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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-12 · Heft 1120 (12.3.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1120 (12.3.1922)
Date
1922-03-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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15 NrittgÖ_Wien, Sonntag zionistische. a>ra b i®cih e Bewegung durch die. auch von. der A g u d a h-Vertretüng in Palästina herauisgefonderleHal-twingNorthcliffes eine starke Aufmunterung erfahren. Die Pamaraber treten seitdem immer offener mit ihren wahren. Plänen hervor. So schreibt das offizielle Organ des moslemitisch-c h r i s 11 i ch e n; Kongresses und der arabischen Delegation, »El sab ah«, in einem »Wir und die Engländer« betitelten Leitartikel ganz eindeutig, daß,das wirkliche Ziel der antizi-onistischen Nationalisten die Errichtung eines großen arabis c h e n F ö d e r a t i v s t a a t e s sei, welcher alle jLartder des mittleren Ostens einschließlich Palästinas umfassen soll. Das Blatt sagt wörtlich: »Wir sollten vor niemandem verbergen, was unser' Herz an strebt und vor jedem offen erklären, daß wir Air aber die Errichtung eines arabischen Staates, der Sinter seiner Fahne den. H e d d j a s, Jemen, N aa d, . M e is o p o t a m i e n und S y -r i e m, dem P all ä s t in a als Teil angehört, wünschen und mit/ lallen Mitteln erstreben. Das ist -unser Ziel und das , ist das (politische Programm der Araber. von0 (welchem sie nicht abkommen werden, so lange Himmed und Erde existiert.« . Eine Desavouierung Sir Samuels. Wie wir berichteten, (hat, der Oberkommissär hon Palästina, Sir Stuart Samuel, ein Mitglied des Economic Board, for Palestine, jungst in der »Daily Mail«, dem lautesten Organ, des Northcliffe- Konzeiras, ein Interview veröffentlicht, welches sich als eine peinliche Attacke auf die zionistische Arbeit darstellte und allgemeines Mißfallen erweckt hat. Sir Stuart Samuel hat sich daraufhin beeilt, das (Interview richtig zu stellen, mußte sich jedoch eine öffentliche Zurückweisung durch das Mitglied der zionistischen Exekutive Joseph Cowen gefallen Tassen. Ueberdies hat sich aber der Economic Board .veranlaßt gesehen, selbst in die ■Oeffentlichkeit zu gehe® und für die zionistische Arbeit ein-züstehem. Kürzlich hat der Präsident des Economic Board for Palestine, Minister Alfred M o n d, eine —hier wiedergegebene — öffentliche Rede gehalten, in welcher er sich energisch gegen jene wandte, welche' die Balfour-Deklaration in ihrer Geltung herabzusetzen wünschten- und nunmehr hat das Exekutivkomitee des Economic Board den nachfolgenden Beschluß gefaßt: >Nachdem der Economic Board for Palestine auf das Interview mit Sir Stuart Sam-uel aufmerksam gemacht worden ist, das in der »Daily Mail* vom i8. Februar veröffentlicht war und nachdem ein Brief - beraten worden ist, den Sir Stuart Samuel an den Präsidenten des Economic Board for Palestine gerichtet, hat, mit der Erklärung, daß. seine Bemerkungen vollständig entstellt worden sind, und mit dem Hinweis auf sein Dementi in. der »Daily Mail’ vom 21. Februar wird beschlossen: Daß der Economic Board for Palestine. der gebildet. wordenist, um die wirtschaftliche'. Entwicklung dieses Landes, in Verbindung, mit .allen anderen Körperschaften, die dieses Ziel im Auge -haben, zu fördern und der; stets die freundschaftlichsten, Be- , Ziehungen zu der* zionistisch en Organisation, die in ' seinem Exekutivkomitee offiziell vertreten ist, aufrechterhalten hat, dem Wunsche .Ausdruck gibt, alle und jegliche Verbindung mit den Erklärungen, die > Sir Stuart Samuel in' dem obenerwähnten Interview zugeschrieben werden, abzulehnen, da sie in keiner Weise die Meinung des! Economic Board for Palestine zum Ausdruck bringen; und.es wird ferner beschlossen, daß der Economic Board for Palestine seine hohe Wertschätzung der Dienste, die die zionistische Organisation bei der Förderung der WiederhersteHung von Palästina geleistet hat, ganz formell feststellt und kundgibt.