Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1120 (12.3.1922)
- Date
- 1922-03-12
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12_Wien, Sonntag.. ^Ausland 'beistehen, sollte. Das Aufblitztöni eines Dollarkurses von 8000 beleuchtet grell eine Situation, die eine zänkische und1 umfruahftbaire innere Politik geschaffen 'hat, welche dias verdarb, was eine geschickte auswärtige Politik zustande brachte. So muß denn die Verwendung der Kredite rufiien, bis die Parteien sich darüber einig werden, ob diese oder jene Regierung, dieser, oder jener Bundeskanzler oder Finamzmindsiter die Vorlage über den Kreditfon ds erbringen ■soll. Inzwischen fällt der Kronenkurs, beginnen, sicih die Flammenzeichen einer neuen Katastrophenhausse zu häufen1, drängen sich die industriellen und kommerziellen Kreise auf dem Valutenmarkt und Luchen von den vorhandenen Vahtftenbeständon so rviel an sidh zu reißen als sie brauchen, um sich .vor noch größeren Verlusten zu bewahren. Verschärft wird die Situation durch die Nachfrage Deutschlands nach fremden Zahlungsmitteln, idie es um jeden Preis für Reparationszwecke aufzubringen sucht. Der Wiener Platz war von jeher ein dankbares Gebiet für die deutschen Käufe, er ist es jetzt umso mehr, als Deutschland zwei Exposituren hier hat, die in systematischer Weise die Westvaluten aufkaufen können». Die Firmen Ullmann & Co. und Kux, Bloch & Co. sind die verlängerte Hand Berlins, die sich nach unseren-stark eusammengeschmolzenen Devisenbeständen ausjstreckt und sie zu erraffen vermag. Gewiß, das Kapital, das sie repräsentieren, versorgt Oesterreich Giit der für sein Wirtschaftsleben so wichtigen ’M a r k v a 1 u t a, aber was frommt uns die Mark, hvenn wir dafür Pf-unde und Dollar hergeben müssen, wenn die so wertvollen Westvaluten ab- ,wandern, um nie mehr wieder hierher zuirückzujkehren? . ,, 1 Einst war es für uns ein Drost, daß die deutschen Käufe in Westvaluten uns wenigstens die Mark verbilligten -- das Sonderbarste an der gegenwärtigen Walntenhausse ist'aber die Tatsache, daß auch die (Mark sich Ln. aufsteigender Richtung bewegt und Sn dieser .Woche von 25 auf 30 gestiegen ist, somit ldie zwanzigiprozentige Kurssteigerung, die alle anderen fremden Zahlungsmittel erfuhren, niitgemadht hat. Es geht uns mit dem Markkredit, den uns Deutschland gewährt hat, genau so wie mit den Krediten, die uns die Westmädhite zur Verfügung gestellt haben: Sie bewahren ums nicht vor der paradoxen Erscheinung, daß die Valuten trotzdem haussieren. Sind wir mit dem deutschen Wirtschaftsleben so innig verwachsen, daß jeder Schlag, der ‘der Mark zugedacht ist, die Krone doppelt schwer trifft, so müßte das für den Nationalrat umso mehr WIENER MORGENZEITÜNC? CONTINENTALE »BANK B Wien, I., Marc i Aurelstraße 5-7 i fiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiimiitiiiniiiitiiiii U Tel. Nr. 20-4-80. 28-8-81, 20-8-48, 22-S-76 ■ Telegramm - Adresse a Coartlnontalbank 133 ■ Wechselstube, II., Taborstr. 