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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-02 · Heft 1110 (2.3.1922) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1110 (2.3.1922)
Date
1922-03-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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H Wten, Donnerstag jft. N W Festabend der Freien jüdischen VoUcsbühne zugunsten des Jüdischen Schalvereins. Donnerstag den 9. d. M., ‘/j8 Uhr abends, findet In der Freien jüdischen Volksbühne eine Festauftührung von Ossip Dymows Märchendrama »Der SlügerfunseinTrauer* statt, deren Relnefträgnls dem jüdischen Schul« verein gewidmet Ist. Für diese Aufführung, die elneitt so hervorragenden Kulturzweck, wie der Erhaltung des jüdischen Schulwerkes dient, macht sich schon jetzt besonderes Interesse bemerkbar. Karten sind erhältlich: Ith Sekretariat des jüdischen Schulvereines, 11„ Zirkusgasse 33, bei Löwit, L, ftoienturmsträße 22. an der Theaterkasse des Lustsjjieltheätefs, Theaterkartenbureau A'/dä, II., Täbofstfäße 5, Theaterkartenbureau Ignaz Schreier, IX., Porzellangasse 32, und ln der Administration der «Wiener Morgen- Leitung-, IL, Tabofsträße 1/3. Filmschau. Die Fortsetzungen des Jules-Verne-Fllms »Matthias S a n d o r f“ mit R. J o u b 6 in der Hauptrolle finden lebhaften Beifall, den schon der erste Teil rechtfertigt. Eine hochinteressante Naturaufnahme Ist ,S b a c k- 1 e t o ns Südpolexpedition*. Damit könnte auch der J u g e n d wieder einmal Gelegenheit geboten werden, einer guten Kinovorstellung beizuwohnen. Der amerikanische Film »Die Schrecken der weißen Hölle* zeichnet sich durch gediegene Regle aus. Die weibliche Hauptrolle spielt eine amerikanische Filmschönheit Robert Liebmann, der Hausdichter der Micheluffi-Filmgesellschaft, hat einen Spiel- und Ausstattungsfilm »Das Geld auf der Straße* geschrieben, dem die Seinerzeitigen aufsehenerregenden Zusammenbrüche der deutschen Wettkonzerne zugründe liegen. Reinhold Schdnzel hat das Stück inszeniert Eine hervorragende Kraft ist ihm in seinem künstlerischen Beirat Oskar Friedrich Werndorff zur Seite gestanden. Die Aufnahmen in der Produktenbörse sind ebenso gut gelungen wie jene in der von Werndorff im Schönbrunner Atelier erbauten Bankhalle! (Der Photograph war auch diesmal der bekannte Karl H o f m a n n.) Die Regiekunst Schänzels hat sich speziell in den Massenszenen bewährt — Hugo Werner- Kahle spielt sich immer mehr ln die erste Reihe berühmter Filmdarsteller. Eugen Klöpfer gibt seiner Rolle das richtige Gepräge, Liane H a 1 d (in neuer Haarfarbe) im Mittelpunkt des Erfolges, 8 c h U n z e 1 wiederholt sich in vielen Szenen, fesselt aber durch seine Art. Eisenbach (wozu?) spielt die Rolle eines jüdischen Geschäftemachers. Der zweite Teil des »Indischen Grabmal* kommt erst morgen ln den Eos-Llcbtsplelen zur Erstaufführung und trägt den Titel »Der Tiger rot) E s c h o a p u r“. - Gerichtssaal. Betrügerisch nostrifizierte Kriegsanleihen. Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz des Hofrats Habletinek hatte sich gestern eine Gesellschaft von vier Personen wegen Betruges und Mißbrauch der Amtsgewalt zu verantworten. Die Angeklagten sind der aus Galizien stammende Kaufmann Moses L i e b m a n n, sein Sohn Zeno L 1 e b n a o o, der Hofrat Peter Ulrich Haag und der Steueraratspraktikant Viktor Schütz. Liebmann kam auf den Gedanken, die Wertspannung zwischen der abgestempelten und nichtabgestempelten Kriegsanleihe auszunützen. Diese Spannung war ziemlich beträchtlich und betrug zeitweilig K 13 bis K 23 für K 100 Kriegsanleihe. Er wandte sich an Hofrat Hagg, der bei der Steueradministration für den Kill, und XV. Bezirk tätig war und legte Ihm seinen Plan dar. Hagg war nicht abgeneigt, sich an dem Geschäft zu beteiligen, da er aber selbst mit der Abstempelung der Kriegsanleihe nichts zu tun hatte, zog er den Praktikannten Schütz heran. Schütz nahm die Abstempelung in der Wohnung des Liebmann vor, später tat er dies ln seiner Kanzlei. Liebmann zahlte dem Hagg und Schütz als Entlohnung 1 £F/0 vom Nennwert der abgestempelten Papiere. Zum Schlüsse stellte Schütz dem Liebmann die nötigen Stempelmarken und die amtlichen Stampiglien zur Verfügung. Da das Geschäft Immer mehr an Ümtang zunahm, wurde die Entlohnung der beiden Beamten herabgesetzt und betrug schließlich nur mehr 2%. Die unabgestempelte Kriegsanleihe schafften die Agenten Heinrich Schwarzwald und Mahl herbei. BU November 1921 hatte die Gesellschaft auf dlsee Weise Kriegsanleihe im Betrage von K 14,157.026 abgettempelL Am 3. November wurden die beiden Liebmann verhaftet Sie standen damals gerade in Verhandlung mit Schwarzwald, der ihnen nicht weniger als für 30 Millionen Kronen Kriegsanleihe liefern sollte. Die Anklage vertritt der erste Staatsanwalt Hofrat JDr. immendörfer, Verteidiger sind Regierungsrat Dr. S t e g e r für Hoirat Hagg, Dr. Premlnger für Moses und Zeno Liebmann und Dr. S i 1 b e r k n o‘ p f für Viktor Schütz. Mose« Liebmmm der zuerst verhört wird, erzählt daß er vor dem Kriege In Galizien als Vertreter der größeren Banken Geschäfte mit industriellen vermittelt habe. Bald nach Beginn des Krieges fjüchtete er aus Galizien nach Wien. Es gelang Ihm hier, Armeelieferungen zu erhalten. Er schildert dann, wie er mit Hofrat Hagg in Verbindung trat Er habe dem Hofrat vorgeschlagen, ob man nicht nichtnostrifizierte Kriegsanleihe kaufen und sie in nostrifizierte umwandeln könnte. — Vorsitzender: Sie drücken sich da sehr wohlwollend aus. Sie haben wohl gemeint, ob es nicht iu machen wäre, daß diese nichtnostrifizierte Kriegsanleihe trotz der nichtgesetzlichen Voraussetzungen in eine nostrifizierte umgewandelt werden könnte. Wenn Sie wußten, daß die Vorbedingungen einer gesetzlichen Nostrifizierung nicht ganz gegeben sind, wozu sind Sie dann zum Hofrat Hagg gegangen. — Angeklagter: Ich werde doch nicht zu einem Hofrat von der Post gehen 1 Schließlich gab er zu, daß er Kriegsanleihe gekauft habe, um am Kursgewinn nach der Nostrifizierung zu profitieren. Er sagte: Gestatten Sie mir eine Bemerkung, Herr Vorsitzender. Ich bin ein Mann, der große Börsengeschäfte voexenommea hat. Selbst wenn die Geschäfte mit WnsnwK der Kriegsanleihe noch so gewinnbringend gewesen wären, so wird selbst ein Laie erkennen, daß höchstens, allerhöchstem K 500.000 Gewinn herausgeschaut hätten. Also ein Betrag, der für mich sehr klein ist. Als mir der Hofrat gesagt hat, es ist zu machen, habe ich geglaubt, es ist eine zliiässlge Sache. Moses Liebmahn gibt zu, daß er von der Ungesetzlichkeit seines Vorgehens Überzeugt war. Hierauf wird Ftofrat Hagg verhört, der erklärt: »Tatsachen, die in der Anklage angeführt sind, bestreite ich nicht, aber ich stelle ent« schied'eh in Abrede, daß ich jemanden verleitet habe oder eiben Betrug begangen habe. Hagg