Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1103 (23.2.1922)
- Date
- 1922-02-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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% HO? Wien, Oqnnerstaj? WIENER MOR'GENZEITTJKÖ Feb mar 192J Seite .'S ßunzl gaib zu, der Edlbauex K 30«» arr^bezalhlt zu haben, jedoch nicht als Schweiggeld, sondern, um vor den angeblichen erpresserischen Forderungen der Edlha-uer Ruhe zu halben. Von der Vergewaltigung, die behauptet wurde, und von der Äbtreilbung wil! er erst lange-, nachher Kenntnis erhalten haben. Dagegen leugnet Georg Hermann entschieden, das Mädchen vergewaltigt zu haben. Er ist, .behauptet .er, zu dem Mädchen nicht einmal in intime Beziehungen •retteten. Hermann wurde am 22. d. M. dem Landes- ^ericht eingeliefert. Die übrigen in die Sache verwickelten Personen wurden auf freiem Fuße belassen und) dier Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Konzertlokalbesitzer sind unzufrieden. ln der vorgestern unter dem Vorsitze des Präsidenten Karl Pertl abgehaltenen Vollversammlung des Verbandes der Konzertlokalbesitzer nahm die Mehrheit der Versammlung den Standpunkt ein, daß die Konzertlokalbesitzer Wiens nicht in der Lage seien, den Musikern irgendwelche Zugeständnisse zu machen und vielfach gab sich der Wille kund, neue Verträge nach dem mit dem 21. d. M. abgelaufenen Kündigungstermin nicht mehr ab- Luschließen. Begründet wurde diese Stellung mit dem von Tag zu Tag sich immer fühlbarer machenden Rüc kgang der Betriebe. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, einem paritätischen Komitee die neuen Abmachungen mit den Musikern in der Richtung zu überlassen, daß die Konzerlokale in Klassen eingereiht werden, für welche ein abgestufter Tarif festzusetzen ist. Der heutige ciiauffeurstreik. Keine allgemeine Durchführung. I Einer gestern im Verbandsheim stattgefundene, [massenhaft besuchte Chauffeurversammlung des Handels- und Transportarbeiterverbandes faßte den [einstimmigen Beschluß, daß sich die Chauffeure [des Lohnfuhrwerks, der Staatswie Gemeindebetriebe [und die gewerkschaftlich organisierten Privatchauffeure fen der heutigen Demonstrationskundgebung der Kraftfahrer-Union nicht zu beteiligen und, dem [Dienste ohne Unterbrechung zu folgen haben. Die jüdische Trennungsorthodoxie wird katholisch. Vor kurzem hat das Organ der in der Agudas Jisroel (Schiffschul) vereinigten Trennungsorthodoxen einen Artikel gebracht, in welchem den frommen Juden empfohlen wird, Sich als Konfession 8--' los zu er kl Ären, um von der Gesellschaft der verfluchten Zionisten loszukommen. Offenbar scheint das Rezept nicht ganz gewirkt zu haben und dasliebiche Blatt 'der Frömmsten aller Frommen geht rasch einen gewaltigen Schritt weiter. Weil es irgendwo täuten gehört hat, daß der neue Papst angeblich ein Gegner des Zionismus sein soll, bringt es ein begeistertes Loblied auf die göttliche Mission pes Papsttums und empfiehlt seinen Lesern Anschluß an den Heiligen Stuhl. Man schreibt uns pazu: - „Das Ziel der Agudas Israel ist, die im Leben des Budentums' jeweilig auftauchenden Fragen im Geiste der [fhora zu lösen.