46 a. Tel« 49-4-28! ■ Bank und Wechselhaus Wlpplingerstraße ■ 1 I. WIpplIngorstraBe 1, Telephon 14-3-78, 12-8-88 , b ■ ■ b ■ ■ bi ■ ■ ■ ■ ■ BiiiiiaiifliiiaRiiiinBiii Grund sein, die politischen Querelen zu liquidieren, damit die Arbeit der Valutaregulierung mit Hilfe der Kredite begannen kann. Es wird ohnehin’ nicht leicht sein, die Krone'dorthin wieder zurückzwleiten, von wo die Valutenhausse ihren Ausgangspunkt genotnmen hat. »—11. Amerikanisch-italienisches Wirtschaftsabkommen. Das Pariser, „Cablogramme“ erfährt, daß es dem italienischen Außenminister Schanzet während seines Aufenthalts in Washington gelungen sei, ein für Italien außerordentlich wichtiges und günstiges Handelsabkommen mit dem amerikanischen Board of Trade abzuschließen. Die Vereinigten Staaten überlassen im Sinne dieser Handelskonvention Italien das Verkaufsmonopol für amerikanische Produkte im ganzen Orient und im Schwarze-Meer-Becken. Das Abkommen bezieht sich auf Rohprodukte, die in Italien verarbeitet werden, auf Halbfabrikate, die in Italien fertiggestellt werden, und schließlich auf amerikanische Fertigwaren, insbesondere auf Maschinen. Die italienischen Handelskammern sind im Begriff, die Organisation dieses großzügigen Projekts auszuarbeiten. Aufhebung1 von Ausfuhrverboten in Italien. Wie der Handelskammer von authentischer Seite mitgeteilt wird, sind die italienischen Zollämter der Venezia ülulia ermächtigt worden, im eigenen Wirkungskreise für folgende Waren die Ausfuhrbewilligung zu erteilen: Kindernährmehl, erdige Rückstände von metallischem Quecksilber, Kabeljau (Stockfisch), Mineralöle \(einschließlich Petroleum und Benzin), Holzkohle, Kleie (beschränkt), Thunfisch in Oel, geräuchertes und gepökeltes Fleisch, Speck, lebendes und geschlachtetes Geflügel, sogenannter gelöschter (frischgeschälter) Reis (ausgenommen großkörnige Reissorte), Gerste 0> und Erbsen der Ernte 1921, Schweineschmalz, frischer Molkenkäse. BÖrsen-KommlsslonsgeschHft und I Wechselstube MAG I D & Co. | Wien, l.y Hohenstaufengasse 11 4027 1 Börse für landwirtschaftliche Produkte* (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung“.) Die gestrige Wochenbörse war wieder stark von Interessenten aus dem nahen und weiten Auslande besticht T2. März TQZy /EETTOT Durch den Umschwung der Valutentendenz steht der Getreide«' hande! wieder einer neuen Situation gegenüber. 80 konnten sich.dis Tschechen gestern nur vereinzelt zu Käufen ent?- 'schließen. Zerealien blieben nach diesen Relationen vernachlässigt, dagegen Mehl weiterhin lebhaft gefragt und erzielte ungarisches Kuller tschech. K 4*80. Bei dem Umstande, daß die ungarische Mühlenyoüz eine Erhöhung erfahren hat, sind auch die Forderungen der Wiener Warenbesitzer erhöht, zumal die hiesigen Lager schon ganz bedeutende Lücken aufweisen. Ungarisches N u 1T e r ist mit ung. K 57 bis 58 zu bewerten. Jugoslawisches, das gegenwärtig eine Bezugsmöglichkeit nicht bietet, mit jugosl, K 27 Wien. Roggengleichmehl war zu I< 380 Wien und Roggenmehl C mit K 460 erhältlich. Exkontingentweizen war gestern zu unveränderten Preisen erhältlich, der Markt bekundete indes nur geringe Aufnahmsfähigkeit. Roggen lag wesentlich fester und wurde ln der Preislage von K 275 bis 285' ab Stationen gerne gekauft. Für Gerste zeigte sich vermehrter Begehr, der zu einzelnen Handelsabschlüssen zu K 280 bis 290 für Kommerzware, und zu K 300 und darüber in feineren Sorten führte. Für rumänische Gerste bestand reges Exportinteresse. Hafer profitierte trotz sehr schwerfälligen Absatzes von der allgemeinen Festigkeit. Inländischer Hafer ist mit K 280 ab Stationen, Transithafer mit tschech. K 60 Wien zu bewerten. Das Bohnen geschäft hat durch den Wertrückgang der Mark eine weitere Einschränkung erfahren. Jugoslawische Weißbohnen neuer Ernte wurden gestern mit jugosl. K14 Wien offeriert. Hirse bleibt gut gefragt Der Verkehr wickelt sich auf einer Preisbasis von ung. K 25 bis 35 Wien sab. Kartoffeln und Zwiebeln sind bei unveränderten Preisforderungen schwer absetzbar, dagegen ist Rauhfutter knapp. Die aus dem Burgenland eintreffenden Zuschübe in Heu sind qualitativ von günstiger Beschaffenheit. Die Devisenkurse* Zürich, 11. März. (Devisenkurse. — Mitgeteilt voü der Schweizerischen Kreditanstalt.) Berlin 2.01 (2.07), Holland 195.10 (193.