Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-03-14 · Heft 1122 (14.3.1922) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1122 (14.3.1922)
Date
1922-03-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980202--10533-2996893
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite %' Wien, Dienstag WIENER &ORGENZETTUNG? 14. März 1922? Nr. 1122 Waisenfürsorge in Palästina bestimmt und außerdem einmalige 3125 Pfund für die Organisierung der Waisenarbeit in Palästina. Die medizinische Hilfe in Palästina soll gründlich reorganisiert werden, wofür 70.000 Dollar bestimmt wurden, um einen neuen Medical Unit zu organisieren, mit der Aufgabe, statt Gewährung medizinischer Hilfe an einzelne, sich mit der Regierung ins Einvernehmen zu setzen, um ein weites sanitäres Programm durchzuführen. Es, wurden 400.00O Dollar für das -nächste Jahr für Flüchtlingshilfe bestimmt (momentane Hilfe und Wiedsraufbauarbeit) und außerdem, 100.000 Dollar für die Flüchtlingsarbeit in Kuba. Für die Forderung der Wiederaufbauarbeit in Litauen wurden iro.ooo Dollar bestimmt und.30.0qp als Darlehen an die Leihkassenforderation in Polen.' 500 Pfund wurden als Jahressalär für den Verwalter der Kreditbank in Palästina bewilligt, die in Bälde mit Hilfe des J. D. C., der J. C. A., der »Palestine Develop-pment Co.< in Amerika und des »Palestine Economic Board« in England eröffnet werden soll. Die Erhöhung der bewilligten Summen ist vom Erfolgter 14-Millioncn- Ehp'llar-Kampagne abhängig. Wenn alle untreu werden... Die deutsche Studentenschaft hat beschlossen, zu den Angehörigen der Staaten, die im Kriege an der Seite der Mittelmächte gekämpft haben, freundschaftliche Beziehungen aufrechtzuerhalten. Das ist sehr löblich, zumal sie sich nicht nur des materiellen, sondern mehr noch des geistigen Elends der Kommilitonen aus den Baikanländern erbarmen. Vor allem sollen die Bulgaren zur geistigen Höhe der deutschen Kultur emporgeführt werden. Bald zeigte es sich, daß die teutonischen Musensöhne keine Unwürdigen unter ihre Fittiche genommen hatten. Die gelehrigen Schüler erfreuten ihre Meister durch Gründung eines Verbandes arischer Bulgaren. Zwar hatten die Bulgaren währedd des Krieges ihr Slawentum geleugnet und ihre Verwandtschaft mit den Magyaren entdeckt, in welchem Falle sie also keine Arier, sondern Mongolen wären, aber Jünger der Wissenschaft nehmen solche Kleinigkeiten nicht so genau — für sie besteht das ganze Rassenproblem hauptsächlich im Geschimpfe auf die Juden und auf diesem Gebiete fanden sich die deutschen Herrenraßler mit den Balkannationalisten zu löblichem Tun zusammen. Nun veranstaltete der genannte Bund »arischer“ Bulgaren am T o d e s gedenktage Andreas Hofers eine Ballakademie (wie pietätvoll!) und rechneten natürlich auf die werktätige Hilfe ihrer deutschen Protektoren. Diese rührten in ihren Blättern auch gewaltig die Reklametrommel für die Veranstaltung, doch scheint der germanische Rassenstolz über die Liebe zu den Waffenbrüdern vom Balkan gesiegt zu haben, denn wir entnehmen den antisemitischen Blättern Wiens folgende vielsagende Notiz: »Da durch s c h w a che Teilnahme an der deutsch-bulgarischen Akademie ein g r 0 ß e s Defizit entstanden ist, wendet sich das veranstaltete Komitee an alle jene Kteise, an die seinerzeit Ehrenkarten übersandt wurden, mit der Bitte, einen kleinen Beitrag zur Deckung des Defizits zu übersenden, da der veranstaltende Ausschuß nicht in der Lage ist, den ganzen Fehlbetrag aufzubringen. Abgesehen davon, daß es eine völkische Feier auch im engsten Sinne war, ist der, ganze /Zweck der Veranstaltung ein viel'zu hoher gewesen, um ihn durch einen schlechten Ausgang beeinträchtigen zu lassen.