-rbrüch!l-cher Treue ziu Oestetireicih «abgelegt. Bundespräsident Dr. Bottnisch; vnd . Bumdeslkaritzler Schoben: / riiaihtmen . diese Kundgebungen miiit. der ■ VersiohcTUinig entgegen,, daß Oesncrrcieh mit dem Butrgemlaml . auf immer vei - eirmt sei. Bundeskairazilieir Schober gab iin'längercj Rede detr Bevölikenumg diie Versicherung,' daß . zu einer'I e c:<?■ r u h.i gu n g twnsow«Singer Anlaß sei, da dre F.n'ts'öh'eiidUrn.g; der.' Bot-schaftcrk^mep. nz i iupa di^^iGrfettzfest&elzüinig^ikcimm'iisssan der B6völkenumg diS Ski.erkeit.gebe, daß sie in- Ruhe ihre Arbeit foufeefüAon könne'.und daß keinerlei Gefahr, für Atz'- Wiederkehr der übers>tn.i'le:isn Leiden bestehe. Tschecho-Slowakei. Die Deutschen ändern ihre Taktik. Prag, i. April. (Tel.-Komp.) Wie die »Trübum« erfährt, werden unter, den deutsc'hpiarl'a'm'eintaipiisicihpn Parteien, gegenwärtig Veri c.indlhmgeav über eine 'Äenderumig ihrer parlamentarischen T alkib'fk gepflogen. Die deutschen Parteien wcililon ilhre bisherige reim negative Oippoisitiicn anifgeiben und eine r e a 1 e P b 1 i 11 k verfolgen.! Die cjeuteoihiein Pan - fceian erstreben eine gerecihr e Regelung der Sipradhenfnaige, die Aiutonomie auf .dem Gebiete de« Schniwesettis umd 'der Landeskuftuir ur.d eine befriedigende Lösung dbr KritegsanileClbeßiiage. Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die «ichteingerückten Militärpersonen. . Prag, I. April. Auf eine Anfrage der bei ihm erschienenen deutschen , sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. , C z e c h und JH i 11 e b r a n d t erklärte'Ministerpräsident Dr. Benesc h, daß. mit Rücksicht auf die 10-Mlionen-Pfund-Anleihe möglichst bald, zur Behebung der A r b e i t s I o s i g k e i t mit der Aufführung einer Reihe von größeren öffentlichen Gebäuden .in Prag und anderen Städten der Republik werde begonnen werdeq. Weitere , Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit würde er nach seiner Rückkehr aus Genüa dem Ministerrat vorlegen. Bezüglich der Strafverfolgung jener, M i I i t ä r p e r.s o n e n, die gelegeptlich der letzten Mobilisierung verspätet * öder gar nicht eingerückt waren, beton e der Ministerpräsident, daß es sich hiebei um eine e m i n e n t politische Frage handle, zu der er sich erst nach ihrer Besprechung im Ministerrat werde äußern können. 'v . Polen. Die Frage der militärischen Dienstzeit. Warschau, x. April. (Tel. der »Wiener Morgenaeitung«.) In der letzten Sitzung der Militärkömmission wurde die Frage der militärischen Dienstzeit beraten. Abgeordneter Liebermann’ interpellierte den Misrachi—Wien Dienstag den 4. April 1922, 7 Uhr abends. Im Festsaale des HOTEL CONTINENTAL, II., Taborsfrafie VORTRAG Oberrabbiner M. S. GLASNER (Klausenburg) Oie nun fies religiöses Jqüeb Heim AnfbaD Palästinas Erscheinet ln Massen! . 1000 - „ Erscheinet ln Massen! I Finanzminister über die langsam vor sich'gehende Verminderung des Militärbudgets und verlangte die Einführung einer iSmonatigen Dienstzeit, die dem Staate große, Ersparnisse bringen könnte. - Fjtnänzminister Michalski erklärte, daß in der letzten Zeit das Militärbudget sich bedeutend verringert habe und gegenwärtig nur den fünften Teil der Ge samtauegaben des Staatshaushaltes ausmache. Generalstabschef General S i k o r s k i schilderte in einer längeren Rede den gegenwärtigen Stand der Armee und trat für die Annahme des Gesetzprojehts über die zweijährige Dienstzeit ein, die angesichts ddr geographischen Lage Polens, des Revanchegeistes in Deutschland und des kommunistischen Militarismus in v Rußland eine Notwendigkeit sei. Ungarn. Die Opposition gegen die Wahlordnung. Budapest, i. April. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Graf Albert Apponyi hat einen an die Nation gerichteten Aufruf verfaßt, worin der oppositionelle Verband sich gegen di e >W a hip rdjri ü n g verwahrt. In dem Aufruf wird erk’ärt, der-.Geselzartikel i vom. Jahre 1920 ermächtige die Regierung nicht kur Abänderung der Friedrichschen Wahlordnung!