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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-31 · Heft 1138 (31.3.1922) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1138 (31.3.1922)
Date
1922-03-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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-ecw? ^-rctv^rrar Sstcht natürlich i:: c‘c. lic’i •’ l 31.'März H)2£ Nr. 1138 r »Ueiclisrost« nicht ein ’• * cc der Versuch nicht, '! f. »erbytscsseiicn palästinensischen Juden« gegen die toeuen Einwanderer auszaispielen, welche als Junge halbwüchsige Burschen aus der Schule Trolzkijs *tnd Lenins .hmgestdlt Werden, die den Bolschewismus, beziehungsweise *.da/s Gift des SozlaJisiwus« in das friedliche. Land einschleppen. Daß die jüdischen Pioniere, die von Idealismus erfüllt, sich allen. Mühen und Opfern unterziehet, uni das Land ihrer Sehnsucht zum Frommen alktrhseirier HewMÄor-- 'neuzutbeleben, als Bolschewiken »angeschwarzt werden, ist ein bewährtes Mittel der arabischen Pwp-aganda, den Versuch aber, einen Gegensatz zwischen den »erbgesess-en-en Juden?.. Md den?-/zronist ischsn > Einwanderern zu konstruieren, widerlegt die jüngst erlassene Enklärung der führenden Organisation dieser »Erbgesessenen«, die einen Appell eines arabi- 'sohen Blattes, von den Zionisten aibzuirü-dken, mit der Berufung auf‘ die BalföürrDekläration, beähG wortet hat. Zum Schlüsse wartet der 5 Artikel *. rrtit einer Drohung' auf: Wenn die zionistische Politik nicht rasch geändert wird, werden die Araber zur Selbsthilfe greifen, die Beduiinenistänrtne jenseits des ijordans warten nur auf einen Wink, um bewaffnet in Palästina einzubrechen, und eine Armee von 150.000 Reitern besorgt dieses Geschäft in wenigen (Tagen, trotz der übrigens schwachen englischen. Besatzung. Die sympathische Offenherzigkeit dieses arabischen Agitators wird man sich jedenfalls gut merken' müssen. Der Artikel der »Reichisipoist« ist eine einzige Taitsachenentstellung- und Verleumdung. Wenn es gegen die Juden geht, so werden iWiener Christlich soziale zu Wortführern jener »unterdrückten« Araber, die von dem Nahen einer neuen Ordnung in Palästina das Ende ihrer Ausbeutungsmetiboden befürchten, die es einigen Gruppen yon Großgrundbesitzern und Bodenspekulanten; ermöglichen, das Gros ihrer eigenen Brüder in wirtschaftlicher Knechtschaft und geistiger Rückständigkeit zu halten. Der Wunsch dieser Kreise, der auch der Wunsch jenes Kleriücalismus ist, dem die Drohung mit Mord und Brand nicht im mindesten wider den Strich geht» wird nicht in Erfüllung gehen, er wird am der Logik der Tatsachen, an der fortschreitenden Entwicklung ebenso r ■zerschellen,1 wie an dem unzerstörbaren Willen des jüdischen Volkes, sein nationales Heim gegen alle Widerstände zu errichten und damit ein neues Palästina zu schaffen, i»n dem zwei freie Brudervölker in Wohlstand und friedlichem Wettbewerb an der Erhöhung der Kultur im Osten arbeiten. kUu Grippe aufgetreten Ist. Aus Wien ioi ür. De l ug nach Madeira unterwegs. Eine unmittelbare! Lebensgefahr soll nicht bestehen. Vpie; vom den Wiener Monarchisten verbreiteten Nachrichten über eine schlechte Wohnung des Exkaisers - werden von der porlugieslschlen Regierung dementiert. Die Exkaiserin sieht einem freudigen Ereignis entgegen; Paris, 30. März. (Havas.) „Associated Preß“ meldet aus.Llssab 0n: Man hdgt wenig Hoffnung, daß Exkaiser Karl die Lungerentzündung, die sich? v e r* schlimme r t hat» überleben werde. Es sind G ehirnstörungen einge'reten. Man mußte zu Sauerstoffinhalationeh schreiten. Der 'Exkaiser hat ein Testament errichtet. ' Funchal, 3P* März. :(Hayas.) Das. Befinden des Exkaisers Karl hat sich ge b e sser L Die Aerzte hoffen auf seine Wiederherstellung. ( Funchal,* 30,* März^(IJflvas.); Die Besserwngi die sich