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Wiener Morgenzeitung · 1922-03-02 · Heft 1110 (2.3.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1110 (2.3.1922)
Date
1922-03-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Volkspartei A verescas an vierter Stelle, ln einigen Wahlbezirken haben sich die Oppositionellen gegen die Liberalen verbunden, da jedoch die Liberalen über starke Organisationen, eine große finanzielle Macht und den Verwaltungsapparat verfügen, besteht die Wahrscheinlichkeit, daß die Regierung einen großen Sieg davontragen wird. Tagesbericht. Die zionistische Aufklärungsarbeit in Wien. (Versammlungstätigkeit in den südlichen Bezirken.) In den letzten Tagen veranstaltete die Zionistische Bezirkssektion X/XI zwei wohlgelungene Versammlungen. Die erste fand In Simmering statt, wo bisher eine zionistische Betätigung mangels einer lokalen Organisation nicht möglich war. Endlich hat sich ein Initiativkomitee Simmeringer-Zionlsten aus den Herren Dr. Dorntest, Kraus, Pehrlrtger und Dr. Salzberger gebildet, das eine Spezialkommission zusammen mit dem leitenden Präsidium der Zionistischen Bezirkssektion X/XI für die Organisierung der Jüdischen Bevölkerung der Bezirke X/XI bildet. Auf der ersten, durch dieses Komitee veranstalteten Versammlung, legte Abgeordneter Stricker den zahlreich erschienenen jüdischen Bürgern Simmerings Geschichte, Ziele und Zwecke der zionistischen Bewegung dar. Df. Pol. läfschek sprach sodann über die zionistische Organisation Oesterreichs und der Bezirke X/XI speziell und schloß mit einem Appell, sich dieser Organisation anzuschließen, welcher bereits die ersten Erfolge äufzuweisen hat. Am 27. Februar fand eine außerordentliche Plenarversammlung der Sektion X statt, zu welcher 420 Mitglieder erschienen Wären. Zunächst gab Dr. Pollatsch.ek einige Bilder von der Tätigkeit der Leitung der Bezirks- Sektion sbwöhl ln bezug auf die Palästina-Arbeit als auch aüf die nationale Arbeit Im Bezirke und richtete an die Versammlung einen warmen Appell für den Keren Hajessod. -■ Der Bericht, den hierauf Oemeinderät Dr. PI a sch kes über die Tätigkeit der zionistischen Organisation Oesterreichs und Insbesondere über die Arbeiten der Jüdischen Mandatare sowie über die Palästina-Frage gab, fand stürmische Aufnahme. Am 7. März findet In diesem Bezirke eine Frauenversammlung statt, ferner demnächst eine Massenversammlung, in welcher die Lage der Kultusgemeinde besprochen werden soll. . _ Eine zeitgemäße Warnung. Bitte Zuschrift Dr. Glogaus an den Universitätsrektof. Das amerikanische Hilfskomitee des »American Üoncalescent Home for Viennas Children“, an dessen Spitze die Herren Anton W e dl, Dr. Otto G 1 o g a u und Dr. Fritz Neu mann stehen, hat seine in früheren Jahren -begonnene segensreiche Tätigkeit für Wien auch in diesem Jahre fortgesetzt Eine große Reihe würdiger, bedürftiger Institutionen wurde mit bedeutenden, nach vielen Millionen zählenden Beträgen bedacht, ansehnliche Summen wurden an Stellen geleitet, die deren richtigste zweckentsprechende Verwendung verbürgen. So wurden je 1000 Dollar dem Präsidenten Dr. Halnlsch und dem Bürgermeister Reumamv für Kinderwohlfahrtszwecke zuf Verfügung. gestellt; Für die Erhaltung der Wiener Universität Würden dem Rektor 1000 Dollar überwiesen. Dein; von Dr. G I o g a u an den Rektor gerichteten Briefe entnehmen wir folgende Stelle: „Möge diese Summe — schreibt Dr. Glogau —< Im Verein mit den von der Wiener Bevölkerung selbst und Von andern Freunden aufgebrachten Geldern den Bestand der Universität als Lern- und Lehrstätte reinsten man aß gut, -hatte sogar den*süßen Wein RUchon le Zions auf den Tischen stehen, umtetrhielt sich um! sang, ehe mam zwn Fußballspiel hiniunter an den Strand ging. Iahtraf da auf Genossen, die mir manches Wissenswerte über die Struktur der Arbeit und das'Zusammenleben der Gruppe zai erzählen .wußten. (Auf meiner ganzen Reise durch Palästina wurde ich durch meine vorjährige Reise nach Sow* Jetrußland arg beeinträchtigt; ich mußte mehr berichten als mir berichtet ..wurde.) En>dp des Jarres sollte die Kwi&ch-Arlbeit aufhören, dämm hoffte die Gruppe bei dem Häuserbau in Tfberias oder Jerusalem Verwendung zu finden. Wenn die Kommission bis dahin Geld für diese Bauten haben wird. Auch eine andere, nicht minder mutige Gruppe besuchte ich, an einem Sabbat-Vorabend, am anderen Ende Palästinas in Bersheba. Sie baute dort die Friedihofsmauer um die Gräber englischer Soldaten. (Bei Bersbeba hat Allenby die entscheid ende Schlacht gewonnen,.) Auch diese jungen Leute schienen mit ihrem Leiben einverstanden zu sein und ihre Arbeit zu lieben. Zwar war die Mauer bald be* endet und man wußte nicht, wohin die nächste Arbeit die ganze Gruppe mitsamt ihren Zelten verschlagen werde, ab man beisammen bleiben oder jeder nach einer . anderen Richtung gehen werde, aber der Vorabend war gekommen, man aß, trank (Tee diesmal), rauchte und ließ sich einen Vortrag' -über Sowjetrußland halten. Einer von den Fröhlichsten saß plötzlich neben mir und sagte: »Könner^Sie uns sagen, was au« ums werden soll? Wir wissen es nicht. Werden wir Arbeit bekommen oder w*rd mr,n ums verhungern lassen?« Drüben sang man. Es klang schön im Zelt beim Friedhof. »Eines nur wissen wir, jeder von ums — wir bleiben im Lande. Keiner denkt daran, zurüdkzugehen. , Mar kommen, was, will.« Es war in Bersheba. Wissens sichern, frei von Haß, offen für jedermann, ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens! Möge der aufebrachte Fonds die materielle Lage der Lehrkräfte so essern, daß Sinn und Herz wieder sorglos irti Dienste reinster Menschheit aufgehen kann.8 Es wird Sache aller Kreise sein, die für die Lage Oesterreichs und seiner Kultur Gefühl besitzen, zu kontrollieren, ob der Rektor diesen Wunsch beherzigt und ob die So beliebt .gewordene Sekkatur der jüdischen Studenten eingestellt wird. Wir wagen das nicht all so bestimmt anzunehmen und fassen den Brief Dr. Glogaus als eine Warnung auf, die beweist, daß man in Amerika ln diesen Dingen sehr genau Bescheid weiß. In ganz hervorragender Welse aber wirkt das „American vlottcalescent Home for. Viennas Children“ auch an der NeuerMehung jener Institution mit, die für Wien geradezu eine Lebensnotwendigkeit ist: A11 an d 1 Durch die Hilfe des Komitees ist der Kinderpavillon'In Alland, der demnächst eröffnet wird, zu einem npistergültigen Helm ausgestaltet worden, ln dem eine große Anzahl von Wiener Kindern nicht nur Genesung finden soll, sondern auch von Tüchtigen Lehrern Unterricht erhalten wird. . Die Lebensgrundsätze eines jüdischen Philanthropen. Aus New. York wird uns berichtet: Anläßlich des 74. Geburtstages des weltberühmten Jüdischen Philanthropen Nathan Straus widmen sämtliche amerikanischen Blätter dem