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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-31 · Heft 1138 (31.3.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1138 (31.3.1922)
Date
1922-03-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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K SS Wien: Zum Abholen io der Expedition, ll.,Taborst?. i—3P oder!n einerVerschleißstelle £frafik), monatlich K 1400. viit Postversan d _ UirWie« und Oesterreich monatlich K1400. rsc free ho» Slowakei? Mon. Kronen 20. Ungarn: Möiiatl. 'Krönen 120. Jugoslawien: Vlonati. ■ Dinar 20. Polen: MonaU.'Mark 700/D eu tschjand: Monatlich Mark- 35. Frankreich: MonatI.Frcs.6. Wiener TüfiecK^SJaimiNf tsch. K 1 Italien: Monatlich Lire t!j Rumänien: Monatl. Lei 4ty HHrl Ana rthwiM* Schweis und das Ausland monatlich Francs ~3i Redaktion u. Administration Wien II./Taborstrasse 1—35. Telephone: 44-0-3Ö,-43-3-19* ab 6 Uhr abends 17-9-32. Telegrammadresse:„Mcrgeß* zeitung“, Wien. Oesterrelchisches- Postsparkassenkonto 150.693* Nr. 1133 Wien, Freitag, 31. März 1922 4. Jahrgang Zwei jüdische Staatsmänner. , st. Wien, 31. März. Zwei englisch^ Staatsmänner ersten Ranges, der Vizekönig von Indien Lord Reading und der Staats- Bekf^öf? für Indien; Montägue, .müssen von ihren Rosienscheiden, weil ■ sie. öffentlich gegen die Orientpolitik desPremierministers "Lloyd George Stellunggenommen; haben. Beide sind Juden. Ihre Ernennung hatte seinerzeit in den antisemitischen Kreisen' der ganzen Weit die größte Aufregung’ hervörgerufen. Zwei Juden werden als Bevollmächtigte des mächtigsten Weltreiches über das .Schicksal von vierhundert Millionen Menschenzu entscheiden haben! Das Gespenst der jüdischen Weltherrschaft geht wieder um! Die antisemitischen; Zeitungen aller Zungen stießen erschütternde klagen ans.Sieschilderten den schaudernden Lesern in grellsten Farben die verheerende Wirkung dieser Ernennung auf ,die' nichtjüdische Welt. Im Besitz einer fast unbeschränkten: Ma'Ght, werden , diese zwei Jtidjen alles tun, : was* dein " Judentum nützt und es in den Stand setzt, die Nichtjüdeh zu Knechten zu machen. Nun ist der Ring des Verderbens, den Israel uni die Menschheit gelegt hat, geschlossen! Die Kunde fand: gläubige Hörer unterden ' Nichtjudem Aber auch :;■ in vielen jüdischen.. :peisen ~ neigte man zur? Auffassung, daß die Besetzung dieser .überragenden V Posten: mit jüdischen Persönlichkeiten dem Gesamtjudentum zu großem? Vorteil c gereiche, t Ini zionistischen Kreisern Hat die Ernennung der beiden . Juden keine freudige Sensation hervofge^ rufen/ Me Erfahrung hat den apolitisch■ denkenden Teil der jtsdenschaft gelehrt, daß es durchaus verfehlt ist,/ jeden , hochgestellten Juden als:. Vertreter jüdischer Unteressen zu .werten. Man kann es' immerhin mit einer gewissen; Genugtuung : zur? Kenntnis: nehmen; wenn Männer jüdiScIier- Abstamiiiung,vdenjvielen Hinddrnissen>. aum. Trotz, dänk eigener Kraft zu höhen und höchsten Steffen, gelangen. Aber in ihnen voniyorjiherein : Helfer des\j.üdent$iiih;';^6rbJidken^'ist^ein^f^rUöh^1ittiim.. Der /Ehli;> Reading-Montague;: lieferte ‘^eiiklarsten; ..-MWM^^^MDtigkLit^chWsr MteNMs.:? ' •'vfö '-StMW'Mk-;" WdM. WiWenMW 'ist .nicht erschüttert worden^ weil: 'sie-'Pölitilc.