gestern abends im Befinden ÄlE*kälse*s gezeigt hat, .hat nicht angehalten. Eine Prügelei wegen der Arbeitslosenfrage. Im KrelsarbeiterräL der nach der vorgestrigen Demonstration eine Sitzung über die Arbeitslosenfrage abhielt, kam es zu einer erretztdn Auseinandersetzung. Die „Arbeiter-Zeitung“ berichtet darüber: .Frey (Kommunist): Den Sozlaldsmokraten gebührt das Verdienst, den Christlicbsuzialeu gezeigt zu haben, wie man am besten dis Missen ausplündert. (Stürm’sche Entrüstungsrufe hei den Sozialdemokraten.) Ihr Finanzplan hat diese Finanzpolitik der Regierung eingeleitet. (Rufe : Abzug Frey!) Da Frey behauptet, daß Zeitz ln seiner Rede erklärt habe, daß die. Wohnbausteuer aus den Taschen der Arbeiter bezahlt werden muß, entwickeln' sich stürmische Szenen, Frey erhält einen Ordnungsruf und kann erst nach minutenlanger Unterbrechung seine Rede beenden. Die „Röte Fahne“ schildert die Szene in folgender Weise: Genosse Frey wurde mit einem Watgehefal empfangen, als er die, Redpertribüne betrat, Was Friedrich Adler nicht hinderte, später'zu erklären, Freys Rede habe die Sozialdemokraten gereizt. Als Frey fest-' . stellte, daß Seitz erklärt habe, die Proletarier müßten die Lasten des Staatshaushalts tragen^ weil sämtliche Einkünfte der Besitzenden dazu nicht ausreichen würden, stürzten die Sozialdemokraten wie w i 1 d e Tie re auf unsere Genossen los. Genosse B u z z i wurde mit F ä u stschlägen traktiert, Genosse Fi a 1 a gewürgt, Genossen Wert- ' h e i m der Mantel zerrissen und auch Genösse K o r i t s c h 0 n e r g e s c h I a g e n. Oesterreich. Das Satriertuigsprogramni der Regierung Das »Grazerr Völksblatt« veröffentlicht Aeußentngen des Bundeskanzlers Schober über das Finanzprogramra der Regierung: , Jenen Kreisen, die immer wieder vom .Staate Zuschüsse verlangen, müsse vor. Augen gehalten werdest, daß es für den Staat nur zwei Möglichkeiten gebe, diese' Ansprüche befriedigen: Steuern oder die N otenf ress e. Aber die Kotenpresse wirkte ebenfalls als Steuer; und' dies richte sich heute vielmehr gegen die Bezieher von Gehalten und Löhnen als gegen die Besitzenden. Der Schutz dagegen mit Hilfe der sogenannten gleitenden Zulagen und der. Indexziffer sei eki vergebliches Beginnen gewesen. Was die- Zuikiinf’t betreffe/ so bin ich mit Dr. Rose nberg darin'gahz^rnig, daß sie keineswegs, trostlos zü beurteilen sei, sobald mam sich nur einmal aus dem Sumpf herausgearbeitet habe. Denn allmählich würden wir ja doch den großen Vorteil zu fü'len betlc. mmen, der in dar Abstoßung der Staatsschulden durch die Geldentwertung gelegen sei. Nachdem auch die Frage def Lebensmittel Zuschüsse erledigt erscheine und die Stabilisierung der Krone, wie zu hoffen sei, alsbald gelingen werde, sei die Saniert! n g der Staatsbetri ehe und der Beamtenabbau der nächste und gleichseitig größte und bedeutsamste Programm ptmkV Gelinge dieser, dann seien die B^ndesfinanzcn la-niert. Das amerikanische Pfandrecht Washington, 30. März. Die vom Senator Lödge. Angebrachte Resolution ist von beiden Häusern des Kongresses angenommen worden. Durch die Resölutidn wird die amerikanische .Regierung ermächtigt, die Forderungen an Oesterreich’ zurückzustellen. Der französische Kredit. Paris, 30. März. (Havas.) Eine Konferenz der Präsidenten der großen Ausschüsse hat beschlossen,, ler Kammer vorzuschlagen, die Beratung über den Gesetzentwurf, betreffend die Vorschüsse an Oesterreich, an die Spitze der Tagesordnung der morgigen Formittagssitzung zu steilen. Die Linzer Waffenfunde. Linz, 30. März. Nach einer Mitteilung der Polizei fcrurde der nach Mähren zuständige Emil R y b i c k a, la die polizeilichen Erhebungen in der Angelegenheit ler Waffenfunde im Warenhaus Kraus & Schuber ergeben haben, daß er die öffentliche Ruhe gefährde, ur immerwährende