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Wiener Morgenzeitung · 1922-02-27 · Heft 1107 (27.2.1922) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1107 (27.2.1922)
Date
1922-02-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Teste 2 Wien, motitagr Zwei Wochen wahrenden Semesterferien beginnt die In- Bkriptionsfrist für das Sommersemester am 13. April. Die Verlesungen werden anfangs Mai beginnen. Mit Beginn des Sommersemesters werden bei den Inskriptionen auch die neuen mehrfach erhöhten Studiengebühren ln Kraft gesetzt. Tagesbericht. Die Abenteuer des lustigen Skontisten. Am 23. d. M. wurde dem Skontisten |osef Haselsberger im Cafö Korso in der Aiserb ’.chstraße eine halbe Million Kronen ln zehn Noten zu K 50.000 gestohlen. Der Diebstahl hat, wie die Korresponpenz Wilhelm meldet, eine für den Bestohlenen nicht sehr ehrenvolle Vorgeschichte. Haselsberger ist bei der Bank-A.-G. Biedermann & Cie. als Skontist angestellt, hatte am 22. d. M. vom Kassier den Auftrag erhalten, K 620.000 beim Hauptpostamt aufzugeben. Er führte jedoch den Auftrag nicht durch, sondern begab sich geradewegs in das Catd Korso, wo er mit dem ihm anvertrauten Gelde zu zechen begann. Der noble Gast fiel auf, bald waren an seiner Seite zwei Mädchen und er zahlte für sie, was ihr Herz verlangte. Die Zeche betrug etwa K i0.600. Zu der lustigen Gesellschaft hatte sich bald ein junger Bursche gesellt, der wacker mittat. Haselberger prahlte, daß er der Sohn reicher Eltern sei und Keß einige 50.000-Kronen-Noten sehen. Er war schpn etwas weinselig, als er plötzlich um 3 Uhr nachmittags bemerkte, daß ihm aus seiner Brieftasche eine halbe Million Kronen gestohlen worden sei. Noch ehe er diese Wahrnehmung machte, waren die beiden Mädchen und ihr Begleiter verschwunden. Das Kommissariat Alsergrund ermittelte, daß der Bursche der 20jährige unterstandslose Hilfsarbeiter Anton Schindler ist und daß er dem Skontisten die halbe Million Kronen aus der Brieftasche gestohlen hat. Im Klosett des Kaffee*t*uses wurde dann die Beute verteilt. Die beiden Mädchen, die die Polizei kennt, die 36jährige unterstandslose Anna Strasser und die 23jährige Hilfsarbeiterin Marie Karrer, erhielten je K 50.000 und zwei Burschen der Gesellschaft, der 28jährige Inslallateurgeliilfe Leopold Z a j i s K 100.003, der 25jährige Kellner Alfred Prohaska K 40.030. Den Rest hat sich Schindler selbst behalten. Mit dem Gelde flüchtete er und konnte bisher nicht ausgeforscht werden. Alle anderen, auch der Bestohlene, der Skontist Haselberger, wurden verhaftet, zumal festgestellt wurde, daß er schon vor einiger Zeit auf gleiche Weise dem Bankhaus Gelder veruntreut, jedoch den Schaden wieder gutgemacht hat. Von der ganzen Summe von K 620.003 wurden nur mehr K 21.000 zustande gebracht, das übrige Geld haben die Täter schon verausgabt, verspielt und verzecht Ein internationaler Scheckfälscher. Paris, 26. Februar. (Havas.) Auf Grund von Angaben der Pariser Polizei hat die Polizei von Barcelona den Spanier Blusia Abuse verhaftet, der unter Benützung falscher Identitätsnachweise innerhalb eines halben Jahres bei zahlreichen Banken Europas und Amerikas auf gefälschte Schecks ungefähr vier Millionen Francs behoben hat. * Statistisches über Sowjetrußland. Das Statistische Zentraiamt uer Sowjetregierung veröffentlichte ein Bulletin üb-er die Größe irnd die Bevölkerung Sowjctrußlaifdö, dem dile Ergebnisse der Voükszän.ung von 1930 zugrunde liegen. Die VolCcsiZainlung konnte nicht restlos durchgeführt werden, manche Gebiete lieferten überhaupt keine Daren; für diese mußten die aus den truheren Jahren vorliegenden Dä'cn