‘zinsten der Juden betrieben.haben. Im: öegönteib /Efie Pölitiic, welche sie betrieben haben und welcher sie schließlich im Opfer gefallen sind, war gegen, das Lebensiriteresse des jüdischen Volkes‘ gerichtet, ihrej jPolitik war antijüdisch. Die englische Regierung hat" "sich auf das Programm der Emanzipiemng des nahen Orient von. der türkischen Mißwirtschakt feMelbgt. Sie hat'die: arabische Halbinsel und Mesopotamien zu lselbständigen Reichen ,j|i|igebörenen |arabis^hen, .Pürsten .gemacht^ und . ^aläktiria 'in .Teteniclier lind bildender; Vorm .dem j|dfschen Volke ’ zugesprpehen.: Sie glaubte damit den "Grundstein des Friedens im nahen Orient gelegt und i$e?Lös;ung der asiatischen Frage'angebahnt: zu - haben. 1 ‘ Die Reaktion . gegen diesen Schritt möchte^sich Wd fühlbar. Emissäre der nationaltürkisöhen Regierung P. Angora und "ihrer Freunde, der russischen Bolschewiken, und; der französischen Militafisterj, entfesselten tihter den Mohammedanern Indienseine Aufstan'dsbf6\ycgung, deren , Ziel die Erhaltung der Macht des $ültäns in Staffjfiul bildet. Auf den Vizekönig -Wn’- Indien und den indischen Staatssekretär ai diese Bewegung, in. welcher religiöser ‘äriätiSmus und bolschewikische und französische Seltsam Zusammenwirken, den nachhaltigsten Ein ausgeübt. Sie sahen , die Grundfesten der ß^itlschCn. Herrschaft in Indien durch sie bedroht und fpräerfeH unter diesem Eindruck die Revision der englischen .Orientpolitik im Sinne der Erfüllung der l türkischen Förderungen. Sie verlangten, von der Con- | jdoner Regierung nicht weniger als den Örjch der den tieuön . arabischen Reichen gemachten Zusagen und * Me Politik, die der Zurückziehung;.jdert Balfourscfien Deklaration, dem Fallenlassen des zionistischen Projekts gföichkommt. Dfe Londoner Regierung hat diese Vorschläge wchjj£5hkzeptiert und erklärt, daß ihr ein Abweichen yöim eingeschlagenen Wege aus Gründen der Vernunft und; der Moral unmöglich erscheint. Da haben die beiden Staatsmänner zu einem ganz außergewöhnlichen Mitte^ gegriffen. Sie haben öffentlich gegen die eigene Regierung demonstriert. Knapp vor Beginn der Orientkonferenz haben sie ein Telegramm der indischen Regierung, in welcher die Berechtigung der türktischen Forderung anerkannt und die Orientpolitik der Londoner Regierung verurteilt wird, ohne den Premierminister vorher zu verständigen, der Oeffen lichkeit übergeben. Sie haben damit die Position der englischen Regierung gegenüber dem französischen Widersacher in empfindlichster Weise geschwächt Die Antwort des Kabinetts- -. chefs- Lloyd George erfolgte prompt. Er empfahl den rebellierenden Funktionären, ihre Demission zu geben, und Montague mußte sofort gehen. Es soll hier nicht darauf eingegangen werden, wie «reit Reading und Montague durch ihr Vorgehen der englischen Sache geschadet haben. Aber es soll fest- Vertrauensvotum für die Regierung! Wirth. Berlin, 30. März. (Wolff.) Der Reichstag hat das vom Zentrum eingehraehte Ver* trauensvotum mit 248 gegen 81 Stimmen bei 43 Stimmenthaltungen angenommen. Der Stimme enthielten sich die Unabhängigen und einige Mitglieder der kommunistischen Arbeitsgemeinschaft. Das Votum hat folgenden Wortlauts Der Reichstag verwahrt sich gegen die in den Noten der Reparationskommission vom 21. März 1922 dem deutschen Volke angesonuenen unerträglichen Forderungen und billigt daher die von der Regierung zu diesen Noten ab-, gegebenen Erklärungen. Der Papiermilliardenumsätz der Deutschen Reichshank. Berlin, 30. März. (Wolff.) Im Jahre 1921 stiegen die Gesamtumsätze bei der Reichsbank auf 20.090 Milliarden Mark gegen 32.770 Milliarden im Jahre 1920. Das Änschwelien ist haupsächlich auf die fortgesetzte Geldentwertung und die dadurch gesteigerte Inanspruchnahme durch das Reich zuzückzuführen. Die