Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1120 (12.3.1922)
- Date
- 1922-03-12
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1120 Wien, Sonntag_WIENER MORGENZEITUNG oft eine Vernachlässigung der körperlichen zur Folge und damit Verweichlichung und Krankheit. Mehrstündige oder gjjr mehrtägige Schachwettkämpfe stellen aber an. den Körper ganz bedeutende Anforderungen und die Schachgeschichte weiß unzählige Male zu berichten, daß der geistig überlegene Spieler dem körperlich robusteren Gegner den Sieg überlassen mußte. Auch von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet war die Leistung des nunmehr 55jährigen Dr. Lasker — er spielte von 7 Uhr abends bis 5 Uhr früh — bewundernswert, und diese seine großartige körperliche Konstitution erklärt nicht in letzter Linie seine unvergleichlichen Erfolge. Das Schachspiel fördert in hohem Grade eine systematische Bildung des Geistes. Es erfordert eine absolut logische Denkungsweise, geistige Konzentration, Geduld, Ausdauer und Energie. Jeder Sportzweig verlangt ditzse Eigenschaften in mehr oder minder hohem Maße und jeder Sportler weiß, daß er nur dann zur vollen Leistungsfähigkeit auflaufen kann, wenn sein Geist den Körper beherrscht . Man sieht, wir bewegen uns in einem Kreislauf. Die Gebiete Geist und Körper sind letzten Endes nicht separat zu behandeln, sie greifen ineinander, sind voneinander abhängig und ergänzen sich. „Sport“ als Mittel zur systematischen Körperausbildung, „Schach“ als solches des systematischen Geistestrainings sollen uns vereint, in harmonischer Anwendung, die Möglichkeit bieten, das zu schaffen, was wir erstreben: „Vollwertige Menschen0. Ernst Wahle. Generalversammlung des Oesterreichischen Schachverbandes. In der am 26. Februar stattgehabten Generalversammlung wurde Herr Professor ICreijcik einstimmig zürn Obmann wiedergewählt. Erster Obmannstellvertreter wurde Herr Zimmermann (Arbeiter- Schachklub), zweiter Obmannstellvertreter Herr Ingenieur R. Wahle (Hakoah). Ferner wurden in den Ausschuß gewählt die Herren: .W e i ß m a n n (Arbeiter-Schachklub), Tauber (Donaustadt), B enesch (D. S. V.), Oervenka (Südost), Dr. Mense (Schlechter), A. W e i ß (Landstr.), J. S t r i t z (Simmering), Hofrat Thiel (Klosterneuburg), Dr. W i c k h o f f (Gern. Ang.). Von der Wiederwahl des Herrn Gottlieb zum zweiten Obmann* stellvertreter mußte mit Rücksicht darauf, daß derselbe innerhalb unserer Sektion mit Arbeit überbürdet ist, abgesehen werden. Fünferkomitee. Zum Vorsitzenden wurde wiedergewählt: Herr Professor Hell (Klosterneuburg), zu dessen Stellvertreter Herr 8. R. Wolf (Landstraße). Ferner wurden gewählt die Herren: Dr. Thanhofer (D. 8. V.), K n o t h (Arbeiter), Jungwirth (Hakoah, an Stelle des Herrn Pörtl von Südost). Meisterschaft. Landstraßer Schachbund—Schlechter: 9:4 + 2 H. D. S. V.