eingesetzt werden. Sohin geben die Endzah'.an nur ein ungenaue« Bad. Danach umfaßt das eigentliche Ruß.amd (das Dom- Gebiet, der Nordkaukasus, die Ukraine und' Weißrußland) elr.en Cei>!ets’.som?lcx von .3.348.000 Qurdratweivt mit $3.387.000 Einwohnern. Zu dem kommt eine Reihe vön Völkern i-m Norden, Osten und Süden, die ein Gebiet von 3914.000 Quadratworst besiedeln und an Zahl 2U,404.000 Stark sind; weiter Sibirien mit 9,473.000 Quadratwerst und einer Bevölkerung vom 9.357.000. Sohin ereflrecfot sich Sowjetrußland über 16.736.000 Quadratworst und zahlt 124.050.000 Einwohner. Die Statistik zählt noch die mit Sowjetrußland durch eine gemeinsame Zollgrenze verbundenen Sowjetrepubliken Aserbeidsch-an, Armenien, Georgien und dl:e Republik des fernen Ostens mit zusammen 7495.000 Einwohnern hinzu, so daß das Gesamtgebiet der Sowjets 18,374.000 Quadratwefst und 131,550.000 Millionen Einwohner umfaßt. * * Enorme Erhöhung der Tabakpreise. Die Korrespondenz Herzog schreibt: Die Erhöhung der Preise für Zigarren, Zigaretten und Tabake wird in der zweiten Hälfte März erfolgen. Die diesbezügl chen Vorschläge der Tabakregie liegen bereits dem Ministerrate vor, so daß sich der Hauptauschuß anfangs März mit der Materie beschäftigen wird. Mit Rücksicht auf den Rückgang der auswärtigen Devisen wurde die auf Grund der Jännerkurse errechnete durchschnittliche Erhöhung um 160% auf 120% herabgesetzt. Die prozentuelle Erhöhung der Zigarrenpreise wird eine größere als die der Zigarettenpreise sein, die durchschnittlich um rund 100% erhöht werden dürften. Die von den Trafikanten angestrebte Erhöhung der Verschleißprovision ^wurde nicht zugestanden. * Der Pelzmarder im Vorzimmer, In der letzten Zeit haben sich die Fälle gemehrt, daß namentlich in den Abendstunden und in den Bezirken, in denen wohlhabende Leute wohnen, flinke Gauner heimlich die Vorzimmertüre mit Nachschlüssel öffnen und das, was sie an den Kleiderhaken finden, blitzschnell an sich nehmen und ebenso leise wieder verschwinden. Fast jeder Tag bringt drei oder vier solcher Einbrüche und da gewöhnlich kostbare Pelze und schwer ersetzbare Ueberkieider gestohlen werden, geht der Schaden in die Millionen Kronen. Die Art der Ausführung der Diebstähle ist immer gleich und läßt darauf schließen, daß eine organisierte Bande diese Diebstähle ausführt. Es erscheint deshalb geraten, die Bevölkerung zur größten Vorsicht zu mahnen. Parteien, die statt der Türschnallen einen Grifiknopf haben, glauben fast immer, daß es das Zuschlägen der VVohnungstüre Unberufenen unmöglich macht, in die Wohnung einzudringen. Aber mit gewöhnlichem Sperrhaken kann tede mir angeschlagene Tür ohne Mühe und Geräusch . WIENER MöRGENZEITtJNl* 1 -- " : . . - —■ --- ' Mitteilungen aus dem Publikum. ISSMAniulSiijiliA whedcr een«® jagerwasene lagernd Albert Matzner,Wien,I.,Kolilmessergasse8 geöffnet werden. Die mit Griffknopf versehene Türe muß unbedingt mit einem Sicherheits- oder einem Doseschen Schloß versehen und von innen stets abgesperrt sein. Auch wenn Leute in der Wohnung sind, soll die Türe an allen Schlössern abgesperrt und womöglich durch Sicherheitsketten versichert sein. Der Einschnitt in die Türen, der als Briefeinwurf dient, macht es Gaunern möglich, sich durch einen Bück durch den Spalt über die Beute zu orientieren. Ein innen angebrachtes Schutzblech oder ein darüber gespannter Karton macht dies unmöglich. Der Proponent der Salzburger Spielbank verhaftet. Durch Wochen wirbelte die an die Salzburger Gemeindevertretung gestellte Proposition, eine Spielbank zu errichten, aus der der Stadt große Vorteile erwachsen sollten, viel Staub auf. Die Sache