Kapitalsanlage setzte sich, wie sein 914, in der Hauptsache aus diskontierten Schatzanweisüngen des Reiches Zusammen. Das Geschäft in Handelswechseln blieb eng begrenzt. Der Bestand an Inlands- und Aus- , landswechseln ging von 3008 MiHioheh; Ende , 1920 auf 1062 Millionen Ende 1921 zurück. Wegen der- Reparatiönszahlungen. konnten ' sich; neimenswerte. Bestände in Auslands wechseln, nicht ansamhieln. ' :Ö^titschlahd';,tTiiiß zählen.; IJarisV 30.'März. (Havas.)s Im Laufe der Beratung des Senats über die- Bedeckung, der Ausgaben des Budgets erklärte Finanzminister d e L a s t e y r i e, .Frankreich beabsichtige durchaus nicht, sich in die deutsche' Verwaltung einzu'mischiän, aber eine .Kontrolle M^ VerbAndeten in gewissen - - Wesen Wehen- Punkten aüSi;--ih'üß/Zaltiien.';;Wenn;’:e&"nicht-'zahl^-;..wii{y;.-y€jr'deh: wir es z w i n g e n, zu •wollen. V Lenins Erklärungen. Macht, aber keine Kultur, " f Moskau, ' 30. März. (F'iiinksptwpli.)•': In " 'der Rede, die Le>nnn -auf di&m Moskniueir Parteitag hielt, legte er dötr, dlaß die-Bö%ohew^ken zer Ein.iiicihS: ge- ■ kommen seien; sk konnten1 d'i-e tie-ue kcminniuaTjiisitiiistdhe Wirtschaft gegen den: Kajpitoli'sanai® so Hange liidtot dunc^Jset-zen, -qü.s sde nidbi! öbar ,<Ec' hlioau npiweinjdigeih ..,KfittelÄ ‘iwrfügehv -'• D;ie :Wi»riiisidbiaft5maschine. entgleite: öhn-or Hansd- - B-rsber sei ets geltümgesi, achtzig'VgeiuSiischite G-eseMsorjaiftein . z.u :g/rürr- - den,. :aci -denen P r i;v a tka-ip i tal usntd . s>:i3iaitiTichös, Ijuvenftar db.etei%t' Änd. So wie es -dien K-oimmiucnfete'si gelium-gew' sei, Beziebungcn z-u' -dicn Kapital!isten a«fzjuwehmein-, ’ müsse es ih're Auffgalbe «eiiöi', •-auc&,> ei,»- Zusa-mmenkirbeiten mit den - Ban.cö,nh ' ei-niLüleite-h. ■ Die neue Wi'rt.-chaftspolii't'ilk . sei diie Poii t i-ld der Entwickln n g d e>s B olscb e w >i s m' ti' s. Die Üacmitmwaiis.ttt'sche Rüistung; iiiiüSße-; alhg&wbtnf(eän? dar Kio'irjimmis-teti ade-ühören.' Wir lbesii)t!zeri»;; "fudisi; Lenin' fort, adle fpoäiitiisohe tilnd'Iw^^hjäf'diiÄiiie ' atbar 3c e i oi-e K u -l.*btt.r.' Dfe' Knj<tit«r; dier,-;Böur-. : ge-oisie i«t zwar näichliig tiaud^ (hohl, aPaer'imsmeir".hsedv stärker aus die Min-ge pnoleMdsche Kitütte.' ’ In soitnen weiteren Aiisfüihimangesl - trafc Lennol dafür ein, die Rechte- .der; aüteaiiomeni Wirtscthöftis-». .. loönper'ziu erwerteM. ■ :V. V', ' Moskau, .30. Marz., (FiutnScfeipraich.)In- .deis; Debatte über 'Ae ReNe LÄlM«''ÄuL dWn ,:n. ‘Pjatiftci«*: tag forderten- .meihrene eine:, ^ennwe ■ Uin-;: scihreib’un.g der zu g^wührendeti KiontzessionCini - TroirMj’ ■.'betonte die iNotwendliigkeiit - dfe-r 'DnzieihiMA/ •der:jüg^ä-'üirw .dier^iae^enwGer^epätkp,' für dLe, jlsdim- . m-endlÄn^- Auifga'oen... -Birne - ReÄr,e. -. von -.Reän^rmst drückte ihrrs' Befr-iediigiüftig übeiri die vcmv Lenin. asn^* geregte Treaaiitifflg.;.3^;'^iß?teiv.- düchn. - dein - Sowjet«?. sichts: ,4er .neu^n j'jVfnbschiäftispoäÖtik.' ..Naidi'.. £feie!a£. Sehil^ß.wort Lenin;s’,-bea'n;tr<aigte der VtdrisiStlzenidje,, ein! •Ve-r t r a« e:in ,s -v oiu tn für dieR€^iierwsngSjp^Ht|ü,. im vergMgencht Jajhre.; Der Antrag wunde:>btz5; SetMMen'SNthLl'tm-n'g-an om-fflen. Die. russische ' Delegation auf-der Reis©;. nach Gemta. - Paris, 30. März. (Funkspruch.) Die aus T0 MitV gliedern bestehende russische Abordnung für die Kon? fefenz* von Genua ist in dem ehemaligen SöndefZug! des Zaren in Riga eingetroffen. : Der 2ug hatte aus •Furcht vor Attentaten Moskau des Nachtsverlassen; Die Konferenz dei; Vertreter der baltischen