Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1127 (19.3.1922)
- Date
- 1922-03-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Fr. 112? Wien, Sonntag WIENER MÖRGENZEITÜNÖ 19. März 1922 Seite 3 'Arbeitslosenunterstützung durch den Bund zu erhöhe«, sei. Da indes eine einheitliche Regelung durch den Nationalst nicht erfolgt sei, die Not der 'Arbeitslosen aber weiter bestehen bleibe und damit die Aufrechterhaltung der sozialen Ru'he gefährdet erscheine, wolle sich die GemeindeVerwaltung, der Hilfe für die Arbeitslosen nicht entziehe«. Es handle sich aber hiebei um eine Milliardenausgabe, die die Gemeinde mit den bisherigen Einnahmen nicht bedecke« könne.. ' Die Vertreter der Arbeitgeber Generaldirektor T h a u s s i g von der Industriellensektion der Handels- und Gewerbekammer, Ingenieur Rainer vom Industriellen verband, der Vertreter des Verbandes der Gewerbegenossenschaften Vorsteher Banert, der Präsident des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft Gornel Spitzer, der Sekretär des Gremiums der Kaufmannschaft Dr. B r i c h t, a, Kamme» rat Steiner und Gemcinderait Rot t er ais Vertreter der Gewerbebundes sprachen sich sehr energisch gegen die Erhöhun gder Fürsorgeabgabe aus. Finanzreferent Breitner erklärte in seinem Schlußworte, daß morgen die Arbeitnehmer über die Frage gehört werden sollen. Tschecho-Slowakei. Amerikanische 25-Millionen-Dollar- Anleihe. Prag, 18. März. Wie die „Narodnl Llsty* melden, Hege seitens der Vereinigten Staaten ein Kreditangebot an die Tschecho-Slowakei fon 25 Millionen Dollar ' vor. Weitere Anleiheanbote seien aus der S c h w e i z und aus Holland eingetroffen. Benesch soll in Moskau intervenieren. Prag, 18. März. Der Vollzugsausschuß der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Partei hat an den Ministerpräsidenten Dr. B e n e sch ein Schreiben gelichtet, ln dein auf den von der Moskauer Regierung gegen die Sozialrevolutionäre inszenierten tendenziösen Prozeß aufmerksam gemacht und gefordert wird, auf diplomatischem Wege bei der Moskauer Regierung einzuschreiten, um einen politischen Massenmord'zu verhindern. Streik in den Spiritusbrennereien. Prag, 18. März. Das Präsidium des Verbandes der Chemischen Arbeiter hat eine Kundmachung erlassen, derzuiolge die Arbeiter längstens Montag früh die Arbeit in den industriellen Spiritusbrennereien einzustellen haben, weil die Arbeiter auf der Forderung der löprozentigen Lohnermäßigung beharren. Errichtung von Konsumentenkammern. Prag, 18. März. Der /Prager Presse“ zufolge ist Im Zusammenhänge mit der Auflösung des Ernährungsminlsteriums die Errichtung von Konsumentenkammern beabsichtigt, die als beratendes Organ dem Ministerium für soziale Fürsorge angegliedert weiden. Ungarn. Die Reparationen. Budapest, 18. März. (Tel. der „Wiener Morgen- Geltung“.) Der Ministerrat befaßte sich mit den außen¬ Von heute den 49. bis inkl. 23. März WIENER MEUE- PÜPPENSPIELE zugunsten des Deutschösterr. Jugendhllfswerkes - Augarten im FLOTTEN-KINO Mariahilterstraße ' Am 19. Mürz-um V*11 Uhr vorm., um */»3Uhr und */s5 Uhr nachm. An den anderen Tagen nur nachmittags V83 und */*5 Uhr. 1505 Sonderprogramm Karten an der Kinokasse (auch Im Vorverkauf). politischen Fragen, unter anderem auch mit der Frage der Reparationen! Der Ministerrat beschloß, in seiner Antwort auf die jüngste Note der Reparationskommission, in welcher Ungarn aufgefordert wurde, eine A bschlagszahlung auf die Reparationsschuld zu leisten, darauf hinzuweisen, daß Ungarn nur dann er- ' klären könne, ob cs imstande sei, zu zahlen öder nicht, wenn die endgültige volle Summe der