erregte großen Widerspruch und scheint im Sand verlaufen zu sein. Als Proponent soll der 43jährige Henri F r 0 c de Generfville, zu Vitri im Departement sur Seine, fungiert haben. Das Wiener Sicherheitsbureau stellt fest, daß M. de Froc seit dem Jahre 1919 aus Oesterreich für beständig abgeschaft ist und daß demnach sein Aufenthalt in der Repubik eine Uebertrejung bedeute. Es wurde in Erfahrung gebracht, daß sich der Mann, der gewöhnlich dort zu verkehren pflegt, wo ein Stelldichein internationaler Spieler ist, sich in Wien aufhalte und tatsächlich wurde er Samstag von einem Kriminalbeamten auf der Kärtnersiraße verhaftet und dem Bezirksgericht I zur Abstrafung wegen verbotener Rückkehr übergeben. * Jüdischer Frauenbund (IX., Liechtensteinstraße 11/13). Spendenausweis derlnlandaktion für Kinderu nd Greise vom 10. bis 22. Februar 1922. Durch Herrn Wilhelm Buchbinder, Nederlandsch Comit6 K 59.000, Herr Hans Enge), III. (Tempelspende) K 5000, Herr Mor. Taußky, II. (Tempelspen^e) K 1000, Herr Abraham Spitzmann (Tempelspende) K ^00, Herr Ingenieur Luttinger (Temneisnende) K 200, Frau ny Picker, XV111. (lahresbeitrag) K 3000, Frau Nett! Schön^acH, VI. (lahresbeitrag) K 500, Frau Scheindel Rapaport, VII. (Jahresbeitrag) K 500, Frau Rosa Mieses, VI. (Jahresbeitrag) K 400, Kunerolwcrke, Atzgersdorf bei Wien (Monatsbeitrag) K 2Ö0, Frau Doris Fischer, IX (Jahresbeitrag) K 300, Brüder Appel, IX, K 1500, Diverse K 565, früherer Ausweis K 241.600, zusammen K 305.265. Garderobespenden : Frau Lotte Necheles, IX, 1 Paar Tuchgamaschen, 1 Knabenmütze* Steuerfragekasten. I. März. Nach der Auslegung des Finanzministeriums, beträgt die erste Rate der Einkommensteuer pro 1922 ein Viertel der Vorschreibung für 1920; nach dem Antrag Kraft, der aber noch nicht Gesetz, ein Viertel des auf das Einkommen des Jahres 1920 nach der Skala für 1921 (3.3% für Einkommen zwischen K 100.000 und 400.000) entfallenden Betrages. — jehuda. Das steuerfreie Existenzminimum beträgt für 1920 K 8400, für 1921 K 60.003, für 1922 vorläufig K 240.000. Wenn Sie im Jahre 1921 nicht mehr als K 60.000 Einkommen hatten, so müssen Sie ein Bekenntnis nur über besondere Aufforderung Einbringen. Es ist aber vorsichtig, auch ein niedrigeres Einkommen einzubekennen, da Sie hiedurch einen leichteren Stand gegenüber einer Schätzung von Amts wegen h ben.. — Geschäft. Die Pflicht zur Erwerbsteuererklärung ist von der Höhe des Reingewinnes unabhängig. Selbst bei einer Verlustbilanz ist Erwerbsteuer zu zahlen, wenn auch nur die Minimalsteuer. — R. W. Melden Sie bezüglich des Handelgewerbes bei der Gewerbe- und bei der Steuerbehörde den Nichtbetrieb an. Es wird Ihnen dann nur ein geringer Betrag als Nichtbetriebsquote vorgeschrieben werden. — Option. Die Optionen nach dem Brüfnner Vertrag sind stempelfrei. Eine «Gebühr, für die Verleitung der österreichischen Staatsbürgerschatt wird nicht vorgeschrieben. Für den Erwerb des Wiener Heimatrechtes ist aber eine Aufnahmsgebühr zu entrichten, die sich nach der Dauer des Aufenthalts und der Höhe des Einkommens richtet. — Alfred K. Die Angabe des Reingewinnes ist in der Erwerbsteuererklärung nicht notwend'g; dagegen empfiehlt sich die Angabe des Bruttoumsatzes, beziehungsweise der Bruttoprovisionen, da sie ein für die Bemessung der Erwerbsteuer wichtiges Betriebsmerkmal bilden. — Baden. Eine verspätete Antwort ist immer besser als gar keine. Ueberre’chen Sie die Vorhaltsbeantwortung persönlich bei Ihrem' Referenten, entschuldigen Sie Ihre Säumnis und ersuchen Sie um Wiedereinsetzung in den vorigen Stand. , Briefkästen der Redaktion. „Zioni“. „Der Tog“, New York, „Daily