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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-04 · Heft 1112 (4.3.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1112 (4.3.1922)
Date
1922-03-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wr.Tm Wien, Samstag Palästina. Das jüdische Friedensgericfct Jerusalem, i. März. (J. C. B.) Vor kurzem fand fa Tel-Awiw eine Konferenz aller jüdischen Friedensrichter von Palästina statt, welche folgende Resolutionen annahm: 1. Die Konferenz sieht im jüdischen Friedensgericht eine der wichtigsten Grundlagen unseres nationalen Lehens und eine nationale Schöpfung. Das 'Friedensgericht ermöglicht es uns, in Rechtsangelegenheiten nach unserem Rechtsgefühl vorzugehen. Das Recht auf eigene jüdische Gerichtshöfe in internen Zivilangelegcnheiten muß zu den Prinzipien der Verfassung des Jischuw gehören und es müsse diesen Gerichtshöfen in ihrem Wirkungskreis dieselbe. Kompetenz gegeben werden wie den allgemeinen Gerichtshöfen. 2. Die Konferenz verlangt, daß alle Persona 1angelegenh eiten (Erbschaft, Vormundschaft msw.) mit Ausnahme der rituellen Angelegenheiten dem jüdischen Friedensgericht übergeben werden. 3. Die Konferenz fordert den Jiischuw auf, mit allen Kräften für das Bestehen des Friedensgerichtes zu kämpfen und ihre Angelegenheiten vor dasselbe zu bringen. 4. Die in den überlieferten jüdischen Rechtsbüchern niedergelegten Rechtsanschauungen müssen, soweit es *»geht und mit den Forderungen der Zeit verträglich ist, die Grundlage der Rechtsprechung sein. 5. Die jüdischen Friedensgerichte haben durch •Ausgabe von Lehrbüchern und besonderen Sammel- Ibüchem für die Verbreitung der Kenntnis des jüdischen Rechtes zu sorgen. Ramsay Macdonald über die Aufgaben des jüdischen Arbeiters. Jerusalem, 1. März. (J. C. B.) Der englische Arbeiterführer Ramsay Macdonald ist nach mehrwöchigem Besuch in Palästina Ende Februar nach London abgereist Auf einem ihm zu Ehren veranstalteten Abschiedsbankett schilderte Macdonald die Eindrücke seiner Besuche in den meisten jüdischen Kolonien und in den Arbeiterkooperativen, wobei er für die Erfolge der jüdischen Arbeiter im Lande ungeteiltes Lob hatte. „Jüdische Arbeiter sind daran, das soziale Problem der gesamten Arbeiterklasse in aller Welt zu lösen, die erneuerte Internationale des Sozialismus wird hoffentlich die Arbeiter Palästinas fördern und unterstützen, da sie an der Befreiung der Arbeiter im Orient mithelfen.“ In seiner weiteren Rede betonte Macdonald, daß dies auch die einzige Ursache der antizionistischen Propaganda sei, die die arabische Gegnerschaft gegen die jüdischen Bestrebungen für ihre eigenen Zwecke ausnützt Der Waffenschmuggei. London, I. März. (Tel. der „Wiener Morgen- Leitung*.) Vor einiger Zeit machte eine Nachricht die Runde durch die Presse, daß in Palästina ein großer Waffenschmuggel entdeckt worden sei und arabische Kreise waren bemüht, die Nachricht in antizionistischem Sinne auszubeuten. Der im Zusammenhänge mit der Affäre verhaftete jüdische Arbeiter Rosenberg ist nun vom Gerichte mangels an Beweisen freigesprochen worden. Der Gerichtsspruch erklärt es als zweifelhaft, ob der Waffentransport an Juden oder an Araber adressiert war. Die Ereignisse des 2. November* Jerusalem, i. März. (J. C. B.) Der Aippefllationsgerichtshof sprach den Araber Daud Mussa Hagisch, welcher in erster Instanz wegen Ermordung des Rabbi Izchak Bc'r zu zwölfemhalb Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war, frei,, mit der Begründung, daß die Zeugenaussagen nicht hinreichend sind. Der Gerichtshof hob ferner das Urteil gegen den Mörder des Rabbi Samuel Rubin, da« auf Todesstrafe gelautet hatte, auf und verurteilte den Mörder zai 15 Jahren Zwangsarbeit;- Rundschau. Die