“ Dieses Programm der Aguda klingt liübsch, nur ist nicht genau ausgedrückt, im Geiste welcher »Thora die jüdischen Fragen zu lösen sind. Die Thora, die »vir am Berge Sinai empfangen haben, kann da natürlich [licht gemeint sein, weil diese von dem Geiste der Wahrpit und der Eintracht erfüllt ist. Die Aguda hingegen Intrigiert, sucht Trennung im Judentum herbeizulührem [denunziert und verleumdet jüdische Brüder und sucht bei Antisemiten Hilfe. Welche Thora meint also die Aguda? Diese Frage drängt sich auch auf, wenn man das Wiener Aguda-Organ vom 12. d. M. liest. Das Blatt schreibt pnläßlicb der Papstwahl: . | „Der göttliche Optimismus der Religion läßt uns an [eine wachsende Kraft der sittlich [begriffenen Mission des Papstes | glauben. Wenn wir unserer Mission würdig bleiben, I so kann es nicht anders sein, als daß der Papst wieder, I wie so oft in schwerer Zeit, seinen Mantel schützend I über das verfolgte Volk Gottes breitet. Ein g 0 11 e s- I treues Israel im Lande seiner Väter hi u ß s i c h Ides Vertrauens und Schutzes'des I Papsttums erfreuen, ebenso wie es (das Papsttum) I sich jetzt zürnend gegen das entarteteTreiben I verlorener Söhne Israels (der Zionisten) I wendet Wie immer, ist es an uns gelegen, die weiße I Rauchsäule, welche die Erwählung Pius’ XI. verkündete, I als gutes oder böses Omen zu werten.“ ■ Wenn also die Juden Ihrer Mission würdig bleiben ■(will wohl heißen: sich der Aguda anschüeßen!) und sich pom „entarteten“ Treiben der „verlorenen“ Brüder (d. h* Pom Zionismus I) abwenden, so wird der Papst seinen ■Mantel schützend über sie breiten und die weiße Rauch- Pänle der Kirche wird als gutes Omen für Israel gewertet ■werden können! Angesichts dieser erhebenden Perspeki've, welche die Aguda ihren Anhängern eröffnet, kann Inan nicht umhin, mit dem König David begeistert auszu- MUfen: „0 Gott, wie groß sind die Herrlichkeiten, die du für deine Frommen lufbewahrt hast!" I Da fällt mir die Anekdote von der frommen Mente ein: Die alte Jente war sehr fromm und wohltätig. Ihre Frömmigkeit bestand im kräftigen Springen beim «Beten, ihre Wohltätigkeit iui Krankenbesuch mit leeren ■Händen. Ihre Gutherzigkeit ging so weit, daß sie sogar We Erkrankung ihrer Glaubensgenossinnen herbeiwünschte, lB*n recht vfe! Gutes üben zu können. Da bekam Jente m eine junge Jüdin als Nachbarin, die durch ihren Fleiß, ihre ' ehrliche Arbeit und gemeinnützige Tätigkeit Jentes Ansehen zu verdunkeln drohte. Das wurmte Jente unsäglich. Sie begann auf Mittel und Wege zu sinnen, wie die verhaßte Nachbarin ins bessere Jenseits zu befördern wäre. Zuerst versuchte sie es mit Flüchen und Beleidigungen. Dann lief sie zuni Wunderrabbi, Alles umsonst. Endlich kam der Monat Ehil, der Monat der Frömmigkeit. Jente ging jeden Tag. in die Frauenschul und blieb dort länger als alle. Eine Neugierige versteckte sich eines - Tages, um die fromme Jente heimlich zu beobachten. Zu ihrer großen Bestürzung sah sie, wie die fromme Jente, die sich allein glaubte, ein Kreuz aus ihrem Busen zog und es andächtig küßte. „Jente!“ schrie sie, „bist du toll?“ Jente erschrak ein wenig, beruhigte sich aber bald und sagte mit frommer Miene: „Mein Gott, wenn man Hilfe gegen jemanden braucht, ist es kein Wunder Wenn man ah alle Türen pocht. Und weiß ich?“ fügte sie, auf das Kreuz weisend, hinzu: „Vielleicht ist das auch etwas wert!“ Der Aguda wäre dringend anzuraten, von der Gründung einer konfessionslosen Gemeinde, von welcher in ihrem Blatte jüngst die Rede war, vorläufig abzusehen, da dieser Schritt nicht nur dem jüdischen Volke, sondern auch dem katholischen Klerus mißfallen könnte. Ben H g w i r a. * Ein deutscher Märtyrer. Der Abgeordnete Doktor Baeran, dem sein Stinkbombenwurf im Prager Parlament wie schon berichtet, zu einer M i Nionenerbschaft verhelfen hat, teilte in einer Wiener nationalsozialistischen ^Versammlung mit, daß man in Passau für ihm eine Sammlung eingeleitet habe. Er scheint aber noch immer nicht genug zu haben, denn er forderte emphatisch, daß jeder Deutsche in der tschecho-slowakischen Republik wissen müsse, was seine Pflicht sei. Hoffentlich verstehen die Sudetendeutschen diesen Wink mit dem Zaunpfahl und. veranstalten nun gleichalls Sammlungen für den „unglücklichen“ Dr. Baeran. Denn das deutsche Volk braucht, wie^ dieser versichert, Märtyrer, damit es erwache und sich gegen seine Bedränger wende ... Wie man sieht, versteht es der Mann, sich in Szene zu setzen. Keineswegs scheint sich der tapfere Stinkbombenwe r f e r mit der Rolle des Veilchens zu begnügen, das nur im Verborgenen duftet ... * Das Wiener Joint-Bureau. Mr. Jacques Rieur, der die Geschäfte des Wiener Joint seit Juli 1921 geleitet hat, hat seine Tätigkeit beendet und hat Wien verlassen. * Schließung der jüdischen religiösen Lehranstalten in Rußland. Aus Riga wird gemeldet: Das Volkskommissariat für Bildung hat über Verlangen der jüdischen kommunistischen Sektion in Berdyczew die Schließungaller Chedar im, Jeschiboth und Talmud-T ho ras angeordnet. (J- C. B.) * Eine jüdische Studentenverbindung für den Notstandsfonds der Kultusgemeinde. Die Aktivitas der Akademischen Verbindung K a d i m a h hat uns für den Notstandsfonds der Wiener Kultusgemeinde K 20.000 übermittelt. Sie schreibt uns, „daß die Aktivitas der Akademischen Verbindung Kadimah es als ihre Ehrenpflicht betrachtet, entsprechend ihren Kräften für den genannten Fonds beizutragen aus Dankbarkeit dafür, daß unsere Korporation in besseren Zeiten von der Wiener Kultusgemeinde subventioniert wurde“. * Begräbnisse am heutigen Tage. AlterFriedii 0 f: 9 Uhr Lipsker Simon, 9 Uhr 30 Min. Schick Otto, 10 Uhr Liebmann Regine, 10 Uhr 30 Min. Robicek Fanni, 11 Uhr Porges Gisa, 11 Uhr 30 Min. Dr. Friedrich Viktor Spitzer. — Neuer Friedhof: 9 Uhr 40 Min. Dr. Braun Gustav, 10 Uhr Sage! Hermann, 10 Uhr 20 Min. Wohl Etelka, 10 Uhr 40 Min. Brock Bertold, 11 Uhr Behar Marko, 11 Uhr Wolkenstein Susanne. * Besuch des türkischen Chacham Basch! beim päpstlichen Geschäftsträger für den Orient. Anläßlich der Krönung des neuen Papstes besuchte der Chacham Basch! in Begleitung seiner Suite den Vertreter des Papstes im Orient, Monsignore D o 1 c i, um ihm seine Grüße für den Papst Pius XI. zu übermitteln. Der Chacham Basch! ersuchte den päpstlichen Vertreter, dem neuen Papst seine Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen und die Erwartung, daß das neue Oberhaupt des katholischen Bekenntnisses sich bemühen wird, Eintracht und Frieden unter den Völkern zu erhalten, und die Liebe zu allen Menschen zu pflegen. Der Chacham Baschi wies dabei auf die heiligen Pflichten dei*. geistlichen Vorsteher aller Bekenntnisse hin, dafür zu sorgen, daß keines der Völker in Unterdrückung leben soll. Monsignore Dole! nahm die Erklärung des Chacham Baschi mit großer Zufriedenheit * auf und versprach, sie im vollen Wortlaut dem Papst zu übermitteln. Die gesamte türkische Presse verzeichnet den günstigen Eindruck dieses Besuches. (J. C. B.) * 20 Millionen Wähler in England. Chamberlain erklärte im englischen Unterhause, daß die durch den Krieg bewirkte Wahlreforra die Zahl der Wähler von 7% Millionen a^f 20 Millionen gesteigert hat. * Eine neue jüdische Revue in Polen. Ab 1. März beginnt in Warschau ein neues unabhängiges politischliterarisches Wochenblatt in jüdischer Sprache „Die jiddische Tribüne“, zu erscheinen. Das Wochenblatt wird sich speziell mit Fragen der jüdischen Emigrationspolitik und Umschichtung beschäftigen. * Explosionskatastrophe eines Militärluftschiffes. Wie , aus Newportnews in Virginia gemeldet wird, fing das halbstarre MiHtärluftschiff, „R 0 m a“, daß die Vereinigten Staaten kürzlich gekauft hatten und vor einigen Tagen in Dienst «gestellt haben, Feuer, als es in einer Höhe von etwa 600 bis 10C0 Fuß manövrierte.. Das Luftschiff fiel, in Flammen gehüllt, in der Nähe der Flottenstation nieder. Offiziell wird mitgeteilt, daß von . den 45 Mann der Besatzung nur