Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1122 (14.3.1922)
- Date
- 1922-03-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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fff. 1122 Wen. Dienstag WIENER MORGENZEITUNCt 14. März 1922 Seite 3 . Ixszüffiiichen Arbeit noch ari/cht su Endie, sie wende teemniKbiit eine Vortltage zur Verschärf«ng Ider Eiinwatnh-ienutng’sv'erord'nfung'an einfarinigenu Mister jjdhinirinn stcMtie mit Genwtg'tiuiu'hg fest, daß dws vor-’ Jüngertte Qiucterugesetz im ' seiner beafos-i'cihitig'ten Strengen Omr-chtühinuin-g diie wöchentliche Eimvoindterumigsriffer von 15.000 aui'f 1500 heralbtminetert. Di« iVotr einigten Staate® werde®' me mehr zur freiten Woesehr än(ktein Emwaimdemung zuirückk ehren. Den jüd'i'sdne Kongreß man® Siege! griff in seitniei Rede die Bill in sdhärfsttor Weise am und führte a»u>s, faiaß keim a/ntgesehmasi Bisitt m New Yoric mit dsrgegenwärtige® " Biiil -übeireinstL'nwnc. Er fegte snhär‘‘s'lie Verwalkuung dagegen e;m, daß arjch die Ei*n'Wo'nidie:nuin(g von Studenten dorr eh dieses Gesetz" verboten wuinde, wähnend dtar Studertomeinwandenung aus Gluitna tuntd Jatp-am eine Reihe von jZtigesl.ä-ndnnLB'en geniaiohit würden. Miit Auisn^Äfinw eines Deipratierte® sbiimmitiein sämtliche Kongmefimäntncr Groß-New Yorks gegen diie B.M. Bedaiuier- Kcherweif&e haben rwei jüdisdhe . Kosngreßleute, Rosemblum utnid Kraus ann> Wes-t-Virginia und Indiana. ihre Stimmten für diie BiM abgegeben: Die Bil'i ist befreits dem Sensit ziuigeg2imgen, wo sich rjotdi mtantöher ICtaimipf uim sie entwickeln dür te. Rußland droht Polen. Moskau, 13. März.(Funkspruch.) Tschitscherin fiat dem polnischen Gesandten eine Note überreicht, aus der hervorgeht, daß das Treiben der w e i ßgardisti*sehen Organisationen gegen Rußland nicht nur nicht beendigt worden sei, sondern im Gegenteil in den letzten Monaten noch zugenommen habe. Der Friede Rußlands sei durch neues Auftreten von Banden Petljuras, Balachowitsch', Goremykins und anderer bedroht, die auch von polnischen Behörden unterstütztwürden. Die russische Regierung mache die polnisch^ Regierung darauf aufmerksam, daß sie im Falle neuer Bandencinbrüche wirksame Maßregeln ergreifen und hiebei keinen Unterschied zwischen Banden und polnischen Truppen machen werde. Tagesbericht. Der gatfcische Jude Moses Llebmann und der ehemaligearisch-christliche Bezirkshauptmann Regierungsrat Karl K. Vor kurzem stamd Hofrat Hagg vor ftevniem Ridhitenn unter der Anklage verbnoc hoiüsdh-or Hiani'dfiu'nfge®.. W<iir möchte® den orlietdiigte® Fall aiiichit einer mtenicnüdhon Eröntanumig wut am leihen umd fetiuch d*or Versuchung widerstehen, diie Rdllle dos [V ersudberts, der die® hrihem Boaimlte® amf diie schiefe. Ebene geleitet halbe® soll, in eine firenanidlliidhiare Belewchtun-g m rücken. Wir weilten auf de® ung?ltickii>chen Hofrat, dhr alte vetriicipener Mann den |Gerfehts»aail verließ, umi!