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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-25 · Heft 1133 (25.3.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1133 (25.3.1922)
Date
1922-03-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1133 Men, Samstag WIENER' TiroEGföZTZErroTGr L37M7^7M ftaf, so sickert doch aus dieser Erklärung recht deutlich hervor, daß Polen ein lebhaftes Interesse daran hat, den Bestand der neuen baltischen Staaten auch international sicherzuistellen, um ein für allemal allen Gelüsten der großrussischen Politiker, die an ein« Restauration des ehemaligen russischen Imperiums denken und in dieser Umsicht auch Paris zu bearbeiten versuchen, ein Ende zu machen. Andererseits haben di« Beziehungen einiger baltischen Staaten zu Rußland die Durchführung des Programms Skirmunts erleichtert.. Die Beziehungen Finnlands zu Rußland sind infolge des letzten 'Aufstandes in Karelien sehr verschärft worden und diese Gelegenheit nützte Frankreich aus, ‘ um Finnland an Polen näher zu bringen. Finnland-hat. auch die Rolle übernommen, die übrigem haitischen Staaten, die bisnun infolge der Wil/naer Angelegenheit und freundschaftlichen Beziehungen zu Litauen für ein Zusammengehen mit Polen schwer zu haben waren, für einen Zusammenschluß aller baltischen Staaten unter Polens Äegide zu gewinnen. Es ist zur Genüge bekannt, daß Litauen als erstes den; Gedanken des baltischen Bundes, allerdings ohne Polen, welches von' ihm als baltischer Staat nicht anerkannt wurde, angeregt hat. Lettland unterstützte es in diesen Bestrebungen und die letzte Zusammenkunft ' ^der’ Außenminister sämtlicher baltischer Staaten in Reval schien die Anregung Litauens auf Schaffung eine« baltischen Bundes mit einer Spitze gegen Polen beinahe verwirklicht zu haben. Nun rst es einem glücklichem Schachzug SMrmünt® gelungen, die baltischen Staaten auf der Grundlage gemeinsamer wirtschaftlicher ..-Inter- («wn unter der Aeride* Polen«,' wenn sn-h ’tvcV gfcgen Litauen, so doch wenigstens ohne dieses, zustande zu bringen.' ’ '' ' . Die Wirtschaft liehen Interessen auf der Konferenz Du Genua und cLs Bestreben/ endlich einmal von den Ententemächten die defailcto- .und deljure-Anerkennung ihrer' Selbständigkeit zu erlangen,, zwangen' die baltischen Staaten, dem Rufe Polens nt folgen, ,,o-t ri--,---. .Umstande zuliebe opferten sie ihre Freundschaft zu t/itauen. Das Ergebnis der Warschauer. Konferenz Ist durchweg« erfolgreich. Die Abmachungen betreffen die gemeinsame Anerkennung aller mit Rußlamd geschlossenen Verträge und den Abschluß von Verträgen; und Abmachungen administrativer und ökonomischer Natur zwischen. .den'. an dieser . Konferenz . teilnehmenden Staaten. Ebenso wurde abgemacht, daß keiner, der vertretenen, Staaten einen Vertrag gegen einen anderen schließen darf. Ferner wurde auch die Durchführung der Minderhedtsrechte,' die Erledigung von eventuellen Streitfragen vor einem Schiedsgericht, wie auch ' die neutrale Haltung im Falle eines1 nicht-provozierten An<- griffes auf, eitlen der Kontrahenten in Aussicht gestellt. - ' Schon diese Punkte allein bedeuten für Polen momentan einen ungemein großen Erfolg, weil diese Abmachungen die Isolierung Litauens; in allen: seinen Forderungen bezüglich Wilnas zur Folge haben und eine Unterstützung Litauens durch die übrigen baltischen Staaten so gut wie ausschließen* Die Sowjetregierumg wurde durch diese Konferenz recht 'beunruhigt, da sie darin eine ausgesprochen« Arbeit Frankreichs zu sehen glaubte, das auf die Organisierung