Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1107 (27.2.1922)
- Date
- 1922-02-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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WtlüT fWiENinr MDKUENzn^rT u mr /z7:mwmrmT;y< Sportblatt der Wiener Süddeutschland—Niederösterreich 2:0 (1:0). Die Süddeutschen erringen einen verdienten Sieg. — Teilweises Versagen der Niederösterreicher. — Der Rudolfshiigler Brazda vollbringt eine Glanzleistung. — Schiedsrichter Hirrle (Schweiz) leitet das Spiel. (Drahtnachricht unseres nachNürnberg entsandten Spezialberichterstatters.) Wir haben in unseren verschiedenen Vorbesprechungen der Ansicht Ausdruck verliehen, daß die niederösterreichische Auswahlmannschaft fast chancenlos in den Kampf geht. Leider behielten wir mit unserer Meinung recht, wobei die Niederlage auf das Versagen einzelner Spieler, deren Teamfähigkeit wir im vorhinein in Zweifel zogen, zurückzuführen ist Es wäre wohl möglich gewesen, daß unsere Mannschaft auch in der gestrigen Aufstellung einen Sieg errungen hätte, wenn sie imstande gewesen wäre, eine vervielfachte Arbeitsleistung zu vollbringen. Mit Rücksicht darauf, daß unsere Spieler schon seit Wochen keine Gelegenheit hatten, Wettkämpfe auszutragen oder dem Training zu obliegen, waren sie kraftlos und langsam, wodurch die den einzelnen Spielern anhaftenden Mängel noch krasser zutage traten. Der Spielausschuß der ersten Klasse und der Fußball-Verband befehden einander, weil ersterer behauptet, daß zu viele Teamspiele im Jahre staitfinden, währeijji der Fußball-Verband nicht diese Ansicht teilt Die beiden Körperschaften machen einander Zugeständnisse, die unser Ansehen im Ausland schädigen. Es geht einfach nicht an, daß bedeutungsvolle Länderkämpfe knapp nach Beginn der Saison ausgetragen werden, da sich unsere Spieler zu dieser Zeit nicht in Form befinden können. Wenn der Verband nicht die Macht hat, Länderspiele zu einer Zeit auszutragen, wo der rationelle Spielbetrieb die Erfolgmöglichkeit bietet, dann soll er die Auswahlkämpfe einfach absagen. Wir sind weit entfernt davon, behaupten zu wollen, daß unsere Niederlage einzig und allein auf den Trainings-' Mängel zurückzuführen sei, doch steht fest, daß wir Vielleicht noch nie gegen eine europäische Auswahlmannschaft derart aussichtslos in den Kampf gegangen sind wie diesmal. Und diese bemerkenswerte Tatsache ist nur auf den Trainingsmangel sämtlicher Spieler zurückzuführen. Die Süddeutschen haben gewaltige Fortschritte gemacht. Sie sind von ihrer früheren Hurramethode vollkommen abgekommen und betreiben ein System, das dem unseren an unseren besten Tagen um nichts, nachsteht. Der Angriff kombinierte vorzüglich, wobei Seiderer einen hervorragenden Dirigenten abgab. Auch der zweite Fürther Stürmer Franz befand sich in Höchstform und durch seine gute Leistung kamen die Fähigkeiten seines Flügelstürmers Strobel voll und ganz zur Geltung. Der Unke Flügel war etwas schwächer. Die süddeutsche Fußballkanone Träg war sehr wirkungsvoll. Dieser Spieler ist technisch aber nicht auf gleicher Höhe wie seine Kameraden, Sutor litt durch das mangelhafte Zuspiel seines Nachbarn. Die vorzügliche Deckung der Süddeutschen, In der Kalb und Riegl Spitzenleistungen boten, war für den Enderfolg der Einheimischen ausschlaggebend, obwohl Hagen die Form, die er sonst in den Klubspielen zeigte, nicht erreichte. Die beiden Verteidiger Wellhöfer und Müller befriedigten, doch hatte man von letzterem mehr erwartet. Lohrmann zeigte sein gewohnt hervorragendes. Können. Von den Niederösterreichern kann man nur wenig Gutes berichten. Ara erfreulichsten ist die Tatsache, daß. wir endlich den richtigen Mann für den Torwächterposteri gefunden haben. Schön anläßlich der Besprechung der drei