® dem Kerker zü wandern, tei-^ht Steine werfen; wir Haiss«® iimgepirüft den (Hinweis anitf . seine Notlage Alls Erklärung gelte®. (Wir wolllen aiuch nidhit für Moses Lieb man«® nach neue® Milderungsgründen forschen und selbst den sich zwar jedermann auf drängenden, aber, von niemandem in der Gerichtsverhandlung \auch nur gestme-äften Fnaige aus - dom Wege gelbe®: Wie kom es. daß Moses Lidbmiammt, dar dem Botfinatt im einer SbouierSrage um Auisknnft atuifgesiuicht (hatte, »chioni fbtailid dla-rsuutf disr Ehre teiilluaiftiig wunde, dien Bofrät im «einer Vililia efiis Gaist begrüßen ziu .können «ttmtd teife&ihm'NvEer , 'Mitwisser dar tnanuniigen Finanzlage dieses hotien Beamte® zu werde®? Wer woiß, da nrlcihit ein rudtosAcfnifcsloieir Vonteidfigor sich ettidlreiistett hätte, sellbst die Frage aiulzuwerfan, ob es den® völlig geklärt seti, 'wem i®> diesem Failtle diie eigentliche Rolle des Versuchers in erster Reihe mgesproohen werden muß. Lassen wir diese Untersuchung. Wir wollen mdlit den Hofrat belaste® und Moses Liebmann nicht entlasten. Aber eines möchten wir allerdings: Der zwar bewährte®, aber nicht minder schamlosen antisemitisübenMetliode entgegen treten, mit dar jeder verbrecherische Fall, der einen Juden betrifft, generalisiert und zur Anklage gegen die Juden auisgebeutet wird. Die Wahrheit darf nidht mißhandelt werden, auch wen® es sich um einen an geklagten Juden aus Galizien handelt, der neben dem arischen umd christlichen Hoifrat auf der Anklagebank Platz genommen. Für die RituaImordpresse gab es in diesem Strafprozeß nur einen Standpunkt: Der galizische Jude ist der satanische, verdammenswerte Versucher, der arische Beamte ist das umgarnte, bemitleidenswerte Opfer. ' Die »Reiahspost« hat ja mit der wünschenswerten Deutlichkeit erklärt: »Die Vcrsuebungen/dene® unser Volk «umd ganz 'besonders die Beamtenschaft seit einer Reihe von Jahren ausgesetzt ist, treten immer häufiger in derartigen Gestalten (wie.Moses Liebmann) auf. Es hat am War-- •nungen, sich von ihnen umgarnen'zu lassen, nicht gefehlt. Wer nicht hören will, muß früher oder später fühlen. Die Angeklagtem von heute sind weder die ersten noch — leider — die letzten Opfer ihrer allzu geringen Widerstandskraft gegen die Versucher.« > ' Das Schändlichste an der Versuchung ist in den Augen der »Reichspost« zweifellos, daß sie i® der Gestalt Moses Liebmanns erschiene® ist. Nehmen wir einmal die Möglichkeit an — mein Gott, was ist nicht alles möglich! — die Versuchung würde einmal in der Gestalt eines hohen arischen Beamten, sagen wir, eines Bezirkshaiuptmanmes, der überdies mit dem.Titel eines Reglern,ngsrates geschmückt ist, auf trete® und sich zum Opfer den jüdische®, aus Galizien stammende® Ghef einer Wiener Firma erwähre®. Wie würde die »Reichsipost« sich bei der Erörterung dieses Falles verhalten? Nun, was wir eine® Moment als möglich bezeichnctem, hat sich tatsächlich vor wenigen Tagen, also kur z n a c h der Affäre des Hofrate« Hagg, in Wien abgespielt. Vor . dem Benufurngssenat des Landesgerichtes II. Stand ein hoher politischer Beamter (ehemaliger Bezirkshauiptmann. in Nikolstuyg), Regierungsrat Karl K., zuletzt im Status des Bundesmimisteriums für soziale Fürsorge, der vor einiger Zeit wegen versuchten Betruges zu fünf Monaten strengen Arrests bedingt verur^ teilt worden war. Der Sachverhalt, der dem Urteil der ersten Instanz zugrunde lag, ist im kurzen-fol«, ' gemder: , ' •' -. Der angeklagte Regierangsrat war bei dem GtfC sellschaftereiner Export- und Importfirma« Bur s,z.ty n,; dem er obegflächlich kannte, vetQ schienen, gab sich bei ihm als Beamter des Kriege, wucheramtes aus und teilte fhm mit, es ^sei gegen, ihn eine Anzeige an das Wudherramt gelangt. Deii Regierungsrät klagte .zunächst über seine Notlage und ging dann zu dem freundliche® Vorschlag über/ er wolle die Anzeige ver« c h winden, lasse«? Bursztyn schenkte' zwar dem. bedrängten , Beämteh’, 4000 Kronen, erklärte jedoch, er wünsche nicht did Unterdrückung, der Anzeige, vielmehr die Aufklärung des Falles. Einige 'Zeit spätererschien den. Regierungsirat wieder bei Buirszfy®, erklärte, es .