News*. Adresse genügt. — N. JA. Ein solches Amt ist uns nicht bekannt. — F. K.tz Warschau. Wenden Sie sich an die Wiener polnische Gesandtschaft, HI., Rennweg l, welche das Nötige veranlassen wird. _ Der Hausarzt. . Redigiert von Dr. Sanel Beer. Ueber Bruchanlagen* In gewissem Kreisern ist die Furcht vor elmem, Unterleibsbruch sehr groß. Man wird daher sehr häufig kvinsultiert, ab eine Anlage für einen Bruch vofliegt. Zweifellos gibt eis eine angeborene Disposition zwr Bmuichbildumg. Haben doah einzelne Autoren eine bestim-mito Gestalt des Unterleibes tlnd gewisse KörperfOrirtein dafür verumtwortllch gemacht. Sicher ist, daß Mänin-eir häufiger sich ein Bruchleiden zuziehen, was mit dem Einfluß einzelner Berufsarten, auf Gelegenheitsu-rsachen, wie Heben schwerer hasten und anderweitige Amsibrengungen, Zusammenhängen dürfte. In Wirklichkeit ist aber die Feststellung, otb es zu elmem Bruche, komm cm wird, sehr schwer. Unter Umterleibsbruch versteht . man das Heraustreten eines Baucheingeweides aus der Bauchhöhle, wobei es au einer Au<satül.pupg des Bauchfelles, au einem Bruchsaak, kommt. Alis Bruchinhalt tritt meist ein Darmstück oder seltener cim Organ, wie der Eierstack oder die Gebärmutter, heraus. Main spricht, je nach der Lücke oder Spalte, durah die der Bruch duirchtritt, vom einem Leisten- oder S-chemkclbrueh. Doch gibt es noch andere Ausstülpungen, wie z, B, den Nabelbruch. Mach den heutigen Anschauungen hält min ein plötzliches Auftreten eines Bruches, etwa durch einem Stoß, Schlag oder Heben einer so' weren Last bedingt, für unwahrscheinlich. Maua nimmt in di^en Fallern ein Umbemorktbleiiben eimea bereits vorsre- 27. rebroaf T92* . Nr. fiflr bildeten, angeborenen Bnudvsackes an, bis infolge einer äußeren Ursache, häufiger Hwsteiün, Schreieiv . schwere Arbeit, der Bruch völlig heramtrkt. So sieht man im (höheren Alter bei zunehmendem Fettschwund und plötzlicher Abmagerung odier bei Erschlaffen der Bauchdecken nach vorau-sgegangenet» Dehnung, wie bei Sabwangerschaift, Brüche eiwbreten. Die Bruchipforten werden hiebei gedehnt und diel Eingeweide vorgelagert. Bei Männern schafft der nicht herabgestiegen« Hoden eine Prädisposition zum Bruche, indem er, durch den offengebMebenon Scheidemfortsatz den Bauchfelles das Baiuchfelinetz mit sich iherabzietot. Der Anpralil der Eingeweide bei eingelegtem Finger im offenen Leistonkamal, auif welche Weise die Untersuchung erfolgt, läßt eine sichere Voraussage nicht zu. Hier spielen eben noch verschieden« Momente, wie Weite, Länge und Richtung des Biruchkanals, eine entscheidende Rolle. Die statistischen Feststellungen ergalbon mutt* daß Bruchainlagen nur zu einem ganz.geringea Teile zu wirklichen Brüchen führten». Diese Tatsache ist wichtig, weil der Arzt oft genug zu entscheiden hat, db etwa ein operatives Verfahren e in zugreifein hat oder, ein bestimmtes Individuum als Bewerber für gewisse Berufe auszusdilicßcm ist. Als Rid-ftiimien wird man am besten festhalten, daß ein wirklicher Bruch bei jüngeren Individuen unbedingt radikal zu operieren ist. Die Operationsscheu ist völlig unbegründet. Der Eingriff ist eiirt ganz geringer und schützt vor den mit Recht gefürchteten Brucheinklemmungen, bei deinem operative Hilfe oft zu spät kommt. Die Zurückhaltung der Eingeweide durch ein Bruchband ist unzuverlässig, belästigend und nur für kleinere Brücfhc ainwendlbar* Das krankhafte Erröten. Jeder hat wohl schon einmal die Peinlichkeit des Mome-mts empfunden, da er, im BsgriffW zu reden oder angeredet zu werden, plötzlich errötet. Bei manchen Menschen tritt das Erröten geradezu als krankhafter Zustand auf. Es kommt immer, wieder