innerpolitische Krise in England. London, 3. März. (Wolff.) Wie „Daily Chronlcle“ meldet, lasse die innerpotitische Spannung nach. Alle liberalen Minister versicherten Lloyd George, daß sie mit ihm zurücktreten würden, falls er sich zum Rücktritt entschlösse. „Daily Telegraph* berichtet ebenfalls über eine Besserung der politischen Lage. Die konservativen Führer hätten beschlossen, dem Lande in klarster Weise ihren Standpunkt darzulegen. Wahlen in den Londoner Grafschaftsrat. London, & März. (Reuter.) Bei den Wahlen für den Londoner Grafschaftsrat sind nach den bisherigen Ergebnissen 67 Konservative, 17 Liberale und 10 Mitglieder der Arbeiterpartei gewählt worden. Irland. London, 3. März. (Reuter.) Das Unterhaus hat ein Amendement, worin festgelegt wird, daß Irland nicht die Machtbefugnis habe, auf den Huldigungseid gegenüber dem König von England zu verzichten und eine Republik aufzurichten, mit 290 gegen 53 S t i m m e n. verworfen. Minister Churchill betonte, daß der englisch-irische Vertrag in dieser Hinsicht hinlänglich klar sei, und fügte hinzu, das England übrigens niemals WIEWEIT HÖRGENZEITUNÖ Sonnfias« S. Mörs 0. J., 10 Uhr vorm., im großen Saale des Hotel ContSnenüaB, 1L Taborstraße Massenversammlung Tagesordnung: Die politische Lage Oesterreichs und die jeden - Referenten: l Ing. Ms. Gsrfierai Gr. PiBtfc, SeMr Im C087 die Errichtung einer selbständigen Republik Irland zulassen werde. Genua. Paris, 3. März. (Havas.) Wie „Petit Parisien“ meldet, haben die Mit der Vorbereitung der Konferenz von Genua beauftragten französischen Sachverständigen finanzielle Vorschläge zur Besserung der Lage Rumäniens und Polens ausgearbeitet. Bezüglich Rußlands seien sie zu der Schlußfolgerung gekommen, daß man, bevor an die innere Wiederaufrichtung dieses Landes gedacht werden könne, daran gehen müsse, in den Grenzgebieten, insbesondere in den Gebieten von Archangelsk, Petersburg, der Ukraine, im Donez-, Kuban- und Kaukasusgebiet Industrie und Ackerbau neu zu beleben. Die Sachverständigen hätten hiebei namentlich den Mitteilungen dertschecho-slowakischeiiRegierung über die Wiederherstellung des Zuckerrübenbaues in der Ukraine Rechnung getragen. Vor einer Revolution in Portugal. Madrid, 3. März. (Havas.) Aus Vigo wird den Zeitungen gemeldet: Reisende aus Portugal versichern, daß alle Schiffsbesatzungen der Handelsflotte, einschließlich der Offiziere, in den Streik getreten sind, wobei sie von den Dockarbeitern unterstützt werden. Man behauptet, daß der revolutionäre Generalstreik entweder schon ausgebrochen sei oder unmittelbar bevorstehe. In Lissabon unterstütze die republikanische Garde die Ausstandsbewegung. Offizielle Kreise in* Madrid haben bisher keine Nachricht über diese Vorgänge erhalten. Der syrisch-arabische Kongreß. Kairo, 26. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Die Exekutive des syrisch-palästinensischen Kongresses hat in ihrer letzten Sitzung den Beschluß gefaßt, vorbereitende Schritte zur Einberufung des zweiten syrisch-palästinensischen Kongresses einzuleiten. Der Kongreß soll am Orte der nächsten Völkerbundversammlung abgehalten werden. Am Kongreß sollen Vertreter sämtlicher Parteien ln Syrien, Palästina und Libanon, die für die Befreiung ihrer Gebiete Eintreten, teilnehmen. Ebenso wurde beschlossen, eine spezielle Delegation nach Genua zu entsenden, um dort für die Selbständigkeit Syriens und Palästinas einzutreten.