schildert dann seine Beämtenlaufbahn und sagt: »ich konnte mit meinen kärglichen Bezügen nicht auskommen. Alles gab ich für die Familie hin, aber schließlich mußte ich Schulden machen, denn die Bezüge reichten trotz1 größter Einschränkung nicht hin. Das war meine wirtschaftliche Lage, nachdem ich sechzig Jahre alt geworden war und 32 fahre gewissenhaft und treu dem Staate gedient hatte*. Der Angeklagte beteuert, daß er seine Hand zu Liebmänna Manipulationen nur unter dem Zwange der Not hergegeben, lm Bewußtsein, eift Unrecht zu begehen. Herr Moses L i e b m a n n wurde mir einmal in meinem Bureau von einem Freunde vorgestellt und als wackerer, braver Mann geschildert. Ich habe mich bereit erklärt, ihm bei einer Steuerangeiegenhelt behilflich zu sein. Bei einem zweiten Besuche sagte er mir, daß er Kriegs- * anleihe habe, die er nostrifizieren lassen wolle. Ich wies ihn anr den Steueramtspraktikanten Schütz, dieser suchte Liebmann in seiner Wohnung auf und führte die Nostrifizierung durch. Wie, kann ich nicht sagen, da ich ja nichts damit zu tun hatte. Nach der Nostrifizierung hat mir Schütz die Kriegsanleihen übergeben, mit der Bemerkung, daß 10% für die Durchführung nicht zu v i e 1 seien. Liebmann gab mir auch diesen Betrag, betonte aber, daß ich doch auch etwas bekommen müsse. Vorsitzender: Sie werden wohl gewußt haben, daß (fiese Nostrifizierung unrechtmäßig ist. Angeklagter: Anfangs nicht; später machte ich mir allerdings Gedanken, aber doch keine Vorwürfe, da ich das Bewußtsein hatte, daß der österreichische Staat das Geld für die ganze Kriegsanleihe erhalten habe. Ich gestehe ganz offen, daß ich unrecht hatte. Der Angeklagte erzählte dann unter Tränen, daß seine Notlage so groß war, daß er seinen hungernden Kindern nicht einmal das rayonierte Brot kaufen konnte. Andere Staatsbeamte hätten in seiner Lage auch nicht anders gehandelt Der nächste Angeklagte ist der Steneramtspraktikant Viktor Schütz. Er bekennt sich schuldig. Den Krieg machte er als Oberleutnant mit nach dem Zusammenbruch stand er dem Nichts gegenüber. Endlich bekam er bei der Finanzlandesdirektion eine Anstellung mit K 10 Taggeld, welches dann aui K 16 im fahre 1920 stieg. Ein ßchicksalsschlag nach dem anderen suchte ihn heim, seine Schwiegermutter und ein Kind starben knapp nach einander, - seine Frau bekam ein Kind und infolge der Entbehrungen krankte sie schließlich an Knochenerweichung. Ein zweites Kind ist ebenfalls krank. Solange es ging, verkaufte er ein Stück nach dem anderen, aber seine Lage wurde immer verzweifelter. Am 1. Juni 1920 wurde er endlich zum Praktikanten mit K 800 Monatsgage ernannt Nebenbei verdiente er noch K 200 und von diesem Betrage sollten fünf Personen leben. Dabei waren sie noch bestrebt, ihre Notlage zu verbergen. Aus dieser Lage sei es zu erklären, daß er den Versuchungen Liebmanns unterlegen sei. Der vierte Angeklagte, Zeno Liebmaim, erklärte sich für nichtschuldig. Er habe eines Tages den Agenten Schwarzwaid kennen gelernt, der ihn aufforderte, sich an dem Verkaufe von Kriegsanleihen zu beteiligen. Er habe mit seinem Vater darüber gesprochen und den Antrag angenommen, ohne das Bewußtsein zu haben, daß es sich um eine bedenkliche Sache handle. Am Nachmittag wurde als erster Zeuge der Agent Jakob Mahl einvernommen, der für Liebmann nicht nostrifizierte Kriegsanleihe gekauft hat Der Zeuge antwortet auf die Frage des Vorsitzenden, ob er