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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-16 · Heft 1124 (16.3.1922) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1124 (16.3.1922)
Date
1922-03-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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sawr Wen,Dormersiäjf’ rrffirar treten MHchverkahrs und die Milchlieferungsvertrage.- Die Agrar i e r verlangen dlq Freigabe-des MHchverkehrs; sind jedoch bereit behufs Sicherstellung des für Bedürftige notwendigen Milchquanzums entsprechende Verträge zu schließen, ohne jedoch in der Preisbildung b e» tschränkt r q sein, Diese Forderung ist bis zum 15. Mai befristet, Die Konsumenten wenden ein, daß durch die Freigabe der Milch das nötige Quantum für K r a n k e und Kinder nicht mehr aufgebracht werden könnte, weil der Preis der Mjlch ein zu hoher werden würde, ln dieser Richtung liegt ein Antrag der Gemeinde Wien und des Landes vor, daß für die Bedürftigen der Staat au fkommen undentsprechendeZuäch U ss e g e w ä h r e n s o 11 e. lieber diese Punkte entspann sich eine längere Debatte, in welcher der Meinung Ausdruck gegeben twurde, daß durch die Freigabe des Michhandels d 1 e" Milchproduktion steigen würde, Die Preisbestimmung ist nicht Aufgabe der Enquete, sondern obliegt einer paritätischen Kommission von Vertretern der Produzenten und Konsumenten, die der Landesregierung entsprechende Vorschläge zu machen hat. Die Verträge über die Abgabe 4gr Milch an Bedürftige sollen der Genehmigung der Landesbehörde unterworfen sein. rtitereiiß Nr, 1124 Bühne und Kunst. Konzerte, Gleich dem modernen Komponisten sucht auch die Junge Pianistengeneratlon nach neuen Ausdrucksmitteln und Zielen. Sie mag nicht mehr die Hochschule der .bravourösen Technik Liszts und Rubinsteins absolvieren, sondern gelangt auf dem Wege über Chopin und den französischen Impressionismus zu neuen Klang* Möglichkeiten, zu ganz neuattiger Verteilung von Licht und Schatten. Das merkte man wieder an dem Klavierabend des Berliners Walter Giese'king, der sich tait Eduard Erdmann ira Klangreichtum und in der mannigfachen Abschattung berührt, aibet mit seinem heißipul’sierenden Musikertemperament und seinen eruptiven Entladungen noch faszinierender wirkt. Er erscheint mir als der Typus des modernen Pianisten, der aus dem Gemüte spielt und gleichzeitig von vibrierenden (Nerven beherrscht wird. In seinem Forte läßt er gleich d’Albert nicht nur helles Feuer auflodem, sondern entwickelt auch übermäßig viel Rauch. Ganz wunderbar ist die Differenziertheit seines Piano: Er vermag das scheinbar feinste Pianisstmo immer noch weiter abzuschwächen und besitzt auch »qualitativ« ganz verschiedene Tone des Piano, die er abwechselnd aufzutragen und zu mischen weiß. Jenseits aller Schablone , ragt das wie improvisiert klingende Spiel des trotz aller Kultur urwüchsigen Musikanten,, der in seinem Forte faucht pind stöhnt und in seinem Piano Kindheitsjräume wachiruft. Mit seinem reichen Rubato und immer neuen iüeberraschungen ist er kaum der rechte Mittler für klassische Meisterwerke, aber ein ganz idealer Interpret 'für russischen und französischen Impressionismus. Eine strebsame junge Pianistin ist Irma Laszlo. In einer Schumann-Sonate zeigte sie eigenes musikalisches Empfinden, Temperament und den nötigen romanrischen Einschlag. Auch Herr Rudolf Schmidt hat 'schätzenswerte pianistische Fähigkeiten, seine Musikalität ist sicher, seine Technik fließend, seine geistige ^Konzentration jedoch für Brahms’ B-Dur-Konzert noch picht ausreichend. Auch der Dirigent des Abends, Her/ * jCharles Lautruip, der ebenso jung als begabt ist, war hör zu schwierige Aufgaben gestellt: Cesar Francks PD-Moll-Symphonie ging über seine Kraft, Unscharfen Ergaben sich und