Zeiten aus dem Gebiete der Remblik Oesterreich ausgevvjesen. Tschecho-Slowakei. Die tschecho-slowakische Delegation. , Der tschecho-slowakischen Delegationin Genua wird auch der Wiener tschecho-slowakische Gesandte Dr. K r o f t a angehören. Auslieferung Radic*. Belgrad, 30. März. Der Immunitätsausschuß hat dem Anträge des Justizminisiers auf Auslieferung des Abgeordneten Stephan R a d i c zugestiinint Die Erkrank-' Die aus Madeira Hin (’■::»• sizlzr des Exkaisers. nden Berichte surechen Skirmunt über Polens Außenpolitik. Paris, 30. März, (Havas.) „Figaro“ veröffentlicht eine Unterredung mit dem polnischen Minister des Aeußern Skirmunt. Der Minister erklärte unter ariderem, Polen gehe enge mit der kleinen E ntente zusammen, nicht nur hinsichtlich der Konferenz von Genua, sondern auch mit dem Ziele der Verwirklichung einer ständigen Kooperation; aber Polen besitze a u e h a n dere Inte ressen, die außerhalb jener liegen, die den Daseinsgrupd der kleinen Entente bilden. Es habe also vollständige politische Freiheit bezüglich allgemeiner Probleme. Der polnische Staat habe bei seiner Bildung, einiges Mißtrauen erweckt, das jedoch jetzt zerstreut sei. Die republikanische-Partei. Aus Budapest wird uns berichtet:- Unbekümmert um das Verbot der Regierung, fährt die republikanische Partei in ihrer Werbearbeit frn und vermehrt -die Zahl ihrer Anhänger/. Si6 ii stellt rin mehreren Bezirken -Kandidaten auf, wenngleich sie’ überall gegen den offiziellen wie - auch gegen „unverantwortlichen“ Terror anzukämpfen hat -Unter anderem - hat die Partei auch in G ö d ö l 1 ö, < der historischen Somnierresidenz. der Habsburger, eine Wählerversammlung angfekündigt, die jedodh von der Polizei untersagt wurde. Die Parteileitung wandte sich hierauf an die Budapester a m e r i k a n i sehe MI s s i 0 n, der sie die verschiedenen -Akte amtlicher Willkür vortrug; Erst der Intervention des Leiters der amerikanischen Mission gelang »es,, die* Bewilligung :der Wählerversammlung durchzusetzen. In der Nacht vom 17. auf den 18. d. M* wurden von „unbekannten; Tätern“. ..in Budapest mehrere tauaejj^i rot-weiß-griine Pla'cate affichiert, die einen re p u b 1 i k a n i s c h e n' Wahllnufruf e n thielten, und mit einem Hoch aut die ungarische Renubiik schlossen. Ein Umvcrsiiatshörer wurde unter Amt. T^l.-lu. -J- Die republikanische Partei Ungarns bereitet ein in englischer, französischer, italienischer und deutscher Sprache .abgefäßtes Manifest an die Republikaner der -Welt vor, in welchem die Gesinnungsgenossen aller Länder aüfgefdrdert werden, in den Parlamenten, in der Presse und in Versammlung n gegen den Absolutismus der ungarischen Regierung zu protestieren. Ein aufrechtes Wort an den Grafen Bethlen. Der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen hat die schwere Bürde des ersten Wahlagitators für seine,, SO schwach zusammengefügte Einheitspartei .aut sich geladen und bereist die wichtigsten politischen Zentren Rumpfungarns, um sich eine Majorität. zt| sichern. Die Aufnahme, die er bisher in. den Provinz* Städten gefunden hat, mochte ihn überzeugt haben, daß er diese Wahlen ohne Amtsterror kaum wird zu seinen Gunsten lenken können. Auf seiner Agitationsreise stieg der Ministerpräsident auch in Szeged in, der durch die am Oberrabbiner Dr. Immanuel L ö w begangene Schandtat zu traurigem Ruhm gelangten zweitgrößten Stadt Ungarns, aus. Hier kandidiert dio Regierung den ehemaligen Ministerpräsidenten Grafen Paul T e l e k i als offiziellen Kandidaten. Bethlen empfing in Szegedin unter anderem auch eine Abordnung der Judenschaft, deren Führer, Kuttuspräsidenl Dr, Samuel Biedl, darauf verwies, daß die Szege* diner Judenschaft auch während der Revolutionen von ihrem Patriotismus nicht um Haaresbreite abwich, deshalb sei sie entschlossen, auch