daran nichts Bedenkliches gefunden Habe. »Aber wo denn, es ist ja überall damit gehandelt worden." Die Beamtensgattin Rosa Gärtner gibt als Zengin an, sie sei durch ihre Schwester mit Hofrat Hagg bekannt geworden. Eines Abends brachte Hagg ein Paket und bat, man solle es ihm aufbeben. Später hat sich her^usgestellt, daß sich ln dem Paket Kriegsanleihen befanden, die Hagg verstecken wollte, nachdem Liebmann verhaftet worden war. Der Steuerverwalter Josef Waschka war der Vorgesetzte des Angeklagten Schütz und sollte im Amte die Nostrifizierung der Kriegsanleihen vornehmen. — Vorsitzender: Wie kommt es, daß Schütz die Nostrifizierung allein durchgeführt hat? — Zeuge: Das ist nur manchmal vorgekommen. — Vorsitzender: Was war es mit den Marken, die hatten doch Sie in Verwahrung. — Zeuge: Die Marken befanden sich in einer Lade! — Vorsitzender (zu Schütz): Wie sind Sie dann zu den Marken gekommen? Angeklagter Schütz: Ich habe zuerst einen Schlüssel gesucht, der zur Lade , paßt, dann bin ich daraufgekommen, daß sich die Lade auch ohne Schlüssel leicht öffnen läßt; da habe ich die Marken dann herausgenommen. — Vorsitzender (zum Zeugen): Sind im Amte Skontrierungen vorgenommen worden? — Zeuge: in der Zeit vom April bis November nicht Länger war ich nicht in diesem Amt. — Staatsanwalt: Ist es vorgekommen, daß Parteien, die eine NostrSfi^ierung von Kriegsanleihen verlangt haben, weggegangan sind, ohne» daß sie ihre Unterschrift gegeben 2 .März 1922 Seite f haben? — Z e n g e: Ja, das ist schon vorgekommen. Staatsanwalt: Was Ist dann geschehen? — Zeuge (verlegen): Dann haben wir eben die Unterschrift selbst darunter gesetzt / Hierauf wird als Sachverständiger der Ministerialrat im Bundesministerium für Finanzen Dr. Oskar Manu, vernommen. Er gibt eine Darstellung Über die Voraus-; Setzungen und Über den Zweck der Nostrifizierung den Kriegsanleihen. Liebmann und seine Genossen haben naeffj diesen Voraussetzungen niemals die Berechtigung gehabfj die Kriegsanleihe, die sie Jetzt erst gekauft hatten, nostri^j fizieren zu lassen. Wenn Liebmann das getan bat, so ist der Staat; g e s c h ä d i g t, weil er zu einer! Schuldenerkennung verpflichtet wurde, die er sonst nicht Übernommen hätte. Auf die Frage des Verteidigers Doktor Preminger gibt der Zeuge zu, daß vom Anwalt Liebmanns die Bereitwilligkeit zur Schadensgutmächüng dem Ministerium für Finanzen bekanntgegeben wurde. . Nun wird der Chef der Steueradministratiört für de» XIIL und XV. Bezirk, Hofrat Dr. Johann Hable, als Zeuge vernommen. — Vorsitzender: Haben Sie bei Schütz irgend etwas bemerkt, was nicht den Vorschriften entsprochen hätte? — Zeuge: Schütz ist anläßlich der Anmeldung aufgenommen und mir zugewiesen worden^ Er hat sich als kundiger, sehr fähiger Mitarbeiter er*) wiesen, war seinen Kollegen geistig überlegen Und hat, wo immer er verwendet worden ist, eine gewisse führende Rolle eingenommen. — Vorsitzender: Ist bekannt, daß Hausnostrifizierungen bei den Parteien gesetzlich erlaubt waren? — Zeuge: Ja, doch Ist bei meiner Steueradministration eine Hausabstempelung nicht erfolgt' Ich muß daher auch bitten, daß Herr Schütz seine allgemein gehaltenen Beschuldigungen näher bezeichne, — Angeklagter Schütz: ich bleibe dabei, daß ein Fall vorgekommen ist; ich werde den Beamten nicht senilen, wenn er sich nicht selbst deklariert. Verteidiger Dr. Silberknopf: Kommt es votz, daß infolge Ueberfülle