die gewaltigen Steigerungen blieben ejus. — Der Cellist Otto Hübner ist ein Anfänger, (der in gemächlichem Tempo reine, wohiklingehde Töne latts seinem Cello hqrausholt, der Geiger Willy Gehr» Ikeii produziert eine geläufige Technik auf Kosten des JTones, der unrein und substanzlos ist. Herr Alfred Jerger, dessen werbende Kraft von keiner plastischen Schauspielkunst ausgeht, laßt im Konzertsaal noch mehr als auf der Bühne den warmen (sinnlichen Glanz des Gesangs vermissen. Für den kühlen, ■überlegten und überlegenen Vortrag des hochmüsikaliischen Sängers ist das Konz^rtpodium, auf dem es nur iVlie Stimme gilt, ein heißer Boden. Auch Herr Hermann jjadlowker erfüllt im Konzertsaal nicht die Versprechungen, die er einst in der Hofoper gegeben hat. 'Gegenüber dem sinnlichen Wahlklang seines berückend kchönen Piano ergeben sich'im voll au&trömenden For- ’tissimo allerlei Reibungen und trotz der sicheren Atem» jteehnrk hört man Schwebungen, die gleichzeitig mit der Unsicheren Vokalisation die Reinheit des Tones trüben. fEine Indisposition schien den Sänger überdies an der hollen Entfaltung seines prachtvollen Materials zu hindern. —- Der Baritonist Oskar Laßner liebt das IBattladeske. Seine Stimme ist nicht groß, sein Vortrag Lebensvoll und intelligent. —'Bei Wan da Gr u der »harrt ein wertvolles, ergiebiges Sopranmaterial noch gründlicherer Durchbildung, der Vortrag ist glücklicher 4n der Arie als im Liedgesang. fl'b. Mirra Sokolskaja JüUlaolie Lieder Dr. Fritz Löhner (Beda) Rezitationen Prof. Carl Laflte Klavier Heute 7 Uhr abends im Mittleren Konserthaussaal Volkstheater findet des Lustspiel» »Mama* von Int Deutschen morgen die Erstaufführung .Louis Verneuil statt Im Raimund-Theater wird morgen »Des Meeres und der Liebe Weilern gegeben. Im K o m ödienhaus findet morgen die 100. Aufführung der Operettenposse »Die fromme H e-1 fe n e* von E. und A. Goiz, Musik von Edmund Eysler, in der Preml^renbesetzung unter persönlicher Leitung des Komponisten statt Imjohann-Strauß-Theater verabschiedet sich heute das schwedische Ballett. — Morgen findet .die Erstaufführung der Operette »DasSonnlagski nd* von Hugo Wittmenn und Julius Bauer, Musik von Karl Millöcker, statt Aus den Theatern, ltn Burgtheater gelangt morgen „Das Schiff T e n a c i t y* zur Wiederholung. Im Op erntheater gelangt morgen zu besonderen Preisen „Tose a“, mit den Damen Aline Landen vom Stadttheater in Leipzig, Bauer-Pilecka, den Herren Michael Dohnen, Oestvig, Krenn, Stehmann, Betetto, Muzzarelli und Abel zur Aufführung. Dirigent Herr Reichenberger. Anfang 7 Uhr. — Samstag findet die Erstaufführung von Richard Strauß’ „Die Joseph siegende“, Handlung von IHarry Graf Keßler und Hugo von Hofmannsthal, mit Frau (G u t h e i 1 und Herrn B i r k m e i e r in den Hauptrollen, statt Vorher gelangt neueinstudiert und ndu- Snszeniert Richard Strauß’ „Feuersnot“ zur Aufführung. Im Redoutensaai der Hofburg wird morgen „Figaros Hochzeit“ mit den Damen Mlhacsek, (Rajdl, Anday, Kittel, Häntke, den Herren Timer, Mayr, Norbert, Wernigk, Madin und Gailos gegeben. Dirigent Direktor Schalk. Anfang 7 Uhr. Die Volksoper hat im Rahmen ihres großen Gastspiel- Zyklus mit Herrn Kammersänger Robert B tt r g von der Btaatsoper in Dresden ein mehrabendliches Gastspiel vereinbart, das Samstag mit der Partie des Nelusco in der „Afrikanerin“ beginnt und den Künstler für Dienstag den gl. d. M. als Lindorf in „Hoffmanns Erzählungen“ und Donnerstag den 23. d. M. als Scarria in .Tosca“ vernfltchtet Wutte will die Grazer Theater finanzieren. Aus G r a z wird gemeldet: Der Großindustrielle Dr. Wutte hat sich bereit erklärt, zusammen mit einigen befreundeten Großindustriellen für die* Zeit der finanziellen Notlage der Gemeinde die beiden städtischen Theater zu finanzieren. Es soll ein