aller Kräfte, die an Rußland Interesse haben und mit der Zeit auch gegen Rußland , verwendet werden können, hinarbeite. Rußland, sieht in. dieser .Konferenz eine -Fort? Setzung der .Clem.enceaü-Ppiiti'k,'’ die die Ümzäuniung Rußland« mit. >Drahtverhaueri< vollziehen wollte"; Ebenso meint Rußland, daß Polen infolge des Zustandekommens des baltischen Blocks auch wirtschaftlich auf der Konferenz in Genua bei der Frage der Zahlung •der alten russischen Schulden Schwierigkeiten bereuen wird. Schon aus diesen Gründen allein ist es begreiflich, warum Scwjetrußland jetzt die Vertreter der baltischen Staaten, Litauen inbegriffen, zu einer neuerlichen Konferenz nach Moskau einib.erufen hat. Skimunt hat sicherlich mit dem Zustandekommen des baltischen Blocks für den Augenblick einen ungewöhnlichen Erfolg in seiner Außenpolitik zu verzeichnen. Es ist mir die Frage, von welcher Dauer dieser Erfolg sein wird, und ob England das Zustandeßommeii dieses durchwegs ucter der französischen Einflußsphäre stehenden Blocks, der mit der Zeit Englands Wirtschaftsoni aaa a ■ [C.B0JK0 W I.. KSrataersfetl« 34 (Maftcdervassa 2) jjj « Vorführung der oosorlesoestm trlglnol Pariser ■ J und eljenen Modelle in , S AbenduJagkleidem, Kostümen u.KSnteln ‘ ® In reichster fluawstil 5 a tSgtlcIi van 9 bis 1 Uhr und van 3 Ws 6 Uhr 120 a a ■ ■ NilnsHaauRiBiBiafliaBaflERaiinnaRaiaiiBB Politik in Rußland beeinträchtigen könnte, so ohneweiteres billigen und dulden wird.; Die Juden in der Türkei. Einem Inittervifcw mit «dem’ Clhhdhtatm Baliclui vH>n KjomtSitiamit’inifcipel, da» che Ixmidictrueir »Zeit« wröffemtl'idht, erximchmein wir dlie fcilg'e.mdie-n Wllcre&samteia Datfp>:; , Di«' ehomtafs 'z?ii<Ürekihie Jri$erts<dhJaj£t . «in, d«T Türkei bat ztufcilige de«. Krieges eine giasnze Reihe von großen Gemtknidiein, wie ' Salanülci, Smyrna-, •Adlriymcjpcöi, umd dlie in MeiSiCpotaimiiesn und Syrien mit über 400.000/Judtetif«dein, vte^lorem. Houfte bt~ siühTänkt siidh die g-gmtze türkisiche JiU'dieinocbatflt l'edlig'-!<idh aiuif dlie große Juidiengeimieimid«. im Koiiisriamtrnopcfl' umd noch eiiiuige kle-mie Gemeindien im Ktaimasiieii'. Die Judengemeindie im Komisßamtimic»p'cI zälhüt heute 100.000 Seelen, von dornen 85.000 amif dHie sejphardi'sidh« umd 1 $.000 aiuf die aisclrkenasiisictue' Jiudemi ichaft entfailf.an. In den: letzten Zeit wiuirdie die jüdisdhe Gemeinde diuirph die Zuwanderung vom ruissisehen Judest’ w^sedtiieb■ vergrößert. Die tut* ,<kisiche, Regierung verhält sich freumdischafblitcih ziu der Judemr ohiaft .fSre» Damdles, toleriert; ihre Recßite, und unterläßt es, si«dh «n> ilfor« immeirien Angelegenheiten z.u trifengem. Seit jeher sind diiie tütrkijfdrem Schulen den Juden' zogängliidb und mmtcr der Beamtemsc'hiaft wije auch im Ri'chtersibamid fimdieit m<am seit der letzten jumgitiirllcischen Revokitiiion erme sbabtlicihe Äiiizatii vonfadhion Beaimiten. Die Judemsiahiaift hat hier oime eigene Autonomie, in d'eiren ■ Riadi/mcm sri« ein reges Gemeind’eleiben führt. Am dar, Spiltize dier jüdischem Gemeinde steht dtis Ofoeiritiabbinali' mit dem C h a c h ä m Bas c h i am diar Spitze, weicher 'bei der Regierung diiie offilziielfle Verbreitung, der türkischem Juden inrne hat.! Zuar Leitung der GeimieiinicDege'sdiäfte ist ein a/Bgeaneiner Ausschluß,, bcisteönemid aus sechzig vom Volke, gewähltem 1 VcirH.ire't'cnn, eingesetzt. Anus seiner Mitte wäihilt dier. Ausschuß eimie engere ExcJkicit.itve aras zehm Ponstcmen. Außesidtesm besteht auicih eim- Rirklbiimat' '»auis&cihuß vorn sieben Rabbinern zu»* .Leitung tjnd V-erw.a,j‘tiumig der religiösen Aflgetlegeirlhieilteh.. Diese Exetotwve .umd der RabbidiätsriDS'Sckiuiß biiid'cfn dlie oberste Leitung der jüdischen .Geimtiinide im türkischen Reiche. Die Veiwiatkumiguorg-amie ail'ler jüdüsdhen Gemcindem' müssen vom Chairf'iscn Baisehri'bestätigt werden. Zur Decikumg dos Gerneiimdie'b'udige,bs/dient die Gemelmdesiteü-ar,- die von ailJen Gerneimdteam,gehörigem entinlidh'tet wird. Leider soeben die freimiden Untertanen, drje noch hcu't'e sepair.