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Wiener Morgenzeitung · 1922-02-24 · Heft 1104 (24.2.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1104 (24.2.1922)
Date
1922-02-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. Ü04 Wien, Freitag WIENER MORGENZEITUNO '24. Februar 1922 Seite 3 beschlossen, das Gesetzesprojekt über die Aufhebung der Rechtsbeschränkungen der Juden von der Tagesordnung abzusetzen. Bei Beginn der Sitzung teilte der Sejmmarschall Trompczynski mit, daß auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung die erste Lesung des Gesetzes, betreffend die Aufhebung der Rechtsbeschränkungen der Juden gelangen soll. Hierauf hielt Pater Lutos 1 a w s k i eine antisemitische Hetzrede und protestierte dagegen, daß dieser Punkt auf die Tagesordnung gesetzt werde. Zum Schlüsse beantragte Lutoslawski die Absetzung. Abgeordneter Thon trat den Ausführungen Lütoslawskis, welche er als eine Schande bezeichnete, in überaus heftiger Weise entgegen. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Lütoslawskis mit überwiegender Mehrheit cum Beschluß erhoben. Jugoslawien. Plan eines Wirtschaftsbündnisses zwischen Jugoslawien und derTschecho- ' Slowakei. Agram, 22. Februar. (Intel.) „Jutarny List“ will aus informierten Prager Kreisen erfahren haben, daß Doktor Raschin beabsichtige, zusammen mit einer Gruppe tschechoslowakischer Finanzmänner einen Plan für den wirtschaftlichen Zusammenschluß Jugoslawiens und der Tschecho-Slowakei auszuarbeiten. Die Gesetzgebung über den wirtschaftlichen und finanziellen Verkehr soll einheitlich sein. Jeder der beiden vertragschließenden Teile soll seine Erzeugnisse in das Gebiet des anderen Teiles einführen. Auf diese Weise soll die Valuta stabilisiert werden. Dies soll der erste Schritt zum wirtschaftlichen Zusammenschluß der kleinen Entente sein. Ungarn. „Hoch der Pogrom, hoch Orgovany, hoch IzsakS“ Budapest, 23. Februar. (Tel, der „Wiener Morgenzeitung“.) Nächsten Sonntag nachmittags findet im großen Redoutensaal das Maskenmeeting des Verbandes der Erwachenden Ungarn statt, in welchem die Führer des weißen Terrors Pronai, Hejjas, Budavary und der Vertreiber der jüdischen Lehrkräfte aus den Budapester Schulen, Zilahi K i s s, Reden halten werden. Gewissermaßen als Einpeitschung für diese große Versammlung werden allabendlich in den Bezirken Budapests Agitationsversammlungen abgehalten. Gestern fanden, solche Versammlungen in sämtlichen Bezirken statt. Bezeichnend Ist hiebei, daß diese aufreizenden Versammlungen fast durchwegs in Schullokalen oder in den Turnsälen der $ c h u len abgehalten werden, Die Versammlungen nehmen überall den gleichen Verlauf. Sämtliche Redner präparieren ihre Zuhbrer für einen großen A b r e c h n u n g s p o g r o m, wie einer der Redner die nächste Aktion nannte, ohne' den in Ungarn eine Rechtsordnung nicht gedacht werden könne. Paul Pronai hat sich in diesen Versammlungen ein neues System zurechtgelegt Es ist eine Art Fragen- und Antwortspiel. »Wer Hat uns in der Erreichung unserer heiligsten Ziele gehindert?“ lautet die erste Frage. Das Echo antwortet: „Die Juden!“ „Wer hat die Gebietsintegrität des Landes zerstört?“ Die Versammlung brüllt: „Die Jude n!“ „Wer hat die Königsfrage in die Politik und in die Religion hineingeworfen?“ „Die Juden!