- Der Ausgleich mit Aegypten. Kairo, 3. März. (Reuter.) Wie aus britischer Quelle mitgeteilt wird, habe der Sultan erklärt, daß durch die Aufhebung des Protektorats der sehnlichste Wunsch des ägyptischen Volkes verwirklicht werde. Sarwaf Pascha habe erklärt, daß der Entschluß der britischen Regierung die ägyptische Nation b efriedige und es ermöglichen werde, daß sich die Verhandlungen ohne Hindernisse abwickeln. Er beschäftige sich eben mit der Vorbereitung einer Verfassung. Die kommunistische Einheitsfront. Tomann über die Taktik der österreichischen Sozialdemokraten. Moskau, z. März. (I-ntd.) In der Diskussion über die Einheitsfront führte Bo-bst (Schweiz) aus: Die Frage der Einheitsfront wird von einigen Genossen ungefähr so behandelt, wie dies Soratti auf dem zweiten Kongreß getan hat. Sie wollen keinerlei Konzessionen machen. Das wollen unter anderen auch die italienischen Genossen nicht. R a k o s z i (Ungarn): Die französische Partei hat jetzt den Weg betreten, den sie in der Frage der Einheitsfront vor kurzem noch abgelehnt hat. Tomann (Oesterreich): Schildert dieVcrhältniase iir Oesterreich und die Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den dortigen Sozialdemokraten. Er warnt davor, daß die geplante internationale Konferenz die Verwirklichung des Arbeiterschaftsplanes einer gemeinsamen Internationale nach dem Muster des Wiener Arbeiterrates werde. Der Redner bespricht die Taktik der österreichischen Sozialdemokraten und defen Einfluß auf die Sozialdemokraten der Nachbarländer. Er zeigt Beispiele auf, wie in den letzten Tagen die Sozialdemokraten, die die Regierung unterstützen, mit revolutionären Phrasen vor das Proletariat hintreten. Diese Form wird den Kommunisten die Arbeit erschweren und die Sozialdemokraten vor den Massen wiederauftreten lassen. Zum Schluß fordert der Redner, es dürfe nichts gemacht werden, was die Aktionsfähigkeit der kommunistischen Parteien einßchränkt. Kolarow (Bulgarien): Die kommunistische Partei Bulgariens heißt die Taktik der Einheitsfront gut Obwohl cke sozialdemokratische Partei Bulgariens ohnmächtig ist, ist die kommunistische Partei bereit, die Frage der Einheitsfront nochmals in Uebereinstimmung mit der Exekutive durehzustudieren. -4.-März 493A -Seite 5 Die Franzosen im Rheinland. Wie die Herren Generale leben. Berlin, 3. März. (Wolff.) Bei der Beratung des Hau9*; haltes des Reichsschatzministeriums hielt der sozial-, demokratische Abgeordnete S t ü c k 1 e n eine Rede, in der er das Auftreten der französischen Militärkommission! im Rheinland bedauerte und vor allem die Anlage kostspieliger Truppenübungsplätze auf Deutschlands Koste« kritisierte. So seien erst kürzlich in der Pfalz für eine« neuen Uebungsplatz 200 Millionen Mark Ausgaben nötig! geworden. Seit dem Waffenstillstand betrugen die Kosten! dieser Besatzungen etwa 16 Milliarden Goldmark. Iaü Wiesbaden habe man eine Generalswohnung für 450.000 Mark berichten müssen, in Bonn eine andere für 824.000 Mark. Mit dem deutschen Gel de würde von de« französischen Generälen geradezu gewüstet Stücklen verlangte schließlich, man sollte ein Schiedsgericht mit einem neutralen Vorsitzenden zur Prüfung dieser Ausgaben ernennen. Das deutsche Steuerkompromiß. Berlin, 3. März. Wie die Abendblätter berichte!?, hat eine interfraktionelle Besprechung über das Steuerkompromiß noch nicht stattgefunden., Das „Tageblatt“ nimmt an, daß der Reichskanzler die Einladung der Deutschen Volkspartei zur Teilnahme an dieser Besprechung erst am Montag werde ergehen lassen. Metallaröeiterstreik in Magdeburg. Berlin, 3. März. Nach einer Meldung des „Vorwärts" aus Magdeburg haben dort heute vormittags etwa 25.000 Metallarbeiter die Arbeit niedergelegt. Die Arbeiter fordern eine Stundenzulage von 2.50 Mark entgegen einem Schiedsspruch, der nur eine Erhöhung von 75 Pfennig vorsah. Tagesbericht. »Wer von Juden ißt.. Vor einigen Tagen har, wie berichtet, der äüs fa'sf lauter Juden bestehende Verein zur Erhaltung der Wiener Hochschulen da® Sümmchen von 25 Millionen Kronen zur Hebung der einzelnen Forschungsinstitut« flüssig gemacht. Da erinnert sich die »Deutschester-* reich ische Tageszeitung« gerade zur rechten Zeit daran* wie diese Juden sich die Erziehung unseres deutschen' Volkes und seinen Aufstieg zu neuer Kraft und Groß« eigentlich vorstellen: »Die Juden wollen uns so haben* wie sie selber sind. Alls Deutsche aber halben wir uina( dagegen zu wehren, mit einer zu allem ent« schlossenen Kraft!