bei bestimmten Anlässen, wird dem Betroffenen zur Qual und ist sogar imstande« Lebensüberdruß zu erzeugen, 3 Der eine errötet, wenn er von seinem Chef an* gesprochen wird, er wird schüchtern, verlegen, er kann nicht Rede stehen und stottert. Ein anderer empfindet diesen Zuistand der Verlegenheit, die Ern rötung, wenn er eine Anrede halten oder Gäste be« grüßen will. Man hält das Erröten für eine Zwangsvorstellung, die mit Angsterscheinungen .einhergeht. Den Erröter lebt gewissermaßen in der beständigem Angst vor dem Erröten, Andere vermuten eine angeborene Reizbarkeit der Hirnzentren. Jedenfalls ist das leichte Erröten eine Teilensicbeiung eines» neurastrhepischem Zustandes. Dr. Aronsohn faßt es als selbständiges Leidet»' auf, wobei er nicht die Angst, ändern das Schami ge fühl als auslösenden Faktor annimmt. Das Erröten der Erwachsenen kommt auf die gleiche Art zustande wie das Erröten, der Kinder, die bei einer Unwahrheit erwisch« werden und sich dessen schämen. Der gesunde Erwachsene errötet selten. Der krankhafte Erröter ist wie ein Kind, dia/s seine Gefühle nicht meistern kann. Es deutet gewissermaßen auf ein« Entwicklungshemmung und man findet bei solchen Personen gewöhnlich noch andere Degeneraticmiszeichen.. Die Erröter sind ein ganz bestimmter Tyipu«. Es sind Menschen, die immer bestrebt sind, als etwas Besonderes zu gelten, und sich über die Umgebung herjuiihe'ben wollen, sie haben ein unbefriedigtes Innen- und Sexualleben, während sie sich nach außen sehr prüde geben. Sie haben immer selbst das Gefü.J, nach außen unwahr zu sein: Es sind Schauspieler und Poseure, die sich selbst der Unwahrheit schämen, Die Erröter sind schüchterne, verschlossen« Naturen und meist Leut« aus den besseren Gesellschaftskreisen, Diese Menschen leiden sehr unter diesen Zuständen, weil sie fürchten, daß das Erröten von den anderen falsch gedeutet und a>lis ein Verbergen der,Wahrheit ausgelegt wird. Dieses krankhafte Erröten ist jedoch heilbaf. Die Methode ist einfach. Man muß diese Leute nun* auf das Tatsächliche des Vorganges aufmerksam machen. Man muß ihnen sagen, daß sie sich einfach und natürlich geben müssen. Sie müssen auf besondere Ausdrucks weise, erlesene äußere Form verzichten. Der Erröter muß lernen, nur als der zu erscheinen, dar er wirklich ist. Denn wenn er sich1 der Unwahrheit nicht schuldig macht, braucht es sich nicht zu schämen und -nicht zu erröten. Es gelingt fast immer durah suggestive und analytische Methoden, den unangenehmem Zustand des plötzlichen Errötens zu bahnen. Aerztlicher Fragekasten. Verzweifelter. Das ist doch kein krankhafter Zu« stand, sondern eine gesunde Begleiterscheinung der füng* lingsjahre. Die abnorme Befriedigung wäre aber energisch durch Willenskräftigung zu bekämpfen. — Lotte. Wegen des chronischen Schnupfens wäre doen eine ärztliche Untersuchung notwendig. Es könnte sich um Wucherungen in dem Nasenrachenraum handeln. •— Schnackerl. Es handelt sich dabei entweder um ein nervöses Luttschlucken, oder, wie einige Autoren meinen, um eine Folgeerscheinung der Grippe. Man sucht diesen Krampfzustand durch eia Unempfindlichmachen der Magenschleimhaut zu bekämpfen. Säugling. Versuchen Sie es mit der Kindernahrung „Kexa* oder mit der ßutter-Mehlkost, die ich in der Montagsnummei am 21. September 1921 mitteilte. — Blutvergiftung. Diese kann auch von einem kleinen Furunkel ausgehen. E"> sind eben Krankheitskeime ln die Blutbahn gelangt und haben die ßh Zersetzung veranlaßt Man versucht jetzt, durch artfremdes Eiweiß die Schutzkräfte des Köroers von Gegengiften anzuregeo:

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