—Süd-Ost : Der D. S. V. ist in der Führung. Wir bringen das Resultat nach Austragung der Hängepartien. Notizen: Takacs (H), der, wie berichtet, Mittwoch den 1« d. M. gegen 22 Gegner simultan spielte (Resultat: 21 gewonnen, 1 verloren), vollbrachte eine besondere Leistung, indem er den Wettkampf in 2’/- Stunden zu Ende führte. Im Landstraßer Schachbund, Cafe Staudigl, ist gegenwärtig ein großes Ausscheidungsturnier im Gange, an dem die stärksten Spieler der meisten Wiener Vereine beteiligt sind. Nach den spannenden Kämpfen der ersten beiden Runden zu schließen, dürfte das Turnier einen interessanten Verlauf nehmen, über welchen wir noch berichten werden. Spieltage: Montag, Mittwoch, Freitag, Samstag. Zuschriften sind zu richten an die Schachsektion des Sportklub Hakoah, I., Wiesingerstraße 9. Schriftleitung: A. Gottlieb. Bankhaus M. ROHATYN Wien, 1. BezS k, Maria Thereslen-StraQe 10 Telephons 20-3»B3 und 15-6-04 Kulante Durchführung sämtlicher Bank-Transaktionen. — fin- und Verkauf von Effekten, Devisen und Valuten 424 Volkswirt. Gestempelte Krone *-.07 Centimes. Auszahlung Wien —.07 Centimes. Bedeutende Besserung der tschechischen Krone. In Zürich notierte: die österreichische Krone die österr. gest. Krone . . die tschechische Krone. . die Mark.. Agram . . . . . . . . Bukarest . . . . . . . Budapest . *. Warschau. . ... —.07 (-.07 am 10. März) -.07 (-07-/. am 10. März) 8.75 ( 8.37 am 10. März) 2.01 ( 2.07 am 10. März) 1.80 ( 1.80 am 10. März) (-- am 10. März) —.65 (-.66 am 10. März) -.12 (-.12 am 10. März) Finanzielle Rundschau. Das hat sich der Oesterreicher so wenig wie der Valuten Spekulant vorgestellt, daß er'nach der so glücklich abgeschlossenen ersten Phase der I<re* ditaktion den Dollar auf dem Stande von Socio und darüber Wiedersehen werde. Wenn der Dollar steigt, so zieht er alle anderen fremden Zahlungsmittel mit sich hinauf und es beginnt die Flut der Preissteigerungen auf allen Warenmärkten, die Unruhe wegen der drohenden Erschwerung der lieben shaltung nimmt zu und ruft Angstkäufe hervor, djf die Situation, weiter verschärfen. Der Dollar hielt sich nur'kurze Zeit auf der Höhe von Sooo, aber'auch ein Stand von 7575 —- dies die letzte offizielle Notierung— bedeutet kein günstiges Prognostikon für die weitere Entwicklung der. Dinge uind ist geeignet, den so sehr herbei gesehnten Abbau des Personalaufwands in Frage zu stellen. Schon hat sich die Notwendigkeit ergeben, den Brofcpreis auf K 524. zu erhöhen, schon beginnen die aus dem Ausland eingeführten Artikel, hvie Zucker, Kondensmilch und Kohle, wieder die auf steigende Richtung ein Zuschlägen"und da der Brot- und Mehrpreis stets richtunggebend ist für alle anderen Preise sowie für den Stand der Löhne und Gehälter, so droht wieder eine Entwertung der Krone, die die Wirkungen der Pfundkredite zunichte machen muß. Ob man. von so lohen Wirkungen sprechen darf, das ist allerdings eine andere Frage. Gewiß, die zwei Millionen Pfund, die uns England zugesagt, und die 52 Millionen tschechischen fronen, die uns die Tschecho-Slowakei als erste Abschlagszahlung 12. März 1922 Seite 1! ■ ■■ I II ■ — I . -I.—I — ■ .. 