Theaterverband gebildet werden, der die beiden Theater in Pacht nehmen und den Betrieb weiterführen wird, ,* Wiener Büchermesse. Der Wiener Verlegerbund veranstaltet im Anschluß an die Wiener Internationale Messe vom 19. bis 26. d. M, eine Wiener Büchermesse unter Beteiligung der namhaftesten österreichischen Veragsanstalten. Eröffnung Sonntag den 19. d. M., 10 Uhr vormittags. Ort: Wiener Bücherstube, Wien, I., Grünangergasse 1. Freie jüdische Volksbühne Gastspiel Im Luatspleltheater Va8 Uhrabds.: ZisGit in zispreit vÄsismÄieKom PET Vas Theater tat aehetzti Preisausschreiben fü/ ■;m-* irlagsvignette. Delä Warschauer Jüdische Verlag Brüder ’ LevTn-Epstein & Cm hat drei Preise im Betrage von 20,000, 10.000 und 500Q Mark für eine Verlagsvignette ausgeschrieben Die Marke soll einfarbig sein, normales Vignettenformat haben und der Entwurf soll höchstens die vierfache Größe des Markenformats haben, das der Einsender vorschrelbtz Dem Entwurf Ist ein geschlossener Briefumschlag beizuschließen, ln welchem der Name und die Adresse des einsendenden Künstlers angegeben ist. Entwurf und Briefumschlag sind mit gleichlautendem Merkzeichen zu versehen. Letzter Einsendetermin 31. d. M. an die Adresse, Brüder Levln-Epsteln & Co„ Warschau, Gesia 5, mit der äußerlichen Bezeichnung »Für die Konkurs-Iury*. Das Purim-Fest der Freien jüdischen Volksbühne, Die Freie jüdische Volksbühne veranstaltete für ihre zahlreichen Freunde eine Purim-Nacht, die einen sehr fröh^ liehen Verlauf nahm und neben dem Tanzvergnügen ganz köstliche und eigenartige Kunstgenüsse bot Sie begannen mit einem alten P u r 1 m - S p 1 e 1. Die Mitwirken den Künstler durchzogen unter. Vorantritt des Spaßmachers den Saal und führten sodann das historische Spiel von David und Goliath auf. In jener naiven und urwüchsigen Manier, welche die alten Volksspiele der Ostluden auszeichnen. Es folgten Kabarettdarbietungen, die wahre Lachstürme auslösten. Insbesondere die Vorführung der „Ringkämpfer'* der Freien jüdischen Volksbühne, eingeleitet durch eine beziehungsreiche, überaus witzige Lebensgeschichte der! einzelnen Mitwirkenden, die Herr Nathan humorvoll vorlas, wurde verständnisinnig aufgenommen und als dann der Komiker R e 1 ß m a ri n Tm schmucken Ringkämpfer-; Kostüm zum Zweikampf mit Herrn J a b 1 o n s k i antrat und im Eifer des Gefechtes sich selbst zur Strecke brachte, wurden Tränen gelacht. Ganz besonders wirkungsvoll waren auch die Duette der Herren R e i ß m a n n und Stry so wer und die Refrainlieder des Herrn Nathan, der ausgezeichnet zu pointieren weiß. Stürmisch bejubelt wurden die Volksliedervorträge des Herrn Direktors Deutsch und der Frau Weintraub-Graf. Das Fest wird den Teilnehmern, welche den Kursalon dicht füllten, in angenehmster Erinnerung blpiben. Austeilung jüdischer Tempelgeräte. Im Sommer; dieses Jahres wird in Stuttgart eine interessante und eigenartige Ausstellung zu sehen sein. Sie wird aus einer sehr reichen und künstlerisch wie kulturhistorisch wertvollen Sammlung von gottesdienstlichen Geräten aller Konfessionen bestehen. Wie wir erfahren, wird neben der katholischen und evangelischen Abteilung die Exposition israelitischer gottesdienstlicher Geräte von großem Interesse sein. M&scagnis „Der keine Marat*, die jüngste Oper des Maestrp, erzielte bei der deutschen Uraufführung in Dresden einen sehr lebhaften Publlkumserfolg, der durch den Höhepunkt des zweiten Aktes, ein Liebesduet^ entschieden wurde. Ganz hervorragend war die Aufführung, Mascagni, welcher der Premiere hätte beiwohnen sollen, war am Erscheinen verhindert Vorbereitung einer großen jüdischen Ausstellung in Berlin. Die Berliner Logen U, 0. B. 8, (Berlin W, 62, Kleiststraße 10) sammeln gegenwärtig einen Garantiefonds von einer Million Mark, um eine Ausstellung: „Jüdische