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Wiener Morgenzeitung · 1922-02-21 · Heft 1101 (21.2.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1101 (21.2.1922)
Date
1922-02-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 110? Wien, Dienstag WIENER' MORGENZEITtTNCJ '21. Februar 192? Seite 3 -^ Jugoslawien. Die kleine Entente. Graz, 20. Februeir. Die »Tagesipoistä« meMlet öAis Laibach1: Wie d'eir Belgrader Ko.rreisjp«Dinjctent des »Skwentsfci Narofdi« benifdhteit, werde Ministe!Präsident Dir. Benesclh' attuf -dletr Rückfafliirt aus Rem niaioh Prag aim SZ. otdfer etpältesteuus pm 27. d. M. itn Laöbaidh ©mitreffen«. Hiiier werde ©ine Ziutsiaiminenlkiuiwft Dt. Besnesiclh)’ mit diem UlMistenprasüid Allen 'P a s i t 19 c 'h und dlem Außen*- miiirriisiter N ineit selb ©tattfiwdlan. In Lai'badh soll ßiudi eine engere Konferenz der kleinen Entente albgehialten werden1, M der auch die p o l<n i isofhi e Regienutng eingeiaden wiundte. Ungarn. Ausweisung- und Pogrompropaganda der „Erwachenden Ungarn". Budapest, .20. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“). Die Erwachenden Ungarn ziehen von Bezirk zu Bezirk und halten Agitatiönsversatnmlungeu ab. Sämtliche Redner richten die aufreizendsten Ausfälle gegen die Juden und fordern von der kommenden Nationalverversammlung die Schaffung von Gesetzen, die geeignet sein sollen, die angebliche Vorherrschaft der'Juden zu brechen und sämtliche Juden zum Verlassen, des Landes zu bestimmen. Ein Redner, Egon Turchanyi, erklärte, daß die Christenheit nunmehr in Aktion treten müsse, koste es was es wolle, und selbst wenn die Aktion über Leichen führt. Denn diejenigen, die .in der Sünde verharren, verdienen nicht nur den moralischen sondern auch den physischen T o d. Bei der kommenden Wahl müsse man darauf schauen, daß die Kandidaten nicht nur mit dem Munde Christen seien, sondern daß sie auch bereits auf christliche Taten int Sinne der Erwachenden Ungarn hinzuweisen vermögen. Bei dieser Gelegenheit sei festgestelit, daß die Be^ fiauptung der Regierungsblätter, daß der Minister de? Innern Graf Klebelsbergdie Entfernung der aufreizenden Plakate angeordnet habe, nicht den Tatsachen entspricht. Nicht nur daß die ersten Maueranschläge noch immer in den Straßen sichtbar sind und ständig von großen Gruppen gelesen werden, erscheinen täglich frisch gedruckte Plakate, die gleichfalls ungehindert angebracht werden. Im übrigen erklärt der Minister des Innern, daß eine Verfügung zur Entfernung der aufreizenden Maueranschläge nicht in sein Ressort, sondern in den Wirkungskreis der Staatsanwaltschaft gehöre, die ihre Weisungen vom Justizminister erhalte. Der Justizminister tat jedoch nichts, um diese öffentliche Aufreizung zu verhindern. Rumänien. Die Erschießung der jüdischen Heimlosen in Beßarabien. Bukarest, 19. Februar. (J. C. B.) Die rumänische Presse veröffentlicht eine Meldung des „Cablogram“, derzufolge die W r a n g e 1 - A r m e e in den einzelnen Ländern Mitteleuropas Detachements für die Propaganda unterhält Eines dieser Detachements hätte in Beßarabien förmliche Ma.ssackers inszeniert und auch die Erschießung der .jüdischen Heimlosen aus der Ukraine sei von den Wrangel- Leuten angestiftet worden, zwecks Herbeiführung eines Konflikts zwischen Rumänien und Sowjetrußland Der Initiator aller Unruhen und Ermordungen in Beßarabien soll dem „Cablogram“ zufolge der Bukarester Vertreter Wrangels, General B 0 j 0 f, gewesen sein. Palästina. Ernennung eines Keren-Hajessod-Kommissärs zum Konsul in Palästina. Santiago, 18. Februar. 