grenzenlosen Wohltätigkeitssinn Straus’ längere Artikel. Hiebei wurde Straus von vielen Zeitungen zu den Reichsten des Landes gezählt Demgegenüber erklärt Straus, daß diese Behauptung leider nicht den Tatsachen entspreche. Die Zinsen des Nachlasses Carnegies an barem Oelde sind größer als sein eigenes Gesamtvermögen. Er werde überhaupt kein großes Vermögen hinterlassen, weil es zu seinem Lebensprinzip gehöre, daß der Mensch bei Lebzeiten Wohltaten üben müsse und kein großes Vermögen hinterlassen dürfe. In einem Briefe, der jüngst die Runde durch die Reifung machte, beklagte Straus, daß er wirklich kein sehr reicher Mann sei, denn dann hätte er viel , mehr für die Menscheit leisten können, als er es bisher ohnehin getan habe. Man dürfe sein Vermögen nicht nach der Höhe seiner Spenden und Widmungen schätzen, denn er gebe immer, und das sei sein weiteres Lebensprinzip, über seine Kräfte, Er. würde sich, wenn er tatsächlich so reich wäre, wie er von. vielen geschätzt wird, ln seinem, tiefsten Innern schämen, nur so wenig für seine Mitmenschen getan zu haben, wie er bis jetzt leistete. Es ist tatsächlich sehr schwer, die Höhe der Summen festzustellen, die Nathan Straus für soziale Hilfe der Juden und für Wohlfahrtsinstitute allgemeinen Charakters'" gibt. Denn es widerstrebt ihm, seine Wohltaten ln die Qeffentlichkeit zu tragen. Von Straus stammt das geflügelte Wort: Wer Wohltaten übt, solange er gesund ist, gibt Gold. Wer spendet, wenn er erkrankt, gibt Silber. Wer aber erst nach seinem Tode gibt, gibt Eisen. Er wollte Immer Gold geben Und deshalb gibt er alles, solange er lebt '; Die jüdische Einwanderung nach Amerika. Das Jüdische Korrespondenzbureau, hat sich mit einer Anfrage ah angesehene Mitglieder des Senats, Gouverneure, Bürgermeister größerer Städte und die Präsidenten bedeutender Hochschulen wie auch führende Persönlichkeiten der amerikanischen Gesellschaft gewendet, in der sie um ihre Stellungnahme zu der Be- - grenzung der Jüdischen Immigration nach Amerika ersucht werden. Von den eingelaufenen Antworten ver-. dienen die nachstehenden einer besonderen Erwähnung:; Senator Spencer antwortete, daß alle Immigranten, die in physischer, geistiger und moralischer Hinsicht den amerikanischen Bedürfnissen entsprechen, und alle Voraussetzungen für die spätere Erlangung einer amerikanischen Bürgerschaft besitzen, nur zu begrüßen sind. Jedoch müsse man eine aufmerksame Kontrolle über die Einwandernden ausüben, um die Sicherheit zu erlangen, daß sie alle nötigen Qualifikationen besitzen. Der Senator von Cansas ist zwar der Meinung, daß die Einwanderung von Fremden zu begrenzen wäre, jedoch glaube er flicht, daß Amerika die jüdischen Immigranten angesichts der Verfolgungen, die sie aus nationalen und religiösen Gründen in ihren Heimatländern zu erdulden haben, abweisen solle. Sollten die Völker Im Osten die Verfolgungen gegen die Juden nicht einstellen, so werde er jedes Gesetz, welches die Einwanderung der Verfolgten ermöglicht, unterstützen. Ludendorffs Praktiken. Unter diesem Titel bringt der Berliner ^Vorwärts« die folgende Betrachtung; Herr Erich Lud-endorff gibt in jedem Jahre, einem neuen Band Kriegseriinneruijugen heraus, in dem er ums beweist, daß er den Krieg gewonnen hat. Er hat iihn auch gewonnen, verlören hat Ihm nur das deutsche Volk. In seinem dritten und vor« läufig unwiderruflich letzten Bande stellt