/~ Es müsse daher festgestellt werden, daß d'e Grundlage der Zusammensetzung der neuen Nationalversammlung u n ge s e!2lieh-sei.* Freigesprochene „Hochverräter". Budapest, 1. April. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Journalist Persia« und Dr. R e j ö d, die angeklagt wären, in einem der hiesigen tschecho - slowakischen Gesandtschaft überreichten Memorandum sich des Hochverrates schuldig gemacht zu haben, wurlbn. nach mehrtägiger Verhandlung treigesprochen. Gleichzeitig wurde die Freilassung des in Hait befindlichen Dr. Rejöd verfügt. - Streiks. Budapest, I. April. (Intel.) Der Streik der Eisenarbeiter dauert fort Heute ist auch in der Schneiderindustrie ein Streik ausgebrochen. In Debreczin streiken gleichzeitig die Schuharbeiter und Schneidergehilfen, die Bäcker, die Möbelfabrik- und Eisenarbeiter. , In Szegedin haben die Bäckermeister den bisher in Geltung gewesenen KoIIektivvertrag gekündigt. Gleichzeitig streiken die Hanfspinnerei- , und Holzarbeiter.; In Bekescsaba dauert der Streik in der Hubertusspinnerei und Weberei an. Den Streikenden gesellten sich gestern Arbeiter der Merkur- und der Rokkasspinnerei zu. Jugoslawien. Eine kroatische Nationalkirche. Agram, 1. April. Erzbischofs Dr. Bauer hat an die Belgrader. Regierung eine Note übersendet, worin er verlangt, daß sie energisch gegen die reformistisch^' Geistlichkeit in Kroatien auftrete und die Gründung einer kroatischen Nationalkirche nach dem Muster der tschecho-slowakischen Nationaikirche verhindere. Die Anklage gegen den gewesenen Kriegsminister. Belgrad, 1. April. In. der heutigen Sitzung der Skupschtina wurde die Debatte über die Anklage gegen den gewesenen Kriegsminister Z e c e v i c fortgesetzt. Nach den Ausführungen des Kriegsministers verlas Ministerpräsident P a s i c folgende Erklärung namens der Regierung: Die Regierung ist auf Grund des ihr vorliegenden Materials zii der Ueberzeugung gekommen, daß es möglich sei, daß bei der Ausführung der Anordnungen über die Einberufung . der Reirruten im Winter vorigen Jahres strafbare Hand-' lungen seitens der Staatsorgane vorgekommen sind. Sie wird deshalb neben der Untersuchung, die schon das Kriegsministerium angeordnet hat, auch ihrerseits eine administrative Untersuchung vornehmen, aber sie ist auch bereit, in eine parlamentarische Epquete einzuwilligen. Sodann erfolgte eine geheime Abstimmu n g, in der 148 Stimmen für den Uebergang zur Tagesordnung, 71 Stimmen . dagegen Abgegeben wurden. Palästina. Die Stimmung der jüdischen Bevölkerung Jerusalem, 29. März. (J. C. B.) Die jüdische Bevölkerung Palästinas lebt in einem Zustand .aufregender Unruhe. Es werden Gerüchte über bevorstehende Ereignisse verbreitet, die mit den kommen-] den Feiertagen aller drei Konfessionen zusammen-. hängen. Die jüdischd Bevölkerung trifft Vorkehrungen gegen Provokationen wie auch zum Schultz^ von Leben und Eigentum. . Ainah diie Be'höndien bereiten sich1 auf dÜwaii'gLü Ruhestörungen vor. Die Polizei "erhielt besondere? Instruktionen. Es wurden Verordnungen über did Abhaltung von ‘Versammlungen und Umzügen, übest das Waffentragen tnsw. erlassen. Es wird aoge-j not-firnen, daß die führenden mohammedanischen) Persönlichkeiten einen beruhigenden Aufruf erfasset werden. Vor »einigen Tagen wurde die Nationalfon4s-( farm Dagania von einer bewaffneten Bande an-! gegriffen. Der Ueberfall, der tun Mitternacht erfolgte, konnte abgewahrt werden. Am Morgeni wurde ein erschossene«* Araiber aufgefimden, den einer bekannten Diebsfamilie an gehörte. Es wurde* deshalb der Wächter von Dagania verhaftet, jedoch? gegen eine Kaution-von 200 Pfund auf freiem. FuH gesetzt. Auf. der Brücke bei Ramleh wurde der erst) vor kurzem eingewanderte jüdische Siedler Boris- Antonowski ermordet auf gefunden. Vor; wenigen Tagen ist ein Jude auf dem Wege nach', Mikweh Israel