“ Nun hat die Temperatur der Versammlung den gewünschten Höhegrad. Da kommt die Frage Pronais: „Und wenn wir uns das alles vergegenwärtigen, müssen wir da nicht alle Mittel zusammenfassen, um zur Tat zu greifen?“ Wie auf ein Signal dröhnt die Versammlung: „Hoch der Pogrom! Hoch Orgovany! Hoch Izsak!“ So geht es schon eine ganze Woche lang Tag um Tag ungestört und ungehindert, so daß der berüchtigteste Lump unter ihnen, Ladislaus Budavary, die Versammlung mit der Versicherung schließen konnte, daß die Erwachenden Ungarn das Land noch in Staunen versetzen werden, daß es ein Erdbeben geben wird, denn die Erwachenden würden sich ihr Recht" mit der ungarischen Faust zu erkämpfen wissen. So klingt das Präludium für die kommenden Wahlen auf Grund eines oktroyierten Wahlgesetzes. Palästina. Lord Northcliffes Kampagne. London, 20. Februar. (J. C. B.) Die Noirthftliffe-Bress© Unat, ainscheinen'd aiutf die Weisungen ihres Chefs, der aus Palästina zurückkehnte, eine sebarfe Kamipague gegen dien Zianiisnuuis eröffnet. Die »Times*, »Dia'ily Miaiil« uinid »Evaninig News* drucken Artikel, in welchen sie dem Ausgangspunkt Ivan diem Mitteilungen X ard iNtoirtlhicliiffes nehmen, daß in Palästina die Methoden einiger, neu amgekommenetr »exiliremer Zionisten« angcwendet werden*. Diese Blätter stellen nunmehr einen besonderen 'Raum den Angriffen der zionistenfeind liehen Lords!S ydienfoam und I s 1 in gt*oin zur Verfügung, die ihre Uebereinsitimmuing mit den Erklärungen Lord Niontihidiffes aysdrüokiem und die Absdhiaffung ZEIREIMISRÄCHI S.S veranstaltet am Sonntag den 26. Februar 1922 um 7 Uhr abends in der „Scholle“, II., Liiienbrunngasse 1a, einen Palästina-Vortrag »Ml: Herr I. RADLER-FELDMANN (R. WW Schriftsteller aus Jerusalem Thema: Das religiöse Leben in Erez Israel der Balfour-Deklarabion sowie die gänzliche Einstellung der Einwanderung fordern. Lord Sydeinihlam schreibt, daß die nädhiste Gefahrperiode der Osten sein werde und daß große Unruhen sicherlich im Anzug sind, falls die gegenwärtige politische Richtlinie in Palästina aufroohterhalten bleibt. London, 20. Februar. (J. C. B.) Der Chiefrabbi von England, Dr. Hertz, hat als Präsident der britischen Misrachi-Organisatioin folgende Botschaft an Lord Nomthcliffe gerichtet: »Die eibe Million orthodoxer Juden repräsentierende Misrachi-Orgamisallen protestiert gegen’ die um ve ram twörtlichen und niemanden vertretenden drei Männer in Palästina, die erklärt hätten, daß das orthodoxe 'Judentum den zionistischem Zielen widerstrebe. Die ganze orthodoxe Judenheit ist einig in ihrem Wunsche, Palästina als das nationale Heim des Jüdische m V 0 like s wieder auf au*- bauen.« \ \ (Es handelt sich, wie gemeldet, nm ein paar Agudisten, welche diese neue Denunziation auf dem Gewissen haben.) ' Jerusalem, 20. Februar. (J. C. B.) Man hiat erst jetzt iin Erfahrung gebracht, dlaß die A g u d a- D'dpuitiaiüi'Om Lord Northcliffes vom hollänidiiisdhem Journalisten Dr. de Haan vorgeführt wurde. Die Deipiufaitiiicin erklärte Lord NorthicUffe, dlaß die Bestimimiuingem des , Patlästiima-Mandlaitis aiuidh eine Klausel zum Sclhuibz*e der, u*ichtion!