0« C. B.) Der Präsident von Chile empfing Dr. W i 1 e n s k y, der eine Propagandareise für den Keren Hajessod in Südamerika absolvierte, in längerer Audienz und hatte mit ihm eine längere aussprache über aktuelle jüdische Fragen im Allgemeinen und über die zionistischen Bestrebungen in Palästina. Der Präsident versicherte Dr. Wilensky, daß der Vertreter von Chile im Völkerbunde für die schleunige Ratifizierung des Palästina-Mandats Eintreten und stimmen wird, damit die Arbeiten für die Errichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina erleichtert werden. Bei dieser Gelegenheit ersuchte der Präsident Dr. Wilensky, die Leitung des K 0 s u 1 a t s für Chile in Palästina zu übernehmen.' Dr. Wilenski hat diesen Antrag angenommen. Ein neuer Verrat der Agudah. Warschau, 19. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung“.) Wie gemeldet wird, hat Lord Northclif-fe auf einem Bankett in Jerusalem erklärt, daß sich die palästinensische Judenheit gegen die zionistischen Bestrebungen ausgesprochen habe. Das Warschauer Misrachi-Bureau erhielt heute vom Jerusalemer Bureau des Misrachi eine telegraphische Mitteilung, in der festgestelit wird, daß die palästinensischen Vertreter der Agudah Lord Northcliffe in diesem Sinne informiert und bei ihm die Zionisten denunziert haben. * Auf ihrer Konferenz in Warschau scheuen sich die Herren von der Agudah nicht, ihre Taten in Palästina aufzuzählen, doch all diesen Arbeiten setzt diese Denunziation und der Verrat jüdischer Volksinteressen in Erez Israel die Krone auf. Rundschau. Die innere Politik Englands. Balfqur Nachfolger Lloyd Georges? Paris, 20. Februar. (Tel.-Komp.) Der diplomatische Korrespondent der „Chicago Tribüne“ in London glaubt zu wissen, daß geheime Instruktionen an alle Parteivorstände der Koalition ergangen sind, sich auf baldige Neuwahlen vorzubereiten. In politischen Kreisen hält man Balfour für den eventuellen Nachfolger Lloyd Georges. Rebellion in Irland. London, 20. Februar. (Reuter.). Wie „Daily Expreß“ meldet, haben zwei Brigaden der südirischen Armee der Regierung von Dublin den Gehorsam verweigert Die Reparationskommission soll übet» das Moratorium in Deutschland entscheiden. Paris, 20, Februar. (Havas.) Die britische Regie* rung hat Samstag der französischen Regierung die Antwort auf den Vorschlag, betreffend den einzig haltenden Geschäftsvorgang, bezüglich des von Deutsch- . land geforderten Moratoriums sowie bezüglich de* Garantien, welche dagegen zu verlangen wären, zugehen lassen. Das Foreign Office ist mit der Vet* Weisung der Frage andie Reparationskommission unte* gewissen Vorbehalten, die gegenwärtig von den de-. ‘ teiligten Ministerien geprüft werden, einverstanden. Die Lage ln Fiume. Fiume, 30. Februar. (Telegramm der »WiönefJ Morgonzeituaig«.) Die Stadt ihat aufgeregte Tage hinter sich. Auf den Präsidenten Zanella wurde*; wie bereits gemeldet, ein Bomibenaittentat■ verübt*- ■und, zwar waren axra T r i e s t e r Fast i s t>e mVa&- drei Stellen Bomben, gegen den Wagen geworfen wenden, in welchem er aus der Konstituante nacht Hause fuhr. Glücklicherweise kam er mit ieichten! Verletzungen än der Hand davon. Im Hinblick auf dlie Gefähirdluaig dler Sicherheit-, der- Abgeordnete®!1' hat die Regierung die Konstituante vertagt, bis die italienische Regierung die Karabinier! abzieht und' durch die Fiumaner Polizei ersetzt. Die Karabinier! fraternisieren öffentlich mit den aus Italien! eingelangten Fasoisten, welche die Rekruten deal Fiumainer Polizei auf der Gasse überfallen und mißhandeln. Ministenpräsident Bonomi hat auf den! Protest des Präsidenten Zanella seinem Bedauern: über die Vorfälle Ausdruck gegeben, ohne jedoch?