ormordet worden. Rundschau. Die jüdischen Flüchtlinge in Lembepg. Aus Lemberg wird uns berichtet: ln letzter Zeit hat die Lemberger Polizei neuerlich Aus?; Weisungen von jüdischen Flüchtlingen aus der Ukraine; vorgenommen, die Unglücklichen bei Nacht aus den Wohnungen ausgeh'oben und sie an die Grenze abgd* schoben, wo sie dann unter herzzerreißenden Szene® den Sowjetorganen übergeben wurden. Das hiesige Rettungskomitee intervenierte bei den Warschauer Behörden. Dank den Bemühungen des Jüdischere Nationalrates hat das Warschauer Ministerium eine Verordnung erlassen, wonach der erste Auf* enthalt der Flüchtlinge bewilligt wurde. Der Lemberger Wojwode hat aber diese Verordnung der Polizei nicht zur Kenntnis' gebracht, so daß die Polizei auch weiterhin , eine größere Zahl von Flüchtlingen auswies. | Erst nach wiederholten Bemühungen des jüdischere Rettungskomitees und des Warschauer jüdischen Natiönalrates wurde von Warschau der Lemberger Wo'wodschaft . der telegraphische Befehl erteilt, die Verordnung sofort durchzuführen. Die Polizei hat daraufhin den Abschub der vorbereitetere Flüchtlingstransporte eingestellt Interessant ist, daß die Zuschrift der Wojwodschaft an die Polizei das Datum vom 22. d. M. trägt, obwohl es erst -am 28. d. M. der Polizei zugestelli; wurde. Es scheint, daß der Wojwode Grabowski in seiner Amtsstellung den antisemitischen Prinzipien seiner Partei (der National? demokraten) allzusehr Rechnung trägt Einsteins Vortrag in Paris. Paris, ' i. Aipnik (»Red. TaigebU.«) Im GcilllegC die France. hielt geistern mcbnuiittagis Allbart Einstein seine ers.li? Vcirles.umg. Sdhon eine Stimmte vor Begiaitn drängen sich Lim Eingang die Hörer* Dats Audiiioriiütni besteiht z>um großen. Teil aiuis Professoren und Stud'en'tien. Atudh vuede D-aimein äiiml gdkiqmimiein. Ganiz vorne sitzen zwed A/rtilkorie- ■offizieipe nn 'der Nähe Pa i n l e v e s, des . trüberes Mrriiißtonpräsiklem't'en, um Pnofefsoo* Esnotieiiri übefl die R ei ad v.Itä tsth eciric ziu fhören. Uim 5 Uhr füÖfib sitdh das Podium über dem Kiacibediar. Unter dleiol Pirofasisoren der Sorbonne ensici’iiekut AJIbert Eän^delnt- Er wird mit demonstrativem BeifaH be-i grüßt. Die Vers^imsmilung eubabt sich umtd appÄeftD-1 dsiei't zweji Mimuten lang.mit stürmisdhier Regeisitie^ miig. Der D i r e k t o r d e r S o r boene spridhÜ eimge Woutee'.ztar Einfführüng.. Er 'danikt dien fnanzösiisdien Hörern für den Ennpfsmig, den ©ie dien< Gia.it. -?jus Deu^sclyknid'bereitet halben, und doirhkti Pirofeissor!Eiitr.isiteim, daß er gcfkcimimen.iiSft, . tan anu; ■dieser gesiahichitHichen .LeflinstäUbe der Wissen^dbaft seiive Tlheprie vcnzui/sriaigein. Er .\veilit aiutf. dien tßdCg^ lieh gelehrten Zweak der . Vemtnistolitming ihiittt^ Dann beginnt Eiwsifcem •stemen' Vcrtnrig. ■ Es] spricht francost-sch, o*‘:ni'e ein' Miamtui:ßor-i|pt zu ge-! bnaiudhcn. Nur sd'icn fehlt ihm' ein Aiuödnuidk, um seine Rede mocih deR-ntFcher zu fasrens. Da weradei: er sich an den neben ihm ‘«citoendem Professor des? Physik Lange vin. dieir ihm leibe eine Erklärung! gilbt, und diainn' fähint Eimstein in sieiner Rede' fort* Die ersten Sätze sjp-r-idht er ' stehend.,' nM ■ teiiseg. Stiimme. Er ist wohil nodh etwas aufgeregt Ans ihim ein Stuhl zmigestdh'C'ben wind, 50 diaß er sitzend' weiter reden kann, halt er die Ruhe wiediergefundetre und dozdert einfach, niicht wie'ein geldhirber Plrö^ fessor, sondern im Konivensa6ianiatxm, so' daß soga$ Leurte, die nichts van dfer MoitthemaibSk verrtöh-ew] sich eimbilden kennen, etvvsis von dier Relaitiirvitätstheorie zu begreifen. Der Kontakt ist ihengesteUU. Die Hörer folgen dem Redner mit hödhßter BegeiVerung. Nach einer Stamdie is»t der Vcirtttnag'zc» Ende. To.enider Beifailil lohnt Professor Bimst ei« für seinen Vortrag. Paiiinleve tritt auf ihm au und reicht ihm die Hand. Herren- und Damsimässhe, RescnmanUil, engl. 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