Reparationsforderung milgeteilt wird. Polen. - Ein französischer Kredit. Warschau, 18. Münz. In der letzten Süttaung der Bändiget'komtmi&s'iom des Set'lmts referierte der Abgesandte der polnischen Regierung, .Radziszewski, über eeäne Verbund hingen mit der französischen Regierung, dier Biamquie die Paris1 urod der Banqute de Commerce in Sachen einer Kreditgewährung für Pole«. Er teilte unter anderem mit, dtsiß in Paris eine große Gel df Rissigkeit herrsche. Der Kredit für Polen sodd zirka eine Milliarde Prainiketn betragen, rückzahlbar in zehn Jajbrcn. gegen sedhis Prozent Zinsen. Die Zionisten für eine einheitliche jüdische Politik. Warschau, 17. März. (Telegramm der »Wiener Morgenzeitung«.) Während dieser Woche tagte hier der Parteirat der zionistischen Organisation für Polen, der sich insbesondere mit der gegenwärtigen politischen Situation beschäftigte. Nach einem erschöpfenden Referat des Abgeordneten Grünbaum über die Nationalpolitik im Lande wurde eine Reihe (politischer Resolutionen gefaßt, die speziell dem bevorstehenden Wahlen gewidmet sind. Der Parteirat fordert die zionistischen Mitglieder des Jüdischen National rafes auf, sofort eine Protest k a’tn pagne gegen das W ah.lgesetz, welches den Juden die Erlangung der ihnen gebührenden Mandate erschwert, einzuleiten. Ferner wird die Einberufung einer allgemein-jüdischen politischen Konferenz, zu der sä m 11 i che Parteien eingeladen werden sollen, beantragt, eine einheitliche Wahlpolitik und Wahlliste festzustellen. In einer besonderen Resolution wird die Notwendigkeit der Schaffung eines e i n h e i 11 i c h e n . jüdischen Klubs im zukünftigen Sejm und Senat betont. Die gegenwärtige Parteileitung plant, im .Sinn« dieser Resolutionen die nötigem Vorbereitungen zufl Einberufung /einer all jüdischen politischen Konferenz zu treffen. v . Internationale Sanitätskonferenz. Warschau, 18. März. (Tel.-Komp.) Die Eröffnung der internationalen Sanitätskonferenz findet morgen statt. Man glaubt, daß aus dem Auslände etwa 150 Delegierte eintreffen werden. Pilsudski ln Wilna. Warschau, 18. März. (Tel.-Komp.) Staatschef P i!• s u d s k i ist hach Wilna abgereist. Rumänien. Ausfuhrzölle in Gold. Bukarest, 18. März. (Orient-Radio.)’ Vom I. April an sind die Ausfuhrzölle Ln Gold oder in Take Jonescu über die Forderungen % der rumänischen Juden. Bukarest, 16. März. (J. C. B.) Talke Jomesiöt» pra zitierte in einer an den Reidhtsiveirein der nuimä* rviisicthan Jutd'en geniiahitetcm Erlkilärtumg seiiroetn- Sioamdpruinlkit in der Fimige dier jüdti'sdien Fond'etnumigen. ExL gliaaube, führt Jomesou atuis, dlaß dlie Aufnahme des . Artikels ü-betr die Reckte dter nai'iantail'en utnid religiösen Mkidierlhelten anis dtem Fried entwert rag vom Sainit-Gomnaim in dÄe Verfai eumig kennen wesenf^ liehen Wert fbetsüjze, dta Rrnmänien im Artnfktd n dtieses Vertrages ainienkunnte, daß dlie iln den Arw ti'keln 2 bis 8 festgesetzte« Ptrintziiiptien ailis fiutndiaw mont-afle Gesetze Rttinäinretnis zu gellten halben. Dieser, Absohiniitt ist also m*it einem Konistitautiiianisartikel gleichwertig, umsomehr, da eine Verfassung einstig geändert wenden harn«, wia»s bei eimteim iimtferniaftionaien Abkommen nicht dler Fallt! ist. Srilbistverständfiich lehne ich dlie luairtiiikiuiliiiemutnig - -slrlidl'JÜ pri'n'zip'iell alb, belhiauipte aibeir, daß dieser Abschnitt keime großer« Bedeutung daidiurdh erkingen wird. Hingegen ist die gesetzliche Anerkenn nung der jüdischen Gemeinden üJbcw aus wichtig, denn nur auf diese Weihte ‘könnten die jüdischen Gemeind'etn iihre cha>ritariiv»e Arbeit woill- /' führen. Der Staait