-), New York 516.— (516.-), London 22.48 (22.51), Paris 46.- (46.37). Mailand 26.027a (26.22), Brüssel 43.10 (43.50), Kopenhagen 108.25 (108.—), Stockholm 135.— (134.50), Christiania 91.30 (93.75), Madrid 80.90 (80.75), Buenos Aires 185.- (191.-), Prag 8.75 (8.37), Budapest -.65 (-.66), Agram 1.80 (1.80), Bukarest —(—.—), Warschau —.12 (—.12), Wien Geld -.07 (-.07), Wien Ware (-.-), Oesterr. gest, Kronen Geld —.07 (—.07'/*), Oesterr. gest. Kronen Ware —(—.—). Amsterdam, 11. März. (Devisenkurse.) ' London 11.53V (11.52), Berlin 1.03'/, (1.13V, Paris 23.65 (23.52'/,). Schweiz 51.32 (51.35), Wien -.03'/. (-.04'/,), Kopenhagen 55.60 (55.90), Stockholm 69.22 (69.10), Christiania 47.25 (47.25), New York 264.50 (264.12), Brüssel 22.12'/, (22.20), Madrid (41.45), Italien 1 (13.057,), Budapest —(—.—). Berlin, 11. März. (Devisenkurse.) Wien altes (—.—), Wien abgestempelt 3.38 (3.48), Prag 439.55 (417.55), Budapest 32.11 (31.96). Berlin, 11. März. (Kurse der Devisenzentrale.) Noten: Dollar 255.10(252.80), Pfund 1113.50 (1103.75), Italienische 1288.50 (1280.50), Polnische 6.- (5.97'/,), Tschecho-slowakische 434.50 (417.50), Alte österreichische. —Oesterr. gestempelte 3.32'/, (3.27'/,). r 8 8 t> OD OD <X> CSD <a> <s> <s> GE) <B> <B> Sportblatt der"Wiener Norienzeitünnj Sportprogramm für heute. Fußball. Hakoah-Hertha (M.), F. A. C.-PIatz, */s4 Uhr. Sportklub—Vienna (M.), Lehrer-Platz, l/s4 Uhr. ' Rapid—Admira (M.), Rapid-Platz, '/s4 Uhr. Ostmark—Amateure (M.), Ostmark-Platz, '/a4 Uhr. r W. A. F.—Rudolfshügel (M.), W. A. F.-Platz, ‘/84 Uhr. 1 Germania—Gersthof (M.), W. A. C.-Platz, 7,4 .Uhr. W. A. C.—Bewegungsspieler (M.), Lehrer - Platz, 7-2 Uhr. Kadimah—Hasmonea(M.), Jedlersdorfer-PIatz,'/,ll Uhr. Hechawer—Veritas (M.), Neubauer-Platz, 12 Uhr. Hazair—Prater Sportklub (M.), Strebersdorfer - Platz, 9 Uhr. , Achduth—Nordwacht (M.). Bewegung - XX - Platz, '/,9 Uhr. J. A. C.-W. B. C. (F.), Reichsbund-Platz, 3 Uhr. An die Vereine des Kreises Oesterreicht Die Touristiksektion des Sportklubs Hakoah hat (ßich die Aufgabe gesteht, dem Massensport zu dienen, und will alle jüdischen Touristen und Wintersportler organisieren. Auf bester Basis fußend, mit einem großen Stock jüdischer Touristen, wird es ihr sicherlich gelingen, in einem großen jüdischen Touristenverein alle jene zu vereinigen, die im Kreise. Gleichgesinnter in. die Natur wandern wollen. Es ergeht daher seitens des Kreises der Ruf an alle in unseren Turn-, und Sportvereinen organisierten Touristen, sich unbeschadet ihrer Zugehörigkeit zu ihrem Stammverein der Touristiksektion Wer Hakoah anzuschließen. > ' Für den Kreis Oesterreich der jüdischen Turn- und Sportvereine:, Fritz Baar. * Dr. Ch» Wolfmann. Wochenrtickschau. Gemütlich wird’s im Sport. Ratpid .wurde vom ,Oesterr eiohischen Fußball-Verband» dazu verhalten,' [Rechnung über die Spanien-Fahrt zu legen. Die