in Aussicht genommenen Torhüter Kannhäuser, Jancsik und Brazda vertraten wir die Ansicht, daß dem Rudolfshügler unter allen dreien der Vorzug gebühre. Brazdas Stern geht ziemlich spät auf, doch ist diese Erscheinung darauf zurückzuführen, daß selten ein Tormann so viel Pech hatte, als er. Der Rudolfshügler erlitt fast in jedem größeren Treffen eine mehr oder minder ernste Verletzung, wodurch er zeitweise ganz außer Gefecht gesetzt war. Seine treue Hingabe zum Sport zeitigt jetzt ihre Früchte. Seine Ruhe, Entschlossenheit, Geschicklichkeit und sein Stellungsvermögen bewirkten es, daß er zu einer selten gesehenen Form auflief. Nur der hervorragenden Leistung des Rudolfshüglers hatten es die Niederösterreicher zu verdanken, daß die Niederlage nicht ausgiebiger wurde. Die Verteidigung war unglücklich aufgestellt, Teufel erreichte im allgemeinen seine Klubform, doch genügt diese für ein Länderspiel absolut nicht. Der sympathische Dornbacher kann wohl als Entschuldigung eine bald nach Spielbeginn erlittene Verletzung anführen, doch ändert dieser Milderungsgrund nichts an der Tatsache, daß die taktische Unzulänglichkeit dieses Spielers ihn derzeit nicht teamreif erscheinen läßt. Blum war inbesondere anfangs unsicher, er hatte anscheinend zu seinem Partner wenig Vertrauen, was Ihn sichtlich nervös machte. Im Verlauf des Spieles wurde er zusehends besser. Das große Fragezeichen unserer Mannschaft, die Deckung, ist ein Ausrufungszeichen geworden, das besagen soll, daß die Läuferleihe in erster Unie die Schuld an der Niederlage trägt Wir haben vor dem Spiele Bedenken gegen die Nominierung von Kurz und Flank gehegt und leider waren unsere Befürchtungen nicht unbegründet. Unser untrainierter Mittelläufer war körperlich den ihm ungewohnten Anforderungen nicht gewachsen, umsomehr, als er in*Kalb einem ihm an Kraft weit überlegenen Spieler ge&enüberstand. Sein Spiel wurde überdies durch die mäßige Leistung des Flügelläufers Flank in Mitleidenschaft gezogen. Flank ist für einen Teamspieler viel zu leicht und körperlich zu schwach. Dieser vorzügliche Techniker würde wohl jeder Klubmannschaft gute Dienste leisten, seine körperliche Unterwertigkeit läßt ihn aber für eine Auswahlmannschaft nicht reif erscheinen. Der minderen Leistung der beiden zuletzt genannten Spieler war es in erster Linie zuzuschreiben, daß unsere Mannschaft nicht befriedigen konnte. Der dritte Läufer, Geyer, rechtfertigt das Vertrauen, das man in ihn gesetzt hat Für Laien kam die verhältnismäßig schwache Leistung des Angriffes einigermaßen überraschend. Genaue Beobachter haben aber schon frühzeitig erkannt, daß die Aneinanderreihung der einzelnen Spielerindividualitäten keine glückliche war, denn die Erfolgsmöglichkeiten des gesamten Angriffes hingen von der Leistung eines einzigen Spielers, des Mittelstürmers Kuthan ab. Letzterer war nämlich der einzige ruhige und vernünftige Kombinationsspieler unserer ganzen Stürmerreihe. Wäre es dem Rapid-Mann gelungen, zu seiner normalen Form aufzulaufen, dann hätte er vielleicht die besonderen Eigenschaften seiner Mitspieler ausnützen können, wodurch die Niederösterreicher vielleicht zum Erfolge gelangt wären. Da aber Kuthan eine weit mattere Leistung bot als sonst, so fiel das recht bunt zusammengewürfelte Angriffsquintett auseinander. Kuthan hatte nämlich keinen einzigen ausgesprochenen Kombinationsspieler zum. Partner. Fischera war selbst in seinen besten Tagen kein gfoßer Taktiker, das gleiche kann man auch von Uridil sagen. Die beiden Flügelstürmer sind energische Durchbrenner, doch ist es mit ihtem taktischen Verständnis nicht weit her. Durch das teilweise Versagen des Mittelstürmers war unser Angriff nicht auf der gewohnten Höhe und man konnte eigentlich nur mit Cutti