zehn gerettet wurden. * Konstituierung des Wiener Jugendhilfswerkes. Am 20. d. M. fand unter dem Vorsitz des amtsführenden Stadtrates Professor Dr. Tandler die konstituierende Sitzung des Wiener Jugendhilfswerkes statt. Zu Stellvertretern des Vorsitzenden wurden Gemeinderätin Amalie Seidel, Stadtrat Rummelhart und Obermagistratsrat Doktor Hornek gewählt. Stadtrat Tandler brachte die Widmung der Gemeinde Wien von 15 Millionen Kronen zur Kenntnis. * Für Kleingärtner. Von der . Kleingartenstell«1 werden im Lager XIII., Cumberlandstraße 24, Samstag, Montag und Dienstag die restlichen Vorräte an Faßdauben und Bottichen gegen Vorweisung von Vereinsöder Verbandslegitimation an Kleinwirtschafter abgegeben. * Mindestgehalte für Rechts an waltsgehilf eit im Februar. Der Ausschuß der Niederösterreichischen Rechts- , ariwaltskammer veröffentlicht unter Zugrundelegung der für den Monat Februar laufenden Jahres geltenden Indexziffer nachstehende Mindestgehalte für Rechtsanwaltsgehilfen im Februar für die drei Ortsklassen : Ini ersten Jahre der Berufspraxis K 11.500," 10.300, 9200,. nach einjähriger Berufspraxis K 16.000, 14.400, 12.800, nach zweijähriger K 19.500, 17.500, 15.600, nach dreijähriger K 24.000, 21.600, 19.200, nach fünfjähriger K 27.500, 24.700, 22.000, I nach achtjähriger K 30.900, 27.800, 24.700,, nach zwölfjähriger K 34.300, 30.900, . 27.500. Vertretungsbefugte K 22.900, 20.600,18.300. Außerdem waren im Monat Februar laufenden Jahres noch die nach dem Abbaiigesetz bereits ' am 1. d. M. fällig gewesenen Zuschüsse von je K 1159 iür jeden Angestellten sowie für die von ihm zu erhaltende nicht erwerbstätige Frau, beziehungsweise Lebensgefährtin sowie iür jedes noch nicht 14 Jahre alte Kind zu bezahlen. * Einstellung der Wintersportzüge Wieti-West- Bad Aussee. Wegen Kohlenmangels wird ab Samstag den 25. d. M. der Verkehr der Wintersportzüge (ab Wien-West jeden Samstag 14 Uhr und an Wien-West jeden Montag 5 Uhr 30 Mim) in der Strecke Wien-Westbahnhof—Bad Aussee über Amstetten—Selzthal eingestellt * Konzessionlerung der Theaterkartenbureaus, Das Bundesgesetzblatt vom 23. d. M. verlautbart eine Verordnung des Bundesministers für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten, betreffend die Bin d U|n g des Gewerbes der Theaterkarten bn r e a u s an eine Konzession. . sstt* * Von der Südbahn. Seitens der Betftebsdirektio« der Südbahn wird mitgeteilt, daß mit 22. Februar aut der Linie Ober -Radkersburg — L uttenberg über Spielfeld-Straß—Radkersburg der gesamte Personen-* Gepäcks- und Güterverkehr aufgenommen wird: Gleichzeitig gelangen in den Strecken Marburg—SpielfeldrStraß— LuttenbergundGraz—Marburg—Klagenfurt direkte Personenwagen zur Einführung, wodurch die Zoll- und Paßbehandlung im Reisendenverkehr eine wesentliche Erleichterung erfährt, * Neuerliche Erhöhung der Kaffeehauspreise, Nach wiederholten Unterbrechungen sind nun auch die Lohnverhandlungen im Kaffeegew er b ebeendet worden. Es wurde ab 20. d. M. eine Erhöhung der bisherigen Löhne um durchschnittlich ein Drittel zggebilligfc. Die infolge dieser Lohnerhöhung und der sonstigen Verteuerung der Regien, namentlich der Beleuchtung und Beheizung, bedingte Mehrbelastung der Betriebe muß durch eine halbwegs entsprechende Regulierung der Verkaufspreise wettgemacht werden. * Bau des zweiten Geleises Wels—Passau. Die derzeit noch eingleisige Teilstrecke Haiding—Passau der Bahnlinie Wels—Passau ist dem in den letzten Jahre» mächtig angestiegenen Verkehr - von und nach Deutschland über Passau nicht mehr gewachsen; es ist daher in Aussicht genommen, den schon seit Jahren geplanten zweigeleisigen Ausbau dieser Strecke im heurigen Jahre in Angriff zu