“ ' Wer die Wiener Antisemiten kepnt, kann die Vcrmutung nicht unterdrücken, daß nunmehr, da es ein finanzielles Defizit zu decken gibt, auch — Juden nachseit dem dreizehnten Jahre selbst bestritt, war er ati£ Lektionen angewiesen). ’ Beim Engagement frug di Dame: »Sie können doch Französisch, Herr Lehrer?' Selbstverständlich konnte der Herr Lehrer FratizösiScn — was ,hätte er ni-cht gekonnt, da er vierzig Gulden Gehalt und Mittagstisch bekommen sollte! Jedenfalls nahm er sich vor, vom ersten Gehalt eine französische Grammatik anzuschaffen. Aber leider kam vor diesem ersten Gehalt ein Festessen, bei dem die Dame rüg.ey daß ihre Jungen nicht, wie sonst, in französisch^ Sprache um Wasser, ein Messer ttsw. bäten, »sagen bis doch Philipp, wie er ein Messer zu verlangen hat.« Der Herr Lehrer wußte für Messer nur das Wort »canif« und hatte dievage Empfindung, das könne nicht Atimmen. Aber um einen Ausweg war er weder damals hoch später verlegen: »Ich werde dafür Sorge tragen,« Sprach er feierlich, »daß‘die Knaben in Hinkunft sich der französischen Sprache bei Tisch bedienen. Heute jedöch scheint mir, daß wir/die, Festesstimmung berücksichtigen sollten.« Und lief nach dem Essen spornstreichs „a einem Freund, um sich ein Taschen,Wörterbuch zu entlehnen, mit dessen Hilfe er sich ein etwas rauhes, aber solides Französisch an eignete. Wenn man bedenkt, daß jetzt jedes Lernen »spielend« .geschehen so)!, daß den Kindern unaufhörlich neue Reizmittel, neue Anregungen geboten werden, sieht man erst, wie weit wir uns von der ernsten, tüchtigen Auffassung der früheren Zeit entfernt haben. Weil er, ihr aber noch angehörte, darum durfte mein Vater, Wenn man sich über die Fülle des Wissens, das er besaß, verwunderte und fragte, wie er.es erworben habe, die stolze Antwort geben: »Ich habe gearbeitet!« Weil er gearbeitet hat, gelang es ihm auch, die Prager Lehrerbildungsanstalt mit allen Ehren und Auszeichnungen zu absolvieren. Nur Im Zeichnen brachte er es nicht weiter als bis zur »kleinen Eminenz«, denn dfer Mangel an zeichnerischer Begabung gehört bei ufts ebenfalls zu den Familienkennzeichen. Dafür Sind wir »0 ziemlich alle musikalisch gut veranlagt, und wenn die Brüder sich am Purim-Abend müdegeplaudert hatten, dqqin begannen sie immer die Lieder ihrer Kindheit zu singen, jene frommen Gesänge, die ihr Vater im Tempel der Gemeinde -vorgesungen hatte. Und sogar meine still« Tante lächelte, wenn sie die Klänge aus längst vergan* gener Zeit hörte. Nun deckt die vier Geschwister all« ichofl der Rasen. Nichts lat geblieben als ein schmales Grab und ein -paar süße, wehe, jüdische Weisen — Purim-Erinnerungen von Vaters Geburtstag. Mitteilungen aus dem Publikum. Zur Verlobung t unserer Heben Schwester Berta mit Herrn Samu Premlnger gratulieren wir herzllchst 2 Salo un^ Bernhard Kantor :H?* v*'" ■’ Kolonie«. 9480 WÄSCHESALON D. ROSENFELD (K0R1TSCHAN) ' WIEN, I., KOHLMARKT 5 KARLSBAD, ALTE WIESE, HAUS Dr. MAYER KOMPLETTE BRAUTAUSSTATTUNGEN VORNEHMSTEN GENRES Prämiiert: PARIS, LONDON 1901 122 TEL. 9307 Streng rituell! 