«es eine Nachtiragsanzeige gekommen, und daß er .bereif sei, sie verschwinddm zu lasse®, wen® B'ursztym ihiwl 20.000 Kronen dafür bezahle. Burszty® erstattete, jetzt aber tatsächlichdie Anzeige! gegen den —i Regierungsrat. Es stellte sich heraus, daß diesen selbst die Betntgsanzeigen verfaßt : und aufi diesem etwas tuigewölmlichen Wege - den Erfolgj seiner Erpress-ungsversuche sichern wollte. Beil Versucher war diesmal zweifellos mit e!y-emk. Raffinement, das die »Reidhspost« sicherlich null einem galizischon Juden "merkennein würde, in daf Gestalt eines arischen Regierungsrates erschienen^ und das betrogene oder zu betrügende Opfer sollte;' der aus Galizien stammende Jude sein. Dieser Fall hat die »Reichsipost« so betrübt*; daß sie in tiefes Schweigen verfallenist. Sie hafte', in Erfüllung ihrer publizistischen Pflicht die galizischen Juden wanne® müssen, sich von arischenf Beamten umgarnen m lassen. Aber da sie das lieber nicht tun will, weil sie diesen Warnungsruf zu.oft erheben müßte, umterscihlägt sie die ganze Geschichte. Das American Joint Distribution Commitee und die Mittelstandsaktion für Wien. Wie die »J. F. Z.c in Zürich meldet, wurden der letzten Sitzung der Exekutive des »Joint< 580.004! Dollar für Hilfszweokc bestimmt. Der größte Betrag, nämlich 100.000 Dollar, wurde für die Wiener Aus«, s p e i s u n g s a k t i o n bestimmt, welche vermittelst des amerikanischen Relief Committee in Wien einetnj. besonderen jüdischen Komitee übergeben werden solh (Allem Anschein nach handelt es sich um das bereits! konstituierte Komitee zur Verteilung der 200.000-Dpllar-j spende-für Mittelstandshilfe. Ein besonderes jüdisches Komitee wurde nicht eingesetzt, sondern es' wurdet* bloß jüdische Vertreter ins allgemeine Komitee berufen^ Von Wichtigkeit ist die Feststellung, >daß die Hälfte, des Gesamtbetrages dieser interkonfessionellen Aktion das jüdische Hilfskomitee irr Amerika beige* steuert hat.) v * . . . . , Weiters hat der >Joint< seine Waisenfürsorge« aktion erweitert und wieder 300 Waisen aus Kar-, p a t horußland adoptiert. Eine monatliche Unter-, Stützung von 500 ägyptischen Pfund wurde für die Abbau0reise SfirapazsSofffe . per Meter K 2900 llBU MDkEll^NUIL WolfieisauSot per Meier K 4900 w» _ __ Wollhoistespune pr. Mir. K 7330 Br U® ©E Wien, iä.,Taborstra8e48 Telephon 47-1-78 En'siroS ' 1074 En äelall Kindheitserinnerungen. Von Klara Mautner. Als wir Kinder waren und noch länge, lange darüber hinaus, war Purim für uns immer ein doppeltes Fest. Am Purimtag, der damals auf den 1 Mär gefallen war, war nämlich mein Vater geboren worden, und so kamen wir, wenn d'as Datum nicht ü'berekistimmte, in die angenehme Lage, den Geburtstag des (Vaters doppelt zu feiern. Wenn aber mein Vater, den viele Sorgen niederdrückten, am 1. März nicht immer heiterer Laune war, zu PuHm war-er sicher fröhlich. Da erzählte er die einfachen Geschichten aus »einer eigenen Kindheit, Geschichten, die ich ungezählte (Male von ihm gehört und