äbe Geirroeiinidien besitzen, sich der Leii-ituing von Gemeinidiesfeuetrin zu entzieflnen. In dieser Iiim. siich't führt besonders die Gemeinde der Italien«sichen Juden einen htaa'toäcikigem Kaimipf mit dem Oberrabbiniat. In dier liötizten. Zeiiit aber wumdtew beredt«• Versuche umternommen, die auf’eine Vereinigung diieesr Gernein-die mit der Haiuip'tigomeinige himizieilen. Im letztem' Jahre betrugen die Gemeimidieeinmialhmen 8gTte über 50.000 türiciiache Pfund, di« Mir Deckfumig kS« religiösen^ kuklturel/lcn iwd WdrjtfdhrtfcsimstiitutiionieW vwauisgdbt wurden. AU« M»div«dOv!E«n und a'lllgc meinen Ange'legcnlheiiit©», die m hrgemdwebchieim Zi« sammcnibising mit der Judierasichaft kkehen urnO d)eir Regkmuing aosgohen, wcmdiem dtindh da» Obe?« nabbinat behamidiellt und dier GbaidhiMn Boisdii berät alile wichtigeren Angelegenheiten mit «iinem- Kokt« si'sitoiriiuim« Nisrch dem Kriege heben diüe 'Komimibsärei* der Entente, die in Kort tamtmopol ailis, Kiontmoll-j organ« amtieren, den Juden mamidhe EirleicHntiamangönt erViesen. So ba1>em sie türkitschen Juden R e i s ei-| ,p ä « s e auisgefoigt, die dlie betreffendem ImhatbcuJ umitier den S-ahutz ihrer Regierungen steillien, ohn«i welche es den türfoiseihen Juden' gegenwärtig fatrit* - unmöglich gewesen wäre, ins AiMarnd zu reisen1, dÄ bekannltiliicih die türici-schen Paase /«ntfollge .der lNachbf| rartifjizienuing dos Friedernsventinaigeis. vom Sevireis .nm'-j gültig sind. Die fkuliftimefl'le Lage - dietr Juidien. ,isi immerhin viel besiseir stlts dlie der übrigen.,, das tür-| kisclie Reidh, bewohnemdem Völker. Pie Juagemil •steht im. ma'toonalen Ivageir umd hat fur.iallJe - jüdlisidhert, Iint:itrilt!uiLiic.inien, iihs'besonidiere alber für diiie VerbreÄuniH dier j üdisduem- Ku,I'tm>r treges. Intemesise. Iimfölige d(c^ Kmieg^erei-gnc) ise hat »idh .dii« - ölkicmioimiu&Qlhe. Dagei;' der Äkiisidl'ien Judteriheit ’tstarlk .i'iens»chl«echtenb,,. siht' daß die Gomerilcude ein« negere -sdziOe Fürsqngiätiätig«f. keilt :emtifai,ten rniußte. ■ Dais Sclhul wesen, halt siig(hi/iiri ietzfer Zeit vuelfaidh' marioniaildMert . «rfrid es giibH bererts ■ miadiemue iudisdi« rtaltiioniallie Schiuilca^ , «»(■ Kom^ttantimoipel lUintd'.Bal'a.t. . . k Der gegenwärtige Chaichiartn ©äscHÄ" E f f e'n d i B t s ch L'-r auna rvensmchb gegenwärtig eitnie * Einiguirig .zwischen dien - setpß?istr*dliis<cfhön unidf aricehB'Siisicfhten Juidem herlbeiziuifülhren. Ilhm ,iist ,ea( <my vemdamiken, daß ■ in der. tüilkiischiari Juidienheit diifi Bestrebumgen des Zionismus eikiem regen Atw• klang gefunden haben. Dank seimer ImWaitiivq -wuirdie. auch' snvf . einer. der. letzten Säbzuffiigem d'ed Geimie indieauisisdh u s ses ibeidhilomseint, für den. Kercdf H ä jieis'sod eine rege Tätigkeit izu enlttftalltem. Dö*j( jetzige Chiaicham Baischi ist sdibst ein eifrige^ Zioniiist und sein Name ist auch in der Ihielbiräiiscihet» Liltenailmir ibekarimt. So' bat er noch wer zwamizigi Jiafhmen eine größere Amralhfl von werbvio-lilen- ArtaBceilr^ in dem damaligen ihcbräiisichen1 Zedihumgem »'HM'-' warnen«, »•HamagKj« . und »Haibri« veröffemtfliichtri Er, hat eine euTOjpäls'dhe Einziehiutng geniotsiiien umdl war• mehrere Jahre alls Rßlbb.imer der sephoMisriheiri Gemeinde in Bukarest ''tätig. Der Chaehaml hat auch auf dom Gelbiete der Sipraidbwissenw sdhaften bedieriöenide Arbeiltien geleistet. . So wundial er dank dieser wis:?cmschiafWehen' Tätigkeit zuni^ Mitglied d-er Tjpiamischen Ake-diemie für Spiradh» wiis'scniscihafteii wie auch der Dante-Alkademie undf •dter Pamiiser iinternatioiwailen Akadiemtiie für G«4 sähi dhltisw issenixhatft en oraamilb. Der jüdische Emigrationsstrom übef Konstantinopel. " Aiuis Kon stantinopel wird vom J. C. Dj gemeldet: In der letzten Zeit ist ein starkes An«» wachsen der Emigration aus Südrußland und dem Kaukasus zu bemerken. Die Erlaubnis züu •Ausreise auis Rußland ist bekanntlich mit großen» Schwierigkeiten verbunden. Di« Auswanderer muß«* ten sich einer Reihe von Formalitäten in Odessa! selbst ■ unterziehen, außerdem ein Gesuch aus füllen^ in dem sie sich verpflichteten, im Ausland üben Rußland nichts Schlechtes zu sagen und'dergleichen^ Dieses Gesuch wurde nach Charkow übermittelt^ wo es monatelang ohne Erledigung liegein blieb. Iri Regenmäntel Herrenu. Besnenwisdne Text«9- und Siriskweren alias erstklassig und billigst im IVsrenhaus 1 Schiff mann Wien, f!,, Taborstraße 48 Telephon 47-1-73 En gros 1074 En detail srxu^j si Die Psychiatrie in Palästina. Einer „unserer Redakteure hatte Gelegenheit, mit dem Leiter der psychiatrischen Anstalt »Esrath Nashim« in Jerusalem, Herrn Dr. Dorian Feigenbaum, über die dessen . Arbeitsgebiet betreffenden Fragen ' zu spreohen' Dr. Feigenbaum, welcher seine Ausbildung'in München und Wien genossen hat und zu Studienzwceken einige Zeit hier' weilte, weist darauf hin. daß er. der «inzigi» Vertreter dieses Faches in Palästina sei, durch welchen Umstand allein .schon die Arbeit unendllich erschwert ist. Es hat mich mit besonderer ■ Befriedigung erfüllt — bemerkt Dr. Feigenbaum —, dem Lande meine Kräfte in produktiver Weise widmen »u können und nur diese Befriedigung gibt mir die Kraft, gegen die verschiedenen Schwierigkeiten an zu kämpfen u»nd namentlich den Kampf gegen die in allen Schichten der Bevölkerung vorhandenen Vorurteile und da» herrschende Mißtrauen aufzunehmen. Nicht nur das jüdische tind arabische Laienelement tritt der Wissenschaft des Psychiaters mit größten Mißtrauen entgegen, sogar dem ärztlichen Berufe nahestehende Kreise bewiesen lebhafte Zweifel ä.n der Existenz einer JPsychiatrie, und man kann sich also lebhaft vorstellen, wie schwierig sich im Anfang jede Anbeit gestaltete. Das Institut »Esrath Nashim«, gegründet von einem Damenkomitee, an dessen Spitze Frau Y e 11 i n und Fra« Meyonhas besonders tätig sind, besteht bereits seit 26 Jahren und ist das einzige derartige Institut zwischen Kairo und Beyruth. Es war die Aufgabe des Dr. Feigenbaum, da» Institut nach modem-wissenschaftlichen Prinzipien um- «uorganisieren. Es ist in der letzten Zeit gelugen, den Belag unter Ausnützung aller Möglichkeiten auf 63 Betten auszudehnen, aber es ist natürlich ganz ausgeschlossen, daß dieses einzige Institut der gesamten Bevölkerung Padästitta» genügen kann. Das Institut, welches seit der englischen Okkupation auch Araber und Christen aufnimmt, müßte, wenn man die europäische Protzentziffer der Geistesstörungen Im Verhältnis kur Gesamtbevölkerung in Betracht zieht, in der Lage sein, zirka 1600 Kranke aufzunehmen. Dem Ausländer, der nach Palästina kommt,- fallen vielfach die