« - . Diese. Erklärung, welche (von einer Körperschaft kommt, der Sir Stuart Samuel selbst angehö-rt, desavouiert in deutlicher Weise eine Gruppe von zionistischen Kritikern, welche den Ecönomic Boatrd gegen die zionistische Organisation airsspielen zu können glaubten. Der Misrachi, als dessen (Mitglied. S-tuart Samuel auf getreten ist, hat bereits in seinem Protest gegen die Treibereien gewisser jüdischer Kreise seinen Standpunkt klar präzisiert Masaryk und der Zionismus. ^on Franz Friedmann, Prag. Es ist begreiflich, daß sich Masaryk als, Historiker. und Ethiker auch mit dem Studium der verschiedenen Strömungen im Judentum befaßt hat. Stets äußerte er seine besonderen Sympathien für die zionistische Bewegung. Zum ersten Male er-* wähnt er sie in seinem Buche über Marx, wo er sagt: »Marx erklärt an einer Stelle sehr schön gegen Bauer, daß der Jude, wem er die Nichtigkeit seines .praktischen Wesents'einsieht und es zu überwinden sucht, für die alkueinschliche Emanzipation arbeitet. Ein- Stück dieser Reformer b e i t seh ei ch im Z i on is m u s. Ich meine darunter nicht die Auswanderung na-ch Palästina. Die Juden können ruhig -bleiben, wo sie sind/sie müssen aber begreifen, daß ihr moralischer Zustand Reformbedürftig ist. Die Ausreden auf die Christen genügen nicht — das ist nur eine Ausrede — den heutigen Juden mangelt es an der Selbsterkenntnis der Propheten, es hält sie jener eigentümliche Obijdktivismu« gefangen, der auch Marx’ nationale Mitgift war. Aus Furöht vor der Majorität wagen die WIENER MORGENZEITUNCS 12. März 192t_ Seite 3 j Schekelaufruf. Die Exekutive der zionistischen Organisation hat folgenden Aufruf an die Zionisten erlassen. Die zionistischen Verbände und alle jüdischen Zeitungen werden ersucht,; diesem' Aufruf die möglichst« Verbreitung zu geben. An alle Zionisten! Die Sc h eike 1 a k t ionfür das Jahr 56821 hat (Segönnen! Wie alljährlich» richten wir an unsere Gesinnungsgenossen in allen Ländern den Appell, mit aller Energie am die Verbreitung der Sch-ekolim hetanzutröten. Der Schekel. ist das Symbol der Einheit unserer Weltorganisation, er ist das Bekenntnis jedes einzelnen zum Zionismus, er ist. das D o k -umen t, welches zur Teilnahme am den Wahlen für den Kongreß und zur Entsendung-von Delegierten zur Jahreskonferenz berechtigt. Der Schekel bildet die Hauptemnaibmequelle der zionistischen Weltorganisation für ihre administrativen, organisatorischen und politischen Aufgabe^. An der- Zahl der Schekolim/die wir aufbringen, ermißt die ganz« jüdische wie nichtjüdische Welt die Stärke und die Ausbreitung, unserer Bewegung. Aus kleinen Anfängen haben wir es im Vorjahr auf 800.000 Schekel gebracht. Wir müssen in diesem Ja*hfe der; auf horchenden Welt, unseren, Freunden und unseren Gegnern zeigen,, daß die Zahl der Juden, welche die Wiederaufrichtung unseres nationalen Heimes in Palästina wollen, wiederum gewachsen ist. Die ers t e M i 11' i d n S c ll e k e 1 z a h T e % muß in diesem Jahre üb er sLh ritte n werdenj •Die Existenz unserer Organisation, das An-! sehen unseres Kongresses, die (politische Kraflj unserer Bewegung hängen von der Zahl der -Schekel^ zahler ab.; Bedarf es einer wetteren Begründung, um alte# Zionisten einzuprägen, daß es ihre allererste " umdß selbstverständliche Pflicht ist, den Schekel zu ent«? richten? Bedarf es weiterer Worte, um allen zio* n-istischen Führern', die unsere Lage, genau kennend allen Vorständen unserer Landes- und Sonderver!