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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-25 · Heft 1133 (25.3.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1133 (25.3.1922)
Date
1922-03-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 WIKTOR WOUGmZETTOmf Wien, Samstag_ 4er letzten Zeit ist auch diese einzige Hoffnung auf $ne legale Ausreise hinfällig geworden, so daß die Emigranten gezwungen sind, alle möglichen illegalen Wege zu benützen, um ins Ausland zu ge* langen. Der Airswandererstrom ergießt sich über Kaunas i e n. Infolge der regen Handelsbeziehungen su Konstaninotpel macht die grusinisch® Sowjet* ‘regierumg keine besonderen Schwierigkeiten beim {Verlassen des Landes. Au« Bat um treffen fortwährend in Koustantkopel jüdische Emigranten ein, die die Absicht haben, nftöh Palästina oder nach Amerika weiteraureisem. Strenge' Vorschriften bestehen bloß bezüglich der grusinischen Untertanen. Fremde und russische Untertanen begegnen keinen Hindernissen. Die grusinische Regierung ist nur darum bemüht, daß die Auswanderung keinen Charakter einer Massetiauswanderumg amnehme. Auch aus Persien treffen letztens Familien in Ron» stantinopel ein, um sich na-oh Palästina au begeben. Sie leben in großer Not und finden weder beim Joint noch bei der Kuiltusgemeinde das nötige Vorst ändmiis, so daß sic diats Ntt\vend!igste; ofltbciheen müssen. Die günstigsten Bedingungen herrschen in iT u r k e s t a n und Buchara, Wenngleich auch dort die Macht ln den Händen de>r Sowjets ruht, dürfen die dortigen Juden frei aus wandern und auch bares Geld mitnehmen, so daß die dortigen Juden, die auf dem Wege.nach Palästina in Ronstatntifiopel ein treffen, als ziemlich wohlhabend anzuselheft sind. [Ansehnlich ist äüöh die Zahl der Auswanderer, die fcu$ der Ukraine Über Rumänien a«kommen. Auch aus Bulgarien komme», Gruppen von Chaluzim die ersten sepbardischen Chaluzim — um nach Palästina weiterzufahren. Statistische Daten beweisen, daß Rotiströtinopel heute den wichtigsten Durehttigsplätz für jüdische Auswanderer aus dem Ostern bildet. Oesterreich. Der Nationalist. Di® Affären Lütgendorff und Pokorny. h ckt gestrigen Z-dzung wurde zuerst We (britte Losung dss Kredltfondsgesetzes ♦Vorgenomimeöi. Södlänst geinnghe der Bericht, des (Afl^scbu.ises für Hgridel und Gewerbe, betreffend Iden Ernäptrucih dies Busi desraites gegen den Beschluß ebs N-artiOnßi-rints über die Ergänzung Und Abände* üuug oätlger Be-tim mutigen des Hausier* Patents und der VonsdhtHfteri über asidere iWairtderge werbe, zur Vöfhiasftid!!tUifitg. Da® Gesetz wurde unter Berücksichtigung d«Sf diuirch-de<ft Eiin* Spruch ctas Bunidesinates litt § $ ttötiweßdigett still* sÄsche-n Aeuideruimgefl äOgettommeti. Es wurde sohließlich der Beridrtdles Au» ödhoBsses für Heerwesen über diie AufTmeibfutrig des Os-svses, betreffend die FesiiteilUiimg mvd Varföftgutng jvon Pflichtverletzungen militaribcher Orgärnelm Kriegd, in Veiihcfttdfiuirtg getzogen. Zu diesem Gegehtslaintd ifiprach Afogbordlneßcr iS e v e r, d*er ausführte: Uutter der großen Menge abständiger Offiziere habe Sich eine Anzahl Leute gefuudtein, dü>ö siefh nicht riiutr PflidhtvenlettßtUingeu, Bondimi Bru-nair: fiten gegen Mammschaft?{penson«f, Etnschuldien kommen ließen, Redner erinnert s«n zwei SFäMe, die de« Komimission behandelt batte. Den Smsve ist der Falfl des Feldimarsahalleutniants Lüttgeflöorff; dieser hat drei Sanitätssoldaten, dr!