der Arbeiten gewisse Vorschriften der Steuerbehörde außer acht gelassen werden? — Z e n g e : Ja, wir sind nicht in der Lage, alles so durchzuführen, wie es vorgeschrieben ist, denn dann wären wir mit der Steuervorschreibung noch um viele Jahre zurück. Nach zahlreichen Verlesungen wurde die Verhandlung in später Nachtstunde abgebrochen und deren Fortsetzung auf heute vormittags anberaumt --^---—-:---:-A n A BJ BLB Wien, I., Märcl QM Pi K Aurelstraßa 5-7 g Toi. Ne. 20-4-69, 20-5-91, 20-6-46, 22-5-78 » Telegramm - Adresse i Continentalbank 133 M| Wechselstube, II., Taborstr. 46 a. Tal. 49-4-28 { Bank und Wechsalkaus WippIlngerstraOe j T. Wippllngerstraße 1. Telephon 14-8-76, 12-5-09 g BanBaBHBBaSISRBIIBHIBBBDBBBBaailHinSlB Volkswirt. Gestempelte Krone --- —.08^ Centimes* Auszahlung Wien --> «—.10 Centimes^ ln Zürich notierte: die Österreichische Krone — M (--.19 am 28. Februar) die österr. gest Krone . . —.08% (—.08V*am 28. Februar) die tschechische Krone., * 9.— ( 9.10 am 28. Februar) die Mark . 2.27 ( 2.27 am 28. Februar? Agram . IX |. 1.55 ( 1.55 am 28. Februar) Bukarest - ani 28. Februar) Budapest . —.74 (—.73 am 28. Februar)! Warschau . . 'UJl. ij , . —.13 (—.12 am 28. Februar)' Auflösung und Liquidation der österreichischen Zuckerstelle. Mit einer im Heutigen Bundesgesetzblatt verlauibartei^ Verordnung wird die bereits vor längerer Zeit angekündigte! Auflösung der österreichischen Zuckerstelle und deren Eintritt in das Stadium der Liquidation verfügt, gleichzeitig/ werden nähere Anordnungen Über die Durchführung der, Uquidation getroffen. Die Auflösung der Zuckersteüe steift den letzten: Schritt in der Durchführung des von der Regierung auf* gestellten Programms für den Abbau der staatlichen Zuckerwirtschaft tiaf, der bekanntlich bereits mit der Veivj Ordnung vom 4. Februar 1922, B.-G.-Bl. Nr. 70, eingeleitet worden ist. Die seither gemachten Erfahrungen über di« Betätigung der künftig zur Zuckerversorgung berufenen Kreise des freien Handels rechtfertigen vollauf die Zu-j versieht, daß die Auflösung der staatlichen Bewirtschaftung keinen nachteiligen Einfluß auf die fortlaufende Versorgung der Bevölkerung mit Zucker ausüben wird. Sollten, sich wider Erwarten in der ersten Zeit des völlig freien' Handels vereinzelte Schwierigkeiten ergeben, so wäre d!s Regierung in der Lage, diese unter Mitwirkung der Zucker-! stelle ln 'Liquidation zu beheben. Die nunmehr aufgelöst« Organisation hat während der Dauer ihres mehr al»! dreijährigen Bestandes den ihr übertragenen Aufgaben^ oft unter. Uebervvindung größter Schwierigkeiten gerecht, zu werden getrachtet. Das objektive Urteil über! ihre Tätigkeit kann nur feststelien, daß ihre; Bemühungen im allgemeinen von vollem Erfolg begleitet' waren. Es ist der Tätigkeit der Geschäftsführung und der einsichtsvollen Mitwirkung der in der Zuckerkommission vertretenen Interessentenkreise zu verdanken, daß der Bevölkerung bis in die jüngste Zeit hinein der Zucker zu» Preisen zur Verfügung gestellt werden konnte, die siett oftmals sehr wesentlich unter dem Weltmarktpreis«! hielten, ohuc daß Zuschüsse aus Bundesmitteln ih^ Anspruch genommen und damit Bahnen betreten worden) wären, deren Verderblichkeit für die Volkswirtschaft und die Staatsfinanzen nicht weiter erörtert zu werden braucht! Dieser Gedanke wurde auch Ln der vorgestern ahgphaltene«! i

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