1) auf - die 500 Millionen tschechischer Kronen vefn heißen hat, sind unverrückbare Tatsachen. De« tsdiecho-slowaikischen Kredit haben wir ~ um sei sicherer, als die noch strittige Rentenfrage gelöst ist und damit die letzten Schwierigkeiten, die sich’ einer Bereitstellung dieser Mittel entgegenstelltent, beseitigt sind. Diese Tatsachen wurden vom Finanz* markt, noch bevor Bundeskanzler Schober ' sein Expose über, die Verwendung der Kredite und über) die Art, wie wir nun künftig unser Leben einrichtcri wollen, gehalten hat, so gewürdigt, wie sie es verdienten: Die Valutenkurse gingen langsam aber! stetig zurück, die kommerziellen Kreise hielten in. Erwartung weiterer Ermäßigungen, mit ihren An*. Schaffungen zurück und die Börse geriet in eine Stagnation, wie wenn die Zeit für das Einbeims'en von spekulativen Gewinnen endgültig vorüber gewesen wäre. Nun mußte man sich, wenn diese Zeit wirklich gekommen wäre, auf eine Um* gestajtung der Wirtschaft auf der Basis intensiver! Arbeit und sparsamer Haushaltung mit jeder Paipierikrone gefaßt machen, mußte seinen Scharfsinn an-, strengen, wie man die Produktion steigern könnte, um im. Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz zu bestehen.. Die Rettung schien, nur in eines Einstellung auf die Massenerzeügung von Gütern! gelegen, die allein durch Verbilligung der Preise den Konsum beleben, durch große Umsätze Gewinns ermöglichen und dem so lange stiilstehenden Kap!* talisierungspr-ozeß neue Impulse gewähren kann. Zwar konnten alle diese Hoffnungen nicht so schnell reifen, aber die ganze Stimmung der Bevölkerung und der Wirtschaftskreise war eine solche, wie wenn auf die Periode der Inflation nach der Upbergangs* phase einer Stabilisierung des Banknoitenumlaufä däs Zeitalter der Deflation kommen sollte. Allel liese Ansätze sind nun auf einmal verschwunden} Die Haussebewegung auf den Märkten! macht den Einduruck, als ob niemals von Krediten die Rede gewesen wäre oder vielmehr, als öb davon! nur gesprochen worden wäre, ohne daß solche RedestN irgendeine reale Unterlage gehabt hätten.. Ist dieser Eindruck falsch? Die zwei Millioneßl Pfund sind allerdings vorhanden und können jederzeit im Dienste der österreichischen Valuta. Verwendung finden. Können! Was nützen die Kredite, wenn sie nicht nutzbar gemacht werden, was nürzt’ der eiserne Valutafonds, wenn seine Energien ruhen Z Sie ruhen aber, weil der englische Kontrollor Mistes Ycu.ng die Verwendung der zwei Millionen Pfund nicht zuläßt, solange die Zerfahrenheit ira politischen Leben eine solche, ist, daß die Parteien! eine schleichende Regierungskrise wegen nichtiger, Personal fragen nicht lösen, so lange sie nicht imstande sind, ein wirksames Organ zu schaffen, da» die Oesterreich vom Ausland vorgestreckten Mittel zur Wiederaufrichtutng seines' Wintschaftslöbens und seiner Währung handhaben kann. So viel ist, ehe die Kredite erfleht wurden, roa dem Willen zur Selbsthilfe gesprochen worden, von dem Eindruck, den ein einiges Oesterreich auf das Ausland machen muß, um dieses zur Oeffmung def geizig geschlossenen Hand; zu bestimmen — diy Regierungskrise, der Streit um den Kopf Schobers oder Gürtlers, sie wären das unglücklichste Präludium für die Valutaregulierung, bei der uns das Allgemein® Denoslteralhasik WM« Wien, I-, Schottengasse Nr. 1 MM MI Aktienkapital und Reserven: K 675,000.000 Bank-u. Wechslerhaus SchwarzenbergfsSatz, Wien,!.*IU»l!ewratrlng14 Wechselstuben s I. Teinfaltstraße 2 I. Roten turmstraße 29 I. Frans Josefs-Kai 37 II. Taborstraße 7 11. Heinestraße 34 TU. Hauptstraße 10 IV. Suttnerplatz 2 TV. Wiedner Gürtel 10 V.Reinprechtsdorferstr. 