« m beraiutsöhtem Zunsrtrmd met iitoron Ge- Wöhren blind foetruimgesichossen haben, kurzcaficmd lohne genchrl iches Verfahren und ohne Eiimeima^ime wie wilde Tiere mit dem Bajonett nieder» Itechen lassen. Der zweite Fall iit der des Feld» marschaJleutnanifs Pokorny, der einen zwanzigjährigem Memsdhon verhaften und afourtdlem ließ, Weil er, wie es an der VenhGnidl’tung vor dem Auditor hieß, S p i e l e r e i e n getrieben hat. Et hat Petroleum in den Mund genemmen und damit Zündhölzchen a<ngoWaisen, was ah ein Lichtzeichen für den Feind betrachtet wunde. Dais Gericht teridärte, 3hn nicht alburteilen zu können, weM der iSaotoverthialit uraht kletrgestellt sei. Da bat der Fekl» morsiclralileuitnant dem Audinrr den Ajutftmaig gegeben. ein neues Standgericht so zusammenaustellen, damit der Mann noch am selben Tage Standgericht!ich hingerichtet werden könne. Der Feldmairsc'hailCieii’Jtnainrt efikilän'« dem Auditor, et habe zu gehorchen, sonst werde gegen ihn selbst wegen Ungehorsams standlgerichtlioh voirgegangen werdrn, Der Auditor berichtet soltbst: »Ich mußte. Obwohl Ich es mit meenem Gewiesen oicht vereinbaren konnte, ein neues Standgericht einfeemfen, dr.s den Mann verurteilte tr.d ihn binnen »4 Stunden enschöcßcn Meß.« Diese beiden Fäll« hat die Kcm.mirs&ion dom Gericht übergeben, das Gericht hat Lü/tgendtarff und Pdbo-nniy freigeSpro eheru Da® Gesete: wurde angenommett. Die nächste T-ßvzung wind auf 'sdmfttliitdheim Wege eintberufen Werden, Die österreichische Delegation für Genua. Wien« 24. Mörz. Die Politische Korrespondenz fntdet, daß die Österreichische Regierung durch den Bundeskanzler und einen Bundesminister bei der Eröffnung der Konferenz vertreten sein wird. Außer dem Bundeskanzler werden je nach dem Stande der Beratungen Bundesminister Dr. H e n n e t als Leiter des BundesainUtMluiat (Qr Aeußeres und die Bunrlesminislcr Doktor Rodler und Dr. Qrflnberger sowie je ein handelspolitischer, finanzieller und Verkehrs technischer Experte ln Genua anwesend sein. Der französische Kredit. Paris, 24. März. (Haväs.) Die Kammer wird Dienstag vormittags deh Gesetzentwurf, betreffend den Vorschuß au Oeeterreich, in Beratung ziehen. - Skirmunt besucht Wien. Warschau, 24, März, (Polst. Tcl.-Ag.) Gelegentlich der jüngsten Verspräche des österreichischen Gesandten in YVdrschau beim (polnischen .Minister des Aeußern S k i r m u n t kam das Reiseprogramm des Ministers anläßlich der Konferenz vom Genua zur Sprache. Hiebei stellte Minister Slkirmunt seinen Besuch in Wien auf der Rückreise von Genua in Aussicht, * Die bedrohten Kunstwerke* Paris, 24. März. (Havas.) Das Komitee der drei Juristen wird am 25. d. M. und dem folgenden Tagen in der Angelegenheit der voflfdöf Tschec h o - S 1 ö w ä k e { gegen Oesterreich geltend gemachten Ansprüche auf die fern Anhang 4 zum Artikel tg6 des Vertrages von Safovt-Get-maifl angefünften Kunstwerke und wegen der von Belgien gegen Österreich ethefoenen Ansprüche auf die im 1 2, älines a, c und d des Anhanges 2 des genannten Artikels atifgezähltön Gegenstände mündliche Darlegungen der beteiligten Regiefungea entgegen* nämea. Landtag von Niederösterrelch* * Der Landtag erledigte gestern bei Beratung des Landeshauptvöranschlages die Kapitel Straßenbauten, Wasserbauten, ' Gewerbeförderung und Kunst und Wissenschaft.' Sämtliche Kapitel wurden samt einer Anzahl Resolutionen angenommen, das letztgenannte, das de« neuen Titel »Landesmusetim und Bibliothek« erhält, ohne Debatte. Sodsan beschäftigte sich der Landtag mit dar Streik abslcht der Gemeindeärzte, die von allen Parteien verurteilt wird, Die Litiaef