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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-05 · Heft 1113 (5.3.1922) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1113 (5.3.1922)
Date
1922-03-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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>Seite ~6* Mn, SonniL» TOm 'MORGT^ZEITTmGT Verhungernde jüdische Lehrer. Ein Hilferuf der Lehrer der Baron-Hlrsch-Stiftung. Wiitr enh'P-^tetn von dtar Lelhrarsidh'aft d-sr Bamoin.- Hirsch^StäRiiinig tHe fotlgen.de Zuschrift: »Seit (nahezu. dlrei Jahrem werden* dfo. L-Ätesr weil* B;airoin-HiiaTS.clL^<tiftiutnig vom Kniffiaitfaroiuttn iin. riidk- «i'dhitdoä-ester Weise belhamdidt. Vbr «mehr arte izwianizig Jahren ©inid dße Lehrer mit den bestem ÖToafounigein. m dem Dienst der Stiftung geitoeitieai, klie feiern ein standesgemäßes Diaiseim- «uind eime L\difce-r£ve?nsu’Cihevrting atisidherte, und jetzt werden Stile ' *fee Rüdksrfoht -dem Hungertodie jpreiisgegelfori'. füinßör -dem Vorwamd-, die Öcifeerreiidhfiisdhie Regierung Siäjtste dien Stilönngsfanri-s -mit Besdhilüg (biefegifc, wur- Viein die Schulen geschlossen md d>em Lehrern die . iZiutagen entzogen, «o diaß fern seilt dbim-ailB Ibfoß töc Friedenisgehait-er — «rÄKvL 200 K rooe n; im o 11 bi 11 i cli — aiusgeralhCit wordien.. Die .Lehrerisdnait blaem ofofot feststeslfom, wie weit Jene Angaben auf Weihriseit 'beanlhm, je'diermMtz kii easitdliitfl-i-clhc döß jdas Kuratorium dfo Absra&t bsrd, d&e Sdhiute aind idlie Lehrer kezu; werden. Vor zirida: ekueM-ialb jlafafren wuindi&n die Lehrer, -ckfo en riartsdhSediesneö fortem eine kümmerla-cilie Bescfaäfriguog «udßltm, um ähr Dasein au fristen, '.unter. Andlndhrang der Entrassung zue* Diomstieifsittung eanfeenuf-an., obwohtl man, {wie skib b&Tisuts^tdnte, an .ernte Reaßcfciivieiriutng der Schulen gair nicht gedacht ihteibte. Mam «schinete wohl auf einten Vorwand, um vidile Lehrer ipensfoniform oder cmMais-son zu kömmren, dienern -df$is 'Verlassen ihres Zufluchtsortes uwmogl'idh war, amiscfeKuend Isarie jedoch das Kurator öurn mfoSit -den Mut, seitnie Drohung zu a-esTwurlkliiidlim. Im September vorigem Jahres erging ein« - ähmiliidhie Auf- ’fotrdlenufng an die Lehrer, wobei Ühfri-aneine •Zriage ]Mcn 4000 b i5 6000 p o,Io isehen Ma r'fe in - (Ausskihit gestellt wurde, was tnuihig gediehen skouute, da ms Kuratori-uim sicher war, dteß Höein ■Lehrer um diesen MonartsIcihrn, der' kaumfür Vier Tage reiche si fcmtnite, den ' Dienst süriifähttnea werde. Als jedoch wider Erwarten' der Lehrkörper einer Schufte auch unter diesen'/'XJms-bäntd'-en den Dienst ainfr-alhm, wurden Ühaii aüäerki &dhwi.eni-gikt£dteRj gemacht und die Au6-zalil«h§ jfeiner; a^r-iprcycih-onen Zujlagen erfolgte nicht. I-m Dexenrtflyar vorigen Jahres wurde wieder ein Versuch zn'r tReaÜvtiivieruing d'er Schru-Ten timte-mom-mens und1 zwar {wurden den I/Obrerni Remunerationen bis zu eemer ©d-onatshöht .von 20.000 ipoildiischen Mark in, - Aussicht gestellt, welche von- ■ -dien UnibeirW3ch)teeTfdgen pnd der Frequ-einz der Sdhiuik abhängig gemacht hvurdien. Wie ernst dli-eser Veu»udi zü nehmen .M, ferfeelilft diairatus, daß dien Plian <m einer Zeit aiu-frrarjidhite, Via bereits alle Kin-dier in aöidoran Schiuiten Aüifniafrarhe : gefunden hatten: A.nßesrdem wenden den Scfnrafen, denen es docli gekmigeis ssf, eine enftsipredhesn-dle Kindserainizähil 'niufzuibringten, Befnerznungsuntdc Bä« . oienuingsikosteri wie