121 hüD Hotel-Restaurant Barschak Vorzügliche polnische Fische Ungarischer Spezialwein nDS "1V2 Wien, II., er. Sghiffgasse 3, Tel. 40-1-39 trägüch Ehrenkarten zu dem verunglückten antisemitischen Verbrüderungsfest erhalten werden. Scheuen sich doch die uns sittlich so überlegenen deutschen Akademiker nicht, auch ihre juderirein* gemachte Mensa aus Judenspenden erhalten zu lassen, obwohl das christliehsoziale Hauptorgan erst jüngst die arglistigen Motive aulgedeckt hat, von denen sich die luden leiten lassen, wenn sie den Christen billiges Fleisch ins Haus liefern. Die jüdischen Frauen in New York für den Keren Hajessod. Der 15. März iiat im New Yank der Begnnn dfer großen, mit basotvdiarar Sarg fad! viqrbereiteit/w Stadtkamipaignte für dem Keren Hajeguod. Die unernsiiuilibluan Oirganigai'.iarcai des aimiemiikiaimsfChen Keren Ha^-os&od halbemin dien l<etaten Wodhen neiuc Helfer geimuden, deiTem Mrifbauibaiit citiiabt hach genug einige schätzt wewdiein kairon. Wiir meinen die jüdi-, ' sahen Frauen der Riasienuteidit, die ilhire vorbildliche Hülfsbenytsdhaft im jü-rFiscihsn Dienst wiedler, eimimai vor aller Welf otffaiubäron wolku*. Schon im Feb-ruair wuirdte itn New York eiin Frauen- ,k o m 111 e e geibil'deih D>ats Ziiell <l»sr Mitglieder,w arr tl'iie Anwetrfotimg von ta,.iusend Kr a-ot emv die tunmol!te’Jb>ar mich Eröffnung dfar Kaim^cgnte ai!te frei« wbillige Hiillfukräfte diuinch dllie jüdischen Stoidit viertel ziehen'-soHon, uim diie: eiozdinien ,F amiij e n am die* . ErfüHkang ilhrer MciaBSor-FflöcII^:- zu. emnm e.ri'u Arr dk«-' L^iitze dies neuen Kqmiltie&s stehein ’diie bekiäfninftestcm; Mitglied er ci«er j ti;dljsdfi -rrmicir ilkvin usicfnen Ge Silfiachoflb. Sie halben skih ohne Utnitenschieid - ilvrer^Bairteigeiaiin-, r.umg susamm sngescihil'osse'N, mm die ICerem-Hajia raed1- 'Anboilt dtor Sbadt ao au gestalltem, dtaß ilhire Ergdbmisse wtisentGidi &ur Fötndtonmg d's^ Pfciläs4m--Aai>fbriues beitragtai.v Mimte Feljaniiair wawide - iim Heitel *utPenirus'y'l'viainüai« ein .großer »N>aicfcimi'ttö(g für Piailästitria« afogehailteity tund dawiaxi’ >beir.i»rihfcät, di’aß diiiese nieaur.irtiige V orcncrtiaiVjiirng -itiainkifln B eeitfdil gef uindicih halb. Der güte Begrün hat d’ais Komitee ziu A1i«e!cm Wiederflir.iiturigeö enflliiui'igt; dlie jüdfeichen Tlhicirfei werden iifonetft kosten!os zitur Verfügung genbriilit, während jüdiiiscihe Küniai'ler sidh mit Eifer dior Sache des Keren HEficisisad vviidtnemu Der f »Niachmiittag für Pa/lstiiiua« isit in New Yotlk s»chdtt so (pqpn.nlär, diaß er eine stämdiige Eindahbumg m wenden ver- »pdchL Ein Beschluß der amerikanischen Poale Zion. Der AflHs#clhluß dieir ziioniiafc^:»clh,,-§'Cizil0l1l!Mi;l=idliien Aiibeiterjpairtcii DoeiSe Zion Ihiäit, Wie dlie New Yorker »Zelt«! mddifrt, besdhiloseein, dlie 'Mdtiglijeidier ztw Arbeit für 'diPti Keren Haijossod ztu veflpflilchten. Döis offizielle Orgatn der Pairtei begrüßt dlie Mölidiumg mit falgemdian Worten»Diese Enitiiicheiiduiriig dici& Aitm- ■sdhtnsi eij» «rolil offer.lbeirdn, wie tief . Poale Zion an dieim Erfolg des'Keren Hajessod Interessiert ist timd wie sehr sie Aich dem Glmbetti airi .-dlie •N*ö*t- . wemdigkeit des Keren Häjessqd' beim Waedienaiuifbafti Pailästiir.'as diurrohdirnungen fühlt. Diese KeSOiÜuitiifot» legt jedem MitgUled1 der Fairbea die Pfliidht aiufj in jeder’ jüdischen Gemeinde aktiven Anteil Sin detf Kenen-Fkije soid-ATbe’t znl - nehmen, aber gleichzeitig im Etinkliang miit dictm Miaiaisser-Ptt!in®{(p bei* ztu-itttueiin und andiene (n dlsstzim Llnn-e au beeilte fliussen. Wiir wioililen hoffen., diaß Poüile 2>on, fetterigiiisdt für den Keren Hä|)etsi.K5id äitibeken wiir-d.