ganz zufrieden sein. Der Verbandskapitän hatte vielleicht zum ersten Male seit seiner Tätigkeit einen Mißerfolg, doch darf man ihm daraus keinen Vorwurf machen, da wir einerseits zumindest1 derzeit über keine hervorragenden Spieler verfügen, andererseits unser vorhandenes Material keine Möglichkeit hatte, zu üben. Zusammenfassend Soll vermerkt werden, daß der Sieg der Süddeutschen verdient war, sie waren unseren Repräsentativen fast in jedem Belang überlegen. Das Spiel stand im allgemeinen auf keiner besonderen sportlichen Höhe, es war langsam, kraftlos und arm an guten Leistungen. Dem Schweizer Schiedsrichter Hifrle stellten sich folgende Mannschaften : Süddeutchland: Lohrmann (3.V. Fürth), Wellhöfer (8. V. Fürth), Müller (S. V. Fürth), Hagen (S. V. Fürth), Kalb (I. F. C. Nürnberg), Riegel (I.F.C. Nürnberg), Strobel (I. F. C. Nürnbürg), Franz (S. V. Fürth), Seiderer (S. V. Fürth), Träg (I. F. C. Nürnberg), Sutor (1. F. C. Nürnberg). Niederösterreich: Brazda (Rudolfshügel), Blum (Vienna), Teufel (Sportklub), Flank (Sportklub), Kurz (Amateure), Geyer (Amateure), Köck (Amateure), Uridil (Rapid), Kuthan (Rapid), Fischera {W, A. F.), Cutti (Amateure). Von Anbeginn war das Spiel wenig spannend und langsam. Trotzem bewiesen die Einheimischen bald ihr größeres Können. Sie erzwangen einige Eckstöße, die aber zu keinem Erfolg führten. Unser Verteidiger Teufel wurde verletzt und mußte auf fünf Minuten aussetzen, ln seiner Abwesenheit fiel in der 13. Minute durch Seiderer der erste Treffer für Süddeutschland. StrobLhatte einen Eckstoß gut zur Mitte gegeben und der süddeutsche Mittelstürmer lenkte das Leder mit dem Kopfe ins Tor, Die Einheimischen waren auch weiterhin überlegen, ohne aber sonderlich gefährlich zu werden. Langsam gewannen die Gäste die Oberhand. Das Innentrio tat aber jetzt des Guten zuviel, es kombinierte viel zu wenig raumgreifend und keiner der Spieler verstand es, die sich bietenden Schußchancen auszunützen. Nach Seitenwechsel übernahmen wieder die Süddeutschen das Kommando. Brazda Halte nun Gelegenheit, sich einige Male besonders auszuzeiciinen. Das Versagen Teufels brachte es mit sich, daß ständig kritische Situationen vor unserem Tor entstanden. In der sechsten Minute gab Strobel den Ball zur Mitte und Traeg stellte mit dem Kopfe das Endresultat her. Wieder gewannen die Oesterreicher die Oberhand, doch ließen sie die gleichen Mängel zu keinem Erfolg kommen. In der 34. Minute überspielte Cutti mehrere Gegner, der Ball gelangte zum freistehenden Kuthan, ‘letzterer aber zögerte so.lange, bis ihm Lohrmann das Leder von den Füßen wegnahm. Bis zum Spielende blieben den Öesterreichern Erfolge versagt. Die Süddeutschen verließen unter dem Jubel der ungefähr 15.000 köpfigen Zuschauermenge das Spielfeld. Das Ecken Verhältnis war vor der Pause 9 :2 für Süddeutschland, nach Seitenwechsel 1:0 für Nieder Österreich. Am Abend wurde den Gästen ein Bankett gH geben, bei dem für den Deutschen Fußballburid Herr] Dreyer, für Oesterreich Herr Meisl, für die’ Süd-Z deutschen Herr Rahl und für den L Fußballklub Nürn-J berg Herr Bäumler sprachen. Unsere Mannschaft reiste um */4S Uhr abends? von Nürnberg ab. In Passau Übernachtete sie und! kommt heute um 3 Uhr nachmittags auf dem Weste* bahnhof in Wien an. 4 Italien—Tschechoslowakei 1:1 (0:W (Tel. der „Wiener Morgenzeiturtg«.) \ Der Länderkampf, der in Turin zur Austragung^ gelangte, endete unentschieden. Die Tschechen be5 stritten ziemlich untrainiert den Kampf, während di® Italiener sich für dieses Spiel sorgfältig VorbereitetenJ Die große Hitze war sichtlich für die Tschechen ein] Handikap. Die Italiener waren die Schnelleren und? Ausdauernderen, die Tschechen hingegen erwiesen sicli technisch und taktisch als die Besseren. Die