* den Befehl zum Abzug der Karabinieri zu' fcrMleätf So kam es, daß am 14. d. M. ein auf der Station eingelangter Transport mit Monturen für die Fiumaner, Polizei von' Fasoisten im Verein mit italienischen! Eisenbahnern verbrannt wurde. Da diel Karalbitnieri untätig zuisiatbetn, wie auch die .; Schläuche der Feuerwehr zerschnitten, wurden, um ein Löschen des Brandes, zu verhindern, ist deiS ganze Transport neuer Uniformen und Schuhe, welche der Fiumaner Staat in Wien gekauft hiabte^ ein Raub der Flammen geworden. Da alle Proteste in Rom nicht zur Einstellung des Treibens den italienischen Emissäre in Fiume führen, iplant,diel, hiesige Regierung die. Aufstellung einer; B-ii r g e tn wehr zum Schutze gegen die fas-cistischen. Umtriebe. . Die dreiprozentige Einwanderangsqudte in Amerika. Washington, 19, Februar. (J. C. B.) Dje. Ein.*; wanderungskommission des Repräsentantenhauses! hat in Berücksichtigung der von ihrem Versitzenden! Mr. Johnson gemachten Einwände gegen., die! provisorische gänzliche Einwamderungssperte; Ipe-,, schlossen, die bisherige ^-iPrazent-EinwiaJhidenuaigs-*:. quote bis Ju 11! 1923 in G e 11 u n g z<11 1 a s.9 enV- Wie verlautet, ist dieser Beschluß, dem die weitere Offenfhiallturg der Tore Amerikas «zumindest füÄ eine beschränkte Einwanderung zu danken ist, auf dtas Veahör Louffls M a rsha 11 s vor die? Eitniwan^ derungskommission, der sich, wie bereits gemeldet* entschieden gegen die gänzliche Einwanderungs- Sperre wendete, zurück zu f Uhren. ENGLISCHE STOFFE Regenmantel, Herren- und Damenwäsche, Wolljacken und Jumper, ferner alle Sorten von Chiffon, Web- und leinenwaren, olles erstklassig und billigst im Warenhaus tun Schiff mann Wien,!!.. Taborstraße 43 Talsphnn 47-1-79 En gpGS 1074 E» &Qfail , Konzerte. Die französischen und nordischen Konzerte häufen sich in Wien und man wird fast zu selten daran erinnert, daß auch eine deutsche Musik für ihre Gegenwartsid^ale wirkt und kämpft Jüngst interpretierte Dr. Dragan P 1 a m e n a c französische Klaviermusik und erzählte in einer einleitenden “Conference“ allerlei über Wege und Ziele der. französischen Moderne. So erfuhr man durch den „Conferencier“ von einer französischen „Gruppe der Sechs“ — ihr gehören unter anderen die in Wien bereits bekannten Komponisten Satie, Poulence, Milhaud und Honegger an — die sich die Rückkehr zur einfachen „horizontalen“ Melodie und die Abkehr von allem klanglich und harmonisch Komplizierten zum Programm gemacht hat Gewissermaßen ein Schlachtruf: Fort vom Impressionismus zum Expressionismus! Es ist nicht das erstemal, daß in der französischen Kultur der Schrei nach der Rückkehr zur Natur laut wird. Rousseaus Sehnsucht nach dem Kindheitsalter der Menschheit, wiederholte Opernreformen mit dem Bestreben, das einfach Wahre auf dem Theater auszudrücken, schließlich die Flucht zum , Primitiven beim Maler Gauguin und. seinem Schule haben hierin den Köpfen einiger moderner Musiker ein Echo gefunden. Andererseits darf nicht vergessen werden, daß gerade in Frankreich der Impressionismus Debussys als Gegengift gegen Richard Wagners dramatische Urkraft die weitesten musikalischen Kreise viel zu sehr durchsetzt hat, als daß sie sich unvermittelt von diesem Banne befreien könnten. — Im übrigen schenken wir der lebendigen Gegenwartsmusik weit mehr Glauben als der Diktatur dieses „Rates der Sechs“: Die von Dr. Plamenac am Klavier vorgeführten Werke der älteren Meister Roussel, Magnard und S 6 v e r a c wie der jüngeren Modernen Honegger und Milhaud vermochten den Beweis für die praktische Verwirklichung dieser Ziele keineswegs zu erbringen. Selbst bei Milhaud, der scheinbar in den Bahnen. Schönbergs wandelt und bei