2 XIV. Sparkasseplatz 1 Filialen: VII. Mariahilferstr. 74b XIV. Mariahilferstr. 196 Baden bei Wien, Bad Ischl, Bregenz, VII. Neubaiigasse 44 . XVII. Ottakringerstr. 84 Czernowitz, Graz, Innsbruck, Knlttel- VIH. Josefstädterstraße 64 XVIII. Währfngerstraßs84 feld,Leoben,Linz,Mödling,Neunkirchen X. Favoritenstraße 103 XXL Hauptstraße 45 Ried, Salzburg, Steyr, St.Pölten,Villach, XL Hauptstraße 50 Exposltursn: Vöcklabruck, Wels, Wiener-Neustadt» XII. Koppreitergaise 2 Badgastein * .. XIII. Hauptstraße 3 Lambach Besorgt sämtliche Bankgeschäfte und XIII. Breitenseerstraße 8 St. Johann im Pongau industrielle Transaktionen. 2003 t Fortsetzung, Von meinem Großvater. Von Leopold Kompert. ' Eit hatte noch mehlt geendigt. Dais bisher desaigte (bedurfte eines lebendigen BeiispiClts.' Die Auslegung des Salomciuiischietn. Spruches schwebte in dier Luft, wenn er iiur nticlht einig feste Stütze gafb. Diese fatud er in eiinem GesdifchtdHeiri, -wie es die 'tiaiuteindjärige Uebeirliiefeuuinig im aller Lebetnidiigkeit enmets wahmh-aftem Gesichehmiisises aurfbewailurt hat. »Die Tochter des reichem Katllba Sefbuia,« ertrfihlifce etr, »iiwdies'sen Haiti; es so hoch h erging, dhß, iwqr hungrig wie ein Humid es betrat, es gesättigt wieder verließ, batte umiher den Hirten. Jhtnes Vaters eiiraen Jünghmg bemerkt, der ihrem ,Au>geh Wohilgefid. Er weidete mur diie Schafe,' db.erauf «einer Stirne leuchtete. ein Abglan.z höherer Begabung, -der vielleicht nur ihr erficemmlboir war.- Eines Tages rief sie ihm zu sich. ' ,Tch wende dein “Weib/ sagte sie zu ihm, vLibsr mur utnter einer Bedthiguing. D.u mußt mach Suina aiuf die liehe Schüße und dort sieben Jiaihre verbleiben. Ich will deiner hamrem, wie es eimem treuem Weibe ziiermt.’ Da sagte er; ,Ich gehe maich Suira und bleibe dornt sichern Jahr/ tm»d, hierauf mahnn er einen Riimg und sitedkte iHitn atn ihren Fitng^r und «tagte zu ihr: .Siehe, diu hist-mir srngeinaiuit.'- Er wamdorte nach Suira, aber ailis Kiriiba Sabua nach' einiger Zeit vemniahm, surnc Todhlber sei die Frau seines Schäfers gewordcmi, . geiricrt . eir. im, hieftiigem Zern und1 enterbte sie; , sje aber trug ihr Letiid im 'Stolzer Ergebenheit; sie miumrbe miklhlt, denn ihr Simm fitamd ,<niach eimem Felde, dia*s eimisit .ihr eigen seiin sollte'. Im siebentem Jahr Erhielt sie yon ihrem Mama einen Brief, darin hieß es: ,Meine Zeit iist um,, soll! iah heimkehrem?* Darauf schrieb sie »Bledibe noch «leben Jare auf der Schule, ich will! deiner hasrrem, wie es eimem treuen Weibe geziemt.’ Und eitnes Tages, cs war das vierzehnte Jahr um, erfüllte »hlmeKiee Vr.4k die Straßen dier Stacfib. . Aloiba, dei;. igrößte Gelehrte seiner Zeit, war eimgCkiehrt; niiclit; weniger ailis zwö’ffeaius'emd Schüler bildeten seim Ge folge. Des 'W'eges dlafier. katm ein Weib, diats warf sich ihm weinendzu Füßem und küßte den Stiau/b ■ siöiinex Füße- Er aber Hob sie liebreich auf und küßte sie vor allem Volke. . Al>s ihm die Schüler; diatndb - zur Rede stellten., sagte er: ,Das Ist mein; Weib! Und wemm sie nicht gewesen, wäre ich . nicht, euier Lehrer : und ihr nicht meinte Schüler i* Als Kaflfoa Sehuia vennaihmi, wer sein Scfhwiiegerscflitn sei, setizte erihm in dien Besiltiz aller seiner ‘ Reichtümer, und der Schäfer von ehediem wand nun der reichste Mann iim gatntzem Lande.