hat. auiclh dtiie Pflicht, dlie jüdiP sehen Schulen zu unterstützen und ilhrnen deal Unterricht diuirdh Sulbiy-enititomen zu ermögl'idhiani., Bisher ist dar Sitaiaf diie Suibvantionncrumg sdittrlldig geblieben, nun .müsse er eieitme Sclmillid bezahlet«, umsomehr, als sonst die Lasten des Unterrichts* wesens ganz aiuf den Staat zurüdkfatltlea wündiesa. ' Jüdische Abgeordnete im Parlament. Czernowitz, 16. März. (Tel. der „Wiener Modenzeitung“.) Außer durch Dr. Strauche r. welcher auf die Liste der liberalen Regierungspartei kandidierte, werden die rumänischen Juden in def Kammer durch den greisen Vorkämpfer für die jüdischen Rechte Dr. Adolf Stern, ferner durch Dr. Fild ermann und den Deputierten Lernet (Beßarabien) vertreten sein. Die drei Letztgenannten habqn auf die Liste der zaranistischen Bauernpartei kandidiert In den Senat ist Dr. Weiße'Ibergei als einziger Jude gewählt worden. UND IUNPER Herren- und Damenwäsche, Regenmäntel, engl. Wollstoffe, ferner Bettzeug u .Webwaren alles erstklassig und billigst im Warenhaus 8 Schiff mann Wien, ü., TaborsfraBe 48 Telephon 47-1-79 En gros 1074 En detail Operntheater. (Neuinszenierung von Richard Strauß'>F eu eins ü 0 t«. Erstaufführung vo-n Richard Strauß' >Josephs-; lege ndec.) Eis vsit wohü kein Zoifatlil, d*aß uirasene Zeit alle ÖArben dies Tantos eifrig .pflegt, daß imimor neue Soliotänizeir und Tanizenscnribiles vor . dlie Oeffanltilioh- Ikeit Kröten, döß sich die jungen Komiipontistteiy mehr dien« je mit Tanzipoeni« beschäftigen und dlaß de« iTarmz im mu.snka'ltischen Dramita waclitsende Bedeutung atutf weist. Die Musik iisrt eben, gleichdbn »inderem Künsten, müde geworden, sie seihnt sich t&aeh einer neuen Tonsipraidhe, nach neuen Ausdrucks farmen:, rie bediarf der Zufuhr frischen Blutes und greift da gleich der Dichtkunst, Malerei, Plast ilk und Anchitelktimr rieht niuir ” aiuif airdhä-iisitösiohe Formen, sctntdtern auf die ällteisten Anfänge, auf die ICunist der^Pdiniitiven, zutrüdk. Da fiimdian wir mm den T'aniz als Urzelle des Draimiat\ in der alle Künsche friedlich vcreintiigt stintd. In der Tieppaimtomiiime der Lüdsee, gewissermaßen einer Tierfcfod dhne Worte, begegnen wir Men,sehen, die in Tiermaske unter Gesang und Trnmmelsehlag genau geregelte ritu- 'eile Tänrie auf führen, um diadiwrch dien Ftnmclrtbair-!k.eitsz?jubar in der Vegetabilen zu ©nraiidhen. Bekannt eind die wilden Plhi?.lhnstänize der Indilaincir, in denen die Eingeborenen durah Umlbimden eines Phatit'.tu® itn Zeiten der Dürre den Reganiziaudxar zu erreichen suchen. So begegnen uns früheutie Zusammenhänge Lwlsühen Tsniz und Erotik, wie sie in der modernen' lMuisik.wieder besonders sdharf henvonbreten und 'bei Richard Strauß im Brennpunkt seines Schaffens ©liehen.. Im.mer wieder domirmert der Tantz in seiner* iW efken, miicht nur aiuf der Bi\<hne; selbst Zainatliiuis'tira' legt iim . Tanizliicd sfetiin Ghiuibemcbekeninituiia ab, dlie lüsterne Salome entledigt sioh tiscrzeinid ihrer aieiben $ehl®i«r umd ans Elektra strömt der Tanz, dta dar Dämon endlich von ilhr gewichen. So bedurfte e*» nur der äußeren Venanitaissnnxe, um Me Sbufen ivon Salomes ’Lüsternheit utnid a'lile Grade von Ekfkihra« Erotik in einer umfangreichen Taipizdiichtautg zu emtiad'en und d'iese Anregung bot dem Meii iterr dtie Bekaomtschaft mit dem »nusisiisdlien Btall'elk«.