andere wnteaiiÜbeliirMcihie Brfdfldteifn-iiase verweigert, so diaß an eine enitejpirec/liieniirfe Frequseniz oder an giin-itige 'UnitJenradiiSsarfolge-- nac^t - zu denlken Äst. Wie csnsit es dem Ivunatorkisn mit eeinienpä-d-; •Äjgogiisdhien Absichten ist, beweist der Unis-tanid., dbÖ; es sein Versprecheci, eine «naaahttfte ^eamaäesötaqb Lv jene Lditrer aruszoz^-hlcn, die den U^tiarniscshit aiuf-?uah<men und das ganze Jafa-r leisten, ätsch gegenv über jentan nicht einiliiie'lf.', die sich zu deiser Leiisüliiiäg ha.ttoo verlei-ccn laasen, utnd aiias dientet cbnatn? ‘Schreiben fallen läßt, ärgert sie ingrimmig, .die ÜVäR-e amf dom Briefbogen iut ihr cfaenso ipcinlltiidh .wie ein Tsinltenikledk» atsf dier S'dhönis»cfntre3bü.-b(iang. Dänin muß Josdi2oe. seknan Ijsidtensw-eg gehen. : Fr wind für das geikiebte MädlcLcn ailfs Biräut:igani ' geditmigeiii, d-armilt der Hrrjüs'sclh'n für e-iirüe . Fafcri- ■: S^ntenstod-Jtiör frei wdnd, er gfcndht sie dlurch1 'Hiö* gäbe «and SdflbBftöciscg'foeit -zu gewiiifntcn: und sic gehe ihm doch verteren. Er ist plötzlich resdh geworden iLimd säöferM diöm Mädcfien dte, d'aim-iit de dar Hsaui"- fefdhiu usniuer dien' TraEahim-met ' föhnt. 01j'etsc!h:ka ‘ latidht ihm wähJnemd diesenharten Prüfungen wadker jbei. Sie tet sycili 'vcnpfldchteit, ihn am jic-men' teuren »Bräef fcu eriinfrsenn’, wenn das Herz weih izu arg-wird, fern jenen Bni«ef, den er für döe' Gedifdbßte ea efen Dritten adhlneibein miu-ßtc, dier «fohlt C!bgesai»ibt jvvußidfe und den er sich als Heiligtum mi diefr/BrfuBifc;i^ischi2 (bewahrt. Als Geg-engiaibe hiat iihtr Joadhlke reite Kbrai'en versprochen. Wer ferne Ohirnnhat, fivfod mit Rüihntmg unitiensidhisMöRi, wann Ol^eitecHikte «Hem Fnetsnid camnuft: »Denk an den Brief«, «hd ^»ainn ®ie cs unterläßt, ttratedbim dfo Mahnung Erüiefohtenuing brächte. Vorgänge, Redien, dSe der Kiimdiespsytche mwerisltämd'lidh oder unsinnig er- (sdueinim, läßt säe prompt unbeliebt et, Ja, wenn der liodhgc&diä'fizte Freiuimd acuanufifc, er wöE&e «tobeh jri'itdirigein, kit Oljetdhf-aa eriusstfiiklh böse und-liiest ’ibm dlic Xvetvfoen, statt ihn an dien Brief bui erimn&ini. ’ ■* :-- D©fiir trösiüet sie »hin, wenn er gam/z veidöisi^eTi ist: »Wainbe, bis ich groß bin, dlamn wendlc ichdich i fueiraUjen.« Vergißt aber miidhit an däe ven^prodh/enieti KbralSen!« und jubelt wie ein Vogel im Mänz- Sonn-ensciheiin, wenn ihr sie diefr arme Natrr nieihtig 'einihänidiigit. Freilich merkt i*iie auiclh in tiefster Henzenigpeitri, da sie ihn ©o verstört, 00 nämiiscli Sieht, diaß dieser Jar»dhLe n-icihit m-ebr ihr nensitärnd- «»siniMger Freund feit. A»me Oljeiösdhlka, dfo-se FretcndscSilaft wÜrst Sfer büßen! tch fürcfite um deinen ICimderfnoEiraut 'I— aber idh muß dem Dichter dänScen., daß er ums diese unvergeß Jfohc Begegaiung mit dÜr g*e- Ihpft. iCTt t o A b.e 1C z. ,1 hin, diaß men1 v-ielmdiir düe Lebner aiuf düfe Wedte-e laibsdh-üttdin w.M. Die so. sdhmähllich bebaaKdlditm Ldhhör, deren Hiilfenuifc an das R-u-ratari-ufm bisher twngdhört geblieben isanidi, sehen sich muimmelhir gezwungen., siiöh SIN dtie Oeffentliahßoeit m w-eniden und1 dfo boanpefonten Falktofiseih tum eini EmsdlnreLfon zu bitten, imsbesondtere i&t dfo Frage aiufzuiwcrfen,, wiainuan dais Kiuiraitiorifuini d»er Batrm-Hirscih-Stifltiuinig seit i$T4 beinien! Berickffc über dee. Stand des S ti-ftiuings-vermögehä vetröffenU Iich«. Auch bedarf es der Atttfildlämmig, db dlais yion dm Organen des Kaaraitoißuimis