- s t i s c h e n Juden einitlhaJibem müssen und daß die Orgamiiiiation dar AgUidiais J'itswl, für sich dasselbe Recht wie die ziomiiisitiiisdhe Orgiaiuiiisatiicm reklamiert, in. der Jewi,sh Agency vertreten su Diese, ziur Kennitms der JÄOscIhen^ OcffMtllchkelt Palästiimas gelangten TatriaCheu erregten in allen Lagern dten größten Süuirrn der Entrüstung. Zahlreiidhe ortlhadloxe Gruppen*, die dem Miiistraiclhi nicht 'aingehöiran, sendoten. ■ * *an dem ' W a-lä d Leu ml scharfe Proteste gegen Dr. die Hsian rund seine Kolleg®». Pie jüdlitsohon Rechbshör^r' fordern das Ausscheiden Pr. Hwanus vom Lethrefikpllegiium und beschlossen, den Vorträgen so lange femnizulbleiben, bis der R ü c k tritt Y r. Haans arMglt ist. (Herr -de Haan hat sldh jüngst *dlucnh sein Ein- Dr*etien für den Antisemiten General Stiouris umamge- . ni®hm bemerkbar gemaiciht. Piie Agudiah halt im Zusiaimmenhiamg dismit ersucihlt, Hennn de Haan von sldh abzuschüttelin.) Weitzmann fordert die Entsendung einer unparteiischen Untersuchungs- Kommission. London, 20. Februar. (J. C. B.) Pie »Times« veröffentlichen eine Zuschrift Dr W e it z m an n s, in welcher er sich im Zusammenhang mit den Angriffen* Land NortheUffes für die Entsendung einer unparteiischen, kompetenten Untensucbuhgskommissioin nach Palästina e;n*sebzt, Sowohl Doktor Weitzmanin afys auch die große Mehrheit der Zionisten üheribaiujpt würden eiper denamtigen Untersuchung mit der größten Zufriedenheit •zustimmen, sie wunden auch nichts mehr verlangen, als daß die Ergebnisse dieser Unltiensuidhung so weit und so breit als möglich der englischen Oeffcatliphkeit zur Kenntnis gebracht werden. Rundschau. Die Neuwahl eines deutschen Reichspräsidenten. Berlin, 23. Februar. Im Zusammenhang mit der gestrigen Erklärung des Reichskanzlers, daß nach Erledigung der oberschlesischen Frage die Angelegenheit einer Neuwahl des Reichspräsidenten von der Reichsregierung als dringlich angesehen werden wird, erinnern die Blätter an das bereits am 21. Oktober vorigen Jahres an den Reichskanzler gerichtete Schreiben des Präsidenten Ebert, worin dieser darum bittet, daß unverzüglich die Vorbereitungen über die Wahl des Reichspräsidenten getroffen werden. Der bayrische Ministerpräsident gegen die Antisemiten. München, 22. Februar. (J. C. B.) Der bayrische Ministerpräsident Graf Lerchenfeld sprach in einer Massenversammlung über die gegenwärtige politische Lage Deutschlands, wobei er von den im Saale anwesenden Nationalsozialisten wiederholt in seinen Ausführungen gestört wurde. Die antisemitischen Nationalsozialisten warfen ihm in ihren Zwischenrufen die jüdische Abstammung seiner amerikanischen Frau vor, die ihn in seiner Politik beeinflußt. Graf Lerchenfeld rief den Nationalsozialisten zu 5 „Ich warne euch alle vor der Benützung des dummen Schlagwortes „Jud“ und vor der Gewohnheit, die Juden für alles, was in der Weltgeschichte schlecht ist, verantwortlich zu machen.“ Bei dieser Gelegenheit pahm Graf Lerchenfeld Dr. Rathenau gegen verschiedene von den Antisemiten gemachte Vorwürfe in Schutz. Der Putsch in Portugal. Widersprechende Meldungen. Paris, 23. Februar. (Havas.) Nach Meldungen aus Lissabon sei die Krise ohne Blutvergießen beendet und die republikanische Garde entwaffnet worden. „Echo de Paris“ berichtet, daß in ganz Portugal ein allgemeiner Ausstand ausgebrochen sei, C u n h a L e a r leite die Aufruhrbewegung. Ein englisches Geschwader sei von Gibraltar nach Lissabon abgedampft. Orlando mit der Kabinettsbildung betraut. Rom, 23. Februar, (Funkspruch.) Wie verlautet habe der König 0 r 1 a n d 0 mit der Kabinettsbildung beauftragt. Orlando habe angenommen. Er wolle jedoch