* bände deutlichzumachen, daß sie die ernsteste V,er-i pflicfhtung haben, die Schekelaktioti in jedem Jahre immer wieder zu einem großen Erfolg des zi-oniati/ sehen.'Gedankens zugestalten? So ergebt jetzt wiederum unser Ruf an d!H treuen Scharen unserer bewährten Gesinnungs«? genossen in der ganzen Welt: Sammelt d e u Schekel! .Werbet neue Schekelzah* lerj Führet der Bewegung neue! Kräfte z u 1 An alle Juden, die die Verwirklichung), des Zionismus wollen, ergeht die Aufforderung: Entrichtet den Schekel! London, Februar 1922. v Der Präsident der Zionistischen Organisation, Ch. Weitzmann. " Die Exekutive der Zionistischen Organisation Organisationsdepartement R. Licht heim. Juden nicht, in ihr eigenes Gewissen zu schauen. Es ' ist wahr, die. Christen sind hier mitschuldig, aber doch nur mitschuldig. Juden -s.ind, das ist heute ihr Fehler, mit sich selbst zuviel, zu. frieden.« Außerdem finden wir in dieser Sozialfrage einen interessanten Standpunkt Masaryk« zu dem verschiedenen in dieser Zeit geltenden Anschauungen über die Juden.: »Marx will in der jüdischem Frage nicht die nationale, die Rassen Seite sehen — und doch ist sie darin enthalten. Die Juden . sind ein eigenes Volk, wenn sie'auch ihre Um ga-ngssipr ache aufgegeben haben, aber die Sprache allein ist nirgends das Merkmal der Nationalität. Die Anlehnung so mancher Juden an den Sozialismus ist begreiflich — sein revolutionärer Charakter sagt sozial und politisch unterdrückten Menschen zu. In Deutschland hat schon Heine - für das Proletariat geschrieben und dessen revolutionären -Sinn gelobt. Lassalle--und dann Marx sind zu den Führern des deutschen u-n-d jetzt bereits des ganzen Sozialismus geworden. Das . ist eine' bewunderns-werte Uebe-reinstimmung. im ^Objektivismus van .beiden Seiten — aber die Lösung der Judenfräge ist der Marxis- . mus nicht. — Im seiner materialistischem Einseitigkeit reduziert/er (Marx) das Judentum auf den Egoismus. Ganz .gewiß kämm man nicht aü:s den Juden etwas wie eih Organ des allgemeinen Geizes, einen qua-sd Blitzableiter alles Geizes machen, au-ch darin liegt nur ein Teil der Wahrheit. — Marx hat recht, daß die Christen (nur bis zu gewissem Maße!) •verjiüdet sind, aber, das ist nickt bloß zu ihrem Schaden, aber auch zu ihrem Vorteil geschehen; die Reformation war bis zu -einem gewissen Maße eine .Rezeption des alten Testaments des Judentums, und', ich wiederhole es, zum Vorteil der modernen Völker. Ich meine selbstverständlich nicht, 'daß man das ganze Judentum rezipieren kämm. Aber es ist so wie mit der Rezeption des römischen Rechtes und der klassischem Kultur. Man soll den notwendigem und guten Teil rezipieren; es handelt «-ich dann nur darum, das alles, das Eigene und das Rezipierte, durch lebendige und’ schöpferische Synthese zu ver- . arbeiten. Darum 'handelt es sich -- und davon sind wir bisher sehr entfernt. Diese Anbeit müssen selbstverständlich Juden wie auch Christen selbst auf sich nehmen. — Marx hat nicht genügend die Eigenschaften der Juden analysiert und.er unterscheidet daher nicht ihre guten Charakterseite» vom den schlechten.. Sein Urteil über die Juden unterscheidet sich nicht viel vom der Verurteilung durch St irrt e,r. Sicher, daß das jüdische Volk nicht nur durch die Schacherer, sondern auch durch Leute, wie Jeremias, Hiob, Spinoza und — Christus charakterisier;. wird.« Ueber den Zionismus schrieb Masaryk eine schönef Abhandlung im da« Buch »Zionisten Verband der thoratreuen Juden Wiens I Heute den 12.d.M. um V310 Uhr vormittags Im Saale des Hotel Continental (EingangTaborstraße) Protestmeeting Tagesordnung: Der Verrat agudistisciier Führer am * jüdischen Volke Redner: Rabbiner FRIE9MANH (Sedagora), J. RADLER-FEIDMANN, Mitglied des Waad-Leuml (Jerusalem) eie Erscheint In Massen I Erscheint In Massen I ■nHMnnnaMiMmaaaeöngm n««aMmuBMBminmiiii ■nui—» um ireriiaaiiieiiamiwiimioasnam——BanOTMawnnL.