Kultur und Kunst in Vergangenheit und Gegenwart* zu arrangieren. Die Ausstellung soll umfassen: Religiöse Kultur. Die Synagoge: Synagogenmöbel, Decken, Lampen und Leuchter, Innenunq Außenansichten, Schnitte und Grundrisse von Synagogen, Die Thora usw,: Thora nebst Bekleidung und sonstigem reichen Schmuck. Hafthorarollen, geschriebene und gedruckte pibeln. Der Priestersegen: Waschgeräte für den Priester, Liturgiebücher, Abbildungen. Das Gebet: Talith, Ärba-Kanfath, Tefiilin, Gebetbücher, Hauspostillen. Das rituelle Bad: Bilder, die seine Benützung früher und jetzt darstellen. Der Friedhof: Geräte zur Leichenwaschung, Totenkleidung, die Totenbruderschaften und ihre Trachten, Frledhofskimst, Grabsteine usw. Das Haus: Mesusoth und Misrachs, Bilder alter Ghetti und typischer Häuser, Sabbat: Kiddusch- und Hawdala-Geräte, Sabbatlampen und -Leuchter, Peßach: Sedergeräte ln größter Mannigfaltigkeit, Hagadoth, geschrieben und gedruckt. Schewuoth: Megilla Ruth, Abbildung geschmückter Synagogen. Sukkoth : Lulow und Esrog nebst Behältern, Sukko, Koheleth, Abbildungen von Tekufoth (Prozessionen). Rösch Haschanah und Jomkipur: Schofar, weiße Kleidung, Selichoth, Bilder des Gottesdienstes. Chanukah: Lampen, Leuchter, Trendel. Purim: Megilla Ester, Purimteller, Hamanklappern, Bilder des jüdischen Karnevals, Beschneidung: Bank, Messer, Möhelbücher. Trauung: Chuppo, Gürtel, Ringe, Traubrief, Doppelbecher. Geh Chalizah. — Profane Kultur. Oeffentliche Gebäude,: Judentanzhaus, Judenrathaus, Innungsstuben, Gemeindehäuser, Erziehungsanstalten, Kranken- und Altersheime, Logen, usw. Zünfte: Geräte und Abzeichen. Gerichtsbarkeit: Kerker, Pranger, Beth-Din. Schule: Bücher und Geräte. Trachten: Kostüme und Abbildungen. Hebräische und jüdische Presse: Zeitungen, Druckstööke, Bücher. Hebräische. Münzen. Sammlungen von Porträts jüdischer Personen, die in der Oeffentlichkeit eine Rolle gespielt haben. Caruso und das Kind, ln den Pariser „Annales Politiques et Llttdraires“ erzählt der Impresario Schürmann, der eine Zeltlang Caruso auf seinen Kunstreisen begleitete, eine liebliche Reminiszenz aus dem Leben des großen Künstlers. Caruso — erzählt Schürmann — pflegte sich tagsüber stundenlange in ^meinem im Broadway-Theater befindlichen Bureau aufzUnalten, wo er für die New Yorker Blätter Karikaturen zu zeichnen pflegte. Eines Tages trat mein kleiner Junge,' der zufällig anwesend war, auf den Künstler zu : „Ist es "wahr“, fragte er, „was Papa von Ihnen sagte?* „Was hat er wieder über mich gesagt?“ „Daß Sie die beste Stimme In der ganzen Welt haben und daß es keinen zweiten Sänger gibt, der so angenehm singen Vürde wie Sie.* »Hast du mich noch nie singen gehört?* „Wirklich noch nie, Onkel Caruso I* „All rhigt l Morgen abends wirst du mich hören! Ich schicke dir eine Eintrittskarte.“ „Leider“, antwortete traurig der Junge, „ist das unmöglich“. „Warum, mein Kind?“ „Weifich erst acht Jahre alt bin und ich am Abend immer zur selben Zeit zu Bett gehen muß, wann die Vorstellung beginnt“. „Dann kommst du morgen nachmittags um 3 Uhr ins Hotel Waldorf-Astoria uqd ich werde dir allein singen.“ Am anderen Tag erschien ich mit meinem Jungen pünktich im Hotel. „Nicht Sie habe ich erwartet“, empfing mich der Künstler, „ich habe dem Kind versprochen, ihm zu singen. Aber ich habe nichts dagegen, wenn auch Sie da bleiben. Aber dann bitte mir vorerst 5000 Francs zu erlegen“. Ich zog mich lieber zurück, ging in die Hall hinaus und las die Zeitung. Mein Junge aber ließ sich in einen Fauteuil nieder und lauschte ruhig, fast andächtig dem Gesänge Carusos. Der Meister sang aus „Tosca“, das Kind begann unter der Wirkung des herrlichen italienischen Gesangs zu weinen und seine Tränen rollten über seine kleinen Wangen hinab. Plötzlich springt der junge vom Sitze