« »Soll ich liebem und gesund sein,« rief, der Haushietn, oaichidiem der junge Riaibbrmeir geenidet, »wenn ich mchit alle Reiichitümier der. Weilt hingebe, um von euch, mein lieber Gast, mur einmal iin der -Woche so etwa; Schönes z<u hören. N'uir um eins ist scthiadie, großer Schadie!« »Und dias wäre?« fragte dier freimdie Gaist, filiejf bewegt von dc:r Ergriffenheit scincts Kosthermn. »Daß,ihr nicht unser Räfcbiimer geworden seid! Ihr hättet dazu vielleicht 'basi er gepaßt ailis deir andere, d'er auf sich wairtien läßt.« Ein flüchtiges Lächeln glatt über das Angesicht des Gaisittes. er senkte die Augen- Alis er wi-eder aiuf-, blickte, fielet sie auf da»; Mädchen, das ihim gegenübensaß. Niemals glaubte er, et was Schöneres gesehen zu halben; ihr Antlitz sttirafilte und Iieuiö’.ibetp; /ihre ganze Seele schien dodb zu wcihniem. Dann stand aiie rasch auf. »Jetzt, Deborah!« rief. Leiter Kollin, »brrnge deine Fische!« Noch in einer späten, sehr späten Zeit, und . was das bedeuten will, werden nur diejenigen' wissen, die dein achtundachtzigjährigem Greis kannten, erzählte der Großvater die Szene, die sich nun ereignete. - Deborah trug die Schüssel, worauf die Fische lagen. Sie stellte sie gerade vor ihren Vater hin; doch ehe die-ser noch susreifen konnte* hatte sie den Teller des jungen Rabbiners mit eimeir heftigem und dabei doch anmutigen Bewegung ergriffen, und darauf das größte und gewaltigste Stück, das Kopfstück des im der Pfeffertunke schwimmendem Karpfen, geschoben! Worin die Größe dieser Tat,lag? Lieber Leserl Wepn du so fragst, so verrätst du eine gefährliche! Unwissenheit in dergleichen Angelegenheiten. Das Kopfstück des Karpfen wird als .eine Art Huldi* gung betrachtet, womit man dem vornehmstem den Gäste am Tische Ehre an tut. Das ist aber in erster1 Linie der Hausvater selbst; das Kopfstück ist sein Anteil, der Tribut, den man .seinem' Ansehen schuldet, und wenn-es an einen anderen, abgetreten/ wird, so wird damit nur eingeräumt, daß noch ein Höherer sich am Tische befindet, dem eiihe gleiche’ Huldigung gebührt. Diese Regel wurde in »altern« Zeiten wie ein unverbrüchliches 'Gesetz gehalten» Darum auch schrie Leser Kolli ns Frau, als sio diese Mißachtung eines gegen alle'Sitte und Schicklichkeit: verstoßenden Brauches gewahrte, mehr er*, sehrocken als zornig: »Deborah! Was stellst du an? Das gehört jaf für deinen Vater!«/ . Das Mädchen richtete sich aber, hoch un-ä hoher auf und war.gar lieblich anzusehen, wie sie neben dem Stuhle des jungen Rabbiners stand, und noch lieblicher »klang die Antwort, die sie, flam* mendrot im Angesicht, der Mutter gab.' - »Mutter,« rief sie, »ich weiß, was ich tue. ist mir nichts anderes eingefallen, womit ich deri Gast ehren könnte, für sein feines Wort!« Darauf ward es mäuschenstill in der Stube} dann rief Leser Kollin, wahrend das sündigste. Lachen seine Züge überstrahlte: .»Recht hast du gehabt, Deborah, mein Kindl Du brauchst dich dafür nicht zu entschuldigen. Dit sollst gesegnet sein vor allen meinen Kindern!« Was der fremde Ga-st tat? (Schluß folgt)