Waffeafütide. Lina, 24. März. Wie der Polizeibericht über die Waffenbe&chlagnathme meldet, enthielten zwei Kisten an scheinend B-Stoff (Reizgas) in 1500 verschmolzenen Glaefläsobchcn, eine weitere Kiste beinhaltete einige LeuchtrakSten, Pechfackeln und eine große Anzahl von verschmolzenen Glasfläs-chchen mit angeblioh flüssigem Gaa. Die väe*fte Kiste enthielt Totschläger, tn der Angelegenheit wurde auch der Kaufmann Karl. F r i t s d h er ln Urfahr verhaftet, der 300 Stück der erwähntem Totschläger bestellt hatte. Bei einer bei dem verhafteten Rybicka vorgeworttmenen Haufsciutfchsuohung wurde eih Plan der neuen Arbeitefbrotworke in Lina und deren Umgebung gefunden. Weiters wurden die nötigem Erhebungen ln Wien sowie die Verhaftung des .Ueferainitem der Vorgefundenen Gegenstände, eine« Oberleutnants namens Bing er, veranlaßt. Die zur restlosen Aufklärung des Falles erforderlichen Maßnahmen wurden eingeleitet. L!n2, 24. März. In Angelegenheit der Waffen* beschlagnahme schreibt das »Tagblatt«: Es stehe unzweifelhaft fest, daß die Waffen in der letzten Zeit fahrikismäßig erzeugt und in Wien ausgegeben worden seien. Die Firma dürfte von der Sendung keine Kenntnis gehabt haben. Dem verhafteten Rittmeister, a. D. Rybicka wurden die Organisation des Seibstsc’uCzes betreffende Schriften, ein geheimer Chiffrenschlüsisel und efcie Adre&sonlis'te sozialdemokratischer Führer abgenonrmen. Aus dem Papieren gehe unzweifelhaft hervor, daß es sich um einem planmäßig vorbereiteten Angriff handelte, sowie daß ein Waggon weiterer solcher ^Waffen ehern .versendet werden sollte. Unter den Von Rybicka notierten Vertrauensleuten befinden sich auch christlichsoziale Abgeordnete und großdeutsche Vertrauensmänner. Jugoslawien. Die Fiumäner Autonomistett ersuchen Pasic um Intervention. Belgrad, 24. Mfirz. Der gewesene Präsident des Staates Fiume, Z a n e i 1 a, hat sich telegraphisch an den Ministerpräsidenten Pasic gewendet mit der Bitte um eine Intervention zugunsten der Wiederherstellung des norma'en Zustandes in Fiume. Die Bitte ist auch von allen Abgeordneten der Fiumaner Konstituante unterzeichnet, die sich auf jugoslawischem Territorium befinden. Polen. Jüdische politische Flüchtlinge aus Rußland. Warschau, 22. März. (J. B. C.) tn den letzten Tagen' sind in Polen mehrere jüdisch« politische Flüchtlinge aus Sowjetrußland und der Ukraine, dasrunter auch eine ansehnliche Anzahl Zionisten, emgetroffeu. Sie beanspruche« in Polen das Asylrecht. Der jüdische Nationalrat 'rat bei der Regierung Schritte unternommen, um sic zur Anerkennung jener, von politischen Organisationen in Polen ausgestellten Dokumente zu bewegen, die den NachaSMfrz 195? _ weis erbringen, daß die Leute tatsächlich vor politischen Verfolgungen geflüchtet sind. Die Sanitätskonferenz« Warschau, 23, März. (Telegramm der »Wieuef Morgenzeitung«.) Am zweitem Tage der Sanitätskonferenz fanden die Beratungen der Kommissionen statt. In der ersten Kommission unter Vorsitz des englischen Vertreters Oberst James, wurde» das statistische Material des .Epidemieproblems beraten. Ferner wird sich die Kommission mit der Erforschung der Ursachen der Epidemien wie auch den Bedingungen Ihrer Verbreitung beschäftigen. Die zweite Kommission, die sich mit der Be» kärupfung der Epidemie Verbreitung beschäftigt, hat dem Vertreter Deutschlands Dr, Frey zum Versitzenden gewählt. Die dritte Kommission unter Vorsitz des ita* Henischen Vertreters Dr. Messe» naiim die Berichte der einzelnen Delegierten über den gegenwärtigen Stand der