auf, rennt zum Künstler hin, umklammert seine Füße, ergreift seine Hände und küßt sie ab. Als Caruso aus’ dem Saale herauskam, dankte ich ihm im Namen meines Sohnes für diese große Freundlichkeit. Der Künstler aber lehnte den Dank ab und erklärte, daß er während seiner ganzen Künstlerlaufbahn noch nie soviel wahre Freude empfunden habe als bei dem Anblick des weinenden Kindes. Jetzt erst erapfaud er so recht die hohe Bedeutung der Kunst. Filmschau. Der N o*t o * F il m brachte in einer Pressevorstek lung in den Eos-Lichtspielen die Filmoperette »Miß Venus« zur Erstaufführung und man kann einen großen Erfolg fentstellen. Die ganze Aufmachung des Films trägt die Marke der Sensation, die Ausstattung ist geradezu überschwänglich. Dem Regisseur stand in Ada Svedin eine große Künstlerin zur Verfügung, Charles Willy Kaiser, ein alter Filmroutinier, de-, hauptete sich wie immer und in Hans Waßmamn# Komischem Talent hat nfan sich nicht getäuscht. Die Europäische FilraaTlianz/der güröißte' deutsche FilmKonzern, dem Max Reinhardt, Joe May und Ernst Lubitach angehören, bringt als ersten Großfilm »Die Frau des Pharao« heraus,. Dem Meisterregisseur Lu-bitsch wird der deutsche Filmt wieder seine Forcierung in allen Auslandsstaaten zu danken haben. Wegener und Bassermann, Harry Liedtke, Dagny Servaes, Lydia Salmai n q v a, Friedrich Kühne, das sjnd Namen von Klang, die auf das Publikum sichere Zugkraft ausüben. Was hier in der Inszenierung geleistet wurde, steht in seiner •Art einzig da. Emil Jannimgis wird die Hauptrolle in einen! Apachenstück »Das unheimliche Paradies« spielen. Ein neuer Filmstar, Margarete Lanner, de-, bütiert darin in einer großen Rolle. »Verklungene Zeiten aus Alt-Wien* ist der Titel einer sauberen Arbeit der Mondial', Filmgesellschaft, die allen, jenen, die sich gerne Gcm schichten aus Urgroßvaters Leben erzählen lassen und für die der Wiener Walzer noch Zauber hat, sehr willkommen sein wird. A-nny M i 1 e t y, die Darstellerin .der Anna Helen, jenes Wiener Mädels, das so viel leiden mußte, kann bei einigem Fleiß« eine gern gesehene Sohausipielerin werden. Der junge Hans Effen-. b e r g e r ist ebenfalls talentiert, nur fehlt ihm die notige Beweglichkeit. Paul Baratcw (Ben-Zwi) werden wir in Kürze als Filmdarsteller zu sehen Gelegenheit haben, und zwar im Mondial-Film »I c h h a b’s getan!« Seine Part-s ner sind diesmal Marietta Olly und Franz Everthi, Robert Reiner arbeitet seit drei Wochen in Rom und Neapel au den letzten Aufnahmen seines Films »Sterbende Völker«. Interessant ist, daß zum ersten Male deutsche Künstler (Wegen er, Kortner und Otto Gebühr) in Verbindung mit großen italienischen Schauspielern (Luigi Ser-> v e n t i und Elena M a k o-w s k a) in einem Filmwerk wirken. ' Die Gerüchte vom Tode Gunnar T o i n ä s’ haben sich als falsch erwiesen. Der Künstler befindet sieb zurzeit in Norwegen. Charly C h a p 1 i n wird als »Hüter der öffentlichen Ordnung« seinen Anhängerkreis erweitern. Wir glauben aber, daß dieser »Chaplin-Hunger« bald gestillt sein wird. Reinhold Schänzels »Reigern« war sehr blh* mabel. .Alle Rollen, die er da spielte, haben wir längst von ihm gesehen und überdies machte er diesmal ein ipaar arge Schnitzer. Olaf Fjord, der seinerzeit als »Herzog vom Reichstadt« die Aufmerksamkeit auf sich lenkte, trotz-, dem er noch stark in den Anfängerschuhen steckte, spielt eine neue historische Rolle, den Ludwig IL in Alfred Deutsch-Germans gleichnamigen Drama. Fjord hat an Ausdruckskraft gewonnen. Die Kunst der Regisseure ist es auch, geeignete Darsteller für die Rollen zu gewinnen. Wenn man einen Ferdinand O n n o in Wien hat, dem die Rolle des Ludwig direkt auf den Leib geschrieben ist, holt map Keinen Fjord. R. iP aTji

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