vielen Geisteskranken' auf, die sich sowohl in den Familien befinden, als auch vielfach im Freien anzutreffen sind. Dr. Feigenbaum widerlegt mit Entschiedenheit, die sich an diese unangenehme Beobachtung knüpfenden Fehlurteile, aüs ob Erez Israel im besonderen Ausmaß Geistesstörungen produzieren würde. Wenn man die verschiedenen Anstalten am Rande Wiens auflassen wollte, so würde bald Wien in noch viel unangenehmerer Weise durch seine Geistesgestörten auffallen. Palästina leidet keineswegs, ah einer Üeberproduktion von Neurosen und Geistesstörungen, sondern vielmehr unter dem sehr empfindlichen Ma ngel an entsprechen d'c n Instituten. Es haben sich einzelne Fälle ereignet, in denen man äußeren Umständen, wie der Arbeitslosigkeit oder den verflossenen Unruhen, die Schuld an der Entstehung von Krankheiten beimessen wollte, dies ist jedoch keineswegs zutreffend, denn in allen diesen Fällen, erwies es sich, daß die ICrcnkheitsursaehenviel weiter zürücklagen. Um den herrschen den Mängeln tunlichst entgegenzutreten, hat Doktor Feigenbaum ein Nervenambulatorium errichtet und auch damit begonnen, Demonstrationen für die Aerzte zu halten Die ungenügende Ausdehnung der Anstalt bringt es auch mit sich, daß im Vergleich zu europäischen Verhältnissen ein um verhältnismäßig starker Wechsel von Patienten erfolgen muß. Die englische Regierung, welche die Anstalt subventioniert, plant wohl die Errichtung eines zweiten Instituts in Bethlehem, da» nur für Christen und Araber d-enen soM, aber damit werden die Bedürfnisse de« Laindes noch lange nicht befriedigt seüv Die Notwendigkeit des Psychiaters macht sich auch' im Gerichtsverfahren überaus geltend, und dag Fehlen des Gerichtsarztes hat mehrfach zur Folge gehabt, daß Urteilsfällungen durch laienhafte urndi manchesmal politisch beeinflußte Begutachtungen er* folgen konnten. So 'konnte es geschehen, daß ein Araber^ welcher, wie seinerzeit berichtet wurde, bei den Mail exzessen zwei Juden durch Messerstiche tötete und ein» Reihe anderer schwer verletzte, auf Grund einer Reibe ■von durch Nichtfachleute erstatteten Attesten als geistes-» kränk bezeichnet würde. Das vorliegende einzig* psychiatrische Gutachten blieb wirkungslos. Es wird bet der gegenwärtig itn Arbeit stehenden Neugründung des Rech 18 wesen s die Aufgabe des Psychiaters sein, auf die Formulierung der entsprechenden Gesetze Ein, fhiß zu nehmen. , . ' Das Arbeitsgebiet des Psychiaters in Palästina isi umfangreich und bietet mancherlei Aufgaben.' Die moderne Psychiatrie, an deren Ausbau gerade jüdische Forscher in so hervorragender Weise tätig waren uni sind, ist bisher in Palästina das Aschenbrödel geblieben^ und es gehört, wie Dr. Feigenbaum betont, -mit zu unseren nationalen Aufgaben, diese wissenschaftlichen Errungenschaften dem Lande der jüdischen Zukunft zu, gute kommen zu lassen. Der jüdische Arzt in Palästina muß es sich zur Pflicht machen, seine Wissenschaft und sein Können auf jener Höhe zu halfen, welche deii heutigen europäischen Anforderungen ©bspricht. MA besonderem Nachdruck weist, Dr. Feigenbaum auf di«' Notwendigkeit hin, daß die.gesamte Judenheit an/de« Ausbau der einzigen psychiatrischen Anstalt in Palästina! mithelfe. Es müßte Aufgabe der an der Entwicklung Palästinas interessierten Judenheit in den valutastarke« Ländern sein, die entsprechende Erweiterung, des Instituts zu ermöglichen. Auch die valutaschwacher» Länder konnten das ihrige durch Beisteliung vonSpitaJ^ wiuoh* und Kleidern dazu beitragen»

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