nehmen, und zwar soll mit dem Ausbau der Teilstrecke Haiding—Neumarkt—Kallham einschließlich der Ausgestaltung dieser beiden und der Zwischenbahnhöfe Wallern und Grieskirchen begonnen werden. Unter der Voraussetzung, daß die hiefür erforderlichen Mittel, die infolge der gegenwärtig noch immer ungünstigen Bäuverhältnisse sehr bedeutend sind, vom Bunde zur Verfügung gestellt werden, könnten diese Bauarbeiten in zwei bis drei Jahren fertiggestellt werden. * Die Bombenanschläge in der Bartensteingasse und im Szemszö-Schlössel. Regierungsrat, W a h l, Stellvertreter des Vorstandes des wiener Sicherheitsbureaus, ist von Budapest zurückgekehrt. Er ist der Budapester Oberstadthauptmannschaft, die die nach» Budapest führende" Spur der Täter bei den Bombenanschlägen in der Bartensteingasse und im Szemszö- Schlössel mit Energie verfolgt, bei ihren Nachforschungen mit dem Wiener Erhebungsmaterial an die Hand gegangen find hat sich über den Verlauf der Nachforschungen informiert. Der Erfolg, die Spür des Sekretärs Vojnits und des Privatbeamten Eötvös aufgefunden zu haben, gebührt der Budapester Polizei. Sie hat in Erfahrung gebracht, daß sich gerade am kritischen Tage der Privatbeamte Eötvös mit der Preßburger Bahn nach Wien begeben hat, und ordnete seine Verhaftung an. Diese war nicht leicht durchzuführen, denn der junge Mann mußte in Schlupfwinkeln und Kaffeehäusern gesucht werden. Er hat sich anfäglich auf den Standpunkt des starrsten Leugnens gestellt und auch die Verbindung mit dem Sekretär des früheren Obergespans Julius v. Szemszö war noch nicht nachgewiesen. Erst dadurch, daß unter Mithilfe des Regierungsrates Wahl im Preßbureau in Budapest nachgeforscht worden ist, wurde offenbar, daß zugleich mit Eötvös auch Vojnits den Paß nach Wien sich hat ausstellen lassen. Daß beide gemeinsam hiehergefahren sind, ist zweifellos. Ueber die Zeit - der Ankunft in Wien herrscht ’ aber noch .Ungewißheit, da darüber die Angaben verschieden sind. Der Appell an die Fahrgäste eines der Züge der Landesbahn Wien—- Pr.eßburg, die in den Nachmittagsstunden oder abends am 8. d. M. in Wien angekommen sind, ist erfolglos geblieben. Da die Feststellung für die Fortführung der Untersuchung von ausschlaggebender Bedeutung sein kann, werden Fahrgäste eines der in Wien, am Nachmittag oder Abend des 8. d. M. eintreffenden Züge, die sich an das ungleiche Paar, das im letzten oder vorletzten Waggon gesessen sein soll, erinnern 'können, dringendst ersucht, ihre Wahrnehmung im Sicherheitsbüreau, Roßauerlände 7, Zimmer 85, bei Dr. Lewisch), in dem auch Bilder der beiden zu sehen sind, bekanntzugeben. Josef Vojnits ist 25 Jahre alt, groß und schlank. Er soll bartlos gewesen sein. Seine Lippen sind ziemlich., wulstig. Er war mit ziemlicher Eleganz gekleidet und trug * blauen, etwas altmodischen Winterrock mit Samtkragen. Von ihm muß sein Reisegefährte Kart Eötvös sehr abgestochen sein. Dieser zählt 23 Jahre, ist weit kleiner und schmächtiger als Vojnits, hat braunes Haar, ist gewöhnlich bartlos und trug alten braunen Anzug,, möglicherweise aus Militärtuch. * Druckfehlerberichtigung. In unserem gestrigen Bericht über die Eröffnung der jüdischen Gemeindetagung in Litauen heißt es irrtümlich: „daß die litauische Judenheit an dem Aufbau der jüdischen Staatlichkeit großen Anteil habe“. Es soll natürlich richtig heißen, „an dem Auf«; baue der litauischen Staatlichkeit“.. . Verschwundenes Kleinod. Dem .Siegmund G erring e r ist in den letzten Vier Wochen aus der Wohnung Wohllebengasse 8, ein Perlenanhänger mit zwei großen Perlen in Tropfenform, umgeben von zahlreichen Brillanten, au der linken Perle, ein Kettchen, an Platiureif mmwim*. ••WEIHBURCOASSE‘10««