Staaten mit den Sowjetvertretem hat noch am gleichen Tag begönnen. } •' gehalten werden, daß. zwei hohe jüdische Staatsmänner keinen Augenblick gezögert haben, die Existenz, das Glück und die Zukunft des; eigenen Volkes preiszugeben, als Bedenken politischer Natur ihnen dies Tätlich erscheinen ließen. Es soll festgehalten werden, daß Juden so weit gegangen sind, ilirer Regierung anzuraten, einen mit dem jüdischen Volke geschlossenen Vertrag zu zerreißen, sich mit ewiger; Schmach des Eidbruöhes zu beladen und das jüdische .Volk'^zur Verzweiflung; zu' bringen. Der Fall ist lehrreiöh. Die Antisemiten, welche in jedem hochgestellten Juden einen willfährigen Agenten der jüdischen Macht wittern, können ersehen, daß ihre Theorie auf schwachen Füßen steht Dip Juden aber, welche geneigt sind, den Aufstieg jedes Juden als einen Erfolg der jüdischen Sacke zu betrachten, können ersehen, daß jüdische Abstammung und Glück nicht ausreichen, um aus einem Menschen ein nützliches Mitglied der jüdischen Gesellschaft zu machen. Arabisch - christlichsoziale Verhetzung. Die gestrige »Reichspost« voröffentliobt unter dem Titel »Der Bankrott des Zionismus« einen Artikel von K a m el W af a E 1 -D.a-j a n i, Präsidemten der Handelskammer von Haifa, der die Verhetzungsmethode'n gewisser arabischer Notabeln ins hellste Licht1 rü-dkt. Der Präsident der Haifaer Handelskammer beginnt mit der Feststei1 umg, daß er auf der Wiener Messe, die ihn hfeher geführt hat, nichts kaufen keimte,weil die Preise der österreicbiifchen hukstrieactikel zu hoch sind.. Was hingegen die politische Lage5 in Palästina anlangt, so holt er die - aibgcßtandenston -Ladenhüter am dem MtusfeTlager der arabischen Propaganda.hervor,.umi damit vor den Sdhäfleisr dev »Reiöhspost« Staat , ztfi machen, wobei natürlieh die Wahriheit sehr schlecht wegko-mmt. Palästina, so wird festgestellt; «stebt »augenblicklich ,;noch im Zeichen deis' siegreicheri * Zionismus«', obgleich die Juden nur eine Minder« ‘ heit im Lamde bilden» habe es Englatid zu eineni ..»zionistisch regierten und verwalteten Staat« ge« stempelt und der Hochkommissär Siir Her,’ber.fi S^m'uel ernenne sein Kabinett,, in welchem . die -Juden m der Majorität sein müssen. Sogar 'die englisöheni - Verwaltungsbeamten müßten, Juden oder doch: jüdi«» soher Abstammung sein, wenn die jüdischie», R%ie-, ru-ng sie in ihrer Funktion beteissen“ solle. Zu diesen Behauptungen isst zu bemerken, daß,-bekanntlidh. erst , jüngst der englische Kolonialminister im 'Laridoue| ' Parlamie-nt enklärt hat, ’Siir Herbert Samuel -Kaba / nicht als zionistischer Exponent, sondern' als^ englischer Beamter zu gelten, und da es ein »Kabin.ett<i bislang nicht gibt, so eirübrigt es sieh, die' Be^. hauptung richtigzusteNen, daß darin die Juden Ä der Majorität sein müssen. Wie groß aber die Zahl der englischen nkihtjüdischen VerwaltungsibeamtenS ist, ist aus der jüngst veröffentlichten offizielleil Statistik ersichtlich, die nur in den technischen Departements eine starke Zahl von Juden aufweisti was dadurch erklärt wird, daß sich für derartig^ Stellen arabische Anwärter nicht finden. Daß die Politik der Errichtung eines jtid&cheai Nationalheims nicht ein englisches Hirngespinst; sondern ein gemeinsamer Beschluß der europäischen Westmächte ist, dem dor Völkerbund seine Sanktion zu erteilen hat'und daß England bereits eia Verfassufjg«sjprojekt für Paiä^jpa entworfen ihat, dad den Arabern weitgehende Rechte einräumt -—üwow

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