« Zweierlei Niveau. Die neugtbildete zionistische Frauenofgahisätlon Favoriten« ^erarnstaltete Dienstag ihren ersten Vortragsabend., Nach Eröffnung durch die Vorsitzende, Frau Ingenieur 0 r a ri n t w e i fl e r, welche in prägnanten Worten die Notwendigkeit des Zusammen» Schlüsse« und der Arbeit der jüdischen Frauen kenn* Zeichnete, sprach Herr Rabbiner Dr. Ä. L. Mandel »Ucber die sittlich-religiöse Erziehung der jüdischen Frauen und Mädchen«. Die Ausführungen Dr. Mamdefl haben bewirkt, daß über seine Anregung zunächst, ein speziell für Flauen ünd Mädchen bestimmter Kurs über jüdische Geschichte eingerichtet wird. Frau Erna Patak verstand es, durch die pciakende Schilderung dessen, was uns fehlt und uns nofrtul, die jüdischen Frauen derart mitzureißen, daß spontan aus dem Frauenipu'blikum Meldungen zur Mitarbeit erfolgten. Frau Rabbiner M an d e 1 betonte, daß die jüdischen Frauen Favoritens ihre Bereitwilligkeit zu-r jüdischen Arbeit bereits bewiesen hätten, und daß für eine zionistische Frauenotganisation gerade in Favoriten ein fruchtbarer Boden sei. Am nächsten Tage fand eine von sogenannten »Niehtjüdischnationälen« einbarufene' Versammlung statt, auf deren Tagesordnung die Frage des Tempel- Vereins stand. Tatsächlich hat man von Tempe'.fnagen nichts gehört. Das Thema war ausschließlich: Der 1 Zionismus. Ausgehend vom Tenclenzartikei eines Mengen Mittagsbldttes, würden die großen Gefahren der zionistischen Idee dargestel'lt, .und was da an ve» drehten Darstellungen der Tatsachen geleistet wurde, sucht seinesgleichen. Auch eine nette Definition der Bodenständigkeit halben wir gehört: Bodenständig ist, wer wicht jüdisch national Ist und sich zur dtuocriösterreichischcn Natibn (!) bekennt (sic!) Bezeichnend ist, daß Leute, die einige Jährlein in Wien ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben, anderen, die nur wenige Jahro spä'er nach Wien gekommen sind, die »Bodenständigkeit« absprechen. Aber es wird schon dafür gesorgt werden, daß der Tempel verein nicht die Plattform für etliche Hetzer abgebel Das Keren-Hajessod-Bureau. hat seinen Sitz in die Taborstraße 20a verlegt Telephon 41.630. , Große Spende für die Werkzeugsaktion in Palästina. Herr Direktor W. Wahrhaftig hat der Werk4 zeugsaktion für Palästina eine vollständige Antage für Steinbrucharbeiten im Ausmaße von zehn kompletten, Maschinen samt allen Hilfswerkzeugen zur Verfügung gestellt. Hoffentlich findet sein Beispiel bald und oft Nachahmung. •' Kulturlosigkeiten. Wenn ein armer'Teufel, der wahrscheinlich nicht nur keine gute, sondern überhaupt keine »Kinderstube^ gehabt hat, das Messer zum Munde führt, beim »Tristan«- Vornpied schwatzt oder einschläft, genähte Krawatten mit grdlert Mustern trägt oder sonst ein Verbrechen : gegen die heilige Konvention begeht, so finden sich immer-wohlwollende Mitmenschen, die sogleich mit dem großen Wort bei der Hand sind: Kulturlosigkeit Diese Sachverständigen in Kultur sehen zwar den Splitter ira fremden Aug’, sind aber blind für den Balken im eigenen, verstehen, nicht oder wollen nicht verstehen, daß die kleinen Verstöße gegen gesellschaftliche Sitte, Lieberelnkommen des Stils und