beide#/ Mannschaften traten in folgender Aufstellung an: Tschectio-Slowakei: Kaliba (Unlon^ Zlzkov); Raca (Slavia), Seifert (Viktoria-Zizkov); Kolenaty (Sparta), Hajny (Viktoria-Zizkov), Pernet (Sparta); Jelinek (Viktoria-Zizkov), Jan da (Sparta)^ Vanik (Slavia), Vlcek (Cechie-Karolinenthal), Plodl (Slavia). v 'Hallen; Morando; Calligaris, de Vecchi; BatS bieri, Burlando, Romano; Migliavaccha, Cervenim Üf| Moscardini, Balonceri, Bonino. Bis Seitenwechsel hatten beide Mannschaften! gleichviel vom Spiel, doch konnte keine Partei einen Treffer erzielen. Nach Seitenwechsel schoß Baloncerjj für die Italiener den ersten Treffer. (Siebente Minute;« Es schien, als ob die Italiener die Oberhand behielteihJ doch gelang es Janda, sechs Minuten vor Spielend® den Ausgleich zu erringen. Die englische Liga. Liverpool auch weiterhin in Führung. : (Tel. der „Wiener Morgenzeitung«.) Die Ergebnisse waren: Aston Villa—HuddersfieM' Town 2: 0. Manchester City—Bradford City 2 :1. Burnley^ Bolton Wanderers 2:0. Chelsea—Cardiff City 1:0. Liverpool—Arsenal 4:0. Manchester United—Birmingham 1: lj Mlddlesborough—Sunderland 3:0. Newcastle United—Black-? burn Rovers 2:0. West Broomwich Albion—Preston North End 3:0. Sheffield United—Oldham Athletlc 1:0.' Tott^n-f ham—Everton 2:0. . Berlin—München 2:1 (0:0.) , > (Telegramm der „Wiener Morgenzeitung«.);: h In der Berliner Olympia-Radrennbahn hatten sich tm* gefähr 25.000 Interessenten eingefunden, um Zeugen des Kampfes zu sein. Viele tausende Fußballanhänger mußten unverrichteter Dinge umkehren, weil der Platz polizeilich gesperrt wurde. Das lokalpatriotisch gesinnte Publikum hatte die Genugtuung, die eigene Mannschaft siegen zu sehen. Der Erfolg der Berliner wird begreiflich, wen» man berücksichtigt, daß die Münchner ohne die drei her« vorragenden Spieler Schaffer, Schneider und Nebauer an* treten mußten. Die bessere Mannschaft verlor den Kamptz wobei die Niederlage in erster Linie auf Pech zurückzu-j führen war. Di? Münchner erwiesen sich sowohl ixa technischer als auch in taktischer Beziehung als die bessere Mannschält. Diese Eigenschaften konnten aber nicht zuni Erfolg führen, da die Gäste bereits in der 15. Minute ihren tüchtigen Mittelstürmer Potinger (Bayern), der einen Schlüsselbeinbruch erlitt, verloren. Der Umstand, daß dich Münchner ohne Ersatzleute nach Berlin fuhren, rächte sicb^ denn sie waren gezwungen, bis zur Pause mit zehn Mann zu spielen. In der Halbzeit sprang der zufällig in BerlUJ weilende Spieler der Münchner Teutonia, Ilmenauer, de* kein großer Könner ist, für den ausgezeichneten Spiele« ein. Dieser neuerliche Ersatzmann befriedigte keineswegs? Die Berliner zeigten ihre gewohnten Vorzüge. Sie waren stark, schnell und energisch. In hervorragende!! Form befand sich ihr Tormann Schwedler, der sich würdig den beiden süddeutschen Gröf n Lohrmann und Stuhlfaul anreihte. Auch die beiden Verteidiger konnten restlos befriedigen. Deckung und Angriff spielten mäßig, dock hielten sich Tewes und Wolter recht bra*\ Dem Spiel* verlauf hätte ein unentschiedenes Resultat besser entsprochen. Dem Dresdner Schiedsrichter Tag stellten sldi folgende Mannschaften: BefUn: Schwedler (V. f. B.-Pankow); Mohn« (N. N. W.), Bache (Wacker); Schumann (Vorwärts), Te wes, Marolm 'beide Viktoria); Amsel (Union 02) Montag (N. N. W.), Sturm (Union-Charlotteijburg), Trotschinsk# (N. N. W.), Wolter (Vorwärts). München: Koob (1860); Schmidt, Hofmeister (beide Bayern); Pölsterl (Teutonia), Reiter, Rechenmache« (beide 1860); Ostermeier, Gaul (beide Wacker), Poitingefj Hofmann (beide Bayern), Altvater (Wacker). Die Münchner sind glatt überlegen, die gegnerisch^ Verteidigung vermag aber alle Angriffe abzuschlagen. Auch nach dem Ausscheiden des Mittelstürmers Pöttinger