Aiaifcreii'tertie Gerüdhlt vn-n. der Uebergalbe cfiös .Stift!Uingsrv»enraÖganis in der Höbe, m 140 Miilibniea. poGlnäscihiön', .Mairie an dten (pokfotchlm Stiaiat dien-^ Tiäteaicben enit'Spni'dnt •Ifflnd1 öb dieser Beilirag diats . gesaunte Stiftnnngs- •vewnögeni; antsmacbt. Deis Kfinraitonduim muß «fob klar äu-ßodiii, ob eis dfo Schlüßen winkilfolh' roafkibiivieireu will, und, falls diese Afosiicbt (btesit-efhiein sollibe, warum sein Siitz... noch immer im Wien tet und warum den Lebreirn bloß diese Hiiitntgeinremiuinioriaitiäcnenaiutsgezafiillt, dten Sohuimeitern-dfo Naltiuipalllbdhieiiiziang* vor-’ wcige-ild und den HeLiräiisdhfliehireirn gegeenöbor nicht einmal dfo B-esitimmung des nieiuon- Ziirkiufllans eingehafilben wird. Ainch wäre , e« intcnasisiant, zu. wfoiscn, cib '-zn etner Zeit iboiisipfollioiser Tetuietrißng tmd 'Nbt, dia man die Lehrer Hnmgeirts' sterben ließ, atudh den' Angcstd'I.ten des' Kuiiwafcoirtiuims und den Itneipeik-. ■tbran' Öhre Fipieiclenisgöliälitiör ausigezall^t wiurdcn-. ■ Diais Sciliteibeini, d!a»s wir erÜiaJteni, Jat rvoin eömer gämzen Antzabl von Ifobr-enn umdsrfcrt'igt -Niadh den darin enthaltenen Angaben erwädhisit dlem Rujraftionhim <We dcpipelts Pf Fehlt, -umiverzügliiidh d!sn dar Oeffenitfliiichifoiift eo lange vcrenithiailtenien Bemohtt voizntege«. und sich m Anwürfen zu äußann-, welche auf diese Art der Varwafltfuinig von Stiftungsgeildem diaß idtenkbar schlechteste Lidhit werfen -müssten:. Der zionistische Parteirat. Am 26. d. M, fand in den Räumen des miederösforreichischen Gewerb*vere-inis die Tagiung d'or zionistischen 'Parteirates statt. Der Präsident der Organisation, Herr Abgeordneter Ing. S t.r i cJee r, eröffnet die Sitzung, die er a-ls v-ertraul'iidh erklärt, unid’gibf Herrn Dr. L ö w e nhierz das Wort zur Berichterstattung. Dr. Löwenlicrz referiert über die Tätigkeit des Landeskomitees ^seitdem letzten Parteitag. Das Landeskomitee habe in Ausführung der Beschlüsse des Parteitages ein L o k a 1 k o m i t e;e und ein Prövinzkomitee eingesetzt. Da-s Lokalkomitee habe vor allem die Aufgabe, die. Wiener Organisation auszubauen und den Kontakt zwischen dem Landes-Icomitee und den Bezirkseektio-nen herzustellen. Derzeit ist das Lande skomitee mit der Eintreibung der Sc h c.k e l und der Part ei st euer für das laufende Jahr beschäftigt Es wurde ein Fragebogen ausgearbeitet, der allmonatlich, den Baziriks&ektionein zur Ausfüllung übersendet wird, sod-aß das Sekretariat jederzeit in der Lage ist, über' den Stand der einzeimen. Bezirkssektionen informiert zu sein. Besonders ist dfo Tätigkeit dies Kireiisias Oestereiicb dlsr jüdifodhen . T u r 11- und Siport vereine und die Arbeit der Beziirhsttdkrtiiön X/XI hienv-cirzulHieiben.. - Besondere Aufmerksamkeit wurde der Organisierung Jüdischer Fratüeu zugewemdet, und es wurde bereits ein Initiativkomitee eingesetzt, das nun daran geht, die Frauen in den einzelnen Bezirkssektionen zu organisieren. Redner berichtet über die dur-dh. die Sitzung'des Aktionskomitees' epnöglkhJöe Versia«mm'liuingsiprc{pogainidia, - dfo über aus geglückt war. Keineswegs aber wurde die Propaganda im kleinen vernachläßigt und im Verlauf der drei Monate wurden eine große Anzahl kleinerer Versammlungen veranstaltet. I« den letzten Wochen : wurde auch zur-Heranbildung von geschulten Red: Mn ein zicinisti'sches S cmi n ar gegründet, an dem eine entsprechende Anzahl von Hörern und Hörerinnen teil nimmt, . In'Angelegenheit der Clml-uzimfürsorge hat das Land&Skomitec an die Bezirkssektionen ein-en Appell geriditct, sich, an* der Sammdarbeit tätigst zu beteiligen. Das Lokalkomitec ist jetz-t auch daran geschritten, die Wedczeugalfoion dufchzuführem'. r Ing. Strickererstattet einen vertraulichen Bericht über die allgemeine politische Lage in der Monistischen Weltorgardjsa'tion. ..Hierauf wird zur Debatte geschritten, an der. die' Herren Rabinowicz, ■Dr, Jaikob Weiner, Pi&katy, Dt. Schabt» Dr.