« Bravo! Werden also die geeichten Wächter doch Deutschtums und seiner sittlichen Größe in Hinkunft? selber die Mittel zur Erhaltung der vornehmsten deut-% sehen Kulturstätten aufbringen? Ist ihnen endlich zxL Bewußtsein gekommen, wie beschämend es ist, mit: hündischer Demut aus der Hand jemandes, den ma^ verachtet, das Futter zu . empfangen? Als Heinrichs Heine bei einem Diner im Hause Roth sch ild, ait dem auch Grillparzer teilmahm, einige hämische Bemerkungen über de« Gastgeber machte, hat ihm der, österreichische Dichter die Taktlosigkeit sehr übel ge-, nommen und hiezu bemerkt: »Wenn man jemanden ver-t ädhtlich findet, darf man nicht bei!hm essen'« Did »Deutschösterreichdsche Tageszeitung«: hat die Stellung der Großdeut sehen den Juden gegenüber erst am Sonn-, tag, wie folgt, .präzisiert: »Jude« ist für uns die Bezeich-, nungeines uns fremden Volkes, eines Schmarotzer« Vv ol k e s, das sich in unseren Volkskörper so ein genistet hat, wie sich die schmarotzende Mistel auf Bäumen festankert umd von deren Saft lebt.« Nach diesem Be« kenntnis einer schönen Seele muß es nur als konsequent erscheinen, wenn die Deutschradikalen es ablehnen-,- Kostgänger der »jüdischen Kultucschwindler« zu wer« den, deren (pädagogisches Ziel ja doch nuir das ist, deri Deutschen, die »aus ihrem zarteren Fühlen keimende reinere Sitte auszutreiben.«. Hoffentlich dringen die sittenstrengen', ach, so zartfühlenden Teutonen jetzt’ endlich auf die Einführung des Arierparagraphen in* Verein zur Erhaltung der deutschen Hochschulen. * * Die zco.ooo-DoIlar-Spcnde. In der gestriges Pressekonferenz berichtete Regierungsrat Reise.hl t über die Verwendung der amerikanischen 200.000* Dollmr-Sipende. Die nunmehr gelbildete Mittelstandte-. . Hilfe wird die Spende in der Form, der Ausgabe von Lebensrnitteln verteilen. In erster Linie werden di« Professoren tische und Studentenmensen 'beteilt werden, ferner werden, einige hundert Bo, Sucher von Lehranstalten, die zwischen Hoch-? und Mittelschulen stehen, in die Hilfsaktion einbezogenC werden. Ein großer Teil, der Lebensmittel wird zur Aus Speisung von Notleidenden, besonders aus de« I n t e 11 i g e ri z s c.h i c h t eu, verwendet werden Dis Gemeinschaftsküchen in Wien, Wiener-Neu-, stadt. Linz, Innsbruck, Salzburg und Klagenfurt werden! berücksicht werden, ferner Heime und Krankenanstalt ten für dem Mittelstand. Diejenigen Gemeinden» . die keine Gemeinschaftsküchen besitzen, werden mit' Lebensmittelpaketen versorgt werden. Die Aktion wird vier Monate dauern. Auch diese Spende stammt bekanntlich zum größten, Teil von Juden, und zwar von den amerikanischen, deren Organisation »Joint« die Initiative in dieser Angelegenheit ergriffen und ihre Durchführung über* nommen hat. Die »Reichspost« riecht den Braten und bringt unmittelbar unter ihrer Veröffentlichung der Verteilung der Amerikasipende einen Artikel, der diel Motive der Juden, wie folgt, entlarvt: »Sie haben ein! gutes, geübtes Auge. Wie der Raubvogel in den Lüften kreist, unsichtbar und unhörbar, um im geeignete« Augenblick auf sein Opfer niederzuschießen, so um-, schleicht Moses, Ifczig, Sohmul oder wie immer der' Lump heißen mag, erst vorsichtig das Haus. Dem einen bietet er, ohne darum ersucht wo-rden zu sein. 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