die doch nie, auch als ich schon lange ein erwachsener Mensch war, ihre Wirkung a-uf mich verfehlt haben. Schon die Einleitung zu diesen Forim-Erzählomxen war festlich. In meinem elterlichen Hause ist — da mein Vater Lehrer war, wird man mir das wohl ohneyveiters glauben — oft genug Schmalhans Küchenmeister gewesen, und ich kann mich sehr wohl an Zeiten erinnern, da wir Kinder trockenes Brot in die Schultasche gepackt bekamen und meine gute Mutter iüns mit heimlichen Tränen und einem seltsam starren Lächeln erzählte, wir müßten den Morgenkaffee bitter trinken, das sei viel, viel gesünder für die Kinder, Sn Zeiten, da eine Orange ein fürstliches Geschenk war, das uns nur zuteil wurde, wenn wir krank gewesen waren und das unter großer Feierlichkeit in drei Teile igetcilt wurde, einen großen für meinen Bruder, de® ältesten, und zwei kleinere für uns Schwestern. Wenn es aber auch noch so karg und knapp bei uns zuging — aum Purim-Abend gab es immer ein Festmahl. Da kam der »historische« Grieskoch auf den Tisch, dessen Dezept sich als Familiengeheimniis von Mutter auf Tochter vererbte, der gesülzte Karpfen, der Kalbsbraten mit Apfelkrenn und — zuletzt, doch wahrlich sticht zum mindesten — die »Kiadlech«. Dieses edle Backwerk lieferte Jahr um Jahr getreulich meines [Vaters älteste Schwester, die wir Kinder darum auch seit" jeher zärtlich liebten. Sic vergaß nie, in dem Glückwwnschbrief zu erwähnen, daß die* »Kindlech« ganz genau so zubereitet seien, wie sic die Großmutter zufbereitet hatte, und daß sie darum hoffe, «ie würden ihrem lieben Jakob und seinen Kindern recht gut tfiu-nden. Wir sind denn auch dem großmütterlichen Backangedenken immer sn »Iler Herzlichkeit gerecht geworckö* Zu Vaters Geburtstag*) stellten sich auch seine anderen Geschwister, soweit sie in Wien lebten, pünktlich ein. Da kam die stille, immer sorgenvolle Tante, der Onkel Simon, von dem die Sage ging, er hätte nur einmal in seinem Leben nicht geklagt, und da« sei damals gewesen, als ihn eine schwere Lungenentzündung befallen habe, und der jüngste Bruder, der auch . ganz stilgerecht Benjamin hieß. Dieser Onkel Benjamin wußte herzlich wenig vom Judentum. Nur zweimal im Jahre erinnerte er sich seiner frommen Kindheitserziehung, das war am Versöhnuugstag, den er getreulich durchfastete, obwohl ihm das herzlich sauer wurde, am ersten Osterabend, weil er die Festtagsknödel meiner Mutter für sein Leben gerne aß und außerdem Gelegenheit fand, sowohl uns Kindern ein paar hübsche Geschenke zu bringen (einmal waren es zum starren Entsetzen meiner Großmutter keineswegs »österliche« Schokolade'bonbons), als auch beim Singen nach dem Abendessen seinen gewaltigen Baß Anerkennung zu schaffen. Der dritte »jüdische« Tag seines Jahres aber war meines Vaters Geburtstag, Purim, den er in jedem Wetter von Hernals zu Fuß in die Leopoldstadt gewandert kam, den er hatte das unbestimmte Gefühl, daß man an einem Feiertag -nicht fahren dürfe, und hatte als Jüngster vor den scharfen Augen seines Bruders immer noch viel zuviel Respekt, um einen Bruch der Sitte zu wagen, wen® er ihn besuchte. Kaum waren die Brüder beisammen, so begannen sie auch schon von ihrer Kindheit zu sprechen, von der Kindheit in der bqhmischen »Khille«. Da stperrten wir Großstadtpflänzchen Augen und Ohren auf! Vhters Väter war ein Bauer gewesen. Man nannte