bei den Wahlen nuf für ein von allem extremen Radikalismus freies bürgerliches Regime einzutreten. „Wir können“, sagte Doktoi Biedl, „unsere Ehre und unser Selbstbewußtsein, nicht aufopfern und sind nicht geneigt, mit jenendie ihr Wohl in .unserem Ruin suchen, zusammenzuwirken/1 Graf Bethlen war durch diese Worte unangenehm be** rührt, denn es entspann sich zwischen ihm und Biedl eine lebhafte Diskussion, in welcher Graf Bethlen seine bekannten leeren Versprechungen und die Phrase von der Unmöglichkeit eines rascheren Tempos in der Versöhnungsaktion vorbrachte. Die Mitglieder der jüdischen Abordnung blieben jedoch bis zum Schlüsse auf ihrem Standpunkt und erklärten, daß sie gegen den Grafen T e 1 e k 1, der auch in seiner Eigenschaft als Universitätsp ofessof den judenfeindlichen Rassenstandpunkt propagiert, dessen Wirken als Politiker w|a als Gelehrter eine Provokation d e s J u d e ntums bedeutet, mit aller Schärfe Stellung nehmen werden. Die Szegediner Juden erklären offen, daß sie gegen den Grafen Teleki, der als einer der Träger des Antisemitismus auch, dessen traurige Folgen auf dem Gewissen hat, mit allen Kräften den liberalen Kandidaten unterstützen werden. Das ist, nicht nur eine Revanche für den Fall Löw, sondern auch ein Protest gegen die unwürdige Haltung des Präsidenten der Budapester Kultusgemeinde, Franz S z 6 k e 1 y, der sich dem. jetzigen Regime verschrieb und den Ministe^ Präsidenten glauben machte, daß hinter ihm der Großteil der Juden Ungarns stehe. Auf seiner Korteschreise wurde Graf Bethlen eines anderen belehrt. Die Führer der englischen Arbeiterpartei und Palästina. Der Führer der englischen Arbeiterpartei, R a m s a y Macdonald, der bekanntlich vor kurzem aus Palästina zurüc' gekehrt ist, wo er die jüdische Arbeit aus eigener Anschauung kennen lernte, veröffentlicht in der „Westminster Gazette“ einen Artikel über seine Eindrücke. MncdonalJ schildert die Tätigkeit der Chäluzim und hebt hervor, daß die Araber die jüdischen Einwanderer willkommen heißen, wenn sie nicht aufgehetzt werden, ebenso wie die arabischen Bauern von den jüdischen Einwanderern in verschiedenster Richtung gefördert werden. Während man zum Beispiel in Nablus nach einem jüdischen Frauenärzte verlange, wollen die- Efendis nicht gestatten, daß sich ein solcher dort niederlasse. Macdonald tritt dafür ein, daß man die den Arabern gegebenen Versprechen einhalte, und sie sollen Ihr arabisches Königreich haben. Aber Palästina habe ihm etwas gezeigt, das unvergleichlich größer sei als die arabischen Wünsche. Die magische Anziehung, welche Palästina auf das jüdische Volk ausübe, könne k:ine Macht der Erde beseitigen* Deshalb glapbt Macdonald fest an die Gerechtigkeit und die Durchführbarkeit der zionistischen Forderungen. Oberst^/ p d g w 0 0 d, der bekannte Abgeordnete der Labour .Party, nimmt im „D a i 1 y H e r a I d“ zur Palästina-Frage Stellung und erklärt, daß erH die Verfassung für Palästina billige, daß aber eine englische Kontrolle im Lande bestehen müsse, solange arabischer Pöbel die Juden mit Mord und Plünderung bedrohe. Chamberlaln über Genua. London, 30. März. (Wo»lff.) C h awi b e r 1 a i a teilte gestern im Unterhauns dem Wontilisiut der Ewtsohiliießtunig. m.it, diie am nach. <tein. Montag dein UniterC-jsiwsveingelegt wandern .wimd. Diese linud-et: Dais Idains billigt die Resolution,., die der Ofoemsite Rat itn Cannes aks Gründ l a g e dt&r. Kantfercnis van Gern:®, D';vgeitvommen' luait. und wiind dne Regierung Seiner Mapcstä-t bei ilkrem ..Versuch, ihr Wirks-am-kek ‘z<u vr.’^kjarieirk, unterstützen. Wei-tors teilte Che.-nvhepisain rrrit, daß ersieh mit 'Lloyd George nach Genua begeben werde. ._C_a . -A-_.. .1r i.' _ _*_-- ir Aar CfovLiuuiruac

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