Honegger, der in seinen „kurzen Stücken“ vor äußersten Härten nicht zurückschreckt und eine Melodie, unbekümmert um die überlieferten Gesetze des Wohlklangs, rücksichtslos durchführt, spürt man noch eine Dämpfung des Dissonanten durch französischen Esprit, durch Klangmischung aus der Schule Debussys. Charakteristisch ist der Einfluß des Exotischen und der Malerei bei Roussel und SSverac, primitive Klänge werden versucht und kleine Formen bevorzugt, ja in Söverac’ Camaval, der allerlei Kurzweil treibt; Tänze aufführt und Erinnerungen an Daquin austauscht, wird man in Form und Inhalt .geradewegs an Schumanns Camaval erinnert. Freilich maltSSveräc in weit südlicheren Farben, es ist eben ein Faschingstreiben an der Küste Cataloniens unter immergrünem Lorbeer. Weit weg von diesen blühenden Gefilden führt die „lappländische Suite“ vonMonrad-Johansen, die Birger Hammer an seinem norwegischen Abend mit ■ musikalischen Geschmack und gediegenem pianistischen Können zum Vortrage brachte. Wie der zweite Satz der Suite von einem „steinernen Göttiein“ erzählt, so lastet Über der ganzen Suite etwas Steinernes, Dunkles, Schweres, die Kälte- und Sorge des hohen Nordens, die aus den nationalen Melodien wie aus der schwerflüssigen Gestaltung wiederklingt. Schöne Tonmalerei, die uns in der Schilderung des Frauenprofils, des steinernen Göttieins, de* heimischen Landschaft und der geliebten Renntiere in eine fremde Gefühlswelt versetzt. .* Das Geigenspiel von Fräulein Grete Low haben wir erst kürzlich gewürdigt. Der persönliche Zug in ihrem Spiel tritt allmählich stärker hervor, ihre Virtuosität ist ansehnlich und so sollte sie umsomehr auf gewisse Schwankungen der Tongebung ihr Augenmerk richten. -- Die beiden musikbegabten Schwestern G 0 i t e i n wetteifern miteinander auf der: Geige. Die kleinere Piroska scheint die Beherztere zu sein« Schmissig und virtuos, mit allen Mängeln der Anfängerin, spielte sie ungarische Tänze von Brahms- Joachim. Ihre ältere Schwester Anny bemühtesich, vom Komponisten Kamillo Hörn am Klavier begleitet; um dessen Geigenphantasie op. 42, ohne für deren warm empfundenen Geigengesang die rechte Modülationsfählgkeit des Tones zu besitzen. . Der einarmige Pianist Paul W i 11 g’e n s t e i ri konzertiert mit der linken Hand ohne Spuren einer seelischen Ermattung und erweist sich trotz der unvermeidlichen Beschränkung seines Programms als Meister der Kleinkunst. Auch Herr Severin E i s e nde r ge r hat sich bereits vorteilhaft als Pianist eingeführt. Er formt die Appassionata im Geiste Beethovens und bewahrt, äußere Ruhe im leidenschaftlichen Dahinstürmen. Bei Anton Trost ist das Gefühlsmäßige nicht recht akzentuiert, worunter die Farbe des Vortrages leidet. Technische Gewandtheit und rhythmische .Begabung teilt er mit Fräulein Zofja S p a t z, die gleich ihm die Appassionata“ spielte. Das dämonische, : Wesen dieser Sonate findet in ihr weit schwächeren Wiederhall als die anmutige Lyrik von Schumanns Humoreske. Auch in einem Scherzo unseres heimischen Komponisten Walter Klei n, einem dankbaren Klavierstück von flotter Bewegung und guter Klangwirkung, offenbarte sie regen Klangsinn und Musikalität. Gleich Herrn Emil Salzberger, dessen Spiel noch stark im Technischen befangen ist, sorgt auch Fräulein Gertrüde’ Weiß vorwiegend für das technische Gelingen. Dagegen wagt sich bei ihrer Namensschwester Käthe Weiß, deren gute musikalische Erziehung wif anerkennen, bereits eigenes musikalisches Leben langsam hervor. Für die Bewältigung von Schumanns Camaval ist ihre Zeit noch nicht gekommen. Dr. Ewin Felder.

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