b-Arbeiter-Sportzeitung« veröffentlichte nun Angriffe »gegen die Hütteldarfer und gegen einige seiner. IFuu'ktianäre. So weit wäre nichts Außergewöhnliches frorgefallen, sQ daß Rä'bfoi ben Akiba. mit seinen Austzpruc-h -Alles sei schon dagewesen« Recht 'behält. Nun jhat sich aber etwas zugetragen, das nicht genügend zu ,verurteilen ist. Der Redakteur der >Arbeiter-Sportzeitung« erhielt Drohbriefe, die ihm die Zufügung von (schweren körperlichen Schäden zurieherten, wenn er teeine Angriffe nicht unterlasse. Man glaubt sich förmlich in die Zeit des Faustrechts zurückversetzt, da an Stelle der Argumente heimtückische und infame Bruta- BüLten treten sollen. Auf den Sportplätzen hat der Mob schon so manchesmal Terror ausgeübt. Nun will er anscheinend auch das freie Wort knebeln. Derartige Uebeltäter gehören ins Land'esgeridit, Wirkliche Sport* Ieute, wie die Mitglieder des Sportklubs'Raipidi, werden mit diesen Parasiten des Sports nichts zu tun haben wollen. * Warum stehen wir abseits? Die Gemeinde Wien bat wieder einen größeren Betrag, der ihr von ^den sportlichen Veranstaltungen zugeüossen ist, dem Sport zugeführt. V. A- S- und Schutzverband haben Gelder bekommen, nur dip Klubs des jüdischen Verbandes sind leer ausgegangen: Die jüdischen Vereine führen ebenfalls die auferlegten Steuern ab. Demgemäß haben sie das Recht, einen'Teil der Subventionen zu erhallten»; Der Jüdische Sportverband möge es sich angelegen sein lassen,.daß seinen Mitgliedern1diese Beträge nicht ver- •lorengehen! , , * Die Amerika-Fahrer. -Der Rühm eines Columbus läßt die Ungarn nicht ruhen.-Sie wollen es dem Spanier gleichtun, und so beschlossen sie, daß die Auswahlmannschaft mehrere Spiele auf der neuen Erde austragen solle.. Mit dieser Entscheidung sind nun einige Vereine nicht einverstanden, da sie befürchten, daß ihre Spieler nicht mehr zurückkehren werden. Die Bedenken scheinen jetzt wieder zerstreut worden zu sein, so daß die Fahrt doch zustande kommen soll. Wir erfahren über den Plan folgendes aus Budapest: -Einige ungarische Vereine entfalteten eine starke Agitation gegen die geplante Amerika-Tour, mit der Begründung, daß die besten Spieler nicht mehr zurüdkkehren würden. Abgesehen davon, daß die sonstigen Reisen zumindest zu den gleichen Befürchtungen berechtigen, ist in diesem Falle jedes Bedenken -sinnlos. Wie der Berichterstatter des -A-z IJ'jsag« erfuhr, sind strenge Bestimmungen in Amerika, die dahin gehen, daß alle, Spieler gemeinsam in Amerika ankorrtmen und wieder gemeinsam Amerika verlassen müssen. Zurückbleibende würden zwangsweise deportiert werden. Die materiellen Bedenken sind ebenfalls nicht am Platze. Der Verband der Ungarn im Ausland ermöglicht der Mannschaft eine vollständig freie Fahrt. Für die freie Verpflegung würden die ungarischen . Sportvereine von Cleveland, Milwauked, New York, New Brunswick, Philadelphia und Youngstown Sorge tragen. . Es ist für die Stimmung der amerikanischen Ungarn bezeichnend, daß zum > Beispiel Stephan Mayer, der eine große Farm besitzt, die Maimsch’a'fit auf einige Tage zur Erholung einlud. Ein großer Ehrenpreis soll von den Ungarn in Amerika bereits gestiftet worden sein. Alle Anzeichen sprechen »dafür, daß die Fahrt nun doch zustande kommt.