nur das Präsidium übernehmen und T i 11 0 n i das Portefeuille des Aeußern übertragen. Paris, 23. Februar. (Funkspruch.) Die Kabinetts* krise in Rom hat noch immer keine Lösung gefunden, hauptsächlich infolge der intransigenten Haltung.des Führers der Katholischen Volkspartei S t u r z 0. Gerüchtweise verlautet, der König wolle die Kammer auflösen. Niederlage der ostsibirischen Weißgardisten. Tschita, 23, Februar. (Funkspruch.) Die Rots Armee hat bei ihrem Vordringen gegen Süden einen großen Sieg über die ostsibirisen. Weißgardisten errungen. Sie besetzte die Station Irena (50 Werst hinter Chabarowsk) kund erbeutete zahlreiches Kriegsmaterial, In den Küstengegenden um Wladiwostok nimmt der Guerillakrieg gegen die weißen Truppen seinen Fortgang. Der Wilnaer Sejm hat den Anschluß an Polen beschlossen. Wilna, 23. Februar. (Tel. der „Wiener Morgen* zeitung“.) In der letzten Sejmsitzung wurde mit 96 Stimmen bei 6 Stimmenenthaltungen der Beschluß auf die. Inkorporierung Wilnas in die Republik Polen ge« faßt, Der Abstimmung enthielten sich die soziak demokratischen Abgeordneten und die Micke4 wicz-Gruppe, __ Tagesbericht. Zionistisches Landeskomitee für Oester-* reich. Der Parteirat wird für Sonntag den 26, d. M* 2 Uhr nachmittags, im Niederösterreichischen Gewerbeverein, I., Eschenbachgasse 11, einberufen. Tagesordnung: 1. Berichterstattung (Referent Dr. Löwenherz), 2. Kultusgemeindefragen (Referent Dr. Friedmann). 3. Keren Hajessod (Referent Dr. Weiner). Laut § 12 a des Statuts haben die Mitglieder des Landeskomitees, die dem Verbände angehörlgen Mitglieder des Aktionskomitees, der Obmann des Parteigerichts, der Parteiaijwalt sowie die von den Bezirkssektionen, Ortsgruppen und Sonderverbänden gewählten Delegierten Sitz-und Stimmrecht. Besondere Einladungen ergehen nicht, die Legitimationen erhalten die Delegierten vor Beginn der Tagung im Saale. Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich: Dr. Isidor Schalit Ing. Robert Stricker Vizepräsident Präsidet Professor Pirquet über seine Amerikafahrt. Nach viermonatiger Abwesenheit ist gestern Pro* fessor Pirquet, der Vorstand der pädiatrischen Klinik wieder in Wien eingetroffen. Er hat an der Yale-Universität in Newhavn über Kinderheilkunde gelesen. Ueber seine Erfahrungen äußert er sich sehr befriedigt In einem Interview erzählt er unter anderem: „Ich habe Gelegenheit gehabt, mit den führenden Persönlichkeiten des Joint Distribution Committee, das bekanntlich 100.000 Dollar für Oesterreich flüssig gemacht hat, aus welcher Summe dann durch Ergänzung auf das Doppelte die - jüngste 200.000-Dollarspende geflossen ist, zusammenzukommen. Es war mir eine Pflichterfüllung, diesen Stellen gegenüber' genaue Aufschlüsse über die Verwendung, der gespendeten Beträge zu geben und den Dank der Empfänger zu übermitteln.“ Der „Joint“ ist bekanntlich eine jüdische Hilfsorganisation. Der Bericht über die Verwendung der Spenden wird die Herren lebhaft'” interessiert haben. Ist ihnen auch mitgeteilt worden, daß die vom „Joint“ subventionierte Mensa judeica im Vorjahr vo r deutschnationalen Studenten überfallen und verwüstet wurde? Regenmänte Herrenu. Damenwäsche Textbä- und Stm&wa&’en' alles erstklassig und billigst im Warenhaus Schiümann Wien, II.. Taborstreße 48 Telephon 47-t-79 En gsros W4 En cSeSsil

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