- Stein, Dir. Goorg Weiner, Dr. -Honsberg, Dr. "Plbsdhkes, ' Dr.Steinbe.rg und Oskar Goldschmidt teil nehmen. Heber Antrag des Herrn Dr. Körner wird dem Landeskomitee für -‘seine .'bisherige Tätigkeit der Dank ausgesprochen. J Sodann erstattet Dr. W e im er ein auisführliches Refereät über den Stand der Kerenfia je sso:d-Ak t io n ih Oesterreich. Die Arbeit für den Keren Hajessod konnte ira Anfang infolge der noch nioht gelclärton juristischen Form desselben keine besonderen Resultate zeitigen, in der letzten Zeit aber sind bereits schöne Erfolge zu verzeichnen und die Zahl der Zeichnungen in. unserem Landesverband ist bedeutend gestiegen. Obwohl es -nicht immer gelungen ist, den Maasserstandpunlkt durchzusetzen', beginnen die Bezirkssektionen und Ortsgruppen sich immer mehr und mehr für den Keren Hajessod zu interessieren und besonders dfo Pro* vinzarbeit geht in dieser Hinsicht sehr gut von. statten. Nach Mitteilungen über den finanziellen Stand de? Aktiton entwickelt der Referent weitere Richtlinien für die künftige Arbeit des Keren i HafosswL ^MgrzTTO" _flrTHB* Dr. Desider Friedmann erstattet einen Be« rieht über die Tätigkeit der Kultusgemeiimdemau- ■dlaltiaire. An der dlairiaiuffdlgenidiein Ddbajttie Ibebediligeul sich die Herren Dr. Scihiailit, Dr. Georg Weiner, Dr. Plaschkes, Dr. Könner, Dr. Steinberg, Nebenzahl Dr. Miatrgulies u. a. Die Beratungen wurden um 10 Uhr abend« geschlossen. _ Internationale Tarifkonferenz in Wien. In der Zeit vom 8. bis 11. d. M. finden in Wien internationale Konferenzen statt, die die Ausgestaltung bestehender und die Schaffung neuer internationaler Personen- und Gepäcktarife, insbesondere für den Verkehr mit dem Osten Europas, zum Gegenstand haben werden. An den Beratungen, die im Gebäude der Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie abgehalten werden, nehmen . Eisenbahnfunktionäre aus Belgien, Bulgarien, der Tschecho-Slowakei, Deutschland, England, Frankreich, Griechenland, Holland, Jugoslawien, Rumänien, der Schweiz, Ungarn und der Türkei teil. Den Beratungen kommt umsomehr Bedeutung zu, als Oesterreich und insbesondere Wien im direkten Verkehr zwischen dem Westen und Osten Europas eine wichtige Rolle zu spielen berufen ist. Zum Rechtspraktikantenstreik. Wie berichtet, stehen seit Freitag die Rechts« Praktikanten im Streik. Alle Gerichte leiden infolge dieser Arbeitseinstellung. Am meisten die Strafgerichte. Bekanntlich ist eine Verhandlung, die ohne beeideten Schriftführer durchgeführt wird, nichtig und ist ein auf solcher Grundlage geschöpftes Urteil null und nichtig. Aus Prestigegründen versucht die Justizverwaltung, vorläufig die Kanzleihilfskräfte als Schriftführer heranzuziehen. Bei der ungeheueren Überlastung unserer Gerichtskanzleien ist kaum anzunehmen, daß dieses Aushilfsmittel sich bei längerem Gebrauch bewähren wird. Abgesehen davon verlautet, daß die Kanzleibeamten darüber ungehalten sind, daß sie sich als Streikbrecher verwenden