das höflich einen »Ockcmomen«. Da aber die Oekonomie mit einem Knecht besorgt wurde, wird sie den stolzen Namen kaum verdient halben. Jedenfalls warf der Besitz so wenig ab, daß der Großvater immerfort neue Einnahmsquellen suchen mußte. Einmal war die* ganz^e Gemeinde in heller Empörung gegen den »RebVeiti«, denn er hatte den Plan ausgeheckt, eine Schweinezucht einzurichten. Man denke, ein Jude eine Schweinezucht! Alle Versuche, ihn von dem gottlosen Vorhaben abzubringen, waren vergeblich, die Frau, die Verwandten, Freunde, der Rabbiner — sie alle bemühten sich, umsonst. Wir Mautners haben alle einen harten Kopf, der scheint ein groß väterliches Erbteil zu seih. Schließlich steckten sich *) Es ist hier «Re Rede von dem verstorbene« Bürgerschuldireiktor Jakob Mautner. die aufgeregten Dorfbewohner hinter, die Mutter des* Rebellen und die ließ ihrem SoEn die Wahl: entweder ich oder die Schweine. Es half nichts, daß er sich hoch und heilig verschwor, die Tiere niemals selbst anrühren zu wollen, sie lebend vom Hofe wegführen zu lassen und den Kober so anzulegen, daß kein Quieklaut zur alte® Frau hinüberdringein könnte. Die Urgroßmutter scheint eben auch nicht:die Nachgiebigkeit in Person gewesen zu sein, und so. mußte der jüdische Coriolan schließe •lieh die Segel stechen. ' Er entschädigte sich dafür,• indem er eine Essigfaibrilcation em-richtete^ein Gedanke,' der an sich sicherlich gut war, dessen Durchführung aber an der, gleichfalls in der Famflie'erblichen,. ab'scM luten und himmelblauen Geschäftsumtüchtigkeit'1 scheiß terter Nach der Essigfabrik kam eine Strohschneiderei, dann eine Teerbrennerei und eine Sodawassererzeugung und noch ein halbes Dutzend anderer .Neuerungen. Wie man sieht, hat es meinem Großvater nie. ätt Ideen gefehlt. Er holte sie zum Teil aus Büchern, deren Inhalt er 4'rt* seinem- (phantastischen Kopfe umwertete< Denn dieser Bauer war ein Vielleser. Er besaß ganze Kistern voll Bücher, und als mein Vateri der damals ein zwölfjähriger Bub war, einmal auf dem Dachboden herumkramte, fiel ihm Schillers »Abfall der Niederländer in die Hände. Der Junge hockte sich in einen Winkel und begann zu lesen. Er las drei Tage. Dann suchte er seinen Väter auf und erklärte ihm. er werde Lehrer. Da! der Vater «ich selbst in seinen freien Stunden — der merkwürdige Mann, der für acht Kinder zu sorge» hatte, hatte immer noch sehr zahlreiche Freistunden damit beschäftigte, die Dorfjugend zu - unterrichten; hatte er gegen den Plan nichts eunzüWenden, und'er„ wurde gleich nach der »Bar Mizwah« ins Werk gesetaL Denn diese Glaubensfeier bedeutete damals wirklkh-Mie Aufnahme in den Kreis der Erwachsenen, und def fertige junge Mensch von dreizehn Jahren gi«? aW »Bocher« in ein niedsrö.*terreichrsches Dorf. Das hielt! man nämlich dazumal für den Weg zum Lehrertum.- Allmählich entdeckte ja der angehende Pädagoge, daß das doch ment ganz stimmen konnte, und so kam pr allmählich bis zur Prager LehrerbildunRsanstak, in der man bei der Aufnahmsprüfung die Hände über dem Koipf Zusammenschluß-, als man entdeckte, welcher Wust ungeordneter Kenntnisse in diesem Gehirn aufgespeichert war. Auch von seiner Präger Zeit wußte meiit Vartoi manche schöne Geschichte zu erzählen. Da war ef Hofmeister in einer vornehmen jüdischen Familie ge* wesen (da er seinen Lebensunterhalt und das Studium