nun Ludendiorff ganz genau, fest, wie alles gekommen Ist! Schuld halben die Juden!. Sie haben den Weltkrieg anigefangen umd verloren, sie sind schuld am der Blockade und am B'loem's Kriegslledern, sie sind die Erfinder der allerhöchst befürworteten R üb ©mm a rm el ade und der vierzehn Punkte. Jawohl, das haben sie getan, sagt Herr Ludernd©rff. Aber ihre Heimtücke geht noch viel weiter, als der harmlose Herr Ludendorff meint. D i e. J p d e n sind auch schuld am deutschen Militarismus! Neulich war ich im Zeughaus. Diese Wci’heßtätte ist ja leider in letzter Zeit etwos respektlos behandelt vvordern, die Franzosen haben ihre Fahnen wieder geholt. Uebrig blieben nur die chinesischen. jviarz i m TTiq Fahnen, einige Zimftbamicr tmd dB« Datüebrogs rojf ammo 1864. Und die leteteren hegt man jetat mH besonderer Liebe. Man zeigt sie den Sahulfkitndero aiu Wahrzeichen deutschen Geistes, zu ihnen wallfahren an Tagen mit freiem Eintritt dSe Leser der WtiiUe* Blätter. Und hier ist etwas Furchbares geschehen, Mitten unter den anderen Faihinen hängt unauffällig und harmlos ein Damebnog mit einem Zettel: »Erobert vom Füsilier Cohn vom 8. Branidenfb. tnf.-Reg, Nr. 64 am 24. Juni 1864 Düppel.< —. Da mferiat man gleich, was los ist. Dieser Füsilier Cohn hat aus orientalischer Heimtücke die Fahne erobert, um seinen Namen hier einzusohmuggelin umd damit Gemüt und Her.z. der ahnungslosen Deutschen zu vergiften. Dieses Füsilier Cohn hat , durch unerhörte Heldentaten den Krieg vom 1864 gewonnen -und damit den Grundstock zum preußischen Militarismus gelegt. Diesem Füsilier Cohn verdanken wir die anderen Kriege und dej ver-i lorenem Weltkrieg. Dieser Füsilier Cohn, als Beauftragter <fc' Judentum^ hat das .harmlose deutsche Volk erst zum Militarismus verführt und es dann der Rache der Entente preisgegeben. Dle ganze Weltgeschichte hat er auf den Kopf gestellt; was auch immer geschehen ist, überall war def Füsilier Cohn dalbed..; » » Die soeben erscheinende Nummer 4 der Zeitschrift „Der Schild“, des Organs dös Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten, druckt an ihrer Spitze unter der Ueberschrlft „In eigener Sache* die folgende Erklärung ab : Am 16. Dezember. 1921 haben wir an gleicher Stelle Herrn General Ludemtprff dle^ Unrichtigkeit der von ihm in seinem Buche „Kriegführung und Politik" gegen die deutschen Juden im allgemein und uns jüdische Frontsoldaten im besonderen erhobenen Vorwürfe vorgehalten und nachgewiesen. Trotzdem hat Herr General Ludendorfl es bis heute nicht für nötig gehalten, auch nur ein Wort der Richtigstellung in die Oeffentlichkeit zu . bringen. Wir stellen daher fest, daß Herr General Ludendorff die Wahrheit kennt und sie nicht sagt und geflissentlich die Ehre anderer M e ns c h e n mit Füßen tritt. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Berlin, 27. Februar, (J. C. B.) Das Zentralkomitee der B’neLB.rlth-Loge in Deutschland, brachte gegen General L u d e n d o r f f die Klage wegen Verleumdung ein, da General Ludendorff in seinem letzten Buche die B’nei B’rith** Loge beschuldigt, daß sie zusammen mit anderen jüdischen Organisationen Deutschlands während des Krieges geges Deutschland und für die Alliierten Mächte konspirierte. y—■—- Zur Hausgehilfenfrage. Die Hausgehllfenmisere Ist eine der sozialen Er* scheinungen, welche auch den Biegerländern nicht erspart geblieben lat. Der Anfsatz von