lassen sollen. Abordnungen der < Rechtspraktikanten sprachen bei den politischen Parteien und beim Zentralrat geistiger Arbeiter vor. Die Abgeordneten bringen der Bewegung warme Sympathien entgegen und sagten ihre Unter« Stützung zu. _ Marianne Hainisch über ihren Sohn. Der Wiener Korrespondent des »Vilag« stattete dieser Tage der Mutter des österreichischeö B-undespräsidenitea, 4er Frau Marianne H a i n i ® c hk einem; Besuch ab. Er 'Schreibt hierüber seinem Blatte u.. a.: Ich bat die Dame, >vcia ihrem Sohne Michael H a? i oi i s c fiiy dein Biuodespräsidenten, 25m spreahett »Ei hatte 'immer zwei Leidenschaften,« erzählt die Matrone,, die trotz ihres höhen Alters noch immer an der Spitze der Frauenbewegung in Gestenreich! steht umd unimterbrodlien Verhaadtumgen führt. »Diese zwei Leidenschaften waren die Natur und das. BuchF Wir besaßen damals in Steieirmailk im Semmoringgebiet ein' Gut umd mein Sothn machte Landpartien und Jagdlpartien in die Berge, aber veiL •nachläßigte deshalb niemals seine Studien. Dais Gymnasium -und die Universität absolvierte er in Wien, ging aber gleich danach nach Deutschland. Er war der Liebling aller seiner Professoren, hier sowohl wie in Deutschland.« Und da zählt Frau Hainisch eine ganze Anzafhl verstaubter Pirtofessprennamieji1 auf, die einst in Deutschland .berühmt waren umd auf deren Lob die Mutter Michael Hainisch* auch' heute‘noch so stolz ist., Dann fährt, sie fort: »Er las ungemein viel und unglaublich rasch. Vorn.allem'» was er las, fertigte er sidh sofort Auszüge a«n. Seine Hefte'' und Notizbücher füllen mehrere Schränke und. in der Tat kennt er in seinem Fache die ge-: ■samte. im-temaitionäle Literatur. Sie dürfen jedoch nicht glauben, daß er nur auf theoretischem Gebiet lernte. Er eignete sich auch praktische Erfahrungen! -an. Er warnicht nur. so eine Art Büchervollkswirtsdhäfter und Nationalökonom, er sel-bst schuf ein« k Le i n e M -u s t e r w ir t s c h a f t bei Spital in Steiermark, die er bis im die letzten Jahre persönlich leitete.- Mein Sohn reiste und arbeitete viel im Ausland, boreiste ganz Europa, war läitgere Zeit isi Italien,, zwei Jahre im England und selbst in Amerika* Ueb'eräU forschte, studierte er und überall arbeitete er ,-tmd erwarb «ich Freunde. Seine wissenschaftliche« Bücher batten ihn schien vor langem bekannt gemacht und vor dem. Kriege nahm er an jeder internationalen Kocifeiremiz und Enquete teil. Die -regsten Verbindungen hielt er natürlich mit den deutschen Gelehrten aufrecht, er gründete auch mach englischem Muster eine kleine Gesellschaft, in welcher natiomalökonomiische kritische Studien 'betrieben wurden. , Fast alle sind bereits dahsnigegangen, diesem kleinen Kreise entschwunden-, ich glaube* mein Söhn ist der einzige, der von ihnen zurückblieb ... Wie sonderbar!« Nun . werfe ich das Wort »{Politik« ins Gespräch. Marianne Hainisdi antwortete sidhtlicihi stolz mit erhobener Stimme: »Mein Sohn beschäft i g t.e sich niemals mit Politik. Er beobachtete immer von außen mit dem Auge des Gelehrtem die wirtschaftliche Entwicklung der Völker und Nationen, die Wechselfälle ihres Leben« umd 'kämmte, da er sieb ernstlich damit beschäftigte, ihre Ursachen. Aber mit Politik, nein, niemals!« »Auch im seiner Jugend nicht?« frug ich. »Er war doch sicherlich Mitglied irgendeiner Burschenschaft oder Studentenverbindung in deinen doch Politik getrieben wird?«

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