« Vederemo! Wir werden sehen, sagt »der Italiener. * Hinter Mauern! Die jüdischen Sportvereine sind fest in ganz Europa von den Sportbehörden bereits anerkannt u»nd aufgenommen worden. Nur einzelne Unterverbände des Deutschen Fußbalibundes bilden eine unrühmliche Ausnahme. Wir wollen nicht diese Körper-* schäften -a-nführen, um den jüdischen Vereinen nicht zti schaden. Wir geben erstere« aber den Rat, sich Brillen anzuschaffen, damit ihr Gesichtskreis größer wird. Mit; verstaubten Verb'andssatzungen kann man eine mächtige Bewegung, die gleich einer kraftvollen Lawine von Osten nach Westen niedergeht, nicht auf halten. Die deutschen Unterverbände können die Entwicklung den jüdischen Vereine' nicht untergraben, sondern nur. hemmen. Fritz Baar, ' Der Wiener Sport und die Juden. Aus der Entwicklungsgeschichte. Wenn qs auch früher nicht gerade zu den Selten* beiten gehörte,. daß Juden Sport betrieben, so traten sie dennoch höchst selten als Juden auf. Es gab bereits vor Jahrzehnten in Wien jüdische Sportleute, die man an ihren Namen erkannte. Diese Sportleute waren gute luden, die aus Ihrem Glauben kein Geheimnis machten. Die Pioniere der jüdischen Leibesübung haben an der Entwicklung des österreichischen Sports bedeutenden Anteil. An erster Stelle soll der verstorbene-Baron Nataniel Rothschild genannt werden, der ein tüchtiger Eiskunstläufer und Rollschuhläufer war. Er Heß es sich viel kosten, um den' phänomenalen amerikanischen Eisläufer Jackson Haines kommen zu lassen, der den Grundstein zur heutigen berühmten Wiener Kunstlaufschule legte. Baron Rothschild kann mit Recht auch als Pionier des Fußballsports bezeichnet werden. Wenn er auch selbst diese Disziplin nicht pflegte, so waren es seine Angestellten, die dank seiner tatkräftigen Unterstützung vor mehr als 25 fahren die Vienna gründeten. Was die Vienna für den Wiener Fußballsport bedeutete, ist wohl allgemein bekannt. An der Spitze / der Döblinger stand wieder ein Jude, der verstorbene Georg Fuchs, der mit Franz Jolli die Geschälte führte. Der Tätigkeit des Georg Fuchs war es zu danken, daß» einige Mitglieder des Deutschösterreichischen Turnvereins für den Fußbällsport gewonnen wurden. Die Turner dieses Vereins waren fast ausschließlich Juden. Letztere widmeten sich mit Feuereifer dem Fußballspiel. Neben dem Spielführer Rosenfeld (Roland), der übrigens der erste Jude war, der im Wiener Team im Jahre 1899 gegen Oxford spielte, waren noch die Spieler Popper, Steinhardt, Sonnenschein, Sohr, Stöhr, Prager und Albala Juden. Zur damaligen Zeit leistete sich ein antisemitisches Wiener- Tagblatt einen Wettspielbericht, in dem unter anderem folgendes wörtlich zu lesen war: „Der Jude Sohr rempelte auf die unverschämteste Weise.“ ' Unter den späteren Spielern waren zahlreiche luden, die sich besonders auszeichneten. Wir erwähnen nur Dtinnemann, Reich,' Wolf, Großmann, Kohn, Prager und viele andere. Die Tätigkeit der Hakoah, die im Jahre 1909 gegründet wurde, ist allgemein bekannt. Aber nicht nur im Fußballsport haben die Juden werktätig mitgeholfen, sondern auch in allen anderen Sportzweigen. Das Schwimmen zählte viele Juden zu seinen hervorragendsten Vertretern. Als vor ungefähr 30 Jahren der große Lueger-Rummel in Wien einsetzte, glaubten sich auch einige arische Mitglieder des Amateur-Schwlmmkluba verpflichtet, den Antisemitismus in das Klublcben bringen zu müssen. Die Folge davon war die Spaltung des Vereins und die Gründung de$r Schwimmklubs Austria, der heute eine Sektion der Amateure ist. Die Schwimmer der Austria «ft-