^ u m d C h-r i s t en-«, von E. K ro-mberger, das inR Jahre 1900 in Leipzig erschienen und' »dem wacke-. -reu Vorkämpfer der Wahrheit im Oesterreich, Herrn; Professor T. G. Masaryk gewidmet«. ist Masaryk! s-eihreibt dort: »Mir ist die zionistische Bewegung durchaus sympathisch. Indem ich «de von dem Leben der Gew gen wart zu begreifen suche, schätze ich am ihr den( Nationalismus, speziell achte ich es sehr, daß deü unterdrückte Jude (die Unterdrückung des Juden* besteht doch, wenn wiraufrichtig sein wollen, -überw all, auch im Westen!) sich für sfein Volkstum nicht! schämt, sofern es sich um die wirtschaftliche Frage der Kolonisation Palästinas handelt, so seihe ich!i» der Auswanderung zahlreicher Juden nur eine» Spezialfall der allgemeinem. .Völkerwanderung dey XIX. Jahrhunderts;, der Gedanke,- das Urheimat«« land zu kolonisieren, ist für 'dem Juden gewiß hahe«j liegend und sehr berechtigt. Sollten einige Kritiker? •recht haben, daß die Kolonisation Palästinas' ini einigen. Stücken verfehlt ist, so .-spricht da« mich« gegen, die Idee und* das Ziel. Ich fasse dem Ziöiniswj mus jedoch vornehmlich moralisch auf; dem denk -kenden, fortgeschrittenen Juden kommt das Mangel« hafte seines Charakters und seiner Weltan schau« un:g zum Bewußtsein; im Zionismus sehe ich, umj ein bekanntes Wort anzuwenden, einem Tropfens Prophete-nöles. Der denkende Jude■ erkennt seime$ Mitschuld an dem Mängeln am der bisherigen Kultur/ arbeit; der denkende Jude will neu geboren werden} und darum muß er vorwärts und weiter him-auf übeij die allgemeinen Män-gell umserer Zivilisation. Da gewi nügt die Aenderumg des lokalem Milieus allein micht^ da handelt es sich um eine Wiedergeburt von. Inmehi heraus, um eine Wiedergeburt, am, der allerdings} auch wir Christen miitarbeitem müssen, als Mit/ sch-uldi.ge. — Wenn ich -nicht -irre, erklären, dies! Zionisten selbst, daß die Kolonisation Palästinas nur für einen gewissem Teil der Juden, als .Hilifis-i mittelbestimmt ist — für diejenigen, die .nicht aus* wandern, bleibt eben die schwierigere Aufgabe., Der klerikale Antisemitismus und -chauvinistische; Naticmailfiisimiuis ist freilich tsoaiialogiisicib und pictBitiisdV blind und vermag in seiner engherzigen Simplizität5 nicht zu 'begreifein, daß die wachsende Komplikation der gesellschaftlichen Organisation ein selbständiges!, bewußtes Judentum nich-t aussohließt, im Gegenteil/ befürwortet.« Von den Schriftstellern hatte Mas-arykj. eine -besondere Vorliebe für Aahad Haiam, »dem Deuker, von dem miam s»eihlr. viel poisditi'tve Bd^hnuintg; schöpfen, kann«, auf den er sehr -oft seine jüdische»! Freunde aufmerksam machte und über den er seibet oft und eingehend geschrieben hatte. So ist eine int Jahre 1905 von ihm erschienene längere Abhandlung .über Achad Haam interessant, in der er besonders! die Worte Achad Haams über das Westjudentum hervorhebt: »Kamm ich diese, meine Brüder, um ihre Rechte beneiden? Nein, und wieder nein! loh 'besitz« zwar keine Rechte, brauche aber auchmeine Seele! nicht herzugeben!« tN-atcfh Kriegsausbruch fühirte ifen die AdbeM für d£ß tsdteohisdie Volk fn die wesitlidhetnumdi ösit-: liehen Ländler, wo er die beislte Gelegenheit hafte, dös Judemitrjim kennen- -zu lernen . Er selbst ertzähflte, daß nichts auf "ihm einen =0 großem Eimdmuidk .aiuisge«., üblt hat wie dlre ikoilcosiaile Miamirfestiaibiofiidies ge-* seimfen Judentums im Kiew, das mclt Begeisterung vor diais Gebäude des engli.idhien Getsamdlhen zog, u.m‘ für die Bai f-aur-D eklainatiicin zu datniken. Einentiefen! Eindruck, den er später, unzählige Maie erwähnte^ maiptibe auf ilhm dtie -aimerikiamlisdhie -zioniäsitiisc/he Arbeit/ die"er während'seine« Aufenthalts im. Amerika girün^ Hdh kennen getonnt hätte. Er verlangt daher auch Abbaupreise Chiffon psr Mtr. K 980 Bettzeug per Mtr. K 1390 Hemdonkraton per Mtr. K 1290 im Warenhaus _ BriSder KUlVflVIäilil Wien, II., Taborstraße 48 Telephon 47-1 »78 6n gros 1074 En detail

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