Geyrges Montorgueil, welcher ira Pariser „Tejnps“ diese Frage ausführlich bespricht, bietet unseren Hausfrauen den allerdings mageren Trost, daß es In Paris nicht besser zugeht als bei uns. Es . wird vorerst festgestellt, daß diese Krise keine unmittelbare Folge des Krieges ist. Der Krieg hat sitz wohl verschärft, doch sie bestand in Frankreich schon seit etwa 15 Jahren. Sie . war und ist jetzt noch eine Krise der Quantität, wie es die Statistik zeigt, und eine Krise der Qualität, .wie genaue Beobachter, insbesondere aber die sibh gegenseitig anklagenden Hausfrauen und Hausangestellten» behaupten. Vor 50 Jahren gab es In Frankreich D/, Millionen Hausbediensteter. Die vorletzte Volkszählung (1911) ergab die Zahl von 168.851 männlichen und 769.553 „weiblichen Hausgehilfen, davon in Paris selbst 35.981. männliche und 171.220 weibliche. Die Ziffern der letzten Volkszählung werden ohne Zweifel für Paris eine beträchtliche Abnahme zeigen. Der Mangel ist hauptsächlich bei der weiblichen Dienerschaft fühlbar. Die Mädchen kamen ifast alle aus der Provinz (unter den 11.084 weiblichen Dienstpersonen, welche die Gewerkschaft der Haus« haltsärigestellten zählt, gjbt es nur zwanzig Städterinnen und keine einzige Pariserin I) Die Anziehungskraft der Hauptstadt trug nicht wenig zur Entvölkerung der Provinz bei. Nun scheint diese Abwanderung aufgehört zu haben. Der Nutzen, den die ländliche Arbeit bietet, hält die Leuts zurück. Die gegenwärtige Krise Ist auch der großen Anziehungskraft zuzuschrciben, welche die Fabriken auf Frauen jetzt ausüben. Die Frauen ziehen, die mühsame und kaum besser bezahlte Fabriksarbeit, die ihnen aber mehr Freiheit gewährt, dem Dienst zu Hause vor. Während des.Krieges haben die Fabriken und die öffentlichen Aemter ihr weibliches Personal verzehnfacht Die Demobilisierung hätte die Arbeiterinnen zur Hauswirtschaft zurückführen sollen. Daß dies nicht erfolgte, war eine der größten Ueberraschungen, welche die Nachkriegszeit mit sich brachte. ■Die Statistik der Arbeitslosen ergab, daß sich in! Jahre 1921 5238 Frauen in Paris um eine Stellung als Mädchen für alles bewarben. Die Stellenvermittlung konnte trotz des Mangels nur 3821 unterbringen. Die übrigen bezogen die Arbeitslosenhilfe. Die merkwürdige Tatsache erklärt sich daraus, daß die Bewerberinnen weder als Köchinnen noch als Stubenmädchen noch als Mädchen für alles etwas taugten. - Durch die Teuerung: sahen sich viele Familien gezwungen, ihre Mädchen für alles zu verabschieden, in der Voraussetzung» sie durch die Haushälterin (bei uns Bedienerin) ersetzen zu können, Aber diese Taktik der neuen Armen hat die Ansprüche der Bedienerin ins Ungemessene erhöht. Sie stellt Forderungen, die einem schwindlig machen. Der Tarif der Vereinigung der Bedienerinnen von Paris, die nach Neujahr veröffentlicht worden ist, lauten: 1. Vereinheitlichung der Arbeitslöhne: 1*50 Francs pro Stunde in Wohnungen vom Erdgeschoß bis zum zweiten Stock bei einer Wohnungsmiete von nicht mehr als 3Q0Q Francs (mit 10 Centimes Zuschlag für jedes weitere Stockwerk), 2 Francs die Stunde bei höherer Woiinungsmleta (mH denselben Zuschlägen). — 2. Beschränkung der Arbeit aui die gewöhnliche Reinigung mit Besen und Handbürste, Scheuern und Bürsten des Bodens und der Fensterscheiben und Stiegen sind untersagt. Im Witter Anwendung des

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