- Für dieses schufen Harry Graf Keßler und Hugo Hofma'mntsitl'iiail die »Joseptiv^Jegemde«, iihre selfsalmie Mischiutntg von Myistik und Erotilk war das geeignete Milieu für den Toiid'khter, der aurs (hödhislteim, technischen Können und genau alb wägen deim stcli>a.rfeti Kium* treust and detzu eine Muulk schuf, die alle Vir* tuoicrtät des Orcherterrntagiers itn sich vereinigt. Um fehlt nntr eines und ai’Des: dte ItnistpintioiT. Die 'bübli'sch.fc Geschichte mußte in der »Jotophs.' legemde« ernsit dom Zwedke Styaußscher Muis-ik ditens'ilbair gemacht werden: Des* 'kmialbcnf.iiaftie, in Gebet und Askese lebende Joseph wind dem von Men Lüsten üben.-ätitigten Weilbe Potiiptetr« gegenübetrgestelllt, das seinen Miupd küssen utnid . ilhin berühnetn wiflil, wie Salome den Jorihlatniaian. Gleiidh diesem wehrt er a»b und, dlas 'buhlerische, verl-euimdienisdhe Weiib begehrt nutn rein Hwittpt. Doch ein Engel entführt ihn in« ewige Reich, wäibrenid Potiipthiars Weilb «ich mit ihrer Perlentscibnuir erdrosselt. Um diese alt ägyptische Handlung hat die Inaizenienung einen Ronai-sancerailiimein gespannt: Es schimmert von Gold und S’llber, von Seide und Brckiat, von Demanten unta Pc."len und dazu!äß>r Me» ter Strauß aililc seinte schier tinerschöpflicfiien Ins>ttnuimenteneffekte gleich \Vais,serkün'sitien apie.lien.. Es wimmelt von vielfach geteilten Streitahi'ni.-trunner.llen, van Harfen, von Celestas und K'lliivicr, utnid Strauß vertahmäitot es a%'ch rieht, dlie meisten Dämimerfatrlben Döbuistsy« in wnsiiclvtig bemessenen Dosen mit den leiurihtemdien Farben seiner eigenen Palette «u ve>r- ' miLcli'en. Dürftiger ist die Autslese an eharakteri.iti* «eben Themen, nur wenige heben Priignrm?., wie dta« ‘ kalte, gefühllose Thema d'eo Weibes Petiiipharvi «dw die pai tor«! kl inende Weise beim Erscheinen Josephs. Gering sind auch die thematischen Umgestaltungen, über die sonst: Strauß sto m-eisterliich gellieuit. Mit scharfer PiltaisUiki sind alle Szenen erotischer Uebarhitzung gebildet, so die lla'sizi'ven, wollüstigen Tänze dter versctiOeierten und entschleierten Frauen, die rohe Brutalität! des Boxerkamipfes oder das Erscheinen von Pobhi* ipl!:tars Weilb an Josephs Liegest rille. Audi .in den! Vorkehrungen zu Josephs Foillteruinig und im primitiven Tanz der Klageweiber musiziert die reichd Rouitine, die Strauß aus Sn'liomes Lta-it und Klybbä-r rrmestras See-lenipeim geisiatmimel't.. halt. Mit. öitoseri genialen Technik findet der Meister hei der mus!^ kalischen.Gestaltung Josephs, dem die Erfahrung fehlt, dem alles aus dem Herzen quellen sollte; nicht sein Auslangen, und so bietet Josephs großer, reichgegliederter Tanz gegenüber aller schwülen Sinn-i licl'Jkeit riebt den nöt’gen Konl'.tnaisit: Seine Untstdhtud'cS, sein Suchen und Ringen nach Gott, sein Traum voni dem Engel findet in der Musik mehr sentimentale als naive Auslegung. Strauß kann eben allzuiviel, da« kompliziert und beschwert die Gestalt des Joseph, dies bewirkt eine Uebersätligung der ganzen Lo. gen de mit »Ueber-Renaissancc-Musik«, die in gleich- . mäßiger, fast »barocker» Pracht gJänizt uod ntuin dici Sinne blendet anstatt ans Herz zu greifen. Strauß! mußte sich 'hier eiben alle leere Virtuosität von defl Seele schreiben, um dann in der »Frau ohne 'Schachten« unbeschwert zu reineren Höhen emporsteigea zu können. Die Inszenierung des Berliner Ballettmeister« Heinrich Kroll er hat an künstlerischer Phantasie und kostbarem Material durchaus nicht gespart! und *0 der prunkhaften Musik den nötigen Nachdruck verdienen. Die Mitglieder des Baüftetttl freuten sich ihrer dankbaren Rollen, Herr Franzi W. tanzte als Joseph mit erdentrückiter Leichtigkeit und Frau G u t h e i 1 - S c h o d e r in ihrer neue» Würde als Mimikeria der Staatsoper durchlief als Weib Potiphars in Ausdruck und Bewegung all« i Gratde efinor kailten entonteten SinnlltiidrfiadiL audh di« 29