Bekämpfung der Epidemica ent- _ Palästina. Die Einwanderung» Änte London wird gcmcil-dct: Auf eint Am frage Viiaocuntt C u r z ö n s im Unterhauns«, wie sadf Ale Elnwamdieinuin»g n'aeih Pailästrxia dar letzitcn zwölf Monate aiutf die eimcelinem Länder vemt^ll«, geih Mdstfer Churchill rM(^i«tch-euJe Daten an: Men ZA Prozenits Rnßtonid 15 Pncaontt, Rrmjämien § Prozent, Ukraine u.'W. ti Prozept, Em»gla«n«d 3.5 Pvosen«^ ZenUtifl'fiissetti 10 Pitszent, Venefntgte Suttanten 3 Ptoä zent, awidw T ft-Hw 20.5 Ptmonit. Mister ÖhMfichifij bsstM die Melnuttng des tntbcnipeflawien, afa öb d4C Einwand&reir äm Ostewrcipa bnüscCvewlM dh geeint wären und wie« detrituf hin, tkß dk BolBduewdkon den Zioniismus vwfolgen. Empfang des Waad Leumi bei Herbert Samuel, Jerusalem, 20. Mäm. (J. C. B.) Dar Cofnmiiswioricsr He-nhert Samuel emipflng dött neu» gevviyten Waad Leuatta (NatiEsG«>mi'ts-s dar palä* sjtinensiiidhigin Juden) in lüngeifer AiitcHen'Z, der iSiaii ejngeheniden Befioha ülmr dli« Beratungen und Be* adhlüsSe des* Vtw Siniigon Tatgetn gei-chlöseenen zweiten Sossson der Assefarii HWidwcharitm enstä*- tebe. Ansiedlung der ehemaligen jüdischen Legionäre. Jerusalem* jo. Mainz. (J. C. B.) Die Vertretung der dtomtubi'ltii 'tonten SciUdtaiten dw ehemaHtgan jüdi» sdicn Legim eiflh^ctt niatch Itamgen VerhaiucMiungeÄ mk der Regierung dee Z'U-.:!m4M»ng zur Uebemnahme elnor größetneäi' ß*Odem'lädh« niidlvst Hebfon fG.tr Sicdluingsßtwedke. Die euateu Bo Legionäre werden demuachen das ihnen von der Regierung ziugewiesone Aceall m Besdti nehmen und die Atfibeit be» ginnen. FrledensSchtuß zwischen einer jüdischen Kolonie und einem arabischen Dorfe» Jerusalem,?o. Man», fj, C. B.) Zwlxheei der jud'schen Kfulionie Peizch-Tikwah und dient an den Mai-Uober-fälle.n auf jüdftadhe Koloncen be* te ilegt , gcw«se.n«en a.ra'bi Dorfe Jehudia wunde unter feierlichen Zeremonien dar Friede geschlossen. Die Orientkonferenz« # Der Minoritätsschutz. Paris, 23. März. (Havas.) Die Minister P01 m care, Lord C u r z o n und Schauzer haben mit den Sachverständigen heute nachmittags am Quai d’Orsay eine zweite Sitzung abgehalten, die voH 3 Uhr bis V28 Uih.r dauerte. Am Schluß dieser Sitzung wurde der Presse folgendes ConMnuniqiUe übergeben: Die drei Minister des Aeußern haben einet» großen Teil der hewtigon Nachmittrgssitzung dem Studium der Frage des Minoritätenschutzes sowohl in Asien wie in Europa gewidmet. Ueber die gesamten Fragen wurde eine Einigung erzielt. Die T ü r k e i lind G ri e c h e n 1 a *nd sollen in die vor* geschlagene Regelung aufgemommon werden. Der Völkerbund, in den die Türkei auf genommen zu werden versucht, wird, sobald die Türkei die Friedeusbedinguingen angenommen hat, a-ufgc* fordert werden, bei der Anwendung der obenerwähnten Maßnahmen mitziuarbeiten. Die interalliierte Militärmissicn hat den drei Ministem ihre Vorschläge bezüglich der Räumung Kleina.si en s unterbreitet, die gebilligt wurden. Die drei Minister begannen hierauf die Prüfung der armenischen Frage, deren Studium in den späteren Sitzungen fortgesetzt werden wird. Poincar& will nicht nach Genua gehen« Paris, 24. Mfirz. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Wie die „Ubert6* meldet, werde Ministerpräsident P 0 I n c a r 6 den Vorsitz der französischen Delegation für Genua den {ustizminister B a r t h 0 n, der gleichzeitig Vizepräsident des Ministerrates Ist, anbieten. Falls Barthou ablehnen sollte, käme Finanzminister L a s t e x p * in Fraze.

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