Geschmacks, wie sie Mindergebildeten leicht unterlaufen, verschwinden gegenüber «den prinzipiellen, gruiPdlegendeh, durch Tradition und Vorbild geheiligten Kulturlosigkeiten, deren sichdie '. gebildete Welt schuldig maeiht. Das Wort ist gewiß nicht zu stark. Wie sollte man gewisse Si'tten im geistigen Leben ,so>nst bezeichnen. Da Ist züm Beispiel der »Waschzettel«.,Natürlich nicht jene friedlich sanfte Liste der Hemden, Strümpfe, Tischtücher usw., die Ais sorgljiqihe Hausfrau zusammensteWt, umden ’ VerlU'st\ von Wäscheschätzen vorzubeugen. Gegen diesen »Waschzettel« läßt sich nichts einwendem Weniger harmlos Ist der buö|händderische «Waschzettel, die Anpreisung eines oder auch mehrerer Werke des Verlages in der mit Superlativen, Kraftworten, Uebem treibungen und Lobreden, die honigsüß und fingerdick aufs Brot gestrichon werden, wahrhaftig nicht gespart ’ wird. Alle Welt entrüstet sich über den schlechten Geschmack des Volkes, der sich in «.der Vorliebe für. kitschige. Kinostücke offenbart. Aber vom Waschzettel schweigt man wohlweislich. Würde er nur über »Dlo Geheimnisse des Giftbrunnen« oder »Der entfesselte Dämon« und dergleichen geschrieben, so wäre ja nichts dagegen zu sagen. Aber auch die besten Bücher werden von,kundiger Hand zu Brei zerstampft, mit einem tüch* tigc-n Zusatz Siru-p versehen und dem zukünftigen Leser ums Ma>ul geschmiert.' Nicht nur Romane, sondern auch Essays, Briefe, Biografien, Populärwissenschaft — alles wird in dieser geschmackvollen Werse 2ubereitet, es m tl ß So zubereitet werden. Denn jeder erfahrene Buch* händler bestätigt es: ohne Waschzettel geh<t es itn Buchhandel einfach nicht. Er ist eine Notwendigkeit. Eitz Rühm für unseren guten Gb$chmack aber kann er nicht genannt werden. . , G^ieh nach dem Waschzettel 'verdienen die Zitate .ihren FlatZ.Man zitiert zum Beispiel: . . . in meines nichik durchböhreftdem' Gefühle oder aus seinem Herzen eine Mördergrube machen ider Aehnliches, gedankenlos dahiittg&spröchen. In neun Zehntel der Fälle weiß man nicht, welches Werk und welchen Autor man zitiert, kennt den Zusammönhabg, nicht, in dem die Worte Stehen, spricht sie, nach wie der Papagei, mehr nach dem Klang als hach dem Sinn. Besonders Ehrgeizige schaffen sich einen iBuohmann« an und suchen von Zeit zu Zeit den einen oder anderen Ausspruch nach, den sie beständig. Im Munde führen, ohne sich "auch nur darüber klar j?ü «ein, woher er stammt’. Ist-es nicht kulturlos, die Worte und Gedanken unserer großen Dichter zu zer- 1 < pflücken, In Kleingeld umzumÜit'Zen, das alsbald abgegriffen und abgescheüfert Et, wie wertlose Scheidet münze. ' : - Zu den Kiiltü'rfoSiglteiten schlimmster Sorte gehört das moderne 'Theaiter. Nicht die ernsten Stücke — die i sind gut öder schlecht, dumm oder klug, bedeutend oder . unbedeutend. Aber auch die erbärmlichsten sind noch kein Hohn auf den Begriff Theater, weil sie nicht nur > auf billigen Erfolg ausgehen. Ganz anders bei den äugen* . blicldlch weitaus Überwiegenden heiteren Stücken, > Possen, Schwänken, Vaudevilles,, Operetten. Der i dümmste Vörwuf, die läppischeste Zusammenstellung, die albernste Erfindung, ist nicht zu dumm, u.m dem HOCHFEINE STOFFRESTE für Anzüge, Modeheften, Kleider, Kostüme u.föäriei InlülflePro'sermäll'ijQiifi and kleiner Regien am billigsten bei KANN & FRIED V1., Links lenzelle 110, Im Hefe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.